Einrichtungen

HÖR: Eine Lobby für studierende Roma

November 1st, 2021  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung

Sladi Mirković ist die Präsidentin der HÖR (Foto: Esteban Hoyos/via UniStandard)Ein neuer österreichischer Verein setzt sich für die In­teres­sen der Roma und Sinti an Hoch­schu­len ein. Stereo­type und Bil­dungs­un­ge­rech­tig­kei­ten sol­len so über­wun­den wer­den

Tobias Mayr/UniStandard: Sladi Mirković freut sich: „Wir haben im letzten halben Jahr den Diskurs über Roma an Hoch­schulen sehr stark mit­be­stimmt.“ Die 33-jäh­rige Romni ist Prä­sidentin der im April ge­grün­deten Hoch­schü­lerIn­nens­chaft ös­ter­rei­chi­scher Roma und Romnja (HÖR). Ge­mein­sam mit fünf Kol­legen möchte Mirković die Bildungs­interes­sen junger Roma in Österreich ver­treten und dabei die Sicht­bar­keit von studie­renden Roma an der Uni er­höhen.

Denn diese sind nicht nur in der österreichischen Be­völ­ke­rung eine Min­der­heit, son­dern auch an den Hochschulen. Zahlen, wie viele Roma stu­dieren, gibt es keine. Für die HÖR steht aber außer Zweifel, dass es „ver­hältnis­mäßig wenige“ sind. Doch auch genaue Zahlen, wie viele Roma in Österreich le­ben, gibt es nicht. Die ethnische Zu­ge­hörig­keit zu Volks­gruppen wird wegen rassisti­scher Er­fah­rungen mit Volks­zählungen im Natio­nal­sozialis­mus nicht erhoben. Das Kanzler­amt geht von zehn­tausenden An­ge­höri­gen aus, die meisten von ihnen leben in den östlichen Bundes­ländern, vor allem im Ballungs­raum Wien. Der Über­begriff Roma wird dabei stell­ver­tre­tend für alle Men­schen ver­wendet, die sich als Roma, Sinti oder Lovara iden­ti­fi­zieren.

Kein Verstecken mehr

Jene, die heute studieren, versteckten meist ihre Identität, sagt Mirković: „Ab einer ge­wis­sen Bildungs­stufe sehen viele davon ab, sich zu outen – aus Angst, sich damit Steine in den Weg zu legen.“ In der Schule und zu Be­ginn ihres Studiums der Trans­kultu­rel­len Kom­mu­ni­kation sei es ihr ähn­lich ge­gangen: Read the rest of this entry »

Novi Glas: Antiziganismus & Repräsentanz

Oktober 27th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV

Ein Podcast-Gespräch des bur­gen­land­kroa­ti­schen Me­di­ums „Novi Glas“ mit dem Roma-Ak­ti­vis­ten Mar­tin Hor­vath (Verein Hango Roma)

Martin HorvathAnfang 2021 wurde im deutschen WDR eine Sendung aus­gestrahlt, in der aus­schließ­lich mehr­heits­an­gehö­rige Promis über die Ver­wendung von Be­griffen wie „Zigeunersauce“ dis­kutier­ten. Die Sendung hat hohe Wellen in den sozia­len Medien ge­schlagen und auch Roma-An­gehörige in Österreich em­pört (wir be­rich­te­ten: hier, hier und hier). Martin Horvath (38) aus Siget in der Wart ist Grün­der und Vor­stands­mitglied des Vereins HANGO ROMA, einer der Schwer­punkte des Vereins ist Antizi­ganismus­arbeit. Das ganze Telefon­gespräch mit Horvath ist als Podcast nach­zu­hören und unter­halb in ge­kürzter Form zu lesen.

→Kroatische Zusammenfassung einblenden

/Novi Glas: Wie ist es dir ergangen, als du von dieser Sendung im WDR er­fahren hast?
Martin Horvath: Es ist in den letzten Monaten nicht neu, dass gegen die Volks­gruppe der Roma gehetzt wird. Als Corona ang­efangen hat, in Ungarn, Rumänien, Slowakei hat man Schuldige gesucht und die Schuldigen waren die Roma. Die Sen­dung beweist, dass oft ein Thema ge­wählt wird, mit dem man Quoten erreicht: Die Diskus­sion – soll man das „Zigeunersauce“ nennen oder nicht? – ist aber ver­antwor­tungs­los. Das sind Personen in der Öffent­lichkeit, die man liebt, die Vorbilder sind. Wenn man so diskutiert, ist das nicht in Ordnung. Man kann über die Ver­wendung des Begriffs „Zigeuner“ eine Diskussion halten, aber dann muss man Ver­treter von diver­sen Roma-Or­ga­nisa­tionen einladen, damit man ge­meinsam darüber dis­ku­tieren kann.

