Oktober 26th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Enthüllung der Gedenktafel in Erinnerung an die ermordeten Holzschläger Roma
Fr., 28.10.2016, 18:00 Uhr: Evang. Kirche / Friedhof, Unterkohlstätten, Holzschlag
Andacht mit Pfarrer Dr. Gerhard Harkam und Pfarrer Sebastian Edakarottu in der evangelischen Kirche Holzschlag
1937 hatte Holzschlag (Bezirk Oberwart, Burgenland) mit 661 Personen die höchste Einwohnerzahl, 310 Personen waren davon als Roma registriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zahl der Bevölkerung durch die Deportation der Roma auf 341 gesunken. Nur 28 von den 310 zuvor in Holzschlag lebenden Roma kehrten ins Dorf zurück. Die Deportation der Holzschläger Roma, die alle registriert waren, erfolgte in zumindest drei Phasen. Zuerst wurden 1939 arbeitsfähige Männer abgeholt. In der Nacht zum 31. Oktober 1941 kam die SS/SA ein zweites Mal und holte alle Roma aus ihren Häusern. Im April 1943 wurden dann die letzten verbliebenen Roma deportiert.
(Text: VHS Roma)
Einer der wenigen Roma, die die NS-Verfolgung überlebten und nach der Befreiung nach Holzschlag zurückkehrten, war Anton Papai. Roma-Service hat ihn für die Zeitzeugenedition Mri historija interviewt: „Draußen im Dorf …“ (Mri historija, Sonderreihe dROMa, 5/15)
Oktober 25th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken
Fünf Jahre nach der Verlegung von acht Stolpersteinen mitten auf einer Straßenkreuzung in Weyer (Oberösterreich) ist es gelungen, diesen kleinen Gedenkort der Erinnerungsstätte Lager Weyer würdiger zu platzieren. Die Sanierung der Straße gab Gelegenheit, die symbolischen Gedenksteine auf einem neu gestalteten Streifen zwischen der Straße und dem ehemaligen Terrorgelände des „Zigeuneranhaltelagers St. Pantaleon-Weyer“ zu situieren.
Die in den Boden eingelassenen Steine erinnern an die Kinder, die im Lager den Tod fanden, sowie an die Säuglinge, die im Lager geboren und nach der Deportation im besetzten Polen ermordet wurden. Die Gedenksteine „sind ausschließlich Kleinkindern gewidmet, die im NS-Lager für Roma und Sinti in Weyer geboren wurden. Sie starben dort oder nach der Auflösung des Lagers in Polen“, sagte der Autor Ludwig Laher, Obmann des Vereins Erinnerungsstätte Lager Weyer im Innviertel, in seiner Ansprache bei der Gedenkfeier am 15. Oktober. Der Journalist Martin Kranzl-Greinecker erinnerte anschließend an die weitgehend vergessene Opfergruppe der Kinder von Zwangsarbeiterinnen. Etwa 200.000 Kinder wurden von Zwangsarbeiterinnen geboren. Sie wurden ihren Müttern weggenommen und in spezielle Heime gesteckt; an die 300 solcher Anstalten gab es im Deutschen Reich. Viele der Kinder kamen in den Heimen ums Leben.
In dem nationalsozialistischen „Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer“ waren von Jänner bis November 1941 mehrere Hundert Sinti und Roma interniert. Nach der Auflösung des Lagers wurden die rund 300 überlebenden Häftlinge über Lackenbach nach Łódź (Ghetto Litzmannstadt) deportiert. Sie alle wurden ermordet.
(dROMa)
Oktober 20th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung
„Romane Thana“ gibt Einblicke in die Lebenssituation von Roma und Sinti in Österreich und erzählt deren Geschichte und Geschichten.
