Mai 10th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Die nackten Fakten: Asyl und Abschiebungen von Roma im Jahr 2020
Bei der Entscheidung [Deutschlands], die sechs Westbalkanstaaten in den Jahren 2014 und 2015 zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, wurde die menschenrechtliche Situation der Roma dort ignoriert. War die Bleiberechtssituation von Roma aus diesen Ländern bereits zuvor nicht allzu gut, so bedeutet die Einstufung, dass ihre Asylanträge nun so gut wie immer abgelehnt werden. Zusätzlich führte sie zu einer weiteren Stigmatisierung von Roma als „Wirtschaftsflüchtlinge“.
Bei den so genannten Westbalkanstaaten handelt es sich um Albanien und die post-jugoslawischen Länder Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien sowie Kosovo. 2020 lag die Gesamtschutzquote (Flüchtlingsschutz nach §3 I AsylG oder Abschiebungsverbot) bei 0,1% (Serbien, Nordmazedonien) und 2,1% (Kosovo). Für die drei weiteren Staaten liegen die Quoten zwischen diesen Zahlen.
Mehr als die Hälfte der Asylanträge, die von Menschen aus diesen Ländern 2020 gestellt wurden, waren Folgeanträge und stammen somit von Menschen, für die das nicht der erste Antrag war. Bei allen postjugoslawischen Staaten sowie beim Kosovo sind selbst nach offiziellen Zahlen die meisten Antragsteller/innen Roma. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele Menschen aus Angst vor Diskriminierung nicht angeben, Roma zu sein. 2020 gab es beispielsweise 1.292 Asylanträge von Personen aus Serbien, davon gaben 1.036 an, Roma zu sein. Nur einer dieser 1.292 Anträge führte zu einem Schutzstatus nach §3 I Asylgesetz. Die anderen wurden entweder als unbegründet oder offensichtlich unbegründet abgelehnt oder anderweitig erledigt.
Die Fraktion Die Linke hat in einer Kleinen Anfrage den Bundestag gefragt, wie viele Abschiebungen es 2020 gab. Insgesamt waren es 10.800 Abschiebungen, darunter Menschen mit folgenden Staatsangehörigkeiten:
Albanien: 1.006 Personen (davon 234 Minderjährige)
Serbien: 754 Personen (davon 227 Minderjährige)
Nordmazedonien: 427 Personen (davon 149 Minderjährige)
Kosovo: 317 Personen (davon 62 Minderjährige)
Bosnien und Herzegowina: 173 Personen (davon 45 Minderjährige)
Montenegro: 110 Personen (davon 44 Minderjährige)
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April 28th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Erinnerung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.
Die Preisverleihung wird am 28.4.2021 um 14:30 Uhr live auf www.buergerrechtspreis.de und mit englischer Simultanübersetzung auf www.civilrightsprize.com übertragen.
Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, dass nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa die Rechte der Minderheit und ihre über 600-jährige Geschichte in Deutschland und Europa bewusster wahrgenommen werden. Der Preis wird überreicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose. Die Laudatio auf die Bundeskanzlerin wird der Preisträger des Jahres 2019, der ehemalige Staatspräsident der Slowakischen Republik Andrej Kiska halten.
Wichtige Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma konnten unter der Kanzlerschaft und mit persönlicher Unterstützung von Angela Merkel realisiert werden. Die Übergabe des nationalen Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma durch sie im Jahr 2012 in Berlin in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes, war ein wichtiges politisches Zeichen auch in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Read the rest of this entry »
April 8th, 2021 |
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Musik, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Der Internationale Tag der Roma wird jährlich am 8. April begangen – ein weltweiter Aktionstag, mit dem auf die Situation der Roma aufmerksam gemacht werden soll. Zum einen wird an diesem Tag die Diskriminierung der Volksgruppe in den Blickpunkt gerückt, zum anderen wird die Roma-Kultur gefeiert. Voice of Diversity organisiert bereits zum dritten Mal aus diesem Anlass eine international besetzte Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert im Porgy & Bess in Wien.
Podiumsdiskussion, 18.00–19.30 Uhr: →Livestream
2020 endete die EU-Roma-Strategie, die zum Ziel hatte, die Ungleichheit zwischen Roma und Nicht-Roma zu beenden. Das Versprechen wurde nicht eingelöst. Die COVID-19-Pandemie und Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben die bestehende Kluft zur Mehrheitsbevölkerung und die Diskriminierung von Roma noch weiter verschärft. Am 7. Oktober 2020 präsentierte die EU-Kommission einen reformierten strategischen Rahmen zur Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma auf Ebene der Europäischen Union für den Zeitraum 2020–2030.
