Geschichte & Gedenken

Gedenktafel für die Holzschläger Roma

Oktober 26th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Polizeifotos verschleppter und später ermordeter Holzschläger Roma; v. l. n. r.: Rupert Papai (geb. 1905), Gisella Papai (geb. 1906), Ludwig Papai (geb. 1907) (Foto: Mri historija)Enthüllung der Gedenktafel in Erin­ne­rung an die er­mor­de­ten Holz­schlä­ger Roma

Fr., 28.10.2016, 18:00 Uhr: Evang. Kirche / Fried­hof, Un­ter­kohl­stät­ten, Holz­schlag

Andacht mit Pfarrer Dr. Gerhard Harkam und Pfar­rer Se­bas­ti­an Edakarottu in der evan­ge­li­schen Kir­che Holz­schlag

1937 hatte Holzschlag (Bezirk Oberwart, Burgenland) mit 661 Personen die höchste Ein­woh­ner­zahl, 310 Per­sonen wa­ren da­von als Roma re­gistriert. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war die Zahl der Be­völ­ke­rung durch die De­por­ta­tion der Ro­ma auf 341 ge­sun­ken. Nur 28 von den 310 zu­vor in Holz­schlag le­ben­den Ro­ma kehr­ten ins Dorf zu­rück. Die De­por­ta­tion der Holz­schlä­ger Ro­ma, die alle re­gistriert wa­ren, er­folg­te in zu­min­dest drei Pha­sen. Zuerst wur­den 1939 arbeits­fähige Män­ner ab­ge­holt. In der Nacht zum 31. Ok­to­ber 1941 kam die SS/SA ein zwei­tes Mal und hol­te alle Ro­ma aus ih­ren Häu­sern. Im April 1943 wur­den dann die letz­ten ver­blie­be­nen Roma de­por­tiert.

(Text: VHS Roma)

Einer der wenigen Roma, die die NS-Verfolgung über­lebten und nach der Be­frei­ung nach Holz­schlag zurück­kehr­ten, war Anton Papai. Roma-Service hat ihn für die Zeit­zeu­gen­edition Mri historija in­ter­viewt: „Draußen im Dorf …“ (Mri his­to­ri­ja, Son­der­rei­he dROMa, 5/15)

Weyer: Gedenksteine für ermordete Kinder

Oktober 25th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken

Stolpersteine in Weyr (Foto: OÖN)Fünf Jahre nach der Verle­gung von acht Stolpersteinen mit­ten auf einer Stra­ßen­kreu­zung in Weyer (Ober­öster­reich) ist es ge­lun­gen, diesen kleinen Gedenk­ort der Erinnerungs­stätte Lager Weyer wür­di­ger zu platzie­ren. Die Sanie­rung der Straße gab Gelegen­heit, die sym­bo­li­schen Gedenk­steine auf einem neu ge­stal­te­ten Strei­fen zwi­schen der Straße und dem ehe­ma­li­gen Ter­ror­ge­län­de des „Zi­geu­ner­­an­hal­te­­la­gers St. Pan­ta­leon-Weyer“ zu si­tuie­ren.

Die in den Boden eingelassenen Steine erin­nern an die Kin­der, die im La­ger den Tod fan­den, sowie an die Säug­linge, die im Lager ge­boren und nach der Depor­ta­tion im be­setz­ten Polen er­mor­det wurden. Die Gedenk­steine „sind aus­schließ­lich Klein­kindern ge­wid­met, die im NS-Lager für Roma und Sinti in Weyer ge­boren wur­den. Sie starben dort oder nach der Auf­lö­sung des Lagers in Polen“, sagte der Autor Ludwig Laher, Ob­mann des Vereins Er­in­ne­rungs­stätte Lager Weyer im Innviertel, in seiner An­spra­che bei der Gedenk­feier am 15. Ok­to­ber. Der Jour­na­list Martin Kranzl-Greinecker erin­nerte an­schlie­ßend an die weit­gehend ver­ges­sene Opfer­grup­pe der Kinder von Zwangs­arbei­terin­nen. Etwa 200.000 Kinder wurden von Zwangs­arbei­terin­nen ge­boren. Sie wurden ihren Müt­tern weg­ge­nom­men und in spe­ziel­le Heime ge­steckt; an die 300 solcher An­stal­ten gab es im Deut­schen Reich. Viele der Kinder kamen in den Hei­men ums Leben.

In dem nationalsozialistischen „Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer“ wa­ren von Jänner bis No­vem­ber 1941 meh­rere Hun­dert Sinti und Roma inter­niert. Nach der Auf­lö­sung des Lagers wurden die rund 300 über­leben­den Häft­linge über Lackenbach nach Łódź (Ghetto Litzmannstadt) de­por­tiert. Sie alle wurden er­mordet.

(dROMa)

Unterrichtsmaterialien: Romane Thana

Oktober 20th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung

Romane Thana„Romane Thana“ gibt Ein­blicke in die Lebens­situa­tion von Roma und Sinti in Öster­reich und erzählt deren Ge­schich­te und Ge­schich­ten.