Auf Basis der erfolgreichen Ausstellung Romane Thana – Orte der Roma und Sinti (2015 im Wien Museum, derzeit noch bis 13. November im Projektraum der Landesgalerie Burgenland) wurden Materialien für den Unterricht erstellt, um Schüler/innen ab der 5. Schulstufe die Geschichte und Lebenswirklichkeiten von Roma/Romnija und Sinti/Sintize näher zu bringen. www.romane-thana.at unterstützt Lehrer/innen dabei, diese Themen im Unterricht zu behandeln. Die Seite bietet einen Überblick über die Ausstellung, Vermittlungstexte, Erklärungen für Lehrende, Arbeitsblätter, Stundenbilder, einen Methodenkatalog und ein ausführliches Lexikon. Das Unterrichtsmaterial kann in vielen Varianten, insbesondere in den Fächern Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung, Geografie und Wirtschaftskunde und Deutsch, bzw. auch fächerübergreifend verwendet werden.
Das Projekt wurde von Romano Centro in Kooperation mit der Initiative Minderheiten, dem Wien Museum, dem Landesmuseum Burgenland und dem Kulturservice Burgenland im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung durchgeführt.
(Text: Romano Centro)
Oktober 12th, 2016 |
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Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken
Dauerhafter Erhalt der Grabstätten NS-verfolgter Sinti und Roma. Dokumentation zur Vorlage bei der Bundesregierung (= Schriftenreihe des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Band 10), Heidelberg 2016.
>>PDF-Download der Broschüre
In Deutschland existieren schätzungsweise 2.600 Grabstätten von Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma setzt sich dafür ein, dass diese Gräber dauerhaft als Familiengedächtnisstätten und als öffentliche Lernorte in staatliche Obhut genommen werden. Die vorliegende Dokumentation erläutert den Stand der Umsetzung in den verschiedenen Bundesländern, die unterschiedlichen derzeit gegebenen Möglichkeiten für den Erhalt der Grabstätten und gibt einen Überblick über die seit 2004 andauernden Verhandlungen des Zentralrats mit Bund, Ländern und Kommunen in der Sache.
In vielen Fällen wurden betroffene Gräber von den Städten inzwischen als Ehren- oder Dauergräber erhalten bzw. unter Denkmalschutz gestellt. In anderen Fällen wurden Gebühren für Grabverlängerungen ausgesetzt. Wir freuen uns sehr, dass die Bundesregierung jetzt bei einem Treffen mit dem Zentralrat zugesagt hat, dass es eine mit Bund und Ländern abgestimmte Regelung zum Erhalt unserer Gräber geben soll. Read the rest of this entry »
Oktober 10th, 2016 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview
Dokumentarfilm von Marika Schmiedt, AT 2016, 80 min.
Premiere in Anwesenheit der Regisseurin
Sa., 22. Oktober 2016, 17.30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien
Marika Schmiedt untersucht und benennt die Wunde, versucht sie zu begreifen, greift hinein, zerrt und weitet sie. Das ist ein intensiver und schmerzhafter Prozess und der dabei entstandene Dokumentarfilm ist kein einfach zu konsumierender. Im Film wird viel gesprochen, nach 78 Minuten wird klar, dass auch über das „Unaussprechliche“ gesprochen werden kann und muss. Über Strukturen der Diskriminierung, der Gewalt und über Kontinuitäten. Marika Schmiedt und ihr Film sprechen sich allerdings gegen eine verharmlosende, oberflächliche Heilung aus, vielmehr werden Wege der Vertiefung und des Widerstands gezeigt.
„Warum die Wunde offen bleibt“ beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Holocausts an Roma und Sinti durch die sogenannte „2.“ und „3. Generation“. Die historischen Vertreibungen, Verfolgungen und Massenmorde werden thematisiert, auch persönlich durch das biografische Erzählen der Protagonistinnen. Dabei verdeutlicht gerade die Relation zu aktuellen Diskriminierungen und Verbrechen gegen Roma und Sinti die Notwendigkeit umfassender Auseinandersetzungen: geschichtlicher, familiärer, psychoanalytischer und nicht zuletzt die Dringlichkeit der politischen.
Im Mittelpunkt des Films stehen lange Interviews bzw. Gespräche mit drei beeindruckenden Frauen: Read the rest of this entry »
Oktober 9th, 2016 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Martina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Lebensgeschichten burgenländischer Roma
Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft), 127 S.