NG: Wie stehst du zu diesem Begriff? Verwendest du ihn?
Der Begriff ist nicht in unserem Wortschatz, in Romanes gibt es das Wort „Zigeuner“ nicht einmal. Man ver­bindet es mit dem „ziehenden Gauner“, es ist ein negatives Wort, das uns auf­ge­drückt worden ist. Wir sind so bezeich­net worden. Es gibt Leute, die sich als „Zi­geuner“ be­zeichnen, aber das ist eine per­sönliche Ge­schichte. Das sind Einzelne, aber man kann keine ge­samte Gruppe als „Zigeuner“ be­zeichnen. Es ist jedem über­lassen, wie er sich be­zeich­net. Für mich per­sönlich ist das Wort abscheulich. Read the rest of this entry »

Romabiz unterstützt Unternehmer

Oktober 24th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 22.10.2021 | 6.11 min | Redaktion: Adolf Gussak | Kamera/Schnitt: Elias Gärtner-Horvath

Ziel des Projektes ROMABIZ ist die Steigerung der Innova­tions- und Wett­bewerbs­fähig­keit von kleinen und mitt­leren Unter­nehmen (KMU) von Roma und Sinti durch Stär­kung ihrer Manage­ment- und unter­nehme­ri­schen Kom­pe­ten­zen. Es wird derzeit eine Er­hebung durch persön­li­che Be­fragung zur unter­neh­meri­schen Situa­tion von Roma- und Sinti-Un­ter­neh­men in der bur­gen­län­disch-un­gari­schen Grenzregion durch­geführt, um vor­herr­schende Charak­te­ristika und Bedürfnisse punktgenau aufzugreifen. Die Unternehmen werden an­schlie­ßend im Rahmen von Einzel­beratungen sowie bei Bedarf durch Mentoring von ge­schulten Be­raterIn­nen unter­stützt. Daneben wer­den Gruppen­coachings zur Ent­wicklung besonders wett­bewerbs­wirks­amer Kom­petenzen und Strategien an­geboten. „Treffen am Runden Tisch und Exkursio­nen zum Kennen­lernen von Best-Prac­tice-Bei­spie­len fördern die Inten­si­vie­rung des Er­fahrungs­aus­tausches und die Vernetzung“, ist BFI-Pro­jekt­manager Christoph Greiner über­zeugt. Es wird zudem eine inno­vative, internet­basierte und mit mobilen An­wen­dungen aus­ge­stattete Unter­nehmens­platt­form auf­gebaut, wo Roma-Un­ter­neh­merInnen die Mög­lich­keit haben, ihre Unter­nehmen zu prä­sen­tieren und nützliche Infor­ma­tionen zu platzieren. Read the rest of this entry »

GAW: Diskriminierung melden!

Oktober 8th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

"Gemeinsam gegen Rassismus" (Broschüre der GAW im BKA)Die österreichische Gleich­be­hand­lungs­­an­walt­schaft (GAW, Infos und Kontakt →hier) wen­det sich mit fol­gen­der Aus­sendung an Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen und bit­tet um Mit­hilfe und Ver­brei­tung:

Antiziganismus bekämpfen, Diskriminierung melden!

Personen mit Rom:nja-Hintergrund in verschiedensten Situationen mit Rassismus und Anti­ziganis­mus kon­fron­tiert. Dies ist ein tief­wur­zel­ndes gesamt­gesell­schaft­li­ches Problem. In der Beratung be­richten uns Betrof­fene, dass sie aus Geschäften weg­geschickt wer­den sowie von rassisti­schen Be­schimpfun­gen im Rahmen ihres Arbeits­alltags. Die Gleich­be­hand­lungs­anwalt­schaft bietet hier Unter­stützung!

  • Wir erklären Betroffenen, was sie tun kön­nen.
  • Wir informieren sie über ihre Rechte und helfen ihnen, diese durch­zu­setzen.
  • Wir dokumentieren Diskriminierung und berich­ten an den Nationalrat.

Nur wenige Betroffene wenden sich mit Diskriminierungs­proble­men jedoch an die Gleich­behand­lungs­anwaltschaft. Einer­seits fehlt das Vertrauen, an­de­rer­seits das Wissen über be­ste­hen­de Rechtschutz­mög­lich­keiten.

Wir möchten diese Barrieren überwinden und ersuchen Sie dabei um Ihre Unter­stüt­zung.

Drei neue Mitgliedsverbände im Zentralrat

Oktober 6th, 2021  |  Published in Einrichtungen

Neue Mitglieder im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Deutschland: Drei neue Mitgliedsverbände im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Expertise in den Bereichen Bildung und Zuwanderung wird gestärkt

Am 25. September 2021 bestätigte in Berlin die Mitglieder­ver­samm­lung des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma die Auf­nahme von drei neuen Verbänden. Die neuen Mit­glieder im Dachverband sind der Landes­rat der Roma und Sinti Ber­lin-Bran­den­burg e.V., der Ver­band Romano Sumnal e.V. in Sachsen sowie der Stu­die­ren­den­verband der Sinti und Roma in Deutschland. Die Mit­glieder­ver­samm­lung be­stä­tigte damit die auf der Vor­stands­sitzung am 18. Mai 2021 vor­läufig be­schlos­sene Aufnahme der drei neuen Verbände. „Mit der Auf­nahme von drei neuen Ver­bänden hat der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma wich­tige Mit­streiter ge­wonnen, die sich für die bürger­recht­liche und politische Interes­sen­vertre­tung der Sinti und Roma in Deutsch­land ein­setzen. Ins­beson­dere die Bildungsarbeit wird durch die neuen Mit­glieder ge­stärkt. Mit dem Landes­rat Deutscher Sinti und Roma Berlin-Bran­den­burg e.V. hat der Zentralrat einen starken Partner in der Bundes­haupt­stadt“, so Zentral­rats­vor­sitzen­der Romani Rose.

Der Studierendenverband der Sinti und Roma in Deutschland wurde im Dezem­ber 2020 zur Unter­stützung und Ver­netzung junger Sinti und Roma in Studium und Beruf ge­gründet. Daneben möchte der Verband die Sicht­barkeit der Minder­heit fördern, Chancen­gleich­heit her­stellen und so aktiv die Gesell­schaft mit­gestalten.