Auf Basis der erfolgreichen Ausstellung Romane Thana – Orte der Roma und Sinti (2015 im Wien Museum, der­zeit noch bis 13. No­vem­ber im Pro­jekt­raum der Landes­gale­rie Burgenland) wur­den Materialien für den Un­ter­richt er­stellt, um Schü­ler/in­nen ab der 5. Schul­stufe die Ge­schich­te und Lebens­wirk­lich­kei­ten von Roma/Rom­nija und Sinti/Sin­tize näher zu brin­gen. www.romane-thana.at unter­stützt Lehrer/in­nen da­bei, diese The­men im Unterricht zu be­han­deln. Die Seite bie­tet einen Über­blick über die Aus­stel­lung, Ver­mittlungs­texte, Er­klä­run­gen für Lehrende, Arbeits­blät­ter, Stun­den­bilder, einen Metho­den­katalog und ein aus­führ­li­ches Le­xi­kon. Das Unter­richts­mate­rial kann in vielen Va­rian­ten, ins­beson­dere in den Fächern Geschichte und Sozial­kunde/Po­li­ti­sche Bil­dung, Geografie und Wirt­schafts­kunde und Deutsch, bzw. auch fächer­über­grei­fend ver­wen­det werden.

Das Projekt wurde von Romano Centro in Kooperation mit der Initia­tive Min­der­hei­ten, dem Wien Museum, dem Landes­museum Burgenland und dem Kultur­ser­vice Bur­gen­land im Auftrag des Bun­des­ministe­riums für Bildung durch­ge­führt.

(Text: Romano Centro)

Dauerhafter Erhalt der Grabstätten

Oktober 12th, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken

Dauerhafter ErhaltDauerhafter Erhalt der Grabstätten NS-ver­folg­ter Sinti und Roma. Do­ku­men­ta­tion zur Vor­lage bei der Bun­des­regie­rung (= Schriften­reihe des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma, Band 10), Heidel­berg 2016.

>>PDF-Download der Broschüre

In Deutschland existieren schätzungs­weise 2.600 Grab­stät­ten von Über­lebenden des natio­nal­sozia­lis­ti­schen Völker­mords an den Sinti und Roma. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma setzt sich da­für ein, dass diese Gräber dauer­haft als Fami­lien­gedächt­nis­stät­ten und als öf­fent­liche Lern­orte in staat­liche Obhut ge­nom­men wer­den. Die vor­lie­gen­de Doku­men­ta­tion er­läu­tert den Stand der Um­setzung in den ver­schie­de­nen Bundes­ländern, die unter­schied­li­chen der­zeit gege­be­nen Mög­lich­kei­ten für den Erhalt der Grab­stät­ten und gibt einen Über­blick über die seit 2004 an­dauern­den Ver­hand­lun­gen des Zentral­rats mit Bund, Ländern und Kom­munen in der Sache.

In vielen Fällen wurden betroffene Gräber von den Städten in­zwi­schen als Ehren- oder Dauer­gräber erhalten bzw. unter Denkmal­schutz ge­stellt. In an­de­ren Fällen wur­den Ge­bühren für Grab­ver­länge­run­gen aus­ge­setzt. Wir freuen uns sehr, dass die Bundes­regie­rung jetzt bei einem Tref­fen mit dem Zentral­rat zu­ge­sagt hat, dass es eine mit Bund und Ländern ab­gestimm­te Re­ge­lung zum Erhalt unse­rer Gräber ge­ben soll. Read the rest of this entry »

Warum die Wunde offen bleibt

Oktober 10th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview

Marika Schmiedt: Warum die Wunde offen bleibtDokumentarfilm von Marika Schmiedt, AT 2016, 80 min.

Premiere in Anwesenheit der Regisseurin
Sa., 22. Oktober 2016, 17.30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

Marika Schmiedt untersucht und benennt die Wunde, ver­sucht sie zu begrei­fen, greift hinein, zerrt und wei­tet sie. Das ist ein inten­si­ver und schmerz­haf­ter Pro­zess und der dabei ent­stan­dene Doku­men­tar­film ist kein ein­fach zu kon­sumie­ren­der. Im Film wird viel gespro­chen, nach 78 Minu­ten wird klar, dass auch über das „Un­aus­sprech­li­che“ gespro­chen werden kann und muss. Über Struk­tu­ren der Diskri­mi­nie­rung, der Gewalt und über Kon­ti­nui­tä­ten. Marika Schmiedt und ihr Film spre­chen sich al­ler­dings gegen eine ver­harm­lo­sen­de, ober­fläch­li­che Heilung aus, viel­mehr wer­den Wege der Ver­tie­fung und des Wider­stands ge­zeigt.

„Warum die Wunde offen bleibt“ beschäftigt sich mit der Auf­arbei­tung des Holocausts an Roma und Sinti durch die so­ge­nannte „2.“ und „3. Gene­ra­tion“. Die histo­ri­schen Ver­trei­bun­gen, Ver­fol­gun­gen und Mas­sen­morde werden the­ma­ti­siert, auch per­sön­lich durch das bio­gra­fi­sche Erzählen der Pro­ta­gonistin­nen. Dabei ver­deut­licht gerade die Rela­tion zu aktu­el­len Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ver­bre­chen gegen Roma und Sinti die Not­wen­dig­keit um­fas­sen­der Aus­einan­der­setzun­gen: ge­schicht­licher, fa­miliä­rer, psycho­ana­ly­ti­scher und nicht zu­letzt die Dring­lich­keit der poli­tischen.