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April 8th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Zeichen der Anerkennung zum Internationalen Tag der Roma. Österreichs Ministerrat nimmt IHRA-Arbeitsdefinition von Antiziganismus an.
Nationalfonds: Der 8. April ist der Internationale Tag der Roma – ein bedeutender Tag, wenn es um die Sensibilisierung für die Wahrnehmung von Menschen geht, für die der oft negativ konnotierte Begriff „Zigeuner“ in der Alltagssprache noch immer allzu geläufig ist. Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, wurde in London der erste Welt-Roma-Kongress abgehalten, ein erster großer Schritt für die Rechte dieser Bevölkerungsgruppe.
Einen Tag vor dem internationalen Tag der Roma 2021 hat nun in Österreich der Ministerrat [Anm.: nach Deutschland] die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (International Holocaust Remembrance Alliance – IHRA) angenommen und damit ein wichtiges Signal gesetzt.
Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds, dessen zentrale Aufgabe seit 1995 die Anerkennung aller Opfergruppen ist, betont: „Die Diskriminierung von Menschen und Bevölkerungsgruppen ist ein Warnsignal im Hinblick auf den Zustand einer Gesellschaft. Die möglichen Folgen wurden im Nationalsozialismus nur allzu deutlich sichtbar. Darum ist es so dringlich, nicht nur gegen Antisemitismus, sondern gegen Ausgrenzung jeder Art entschieden vorzugehen.“
Bis heute ist Antiziganismus ein zu wenig beachtetes Phänomen auch in Österreich. Die durch die IHRA unter maßgeblicher Mitwirkung Österreichs erarbeitete Arbeitsdefinition ist ein Mittel, ihn zu erkennen und zu benennen. Read the rest of this entry »
April 7th, 2021 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Virtuelle Veranstaltung „50 Jahre Romapolitik – Romnja und Roma in der EU. Chancen und Herausforderungen“
Do., 8. April 2021, 10.00 Uhr in der Mediathek des Parlaments (Livestream)
Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, fand in London der erste Welt-Roma-Kongress statt, um damit die Anfänge der Roma-Bürgerrechtsbewegung einzuläuten. Seit nunmehr dreißig Jahren werden zu diesem Datum weltweit Aktionstage abgehalten, um auf dieses bedeutsame Ereignis aufmerksam zu machen. Anlässlich des diesjährigen Welt-Roma-Tages lädt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka Expertinnen und Experten ein, um die europäische Dimension der Situation dieser Volksgruppe im Jahr 2021 zu beleuchten.
Nach den Eröffnungsworten von Manuela Horvath (Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt) hält Bundesministerin Susanne Raab die Keynote.
Am Podium diskutieren Sabine Schweitzer (Zeithistorikerin) [Anm. d. Red.: statt Gerhard Baumgartner], Emmerich Gärtner-Horvath (Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma und Chef des Vereins Roma-Service), Ursula Till-Tentschert (Stv. Abteilungsleiterin an der EU-Grundrechteagentur) und Usnija Buligovic (THARA Arbeitsmarktprojekt für Roma und Sinti, Volkshilfe).
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April 2nd, 2021 |
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Facts & Figures, Politik
1937/38 versuchte die Sowjetunion, eine autonome Region für Roma (Romanistan) zu begründen. Dafür wurden Roma nach Sibirien zwangsverbracht.
(Quelle)
April 1st, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte
IHRA: Nicht rechtsverbindliche Arbeitsdefinition von Antiziganismus
8. Oktober 2020
Mit Sorge zur Kenntnis nehmend, dass die mangelnde Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma zuden Vorurteilen und zur Diskriminierung beigetragen hat, die viele Gemeinschaften der Sinti und Roma* heute noch erfahren, sowie in der Wahrnehmung unserer Verantwortung, solchen Formen von Rassismus und Diskriminierung entgegenzutreten (Artikel 4 und 7 der IHRA-Ministererklärung von 2020 sowie Artikel 3 der Erklärung von Stockholm), verabschiedet die IHRA die folgende Arbeitsdefinition von Antiziganismus:
Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerungen und Handlungen sowie institutionellen Politiken und Praktiken der Marginalisierung, Ausgrenzung, physischen Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sind, die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als „Zigeuner“ wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeintlich Fremder behandelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereotypen und verzerrter Darstellungen zugeordnet wird, die eine bestimmte Form des Rassismus darstellen.