Der Landesrat der Roma und Sinti Berlin-Brandenburg e.V. ist eine Minder­­ei­ten-Selbst­or­ga­ni­sa­tion mit Sitz in Berlin, die sich seit Jahren in Ko­opera­tion mit der Berliner Landes­zentrale für Politische Bildung de­mo­kra­tie­stär­kend für die Berliner Sinti und Roma auf Landes­ebene en­gagiert.

Der sächsische Verein Romano Sumnal e.V. wurde im April 2016 in Leipzig ge­gründet und ist die zentrale An­lauf­stelle für An­ge­hörige der Minder­heit in Sachsen, die Unter­stützung, Beratung und Hilfe be­nötigen. Read the rest of this entry »

Slowakei: Neue Wohnungen durch Selbsthilfe

September 29th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Bauprogramm in Rankovce (Foto: ETP)RTVS.sk: In der Romasiedlung Luník IX im ost­slowaki­sschen Košice wurde am Wochen­ende das Pro­jekt „Budujeme nádej“ (Bauen wir Hoffnung) of­fiziell ge­startet. Dieses be­inhal­tet den Bau gemein­schaft­li­cher Ein­richtun­gen und Wohnhäuser im Selbst­hilfe­verfahren. Als Erstes wird in Zu­sam­men­arbeit mit dem städtischen Sozial­betrieb ein Gemein­schafts­haus ge­schaffen, das allen am Projekt teil­habenden Familien dienen soll, später folgen Wohn­häuser für Familien. Der Bau erfolgt auf Basis eines Spar- und Mikro­kredit­programms, das die NGO ETP – Zentrum für nach­haltige Ent­wicklung (ETP Slovensko – Centrum pre udržateľný rozvoj) ko­ordi­niert. Durch die Errich­tung der Gebäude in Selbsthilfe sollen die Be­wohner auch Fertig­keiten erhalten, die ihnen später auf dem Arbeits­markt zugute­kommen können. Über den Projekt­start erfreut zeigte sich auch der Bürger­meister von Luník IX, Marcel Šaňa: „Bald beginnt der Bau eines Muster­hauses, das den Bewoh­nern auch zeigen soll, dass das Projekt real ist, denn wir haben lange davon ge­sprochen. Der Weg war ziem­lich steinig, weil wir bei null be­gonnen haben – am Anfang gab es nicht einmal Grund­stücke dafür. Dann kam noch der lange Prozess einer urbanis­ti­schen Studie, wes­halb viele unserer Bewohner bereits den Glauben ans Projekt verloren haben und kein großes Interesse vor­handen war.“

Errichtet in den 1970er Jahren, war Luník IX ursprünglich als Wohn­gebiet für An­ge­hörige der Armee, der Polizei sowie der Roma-Be­völ­kerung vor­gesehen. Nach 1989 und dem Wegzug vieler Ein­wohner wurde der Stadt­teil zu­nehmend zu einem ethnischen Ghetto. Ur­sprüng­lich für etwa 2.000 Ein­wohner konzipiert, leben heute in Luník IX mehr als 6.000 Roma in teils ver­fallenen Plattenbauten. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (392)

September 15th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

1951 wurde mit Un­ter­stüt­zung der Be­hör­den in Wałbrzych in Schle­sien die ers­te Ro­ma-Or­ga­ni­sa­tion Polens (Komitet Cygański) ge­grün­det.

(Quelle)

Fake News, Hoaxes, Manipulationen

September 11th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Re-ACTAntiziganismus und Antisemitismus online – For­schungs­er­geb­nis­se des Pro­jekts Re-ACT (Re­mem­ber and Act!)

Hass, Gewalt und Ausgrenzung: Beide Gruppen, jüdische Menschen und Roma, wer­den als eine „Bedro­hung“ in und für die Gesell­schaft wahr­ge­nom­men. Seit dem Mittelalter bis heute sind Roma und Juden tra­ditio­nel­le Sündenböcke. Diese und an­dere Er­kennt­nisse prä­sen­tieren die analy­tischen und ver­glei­chen­den Studien, die im Rahmen des inter­natio­na­len Pro­jekts Remember and ACT! (Re-ACT) er­stellt wur­den, welches sich auf die Ervforschung „alter“ Hass­kon­zepte in ihren modernen Formen kon­zentriert.

Das Projekt wird von der Organisation ROMEA zusammen mit dem Inter­natio­na­len Netz­werk gegen Cyber-Hass (INACH), der fran­zösi­schen NGO LICRA und dem öster­reichi­schen Forschungs­unter­neh­men SYNYO durch­ge­führt.

Die von INACH für Kontinentaleuropa erstellte Analyse von hass­erfüll­ten On­line-Posts hat gezeigt, dass starke Ver­bindungen zwi­schen aktuel­len Hassreden im Internet und den Prakti­ken, welche üb­lich für Nazi-Pro­pa­ganda waren, be­stehen. Ziel der im Rah­men des Re-ACT-Projekts er­stellten Studien ist es, die Mechanis­men zu be­leuchten, mit denen alte Stereo­typen, Halb­wahrheiten und Mythen über Juden und Roma wieder­ver­wertet werden. Die Studien zielen darauf ab, die Prinzi­pien zu erläu­tern, die dem Wieder­aufleben dieser tief ver­wurzel­ten anti­jüdischen oder An­ti-Ro­ma-Ein­stel­lungen zu­grunde liegen, und zu zeigen, wie diese neuen Formen der­selben sich wieder­holen­den fremden­feind­lichen Ideen online in mo­dernen Formen existie­ren, ins­beson­dere in den sozialen Medien.