Im Mittelpunkt des Films stehen lange Interviews bzw. Gesprä­che mit drei be­ein­drucken­den Frauen: Read the rest of this entry »

„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012)

Oktober 9th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Universität WienMartina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Le­bens­ge­schich­ten bur­gen­län­di­scher Roma

Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Phi­lo­sophie und Bil­dungs­wis­sen­schaft), 127 S.

>>>Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugen­dokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein Roma-Service, aus an­er­ken­nungs­theo­re­tisch fun­dier­ter Per­spek­tive be­trach­tet. Dabei bil­det das An­er­ken­nungs­mo­dell des deut­schen Sozial­philo­sophen Axel Hon­neth das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Un­ter­suchung. Honneth dif­fe­ren­ziert zwi­schen drei An­erken­nungs­mus­tern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Miss­ach­tungs­for­men – Miss­handlung, Ent­rechtung, Ent­würdigung – ent­ge­gen­stellt. Diese Unter­schei­dung trifft er auf­grund ihrer je­wei­li­gen Be­deu­tung für For­men des Selbst­be­zugs – Selbst­vertrauen, Selbst­achtung und Selbst­schätzung. Mit Hilfe einer qua­li­ta­ti­ven Inhalts­analyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Be­deu­tung von Anerkennungs- bzw. Miss­ach­tungs­­er­fah­­run­­gen für Handl­ungs­freiheit und Selbst­wert der 15 er­zäh­len­den Burgenland-Roma be­trach­tet.

„Mri Histo­rija“ ist nicht nur als Bei­trag zur öster­rei­chi­schen Erin­nerungs­kultur zu se­hen, son­dern gleich­zeitig als kri­tische Thema­ti­sie­rung von sozialen Aus­schließungs­pro­zes­sen, die eine selbst­bestimm­te Lebens­praxis be­hin­dern und sich nega­tiv auf den Selbst­wert der Indi­vi­duen aus­wirken kön­nen. In „Mri Historija“ wer­den je­doch Ent­wick­lun­gen sicht­bar, die auf ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Burgenland-Roma ver­weisen. (M. Schedl, S. 120)

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Die Geschichte der Roma in drei Minuten

Oktober 2nd, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Gypsies, Roma, Travellers: An Animated History“: ein rasanter Galopp durch die tausend­jäh­rige Geschichte der Roma.

Ein Video der Open Society Foundation von 2013. Lei­der nur auf Englisch (engl. Unter­titel kön­nen rechts unten akti­viert wer­den) – dafür aber mit einem Hin­weis auf die Burgenland-Roma.

Keine Fortführung für Verein Roma

September 29th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken

Grundstück mit dem Oberwarter Roma-Mahnmal (Foto: Priwo/Wikipedia)Nach dem Konkurs hätte der Ver­kauf des At­ten­tat-Denk­mals den Ober­war­ter Verein ret­ten sol­len. Daraus wird nichts: Die Schul­den sind zu hoch, das Ver­mö­gen wird li­qui­diert. Die Ge­denk­stät­te soll nun das Land Bur­gen­land über­­neh­­men – die Ge­neh­mi­gung des Ge­richts steht al­ler­dings noch aus.

Roland Pittner/Kurier, 29.9.2016: Der Verein Roma Oberwart ist insolvent. Wie der KURIER be­rich­tet hat, hät­te der Verkauf der Gedenkstätte an das At­ten­tat auf die Roma in Oberwart im Jahr 1995 den Verein ret­ten sol­len. Das Grundstück samt Mahnmal für die fünf durch eine Rohr­bombe von Franz Fuchs er­mor­de­ten Roma steht im Be­sitz des Vereins. Das Land hätte als Käufer ein­sprin­gen sol­len, um den Verein zu retten.

Doch daraus wird nichts, wie Masseverwalter Wolfgang Steflitsch im KURIER-Gespräch er­klärt. „Der Sanie­rungs­plan­antrag vom Verein Roma wur­de zurückgezogen, des­halb fand keine Tag­satzung statt und der Verein ist be­endet“, sagt Steflitsch. Das ge­samte vor­han­dene Ver­mö­gen, die Gedenk­stätte, ein Bau­grund­stück sowie ein VW-Bus wer­den liqui­diert, um die Ver­bind­lich­keiten und Ver­fah­rens­kos­ten zu be­zahlen. „Den Verein wird es noch of­fi­ziell bis Jahres­ende geben, die Tätig­keit ist aber ein­gestellt“, sagt Obmann Hans Baranyai im KURIER-Ge­spräch. Es gibt auch schon Über­le­gun­gen, dass an­dere Vereine das Lern­projekt für Roma in Ober­wart weiter­füh­ren. „Wir hoffen, dass das so schnell wie mög­lich weiter­ge­hen kann“, sagt Ba­ranyai.

