Jugend & Bildung

Ischkolakero sikadipe pedar i Romengeri kultura

Oktober 23rd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung

castillaCastilla-León ojs erschti espanitiki regijona i kul­tura taj his­to­rija le espa­ni­tike Ro­men­dar (Gitanos) ando sika­dipes­kero plan ande lela. Imar jeke tscha­tschi­pes­kere ardi­peha ande oja regi­jona ando feberi jek butja­keri grupn le arbu­tscha­li­ni­peha sika­di­pes­kere mate­ri­ja­len­dar ar kerdo ulo. Use hi – pasche o 14 sika­di­pes­kere eksper­tscha – te schov Gitano-or­ga­ni­sa­ci­jon­tscha. „Sar odoj schaj ol, hot o tscha­ve i histo­rija la Espa­ni­jatar sik­lon, kaj oni i flogos­keri grupn le Gita­nosen­dar jefkar ang­le perel? Pal 500 berscha le khetan dschi­vi­pes­tar meg mindig lenca oda kerdo ol, hot on sar avre themes­kere te ov­nahi“, phe­nel o Fernando Rey, sche­ro le isch­kola­kere birov­tscha­gos­tar andar Castilla taj León taj agu­no angle ter­tschardo dsche­no andar Fundación Secretariado Gitano (FSG). „Dschi­a­kan meg nisch­ta ando sika­di­pes­kero plan ter­dschol“, phe­nel o Diego Fernández, di­rek­teri andar o Instituto de Cultura Gitana la El Paísa­ke: Akan imar cajt hi, kaj i his­to­rija taj kultura le Gita­no­sen­dar „ando isch­koli te dikel taj te schu­nel hi, kaj o tscha­ve o es­be­lipe te usch­tiden, hot len­geri kultura ando isch­koli jek than hi, taj o avre isch­ko­lasch­tscha len fe­der te hajon“.

(dROMa)

Unterrichtsmaterialien: Romane Thana

Oktober 20th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung

Romane Thana„Romane Thana“ gibt Ein­blicke in die Lebens­situa­tion von Roma und Sinti in Öster­reich und erzählt deren Ge­schich­te und Ge­schich­ten.

Auf Basis der erfolgreichen Ausstellung Romane Thana – Orte der Roma und Sinti (2015 im Wien Museum, der­zeit noch bis 13. No­vem­ber im Pro­jekt­raum der Landes­gale­rie Burgenland) wur­den Materialien für den Un­ter­richt er­stellt, um Schü­ler/in­nen ab der 5. Schul­stufe die Ge­schich­te und Lebens­wirk­lich­kei­ten von Roma/Rom­nija und Sinti/Sin­tize näher zu brin­gen. www.romane-thana.at unter­stützt Lehrer/in­nen da­bei, diese The­men im Unterricht zu be­han­deln. Die Seite bie­tet einen Über­blick über die Aus­stel­lung, Ver­mittlungs­texte, Er­klä­run­gen für Lehrende, Arbeits­blät­ter, Stun­den­bilder, einen Metho­den­katalog und ein aus­führ­li­ches Le­xi­kon. Das Unter­richts­mate­rial kann in vielen Va­rian­ten, ins­beson­dere in den Fächern Geschichte und Sozial­kunde/Po­li­ti­sche Bil­dung, Geografie und Wirt­schafts­kunde und Deutsch, bzw. auch fächer­über­grei­fend ver­wen­det werden.

Das Projekt wurde von Romano Centro in Kooperation mit der Initia­tive Min­der­hei­ten, dem Wien Museum, dem Landes­museum Burgenland und dem Kultur­ser­vice Bur­gen­land im Auftrag des Bun­des­ministe­riums für Bildung durch­ge­führt.

(Text: Romano Centro)

„Eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit“

Oktober 15th, 2016  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung

Regisseur Stefan Ludwig (Foto: budapester.hu)Interview der Budapester Zeitung mit Stefan Ludwig, Regisseur des Dokumentarfilms „Der zornige Buddha“ (mehr hier und hier)

Herr Ludwig, wie kommt ein Dokumentarfilm­macher aus Deutsch­land, der in Öster­reich lebt, dazu, einen Film über eine buddhis­tische Schule für Roma in Ost­ungarn zu dre­hen? Wie sind Sie zu dem exo­ti­schen Thema ge­kommen?
St. L.: Ich finde es gar nicht exotisch. Ich denke, es ist ein uni­ver­sel­les Thema und die Situa­tion in Sajókaza steht bei­spiel­haft für jede Situa­tion, in der Men­schen von Bildung aus­ge­schlos­sen sind. Al­ler­dings hat­te ich mich zuvor nur wenig mit Ungarn be­schäf­tigt. 2011 wurde ich durch die Er­eig­nis­se in Gyöngyöspata auf die Si­tua­tion der un­ga­ri­schen Roma auf­merk­sam. Dort mar­schier­ten para­militä­rische Trup­pen in Roma­siedlun­gen auf und sorg­ten tage­lang für Angst. Ich habe mich damals ge­fragt: ‚Was ist da eigent­lich los?‘ und habe be­gon­nen, mich mit dem Thema aus­einan­der­zu­setzen. Ich bin dann auf einen Arti­kel von János Orsós ge­stoßen. Er be­schreibt darin, wie er als Rom seinen Weg zu Bildung ge­fun­den hat und dass er selbst nach dem Diplom noch das Gefühl hatte, sich be­wei­sen zu müs­sen. Er ist sein Leben lang auf der Suche und findet erst in Indien das Positiv­bei­spiel, das ihm die Hoff­nung gibt, dass auch seine eige­nen Leute ihre Lage ver­bes­sern können. Das fand ich eine große, span­nen­de Ge­schich­te. Ich habe mit ihm Kontakt auf­ge­nom­men und bin dann bald das erste Mal hin­ge­fah­ren, um zu re­cher­chieren.

