Weltwoche: Stellungnahme der Fotoagentur

April 10th, 2012  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht  |  4 Comments

Geht's noch tiefer? Titelseite der Weltwoche 2012Der Skandal um das rassistische Cover der Schweizer „Weltwoche“ ebbt nicht ab. Nach immer neuen Klagen (die jüngste heute vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und der Aufdeckung der zweckentfremdeten Verwendung des Titelfotos liegt nun auch die offizielle Stellungnahme der Fotoagentur Laif vor. Das Statement, das uns der italienische Fotograf Livio Mancini über den Abdruck seines im Kosovo enstandenen Reportagebildes zukommen ließ, haben wir ja bereits mit dessen Einverständnis veröffenlicht. Er hatte auf unsere Anfrage am Sonntag geantwortet, dass das Foto, das über die Agentur Redux bzw. Laif vertrieben wird, ohne sein Wissen publiziert worden war: „Da ich in keinem Kontakt mit diesem Magazin stehe und keine Kontrolle darüber habe, in welchem Kontext und wozu es das Bild verwendet, habe ich die Agentur Redux gebeten, zu überprüfen, wie das Medium zu dem Bild gelangt ist.“

Nun liegt auch die offizielle Antwort der für den deutschsprachigen Raum zuständigen Agentur Laif vor. Um es kurz zu machen: Die Agentur erhebt schwere Vorwürfe gegen die „Weltwoche“, die das Bild missbräuchlich verwendet, verfälscht und die sozialkritische Intention des Fotografen durch die Rekontextualisierung als reißerisches Titelbild in ihr Gegenteil verkehrt habe. Hier die Stellungnahme der Agentur im Originalwortlaut:

Laif-position on „Weltwoche“

The Swiss „Weltwoche“ has misused a feature photograph by our photographer Livio Mancini/Redux about the inhumane life of Roma children on a waste disposal site in Kosovo for an illustration of an article about alleged raids of Roma children in Switzerland in its current issue. This use is distorting, altered the truth and reversed the meaning of the photograph in its opposite.

Laif appeals to all picture departments to use documentary photographs not for illustrative purposes outside their context as this could lead to distorting uses. We live in a world that is more and more visual oriented. Therefor, we need visual ethics, that is obligated to express the real meaning of the photographs and the intention of the photographer.

(laif, 10.4.2012)

Responses

  1. Kampf um das Bild = Kampf gegen die Enteignung des bildliefernden Lebens - trueten.de - Willkommen in unserem Blog! says:

    April 22nd, 2012 at 14:40 (#)

    [...] Schweizer WELTWOCHE hat vor ein paar Wochen Aufsehen erregt, als sie sie ein Titelbild kaufte zur Stimmungssteigerung gegen die in der Schweiz befindlichen Roma-und Sinti-Kinder. Der Artikel selbst erschöpfte [...]

  2. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | „Mach nichts, sonst wird es noch schlimmer“ says:

    Mai 27th, 2012 at 12:34 (#)

    [...] sorgte über die Schweizer Grenzen hinweg für Aufregung. (Anm.: Wir berichteten hier, hier und hier.) Neben dem Zentralrat deutscher Sinti und Roma brachte auch der österreichische Journalist Klaus [...]

  3. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Weltwoche-Skandal: „Doch kein Verbrecher“ says:

    Juli 13th, 2012 at 10:42 (#)

    [...] die Anzeigen wegen eines Roma-Titelblattes, das im Frühjahr für einen Skandal (mehr hier, hier, hier und hier) sorgte, wurden jetzt von der Staatsanwaltschaft [...]

  4. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Hetze der „Weltwoche“ hat Folgen says:

    Oktober 30th, 2012 at 20:47 (#)

    [...] 2012 mit einem reißerischen Titel für einen Rassismusskandal sorgte (wir berichteten: hier, hier, hier, hier und hier), hat laut Urteil der Schweizer Presserates die Volksgruppe der Roma pauschal [...]