Als Leitfaden für die Arbeit der IHRA wird Folgendes anerkannt:
Antiziganismus gibt es seit Jahrhunderten. Er war ein zentrales Element der gegen Sinti und Roma gerichteten Verfolgungs- und Vernichtungspolitik, wie sie vom nationalsozialistischen Deutschland sowie von denjenigen faschistischen und extrem nationalistischen Partnern und anderen Mittätern, die sich an diesen Verbrechen beteiligten, betrieben wurde.
Antiziganismus hat weder mit der NS Zeit begonnen noch danach aufgehört, sondern ist weiterhin ein zentrales Element von an Sinti und Roma begangenen Verbrechen. Read the rest of this entry »
März 31st, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland hat als erstes Land die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der „Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken“ (International Holocaust Remembrance Alliance, IHRA) angenommen. Antiziganismus bezeichnet den Rassismus gegenüber Sinti und Roma. Deutschland macht nun die Definition der IHRA zur Grundlage für politisches und Verwaltungshandeln. Außenminister Maas sagte in Berlin, der Völkermord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Vergessenheit geraten. Die Diskriminierung von Sinti und Roma halte sich „hartnäckig in unseren Gesellschaften“. Nach der IHRA-Definition handelt es sich etwa um Antiziganismus, wenn Sinti und Roma verzerrt dargestellt oder ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten geleugnet werden. Der Begriff „Zigeuner“ wird als antiziganistisch bewertet, wenn er als Beleidigung verwendet wird.
→Working Definition of Antigypsyism/Anti-Roma Discrimination
(Text: www.deutschlandfunkkultur.de, 31.3.2021)
Siehe auch:
Foreign Minister Maas on the IHRA working definition of antigypsyism/anti‑Roma discrimination, 31.3.2021
Deutschland nimmt Definition für Antiziganismus an, 31.3.2021
März 29th, 2021 |
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Facts & Figures, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Politik
1978 prangerte ein Bericht der Dissidenten der Charta 77 (Dokument 23) die an Romnja vorgenommenen Zwangssterilisationen in der ČSSR an.
(Quelle)
März 17th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Minderheiten zwischen Allianz und Konkurrenz – das Versprechen einer pluralen Demokratie?
Online-Vortrag und -Diskussion am 25.03.2021, 18:00 bis 19:30 Uhr | →zur Anmeldung
Ankündigung: Die deutsche Bundesregierung wirbt für den Rechtsstaat und das Versprechen einer pluralen Demokratie. Doch vor allem dort, wo selbstbewusste Minderheiten ihr Recht auf Gleichheit und Freiheit einfordern, kommen diese Versprechen an ihre Grenzen. Debatten um die Rechtssicherheit, gleichberechtigte Teilhabe und Zugehörigkeit von Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, sowie Forderungen nach dem Abbau struktureller und symbolischer Ungleichheiten sind zentrale Herausforderungen unserer postmigrantisch geprägten Bundesrepublik.
Wie können gesellschaftliche Minderheitenpositionen erfolgreich Einfluss auf demokratische Prozesse nehmen? Inwieweit können abgrenzende Identitätspolitiken ein Erfolgsmodell sein? Wann braucht es Allianzen, um Ungleichheit und Diskriminierung abzubauen?
Nach einem Impulsvortrag des Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, werden Vertreter*innen der drei bundesweiten Kompetenznetzwerke Antiziganismus, antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus über diese Fragen sprechen, den Istzustand kritisch reflektieren, aktuelle Herausforderungen diskutieren und gemeinsam mit dem Publikum Zukunftsperspektiven entwickeln.