>>>Download der UB Wien (pdf)
Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugendokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein „Roma-Service“, aus anerkennungstheoretisch fundierter Perspektive betrachtet. Dabei bildet das Anerkennungsmodell des deutschen Sozialphilosophen Axel Honneth das theoretische Fundament der Untersuchung. Honneth differenziert zwischen drei Anerkennungsmustern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Missachtungsformen – Misshandlung, Entrechtung, Entwürdigung – entgegenstellt. Diese Unterscheidung trifft er aufgrund ihrer jeweiligen Bedeutung für Formen des Selbstbezugs – Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstschätzung. Mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Bedeutung von Anerkennungs- bzw. Missachtungserfahrungen für Handlungsfreiheit und Selbstwert der 15 erzählenden Burgenland-Roma betrachtet.
„Mri Historija“ ist nicht nur als Beitrag zur österreichischen Erinnerungskultur zu sehen, sondern gleichzeitig als kritische Thematisierung von sozialen Ausschließungsprozessen, die eine selbstbestimmte Lebenspraxis behindern und sich negativ auf den Selbstwert der Individuen auswirken können. In „Mri Historija“ werden jedoch Entwicklungen sichtbar, die auf ein wachsendes Selbstbewusstsein der Burgenland-Roma verweisen. (M. Schedl, S. 120)
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Oktober 2nd, 2016 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken
„Gypsies, Roma, Travellers: An Animated History“: ein rasanter Galopp durch die tausendjährige Geschichte der Roma.
Ein Video der Open Society Foundation von 2013. Leider nur auf Englisch (engl. Untertitel können rechts unten aktiviert werden) – dafür aber mit einem Hinweis auf die Burgenland-Roma.
September 29th, 2016 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken
Nach dem Konkurs hätte der Verkauf des Attentat-Denkmals den Oberwarter Verein retten sollen. Daraus wird nichts: Die Schulden sind zu hoch, das Vermögen wird liquidiert. Die Gedenkstätte soll nun das Land Burgenland übernehmen – die Genehmigung des Gerichts steht allerdings noch aus.
Roland Pittner/Kurier, 29.9.2016: Der Verein Roma Oberwart ist insolvent. Wie der KURIER berichtet hat, hätte der Verkauf der Gedenkstätte an das Attentat auf die Roma in Oberwart im Jahr 1995 den Verein retten sollen. Das Grundstück samt Mahnmal für die fünf durch eine Rohrbombe von Franz Fuchs ermordeten Roma steht im Besitz des Vereins. Das Land hätte als Käufer einspringen sollen, um den Verein zu retten.
Doch daraus wird nichts, wie Masseverwalter Wolfgang Steflitsch im KURIER-Gespräch erklärt. „Der Sanierungsplanantrag vom Verein Roma wurde zurückgezogen, deshalb fand keine Tagsatzung statt und der Verein ist beendet“, sagt Steflitsch. Das gesamte vorhandene Vermögen, die Gedenkstätte, ein Baugrundstück sowie ein VW-Bus werden liquidiert, um die Verbindlichkeiten und Verfahrenskosten zu bezahlen. „Den Verein wird es noch offiziell bis Jahresende geben, die Tätigkeit ist aber eingestellt“, sagt Obmann Hans Baranyai im KURIER-Gespräch. Es gibt auch schon Überlegungen, dass andere Vereine das Lernprojekt für Roma in Oberwart weiterführen. „Wir hoffen, dass das so schnell wie möglich weitergehen kann“, sagt Baranyai.