Antiziganismus

Nach den Erkenntnissen der im Projekt tätigen Analysten ist es offensichtlich, dass Anti­ziganis­mus online auf dem Vor­marsch ist. „Der Trend ist eine kon­tinuier­liche Normalisie­rung von Hassreden gegen Roma. Solche Reden werden heute nicht nur von Mit­glie­dern ultra-rech­ter Gruppen ver­breitet, sondern auch von ‘norma­len’ Men­schen oder Main­stream-Par­teien“, sagen Selma Muhič Dizdarevič und Jitka Votavová, die Autorin­nen der Studie über Anti­ziganismus.

„Fake News, Hoaxes und Manipulationen werden als Instrumente zur Verbreitung von Hass ein­gesetzt. Auch der Trend zu so­genann­tem humor­vollem Rassismus nimmt zu und schafft einen Cocktail aus Ironie, Spott und Erniedri­gung, der vor allem für junge Men­schen attraktiv ist“, so die Autoren. Read the rest of this entry »

„Die Pandemie ist ein Brandbeschleuniger“

August 30th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

DOSTA: Dokumentation 2019-2020Berlin: Amaro Foro veröffentlicht die Do­ku­men­ta­tion anti­zi­ga­nis­ti­scher Vor­fälle 2019 und 2020

→Zur Publikation (pdf)

2019 machte ein antiziganistischer Vorfall in Hameln bundes­weit Schlag­zeilen: Eine Frau, die sich bei einem Woh­nungs­unter­nehmen mehr­mals um eine Wohnung be­worben hatte, bekam ein Schreiben zu­ge­schickt, in dem stand: »Leich­ter Zigeuner-Ein­schlag. Bes­ser nichts an­bieten.« Das Schreiben war offen­bar für den inter­nen Ge­brauch be­stimmt und nur ver­sehent­lich ver­schickt worden. Damit war der Betrof­fenen auch klar, warum ihre Bewer­bungen seit Jahren erfolg­los waren – eine ein­deuti­ge anti­ziganis­tische Dis­kriminie­rung. Nach den Erkennt­nissen der Doku­men­ta­tions­stelle Anti­ziganis­mus (DOSTA) ist dieser Vorfall durchaus re­präsen­tativ für die Erfahrungen, die Men­schen mit tatsächlichem oder zu­geschrie­benem Roma-Hin­ter­grund auch heute noch in Deutschland ma­chen. DOSTA erfasst seit 2014 sys­tema­tisch anti­ziganis­ti­sche und dis­kriminie­rende Vorfälle, die sich in Berlin er­eignen. Über die Jahre wurden Hun­derte Vorfälle doku­men­tiert, es ist aber von einer deut­lich höhe­ren Dunkelziffer aus­zu­gehen.

„Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebe­nem Roma-Hin­ter­grund sind in Deutsch­land von viel­fältigen Aus­schlüssen und Stig­mati­sierun­gen be­troffen, auf struk­tureller und indi­vidueller Ebene. Auf diese ohnehin äußerst prekäre Situa­tion hat die Corona-Pan­de­mie wie ein Brand­be­schleu­niger ge­wirkt und zu öffent­lichen Diffamie­rungen ebenso wie existenz­be­droh­li­chen Lebens­lagen ge­führt“, er­klärt Georgi Ivanov, Vor­stands­mitglied von Amaro Foro.

In den Jahren 2019 und 2020 waren einige Themen beson­ders do­minant: In deutschen Behörden, be­sonders in Jobcentern, sind Men­schen mit selbst- oder fremd­zu­geschrie­be­nem Roma-Hin­tergrund einer syste­matischen und struk­turellen Krimi­nalisierung aus­gesetzt, die häufig zur rechts­widri­gen Ver­weige­rung von Leistungen führt. Read the rest of this entry »

Michael Teichmann über „KAMBUKE“ in Graz

August 22nd, 2021  |  Published in Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
16.8.2021 | (on demand)

Michael Teichmann (Foto: M. Pfandl)

In der Sendung ist der Ethnologe Michael Teichmann von der Caritas Graz zu Gast. Als Leiter des Pro­jek­tes „KAMBUKE | kamaha buti te kerel“, zu Deutsch „Wir wollen ar­beiten“, erzählt er über die ver­schie­de­nen Ar­beits­berei­che für und mit Roma.

Projekt „ROMEXA“
Knapp 500 Roma aus Osteuropa, meist aus der Slo­wa­kei, Ru­mä­nien, Bul­ga­rien oder Un­garn, wer­den der­zeit von der Ca­ri­tas Graz in meh­re­ren Pro­jek­ten betreut. Eines davon ist das Pro­jekt „ROMEXA“, das haupt­säch­lich zur Ba­sis­ver­sor­gung von Roma und Romnja dient, die von pre­kären ökono­mischen und so­zia­len Si­tu­a­tio­nen aus ihren Hei­mat­län­dern nach Öster­reich migrie­ren.

Projekt „Chavore“ | Kinder“
Die Kinder der migrierten Familien haben die Möglichkeit am Projekt „Chavore“, zu Deutsch „Kinder“, teil­zu­nehmen und sich dadurch schneller ein­zu­leben. Aktuell werden 40 Kinder in diesem Projekt in Graz be­treut, Teich­mann unter­streicht die Bedeut­sam­keit dieser Maß­nahme für die Inklusion der Fa­milien.

