Archive for August, 2022

Romani Ora (10. August 2022)

August 10th, 2022  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORA

Anhören: →Romani Ora, Sendung vom 10. August 2022 (mp3)

In unserer Rubrik „Pedar soste o nipo vakeren“, un­serem Tages­thema, berich­tet Alexan­der Gussak über den inter­nationa­len Gedenktag am 2. August in Wien. In der histori­schen Rubrik „Mri historija“ prä­sen­tiert Tina Nardai eine Erzählung über den 10-jäh­rigen Adolf Papai, gelesen von der Schülerin Olga Rupp aus der NMS Groß­warasdorf. In „Minden­felitiko“, unse­rem bunten Allerlei, hat eben­falls Tina ein paar Tipps zu den besten Badeseen und Bädern der Region, und in der Jugend­sen­dung „Young, wild and free“ stellt Adi Gussak den Film „Gugelhupfgeschwader“ vor. Mode­riert wird die Sen­dung von Alexander Gussak.

Neuerscheinung: Zwei Welten

August 8th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

CoverZweiWeltenArnold Weiß/Jakob Michelsen/Moritz Terfloth/Boris Weinrich: Zwei Welten. Sinti und Roma – Schritte zur Anerkennung als NS-Verfolgte und antiziganistische Kontinuität, hrsg. vom Landesverein der Sinti in Hamburg e. V., Metropol Verlag: Berlin 2022, 280 S.

Zur Arbeit des Landesvereins der Sinti in Hamburg als Interessen­ver­tretung und Anlauf­stelle für die Sorgen und Nöte der Men­schen gehört es auch, Ursachen und Grund­lagen der fort­währen­den Dis­kriminie­rung und Aus­grenzung unserer Minderheit zu er­forschen. „Zwei Welten“ ist der Versuch einer Gegen­über­stellung. Einer­seits sollen die wahr­nehmbaren Fortschritte in der gesell­schaftli­chen Anerkennung der Sinti als im National­sozialismus ver­folgte Minderheit in den letzten 70 Jahren gezeigt werden. Dem gegen­über steht die an­dauernde und systema­tische Aus- und Beforschung über 1945 hinaus. Für diese Kontinuität steht beispiel­haft der Arzt und Professor Hermann Arnold (1912–2005). Er trat das geistige Erbe von Robert Ritters Rassen­hygienischer Forschungs­stelle an, deren Mit­arbeiter:innen während der NS-Zeit, unter an­derem in Hamburg, Sinti und Roma be­forscht und ge­quält haben und deren Forschungen die Grund­lage für die an­schlie­ßend er­folgten Deporta­tionen bildeten. Als Wissen­schaftler, Amts- und Ge­fängnis­arzt führte Arnold die syste­ma­tische Erfassung und rassistische Kate­gorisie­rung der Sinti und Roma weiter. An­hand aus­ge­wählter Dokumente aus seinem Nachlass im Bundesarchiv werden Arnolds Netzwerke und die Konti­nui­tät der NS-„Zigeuner­forschung“ in der Bundes­republik auf­ge­zeigt.

(Text: metropol-verlag.de)

Die Prüfung der Wiedergutmachungsberechtigung der Zigeuner und Zigeu­ner-Misch­linge […] hat zu dem Ergebnis geführt, daß der ge­nannte Personen­kreis über­wiegend nicht aus rassischen Gründen, son­dern wegen seiner asozialen und kriminellen Haltung ver­folgt und in­haftiert worden ist.“
Das Wiedergutmachungsamt von Württemberg-Baden, 1950; siehe S. 145.

„1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten!“
Vermerk einer norddeutschen Wohnungsgenossenschaft, 2019; siehe S. 197.