Die Veranstaltung findet online über Zoom statt. Der Link zur Teilnahme wird davor per Mail verschickt. Anmeldung ab dem 15. März 2021 unter: →www.teilseiend.de
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Dezember 21st, 2020 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Neuer ECRI-Bericht kritisiert Slowakei
European Commission against Racism and Intolerance / Council of Europe (ed.): ECRI Report on the Slovak Republic. Sixth monitoring cycle (adopted on 1 October 2020), Strassbourg, 8 December 2020 →Download (pdf)
I antirasismus komisijona le europitike rotistar (European Commission against Racism and Intolerance/ECRI) ando 8to decemberi – pal schov berscha – pro nevo thaneskero pisinipe pedar i Slovakija angle baschlartscha. Jek centrali kritikakero punkto ande hi o mindig aun likerdo teldschuminipe le Romendar ando sikadipeskero koja. Jefkar buter o pisinipe o mangipe sikal, hot o argranicalipe le Romengere-tschavendar ande bibastaleder Romengere-ischkoli, kisetim te ol. Aja etnischi segregacija ando putrimo ulajipe le ischkolakere schprengelendar duach o lokali birovotschage dim hi. Te ada na kisetim ulo, akor iste i regirung lendar aja kompetenca bejg lel. Butvar kritisirim ol i praksis, kaj saste Romengere-tschave mindschart andi sonderschul, savi le godakere nasvale tschavenge hi, and dim on. Roma andi Slovakija pantschvar buteder ande asaj ischkoli peren, sar avre tschave. Peder ari mangel i ECRI, hot o Romengere-tschave feder sikade te on, angloda on andi ischkola phiren. Tschave, save Romani vakeren, imar ande anglutne ischkoli, i slovakitiki tschib te siklon. Vaschoda le meschterkijen taj meschtertschen schpecijeli arsiklipe hi, taj te ajgeni sikajipeskere materijaltscha iste kerde ovnahi. Ojs positivi o pisinipe o aunterdscharipe le Romengere-ischkolakere asistentendar taj o sikajpeskero pomoschago ande grupnakere-centren, angle asdija. O financirinipe upre jek dugi cajt iste delahi.
Die Antirassismuskommission des Europarats (European Commission against Racism and Intolerance/ECRI) hat am 8. Dezember – nach sechs Jahren – ihren neuen Länderbericht über die Slowakei vorgelegt. Ein zentraler Kritikpunkt darin ist die fortdauernde Benachteiligung von Roma im Bildungswesen. Einmal mehr wiederholt der Bericht die Forderung, die schulische Ausgliederung von Roma-Kindern in schlechter ausgestattete Roma-Schulen zu beenden. Read the rest of this entry »
Oktober 19th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Stigmatisierung von Roma: Ein offener Brief hinterfragt ESF-Projekt zur Fortbildung für Polizei in Bulgarien
Die „Citizens for Democracy and Rule of Law Coalition“ haben einen offenen Brief an die Kommission der Europäischen Union geschrieben. Bulgarien hat Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für ein vierjähriges Projekt erhalten, durch das 480 Polizeibeamt/innen geschult wurden. Das Schulungsprogramm nennt sich: „Früherkennung von Anzeichen einer Radikalisierung mit Schwerpunkt Roma-Community (Psychologische und ethno-konfessionelle Aspekte der Radikalisierungsprozesse unter den Roma-Communities)“. Die Fortbildung wurde beim Institut für Psychologie des Innenministerium mit einem Budget von umgerechnet etwas 1,7 Millionen Euro durchgeführt.
Der ESF soll „zur Bekämpfung von Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung beitragen … Der ESF sollte keine Maßnahmen unterstützen, die zur Segregation oder zur sozialen Ausgrenzung beitragen“. Der offene Brief fordert die EU-Kommission auf, zu untersuchen, ob die bulgarischen Behörden gegen diese Grundsätze verstoßen haben, als sie Gelder des ESF für Aktivitäten verwendet haben, die auf die Identifizierung und Verhinderung einer angeblichen „Radikalisierung“ einer ganzen ethnischen Community, der Roma, abzielen.
Was mit „Radikalisierung“ genau gemeint ist, bleibt unklar. Die Verfasser/innen des offenen Briefes fordern die EU-Kommission daher auf, das herauszufinden. Auch nennt die Projektbeschreibung keine Gründe für die Annahme, dass die Roma-Community in Bulgarien für eine Radikalisierung anfällig sei. Read the rest of this entry »
Oktober 14th, 2020 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Unter dem Vorsitz Deutschlands verabschiedete die Internationale Allianz zur Holocaust-Erinnerung (IHRA) am 8. Oktober 2020 eine Arbeitsdefinition für Antiziganismus als spezifische Form des Rassismus, die sich seit Jahrhunderten gegen Sinti und Roma richtet. Die Arbeitsdefinition benennt zahlreiche konkrete Beispiele, wie Antiziganismus in der Gesellschaft auftritt und wie dieser identifiziert werden kann. Die vollständige Arbeitsdefinition ist auf Deutsch und Englisch online verfügbar und wird aktuell in weitere Sprachen übersetzt.