Wie ging es dann weiter?
Ich durfte wochenlang bei ihnen Gast sein und hatte meine eige­ne Matratze im buddhisti­schen Gemeinde­zentrum, wo sie auch schla­fen. Man gab mir über­ra­schend viel Zu­gang zur Schule, ich konnte so­gar im Unterricht ein- und aus­gehen. Die Schüler sind nicht schüch­tern, wenn es darum geht, ins Gespräch zu kom­men – im Gegen­teil, sie fan­gen sogar schnell an, einen aufs Korn zu nehmen, sagen einem zum Bei­spiel un­anstän­dige Wörter und freuen sich, wenn man sie nach­spricht. Doch sie sind auch un­glaub­lich kamera­scheu und gerade, wenn es darum geht, ernst­haft zu werden und darüber zu reden, wer sie sind, was für Träu­me sie haben und was sie sich vom Leben er­war­ten, sind sie sehr zurück­hal­tend. Read the rest of this entry »

Frankreich: Stadt verweigert Roma Schulbesuch

Oktober 8th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio DreyeckslandAbsolut illegal: Bürgermeister von Saint-Ouen verweigert fünf Roma-Kindern aus Ba­rackensiedlung die Einschulung

>>Anhören/Download (mp3), 11:25 min

In Frankreich verweigert der Bürgermeister (UDI) der Pariser Vor­stadt Saint-Ouen Roma-Kin­dern, die in einer in­for­mel­len Baracken­sied­lung im Ort woh­nen, die Einschulung, und das ob­wohl alle Kinder in Frank­reich zwi­schen 6 und 16 Jahren der Schulpflicht un­ter­liegen. Er möchte die Siedlung räu­men las­sen und die Kinder nicht in den Schu­len sehen. Radio Drey­eck­land sprach mit sei­nem Frank­reich­kor­res­pon­den­ten, dem freien Jour­na­lis­ten und Juris­ten Bernard Schmid.

(Text und Interview: www.rdl.de)

Anm. d. dROMa-Red.: Die Präfektur von Seine-Saint-Denis hat den Bürger­meis­ter von Saint-Ouen darauf­hin angewiesen, die Ein­schulung ord­nungs­gemäß durch­zu­führen. Im Sep­tem­ber bericht­eten franzö­si­sche Medien zudem von einem weite­ren, sehr ähn­li­chen Fall. In Maubeuge in Nord­frank­reich ließ der Bür­ger­meis­ter (eben­falls von der bür­ger­li­chen UDI) Roma­kinder unter dem Vor­wand, diese hätten keine kor­rek­ten dauer­haften Wohn­adres­sen vor­weisen gönn­en, nicht zum Schul­besuch zu.

Nebel im August (Trailer)

September 25th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung

Spielfilm von Kai Wessel (A/D 2016) nach dem gleich­nami­gen Roman von Robert Domes (mehr hier). Website zum Film: www.nebelimaugust.de

Filmstart: 29.9.2016 (Deutschland), 7.10.2016 (Österreich)

ERRC: Apartheids-Kindergarten in Serbien?

September 23rd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

ERRCDas European Roma Rights Centre (ERRC) hat den Fall einer segre­gier­ten Roma-Kin­der­gar­ten-Grup­pe in Serbien auf­ge­grif­fen. Das ERRC hat die Be­hör­den kontak­tiert und auf­ge­for­dert, die Pra­xis im Ljuba-Stanković-Kin­der­gar­ten in Beočin zu un­ter­su­chen und ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu er­grei­fen.

Laut dem ERRC vor­lie­gen­den In­for­ma­tio­nen wer­den Roma-Kinder dort sys­te­ma­tisch von den ande­ren, ser­bi­schen Kindern ge­trennt. Die Direk­tion recht­fer­tigt die segre­gier­ten Klas­sen mit dem Hin­weis, dass die Roma-Kinder nur den kos­ten­güns­ti­ge­ren Halb­tags­kinder­garten be­such­ten und diese Gruppe am Nach­mittag an der Reihe sei. Die räum­li­chen Kapa­zi­tä­ten der Ein­rich­tung seien der­zeit so be­grenzt, dass keine ge­mein­same Grup­pen­ein­tei­lung mög­lich sei.

