Rassismus & Menschenrechte

Rassismus gegen Sinti & Roma: Antiziganismus

Januar 5th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

detektor.fm, Podcast Zurück zum Thema, 21.11.2023

Antiziganismus: Was tun gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma?

Angehörige der Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in vielen Ländern Europas. In ihren jewei­ligen Heimat­ländern bilden sie historisch ge­wachsene Minder­heiten und erfahren oft Dis­krimi­nie­run­gen. Diese fallen unter den Begriff Antiziganismus. „Der Begriff Anti­zigani­smus ist inter­national und national sehr etabliert und über Jahr­zehnte auch von Selbst­organi­sation etabliert worden. Er be­inhaltet die Fremd­bezeich­nung, wes­halb ich per­sönlich diesen Begriff auch nicht mehr nutze, sondern zum Bei­spiel ‚historisch spezi­fischer Rassismus gegen­über Sinti und Roma’“, sagt Kelly Laubinger.

detektor.fm-Moderator Gottfried Haufe fragt in dieser Folge von „Zurück zum Thema“, was gegen Anti­ziganismus getan werden muss. Welche Organi­sationen setzen sich für die Minder­heit ein? Antworten darauf geben der MIA-Ge­schäfts­führer Guillermo Ruiz Torres sowie die Co-Vor­sitzen­de der Bundes­ver­eini­gung der Sinti und Roma Kelly Laubinger.

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„Invisible Study Hall“ (Ungarn)

Januar 4th, 2024  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

SozialMarie 2023: Invisible Study Hall (Ungarn) (Foto: via SozialMarie)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Für die SozialMarie 2023 nominiert war auch das Pro­jekt In­visible Study Hall (Láthatatlan Tanoda) aus Budapest, das außer­schu­li­sche Bildungs­an­ge­bote für mar­gina­li­sier­ten Roma-Kinder im Alter von 5 bis 18 Jah­ren zur Ver­fü­gung stellt.

Projektträger: Rosa Parks Alapítvány (Rosa Parks Foun­dation)

Herausforderung: In Ungarn wächst die Bildungs­kluft zwischen Regel­schul­kindern und margi­na­li­sier­ten Kindern (vor allem Roma), die das der­zeitige Schulsystem und die sozialen Unter­stützungs­systeme nicht auf­fangen können. Roma-Kinder sind nicht nur mit den Nachteilen der Armut kon­fron­tiert, sondern auch mit rassisti­schen Vor­urteilen, die zu schuli­scher Segregation führen.

Idee: Das Projekt „Invisible Study Hall“ bietet marginali­sierten Roma-Kin­dern im Alter von 5 bis 18 Jahren außer­schulische Bildungs­an­ge­bote. Der Schwer­punkt liegt auf der Ent­wicklung indivi­dueller Fähig­keiten, Mentoring, Grup­pen­akti­vitä­ten zur Ent­wicklung sozialer Fähig­keiten und Freizeit­akti­vitäten. Es wird ein ganz­heit­licher Ansatz verfolgt, der zahl­reiche Frei­willige ein­bezieht, Partner­schaften mit Eltern ent­wickelt und Familien in Krisen­situa­tio­nen hilft.

Akteur*innen: Zwei Vollzeit- und zwei Teilzeit-So­zial­ar­bei­ter*in­nen ko­ordi­nieren die Projekt­akti­vitäten, halten den Kontakt zu den Eltern und unter­stützen das Wohl­er­gehen der Familien. Diese Mit­arbei­ter*in­nen leiten auch 41 Frei­willige (aus allen Lebens­berei­chen). Das Projekt umfasst derzeit 78 Kinder sowie Mit­arbeiter, Freiwillige und Eltern, die alle eine Gemein­schaft bilden und part­ner­schaft­lich zu­sammen­arbeiten.

Wirkung: Die Kinder, die vor neun Jahren im Kindergarten in das Programm auf­ge­nommen wurden, haben ihre Ausbildung bis zur weiter­füh­ren­den Schule fort­gesetzt. Das Projekt hat in ähn­licher Weise bei Wohnungs- und Ein­kommens­krisen geholfen und unter­stützt jedes Jahr die Einschulung von 5 bis 8 Kindern in nicht segre­gier­ten Schulen. Read the rest of this entry »

Roma-Service in der Krone

Dezember 17th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

30 Jahre Anerkennung: Artikel in der Krone, 16.12.2023 (Screenshot)Volksgruppe der Roma: Es braucht mehr als die An­er­ken­nung am Papier

Vor 30 Jahren wurde die Volksgruppe der Roma an­er­kannt. Gegen Dis­krimi­nie­rung kämpft man heute nach wie vor, aber das Selbst­be­wusst­sein ist ge­wachsen.