Grund für das Aus war die Höhe der Forderungen von etwa 160.000 Euro. „Es hätte dem Steuerzahler nur viel Geld gekostet, der Romaverein hätte nichts davon gehabt“, meint Steflitsch. Grund für die hohen Außenstände waren verzögerte Fördergelder, die so lange nicht eintrafen, bis die Bank einen Überbrückungskredit fällig gestellt hat. „Ungereimtheiten oder strafrechtliche Problematiken gibt es keine“, sagt Steflitsch. Die Attentat-Gedenkstätte soll allerdings nicht versteigert werden. „Wir brauchen noch die Genehmigung des Gerichts, um es der Gebietskörperschaft, die es zum Zweck der Gedenkstätte an den Verein übertragen hat, zurückzugeben“, sagt Steflitsch. Somit würde das Land das Grundstück bekommen und sich um die Gedenkstätte kümmern. Read the rest of this entry »
September 25th, 2016 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung
Spielfilm von Kai Wessel (A/D 2016) nach dem gleichnamigen Roman von Robert Domes (mehr hier). Website zum Film: www.nebelimaugust.de
Filmstart: 29.9.2016 (Deutschland), 7.10.2016 (Österreich)
September 21st, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek
I sudburgenlanditiki gemajnde Kemeta imar but berscha le opferenge na use mukel jek gondolipeskeri tablina le Romenge, save le nacijendar ledschim taj murdarde ule, upre te terdscharel. Akan jek gondolipeskeri inicijativa ando internet upro Roma Kemetatar, save murdarde ule, pal gondolipe te kerel.
200 dschene andar i tikni gemajnde Kemeta (becirk Erba) le nacijonalsocijalistendar ledschim ule, kaj on Roma sina. Tschak pantsch Roma pal o ar le Dujte Themeskere Haburistar 1945 Kemetate pal ale. Pedar 70 berscha i gemajnde Kemeta meg mindig jek upre terdschajipe jeka gondolipeskera tablinatar le palgondolipeske na use mukel. So andi Tikne Simeha, Neudörfl, Mattersburg vaj Tikne Boslina schaj kerdo ulo, upro kivanipe la flogoskera grupnatar jek than te lakel, kaj on bokreti taj momeltscha otscha schaj tschin, la gemajnde Kemetake, sar ar ditschol, baro problemo kerel. O biro Johann Nussgraber (SPÖ) imar but berscha i skulptura la informacijakera tablinatar na upre te terdscharel mukel. Imar desch berscha ando „Bauhof“ la gemajndejatar li paschlol. Aja koja na latschipe kerel, phendo ol ando gemajndejakero birovtschago.
Kaj schaj upro Roma Kemetate pal gondolim ol, akan jek virtujeli gondolipeskero than del: fatretertscha le farajnistar Refugius ando keripe le projektostar „gondolipeskero drom“ ando khetan butschalinipe Romengere fatreterenca kerdo lo ulo. „Afka akan kamaha te probalinel, o kivanipe le tschule Romendar, save prik atschine jek than le gondolipeske taj jek cajchn gejng o pobisteripe te del.“
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September 12th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
O tschechitiko dujto regirungakero schero Andrej Babiš pre tel vakeripeskere arphenipeha pedar o holocaust upro Roma bari vrischtscha kertscha. „Hohajipe hi, hot o logeri Lety jek logeri sina, ov butjakero logeri sina – ko na buti kerlahi, oda mindschart odoj otscha pelo“, phenel ov. „Cajtscha delahi, kada o Roma sa buti kernahi“, phenel o liberali populistischi finacjakero ministeri taj keraschi la ANO-partajatar uso kherodipe le tschore dschenendar ando Varnsdorf, ando norditiko la Tschechijatar ando becirk Děčín.
Babiš sa pal lel so phentscha. On andar o kontekst ari tschinde ule. „Me le na latsche likerav, hot jek tschechitiko regirungakero politikeri patschal, hot ov o holocaust tel te dschuminel sar tena le te dijahi“, phenel o anglebeschto le Christdemokratendar (KDU-CSL) Pavel Belobradek, le papruschengere nevipeske „Pravo“. I socijalministerkija Michaela Marksová le Babišistar mangel, hot ov o tschavengero grobo le gondolipeskere thanestar Lety kher te rodel. „Odoj terdschon o anava valami schel tschavendar kada upro them ale- taj kada mule – on atschi buti te kertschanahi dschimeg mule?“, phenel i socijaldemokratkija.