Für die Eltern der Roma-Kinder stellt sich dies je­doch an­ders dar: Die Stel­lung­nahme der Direk­tion könne nicht er­klä­ren, warum aus­schließ­lich Roma in der ge­trenn­ten Kinder­gruppe lan­den; außer­dem sei die Be­treu­ungs­qua­li­tät in den Grup­pen nicht die gleiche. Die rund 25 Roma-Kin­der, wel­che die Nach­mit­tags­gruppe be­suchen, haben dort kei­ner­lei Kon­takt mit Nicht-Roma und spre­chen dort durch­ge­hend Romani. Dass Ziel, die Bildungs­integra­tion voran­zu­trei­ben, indem Ro­ma-Kin­der dank gemisch­ter Klas­sen bereits im Vorschul­alter Ser­bisch er­ler­nen, werde auf diese Weise zu­nichte­ge­macht: „Die Kinder müs­sen Serbisch be­herr­schen, sodass sie die Grund­schule be­su­chen kön­nen“, zi­tiert das ERRC die Eltern. „Aber genau das pas­siert dort nicht. Read the rest of this entry »

Angry Buddha (Trailer)

September 22nd, 2016  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Religion

Angry Buddha | Der zornige Buddha
Ab 23. September 2016 in den österr. Kinos

Sajókaza, ein Dorf in Ostungarn. János Orsós hat hier ein buddhistisches Gymnasium für Roma-Ju­gend­li­che ge­grün­det. In einer ras­sis­tisch auf­ge­heiz­ten Um­ge­bung will er den Teen­agern den Weg in ein bes­se­res Leben zei­gen. Im Mikro­kos­mos eines ungari­schen Dor­fes zeigt sich, dass Europa mit seiner Roma-Min­der­heit vor einer bri­san­ten Ent­schei­dung steht: Integra­tion oder Aus­gren­zung?

Ein be­obach­ten­der Do­kumen­tar­film von Stefan Ludwig.

(www.derzornigebuddha.at)

Mehr hier: dROMaBlog, 12.3.2016

Turin: Web-Nachrichten für Roma

September 17th, 2016  |  Published in Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Medien & Presse

tgROM (Foto: Idea Rom)In Italien ging mit „TgROM Piemonte“ Anfang Mai erstmals ein Internet-Nachrichten­pro­gramm von und für Roma auf Sen­dung. In­zwi­schen wur­den be­reits 20 Aus­gaben des Nach­rich­ten­for­mats ver­öf­fent­licht.

Finanziert wird das Programm, als eines von 15 aus­ge­wähl­ten Jugend­pro­jek­ten, mit 21.000 Euro durch die Turiner Stif­tung Compagnia di San Paolo. Für die Rea­li­sie­rung ihres Medien­pro­jekts konn­te die Tu­ri­ner Roma-NGO „Idea Rom“ auf kom­pe­ten­te Unter­stützung aus der Me­dien­bran­che zäh­len. Mit an Bord ist als Pro­jekt­part­ner die On­li­ne-Tages­zei­tung Nuovasocietà. Den Eh­ren­schutz hat die Region Piemont über­nom­men.

Ein Einführungskurs in Videojournalismus be­rei­tet die jugend­li­chen Mit­wir­ken­den aus der Roma-Com­mu­nity auf ihre Auf­gabe vor. Schon vor Sen­dungs­beginn hat sich im Februar ein Dutzend jun­ger Roma zwi­schen 14 und 25 Jahren für die Teil­nahme ge­mel­det. „Un­ser Ziel ist es, zu er­reichen, dass die Jugend­li­chen selbst zu Pro­ta­go­nis­ten des Wan­dels wer­den“, erklärte Luca Remmert, Vor­sitzen­der von Com­pagnia di San Paolo, gegen­über der italie­ni­schen Presse. Read the rest of this entry »

Spanien: Schulunterricht über Roma-Kultur

September 16th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik

castillaDie spanische Region Castilla und León in­teg­riert Un­­ter­­richts­­ein­­hei­­ten über Ge­schich­te und Kul­tur der Gi­ta­nos (Roma) in den Lehr­plan.

Castilla-León wird als erste spani­sche Region künf­tig die Kul­tur und Geschichte der spa­ni­schen Roma (Gitanos) in den re­gu­lä­ren Lehr­plan in­tegrie­ren. Per Ver­ord­nung hat die Region schon im Feb­ru­ar die Bil­dung einer Arbeits­grup­pe zur Aus­arbei­tung be­tref­fen­der Unter­richts­mate­ria­lien be­schlos­sen. Dabei sind – neben 14 Bildungs­experten – auch sechs Gita­no-Or­ga­ni­sa­tio­nen mitein­be­zo­gen. Das Gremium soll die genaue Form der Ein­bin­dung des The­mas in den Unter­richt und in die Lehr­bücher er­ar­bei­ten.

„Wie kann es sein, dass die Kinder die Geschichte Spa­niens lernen, ohne dass auch nur ein ein­zi­ges Mal die Volks­gruppe der Gitanos er­wähnt wird? Nach 500 Jah­ren des Zu­sam­men­lebens be­han­deln wir sie noch im­mer, als wären sie völ­lig Frem­de“, er­läu­tert Fernando Rey, Leiter der Schul­be­hörde von Castilla und León und ehe­ma­li­ger Vor­stand der Fundación Secretariado Gitano (FSG). „Mo­men­tan sieht man ab­so­lut nichts davon im Lehr­plan“, er­klärt auch Diego Fernández, Di­rek­tor des Instituto de Cultura Gitana ge­gen­über El País: Es sei hoch an der Zeit, der Ge­schich­te und Kul­tur der Gi­ta­nos „in den Schu­len end­lich Sicht­bar­keit zu ver­lei­hen, da­mit die Kin­der das Ge­fühl ha­ben kön­nen, dass ihre Kultur in den Schulen einen Platz hat, und die an­de­ren Mit­schü­ler sie bes­ser ver­ste­hen“. Read the rest of this entry »