→zum Artikel in der Krone

Zum Jubiläum erschien in der Kronen-Zeitung ein Artikel von Carina Fenz, der auf die letzten 30 Jahre der Volks­gruppe zurück­blickt – und dabei auch den Verein Roma-Service vor­stellt (dessen zwei­spra­chiges Magazin dROMa die Autorin sicht­lich genau ge­lesen hat).

„Meine Volks­gruppe darf keine Nach­teile haben, wenn sie zu ihrer Identität steht“, zitiert der Ar­tikel den Vor­sitzen­den des Roma-Volks­grup­pen­beirats Emmerich Gärt­ner-Hor­vath vom Verein Roma-Ser­vice. „Mit Aus­gren­zung und Dis­kri­minie­rung hat man aber nach wie vor zu kämpfen“, kons­ta­tiert auch der Artikel. Die rassis­tischen Leser­postings unter dem Kro­ne-Text liefern dazu auch gleich das pas­sende An­schau­ungs­ma­terial.

dROMa 72: „Genetik“

Dezember 13th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

dROMa 72Themenheft „Genetik“ | Temakeri heftlina „Genetik“

Download (PDF) | Inhalt

Die Fortschritte der Genetik sind atemberau­bend, doch es tun sich auch neue Abgründe auf. Minder­heiten wie den Roma gilt näm­lich ein beson­ders ex­zessives For­schungs­interes­se. Die ethischen Fallen, die damit ver­bunden sind, von un­sauberen Daten bis zum wissen­schaft­lich kaschier­ten Rassismus, skizziert die deutsche „Wissen­schafts­jour­nalis­tin des Jahres 2021“ Christina Berndt. Ein Thema, das Veronika Lipphardt im Interview ver­tieft: Sie hat sich gemein­sam mit Mihai Surdu durch Hunderte gene­tische Studien über Roma gewühlt – und stellt ihnen, ethisch wie metho­disch, ein ver­nich­ten­des Zeugnis aus. Was alles schief­gehen kann, wenn Genetik, Schlam­perei und Vor­urteile auf­einander­treffen, zeigt auch das „Phantom von Heilbronn“. Die Suche nach einer Mörderin brachte eine ganze Ethnie unter General­ver­dacht. An­schlie­ßend berich­tet Roman Urbaner von einem archäo­lo­gischen DNA-Fund, den es gar nicht geben dürfte. Dabei geht es um ein Skelett in England, Wikinger in Byzanz und eine mög­li­cher­weise aus dem Osten ver­schleppte Sklavin. Den Abschluss macht ein Interview mit dem Familien­forscher Herbert Rehling aus Bad Tatz­manns­dorf, der sein Wissen gerne auch mit Roma teilen würde.

O neviptscha la genetikatar barikane hi, ham te neve telperip­tscha pran pumen. Tschu­lip­tschen­ge sar le Romenge, igen bari­kano bulho forschi­ni­pes­kero interesi del. O etischi andasta­rip­tscha, save adale kojenca khetan phandle hi, hamisch­ne datschen­dar dschi otscha uso visen­schoft­lichi garudo rasismus, sikal i nimtschki „visen­schof­ta­keri reporter­kija le ber­schestar 2021“ Christina Berndt. Jek tema, savi i Veronika Lipphardt ando vakeripe horeder kerel: Oj khetan le Mihai Surduha but schel gene­tischi schtudiji pedar Roma aun peske dikla – taj lenge, etischi sar meto­dischi, ertscha­ve censuri ar terdscha­rel. So sa, na latscho schaj naschel, te pe i genetik, o na latscho butscha­linipe taj i diskri­mi­nacija reste, sikal o „fantom andar Heilbronn“. O rodipe pal jek teterkija, jeka cila etnija telal o generali schpe­kuli­ri­nipe antscha. Paloda phukal o Roman Urbaner jeke arche­jo­lo­gischi DNA-la­ki­pestar, save schoha te del na trom­lahi. Read the rest of this entry »

Magna Carta aller Menschen

Dezember 10th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, dROMa (Magazin)

Jubiläum: 75 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

ELEANOR ROOSEVELT: Die Vorsitzende der UN-Kommission mit der Menschenrechts-Deklaration von 1948 (Bild: FDR Presidential Library, CC BY 2.0)Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Ver­ein­ten Natio­nen in Paris die All­ge­meine Er­klä­rung der Men­schen­rechte – eine der raren Stern­stunden der Mensch­heit

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Mit diesem kraft­vollen Auftakt beginnt das Doku­ment, das 1948 – auf den Trüm­mern von Krieg und Faschismus – eine große Mensch­heits­utopie formu­lierte: Die zivili­sa­to­rische Stärke des Rechts sollte ein für alle Mal das Recht des Stärkeren er­setzen. 75 Jahre später sind die 30 Artikel der UN-Men­schen­rechts­erklärung aber weiter­hin oft nicht viel mehr als schöne Worte. Selbst in etab­lierten Demo­kratien werden sie heute wieder dreist in Frage ge­stellt. Der Konsens von 1948 bröckelt.

