Interview

Neuer Podcast: Romatopia

Januar 14th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV

RomatopiaRomatopia – Roma talk about their Utopia for Europe


Romatopia ist ein neuer Podcast, in dem Roma und Sinti aus zwölf Län­dern in zwölf Episo­den über ihr Le­ben und ihre Utopie für Euro­pa spr­echen. Künst­ler*in­nen, Ak­ti­vist*in­nen und Wis­sen­schaft­ler*in­nen im Ge­spräch mit den Gast­ge­ber*in­nen Wiliam Bila und Isabel Raabe.

Sinti und Roma sind die größte Minderheit Euro­pas und bil­den, ver­teilt auf alle eu­ro­päi­schen Länder, eine transnationale Gemein­schaft, deren Kultur eng mit der euro­päi­schen Kultur­geschichte verwoben ist. Ihre kultu­rellen Errun­gen­schaften und ihre Resilienz sind in den Mehr­heits­gesell­schaf­ten Europas oft un­bekannt.

Die Idee für den Podcast „Romatopia – Roma talk about their Utopia for Europe“ ent­stand wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie, die der­zeit die euro­päische Einheit und Soli­darität heraus­fordert. In Krisen­zeiten sucht die Gesell­schaft schnell nach einem Schul­digen und oft sind dies die schwächs­ten Mit­glieder der Gesell­schaft. Und so trifft die Pan­demie, wieder einmal, Roma und Sinti hart. Dabei können die Mehr­heits­gesell­schaf­ten gerade in Sachen Solidarität und Werte­konsens bei gleich­zeit­iger Vielfalt und Diver­sität einiges lernen. Roma und Sinti können in dieser Hin­sicht als Avant­garde und Vor­bilder an­ge­sehen werden.

Romatopia präsentiert Roma und Sinti als Vorbilder für die „Idee Europa“, nicht als Problem. Die Hö­rer*in­nen er­fahren über Zusam­men­halt, über soziale Durch­lässig­keit, über kultu­rellen Reichtum und über trans­nationale Einheit trotz natio­naler Be­sonder­heiten. Sie hören inspi­rie­rende Ideen und Zukunfts­sze­narien für Europa. Es kommen starke Persön­lich­keiten zu Wort, deren Lebens- und Erfolgs­ge­schich­ten Gegen­erzäh­lungen zu den bestän­digen anti­ziganisti­schen Zu­schrei­bungen darstellen. Der Podcast ver­mittelt Wissen, Ge­schichten und Er­fahrungen von Roma-Ge­meinschaften aus ganz Europa. Ge­schichten über lokale Be­sonder­heiten, per­sönliche Erfah­rungen und tra­ditionelles Wissen formen eine trans­nationale Erzählung, die einen anderen Blick auf das Europa von morgen aus der Perspek­tive der größ­ten Minder­heit Europas zeigt.

Der in Paris lebende Aktivist William Bila, selbst Rom, und die Berliner Kurato­rin Isabel Raabe spre­chen in diesem Pod­cast mit Roma und Sinti aus zwölf Ländern. Vor deren beruf­lichen und natio­nalen Hinter­grund prä­sen­tieren die Gäste ihre Lebens­reali­täten und ihre Utopien. Read the rest of this entry »

Zeitzeugenvortrag (2000) von Herbert Ricky Adler

Januar 6th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Dreyeckland„Innerlich verbrenne ich, weil die ganze Er­in­ne­rung zu­rück­kommt“

→Anhören (mp3)
Radio Dreyeckland, 1.1.2021 (31:36 min)
Sendereihe: Verfolgung und Widerstand im Natio­nal­sozialis­mus – His­to­ri­sche Stim­men von Zeit­zeug*innen

Der Sinto Herbert Ricky Adler wurde 1928 in Dortmund geboren. Die Familie lebte in Frankfurt am Main und wurde 1941 aus bürger­lichen Wohn­ver­hält­nissen in ein Wohn­wagen­lager ver­schleppt. 1943 depor­tieren die Nazis sie ins so genannte „Zigeuner­lager“ in Auschwitz-Bir­kenau, wo fast alle Ver­wandten Herbert Ricky Adlers er­mordet wurden. Nach der Befreiung kehrte er nach Hessen zurück, erhielt aber erst 1954 eine Zuzugs­geneh­mi­gung für Frankfurt. Er enga­gierte sich als Zeitzeuge für das Fritz-Bau­er-Insti­tut und den Zentra­lrat Deutscher Sinti und Roma. Herbert Ricky Adler starb 2004 (mehr hier).