Angriff auf Kinder-Sommerlager in Tschechien

September 3rd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Roma-SommerlagerWarnschüsse und rassistische Be­schimpfun­gen, Po­li­zei blieb un­tätig

In einem Interview mit dem tsche­chi­schen Roma-Nach­rich­ten­por­tal Romea.cz be­rich­tet die Sän­ge­rin und Chor­lei­te­rin Ida Kelarová von einem An­griff auf ein Musik­som­mer­camp für Ro­ma-Kin­der in Jiřetín pod Jedlovou (Děčín). Dem­nach be­droh­te ein Mann aus der Ort­schaft eine Grup­pe von rund sech­zig Roma-Kin­dern, die mit dem Jugend­chor „Čhavorenge“ an einem Som­mer­lager teil­nahmen, An­fang August mit einem Ge­wehr . Er gab meh­rere Warn­schüsse ab und be­schimpf­te die Kinder mit ras­sis­ti­schen Aus­drücken, als diese an sei­nem Haus vorbei­kamen, das neben den Unter­künf­ten des Som­mer­lagers liegt. Als die Kin­der zwei Tage später ihre mor­gend­li­che Musik­stunde ab­sol­vier­ten, er­schien der Nach­bar auf dem Ge­lände des Jugend­lagers und at­tackier­te die an­we­sen­den er­wach­se­nen Camp-Mit­ar­bei­ter. Er feuer­te aber­mals eini­ge Schüs­se in die Luft und ver­suchte die Mit­arbei­ter mit Be­schimpfun­gen und Be­lei­di­gun­gen zu pro­vo­zie­ren. Zu direk­ter phy­si­scher Ge­walt kam es je­doch nicht.

Die Regional­polizei will nun, mit eini­ger Ver­spä­tung, den Vor­fall unter­su­chen. Die Er­mitt­lun­gen wer­den sich auch damit be­fas­sen, warum die lo­kale Polizei­stelle in Varnsdorf nicht auf den Notruf des Som­mer­lagers re­agier­te, son­dern, wie Ida Kelarová be­rich­tet, ein­fach den Hörer auf­legte. Die Organi­sa­toren des Musik­camps haben in­zwi­schen, mit Unter­stützung durch die An­wälte der Tsche­chi­schen Phil­har­mo­nie, Be­schwer­de gegen die Polizei ein­ge­bracht. Read the rest of this entry »

„Nebel im August“

August 5th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung

Filmstill aus "Nebel im August" (Foto via filmfonds-wien.at)Spielfilm von Kai Wessel, A/D 2016, 126 Min.
Drehbuch: Holger Karsten Schmidt (nach dem gleich­nami­gen Roman von Robert Domes)
Filmstart: 7.10.2016 (A), 29.9.2016 (D)

Deutschland, 1942: Während des Zweiten Weltkriegs nimmt das Euthanasie-Programm des Nazi­regimes un­ge­ahnte Aus­maße an. Der 13-jäh­rige Ernst Lossa, ein Kind von Jenischen – fah­ren­den Händ­lern – wird von sei­ner Fa­mi­lie ge­trennt und gerät in die Müh­len der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Aus­gren­zungs- und Rassen­ideo­lo­gie. Er gilt als schwer erzieh­bar und wird von Heim zu Heim ge­scho­ben, bis er schließ­lich in die Heil- und Pflege­an­stalt Kaufbeuren-Irsee ein­ge­wie­sen wird. Er be­ginnt, die Mecha­nis­men der prak­ti­zier­ten Tötungs­maß­nah­men zu durch­schauen und ver­sucht seine Freun­de und Mit­patien­ten zu ret­ten. Ob­gleich er völ­lig ge­sund ist, wird er schließ­lich wegen seines rebel­li­schen Wesens im Rah­men des Eutha­na­sie­ver­fah­rens zu Tode gebracht.

(Text: Filmfonds Wien)

Jugendbegegnung „Dikh he na bistar“

Juli 30th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dikh he na bister!„Look and don’t forget“ – Jugendbegegnung und Roma-Holocaust-Gedenktag 2016 in Krakau/ Auschwitz, Polen

Vor zwei Jahren organisierte Romano Centro für 40 Jugendliche die Reise zur Jugend­begegnung in Krakau, wo über 1000 jun­ge Roma und Nicht-Ro­ma, Ak­ti­vistIn­nen und Frei­willige zusam­men­ge­kom­men sind, um der fast 3000 Roma, die am 2. August 1944 im Kon­zentra­tions­lager Auschwitz-Bir­ke­nau ge­tötet wur­den, zu ge­den­ken. Dieses Jahr ha­ben junge Roma und Nicht-Roma aus Österreich wie­der die Mög­lich­keit, an einer Jugend­begeg­nung mit über 300 Jugend­lichen aus ganz Europa teil­zu­neh­men. Die Ver­anstal­tung fin­det vom 1. bis 5. August 2016 in Krakau statt. Im Programm ste­hen Workshops zu den Themen Anti­ziganis­mus, Gedenken, Holocaust- und Men­schen­rechts­bildung. Außer­dem ist die Teil­nahme an der Gedenk­ver­anstal­tung am 2. August und der Be­such des Auschwitz-Mu­seums ge­plant. Die Teil­nahme ist kosten­los und für Trans­port, Unter­kunft und Ver­pfle­gung ist ge­sorgt.