Grund für das Aus war die Höhe der Forderun­gen von etwa 160.000 Euro. „Es hät­te dem Steuer­zahler nur viel Geld ge­kos­tet, der Roma­verein hätte nichts davon ge­habt“, meint Stef­litsch. Grund für die hohen Außen­stände waren ver­zö­gerte Förder­gelder, die so lange nicht ein­tra­fen, bis die Bank einen Über­brückungs­kredit fäl­lig ge­stellt hat. „Un­gereimt­hei­ten oder straf­recht­li­che Proble­ma­ti­ken gibt es keine“, sagt Stef­litsch. Die Atten­tat-Gedenk­stätte soll al­ler­dings nicht ver­steigert wer­den. „Wir brauchen noch die Ge­neh­mi­gung des Gerichts, um es der Gebiets­körper­schaft, die es zum Zweck der Gedenk­stätte an den Verein über­tra­gen hat, zurück­zu­geben“, sagt Stef­litsch. Somit würde das Land das Grund­stück be­kom­men und sich um die Gedenk­stätte küm­mern. Read the rest of this entry »

Nebel im August (Trailer)

September 25th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung

Spielfilm von Kai Wessel (A/D 2016) nach dem gleich­nami­gen Roman von Robert Domes (mehr hier). Website zum Film: www.nebelimaugust.de

Filmstart: 29.9.2016 (Deutschland), 7.10.2016 (Österreich)

Virtujeli gondolipeskero than Kemetate

September 21st, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek

Plakat in Kemeten (Foto: VHS Roma)I sudburgenlanditiki gemajnde Kemeta imar but ber­scha le op­fe­ren­ge na use mukel jek gon­do­li­pes­keri tab­lina le Ro­men­ge, save le naci­jen­dar ledschim taj mur­dar­de ule, upre te terdscha­rel. Akan jek gon­do­li­pes­keri ini­ci­ja­tiva ando internet upro Roma Ke­me­tatar, save mur­dar­de ule, pal gon­do­li­pe te ke­rel.

200 dschene andar i tikni gemajnde Kemeta (be­cirk Erba) le naci­jo­nal­soci­ja­lis­ten­dar ledschim ule, kaj on Ro­ma si­na. Tschak pantsch Roma pal o ar le Dujte The­mes­kere Ha­bu­ristar 1945 Ke­me­tate pal ale. Pe­dar 70 berscha i ge­majn­de Kemeta meg min­dig jek upre terdscha­ji­pe jeka gon­do­li­pes­kera tab­li­na­tar le pal­gon­do­li­peske na use mukel. So andi Tikne Simeha, Neudörfl, Mattersburg vaj Tikne Bos­lina schaj ker­do ulo, up­ro kiva­nipe la flo­gos­kera grup­na­tar jek than te la­kel, kaj on bokreti taj mo­meltscha otscha schaj tschin, la ge­majn­de Ke­me­take, sar ar ditschol, ba­ro proble­mo ke­rel. O biro Johann Nussgraber (SPÖ) imar but ber­scha i skulp­tura la in­for­ma­ci­ja­kera tab­li­na­tar na up­re te terdscha­rel mu­kel. Imar desch ber­scha ando „Bauhof“ la ge­majn­de­ja­tar li pasch­lol. Aja koja na latschi­pe kerel, phen­do ol ando ge­majn­de­ja­kero birov­tschago.

Kaj schaj upro Roma Kemetate pal gondo­lim ol, akan jek vir­tu­je­li gon­do­li­pes­kero than del: fat­re­ter­tscha le faraj­nis­tar Refugius ando keri­pe le pro­jek­tos­tar „gon­do­li­pes­kero drom“ ando khe­tan butscha­li­nipe Ro­men­gere fatre­te­ren­ca kerdo lo ulo. „Af­ka akan ka­maha te pro­ba­li­nel, o kiva­nipe le tschu­le Ro­men­dar, save prik atschi­ne jek than le gon­do­li­pes­ke taj jek cajchn gejng o po­bis­te­ripe te del.“

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Babiš: „Lety jek butjakero logeri sina“

September 12th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

BabisO tschechitiko dujto regirungakero schero Andrej Babiš pre tel va­ke­ri­pes­kere arphe­ni­peha pe­dar o holocaust up­ro Roma bari vrisch­tscha ker­tscha. „Hoha­jipe hi, hot o loge­ri Lety jek logeri si­na, ov but­ja­kero logeri sina – ko na buti ker­lahi, oda min­dschart odoj otscha pelo“, phe­nel ov. „Cajt­scha de­lahi, kada o Roma sa buti ker­nahi“, phe­nel o libe­rali popu­lis­ti­schi finacja­kero minis­teri taj kera­schi la ANO-par­ta­jatar uso khero­dipe le tschore dsche­nen­dar ando Varnsdorf, ando nor­di­tiko la Tsche­chi­jatar ando be­cirk Děčín.

Babiš sa pal lel so phentscha. On andar o kon­tekst ari tschin­de ule. „Me le na latsche li­ke­rav, hot jek tsche­chi­tiko regi­run­ga­kero poli­ti­keri patschal, hot ov o holocaust tel te dschu­minel sar tena le te dijahi“, phe­nel o angle­beschto le Christ­demokra­ten­dar (KDU-CSL) Pavel Belobradek, le pap­ru­schen­gere nevi­peske „Pravo“. I soci­jal­minis­ter­ki­ja Michaela Marksová le Ba­bišis­tar man­gel, hot ov o tscha­ven­gero grobo le gon­do­li­pes­kere tha­nestar Lety kher te rodel. „Odoj ter­dschon o anava vala­mi schel tscha­vendar kada upro them ale- taj kada mule – on atschi buti te kertscha­nahi dschi­meg mule?“, phe­nel i soci­jal­de­mokrat­kija.