Sein Vortrag fand 2000 auf Einladung von Radio Dreyeckland statt. Er ist 2002 in dem Buch „Wenn wir weg sind, ist alles nur noch Geschichte. Die Erin­nerung von Über­lebenden“ (mehr hier) in Auszügen nach­zu­lesen und auf der bei­liegen­den CD nach­zuhören. Erhält­lich ist der Band über RDL.

(Text und Sendung: rdl.de)

Die Kinder wollen das schaffen

Dezember 30th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Romani, dROMa (Magazin)

FARAJNISKERO DSCHENO: O Josef Schmidt la tschavengera heftlinaha „MiniMulti“ taj la „dROMaha“Im Gespräch:

Josef Schmidt über die Bildungsarbeit von Roma-Service

In den Vereinsräumen in der Evan­ge­li­schen Kirchen­gasse in Oberwart herrscht rege Betrieb­samkeit. Hier findet von Mon­tag bis Freitag die Lern­betreuung für Roma-Kin­der statt. Seit vier Jahren schon stemmt der „Verein Roma-Ser­vice“, neben einem Bün­del ande­rer Akti­vi­täten, nun auch diese Auf­gabe. Bildungs­arbeit wird zu­nehmend zum Herz­stück des Vereins. Was das konkret be­deutet und warum das Burgenland hier die Nase vorn hat, er­zählt Josef Schmidt.

dROMa: Bildungsarbeit spielt bei „Roma-Service“ ein gro­ße Rolle. Mit wel­chen ak­tuel­len Pro­jekten seid ihr be­fasst?
J. Sch.: Was immer läuft, ist die Lernbetreuung. D.h. die Kinder werden jeden Tag von Montag bis Freitag nach der Schule abgeholt, kommen zu uns ins Vereinslokal. Und dann werden mit den beiden Lernbetreuerinnen die Aufgaben gemacht, die Vorbereitung für Schularbeiten und Tests. Dazu kommt Freizeitpädagogik, es wird gebastelt, es wird gesungen, es wird gespielt. Oder Plakate gestaltet zu Themen, die gerade anfallen. Und Feiern gibt es auch ab und zu. Wenn es die Zeit zulässt, machen wir auch ein bisschen Roman (Anm.: Burgenland-Romani), so nebenbei. Wir reden es zumindest, dass sie es hören und auch verstehen. Oder wir singen auf Roman, aus unserem Liederbuch. Jetzt mit Corona ist natürlich vieles anders.

Wie war das in den letzten Wochen?
Mit dem Lockdown waren die Schule ja wieder zu. Die Kinder haben online von der Schule ihre Aufgaben bekommen, einen Wochenplan mit Aufgaben in den verschiedenen Fächern. Und das mussten sie ausdrucken und bearbeiten. Und dafür sind sie vormittags zu uns gekommen, und dann waren sie da, so lange sie brauchen.

D. h. wenn die Schulen zu sind, bietet ihr Ersatz?
Genau, die Stunden, die sie normal in der Schule wären, sind sie dann bei uns, und wir machen mit ihnen die Aufgaben. Das wird alles hier erledigt. Normalerweise machen das die zwei Kolleginnen. Und wenn wirklich Not am Mann ist, bin ich auch da. Ich mache zusätzlich noch die „Intensivlernbetreuung“ – wenn die Kinder einmal mehr Unterstützung brauchen. Da kommen sie entweder auch her, oder manchmal, das sind eher die Älteren, schicken sie ihre Übungen auch online oder rufen uns an und sagen, ich kenne mich da nicht aus. Es haben ja fast alle einen PC daheim. Und wir erklären es ihnen oder geben ein Feedback. Und natürlich gibt es auch den Kontakt der Lernbetreuerinnen mit den Lehrkräften.

Die Verbindung mit der Schule bleibt immer aufrecht?
Ja, immer! Das ist schon gut, diese Brückenfunktion und dass wir eine Vermittlerrolle einnehmen. Weil in manchen Haushalten sind drei oder vier Kinder. Das ist dann schon anstrengend. Und man hat dann sicher nicht vier Computer daheim. Da ist es gut, wenn der Großteil zu uns kommt. Und sie kommen ja auch gern und pünktlich.