(Ankündigung Romano Centro)

„Wonderful“ in Barcelona

Juli 5th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gitano-Mädchen in Barcelona; Foto: Lena Mucha Fotoausstellung von Lena Mucha im Rahmen des DOCfield>16 – Festi­val der Do­ku­men­tar­foto­grafie aus Bar­celona

Zu sehen noch bis 7. Juli 2016 im Goethe-Institut Barcelona (Roger de Flor, 224)

„Wonderful“ ist das Portrait von Roma-Jugend­li­chen (Gitanos) in den Vor­städten Barcelonas. 60% der Mit­glie­der dieser Ge­mein­schaft sind noch keine dreißig Jahre alt. Es sind Ju­gend­li­che, die früh viel Ver­ant­wor­tung über­nehmen und ent­schei­dende wirt­schaft­liche Rollen inner­halb ihrer Fa­mi­lie spie­len. Ihre Kraft und Reife stehen hier­bei im star­ken Kontrast zu ihrer Fragilität, ihren Hoff­nun­gen und dem Wunsch nach einer an­de­ren Kindheit und Jugend. Die Aus­stel­lung the­ma­ti­siert und zeigt Jugendliche in­mit­ten pat­riarcha­li­scher Struk­turen, Tra­di­tio­nen und kultu­rel­ler sowie sozialer Glo­ba­li­sie­rung in einer der äl­tes­ten eth­ni­schen Min­der­heiten Europas.

Lena Mucha machte 2011 ihren Abschluss in Sozial­anthro­po­lo­gie und Politik­wissen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät zu Köln. Sie lebt in Deutsch­land und Latein­amerika und be­schäf­tigt sich mit Gender sowie mit dem Thema der Migra­tion. Ihre foto­gra­fi­schen Arbeiten wur­den inter­na­tio­nal aus­gestellt und publi­ziert und mit ver­schie­de­nen Prei­sen aus­ge­zeichnet.

Diese Ausstellung ist Teil der Eixample Route DOCfield>16 Festi­val der Do­ku­men­tar­foto­grafie aus Bar­ce­lona. Hier fin­den Sie wei­tere Infor­ma­tionen.

(Text: www.goethe.de)

Siehe auch:
Gripping Photos Capture A Young Roma Generation On The Outskirts, Huf­fing­ton Post
El alumnado gitano en secundaria (FSG, 2013), Studie über die Schul­si­tua­tion in Spanien

Schulsegregation: Europarat kritisiert Tschechien

Juli 4th, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Europarat liest Tschechien die Leviten: Schulische Segregation von Roma-Kindern dauert an (Foto: Europarat)Tschechische Republik: Bericht des Europarates stellt gerin­gen Fort­schritt bei der Be­kämpfung der Segre­ga­tion von Roma-Kindern im Bil­dungs­wesen fest

Der beratende Ausschuss des Europarates zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minder­heiten hat eine Stellungnahme über die Tsche­chi­sche Republik ver­öffent­licht. Darin wird fest­gestellt, dass die Pläne zur Besei­ti­gung der Segrega­tion von Roma-Kindern in Schulen un­geachtet der Be­mühun­gen der Behör­den bisher nicht erfolg­reich waren. Zudem wird darauf ver­wiesen, dass die Roma in vielen Berei­chen weiter­hin diskri­mi­niert werden und dass Fremden­feind­lich­keit und Into­le­ranz zu­ge­nom­men haben.

Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland, erklärte: „Wenn wir die Dis­kri­mi­nie­rung der Roma in allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen be­en­den wollen, müs­sen wir gewähr­leisten, dass Roma-Kinder Zugang zu Bildung ha­ben. Die Tsche­chi­sche Republik hat Fort­schritte erzielt, doch es be­steht wei­te­rer Hand­lungs­bedarf.“

Die Stellungnahme des Ausschusses wurde gemeinsam mit der Reaktion der tsche­chi­schen Regie­rung ver­öffent­licht und ent­hält eine Be­wer­tung, in­wie­weit die Tsche­chi­sche Republik ihre Ver­pflich­tun­gen aus dem Rahmen­über­ein­kom­men zum Schutz natio­na­ler Minder­heiten (FCNM) ein­hält und eine Reihe von Empfeh­lun­gen um­ge­setzt hat. Sie basiert auf einem Besuch in dem Land im Jahr 2015 und be­tont, dass die Lage der Roma das drin­gendste soziale Problem in der Tsche­chi­schen Republik ist.

Zahlreiche Roma-Kinder werden weiterhin in Sonderschulen mit be­schränk­tem Lehrplan und ge­trennt von den Schülern in regu­lä­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen un­ter­rich­tet. Der Anteil der Roma-Kinder in diesen Sonder­schulen stieg von 28 % im Schul­jahr 2012/13 auf 32,4 % im Schul­jahr 2013/14. Der Aus­schuss be­dauert, dass die Ziele des Aktions­plans für inklu­siven Unter­richt sowie des kon­soli­dier­ten Aktions­plans aus dem Jahr 2012 zur Um­setzung des Urteils des Euro­päi­schen Gerichts­hofes für Menvschen­rechte im Fall D. H. nicht er­reicht wurden.