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September 11th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek
Die südburgenländische Gemeinde Kemeten verweigert den Opfern des NS-Völkermords an den Roma seit Jahren eine Gedenktafel. Nun erinnert eine Gedenkinitiative im Internet an die ermordeten Roma von Kemeten.
An die 200 Einwohner der kleinen Gemeinde Kemeten (Bezirk Oberwart) wurden von den Nationalsozialisten deportiert, weil sie Roma waren. Nur fünf von ihnen kehrten nach der Befreiung 1945 nach Kemeten zurück. Über 70 Jahre später weigert sich die Gemeinde weiterhin, mit einer Gedenktafel an sie zu erinnern. Was etwa in Kleinpetersdorf, Neudörfl, Mattersburg oder Kleinbachselten möglich war (siehe das Gedenktafelprojekt unseres Vereins Roma-Service), nämlich dem Wunsch der Volksgruppe nach einem Platz für ihre Blumen und Kerzen zu entsprechen, stellt für die Gemeindeoberen von Kemeten offenbar ein unüberwindliches Hindernis dar. Seit 2006 liegt zwar auch in Kemeten ein Gemeinderatsbeschluss vor, wonach ein Denkmal errichtet werden soll, das nebenbei (auf einer von insgesamt 15 Tafeln zur Ortsgeschichte) auch der Roma gedenkt – passiert ist seither aber nichts (siehe: Die Schande von Kemeten). Bürgermeister Johann Nussgraber (SPÖ) ließ die Skulptur mit den Informationstafeln nie aufstellen. Seit zehn Jahren lagern sie nun im Bauhof der Gemeinde. Die Sache sei zu heikel, hieß es dazu aus dem Gemeindeamt.
Um dennoch an die Roma in Kemeten erinnern zu können, gibt es jetzt eine „virtuelle“ Gedenkstätte: Vertreter des Vereins Refugius haben sie im Rahmen des Projekts „Gedenkweg“ in Zusammenarbeit mit Roma-Vertretern initiiert: „Der Gedenkort in der dieser Form wurde notwendig, weil die Mehrheit der politischen EntscheidungsträgerInnen der Gemeinde Kemeten einen realen Gedenkort mehrmals abgelehnt haben“, heißt es hierzu auf der Website. „Auf diese Weise versuchen wir, dem Wunsch der wenigen Hinterbliebenen nach einem bescheidenen und würdevollen Raum für Gedenken und Gedanken gerecht zu werden und ein Zeichen gegen das Vergessen und Totschweigen zu setzen.“ Read the rest of this entry »
September 9th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Tschechiens Regierung plant weiterhin Ankauf, um die Schweinefarm auf dem KZ-Areal stillzulegen. Vizepremier Babiš besuchte nach dem Skandal um seine Holocaust-Relativierung die Gedenkstätte in Lety – und sprach dort von Roma als „Parasiten“.
Seit den 70er Jahren besteht auf dem Gelände des ehemaligen nationalsozialistischen Roma-KZ im südböhmischen Lety eine Schweinefarm. Tschechiens Menschenrechtsminister, der Sozialdemokrat Jiří Dienstbier, kündigte diese Woche in Prag gegenüber Pressevertretern an, dass die Regierung weiter versuchen werde, die umstrittene private Schweinemast aufzukaufen. Laut Dienstbier stehe man schon seit Monaten in Kontakt mit dem Unternehmen; seit Jänner habe es bereits fünf Gespräche mit dem Eigentümer gegeben. Die Verhandlungen bezeichnete der Minister als „kompliziert und korrekt“. Vergangenen Montag veröffentlichte das Kabinett zudem seinen im März gefassten Beschluss, in dem die Absicht bekräftigt wurde, den Schweinemastbetrieb am Gedenkort stillzulegen. Schon seit langem wird ein Ankauf durch den Staat gefordert. Auch der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen hatte die Tschechische Republik vor drei Jahren dazu aufgefordert. Konkrete Erfolge wurden jedoch bislang nicht erzielt.