Burgenland ist ein Modell

Wie hat das begonnen?
Als der „Verein Roma“ aufgehört hat, haben wir die Lernbetreuung übernommen, da sind wir damals nach Oberwart in die Büroräumlichkeiten in der Evangelischen Kirchengasse gezogen. Das war 2017 im Jänner. Und gleich nach den Semesterferien sind schon die Kinder gekommen. So haben wir angefangen. Wir sind eingesprungen, weil es ist schon sehr wichtig, das Projekt. Damit die Kinder die Möglichkeiten haben wie alle anderen auch: dass sie auch höhere Schulen besuchen oder einen Beruf erlernen.

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O tschave ada te schofinel kamna

Dezember 29th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Romani, dROMa (Magazin)

FARAJNISKERO DSCHENO: O Josef Schmidt la tschavengera heftlinaha „MiniMulti“ taj la „dROMaha“Ando vakeripe:

Josef Schmidt pedar i si­ka­di­pes­ke­ri buti le fa­raj­nistar Ro­ma-Ser­vice

Ando farajniskere khera andi masuni khan­gera­keri gaslina Erbate but kerdo ol. Adaj hetvi­natar dschi para­schtu­jate, o sikaji­pes­kero pomo­schago le Romen­ge­re-tscha­venge del. Sajt schtar berscha imar o „farajn Roma-Ser­vice“, pa­sche o avre akti­vi­tetscha, akan te aja buti kerel. I sika­dipes­keri buti mindig bute­der uso vodschis­kero falato le faraj­nistar ol. So ada butschol taj soske o Burgenland adaj angle hi, phu­kal o Josef Schmidt.

dROMa: Sikadipeskeri buti uso „Roma-Service“ jek bari­ka­no than and lel. Saj ak­tu­jeli pro­jekti del?
So mindig naschel, hi o sikajipeskero pomoschago. Ada butschol, o tscha­ve sako di, hevti­natar dschi pa­raschtu­jate pal i ischkola tel hulim on, use amenda ando faraj­niskero kher an. Taj akor le duj sika­ji­pes­kere meschterkijenca o butja kerde on taj te le tel­schu­ni­pes­kere but­jenge siklim ol. Use al i naphand­li­pes­keri peda­gogik, kaj mindenfelitike koji kerde on, kaj dschi­lado ol, kaj kheldo ol. Vaj pla­katscha use temtscha kerde on, save pe­kamle hi. Taj te mula­tin­tschage del, te le aun pele. Taj te le i cajt use mukla, te eknaj Roman keras, pasche o avre butja. Amen vakeras, kaj on le te schunen taj kaj le te hajon. Vaj amen andi Romani tschib dschi­lavas, andar amari dschi­lakeri kenva. Akan la Coro­na-pan­de­mijaha, sa eknaj avrijal hi.

dROMa: Sar ada ando lejcti ku­re sina?
Le lockdowniha o ischkoli papal use tschapim sina. O tschave online la isch­ko­latar pumare butja usch­tidine, jek kur­kos­kero plan le butjenca ando min­den­fe­litike falati. Taj oda iste on ar dumin­de taj iste le kise­tinde. Taj vascho­da angloplane use amen­de ale, taj akor adaj le sina, dschimeg sa kise­tinde.

dROMa: Ada butschol te o ischkoli use ule, akor use tu­men­de schaj an?
He, o ori, save on ando ischkoli iste ovnahi, akor use amen­de hi le, taj amen lenca len­gere butja keras. Ada sa adaj kerdo ol. Ada mindig mre duj ko­legkiji ke­ren. Ham te tscha­tschi­kan pomo­schago pe­kamlo hi, akor te me le tscha­venca buti kerav. Me pasche mri buti te o „inten­sivi sikaji­pes­kero pomo­schago“ kerav – hat te le tscha­venge jefkar bute­der jek pomo­schago pe­kamlo hi. Read the rest of this entry »

„Wir sind doch keine Hunde“

Dezember 17th, 2020  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

DreyecklandInterviews: Roma auf den Straßen Freiburgs

Radio Dreyeckland, 15.12.2020 (8:39 min)
→Anhören (mp3)

Im Winter ist das Leben auf der Straße hart und jeder Tag ist eine Heraus­for­de­rung. Neben mar­gi­nali­sie­renden Vor­urteilen kommt es oft auch zu un­beque­men Begeg­nungen mit den örtli­chen Auto­ritä­ten. Das freie Radio Dreyeck­land hat in Deutschland mit drei Männern aus Rumänien ge­spro­chen. Sie sind Roma und leben in der Freiburger Innen­stadt. Über sie wurde in Freiburg in dies­em Jahr immer wieder diskutiert. Hier kom­men die, die an­sonsten keine Stimme be­kommen, selber zu Wort. Im Gespräch er­zähl­ten sie uns unter ande­rem von ihrem Leben auf der Straße im Corona­winter 2020.