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Virtueller Gedenkort für Kemeten

September 11th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek

Plakat in Kemeten (Foto: VHS Roma)Die südburgenländische Gemeinde Kemeten ver­wei­gert den Opfern des NS-Völker­mords an den Roma seit Jah­ren eine Gedenk­tafel. Nun er­innert eine Gedenk­initia­tive im Inter­net an die er­mor­de­ten Ro­ma von Kemeten.

An die 200 Einwohner der kleinen Gemeinde Kemeten (Be­zirk Oberwart) wur­den von den National­so­zia­lis­ten de­por­tiert, weil sie Roma waren. Nur fünf von ihnen kehr­ten nach der Be­frei­ung 1945 nach Ke­me­ten zu­rück. Über 70 Jahre spä­ter wei­gert sich die Ge­mein­de wei­ter­hin, mit einer Ge­denk­tafel an sie zu er­in­nern. Was etwa in Kleinpetersdorf, Neudörfl, Mattersburg oder Kleinbachselten mög­lich war (siehe das Gedenk­tafel­projekt un­se­res Vereins Roma-Ser­vice), näm­lich dem Wunsch der Volks­gruppe nach einem Platz für ihre Blumen und Ker­zen zu ent­spre­chen, stellt für die Ge­meinde­obe­ren von Ke­me­ten of­fen­bar ein un­über­wind­li­ches Hin­der­nis dar. Seit 2006 liegt zwar auch in Ke­me­ten ein Ge­mein­de­rats­be­schluss vor, wo­nach ein Denk­mal er­rich­tet wer­den soll, das neben­bei (auf einer von ins­ge­samt 15 Tafeln zur Orts­ge­schich­te) auch der Roma ge­denkt – pas­siert ist seit­her aber nichts (siehe: Die Schande von Kemeten). Bür­ger­meister Johann Nussgraber (SPÖ) ließ die Skulp­tur mit den In­for­ma­tions­tafeln nie auf­stellen. Seit zehn Jah­ren la­gern sie nun im Bauhof der Ge­meinde. Die Sache sei zu heikel, hieß es dazu aus dem Ge­meinde­amt.

Um dennoch an die Roma in Kemeten erinnern zu kön­nen, gibt es jetzt eine „virtuelle“ Gedenk­stätte: Ver­treter des Vereins Refugius haben sie im Rahmen des Pro­jekts „Gedenkweg“ in Zu­sam­men­ar­beit mit Roma-Ver­tre­tern ini­ti­iert: „Der Gedenkort in der dieser Form wurde notwen­dig, weil die Mehr­heit der poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gerIn­nen der Ge­mein­de Keme­ten einen rea­len Gedenk­ort mehr­mals ab­ge­lehnt ha­ben“, heißt es hier­zu auf der Web­site. „Auf diese Weise ver­suchen wir, dem Wunsch der we­ni­gen Hinter­blie­benen nach einem be­schei­de­nen und würde­vol­len Raum für Ge­den­ken und Ge­danken ge­recht zu wer­den und ein Zei­chen gegen das Ver­gessen und Tot­schwei­gen zu setzen.“ Read the rest of this entry »

KZ Lety: Regierung will Schweinemast kaufen

September 9th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Schweinefarm auf dem KZ-Gelände von Lety (Foto: Romeo.cz)Tschechiens Regierung plant weiterhin Ankauf, um die Schweine­farm auf dem KZ-Areal still­zu­legen. Vize­premier Babiš be­such­te nach dem Skan­dal um seine Holo­caust-Re­la­ti­vie­rung die Ge­denk­stätte in Lety – und sprach dort von Ro­ma als „Pa­ra­si­ten“.

Seit den 70er Jahren besteht auf dem Ge­län­de des ehe­ma­li­gen na­tio­nal­so­zia­lis­tischen Roma-KZ im süd­böh­mi­schen Lety eine Schweine­farm. Tsche­chi­ens Men­schen­rechts­minis­ter, der Sozial­demo­krat Jiří Dienstbier, kün­dig­te diese Wo­che in Prag gegen­über Pres­se­ver­tre­tern an, dass die Re­gie­rung weiter ver­suchen werde, die um­strit­te­ne pri­vate Schweine­mast auf­zu­kau­fen. Laut Dienst­bier stehe man schon seit Mo­na­ten in Kontakt mit dem Un­ter­neh­men; seit Jänner habe es be­reits fünf Ge­sprä­che mit dem Eigen­tü­mer ge­ge­ben. Die Ver­hand­lun­gen be­zeich­nete der Minis­ter als „kompli­ziert und kor­rekt“. Ver­gan­ge­nen Montag ver­öf­fent­lich­te das Ka­bi­nett zu­dem seinen im März ge­fass­ten Be­schluss, in dem die Ab­sicht be­kräf­tig­t wurde, den Schwei­ne­mast­betrieb am Gedenk­ort still­zu­legen. Schon seit lan­gem wird ein An­kauf durch den Staat ge­fordert. Auch der Men­schen­rechts­aus­schuss der Ver­einten Natio­nen hatte die Tsche­chi­sche Re­publik vor drei Jahren dazu auf­ge­fordert. Konkre­te Er­fol­ge wur­den je­doch bis­lang nicht er­zielt.