Als eine positive Entwicklung begrüßt der Ausschuss eine 2015 ver­ab­schie­dete Änderung des Schulgesetzes: Da­durch wurde eine Bestim­mung ge­stri­chen, wel­che die Unter­brin­gung von Kindern ohne geistige Behin­de­rung in Sonderschulen er­mög­lichte. Read the rest of this entry »

„Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“

Mai 29th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gegen das VergessenVor 30 Jahren, am 3. Juni 1986, ent­schul­dig­te sich der Schwei­zer Bun­des­prä­si­dent Alphons Egli für das Un­recht, das Hun­der­ten Jeni­schen, Roma und Sinti durch das „Hilfs­werk für die Kin­der der Land­strasse“ bis 1973 wi­der­fah­ren war.

Anlässlich dieses Jahrestags veranstal­tet die Schweizer Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Bern am 2. Juni eine Podiums­dis­kus­sion über die­ses düs­te­re Ka­pi­tel der Schwei­zer Ge­schich­te: Fyer (PDF)

Die Diskriminierung von Jenischen, Sinti und Roma reicht in der Schweiz weit zu­rück. So war es aus­län­di­schen Roma, Sinti und Jeni­schen zwi­schen 1906 und 1972 ver­boten, in die Schweiz ein­zu­rei­sen. Als sie im Zwei­ten Welt­krieg durch den National­sozia­lis­mus ver­folgt wur­den, ge­währte die Schweiz ihnen kein Asyl – eini­ge der Ab­ge­wie­se­nen star­ben an­schlie­ßend in Kon­zentra­tions­lagern. Doch nicht nur aus­län­di­sche Roma, Sinti und Je­ni­sche hat­ten es wäh­rend die­ser Zeit schwer in der Schweiz, auch die Schwei­zer Min­der­hei­ten­an­ge­hö­ri­gen waren den Be­hör­den ein Dorn im Auge. Diese sahen Roma, Sinti und Je­ni­sche als «Gefahr», die in «Banden» und «Horden» auf­trete und eine «Plage» sei». Sie wur­den in der Schweiz poli­zei­lich auf­ge­grif­fen und ihre Da­ten zwi­schen 1911 und 1990 im «Zigeunerregister» re­gistriert. Nach die­sem Ein­trag wur­den die Fa­mi­lien ge­trennt: Frauen und Kinder wur­den in Heimen un­ter­ge­bracht, wäh­rend die Männer in Straf­anstal­ten über­führt wur­den.

Ein besonders dunkles Kapitel hinsicht­lich der Schweiz im Um­gang mit ihren Minder­heiten war das so­ge­nannte «Hilfs­werk für die Kin­der der Land­strasse» der Or­ga­ni­sa­tion Pro Juventute, wel­ches auch vom Bund finan­ziell unter­stützt wur­de. Ziel dieses Pro­jekts war es, die Schwei­zer Je­ni­schen zu «sess­haften, brauch­baren Bürgern» zu ma­chen, was schluss­end­lich die Aus­rot­tung der je­ni­schen Kultur mün­den soll­te. Im Rah­men des «Hilfswerks» wur­den zwi­schen 1926 und 1973 fast 600 je­ni­sche Kinder ihren Fa­mi­lien ent­ris­sen und in Heimen oder Pflege­fa­mi­lien fremd­platziert. Für die Be­trof­fe­nen hat­ten die Fremd­platzie­run­gen und für­sor­ge­ri­schen Zwangs­maß­nah­men tief­grei­fen­de Fol­gen: Sie wa­ren oft grau­sa­men Miss­hand­lun­gen und in vie­len Fällen auch sexuel­lem Miss­brauch aus­ge­setzt. Read the rest of this entry »

Romakinder benachteiligt: EU-Verfahren gegen Ungarn

Mai 27th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission (Foto: Xavier Häpe/CC)Wie die EU-Kommission am Donners­tag mit­teil­te, ist gegen Ungarn ein Ver­trags­ver­letzungs­ver­fah­ren er­öff­net wor­den. Die Kom­mis­sion geht damit gegen die syste­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung von Kindern aus Roma-Fa­mi­lien vor. Kon­kret gehe es bei dem Ver­fah­ren „um Gesetz­ge­bung und büro­kra­ti­sche Praxis in Ungarn, die zu einer Dis­kri­mi­nie­rung von Roma-Kindern im Bil­dungs­bereich“ füh­ren, so Kom­mis­sions­spre­cher Christian Wigand. Ro­ma-Kin­der haben in Ungarn viel­fach nicht den gleichen Zu­gang zu Bil­dung wie an­dere Schü­ler. Die Euro­päi­sche Kom­mis­sion weist darauf hin, „dass der An­teil der Roma-Kinder an spe­ziel­len Schulen für geis­tig be­hin­derte Kinder un­ver­hältnis­mäßig hoch ist und dass Roma-Kinder auch in den Regel­schulen oft getrennt unter­rich­tet wer­den“. Dies ver­letze die EU-Direk­tive für eth­ni­sche und ras­si­sche Gleich­behand­lung (Council Direc­tive 2000/43/EC). Ähn­li­che Ver­fahren wegen Diskri­mi­nierung der Volks­gruppe hat die Kom­mission be­reits ge­gen Tschechien und die Slowakei ein­ge­leitet.

Die Regierung in Budapest hat nun zwei Monate Zeit, um auf die Vor­wür­fe zu ant­wor­ten, dann wird die Lage neuer­lich be­urteilt. In einer ers­ten Stel­lung­nahme wies die unga­ri­sche Regie­rung die Vor­würfe zurück. Es lä­gen keine offiziellen Daten über Roma-Schüler vor, weil die ethni­sche Iden­ti­tät der Kinder in Un­garn amt­lich gar nicht er­fasst werde.