(Text und Sendung: rdl.de)

Podcast: Selbstbewusstsein von Sinti und Roma

Dezember 12th, 2020  |  Published in Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Falter RadioFalter Radio #436:
Das moderne Selbstbewusstsein von Sinti und Roma

Folge vom 12.12.2020

→Anhören (45 min)

Rund 12 Millionen Sinti und Roma leben in Europa. Seit vielen hun­dert Jahren sind die Volks­gruppen hier zu Hause, und den­noch werde sie weiter­hin oft an den Rand der Gesell­schaft ge­drängt. Im Okto­ber hat die EU-Kom­mission einen neuen Zehn­jahres­plan zur Unter­stützung der Roma und Sinti auf den Weg ge­bracht. Wo gibt es auf politi­scher Ebene noch Hand­lungs­bedarf? Und wel­che Rolle spielt die Sprache und die Erinnerung an den Holocaust in der mo­der­nen Iden­tität von Roma und Sinti?

Im „Falter Salon“, dem Podcast für Stadt und Kultur, kommen Mirjam Karoly vom österreichischen Volks­gruppen­beirat der Roma, Schrift­steller Samuel Mago, Sängerin Dotschy Reinhardt und Anti­ziganis­mus-For­scher Frank Reuter im Ge­spräch mit Anna Goldenberg zu Wort. Diese Episode ent­stand in Zusam­men­arbeit mit dem Verein Voice of Diversity. Read the rest of this entry »

ORF: Moša Šišic zu Gast bei „Stöckl“

November 18th, 2020  |  Published in Interview, Musik, Radio, Podcast & TV

Miša Šišic (Foto: www.mosa-sisic.at)Der Wiener Geiger Moša Šišic war in der ak­tu­el­len Aus­ga­be des ORF-Night­talks „Stöckl“ zu Gast bei Barbara Stöckl. Wei­te­re Gäste: die Ju­ris­tin und Ex-Po­li­ti­ke­rin Heide Schmidt, Ski­sprin­ge­rin Eva Pinkelnig und Ka­baret­tist Gunkl

→Nur noch kurz online verfügbar in der ORF-TVthek.

Moša Šišic (Website) entstammt einer serbischen Roma-Geiger­dy­nas­tie. Be­reits mit fünf Jahren er­lernte er von seinem Vater die ersten Takte auf der Geige, die bis heute seine gro­ße Liebe ge­blie­ben ist. Neben seinen inter­na­tio­na­len Erfolgen und Auf­tritten mit hei­mi­schen Größen wie Harri Stojka arbei­tet er auch in einem ganz boden­stän­di­gen Beruf: als Haus­meister be­treut er ein Haus in Wien-Ma­ria­hilf.

(Text: ORF)

Fackelwurfprozess: „Ein historisches Urteil“

September 29th, 2020  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Prozess in Ulm: Verurteilung wegen Vertreibung in 45 Fällen
Dreyeckland

Radio Dreyeckland, 29.9.2020 (10:37 min)
→Anhören (mp3)

Am 24.05.2019 fuhr ein dunkler Kleinwagen an dem Wiesen­gelände in Erbach-Dell­men­sin­gen in der Nähe von Ulm vorbei, wo meh­rere Familien, Roma-An­ge­hö­ri­ge, mit ihrem Wohn­wagen standen. Die In­sassen des Klein­wagens riefen anti­ziganis­tische Parolen und warfen eine bren­nende Fackel in Rich­tung des Wohn­wagens einer Fa­milie. Diese verfehlte ihr Ziel nur knapp. Die Ul­mer Polizei nahm fünf Tat­ver­däch­tige vor­läufig fest. Gegen zwei der Be­schul­digten be­stand bereits ein Haft­befehl. Ab Juli 2019 sa­ßen vier der fünf An­geklagten für zehn Mo­nate in Unter­suchungs­haft. Der fünf­te Angeklagte war zum Tat­zeit­punkt minder­jährig und saß für vier­ein­halb Wochen in Unter­su­chungs­haft. Bei den Tätern han­delt es sich um eine gewalt­bereite Grup­pie­rung, die der Fußball-Szene angehört. Alle fünf Angeklagten gaben vor Gericht an, dass sie die Personen aus Erbach-Dell­men­singen am 24.5.2019 vertreiben wollten, was ihnen auch ge­lang. Der Staats­anwalt for­derte Haftstrafen für vier der fünf An­geklagten wegen ver­suchten Mordes und ver­suchter Brand­stiftung nach dem Jugend­strafrecht. [Anm.: Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch erging das Urteil: Die Täter wur­den wegen Ver­treibung bzw. ge­mein­schaft­li­cher Nötigung in 45 Fäl­len zu bedingsten Haftstrafen verurteilt (wir berichteten).]