→IHRA Arbeitsdefinition Antiziganismus (deutsche Version, PDF)
→IHRA Working Definition on Antigypsyism (English version, PDF)
Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, hebt die Bedeutung dieser Arbeitsdefinition hervor: „Die Internationale Allianz zur Holocaust-Erinnerung erzielt einen wichtigen Meilenstein für die Ächtung von Antiziganismus in Europa. Jetzt sind die nationalen Regierungen aufgefordert, diese Arbeitsdefinition des Antiziganismus offiziell anzuerkennen. Die Arbeitsdefinition soll öffentliche Institutionen, insbesondere die Justiz, Polizei und das Bildungswesen, wie auch die Medien sensibilisieren und zur Identifikation von Hassrede und Hassverbrechen dienen.“
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Oktober 9th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
EU-Kommission legt neue europäische Strategie zur gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und Roma vor
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt den vorgestern von der Europäischen Kommission vorgelegten ‚Strategischen EU-Rahmen für die Gleichberechtigung, Inklusion und Partizipation von Sinti und Roma für 2020 bis 2030‘.
Am Montag, dem 12. Oktober 2020 wird der „EU-Rahmen“ bei einer High-Level-Konferenz zum EU-Rahmen für Gleichheit, Inklusion und Teilhabe bis 2030 vorgestellt werden. Die Konferenz findet aufgrund der Pandemie online statt. „Mit dieser Konferenz wird die Politik für Sinti und Roma in Europa neu ausgerichtet. Erstmals wird hier der jahrhundertealte Antiziganismus als die Ursache für Ausgrenzung und Stigmatisierung unserer Minderheit benannt und erstmals zielen die Programme der EU auf die Ursachen der menschenunwürdigen Situation ab“, so Zentralratsvorsitzender Romani Rose.
Der Zentralrat hebt hervor, dass die Europäische Kommission und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die Gefahren des Antiziganismus und Rassismus in den Mittelpunkt des politischen Handelns stellen: „Für den jetzt vorgelegten EU-Rahmen ist die Bekämpfung des Antiziganismus die entscheidende Voraussetzung, dass die gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma erfolgreich umgesetzt werden kann. Read the rest of this entry »
September 21st, 2020 |
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Interview, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Romeo Franz: Die EU-Politik gegen Antiziganismus muss sich grundlegend ändern
Fast 30 Prozent der Deutschen hegen Vorurteile gegen Sinti und Roma. Mit diesen Zahlen aus der Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung steht Deutschland allerdings nicht allein. In ganz Europa grassiert, auch mit Blick auf die Covid-19-Pandemie, Antiziganismus. Ein Bericht aus dem EU-Parlament fordert jetzt eine Neuausrichtung im Kampf gegen Vorurteile und Diskriminierung von Menschen mit Romani-Hintergrund.
Von Stefan Lauer/Belltower.News
Romeo Franz sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Europaparlament in Brüssel. Franz ist deutscher Sinto und der zuständige Berichterstatter des EU-Parlaments. Sein Bericht befasst sich mit den Bemühungen der letzten zehn Jahre und stellt ihnen kein gutes Zeugnis aus. Es ist ein Rückblick auf den „Europäischen Rahmen für nationale Roma-Integrationsstrategien“ und gleichzeitig eine Empfehlung für eine neue Rahmenstrategie der Staatengemeinschaft gegen Antiziganismus. Der Rechtsausschuss des Parlaments hat die Empfehlungen für die neue Strategie mit großer Mehrheit verabschiedet.
Ein Problem des bisherigen Vorgehens zeigt sich schon in der Sprache. „Vom Begriff ‚Integration‘ habe ich mich nicht angesprochen gefühlt. Meine Familie lebt seit 600 Jahren in Deutschland“, berichtet Romeo Franz. Er fordert, dass von Inklusion statt von Integration gesprochen wird. Und dass die Heterogenität von Menschen mit Romani-Hintergrund endlich wahrgenommen wird. Read the rest of this entry »
September 16th, 2020 |
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Facts & Figures, Politik
In den postkommunistischen Ländern Ostmittel- und Südosteuropas wurden seit der Wende über 180 politische Roma-Parteien angemeldet.