Damals hatte sich die Staatengemeinschaft auf diesen globa­len Men­schen­rechts­kodex ver­stän­digt. Bis zuletzt hatte die 18-köpfi­ge UN-Kom­mission unter dem Vorsitz Eleanor Roosevelts, der resolu­ten Gattin des frü­heren US-Prä­si­denten, um jeden Passus ge­feilscht. Doch unter den Vor­zeichen des herauf­däm­mern­den Kalten Krieges gelang, was noch nie ge­lungen war: eine von Regie­rungen auf allen Kon­tinenten gemein­sam ge­tragene Dekla­ration der Rechte, die allen Menschen zu­stehen – un­abhän­gig von Herkunft, Rasse, Ge­schlecht oder Religion. Ein­fach weil sie Men­schen sind.

Die Resolution fand in der Generalversammlung in Paris – ohne Gegen­stimmen und mit nur einigen Ent­haltungen – eine über­wälti­gende Mehrheit. „Wir stehen heute an der Schwelle zu einem großen Ereignis“, so Eleanor Roosevelt in ihrer An­sprache. „Diese Erklärung kann die inter­natio­nale Magna Carta aller Men­schen werden.“

Strahlkraft
In der Tat hatte die Kommission nach zweijähriger Debatte Bahnbrechendes durch­gesetzt. Read the rest of this entry »

Magna Carta le cile manuschendar

Dezember 9th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, dROMa (Magazin)

Jubilejum: 75 berscha genereli erkler­ini­pe le ma­nu­schen­gere tscha­tschip­tschen­­dar

ELEANOR ROOSEVELT: I anglebeschaschkija la UN-komisijonatar la deklaracijonaha le manuschengere tschatschiptschendar andar 1948 (kipo: FDR Presidential Library, CC BY 2.0)Ando 10to decemberi 1948 o Khetane Nacijon­tscha ande Paris o ge­ne­reli erk­le­ri­nipe le ma­nu­schen­gere tscha­tschip­tschen­dar ar dine – jek le tschule oren­dar le ma­nu­schi­pestar

„O cile manuscha naphandle taj glajchi ando pativ taj ando tscha­tschip­tscha hi.“ Adale so­rale ala­ven­ca kes­dinel o doku­mento, savo 1948 – upro pha­gerde koji le habu­ristar taj faschis­musistar – jek bari manu­schen­geri utopija for­muli­rintscha: I civili­sato­rischi sor le tscha­tschi­pestar mindig o tscha­tschipe le sora­lede­ristar te irinel. 75 berscha paloda, o 30 falati le UN-ma­nu­schen­gere tscha­tschi­peskere erk­leri­ni­pestar, ham tschak buter, schukar alava hi. Muguli ande latsche demo­kra­ciji, adi papal ando phu­tscha­jipe ter­dscharde le on. O khetano hango andar o bersch 1948 tschurel.

Ande oja cajt, o schtotschengero khetanipe oda globali manuschen­gero tscha­tschi­pes­kero kodeks, ari dija. Dschi­jakana, i 18-sche­ros­keri UN-ko­mi­si­jona telal i angle­be­schasch­kija Eleanor Roosevelt, i sorali dschuvli le agune US-pre­siden­tostar, vasch sako koja kejmpfin­lahi. Ham telal o anglunte cajchn le upre ale schudre haburistar schofim ulo, so dschi­jakana meg na dija: jek, le regi­run­gendar upro cile kon­ti­nentscha khetan ledschimi dekla­racijona le tscha­tschip­tschen­dar, save le cile manu­schenge use terdschon – tel diklo le telsch­ta­mini­pestar, la etnijatar, obste mursch vaj dschuvli vaj la reli­gijonatar. Hatek, kaj on ma­nuscha hi.