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Gondolipeskero than le Roma-holocaustiske

September 7th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken

NS-Lager Hodonín (Foto: Kapura)Ando aguno logeri Hodonín (Tschechija) jek nevo gon­do­li­pes­ke­ro than le opfe­ren­ge le Roma-ho­lo­caus­tis­tar ker­do ol.

Ando Hodonín u Kunštátu norditikon Brnojatar jek nevo go­ndo­li­pes­kero than le opfe­ren­ge le flo­gos­kere mur­da­ripes­tar upro Roma pal gon­do­lipe te kerel. Jek museum la nacijo­nal­socija­lis­ti­schi „Zi­geu­ner­ver­fol­gung“ake odoj ando lo­geri pe vid­minvla; pedar oda ari o art­schi­jipe le tra­di­peha le nimtsch­ken­dar palo habu­ri taj jeke muj­sini­pes­kere but­ja­kere lo­geri­ha ando 1950iger ber­scha donde pe be­schar­la. O art­schi­jipe ando august o arto bersch pra­do te ol. I buti schaj ando pantsch ber­scha palo kes­dipe ando juli kise­tim ol. O ke­ri­pe le gon­do­li­pes­kere tha­nestar la re­girun­ga­ke 83,6 mili­jon­tscha Euro kosch­ta­linla.

(dROMa)

Tschechien: Gedenkstätte für Roma-Holocaust

September 5th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken

NS-Lager Hodonín (Foto: Kapura)Im ehemaligen KZ in Hodonín (Mähren) ent­steht eine neue Ge­denk­stätte für die Opfer des Roma-Ho­lo­causts

In Hodonín u Kunštátu nördlich von Brno (Brünn) wird künf­tig eine neue Ge­denk­stät­te an die Opfer des Völ­ker­mords an den Roma er­in­nern. Ein Museum wird sich der national­sozia­lis­ti­schen „Zi­geu­ner­ver­fol­gung“ im dor­ti­gen Kon­zentra­tions­lager wid­men; darüber hinaus wird sich die Aus­stel­lung auch mit der Ver­trei­bung der Deut­schen nach dem Krieg und mit einem Zwangs­arbeits­lager in den 1950er Jah­ren be­fas­sen. Die Ausstellung soll im August nächs­ten Jahres er­öf­fnet wer­den. Die Bau­arbei­ten konn­ten, rund fünf Jah­re nach Bau­beginn, im ver­gan­ge­nen Juli ab­ge­schlos­sen wer­den. Die von der Re­gie­rung ge­tra­ge­nen Gesamt­kosten für die Ein­rich­tung der Ge­denk­stät­te be­lau­fen sich auf rund 83,6 Mil­lio­nen Euro.

(dROMa)

Siehe auch: Tschechiens Vizepremier verharmlost Roma-Holocaust (4.9.2016)

Tschechiens Vizepremier verharmlost Roma-Holocaust

September 4th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

BabisTschechiens Vizepremier und Finanzminister Andrej Babiš sorgt mit ver­harm­lo­sen­den Äuße­run­gen über den Holocaust an den Roma für schar­fe Kritik aus den Reihen der Re­gie­rungs­part­ner. Laut einer Mel­dung von „aktualne.cz“ sag­te Babiš, Grün­der und Minis­ter der li­be­ral-po­pu­lis­ti­schen Ano-Partei, bei einem Be­such eines Ar­men­vier­tels in Varnsdorf: „Es gab Zei­ten, als al­le Roma ge­ar­bei­tet ha­ben. Es ist eine Lüge, dass das Lager in Lety ein Kon­zentra­tions­la­ger war, denn es war ein Arbeits­lager – wer nicht ar­bei­te­te, der war mit einem Schubs dort.“

In Lety, einem von den National­sozialis­ten bei Písek in Süd­böhmen ein­ge­rich­te­ten Todes­lager, ka­men His­to­ri­kern zu­folge 327 Roma ums Leben. Auch zahl­rei­che Kinder wa­ren im Lager in­ter­niert. Mehr als 500 Roma wur­den von dort ins Ver­nich­tungs­la­ger Auschwitz-Bir­kenau de­por­tiert und er­mordet. Der Historiker Michal Schuster aus Brno führt dazu aus:

„Wir müssen uns vergegen­wär­ti­gen, dass das Lager für etwa 300 Men­schen kon­zi­piert wurde. Einige Wochen nach dem Beginn der In­ter­nie­rung im Som­mer 1942 befan­den sich in Lety aber be­reits mehr als 1000 Men­schen. Alleine aus diesen Kapa­zi­täts­grün­den kann man sich vor­stel­len, dass das Leben dort sehr schwer war. Hin­zu ka­men eine schlech­te Ver­pfle­gung, ge­rin­ge hygie­ni­sche Stan­dards und harte kör­per­li­che Arbeit, zehn Stunden täg­lich im Stein­bruch, bei Straßen­bau­arbei­ten oder beim Holz­schlag im Wald. Das alles führte zu Unter­er­näh­rung, Krank­heit und einer ho­hen Sterb­lich­keit vor al­lem älte­rer Leu­te und Kinder.“

Rund 90 Pro­zent der tsche­chi­schen Roma fie­len dem NS-Genozid zum Opfer. Auf dem frü­he­ren La­ger­areal be­fin­det sich eine Schweine­farm – seit vie­len Jah­ren Gegen­stand von Pro­tes­ten.