Radio Dreyeckland sprach mt Chana Dischereit, wis­sen­schaft­li­che Prozess­be­glei­tung, vom Verband Deut­scher Sinti und Roma, Landes­ver­band Baden-Württem­berg (Website).

(Text und Sendung: rdl.de)

Roma-Politik: EU braucht neuen Ansatz

September 21st, 2020  |  Published in Interview, Politik, Rassismus & Menschenrechte

MEP Franz im EU-Parlament in Straßburg, 2018 (Videostill: Europ. Parlament)Romeo Franz: Die EU-Politik gegen Anti­zi­ga­nis­mus muss sich grund­le­gend än­dern


Fast 30 Prozent der Deutschen he­gen Vor­ur­teile gegen Sinti und Roma. Mit diesen Zah­len aus der Mitte-Stu­die der Fried­rich-Ebert-Stif­tung steht Deutsch­land aller­dings nicht al­lein. In ganz Europa gras­siert, auch mit Blick auf die Co­vid-19-Pan­de­mie, Anti­ziganis­mus. Ein Bericht aus dem EU-Par­la­ment for­dert jetzt eine Neu­aus­richtung im Kampf gegen Vorurteile und Diskriminierung von Menschen mit Romani-Hintergrund.

Von Stefan Lauer/Belltower.News

Romeo Franz sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Europaparlament in Brüssel. Franz ist deutscher Sinto und der zuständige Berichterstatter des EU-Parlaments. Sein Bericht befasst sich mit den Bemühungen der letzten zehn Jahre und stellt ihnen kein gutes Zeugnis aus. Es ist ein Rückblick auf den „Europäischen Rahmen für nationale Roma-Integrationsstrategien“ und gleichzeitig eine Empfehlung für eine neue Rahmenstrategie der Staatengemeinschaft gegen Antiziganismus. Der Rechtsausschuss des Parlaments hat die Empfehlungen für die neue Strategie mit großer Mehrheit verabschiedet.

Ein Problem des bisherigen Vorgehens zeigt sich schon in der Sprache. „Vom Begriff ‚Integration‘ habe ich mich nicht an­ge­sprochen ge­fühlt. Meine Familie lebt seit 600 Jahren in Deutschland“, be­rich­tet Romeo Franz. Er for­dert, dass von Inklusion statt von Integra­tion ge­sprochen wird. Und dass die Heterogenität von Men­schen mit Roma­ni-Hin­ter­grund end­lich wahr­ge­nommen wird. Read the rest of this entry »

Positive Bilder schaffen: RomAnity.de

August 5th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV

Radoslav GanevNeues Projekt RomAnity.de in München: Sinti und Roma in ih­rem All­tag ken­nen­lernen

Radio LORA München, 29.7.2020
→Anhören, 58:02 min (mp3)

In dem Interview stellt Radoslav Ganev, stell­ver­tre­ten­der Leiter einer Sozial­sta­tion in München und Ini­tia­tor des Pro­jek­tes, die Ziele von RomAnity.de vor, u.a.: Vor­urteile abbauen; Kunst- und Kultur­schaf­fende so­wie andere groß­artige Per­sön­lich­keiten vor­stellen; Ein­blicke in die Lebens- und Gedan­ken­welt von Sinti und Roma ge­währen; po­siti­ve Bilder schaffen.