I resolucijona ando talalinipe ande Paris jek igen baro usephenipe uschti­dija – tschak poar pal like­ri­penca. „Amen adi angli granica use jek baro terdschi­jipe terdscho­jas“, afka i Eleanor Roosevelt ande lakero vakeripe. „Ada erkle­rinipe schaj i inter­nacijo­nali Magna Carta le cile manu­schendar ol.“

Gistakeri sor
Tschatschikan, i komisijona pal duj berschengeri debata, jek barika­no koja prik schaj be­schartscha. Use jek, pro­kla­mirin­tscha o papruschi o pativ le manu­schenstar ojs lek utscheder tscha­­tschi­peskero koja. Read the rest of this entry »

Podcast Hörsaal: „Baseballschlägerjahre“

November 27th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Als der Staat sein Gewalt­monopol preisgab. Polizei und rechte Straßen­­mobs in der ost­­­deutschen Trans­­­for­­­ma­­tions­­­ge­sell­­s­chaft der 1990er Jahre

Podcast: Hörsaal – Deutschlandfunk Nova, 24.11.2023

In den sogenannten Baseballschlägerjahren der 1990er-Jahre über­nahmen rechte Mobs teil­weise die Kontrolle auf Ost­deutschlands Straßen. Der Histori­ker Patrick Wagner erklärt in seinem Vortrag, warum es damals zu einer Erosion des staat­lichen Gewalt­mono­pols kam. Patrick Wagner ist Pro­fessor für Zeit­geschichte an der Mar­tin-Lu­ther-Uni­ver­sität Hal­le-Witten­berg. Seinen Vortrag hielt er am 2. Novem­ber 2023 im Rahmen der Ring­vor­lesung „Mehr als eine Randnotiz. Die extreme Rechte in der deut­schen Gesell­schaft nach 1945“ an der Uni Hamburg.

Weltspiegel Doku: Roma in der Slowakei

November 18th, 2023  |  Published in Film & Theater, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Weltspiegel Doku: Roma in der Slowakei – Gibt es einen Weg aus der Armut? (MDR)
Dokumentation (45 Min.)

Eine Problemdoku mehr, die übersieht, dass auch in der Slowakei ein großer Teil der Roma nicht in solchen Elends­sied­lungen lebt, dass es selbstbestimmte Roma gibt, die ein normales, erfolgreiches Leben führen, ganz ohne Pater­nalis­mus. Vor allem skizziert dieser Bericht die Lethargie der mar­ginali­sier­ten Roma als den eigent­lichen Kern des Problems – den er­drücken­den Rassismus der Mehrheits­gesell­schaft und der Politik hin­gegen, der über allem liegt (und der in der Sendung ja auch des Öfteren an­klingt), ent­lässt die Doku dann doch allzu leicht aus der Ver­ant­wortung. Das be­ginnt schon damit, wie der Beitrag anfangs die „Problem-Ro­ma“ und dann die überaus freund­lichen „norma­len“ Slowaken einführt. Eine Roma-TV-Doku nicht ohne Schief­lagen, aber sehens­wert. (dROMa)

Das Erste, Weltspiegel, 13.11.2023

Aus der ARD-Programmankündigung: Rund 500.000 Roma leben in der Slowakei – in Bezug auf die Bevöl­kerungs­größe eine der stärks­ten Roma-Min­der­hei­ten in Europa. Die Roma leben größten­teils in Ghettos und Slum­sied­lungen, in ärms­ten Ver­hält­nis­sen, mit nur weni­gen Ver­bindun­gen zum Rest der slo­waki­schen Be­völ­ke­rung. Seit Jahr­zehn­ten gibt es Bestre­bun­gen, die Roma gesell­schaft­lich zu in­tegrie­ren, sie aus ihrer Parallel­welt heraus­zu­holen. Die meis­ten Pro­jekte – viele halb­herzig initiiert – sind ge­scheitert. Teil­weise auch auf­grund man­gelnden In­teres­ses oder der Re­signa­tion vieler Roma. Read the rest of this entry »

„Antiziganismus“: vom Verharren in Vorurteilen

November 11th, 2023  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus in der Schweiz: Vom Rassismus gegen Jenische, Sinti*zze und Rom*nja

Podcast: Reden wir! 20 Stimmen zu Rassismus, Febr. 2022 (51.03 Min.)

Der überwiegende Teil lebt sesshaft, sie sind Schweizer Bürger*innen, bezahlen Steuern. Den­noch werden Jenische, Sinti*zze und Rom*nja mit rassis­ti­schen Vor­urteilen dis­krimi­niert und aus­gegrenzt, und sie ringen nach wie vor um An­erken­nung. Warum das so ist, woher die dis­krimi­nie­ren­den Haltun­gen kommen, und warum sie so be­harrlich fort­beste­hen, er­klären Mo Diener, künst­le­rische Leite­rin der «Roma Jam Session» und Venanz Nobel, Vize­prä­sident des Vereins «schäft qwant» im Ge­spräch mit Mandy Abou Shoak und Christoph Keller.