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Tschechija: 2.500 Euro holocaustiskere-loj

August 23rd, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken

O logeri Lety (Foto: Museum für Roma-Kultur via volksgruppen.orf.at)O lejcti tschechitike Roma, savo o holocaust prik dschiv­de, la Ger­ma­ni­ja­tar bu­te­der sar 70 berscha pal o ha­bu­ris­kero kise­ti­nipe, holo­caustis­kere-loj te usch­ti­den. Ande vake­rip­tscha le financ­mi­nis­te­ri­jumi­ha ando foro Berlin, o 2.500 Euro ar hand­lim ule, phe­nel o minis­te­ri­jum le avrut­neske ando foro Prag, parasch­tu­jate pal o but mase­ka­kere vake­rip­tscha. Ada potschin­tscha­go ham tschak le buter vala­mi desch dschi 15 prik dschiv­de Romen­ge has­ni­nel, but­schol afka. „Poar lendar tschak ando vodro buter paschlon“, phentscha Čeněk Růžička an­dar i or­ga­ni­sa­cija le holo­caus­tis­ke-lojen­ge le tsche­chi­ti­ke Ro­menge Výbor Pro Odškod­není Romské­ho Holoc­austu (VPORH) la agen­tu­rake ČTK. „Ando diki­pe upre lengero phuripe lojen­gere utschi­peske use phen­tscham, pe­dar savo tschak aslo schaj ol“, kriti­si­rintscha ov. Taj te vasch o ar potschin­tscha­go iste erscht aun ro­dim ol.

Ando dujto themeskero haburi igen but dschene le tsche­chi­tike Romen­dar ande but­ja­kere- taj naci­jo­nal­so­cija­lis­ti­schi loger­tscha ledschim ule. Tschak va­la­mi 600 le valami 6500 dsche­nen­dar le tschu­li­pes­tar o Porajmos prik dschiv­de, o flo­gos­kero mur­da­ripe le euro­pi­ti­ke Ro­mendar.

(volksgruppen.orf.at)

Einstweilige Verfügung gegen „Aula“

August 12th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Aula: Textauszug (Foto via H. Walser)Nach Klage von Mauthausen-Überleben­den: „Aula“ darf ehe­ma­li­ge Häft­lin­ge des KZ Maut­hau­sen nicht mehr als „Mas­sen­mör­der“ oder „Landplage“ be­zeich­nen.

Harald Walser: Ist es ein juristischer Befreiungs­schlag? Das Landes­gericht für Zivil­rechts­sachen in Graz hat eine „Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung“ er­las­sen: Die Zeit­schrift „Aula“ und ihr Au­tor Manfred Duswald dür­fen nicht mehr schrei­ben, im Jah­re 1945 be­freite ehe­ma­li­ge KZ-Häft­lin­ge seien „Massenmörder“ und von der Be­völ­ke­rung als „Landplage“ empfun­den worden. Auch ähn­li­che Aus­sa­gen sind ver­bo­ten. (Zur Vor­ge­schich­te: Maut­hau­sen-Über­le­ben­de kla­gen „Aula“)

Es ist eine bemerkenswerte Begründung der Richterin. „Zur Si­che­rung des mit Klage vom 30.6.2016 zu 39 Cg 79/16s beim Landes­gericht für Zivil­rechts­sa­chen Graz er­ho­be­nen Unter­las­sungs­an­spru­ches wird den be­klag­ten Par­teien bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung im Haupt­ver­fah­ren ver­boten, die wört­li­che und/oder sinn­gleiche Be­haup­tung auf­zu­stel­len und/oder zu ver­brei­ten, die ehe­ma­li­gen Häft­linge/Be­frei­ten des KZ Maut­hausen, des­sen Neben-/ Außen­lagern oder an­de­rer Konzentrations­lager seien Massen­mör­der und/oder für die Be­völ­ke­rung eine Land­plage ge­we­sen und/oder ha­ben das Land raubend und plün­dernd, mor­dend und schän­dend ge­plagt und schwerste Ver­bre­chen be­gan­gen.“

Einige bedeutsame Sätze aus der Begrün­dung durch das Ge­richt:

  • „Der Aufbau und die Formulierung dieses Absatzes las­sen keinen Zwei­fel daran of­fen, dass die im drit­ten Satz auf­ge­lis­te­ten Straf­taten al­len be­frei­ten Maut­hau­sen-Häft­lin­gen zu­ge­rech­net wer­den.“
  • „Das kann nur so gelesen und vom durch­schnitt­li­chen Leser ver­stan­den wer­den, dass er [Duswald] die Straf­taten, die Krimi­na­lität und das Plagen den im Mai 1945 be­frei­ten KZ-Häft­lin­gen im All­gemei­nen zu­schreibt.“
  • „Verstärkt wird die Unterstellung, die Mauthausen-Häft­lin­ge seien so­zu­sa­gen aus gu­tem Grund we­gen Straf­taten in­haf­tiert ge­we­sen, noch da­durch, dass der Zweit­be­klagte ‚Befrei­ung‘ und ‚Be­frei­ern‘ unter An­füh­rungs­zei­chen setzt.“
  • „Damit lässt er keinen Zweifel daran, dass die Frei­las­sung der in Maut­hausen ge­fan­gen Ge­hal­te­nen für die Be­völ­ke­rung ne­ga­tiv ge­we­sen sei, was, wie sich aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang wie­derum er­gibt, darauf zurück­zu­füh­ren sei, dass es sich bei den Maut­hau­sen-Häft­lin­gen um Krimi­nelle ge­han­delt habe, die das Land mit Straf­ta­ten heim­ge­sucht hät­ten.“ Read the rest of this entry »

Polen: Gedenkstein für österreichische Roma

August 7th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken

Enthüllung des Gedenksteines in Chełmno nad Nerem (Foto: LTD Stmk./Pircher)4.383 österreichische Roma und Sinti wurden 1942 im NS-Ver­nich­tungs­la­ger Kulmhof (Chełmno) er­mor­det. Erst jetzt wur­de ein Ge­denk­stein für sie er­rich­tet.