Er erzählt, wie er als 8-jähriger Bulgare ohne jede Sprach­kennt­nisse in einer deutschen Klasse saß. Wie aus ihm, einem Haupt­schüler, dem die Lehrer von der Real­schule ab­geraten haben, ein studier­ter Politologe ge­worden ist. Von per­sönli­chen Dis­krimi­nie­rungs­erfah­run­gen und wie er­schrocken er war, als er in einem Kinderbuch, das er seinem Kind vor­lesen wollte, die ver­zerrte ne­gative Dar­stel­lung von ‚Zigeunern‘ als Gauner und Be­trüger vor­fand.

Im Interview wird DROM, eine Beratungs­ein­rich­tung der Berufs­bezo­ge­nen Jugend­hilfe in München er­wähnt. Read the rest of this entry »

Romani Rose über das Berliner Denkmal

Juli 18th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Deutschland: Berliner S-Bahn-Bau­plä­ne ge­fähr­den Denk­mal für er­mor­det­e Sinti und Roma – Ra­dio Corax sprach da­rü­ber mit Ro­ma­ni Rose

Radio Corax (Halle), Sendung vom 13.7.2020
16:28 min, 16 MB, →Anhören (mp3)

Im Berliner Tiergarten befindet sich das Denk­mal für die im Natio­nal­sozialis­mus er­morde­ten Sinti und Roma Euro­pas. Bis zu 500.000 Men­schen wurden im Roma-Holo­caust der Natio­nal­sozialis­ten er­mor­det. Ihrer soll durch das Denkmal des israeli­schen Künst­lers Dani Karavan ge­dacht wer­den. Zu diesem ge­hört ein schwar­zes Dreieck in­mitten einer runden Wasser­fläche; auf die­sem schwarzen Dreieck sind Blumen zu se­hen. Zudem gibt es eine Video­instal­la­tion, die auch über den Massen­mord an Sinti und Roma infor­miert. Seit 2012 be­findet sich dieses Denkmal an zentra­ler Stelle – nach langen Aus­einander­set­zun­gen. Nun ist es wieder in sei­ner Existenz bedroht. Read the rest of this entry »

Radio Corax: Antiziganismus in Ungarn

Juli 16th, 2020  |  Published in Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Magdalena Marsovszky (Foto: Academia.edu)Antiziganismus in Ungarn: Staatliche Schikane und struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung – Radio Corax im Ge­spräch mit der Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Mag­da­le­na Marsovsky

Radio Corax (Halle), Sendung vom 10.7.2020
11:37 min, 15 MB, →Anhören (mp3)

Antiziganismus, der strukturelle Hass und die strukturelle Dis­krimi­nie­rung von Sinti und Roma, nimmt in ganz Europa zu. In Ungarn, wo Romnja und Roma seit Jahr­hun­der­ten leben, ist der Anti­ziga­nis­mus einer­seits ein kultu­rel­les Erbe, das nicht „auf­ge­arbei­tet“ wurde. Ande­rer­seits wird er seit 2010 von der Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Viktor Orbán stark be­feuert. Die struk­turel­le Dis­kriminie­rung der Romnja und Roma wird dabei ver­schärft durch die so ge­nannte „Roma-Stra­tegie“ der Re­gierung aus dem Jahr 2011. Read the rest of this entry »

Burgenland: Rudolf Siderits ando vakeripe

Juli 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Rudolf Siderits ando vakeripe le Emmerich Gärtner-Hor­vathiha
O Rudolf Siderits 1948 ande St. Michael ande Burgenland up­ro them alo. Pri isch­kola­keri cajt Schtegate ki­se­tintscha. An­de les­keri isch­kola­keri klas te Roma­ne tschave sina, save te paj­tasch­tscha lestar ule. Ando vake­ripe le Emme­rich Gärt­ner-Hor­vathi­ha phu­kal ov pedar kerip­tscha le Ro­mendar, saven­ca ov pe meg mindig igen sora­le donde be­scharel.

Rudolf Siderits im Gespräch mit Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath
Herr Rudolf Siderits ist 1948 in St. Michael im Burgenland ge­bo­ren. Seine Schulzeit ver­brach­te er in Stegersbach. In sei­ner Schul­kasse wa­ren auch Roma-Kinder, un­ter denen er auch Freun­de hatte. Im Ge­spräch mit Emmerich Gärtner-Horvath er­zählt er über Ge­scheh­nisse mit Roma, die ihn jetzt noch im­mer sehr be­schäftigen.

