Archive for September, 2017

Bettellobby jetzt auch in Dresden

September 6th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Betteln ist kein Verbrechen (Foto: G. Kraftschik CC-BY)Österreichs Bettellobbys machen Schu­le: Ak­ti­vis­ten grün­den Bettellobby in Dresden.

In Dresden hat sich eine Bettellobby gegründet. Das Netz­werk be­steht aus ver­schie­de­nen Ini­tia­ti­ven, u.a. der Gruppe gegen Anti­romaismus, dem Flücht­lings­rat Sachsen, der gruppe polar, RomaRes­pekt, Romano Sumnal – Verein für Roma in Sachsen sowie der FAU Dresden, und möch­te nach dem Vor­bild der Bettellobby Wien eine Gegen­stimme in der gegen­wär­ti­gen Dis­kus­sion um das ge­plante Bettel­verbot sein.

Die Bettellobby Dresden kritisiert die Debatte als auto­ri­tär und dis­kri­mi­nie­rend gegen­über Armen und ins­beson­dere Roma. Der­zeit steht das Verbot von Betteln mit und durch Kinder zur De­batte. Offen­bar ist aber den Akteuren, die sich für ein Verbot aus­spre­chen, wie etwa Ord­nungs­bür­ger­meis­ter Sittel, nicht vorder­gründig am Kindeswohl ge­legen, son­dern viel­mehr werden bettelnde Men­schen als stö­rend empfun­den. Nicht anders lässt sich das Interview inter­pre­tie­ren, das Sittel der Säch­si­schen Zeitung gab, in dem er ganz offen seine Hoff­nung for­mu­lierte, mit dem Ver­bot eine „ört­liche Ver­drän­gung in ande­re Städte“ zu er­reichen.

Die Bettellobby hingegen hat sich zum Ziel gesetzt, Bettelverbote in Dres­den zu ver­hin­dern. Das Netz­werk solida­ri­siert sich mit Men­schen, die betteln müs­sen, und be­tont, dass Betteln zu können, die eigene Not zu äußern, ein Menschen­recht dar­stellt. Um das Men­schen­recht den­noch ein­schrän­ken zu können, greifen Stadt­ver­wal­tun­gen zum Instru­ment der Polizei­ver­ord­nung. In der neu­en Verordnung, die dem Dresd­ner Stadtrat am 19. Sep­tem­ber zur Dis­kus­sion vor­ge­legt wer­den soll, heißt es: „Wer in Beglei­tung eines Kindes bet­telt oder Kinder betteln lässt“, be­geht eine Or­dnungs­widrig­keit. Dafür dro­hen bis zu 1.000 Euro Bußgeld.“

Die gruppe polar weist in ihrem State­ment auf die Zwän­ge hin, denen zu­ge­wan­derte Roma und Romnja, ande­re Süd­ost­euro­päer/innen und deren Kinder unter­lie­gen. „Sie haben ohne Melde­adresse keinen An­spruch auf Schule und Kita. Ohne Arbeits­ver­trag können sie keine Woh­nung mieten – und haben folg­lich keine Melde­adresse. Auf­grund der Dis­kri­mi­nie­rung er­hal­ten Roma und Romnja keine Arbeit mit Sozial­ver­si­che­rung, mit Arbeits­rechten und Arbeits­schutz. Nun ste­hen Bettler/innen da und haben ihre Kinder dabei. Aber wo sol­len die Kinder denn sonst bleiben?“

Die grüne Stadträtin Tina Siebeneicher, Sprecherin für Asyl, Migration und Jugend­poli­tik, fordert, dass bei der Debatte um ein mög­li­ches Bettel-Ver­bot im Mittel­punkt stehen sollte, ob damit den be­trof­fe­nen Kindern tat­säch­lich ge­hol­fen wird. Read the rest of this entry »

RomaRespect #4: „Meine 7.000 Nachbarn“

September 5th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #4: Literatur mit Haltung – „Meine 7.000 Nachbarn“