(Zit. in: zentralrat.sintiundroma.de)

dROMa 66: „Europa“

August 7th, 2022  |  Published in dROMa (Magazin)

Themenheft „Europa“ | Temakeri heftlina „Europa“

Download (PDF) | Inhalt

Europa ist ein Versprechen – insbeson­dere für Roma, die es als Minder­heiten ihrer Länder stets ge­wohnt waren, national­staat­lichen Launen aus­ge­liefert zu sein. An den An­fang dieses „Europa“-Hef­tes stellen wir ein Thema, das die Roma Europas zur Zeit ganz beson­ders bewegt: die pre­käre Lage der Roma-Kriegs­flücht­lin­ge aus der Ukraine. Wie viele ande­re Roma-Or­gani­sa­tio­nen packt auch unser Verein Roma-Service mit an und be­treut einige Fa­milien im Burgenland. Im Ge­spräch mit Muri Darida berich­tet die pol­nische Romni und Kultur­anthro­po­login Joanna Talewicz-Kwiatkowska über die Hinter­gründe der aktu­ellen Flucht­welle. Daran an­schlie­ßend geben wir einen offe­nen Brief zur Lage der ver­triebe­nen Roma wieder. Roman Urbaner hat sich anhand einiger Fallbeispiele angesehen, was der Europäi­sche Gerichts­hof für Menschen­rechte (EGMR) in Straßburg eigent­lich für Roma bewirkt hat. Wissens­wertes über die Euro­päische Menschen­rechts­kon­ven­tion, die dem EGMR zu­grunde liegt, erfahren Sie im Anschluss. Und zu guter Letzt lassen wir noch ein kleines Groß­ereignis aus der Welt des Sports Revue pas­sieren. Bei der „Europeada“ in Kärnten er­mittelten die Volks­gruppen Europas ihren Fußball-Euro­pa­meister. Die Roma gin­gen leider leer aus.

Europa jek primintschago hi – butvar le Romenge, save le ojs tschu­liptscha lengere vila­gendar mindig terdschiv­nahi, nacijo­nal schtot­lichi kojenge ar be­scharde te on. Ando kesdipe adala „Euro­pa“-heft­li­natar jek tema angle terdscha­ras, savi le Romen andar i Europa akan igen bari­kane mici­nel: i bibas­tali situa­cija le Romen­gere-ha­buris­kere naschi­kera­schendar andar i Ukrajnija. Sar but avre Romen­ge­re-or­gani­saciji, te amaro farajn Roma-Service aun astarel taj poar famili­jenge ando Bur­gen­land pomo­schinel. Ando vakeri­pe la Muri Daridaha phukal i pol­nitiki Romni taj kultura­keri antro­po­logkija Joanna Talewicz-Kwiatkowska, pe­dar o koji la aktu­jeli naschi­keraschen­gera velatar. Read the rest of this entry »

Romani Ora (5. August 2022)

August 5th, 2022  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORA

Anhören: →Romani Ora, Sendung vom 5. August 2022 (mp3)

Die Romani Ora, moderiert von Tina Nardai. Das Tages­thema handelt von dem „Hobbygärter“ Martin Horvath und in „Mri historija“ besuchen wir die Friedensburg Schlaining – für Sie zu­sam­men­gestellt von Adolf Gussak. Den Ver­an­stal­tungs­kalender recht­zeitig zum Wochen­ende prä­sen­tiert Ihnen Alexander Gussak. Und in „Young, wild and free“ be­richtet Adi Gussak vom „One Love Festival“ in Wiesen. Dazu Roma­musik aus aller Welt, ge­mischt mit den Hits von heute.

Pogrom gegen Roma in Spanien

August 4th, 2022  |  Published in Politik

Pogrom in Peal de Becerro (Foto: ERRC.org)Spanien: Rassistische Aus­schrei­tun­gen in Peal de Be­cerro in An­da­lusien

jW, 3.8.2022: Sechs Wohnungen wurden zer­trüm­mert und ge­plündert, eine so­gar an­ge­zündet, drei Autos wurden be­schädigt – die Roma-Fa­milien in Peal de Becerro bei Jaén in Süd­spanien muss­ten vor einer auf­ge­brachten Menge, be­stehend aus Dutzen­den Nachbarn, aus dem Dorf fliehen. Als Recht­ferti­gung für die rassistischen Attacken dien­te den An­greifern, dass am Tag zu­vor, dem 17. Juli, vier Männer, die der Roma-Min­der­heit (Gitanos, Anm. dROMa) an­ge­hören sol­len, einen 29-jäh­rigen Tür­steher in Peal de Becerro er­stochen hätten. Laut dem Online­medium CTXT ver­fügen die Opfer des rassistischen Pogroms aller­dings über keine Ver­bindun­gen zu den Tätern – außer, dass auch sie zur Roma-Min­der­heit zählen.