(dROMa)

Deutschland – kein sicheres Herkunftsland

Mai 22nd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Aktion 302 in Münster: Rettet eure Nachbarn!GfbV/Kurt Weber: Im Oktober 2015 beschloss der deutsche Bundes­tag mit dem neuen Asyl­ge­setz, dass Montenegro, Albanien und der Kosovo als „si­che­re Her­kunfts­länder“ gel­ten. Asyl­an­trä­ge von Men­schen mit die­sen Natio­na­li­tä­ten wer­den ohne vor­he­ri­ge Prü­fung als „un­begrün­det“ ab­ge­lehnt. Die­se Ver­ord­nung hat da­bei auch weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen für vie­le Roma­kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind.

Sie haben Kinder? Stellen Sie sich vor, unser Staat be­schließt, Sie und Ihre Kin­der in ein frem­des Land zu ver­ban­nen, ein Land, das Ihre Kinder nicht ken­nen, des­sen Spra­che sie nicht spre­chen, ein Land ohne Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, in dem man Ihnen und Ihren Kin­dern gegen­über nicht wohl ge­son­nen, viel­leicht sogar feind­selig ein­ge­stellt ist. Stel­len Sie sich vor, wie es Ihren Kin­dern in die­ser Si­tua­tion er­ge­hen mag. Zu Recht wer­den Sie sagen, diese Fik­tion ist ab­surd, sie ist völ­lig un­mög­lich und wider­spricht ele­men­tars­ten Grund­rech­ten. Doch leider ist dies keine reine Fik­tion. Jeden­falls kann dieses alp­traum­hafte Sze­na­rio real wer­den, wenn die Eltern der hier gebo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Kinder keinen deut­schen Pass haben und ihr Heimat­land vom Bundes­tag als „sicher“ de­fi­niert wur­de. Konkret er­le­ben wir solch grau­same Absur­di­tät in der Ab­schie­bung von Fami­lien mit Kin­dern und ju­gend­li­chen Roma, die in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den, auf­wuch­sen und jetzt im Kosovo „ent­sorgt“ wer­den (sollen).

Die pauschale Einstufung des Kosovo als „siche­res Her­kunfts­land“ scheint poli­tisch will­kür­lich und recht­lich äußerst frag­wür­dig. Für Roma ist der Kosovo kein „si­che­res Her­kunfts­land“. Das haben die Ver­fol­gung der Minder­hei­ten und die Zer­stö­rung ihrer Häuser und Dörfer in der Ver­gan­gen­heit ge­zeigt. Und das er­gibt auch der Bericht der GfbV über die heu­tige Situa­tion von Roma im Ko­sovo. Die Min­der­hei­ten werden dis­kri­mi­niert, ihre Lebens­be­din­gun­gen sind ka­tastro­phal. Zu­dem gibt es keine wirk­samen so­zia­len Struk­tu­ren, die rück­keh­ren­den Roma helfen könn­ten, ein men­schen­wür­di­ges und selbst­be­stimm­tes Leben auf­zu­bauen. Read the rest of this entry »

Deutschland – ein Rechtsstaat?

Mai 21st, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Abgeschoben: Gzim (15) und Ramis Berisha (12) (Foto: Amaro Drom)Kurt Weber/GfbV: Zehntausende Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter waren vor, während oder im An­schluss an den Konflikt im Ko­so­vo von 1998/1999 ge­zwun­gen, vorüber­ge­hend Zu­flucht in West­europa zu su­chen. Mit En­de des Koso­vo­krie­ges be­gann die deutsche Bun­des­re­gie­rung, den tem­po­rä­re­ren Auf­ent­halts­sta­tus von zehn­tau­sen­den An­ge­hö­ri­gen der Volks­gruppe nicht zu ver­län­gern und die Betrof­fe­nen ab­zu­schie­ben. Darun­ter auch viele Kin­der, die in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den. Doch ist Ab­schie­bung wirk­lich die ein­zi­ge Lö­sung?

Vielfach wird der Begriff „mangelnde Integrationsfähigkeit“ zur Recht­fer­ti­gung für Ab­schie­bung heran­ge­zogen. Kri­tisch be­se­hen lässt die­ser Be­griff frag­wür­dige und will­kür­li­che Inter­pre­ta­tio­nen zu. Die ab­schie­ben­den Be­hör­den und Poli­ti­ker ma­chen es sich ein­fach. In­halt­lich ver­schlei­ernd ver­mei­den sie vom Her­kunfts­land der Kinder zu spre­chen. Statt­des­sen sagt man, die „Fa­mi­lie“ stam­me aus dem Kosovo und dekla­riert die hier ge­bo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Kinder kraft Her­kunft der Eltern als Fa­mi­lien­mit­glie­der de facto zu Aus­län­dern, zu Im­migran­ten eines Lan­des, das diese Kin­der ver­mut­lich nie ken­nen­lern­ten. Dass diese Kinder ge­mäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­tion ein An­recht auf Staats­bür­ger­schaft in Deutsch­land hät­ten – ein Recht, das juris­tisch in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der In­tegra­tion der Eltern ste­hen dürf­te –, wird dabei igno­riert.[1] Viel­mehr gibt es eine Recht­spre­chung, die völ­lig un­durch­sichtig ist. Man sagt, die „Fami­lie“ sei nicht in­tegra­tions­fähig und müs­se daher ab­ge­scho­ben wer­den. Da­mit wird eine Art Sippen­haft prak­ti­ziert, in­dem man die Kinder pau­schal und ohne Dif­fe­ren­zie­rung als „nicht in­tegra­tions­fähig“ dekla­riert. Ihre Her­kunft aus Deutsch­land wird igno­riert und aus­schließ­lich der Her­kunfts­status der Eltern als rele­vant an­ge­se­hen. Wenn darin eine Logik zu fin­den ist, dann eher eine zurecht­bie­gen­de Logik von Will­kür und Aus­gren­zung. Mit Rechts­staat­lich­keit, wie ich sie ver­stehe, hat dies nichts zu tun.