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September 7th, 2016 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken
Ando aguno logeri Hodonín (Tschechija) jek nevo gondolipeskero than le opferenge le Roma-holocaustistar kerdo ol.
Ando Hodonín u Kunštátu norditikon Brnojatar jek nevo gondolipeskero than le opferenge le flogoskere murdaripestar upro Roma pal gondolipe te kerel. Jek museum la nacijonalsocijalistischi „Zigeunerverfolgung“ake odoj ando logeri pe vidminvla; pedar oda ari o artschijipe le tradipeha le nimtschkendar palo haburi taj jeke mujsinipeskere butjakere logeriha ando 1950iger berscha donde pe bescharla. O artschijipe ando august o arto bersch prado te ol. I buti schaj ando pantsch berscha palo kesdipe ando juli kisetim ol. O keripe le gondolipeskere thanestar la regirungake 83,6 milijontscha Euro koschtalinla.
(dROMa)
September 5th, 2016 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken
Im ehemaligen KZ in Hodonín (Mähren) entsteht eine neue Gedenkstätte für die Opfer des Roma-Holocausts
In Hodonín u Kunštátu nördlich von Brno (Brünn) wird künftig eine neue Gedenkstätte an die Opfer des Völkermords an den Roma erinnern. Ein Museum wird sich der nationalsozialistischen „Zigeunerverfolgung“ im dortigen Konzentrationslager widmen; darüber hinaus wird sich die Ausstellung auch mit der Vertreibung der Deutschen nach dem Krieg und mit einem Zwangsarbeitslager in den 1950er Jahren befassen. Die Ausstellung soll im August nächsten Jahres eröffnet werden. Die Bauarbeiten konnten, rund fünf Jahre nach Baubeginn, im vergangenen Juli abgeschlossen werden. Die von der Regierung getragenen Gesamtkosten für die Einrichtung der Gedenkstätte belaufen sich auf rund 83,6 Millionen Euro.
(dROMa)
Siehe auch: Tschechiens Vizepremier verharmlost Roma-Holocaust (4.9.2016)
September 4th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Tschechiens Vizepremier und Finanzminister Andrej Babiš sorgt mit verharmlosenden Äußerungen über den Holocaust an den Roma für scharfe Kritik aus den Reihen der Regierungspartner. Laut einer Meldung von „aktualne.cz“ sagte Babiš, Gründer und Minister der liberal-populistischen Ano-Partei, bei einem Besuch eines Armenviertels in Varnsdorf: „Es gab Zeiten, als alle Roma gearbeitet haben. Es ist eine Lüge, dass das Lager in Lety ein Konzentrationslager war, denn es war ein Arbeitslager – wer nicht arbeitete, der war mit einem Schubs dort.“
In Lety, einem von den Nationalsozialisten bei Písek in Südböhmen eingerichteten Todeslager, kamen Historikern zufolge 327 Roma ums Leben. Auch zahlreiche Kinder waren im Lager interniert. Mehr als 500 Roma wurden von dort ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Der Historiker Michal Schuster aus Brno führt dazu aus:
„Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass das Lager für etwa 300 Menschen konzipiert wurde. Einige Wochen nach dem Beginn der Internierung im Sommer 1942 befanden sich in Lety aber bereits mehr als 1000 Menschen. Alleine aus diesen Kapazitätsgründen kann man sich vorstellen, dass das Leben dort sehr schwer war. Hinzu kamen eine schlechte Verpflegung, geringe hygienische Standards und harte körperliche Arbeit, zehn Stunden täglich im Steinbruch, bei Straßenbauarbeiten oder beim Holzschlag im Wald. Das alles führte zu Unterernährung, Krankheit und einer hohen Sterblichkeit vor allem älterer Leute und Kinder.“
Rund 90 Prozent der tschechischen Roma fielen dem NS-Genozid zum Opfer. Auf dem früheren Lagerareal befindet sich eine Schweinefarm – seit vielen Jahren Gegenstand von Protesten.