Kindheit ohne „Stereotype“
Michael Teichmann, geboren 1973, wuchs in Oberdrauburg, einer kleinen Ge­meinde in Oberkärnten, auf. Dort be­suchte er die Pflicht­schule und an­schlie­ßend das Gymnasium Lienz. Der heu­tige Ethno­loge erzählt, dass es in seinem Eltern­haus keiner­lei Stereo­type oder typi­sche Vor­urteile gegen­über ande­ren Völkern gab. 1992 begann Michael Teichmann an der Uni Graz zu stu­dieren. Dort lernte er den Sprach­wissen­schaft­ler Dieter Halwachs kennen, der für die Kodi­fizierung und Didakti­sierung des Burgenland-Ro­mani ver­antwort­lich zeichnet. Read the rest of this entry »

Teichmann la Caritasatar Gereci use „KAMBUKE“

August 21st, 2021  |  Published in Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
16.8.2021 | (on demand)

Michael Teichmann (Foto: M. Pfandl)Andi adiveseskeri sendung o etnologo taj visen­schoftleri upro than la flo­goskera kun­dejatar Michael Teichmann la Cari­tasatar Gereci te schu­nel hi. Ojs schero le pro­jek­tostar KAMBUKE | KAmaha BUti te KErel“ andi nimtschki tschib – „Wir wollen arbeiten“, phu­kal ov peder o min­den­feliti­ke butja­kere thana le Romen­ge taj le Ro­menca.

Projekto „ROMEXA“
Bojd 500 Roma andar i ostitiki Europa, butvar andar i Slovakija, i Rumenija, i Bulgarija vaj andar o Ungriko akan la Cari­tasatar Gereci ande buteder pro­jekti vodim on. Jek le pro­jekten­dar hi o pro­jekto „ROMEXA“, savo le basisake­re fa­sor­gini­peske le Romen­dar taj Romni­jendar dijaninel, save le bi­bastale virtschoft­lichi taj socijali situaci­jendar andar pumare hajma­takere vila­gendar andi Austrija migri­rinen.

Projekto „Chavore | Kinder“
Le tschaven le migririme familijendar o schajipe hi uso projekto „Chavore“ andi nimtschki tschib „Kinder“ use te ol taj afka sikeder pe te integri­rinel. Ando mo­mento 40 tschave ande ada pro­jekto Gereciste vodim on, o Teichmann o bari­kanipe adale keri­pestar la integra­cijake le fami­li­jendar angle asdel.

Tschavengeri cajt oni sterejotiptscha
O Michael Teichmann ando bersch 1973 upro them alo. Upre bartschi­no ov ande Oberdrauburg, jek tikni ge­majn­de ande Oberkärnten. Odoj andi flogos­keri ischkola gelo taj paloda ando gimnasijum Lienz. Read the rest of this entry »

Bundesvereinigung in Deutschland gegründet

August 5th, 2021  |  Published in Einrichtungen

Die Vorsitzende des neuen Verbands: Esther Reinhardt-Bendel (Foto: Verband Deutscher Sinti und Roma e. V. - Landesverband Schleswig-Holstein)Sinti und Roma in Deutschland ver­ei­ni­gen ihre Kom­pe­ten­zen in neuer Bundes-Or­ga­ni­sa­tion

Am 2. August 2021 haben sich etablierte Vereine und Or­gani­sa­tio­nen der Sinti und Roma aus ganz Deutschland zu­sam­men­ge­schlos­sen, um den zu­künf­tigen Auf­gaben als Bundes­vereinigung der Sinti und Roma e.V. i. G. (BVSR) struk­tu­riert und trans­pa­rent zu be­gegnen.

Die Gründungsversammlung fand im Paul-Löbe-Haus in Berlin statt. Sitz der BVSR ist Berlin. Auch die Ge­schäfts­stelle wird in Kürze in der Haupt­stadt, in der Nähe der Bundes­allee er­öffnet. Weitere Selbst­organi­sa­tionen haben be­reits ihre Aufnahme be­antragt und sind will­kom­men. In der BVSR vereinen erst­mals etablierte Vereine ihre Kom­peten­zen in den Be­rei­chen Empower­ment, Wirtschaft, Recht, Medien, Familie, Bildung, Geschichte, Forschung, Gedenken und Min­der­heiten­inter­es­sen zu einer neuen Bundes­vertretung.

Der 15-köpfige Vorstand besteht gleich­berech­tigt aus Frauen und Männern. Als Vor­sitzende wurde Esther Reinhardt-Bendel (RomnoKher gGmbH/Ini­tia­tive Sinti-Roma-Pride) ge­wählt. Stell­ver­tre­tende Vor­sitzen­de ist Kelly Laubinger (Cinti Union Schles­wig-Holstein e. V.). Als Ge­neral­sekre­tär wurde Romeo Franz (MdEP) be­auftragt.

Zu den wichtigen Zielen der Bundesvereinigung gehören: Read the rest of this entry »

Roma-Strategie: Evaluierungsprojekt läuft an

Juni 16th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Politik, Wissenschaft

Evaluierungsprojekt Sensiro angekaufenSENSIRO – Studie zur Evaluierung der nationalen Stra­te­gie zur In­klu­si­on der Rom*nja in Ös­ter­reich

Sensiro ist ein Projekt, das die nationa­le Stra­te­gie zur Er­hö­hung der sozia­len Inklu­sion der Rom*nja, die 2011 ver­ab­schie­det wur­de, und deren Fort­set­zung vor kur­zem be­schlos­sen wurde, un­abhän­gig evaluiert. Ziel der Evaluie­rung ist es, heraus­zu­finden, ob und in­wie­fern die vom Bundes­kanzler­amt defi­nierten Wir­kungs­ziele er­reicht wurden.