Eva Ruth Wemme (Bild: RomaRespect)Sendung vom 4.2.2016: Eva Ruth Wemme ist Lektorin, preis­ge­krönte Auto­rin und Über­setzerin aus dem Ru­mä­ni­schen. Sie arbei­tet außer­dem seit meh­re­ren Jahren als Sprach- und Kultur­mitt­le­rin in Berlin. In dieser Funk­tion dol­metscht und be­rät sie Migrant/in­nen aus Rumänien, die sehr oft Roma und Rom­nja sind. So ist sie sehr nah an ihren Sor­gen und Nöten dran, be­kommt die gan­ze Band­breite ihrer Dis­kri­mi­nie­rung mit. Sie schrieb ihre Er­leb­nisse in kur­zen Ge­schich­ten auf, die im Buch „Meine 7.000 Nach­barn“ zu­sam­men­gestellt sind. Er­klärt ihr Buch, wer oder wie die Roma und Rom­nja sind? Eva Ruth Wemme sagt dazu in der Ein­lei­tung: „Ich frag­te mich also: Wer sind die Roma? Bis sich kurz darauf heraus­stell­te, dass die Ant­wort auf diese Frage so­wohl un­auf­find­bar als auch so gut wie ir­re­le­vant für das Zu­sam­men­leben ist.“

Ihr hört in der Sendung die Lesung von Eva Ruth Wemme zu ihrem Buch „Meine 7.000 Nachbarn“ (Weblog). Sie liest meh­rere ihrer kur­zen Ge­schich­ten, in denen sie ihre Zu­sam­men­arbeit mit Berli­ner Ro­ma und Rom­nja be­schreibt. Da­nach sind eini­ge Bei­träge aus der Dis­kus­sion zu hören. Die Le­sung fand am 23. Sep­tem­ber 2015 im Fest­spiel­haus Hellerau in Dresden wäh­rend der Herbst­schule gegen Anti­romais­mus statt.

Musik: „Chaven Romane“ von Lavinia Raducanu

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

„Voice of Diversity“ – Harri Stojkas Workshop

September 4th, 2017  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV

Heimat Fremde Heimat „Heimat Fremde Heimat“
ORF2, Sendung vom 3.9.2017
Ansehen: ORF-TVthek

Silvana Meixner präsentiert in der aktuel­len Sen­dung des ORF-Ma­gazins „Heimat Fremde Heimat“ einen Beitrag über Harri Stojkas Roma-Mu­sik-Work­shop. Wei­tere Bei­träge über afgha­ni­sche Matu­rant/in­nen und „Weit­blicke“ mit dem Arzt und Theo­lo­gen Johannes Huber.

Musik-Workshop in Hallstatt (Screenshot ORF)„Voice of Diversity“ – Harri Stojkas Roma-Musik-Workshop in Hallstatt

Der Verein „Voice of Diversity“ organi­siert auch 2017 in Hallstatt den be­lieb­ten Roma-Mu­sik-Work­shop unter der Lei­tung von Harri Stojka. In diesem Jahr geht es um die Ver­bin­dung von Roma-Musik und jiddischen Lie­dern: „Es gibt viele mu­si­ka­li­sche Be­rüh­rungs­punkte im Klang und auch in der Emo­tion“, er­klärt Roman Grinberg, der den Ge­sangs­work­shop lei­tet und die Teil­neh­mer/innen auch über jüdische Tra­di­tion und Ge­schich­te auf­klärt. „Wir ha­ben ein ähn­li­ches Schick­sal zu tra­gen“, er­ken­nen Sissi und Doris Stojka, die die Kurs­teil­neh­mer/innen beim Er­ler­nen der Roma-Lieder coachen. Čedomira Schlapper be­richtet.

(Text: ORF)

RomaRespect #3: Kunst gegen Stereotype

September 3rd, 2017  |  Published in Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #3: Kunst gegen negative Stereotype
Mit Delaine Le Bas, André Jenö Raatzsch und Hamze Bytyçi