Zum Podcast:
Seit 20 Jahren gestaltet, fördert und koordiniert die Fach­stelle für Ras­sis­mus­be­kämpfung (FRB) im Eid­ge­nös­si­schen Departe­ment des Innern Ak­tivi­täten zur Prä­vention von Rassismus und rassis­tischer Dis­kriminie­rung. In diesen zwan­zig Jahren haben sich die gesell­schaft­liche Positio­nie­rung des Themas und der Akteure maß­geb­lich ver­ändert. Der von der FRB lan­cierte Podcast bietet Gelegen­heit, um mit Ex­pertin­nen und Ex­perten ins Gespräch zu kommen über alte und neue Heraus­for­derun­gen der Rassis­mus­be­kämpfung.

(Text und Beitrag: Reden wir!)

Sind wir alle rassistisch, ohne es zu merken?

Oktober 28th, 2023  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wissen Weekly, Podcast-Folge vom Juli 2021 (26.48 Min.)

Spätestens seit den „Black Lives Matter“-Pro­tes­ten und dem Mord an George Floyd, hört man immer wieder „wir sind alle rassis­tisch“. Aber stimmt das? Warum ver­halten sich Menschen über­haupt rassistisch und manch­mal sogar ohne es zu merken. Um das zu erklären, tauchen wir tief in die Funktions­weise un­seres Gehirns ein, klären, wo Rassismus her­kommt und was wir da­gegen tun können. Hier könnt ihr selbst testen, ob ihr rassistische Denkmuster habt.

(Text und Beitrag: Wissen Weekly)

Podcast: Rassismus- und Antirassismustheorien

Oktober 16th, 2023  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Keine Meinung – Philosophie-Podcast, 12.11.2022 [84 min]

„Keine Meinung“ spricht mit den Herausgeberinnen und Co-Autorin­nen von „Diver­sität der Aus­beutung – Zur Kritik des herr­schen­den Anti­rassis­mus“ (er­schie­nen 2022 im Dietz Berlin-Ver­lag) Bafta Sarbo und Eleonora Roldán Mendívil über die Be­ziehung von Rassis­mus und Kapitalis­mus sowie die liberale contra mar­xis­tische Rassismus- und Anti­rassis­mus­theorie.

(Text und Sendung: Keine Meinung)

Podcast: Was tun gegen Antiziganismus?

Oktober 6th, 2023  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Wie wir andere Bilder schaffen über Sinti und Roma
Rady von RomAnity im Gespräch

DiversityFM #33, Podcast-Folge, 3.7.2022

In dieser Folge spricht DiversityFM mit Rady vom Verein RomAnity (München). Wir ha­ben über Sinti und Roma, das Thema Anti­ziga­nis­mus und auch die neuen Aus­wir­kun­gen durch den Ukrai­ne-Krieg ge­sprochen.

(Text und Beitrag: DiversityFM)

Deutsche Bahn zeigt Antiziganismus-Ausstellung

Oktober 1st, 2023  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutsche Bahn: Ausstellung in Dresden (Foto: Deutsche Bahn AG / Tine Jurtz)Für Toleranz und Respekt: Deutsche Bahn präsentiert erstmals Aus­stel­lung gegen Anti­ziga­nis­mus „HinterFragen. Sinti und Roma – Eine Minder­heit zwi­schen Ver­fol­gung und Selbst­be­stim­mung“ ist zu sehen bis No­vem­ber in den Haupt­bahn­hö­fen Dresden, Wiesbaden und Nürnberg.

Die Deutsche Bahn AG (DB) setzt ihr Engagement gegen Antiziganismus fort. Zum ersten Mal prä­sentiert sie die vom Bildungs­forum gegen Anti­ziganismus kon­zi­pierte Wander­aus­stel­lung „HinterFragen“ im Dresdner Haupt­bahn­hof. DB-Vor­stands­vor­sitzen­der Dr. Richard Lutz hat sie am 25. September eröffnet – gemein­sam mit Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma, Katja Meier, Sächsische Staats­minis­terin der Justiz und für Demo­kratie, Europa und Gleich­stellung, sowie Dr. Mehmet Daimagüler, Be­auf­trag­ter der Bundes­regierung gegen Anti­ziganis­mus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland. Bis zum 8. Okto­ber 2023 ist die Aus­stellung im Dresdner Haupt­bahnhof zu sehen. Vom 11. Okto­ber bis 25. Oktober 2023 wird sie im Haupt­bahn­hof Wiesbaden gezeigt, an­schlie­ßend folgt vom 28. Oktober bis 12. Novem­ber 2023 der Haupt­bahn­hof Nürnberg.