Österreich hat sich zur Umsetzung der Strategie verpflich­tet. Die Strategie zur Erhöhung der Inklusion be­steht aus ver­schieden­artigen Maß­nahmen in den Bereichen Bildung, Arbeits­markt, Be­kämpfung von Antiziganismus, Empower­ment von Rom­nja sowie der Rom*nja-Ju­gend, Stärkung der zivil­gesell­schaft­lichen Struktu­ren der Rom*nja und Par­tizi­pation.

Ziel der Studie ist es, herauszufinden, welche Folgen die Maß­nahmen, die seit 2011 zur Stärkung und Er­mäch­ti­gung der Roma und Romnja in Österreich ge­setzt wurden, hatten. Die Studie wird vom Institut für Soziologie der Uni­ver­sität Wien in Zu­sammen­arbeit mit den Ziel­gruppen durch­geführt. Ihre Erfah­rungen und Sicht­weisen, die im Rahmen der Studie er­hoben werden, bilden die Grund­lage für eine Bewertung und Weiter­ent­wicklung der Strategie.

Das Projekt besteht unter anderem aus einer um­fassenden Befragung wesent­licher Akteur*innen (aus der Zivil­gesellschaft) und Ver­antwort­licher und mit der Um­setzung der Strategie Be­trauter. Außer­dem ist eine groß­flä­chi­ge Fragebogen­erhe­bung mit An­gehöri­gen der Zielgruppen in ganz Österreich ge­plant. Es gibt unter­schiedliche Möglich­kei­ten, beim Pro­jekt mit­zu­wirken: einer­seits durch das Führen oder Geben von Interviews für die Frage­bogen­erhe­bung, an­derer­seits durch das Be­suchen von Workshops und Ver­anstal­tun­gen und in Ver­bindung damit das Ein­bringen von An­regun­gen und Feedback, damit eine kon­tinuier­liche Diskussion und Weiter­ent­wicklung des Pro­jektes ge­währ­leistet werden kann.

Bei Interesse an einer Mitwirkung können Sie hier klicken!

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„Newo Ziro“ in „Heimat Fremde Heimat“

Juni 14th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Radio, Podcast & TV

Heimat fremde Heimat„Heimat Fremde Heimat“
ORF 2: So.,
13. Juni 2021
→Online in der ORF-TVthek

Ajda Sticker präsentiert das ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ un­ter an­de­rem mit fol­gen­dem Bei­trag:

Verein „Newo Ziro“ für Anliegen von Sinti und Sin­tizze
Seelsorgerin Natalie Weinrich hat 2019 den Kultur­verein „Newo Ziro“ – auf Deutsch „Neue Zeit“ – ge­grün­det, um auf Heraus­for­de­run­gen, denen sich Sinti und Sintiz­ze ak­tuell stel­len müs­sen, auf­merk­sam zu machen. Darüber hinaus soll aber auch die Sinti-Kultur wie­der mehr in die Öffent­lich­keit ge­rückt werden. Nach wie vor ist die Volks­gruppe mit fehlen­der An­erken­nung, Vor­urteilen und Rassismus kon­fron­tiert. Neben der Sozial­arbeit soll mit Pro­jekten und Ver­ansta­ltun­gen nicht zuletzt zum Erhalt der Sinti-Kultur und -Sprache bei­getra­gen werden. Ein Bei­trag von Adriana Jurić.

Weitere Beiträge: Read the rest of this entry »

ORF präsentiert Online-Videoarchive

Juni 9th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV

Erweiterte Videoarchive der ORF-TVThekPräsentation der ORF-TV­thek-Vi­deo­ar­chi­ve „100 Jah­re Bur­gen­land“ und „Volks­grup­pen in Ös­ter­reich“

Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Burgenland“ wur­den die bei­den „ORF-TV­thek goes school“-Vi­deo­ar­chive zur Ge­schichte des Burgen­landes und zu Ös­ter­reichs Volks­gruppen um­fassend aus­gebaut und er­weitert. Ins­gesamt mehr als 50 neue Videos be­rei­chern das auf der ORF-TV­thek in der Rubrik „History“ ge­zeich­nete, multi­mediale Bild des Bundes­landes und der öster­reichi­schen Volks­gruppen um zahl­rei­che neue Facetten.

Videoarchiv „Volksgruppen in Österreich“

Das 2019 gelaunchte Videoarchiv „Volksgruppen in Österreich“ wurde um 23 neue auf jetzt ins­ge­samt 130 Video­beiträge er­weitert, die sich der Kroatischen (27 Bei­träge, davon 6 neu), Slowakischen (15 Bei­träge, davon 3 neu), Slowenischen (30 Bei­träge, davon 3 neu), Tschechischen (15 Bei­träge, davon 3 neu) und Ungarischen (17 Bei­trä­ge, davon 5 neu) Volks­gruppe sowie der Volks­grup­pe der Roma (24 Bei­träge, da­von 3 neu) wid­men.