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August 23rd, 2016 |
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Geschichte & Gedenken
O lejcti tschechitike Roma, savo o holocaust prik dschivde, la Germanijatar buteder sar 70 berscha pal o haburiskero kisetinipe, holocaustiskere-loj te uschtiden. Ande vakeriptscha le financministerijumiha ando foro Berlin, o 2.500 Euro ar handlim ule, phenel o ministerijum le avrutneske ando foro Prag, paraschtujate pal o but masekakere vakeriptscha. Ada potschintschago ham tschak le buter valami desch dschi 15 prik dschivde Romenge hasninel, butschol afka. „Poar lendar tschak ando vodro buter paschlon“, phentscha Čeněk Růžička andar i organisacija le holocaustiske-lojenge le tschechitike Romenge Výbor Pro Odškodnení Romského Holocaustu (VPORH) la agenturake ČTK. „Ando dikipe upre lengero phuripe lojengere utschipeske use phentscham, pedar savo tschak aslo schaj ol“, kritisirintscha ov. Taj te vasch o ar potschintschago iste erscht aun rodim ol.
Ando dujto themeskero haburi igen but dschene le tschechitike Romendar ande butjakere- taj nacijonalsocijalistischi logertscha ledschim ule. Tschak valami 600 le valami 6500 dschenendar le tschulipestar o Porajmos prik dschivde, o flogoskero murdaripe le europitike Romendar.
(volksgruppen.orf.at)
August 12th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Nach Klage von Mauthausen-Überlebenden: „Aula“ darf ehemalige Häftlinge des KZ Mauthausen nicht mehr als „Massenmörder“ oder „Landplage“ bezeichnen.
Harald Walser: Ist es ein juristischer Befreiungsschlag? Das Landesgericht für Zivilrechtssachen in Graz hat eine „Einstweilige Verfügung“ erlassen: Die Zeitschrift „Aula“ und ihr Autor Manfred Duswald dürfen nicht mehr schreiben, im Jahre 1945 befreite ehemalige KZ-Häftlinge seien „Massenmörder“ und von der Bevölkerung als „Landplage“ empfunden worden. Auch ähnliche Aussagen sind verboten. (Zur Vorgeschichte: Mauthausen-Überlebende klagen „Aula“)
Es ist eine bemerkenswerte Begründung der Richterin. „Zur Sicherung des mit Klage vom 30.6.2016 zu 39 Cg 79/16s beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz erhobenen Unterlassungsanspruches wird den beklagten Parteien bis zur rechtskräftigen Entscheidung im Hauptverfahren verboten, die wörtliche und/oder sinngleiche Behauptung aufzustellen und/oder zu verbreiten, die ehemaligen Häftlinge/Befreiten des KZ Mauthausen, dessen Neben-/ Außenlagern oder anderer Konzentrationslager seien Massenmörder und/oder für die Bevölkerung eine Landplage gewesen und/oder haben das Land raubend und plündernd, mordend und schändend geplagt und schwerste Verbrechen begangen.“
Einige bedeutsame Sätze aus der Begründung durch das Gericht:
- „Der Aufbau und die Formulierung dieses Absatzes lassen keinen Zweifel daran offen, dass die im dritten Satz aufgelisteten Straftaten allen befreiten Mauthausen-Häftlingen zugerechnet werden.“
- „Das kann nur so gelesen und vom durchschnittlichen Leser verstanden werden, dass er [Duswald] die Straftaten, die Kriminalität und das Plagen den im Mai 1945 befreiten KZ-Häftlingen im Allgemeinen zuschreibt.“
- „Verstärkt wird die Unterstellung, die Mauthausen-Häftlinge seien sozusagen aus gutem Grund wegen Straftaten inhaftiert gewesen, noch dadurch, dass der Zweitbeklagte ‚Befreiung‘ und ‚Befreiern‘ unter Anführungszeichen setzt.“
- „Damit lässt er keinen Zweifel daran, dass die Freilassung der in Mauthausen gefangen Gehaltenen für die Bevölkerung negativ gewesen sei, was, wie sich aus dem Gesamtzusammenhang wiederum ergibt, darauf zurückzuführen sei, dass es sich bei den Mauthausen-Häftlingen um Kriminelle gehandelt habe, die das Land mit Straftaten heimgesucht hätten.“ Read the rest of this entry »
August 7th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken
4.383 österreichische Roma und Sinti wurden 1942 im NS-Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) ermordet. Erst jetzt wurde ein Gedenkstein für sie errichtet.