Verschiedene Infopanels geben einen Überblick über die Geschichte und Gegen­wart der Sinti und Roma in Deutschland. Kernt­hemen sind Anti­ziganis­mus und Verfolgung, aber auch Selbst­bestim­mung und der lange Kampf um An­erken­nung. Mit der Prä­senta­tion der Wander­aus­stel­lung will die DB dazu bei­tragen, Vorurteile ab­zu­bauen und Grund­werte wie kultu­relle Vielfalt und Offen­heit zu stärken.

Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG:

Mit dieser Ausstellung an unseren Bahnhöfen setzten wir ein deutliches Zeichen gegen anti­ziganis­tische An­fein­dungen und Übergriffe. Hass und Hetze gegen einzel­ne Gruppen sind leider wieder salonfähig. Deshalb treten wir als Deutsche Bahn noch ent­schie­dener für Toleranz und Respekt ein. Read the rest of this entry »

Jahresbericht zu Antiziganismus in Deutschland

September 21st, 2023  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Jahresbericht 2022Die deutsche bundesweite Melde- und Infor­ma­tions­stelle Anti­ziga­nis­mus (MIA) ver­öffent­licht ihren ersten Jahres­be­richt (für das Jahr 2022) zu anti­ziga­nis­ti­schen Vor­fäl­len in Deutschland

→Download: Jahresbericht (pdf)

Für das Jahr 2022 haben MIA und ihre regiona­len Melde­stellen bundes­weit ins­gesamt 621 anti­ziganis­tische Vorfälle erfasst. Die für das Jahr 2022 er­fassten Vorfälle zeigen, dass Anti­ziganis­mus für Betrof­fene all­täglich ist. Jeder vierte Vorfall (158 Fälle) lässt sich dem Alltag zu­ord­nen. Auch im Wohn­kon­text (121 Fälle) sowie im Umgang mit Be­hörden (119 Fälle) sind zahl­reiche Vor­fälle er­fasst worden.

Bei den Vorfällen stechen besonders zwei Aspekte ins Auge: Mehr als die Hälfte der Vor­fälle fiel auf die Vorfall­art der Dis­krimi­nie­rung. Etwa die Hälfte der Fälle anti­ziga­nis­tischer Dis­krimi­nierung fand auf insti­tu­tio­neller Ebene statt. Beson­ders gra­vie­rende Vorfälle fanden sich im Kontext von Polizei, Jugend­amt, Job­center sowie von kom­munalen Ver­waltun­gen, die für die Unter­bringung von Ge­flüchteten zu­ständig sind. Dass so viele der Vorfälle im Kontext von staat­lichen Behörden statt­finden, zeigt die immense Lücke des All­ge­meinen Gleich­be­hand­lungs­ge­setzes (AGG) auf, welches sich aktuell auf den Bereich des privaten Rechts be­schränkt. MIA fordert eine Reform des All­gemeinen Gleich­be­hand­lungs­ge­setzes, so dass Dis­krimi­nierung durch staat­li­che Behörden ge­ahndet werden kann.

Die zweite auffällige Entwicklung ist der Antiziganismus gegenüber geflüch­teten Roma aus der Ukraine. Die Be­nach­teili­gung von ukrai­nischen Roma durch­zieht ver­schiedene Lebens­bereiche von der Einreise über die Unter­bringung bis hin zum Bildungs­bereich. Read the rest of this entry »

Podcast: Wie man Kinder zu Vielfalt erzielt

September 7th, 2023  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Rassismus entlernen – Wie man Kinder zu Vielfalt erzielt
Podcast: radioReportage/BR2, Sept. 2022 (25:07 Min.)

Unsere Gesellschaft ist rassistisch geprägt – unsere Kinder damit auch. Schon im Kinder­garten machen schwarze Kinder Ras­sis­mus­erfah­run­gen, im zarten Puppen­alter haben Kinder of Color das Gefühl we­niger wert zu sein als weiße Gleich­altrige. Was können wir – als Eltern, Erzieher und Grund­schul­lehr­kraft – da­gegen tun? Fragt unsere Autorin Isabelle Hartmann. Sehr viel, und es fängt bei uns als Er­wachsenen an.

(Text und Sendung: radioReportage/BR2)

Der Völkermord und die Bundesrepublik

September 5th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Sebastian Lotto-Kusche: Cover 2022Sebastian Lotto-Kusche: Der Völkermord an den Sinti und Roma und die Bun­des­repub­lik. Der lange Weg zur An­er­ken­nung 1949–1990 (=Schrif­ten­rei­he der Viertel­jahres­hefte für Zeit­ge­schichte, 125), De Gruyter Ol­den­bourg, Berlin 2022, 264 S.