Mit dem neuen Videomaterial werden weitere wichtige Aspekte von Geschichte und Kultur der Volks­grup­pen in Öster­reich be­leuch­tet. Das Video­archiv bie­tet zum Bei­spiel ab sofort einen Beitrag über das bur­genland­kroatische On­line-Wörter­buch, in­formiert über die neue Gedenkstätte zur Er­in­ne­rung an die wäh­rend des National­sozialismus er­mor­deten Roma und Sinti in Pinkafeld und Oberpullendorf oder er­in­nert an Dana Hermannová, die 1968 im noch freien slowa­kischen Fern­sehen über den Ein­marsch der Trup­pen des War­schauer Pakts be­richtete. Das 10-jäh­ri­ge Ju­biläum des ORF-Ma­ga­zins „České Ozvěny“ im Jahr 2019 steht ebenso im Mittel­punkt eines neu ins Archiv hinzu­gefügten Beitrags wie das langs­ame Ver­schwin­den des Slowenischen in Kärnten oder der tra­di­tions­reiche Ball der Ungarn in Ober­pullen­dorf. (Die genaue Liste mit allen Bei­trägen ist on­line in der ORF-TVthek auf der Start­seite des Video­archivs in der Rubrik „History“ zu finden.) Read the rest of this entry »

Deutschland: Bericht fordert Perspektivwechsel

Juni 3rd, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Konstituierung der Expertenkommission Antiziganismus, Berlin  27.3.2019 (Foto:© BMI/Bero via Zentralrat)Bericht der Un­ab­hän­gi­gen Kom­mis­si­on Anti­zi­ga­nis­mus for­dert grund­le­gen­den Perspek­tiv­wech­sel in der Ge­sell­schaft, eine „Wahr­heits­kom­mis­sion“ über das Un­recht der Ver­gan­gen­heit und An­ti­zi­ga­nis­mus-Be­auf­trag­te in den Län­dern. Tagung am 4./5. Juni.

Antiziganismus stellt ein massives gesamt­gesell­schaft­li­ches Problem in Deutsch­land dar. So lautet das Re­sümee des Berichts der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus, der vom Deutschen Bundestag in Auf­trag ge­geben wurde. Die zentra­len Inhalte des Kommis­sions­berichts wer­den am 4. und 5. Juni 2021 bei einer Online-Ver­anstal­tung prä­sentiert. Der Bericht stützt sich auf 15 aktuel­le, von der Kom­mis­sion initi­ierte Studien. Sie greifen beson­ders die Perspek­tiven der Be­trof­fenen auf. Hierfür wurden breite empiri­sche Er­hebun­gen durch­geführt.

Antiziganistischer Rassismus ist eine „all­um­fassende Alltags­erfah­rung für Sin­ti_ze und Rom_nja“, so die Kom­mission. Der Bericht kons­ta­tiert ein „Versagen deut­scher Politik, deut­scher Gesetz­gebun­gen und deren Rechts­anwendung“. Unter­sucht wurde Anti­ziganis­mus bei­spiels­weise in kom­muna­ler Ver­wal­tung, Schul­büchern und Polizei. Meh­rere empi­rische Studien weisen hier insti­tu­tio­nel­len Anti­ziganis­mus nach.

Die Kommission fordert eine umfassende Strategie gegen Anti­ziganis­mus. „Wir brauchen einen grund­le­genden Perspek­tiv­wechsel in der deutschen Ge­sell­schaft, der die struk­turel­len Ursachen des Problems in den Blick nimmt.“ Ent­schei­dend sei in diesem Kontext auch eine „Politik der nach­ho­len­den Gerech­tig­keit“, „die das seit 1945 be­gan­gene Unrecht gegen­über Über­lebenden und deren Nach­kommen aus­gleicht“. Zudem for­dert die Kom­mis­sion, „effek­tive und nach­haltige Par­tizipa­tions­struktu­ren für die Com­munitys der Sin­ti_ze und Rom_nja auf allen Ebenen zu schaffen“. Diese müss­ten ver­bind­lich und auf Dauer an­gelegt sein. Die Unabhängige Kommission Antiziganismus empfiehlt Bund und Ländern, Be­auf­trag­te gegen Anti­ziganis­mus zu be­rufen und eine stän­dige Bund-Län­der-Kom­mis­si­on zu schaffen, um die Arbeit ge­gen Antiziganismus auf höchs­ter Ebene politisch zu ver­ankern.

Eine weitere Forderung der Kommission lautet: „Die zahl­reichen Defizite bei der ‚Wieder­gut­machung‘ des Unrechts gegen­über Sinti_ze und Rom_nja müssen um­gehend kom­pen­siert und den Über­lebenden ein Leben in Würde er­mög­licht wer­den.“ Darüber hinaus solle ein um­fas­sender Prozess der Auf­arbeitung der so­ge­nann­ten Zweiten Ver­folgung nach 1945 durch eine von Perspek­tiven von Sinti_ze und Rom_nja geprägte Wahrheits­kommission eingeleitet werden. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (367)

Mai 21st, 2021  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Medien & Presse, Religion

1957 wurde das evan­gel. Schwei­zer Mis­si­ons­blatt „Der Zi­geu­ner­freund“ (heu­te: „SZM-News-MTS“) zum Or­gan der „In­ter­nat. Zi­geu­ner­mis­si­on“.