(Quelle)
September 9th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
SOS Mitmensch: Auslieferung von Hermann für effektiven Kampf gegen Hass notwendig. Politik darf Verhetzungs-Tatverdächtigen nicht die Mauer machen
SOS Mitmensch begrüßt das Auslieferungsbegehren der Staatsanwaltschaft Graz für den FPÖ-Landtagsabgeordneten Stefan Hermann aufgrund des Verdachts der Verhetzung. An den steirischen Landtag richtet die Menschenrechtsorganisation den eindringlichen Appell, der Auslieferung zuzustimmen. Der Justiz müsse die Möglichkeit gegeben werden, Ermittlungen gegen Hermann aufgrund des von ihm in Umlauf gebrachten Anti-Roma-Hassvideos einzuleiten. „Der Fall Hermann ist ein Lackmustest für die Politik, wie ernst sie den Kampf gegen Hass wirklich nimmt. Read the rest of this entry »
August 29th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Fatretertscha le organisacijendar Lebenszeichen, Hango Roma, Newo Ziro taj Roma-Service le aunsesinipeske le SOS Mitmensch gejng o dujto scheroskero „Klubobmann“ la FPÖ-atar schtacko vasch fahetcinipe aun pumen phandle.
Ando ar le julistar o Stefan Hermann taj i FPÖ schtacko upro Facebook jek prasajipeskero videjo gejng o Roma taj Sinti arbulharde. „Amen igen holi hi, kaj austritike politikertscha prasajipeskere videjos gejng Roma taj Sinti arbulharen. Ada keripe prasajipestar bare hangi dschalan taj but Romenge taj Sintijenge andi Austrija phare gondi keren“, phenen o fatretertscha le Roma-organisacijendar andi Austrija. Amen kamaha, kaj i „Staatsanwaltschaft“ Gereci o aunsesinipe vascho fahecinipe godschikan peske aun te dikel taj hofinas, hot o auntradipe prasajipestar afka ar kerdo te ol. Read the rest of this entry »
August 2nd, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka: Genozid an Roma und Sinti darf nicht in Vergessenheit geraten. Botschaft zur Erinnerung an nationalsozialistischen Massenmord vor 76 Jahren
Der 2. August ist der Gedenktag, der an den „Porajmos“, den nationalsozialistischen Massenmord an den europäischen Roma und Sinti, erinnert. In der sogenannten „Zigeunernacht“ vom 2. auf den 3. August 1944 wurden alle Häftlinge, die zu diesem Zeitpunkt noch in dem als „Zigeunerager“ bezeichneten Lagerabschnitt des KZ Auschwitz am Leben waren, in den Gaskammern ermordet.
„Der Genozid an den europäischen Roma und Sinti darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka in einer Botschaft zum heutigen Gedenktag. „Der Anfang war, dass der nationalsozialistische Verbrecherstaat Sinti und Roma als sogenannte ‚Asoziale‘ und ‚Fremdrassige‘ ausgrenzte. Am Ende fielen eine halbe Million Sinti und Roma dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer.“ „Heute ist die Kultur der Roma und Sinti ein integraler Bestandteil der österreichischen Identität“, erklärt Nationalratspräsident Sobotka abschließend.
(Text: Pressedienst der Parlamentsdirektion)
Juli 27th, 2020 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte
SOS Mitmensch: Besorgniserregende Radikalisierung der steirischen FPÖ. Parteiobmann und Stellvertreter schüren Hass gegen Roma und Sinti, Asylsuchende und Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Menschenrechts-NGO SOS Mitmensch ortet eine besorgniserregende Radikalisierung der steirischen FPÖ. In sozialen Netzwerken würde vom Parteiobmann und seinem Stellvertreter immer unverhohlener Hass gegen Minderheiten geschürt. Jüngste Beispiele seien die Verbreitung eines Videos mit Hasstiraden gegen Roma und Sinti und der Versuch, Asylsuchende zu Sündenböcken für die Ausweitung der Corona-Schutzmaskenpflicht zu machen.
„Wir beobachten seit einiger Zeit, dass die steirische FPÖ-Parteispitze in sozialen Netzwerken in der Manier politischer Hassprediger auftritt und immer radikaler gegen Minderheiten aufwiegelt und hetzt“, so Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch. Das betreffe insbesondere die Facebook-Auftritte des früheren Verteidigungsministers und jetzigen Klubobmanns der FPÖ im steirischen Landtag, Mario Kunasek, und von dessen Stellvertreter Stefan Hermann, erklärt Pollak. Laut Pollak habe Hermann am Samstag ein Video mit wüsten Hasstiraden und Beschimpfungen gegen Roma und Sinti, die bei Tulln campen, verbreitet.

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