Die Studie untersucht die diskursiven Kämpfe um die Anerkennung des NS-Völker­mords an Sinti und Roma in der Bundes­republik bis 1990. Dabei wird unter An­erken­nung zweier­lei ver­standen: die Ak­zeptanz der Verbände der Sinti und Roma als legitime Gesprächs­partner der Bundes­regierung sowie die Be­wertung der „NS-Zi­geuner­ver­folgung‟ als „rassisch‟ moti­viertes Verbrechen in Politik und Wissen­schaft. Auf der Grund­lage um­fassenden Quellen­materials von Bundes­behörden und politischen wie zivil­gesell­schaft­li­chen Akteuren ent­steht eine Diskurs­geschichte dieses lang­wierigen An­erkennungs­pro­zesses. Sie zeigt, dass bis tief in die 1960er Jahre hinein ein durch und durch rassisti­sches Bild der na­tio­nal­sozialis­ti­schen Politik gegen Sinti und Roma vor­herrschte. Dieser Denkstil, der von traditio­nellen Vor­urteilen über „Zigeuner­kriminalität‟ ge­prägt war, geriet in den 1970er Jahren mit der Rezeption von inter­natio­na­len For­schungs­arbeiten im­mer stärker unter Druck. Doch erst in den 1980er Jahren begann mit der An­erken­nung der Sinti und Roma als Gesprächs­partner durch Bun­des­kanzler Helmut Schmidt auch die Er­forschung des NS-Mas­sen­verbrechens.

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Podcast: Rassismus und Gesundheit

September 3rd, 2023  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Auswirkungen von Rassismus auf die Gesundheit von Kindern
POWER ME Podcast #5 mit Stephanie Cuff-Schöttle, Okt. 2022

Stephanie Cuff-Schöttle ist Diplompsychologin bietet seit vielen Jahren Paar­therapie und Be­ratung für ras­sis­mus­erfah­rene Men­schen an. Bei POWER ME ist sie Refe­rentin für die Fort­bildungen für psycho­logische Fach­kräfte. Momen­tan arbeitet sie auch bei der Berliner psycho­lo­gi­schen Be­ratungs­stelle OPRA und konzipiert ein Gruppen­therapie­an­ge­bot. Zudem ist sie Mit­gründerin der On­line-Platt­form myUrbanology, welche ins Leben gerufen wurde, um Schwar­zes Leben in Deutsch­land sicht­barer zu machen. Im Rahmen dessen sitzt sie mit an der Ent­wicklung der neuen Weiter­bil­dungs- und Ver­netzungs­platt­form DE_CONSTRUCT, welche zu­künftig der Rassis­mus-Sen­si­bi­li­sie­rung im psycho­sozialen Bereich in Deutsch­land dienen soll.

In dieser Folge spricht Stephanie mit Nuran über ihren beruflichen Werde­gang, was sie dabei an­trieb und wie ihre Arbeit heute aus­sieht. Zudem geht es konkret um die Rassis­mus­erfah­run­gen von Kindern und wie sich diese auf die kör­perliche und psychische Ge­sundheit aus­wirken. Stepha­nie erläutert im Zuge dessen unter anderem, wie Selbst­erhal­tungs­stra­tegien von Kindern aus­sehen und wie diese vom Umfeld unter­stützt werden können.

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„Stets korrekt und human“

August 31st, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Opfermann, Ulrich Friedrich. „Stets korrekt und human“: Der Umgang der westdeutschen Justiz mit dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma. Antiziganismusforschung interdisziplinär – Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus 4. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2023.Ulrich Friedrich Opfermann: „Stets korrekt und human“. Der Um­gang der west­deut­schen Justiz mit dem NS-Völ­ker­mord an den Sinti und Roma (=Anti­ziga­nis­mus­for­schung inter­dis­zipli­när. Schrif­ten­reihe der For­schungs­stelle Anti­ziga­nis­mus, Bd. 4), Heidel­berg Uni­ver­sity Publi­shing (heiUP): Hei­del­berg 2023, 589 S.

→zum Download (CC BY-SA 4.0)

Das Buch gibt erstmals einen systematischen Überblick zu einem bislang ver­nach­lässigten Bereich der justiziellen Auf­arbei­tung des NS-Systems: dem Umgang mit den Ver­brechen an den Sinti und Roma in west­deutschen NSG-Ver­fahren unter Ein­bezug des Tat­raums Osteuropa. Die akribisch recher­chierte Studie stellt zahl­reiche Verfahren vor. Sie informiert über die rechtlichen Voraus­setzungen des west­deutschen justiziel­len Sonderwegs, zeichnet den Verfahrens­gang nach und fragt nach den Rollen der Be­schuldig­ten und Zeugen sowie des Justiz­per­sonals. Im Mittel­punkt steht das als Groß­ver­fahren neben dem ersten Auschwitz-Prozess geplante Sammel­ver­fahren zum „Zigeunerkomplex“ (1958–1970), das ent­gegen seinem An­spruch kaum Resonanz ent­faltete und heute weit­gehend ver­gessen ist.