Am 2. und 3. August 2016 wurde an vier polnischen Gedenk­stätten der vor 75 Jahren von den National­sozialisten ver­schlepp­ten und in der Folge ermor­de­ten öster­rei­chi­schen Roma und Sinti gedacht und ein Gedenk­stein ent­hüllt. Der Prä­si­dent des burgen­län­di­schen Landtags, Christian Illedits, die Prä­si­den­tin des Land­tags Steiermark, Bettina Vollath, und der Ob­mann des Kultur­vereins Öster­rei­chi­scher Roma, Christian Klippl, hiel­ten dabei die Gedenk­reden zu dem in Romanes als „Porajmos“ be­zeich­ne­ten Roma-Genozid.

Am 3. August fand am Rande des Roma-Massengrabs im Wald bei Chełmno nad Nerem im Rah­men einer großen Gedenk­feier mit pol­ni­schen Roma aus dem ganzen Land und pol­ni­scher poli­ti­scher Pro­mi­nenz die Ent­hül­lung eines Gedenk­steins zur Erin­ne­rung an die er­mor­de­ten öster­rei­chi­schen Roma statt. Dessen Inschrift lau­tet fol­gen­der­maßen:

Gewidmet allen, die als ganze Familien in den Himmel ge­zo­gen sind … – Zum Ge­den­ken an etwa 4.300 Roma und Sinti aus Öster­reich, die im Jänner 1942 aus dem Ghetto Litz­mann­stadt in das Ver­nich­tungs­lager Kulmhof ver­schleppt und dann im selben Monat von den deut­schen Be­satzern er­mor­det wur­den. Ihre Schreie und Leiden nahm der Erd­bo­den auf, der die Asche tau­sen­der Opfer ver­birgt. Wir wer­den Euch nie ver­gessen!

Nur wenige Monate nach ihrer Verschleppung nach Łódź (siehe: Infotext: Die Łódź-Deportationen 1941) wurden die Roma in das natio­nal­sozia­lis­ti­sche Ver­nich­tungs­lager Kulmhof ge­bracht, wo sie An­fang 1942 in so­ge­nann­ten „Gaswagen“ – mittel­großen LKWs, in wel­che die Aus­puff­gase ge­lei­tet wur­den – er­mor­det wurden.

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„Ein Betrag, der eigentlich lächerlich ist“

August 5th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Gemeinsamer Gedenkakt in Tschechien: Čeněk Růžička mit Romani Rose (Foto: VPORH)Endlich willigt Deutschland ein, auch die Handv­oll Holocaust-über­leben­der Roma in Tschechien zu ent­schä­di­gen – nicht aber mit einer mo­nat­li­chen Opfer­rente wie die jü­di­schen Opfer, son­dern mit einer ein­ma­li­gen Ab­schlags­zah­lung von gera­de ein­mal 2.500 Euro: Roma sind wei­ter­hin Opfer zwei­ter Klasse.

In Böhmen und Mähren kamen wäh­rend der deut­schen Be­satzungs­zeit etwa 90 Pro­zent der dort be­hei­ma­te­ten Roma-Be­völ­kerung ums Leben. Nur rund 600 der 6.500 von den Natio­nal­sozia­lis­ten als „Zigeuner“ er­fass­ten Per­so­nen im „Protek­to­rat“ über­leb­ten die NS-Ver­folgung. Wie nun das tschechische Außenministerium betätigte, sollen tsche­chi­sche Roma, die die Kon­zentra­tions­lager der Be­satzer über­leb­ten, von Deutsch­land demnächst eine ein­malige Ent­schä­di­gung in der Höhe von 2.500 Euro bekommen. Nach monate­lan­gen Ver­hand­lun­gen habe man sich mit dem Finanz­minis­te­rium in Berlin auf die­sen Betrag ge­einigt. Tschechiens Roma-Ver­bände, al­len voran der Aus­­schuss für Holocaust-Ent­schä­di­gung für die Roma in Tschechien (VPORH), hat­ten diese Ent­schädigung durch die Ver­mitt­lung des tsche­chi­schen Außen­minis­te­riums vor mehr als einem Jahr be­antragt. Das Bun­des­außen­minis­te­rium wird die Sum­me aus dem Fonds für nichtjüdische Opfer (Härtefond) bereitstellen.

Für nahezu alle Opfer kommt diese Geste jedoch um Jahr­zehnte zu spät. Laut Medien­berichten sind nur noch maximal fünf­zehn betrof­fene Roma am Leben. Nur zehn Per­sonen haben bis dato tat­säch­lich um die Ent­schä­digung an­gesucht. Read the rest of this entry »