Der Rom und Parlamentsabgeordnete der Linkspartei Podemos, Ismael Cortés, er­klärte in der ver­gange­nen Woche, es sei »in­akzep­tabel, dass eine Ethnie in ihrer Gesamt­heit be­schuldigt« werde. Die Spanische Gesell­schaft der Roma (Sociedad Gitana Española) stellte eine Straf­anzeige unter ande­rem gegen den Bürger­meister von Peal de Becerro, David Rodríguez, die ört­liche Polizei und »die materiel­len und intel­lek­tuellen Urheber oder An­stifter der Angriffe auf Roma-Fa­milien«. Gegenüber der Tages­zeitung Diario de Jaén er­klärte der Vor­sitzende der Gesell­schaft, Miguel Ángel Valverde, am 23. Juli, man spreche den An­gehörigen des Ge­töteten »unser tiefs­tes Beileid aus«, aller­dings werde man es nicht zu­lassen, »dass wir aus unseren Wohnun­gen gejagt werden, nur weil wir Roma sind«. Die be­troffe­nen Fa­milien hätten zudem keine Aus­weich­unter­künfte von den Behörden zur Ver­fügung gestellt be­kommen.

Die Taten erinnern an die Geschehnisse im unweit gelege­nen Martos 1986: Damals tobte in dem Dorf ein Mob von 200 Be­wohnern, die rund 30 Woh­nungen von Roma in Brand setz­ten. Pogro­me gegen An­gehörige der Minder­heit in Spanien sind aller­dings alles andere als eine Selten­heit, beson­ders häufig wer­den deren Wohnun­gen an­ge­zündet. So brannten 2014 zwei Wohnungen in Estepa, ebenfalls in Andalusien, am Rande einer De­monstra­tion ge­gen Diebstähle, drei weitere wurden geplündert. 2018 wurde eine Familie mit fünf Kindern in Santurtzi im Baskenland obdachlos, nach­dem ihre Woh­nung in Flammen auf­gegan­gen war. 2019 ver­suchten Be­wohner des Madrider Viertels Vallecas die Wohnung eines Man­nes an­zu­zünden, der der Tötung eines Rentners ver­dächtigt wurde. 2000 fand eine Demonstra­tion in Alicante statt, in deren Rahmen zwi­schen 500 und 1.000 Per­sonen zehn von Roma ge­nutzte Wohnungen de­molierten.

Dem versucht die spanische Koalitionsregierung entgegenzuwirken. Seit Mitte Juli ist ein Gesetz in Kraft, das Anti­ziganismus als spe­zifische Form des Rassismus an­er­kennt und bestraft. Tätern drohen nun bis zu 500.000 Euro Strafe. Seit den letzten Wahlen im Novem­ber 2019 sitzen zu­dem erst­mals vier Ab­geordnete im spanischen Par­lament, die der Roma-Min­derheit an­gehören.

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Romani Ora (3. August 2022)

August 3rd, 2022  |  Published in Radijo Romani Ora

Romani Ora auf Radio MORA

Anhören: →Romani Ora, Sendung vom 3. August 2022 (mp3)

Romani Ora gibt es ab jetzt zweimal wöchentlich. Moderiert wird die heu­tige Sendung von Adolf Gussak. In unserem Tages­thema hat Tina Nardai für Sie einen Bei­trag über den Job­trainer Martin Horvath und über seine Arbeit bei der Firma Trendwerk vor­be­rei­tet. In der Rubrik Mri Historija be­rich­tet Alexander Gussak, wie es den An­gehö­rigen der Volksgruppe der Roma nach dem Zweiten Weltkrieg er­ging. Weiters stellt er das Buch „Ver­schwun­dene Roma­siedlungen“ vor. Und unser Youngstar Adi Gussak geht dem Hype über den Party­song „Leila“ nach. Wie im­mer er­warten Sie auch Roma­musik und die größ­ten Hits aus aller Welt.