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Lehrmittel: Jenische, Sinti, Roma (Schweiz)

August 29th, 2023  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Jenische Sinti Roma - LehrmittelJenische, Sinti, Roma. Zu wenig bekannte Minderheiten in der Schweiz. Ein rassismuskritisches Lehrmittel

Hrsg. von der Arbeitsgruppe Jenische – Sinti – Roma, Pä­da­go­gi­sche Hochschu­le Zü­rich/Stif­tung für Erzie­hung zur To­leranz (SET), 2023

Download: →Gesamtes Lehrmittel (ZIP, 65 MB)

Lehrmittel für die Primarschule / Zyklus 2
Das Lehrmittel orientiert sich an der Mehr­per­spek­ti­vität und fördert bei den Schülerin­nen und Schülern die Fähig­keit und den Willen zum Per­spektiven­wechsel. Es stellt sich in die Tradition des gesell­schaft­lichen Lernens auf der Primar­stufe, bei dem die Be­fähi­gung zu respekt­vollem Umgang und die Sen­sibilisie­rung für die kulturelle und gesell­schaft­liche Vielfalt in der Schweiz im Zentrum stehen. Die von der Pädagogischen Hochschule Zürich entwickelten und in der Primar­schule ge­testeten Lern­aufgaben fördern die schritt­weise Erarbei­tung der NMG- und BNE-Kom­petenzen. Das Gewicht liegt auf den Lebens­erfahrun­gen von An­gehöri­gen der drei Minder­heiten. Fokus­siert wird die gelebte Gegen­wart, zu der aller­dings auch die Gewalterfahrung der Ver­gangen­heit gehört. Somit kommt auch die histori­sche Dimen­sion des Umgangs mit den Minder­heiten auf dem Gebiet der heuti­gen Schweiz zur Sprache. Read the rest of this entry »

Menschenhandel: Leihmütterskandal auf Kreta

August 18th, 2023  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Krimineller Adoptionsring in Griechenland: Ausbeutung von Roma-Frauen als einträgliches Geschäft (Foto: Eloisa/Pixabay) Menschenhandel: Auf Kreta wurde ein il­lega­ler Adop­tions­ring auf­ge­deckt – Frauen in Notlage wur­den nach Grie­chenl­and ge­lockt und als Leih­müt­ter aus­ge­beu­tet. Unter ih­nen vie­le Romnja aus Süd­ost­europa.

In Griechenland wurde vor einigen Tagen ein Leihmütter­skandal in einer Kinderwunsch­klinik auf­ge­deckt. Dies berichtet ORF.at unter Berufung auf grie­chische Medien­berichte und Zeit Online. In einer Klinik in Kreta sollen seit Jahren Frauen aus Ost­europa als Eizellen­spen­derinnen und Leih­mütter aus­ge­beutet worden seien – für Kund­schaft aus zahl­­reichen euro­­päischen Ländern, die, so ORF.at, „zumin­dest die rechtliche Grauzone auf dem Weg zum Baby­glück in Kauf“ nahm. Allein seit Dezem­ber des Vor­jahres wurden an der Kinderwunsch­klinik in der Hafen­stadt Chania 182 der­artige Fälle doku­mentiert. Bei der Razzia in der Stadt fanden die Einsatz­kräfte der Abteilung für orga­ni­sierte Kriminalität ver­gangene Woche nicht weniger als dreißig momentan schwan­gere Leihmütter vor.

„Die benötigte richterliche Erlaubnis sei in zahlreichen Fällen ge­nauso gefälscht wor­den wie Adoptions­papiere und medi­zinische Akten“, so ORF.at. Der Gründer und Leiter der Klinik und acht weitere Per­sonen wurden fest­ge­nommen. Ihnen wird vor­geworfen, „ein inter­nationales Netzwerk an Zuhältern auf­gebaut haben, um ,schutz­be­dürftige Frauen‘ aus dem Ausland nach Griechenland zu schaf­fen“. Dort seien diese dann als Leih­mütter oder Eizell­spen­derinnen herangezogen worden. ORF.at be­richtet: „Die Frauen aus Moldawien, der Ukraine, Georgien, Rumänien und Bulgarien – viele von ihnen Romnja – stam­men aus sehr armen Ver­hält­nissen und seien mit falschen Ver­sprechungen nach Kreta gelockt worden. Sie seien von der Öffent­lich­keit ab­geschirmt und in 14 Wohnungen ,unter erbärm­lichen Ver­hält­nissen‘ unter­ge­bracht und überwacht worden. Read the rest of this entry »