Zwar steht die Familie unter dem besonde­ren Schutz des Grund­ge­setzes. Man geht davon aus, dass es im Nor­mal­fall für die Kin­der am besten ist, in der Fami­lie zu blei­ben. Aber der Gesetz­geber sorgt auch da­für, dass das Kin­des­wohl in beson­de­ren Fäl­len über dem Schutz der Fami­lie steht. Die schwer­wie­gen­den Kon­sequen­zen für Roma­kinder im Falle einer Ab­schie­bung sind von extre­mer Härte. Daher sollte es in die­sen Fäl­len ver­pflich­tend sein, das Kindes­wohl als über­ge­ord­ne­tes Recht ein­zu­stufen.

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Sunita und Mira feiern Herdelezi

Mai 8th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher

Kinderbuch "Sunita und Mira feiern Herdelezi"Neues Kinderbuch auf Romani und Deutsch

In Deutschland ist kürzlich das Büchlein „Sunita und Mira feiern Her­de­lezi“ prä­sen­tiert wor­den, heraus­ge­ge­ben vom Göttinger Roma-Center, das sich vor­wie­gend um Flücht­linge vom Balkan küm­mert. Far­ben­froh be­bil­dert er­zählt die 25-Seiten-Bro­schüre von Sunita, die ihre Kinder­gar­ten­freun­din Mira ein­lädt, mit ihr das Roma-Fest „Herdelezi“ zu feiern. Der Georgs­tag, Herdelezi (oder Đurđevdan), ist für die Roma des süd­li­chen Bal­kans und in der Türkei ein be­son­ders wich­tiges, aus­giebig be­gan­ge­nes Frühlings­fest – und wird von mus­li­mi­schen und ortho­doxen Roma gleicher­maßen ge­feiert. „Sunita und Mira feiern Her­de­lezi“ er­zählt eine kleine, fröh­li­che Ge­schichte einer inter­kultu­rel­len Be­geg­nung, und das natür­lich zwei­sprachig, auf Romani und Deutsch. We­ni­ger fröh­lich die Hinter­gründe: Denn eine der bei­den Auto­rin­nen ist die Kosovo-Romni Hatigje Osmani; nach 17 Jahren in Deutschland hätte sie plötzlich abgeschoben werden sollen – und war deshalb mit ihrer Familie untergetaucht. Ihr Platz auf dem Podium blieb bei der Buch­prä­sen­ta­tion Ende Februar leer.

Sunita und Mira feiern Herdelezi, Eine Geschichte von Doreen Blume-Peiffer und Hatigje Osmani mit Bildern von Anke Bär, Göttingen 2016.

Bestellung unter: www.roma-center.de

(dROMa)

Sunita taj Mira

Mai 6th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Romani

Kinderbuch "Sunita und Mira feiern Herdelezi"Nevi tschavengeri kenva andi Germanija

Andi Germanija akan i kenvori „Sunita taj Mira mulati­nen Herdelezi“ pre­sen­ti­rim uli, ar dim le Göttinger Romengere-Centeristar, savo pe but­var vasch o naschi­ge­jaschta an­dar o Bal­kan sor­gi­nel. I fesch­timi kipen­geri 25-riktschen­geri-ken­vori la Su­ni­tatar phu­kal, savi pra tscha­ven­gera ba­ren­gera paj­tasch­kija Mira aka­rel, laha o Romen­ge­ro-mu­la­tintscha­go „Herdelezi“, jek bari­kano terno li­na­jis­kero mula­tin­tscha­go, te mu­la­ti­nel. Jek tikni, lo­schan­di his­to­rija jeke inter­kul­tu­reli tala­li­ni­pestar, taj oda ande duj tschib­tscha, andi ro­mani taj nimtsch­ki. Ek­naj tschu­leder lo­schan­de o pa­lut­nip­tscha: Mint jek le duj autor­ki­jen­dar i Kosovo-Romni Hatigje Osmani hi – la­ce­ro than upro po­di­jum usi ken­va­keri pre­sen­ta­cija ando ki­se­ti­nipe le fe­be­ristar schutscho at­schino. Pal 17 berscha an­di Ger­ma­nija akan tel ispi­dim li te uja­hi – oj pra fa­mi­li­jaha ga­rutscha pe.

Sunita und Mira feiern Herdelezi, Eine Geschichte von Doreen Blume-Peiffer und Hatigje Osmani mit Bil­dern von Anke Bär, Göt­tin­gen 2016.

Kindi schaj i kenva ol telal: www.roma-center.de

(dROMa)