(Quelle/pdf)

Deutscher Antiziganismusbericht vorgelegt

Mai 20th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Konstituierung der Expertenkommission Antiziganismus, Berlin  27.3.2019 (Foto:© BMI/Bero via Zentralrat)Die deutsche Bundesregierung hat ges­tern den von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Seehofer vor­ge­leg­ten Bericht der Un­ab­hän­gi­gen Kom­mis­sion Anti­zi­ga­nis­mus zur Kennt­nis ge­nom­men. Der Be­richt wird nun dem Deut­schen Bundes­tag und dem Bun­des­rat zur weite­ren Be­hand­lung und Be­ra­tung über­mittelt.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die aktu­elle 19. Legis­latur­periode wurde ver­einbart, ein Exper­ten­gremium zum Thema „Anti­ziganis­mus“ ein­zu­setzen. Die Bundes­regie­rung hat in ihrer Kabinetts­sitzung am Mitt­woch den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus im Kabinett zur Kenntnis ge­nommen. Dieses Gremium, die Un­abhän­gige Kom­mission Anti­ziganis­mus (mehr hier), hatte sich nach voran­gegan­genen fach­lichen Konsul­ta­tio­nen mit dem Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma am 27. März 2019 im Bundes­ministe­rium des Innern, für Bau und Heimat zu­sam­men­geschlos­sen. Die Exper­tinnen und Experten haben nach zwei­jähriger Arbeit ihren Bericht mit zahl­reichen Forderungen und Empfeh­lungen ab­geschlos­sen. Dabei hat der Experten­kreis un­abhängig und selbstän­dig seine Arbeits­agenda fest­gelegt und ab­gearbeitet.

Grundlage für weitere gesellschaftspolitische Diskus­sio­nen

Der Bericht beinhaltet Ausführungen zu antiziganistischen Erschei­nungs­formen und qua­lita­tiven sowie quan­tita­tiven empiri­schen Ge­geben­heiten in Deutschland, auch und gerade aus Perspektive der Sinti und Roma. Read the rest of this entry »

EDUromnja: Frauenmuseum ist online

März 15th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Veranstaltungen & Ausstellungen

EDUromnjaDas virtuelle Dokumentationszentrum zur Geschichte und Ge­gen­wart von Ro­ma-Frau­en in Euro­pa ist online. Ein Pro­jekt der Ini­tia­ti­ve Ro­ma­ne Romnja

Die EDUromnja ist ein virtuelles Dokumentations­zentrum, ein Online-Museum zur Ge­schichte und gegen­wär­ti­gen Situa­tion von Roma- und Sinti-Frauen in Euro­pa. Der Name setzt sich aus den Worten EDU (für Bildung und Unter­hal­tung) und Romnja (weibliche Form von Roma) zu­sammen, um zu ver­deut­lichen, dass so­wohl Aspekte der Infor­mations­ver­sor­gung als auch der Unter­haltung berück­sich­tigt werden. Ge­boten wird eine Sammlung selbst­bestimm­ter sozial-, kultur- und alltags­geschicht­li­cher Zeug­nisse, illustriert durch Objekte, Fotos, Plakate, Schrift­stücke sowie Film- und Ton­dokumente, die online zur Ver­fü­gung stehen.

EDUromnja ist ein virtuelles Konstrukt, das ausschließ­lich im Netz exis­tiert und Ob­jekte zeigt, die in der Realität kein Teil regulärer Museums­program­me oder ande­rer Aus­stellungen sind. Dass sie dies NICHT sind, zeigt die Not­wendig­keit von EDUromja, denn bisher erhielt die Geschichte und Situa­tion der Sinti- und Ro­ma-Frauen wenig Auf­merksam­keit in der wissen­schaftli­chen Doku­mentation und in den regulä­ren Program­men von Museen und Archiven.

EDUromnja ist ein Projekt der Initiative Romane Romnja – einer Initia­tive, die 2010 von Sinti- und Roma-Frauen ge­grün­det wurde. Sie ver­folgt das Ziel, das histori­sche Erbe der Romnja zu be­wahren und gleich­zeitig neue, authen­ti­schere Bilder zu schaffen. Die Initia­tive Romane Romnja mit ihrem Pro­jekt EDUromnja sieht sich auch als Kom­petenz­zentrum zur Geschichte und Situation der Roma-Frauen. Read the rest of this entry »

Buchenwald: Countdown zur Befreiung

Februar 26th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek

76 Jahre Befreiung von Buchenwald - ein Onlineprojekt in DeutschlandDie Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mit­tel­bau-Dora be­leuch­tet in ih­rem neu­en Onlineprojekt #otd1945 („on this day 1945“) die letz­ten Mo­nate der KZ Buchen­wald und Mit­tel­bau-Dora.

Bis zum 11. April, dem historischen Datum der Be­freiung der bei­den Lager, wird das Online­por­tal ein facet­ten­rei­ches Angebot ent­falten, das von histo­ri­schen Hinter­gründen bis zu aktu­el­len Programm­punkten reicht und auch die virtu­elle Teil­nahme an den zentra­len Feier­lich­keiten zum 76. Jahres­tag im April 2021 ermög­lichen wird. Bis zum 11. April beschreibt der Blog ein­zelne Gescheh­nisse von vor 76 Jahren aus den Kon­zentra­tions­lagern oder ihrem Umfeld. Schlaglicht­artig wird so nach­ge­zeich­net, was 1945 Tag für Tag bis zur Befreiung und darüber hinaus ge­schah. Diese letz­ten Kriegs­monate waren von einer weite­ren Eska­la­tion des Terrors und der von Deutschen aus­gehen­den Gewalt ge­kenn­zeichnet, obwohl die Nieder­la­ge Deutschlands spä­testens Anfang 1945 an allen Fronten ab­zu­lesen war. Viele Häftlinge in den Kon­zentra­tions­lagern hoff­ten seitdem auf ihre baldige Befrei­ung, doch das Morden in den Lagern und auf den Schau­plätzen der Zwangs­arbeit brach nicht ab. Erst die An­kunft der alliierten Trup­pen stopp­te die Verbrechen.

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