2. August: Grüne für Holocaust-Gedenktag

August 2nd, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Hohes Haus: Übergabe des Positionspapiers der Roma-Volksgruppenverrteter:innen an Nationalratspräsident Sobotka (re.),  in der Mitte der Vorsitzende des Roma-Volksgruppenbeirats Emmerich Gärtner-Horvath vom Verein Roma-Service (Foto: Grüner Parlamentsclub)Österreich: Voglauer/Blimlinger for­dern na­tio­na­len Ge­denk­tag für die un­ter dem NS-Regime ver­folg­ten und ermordeten Roma und Sinti. Grüne an­läss­lich des Inter­natio­na­len Gedenk­tags am 2. Au­gust für ra­sche Um­setzung des Ent­schlie­ßungs­antrags so­wie Er­rich­tung eines zentra­len Mahn­mals

Während des Holocaust wurden rund 500.000 Roma und Romnja, Sinti und Sintizze im Deutschen Reich er­mordet, darun­ter rund 10.000 aus Österreich. Roma und Sinti wurden in der Zeit des Natio­nal­sozialis­mus als „Zigeuner“ bzw. als „Asoziale“ ver­folgt und syste­ma­tisch er­mordet. Vor 1938 lebten rund 11.000 bis 12.000 Roma und Romnja, Sinti und Sintiz­ze in Öster­reich, die meis­ten davon im Burgenland. „Bis heute gibt es in Öster­reich leider keine natio­nale Um­setzung des euro­päischen Holo­caust-Ge­denktages am 2. August. Natio­nale Ge­denk­tage sind ein würdiger und wich­tiger Teil der Gedenk­kultur. Damit einher geht die An­erkennung und Ver­urteilung des Porajmos – das Roma­nes-Wort für den Völkermord an den euro­päi­schen Roma in der Zeit des National­sozialis­mus. Das ist nicht nur für die Opfer des Roma-Genozids und deren An­ge­hörige von großer Be­deutung, son­dern auch für das Selbstverständnis Österreichs“, be­tont die Volks­gruppen­spre­che­rin der Grünen, Olga Voglauer.

Der 2. August wurde bewusst als Gedenktag gewählt: In einer einzigen Nacht wur­den von 2. auf 3. August 1944 in­fol­ge der Liquidation des Lager­ab­schnitts B II e, des so­ge­nann­ten „Zigeuner­lagers“, min­des­tens 3.000 Roma und Romnja, Sinti und Sintizze, darun­ter Männer, Frauen und Kinder, im Kon­zentra­tions­lager Auschwitz-Bir­kenau er­mordet. [Anm. der dROMa-Red.: Neuere For­schungs­er­geb­nisse des Re­search Cen­ter des Auschwitz-Mu­se­ums ge­hen von 4.200 bis 4.400 Per­sonen aus.]

Roma und Sinti, aber auch Jenische waren in Österreich bereits vor 1938 massiver Dis­kriminie­rung ausgesetzt. Die öster­reichi­schen Behörden er­fassten auf rassis­tischer Basis Roma und Romnja, Sinti und Sin­tizze in einer Kartei, der sogenannten „Zigeunerkartei“, die dann die Grund­lage der Ver­folgung und der Vernichtung der Roma und Romnja, Sinti und Sin­tizze war. Read the rest of this entry »

Begriffsdebatte: Anti-Was bitte?

August 1st, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ein facettenreicher, kriti­scher, in der Vielzahl der Varianten viel­leicht auch ein wenig ver­wir­render Videobei­trag zur Begriffs­debatte rund um das Wort „Antiziganismus“, in dem Romani Phen einige be­griff­liche Alter­nati­ven vorschlägt. Eine weite­re möch­ten wir an dieser Stelle auch noch in die Runde wer­fen: „Romafeindlichkeit“.

Romani Phen: Anti-Was bitte? Wie sollen wir Rassismus gegen Sin­ti:zze und Rom:nja be­zeichnen? Viel­leicht ein­fach Romaphobie? Oder Gadje-Rassismus? Was mei­nen wir eigent­lich, wenn wir diese Be­griffe nutzen? Wo­her kom­men sie, welche Kritik gibt es und was sol­len wir tun an­hand der Vielfalt von Per­spek­tiven. Romani Phen hat einige Leute aus den Roma- und Sinti-Selbst­organi­sa­tio­nen be­fragt. Damit be­schäftigt sich dieser Film der On­line-Lern­platt­form NeviPhen. (Quelle: Romani Phen)