Sendung vom 9.1.2016: Jahrhundertalte anti­romais­ti­sche Ste­reo­type er­schwe­ren es der euro­päi­schen Öffent­lich­keit, Roma und Romnja als mo­der­ne Künstler/in­nen wahr­zu­neh­men. Roma wer­den als ho­mo­gene Gruppe konstru­iert, die Indivi­dua­li­tät ver­schie­de­ner Ein­zel­per­so­nen wird von der Öf­fent­lich­keit kaum wahr­ge­nom­men. Die Kultur der Mehr­heits­ge­sell­schaft be­dient sich einer­seits an der von ihr klischee­haft konstru­ier­ten Roma­kultur und schließt Roma und Romnja gleich­zeitig aus kultu­rel­ler Teil­habe aus. Trotz der Stereotype gibt es eine kleine Sze­ne moder­ner bilden­der Künst­ler/innen in Europa, die sich offen als Roma und Romnja beken­nen. Ihre Kunst ist oft poli­tisch. Sie kann auch ein Mittel für die Mehr­heits­gesell­schaft zur dif­fe­ren­zier­te­ren Wahr­neh­mung von Ro­ma und Romnja sein. Und sie kann ein Mittel der Eman­zi­pa­tion für die Roma und Romnja sein.

Ihr hört Inter­views mit Delaine Le Bas und André Jenö Raatzsch sowie Aus­schnitte aus der Per­for­mance „Sind wir nicht alle ein bisschen çaçele?“ von Hamze Bytyci und Gästen.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Neue Regelung zu Ghetto-Renten

September 2nd, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

"Zigeunerghetto" (Foto: www.sintiundroma.de)Aussendung des Zentralrats: Neufassung der Richt­linie der deutschen Bundes­regie­rung über eine An­erken­nungs­leis­tung an Ver­folg­te für Arbeit in einem Ghetto, die kei­ne Zwangs­arbeit war

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich ge­mein­sam mit den jüdischen Ver­bän­den in Deutschland und in Polen dafür ein­ge­setzt, dass es für die we­ni­gen noch leben­den Men­schen, die in Ghettos während der NS-Herrs­chaft arbeiten muss­ten, noch eine Entschädigung ge­ben soll.

Das Bundeskabinett hat dazu am 14. Juni 2017 die Neu­fassung der Richt­linie der Bundes­regierung über eine An­erken­nungs­leis­tung an Verfolgte für Arbeit in einem Ghetto, die keine Zwangs­arbeit war (An­erkennungs­richtlinie) be­schlos­sen.

  1. Die Neufassung der Richtlinie begründet im § 1 Ziffer 1 einen An­spruch auf eine ein­mali­ge Leis­tung für Per­so­nen, „die sich zwangs­weise in einem Ghetto auf­gehal­ten haben, das in einem Gebiet des national­sozia­lis­ti­schen Einfluss­be­reichs lag, und wäh­rend dieser Zeit ohne Zwang in einem beschäf­tigungs­ähn­li­chen Ver­hält­nis ge­arbei­tet haben“, wenn sie „für diese Arbeit kei­ne Leis­tung aus den Mit­teln der Stif­tung ‚Erinnerung, Ver­ant­wor­tung und Zukunft‘ er­halten haben oder hät­ten er­hal­ten können“. Die ein­malige Leis­tung be­steht nach § 2 Zif­fer 1 aus einer Kapital­zahlung in Höhe von 2.000 Euro.
  2. Nach § 2 Ziffer 2 besteht zudem die Möglich­keit einen An­trag auf einen einmaligen Rentenersatzzuschlag in Höhe von 1.500 Euro zu stel­len, wenn ein „Ver­folgter, bei dem die Voraus­setzun­gen des § 1 Ab­satz 1 Satz 1 des Ge­setzes zur Zahl­bar­ma­chung von Renten aus Be­schäf­ti­gun­gen in einem Ghetto vor­liegen, nur des­halb keinen An­spruch auf eine Rente aus der ge­setz­li­chen Renten­ver­siche­rung [hat], weil die all­ge­mei­ne Warte­zeit nach § 50 Ab­satz 1 Satz 1 des Sechs­ten Bu­ches Sozial­gesetz­buch nicht er­füllt ist“.

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RomaRespekt #2: Antiromaismus

September 1st, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #2: Wissenschaft gegen Antiromaismus

Sendung vom 2.12.2015: Die Wissenschaftler Hristo Kyuchukov (Psycholinguist, be­son­ders für Ro­ma­nes, Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler) und Jan Selling (His­to­ri­ker und Autor des For­schungs­netz­werks Antiziganism, Schweden) spre­chen über Anti­roma­is­mus und Selbst­er­mäch­ti­gung von Roma und Romnja in der Bildung.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)