Am 2. und 3. August 2016 wurde an vier polnischen Gedenkstätten der vor 75 Jahren von den Nationalsozialisten verschleppten und in der Folge ermordeten österreichischen Roma und Sinti gedacht und ein Gedenkstein enthüllt. Der Präsident des burgenländischen Landtags, Christian Illedits, die Präsidentin des Landtags Steiermark, Bettina Vollath, und der Obmann des Kulturvereins Österreichischer Roma, Christian Klippl, hielten dabei die Gedenkreden zu dem in Romanes als „Porajmos“ bezeichneten Roma-Genozid.
Am 3. August fand am Rande des Roma-Massengrabs im Wald bei Chełmno nad Nerem im Rahmen einer großen Gedenkfeier mit polnischen Roma aus dem ganzen Land und polnischer politischer Prominenz die Enthüllung eines Gedenksteins zur Erinnerung an die ermordeten österreichischen Roma statt. Dessen Inschrift lautet folgendermaßen:
Gewidmet allen, die als ganze Familien in den Himmel gezogen sind … – Zum Gedenken an etwa 4.300 Roma und Sinti aus Österreich, die im Jänner 1942 aus dem Ghetto Litzmannstadt in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und dann im selben Monat von den deutschen Besatzern ermordet wurden. Ihre Schreie und Leiden nahm der Erdboden auf, der die Asche tausender Opfer verbirgt. Wir werden Euch nie vergessen!
Nur wenige Monate nach ihrer Verschleppung nach Łódź (siehe: Infotext: Die Łódź-Deportationen 1941) wurden die Roma in das nationalsozialistische Vernichtungslager Kulmhof gebracht, wo sie Anfang 1942 in sogenannten „Gaswagen“ – mittelgroßen LKWs, in welche die Auspuffgase geleitet wurden – ermordet wurden.
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August 5th, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Endlich willigt Deutschland ein, auch die Handvoll Holocaust-überlebender Roma in Tschechien zu entschädigen – nicht aber mit einer monatlichen Opferrente wie die jüdischen Opfer, sondern mit einer einmaligen Abschlagszahlung von gerade einmal 2.500 Euro: Roma sind weiterhin Opfer zweiter Klasse.
In Böhmen und Mähren kamen während der deutschen Besatzungszeit etwa 90 Prozent der dort beheimateten Roma-Bevölkerung ums Leben. Nur rund 600 der 6.500 von den Nationalsozialisten als „Zigeuner“ erfassten Personen im „Protektorat“ überlebten die NS-Verfolgung. Wie nun das tschechische Außenministerium betätigte, sollen tschechische Roma, die die Konzentrationslager der Besatzer überlebten, von Deutschland demnächst eine einmalige Entschädigung in der Höhe von 2.500 Euro bekommen. Nach monatelangen Verhandlungen habe man sich mit dem Finanzministerium in Berlin auf diesen Betrag geeinigt. Tschechiens Roma-Verbände, allen voran der Ausschuss für Holocaust-Entschädigung für die Roma in Tschechien (VPORH), hatten diese Entschädigung durch die Vermittlung des tschechischen Außenministeriums vor mehr als einem Jahr beantragt. Das Bundesaußenministerium wird die Summe aus dem Fonds für nichtjüdische Opfer (Härtefond) bereitstellen.
Für nahezu alle Opfer kommt diese Geste jedoch um Jahrzehnte zu spät. Laut Medienberichten sind nur noch maximal fünfzehn betroffene Roma am Leben. Nur zehn Personen haben bis dato tatsächlich um die Entschädigung angesucht. Read the rest of this entry »