Roma in Berlin und das Corona-Stigma

Juni 30th, 2020  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

rbb/Inforadio über Roma in DeutschlandSeit dem Ausbruch der Corona-Pandemie be­ob­ach­ten Roma-Or­gani­satio­nen eine wach­sende Zahl von Dis­kri­minie­run­gen gegen­über Sinti und Roma. Ein Bei­spiel ist der Um­gang mit In­fektio­nen in einem Wohn­block in Ber­lin-Neukölln.

Violeta Balog und Georgi Ivanov vom Verein Amaro Foro spre­chen über Kli­schees und wie Roma in Berlin le­ben.

→Anhören: www.inforadio.de

„Wir sind da, wir gehören dazu“

April 27th, 2020  |  Published in Film & Theater, Interview, Rassismus & Menschenrechte

Filmstill Hessen: Film zur Alltagsdiskriminierung

Der Landesverband der deutschen Sinti und Roma in Hessen hat einen Film zur All­tags­dis­kri­mi­nie­rung er­stel­len las­sen. Für den Film wur­den An­ge­hö­ri­ge der Minderheit im Alter zwi­schen 12 und 50 Jah­ren in Hessen zu ihren Er­fah­run­gen mit Ausgrenzung und Antiziganismus in­ter­viewt. Der Lan­des­ver­band wird den Film für seine Bil­dungs- und Auf­klä­rungs­arbeit u. a. an Schulen in der Zu­kunft nut­zen. Hier kann der Film be­trach­tet wer­den: →zum Video (17:43 min)

(Text und Video: sinti-roma-hessen.de)

Corona: Stigmatisierung und humanitäre Krise

April 22nd, 2020  |  Published in Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Herbert Heuss, Wissenschaftlicher Leiter des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma (Foto: minderheitensekretariat.de)Drohende humanitäre Krise durch Corona-Maß­nah­men – Ge­spräch zur Si­tu­a­ti­on von Roma in Süd­ost- und Mit­tel­eu­ro­pa mit Herbert Heuß

Radio Corax (Halle), Sendung vom 31.3.2020
13:22 min, 16 MB, →Anhören (mp3)

Stigmatisierung von Sinti und Roma ist ein Problem das in ganz Europa prä­sent ist. In der ak­tu­el­len Coro­na-Pan­demie wird das wieder be­son­ders deutlich. Minder­heiten sind jetzt ein leich­tes Ziel für Schuld­zu­weisun­gen und Angriffe durch Rechte und andere Men­schen­feinde. Davon sind auch Sinti und Roma in Europa betroffen. So wur­den in Bulgarien in drei Städten gan­ze Stadtviertel ab­ge­rie­gelt. Be­gründet wird das mit der an­geb­lichen Miss­achtung von Aus­gangs­be­schrän­kungen. Gleich­zeitig bedrohen die Maß­nahmen gegen Corona die wirt­schaft­li­che Existenz vieler Roma in Bul­garien. Maß­nahmen gegen eine dro­hende huma­nitäre Krise gibt es da­gegen nicht. Über die Stigmati­sie­rung von Sinti und Roma in Zeiten von Corona spra­chen wir mit Herbert Heuß. Read the rest of this entry »

Riem Spielhaus über Roma in Schulbüchern

März 24th, 2020  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

In alten Schulbüchern fallen rassistische und stereotype Darstellungen leichter auf - aber auch heutige Schulbücher reproduzieren sie. (Quelle: flickr.com/Nina Stössinger via rdl.de)Darstellung von Roma in Schulbüchern: Die größte euro­pä­i­sche Min­der­heit ist im Schul­un­ter­richt eine Un­be­kannte

Radio Dreyeckland, Morgenradio, 23.3.2020
→Anhören, 8.05 Min. (mp3)

Rassistisches Denken ist sehr oft mit Stereotypen ver­knüpft. Erste Stereo­type lernen wir be­reits in der Schule, in unse­ren Schul­büchern. Riem Spielhaus ist Pro­fes­so­rin für Islam­wissen­schaft an der Univer­si­tät Göttingen. Au­ßer­dem leitet sie die Abtei­lung „Wissen im Um­bruch“ des „Ge­org-Eckert-Insti­tuts für in­ter­na­tio­na­le Schul­buch­forschung“ (Link). Sie hat sich an­geschaut, wie Roma in euro­päi­schen Schulbüchern dar­ge­stellt werden. Sie sind die größ­te euro­päische Minder­heit; rund 10 bis 12 Millio­nen leben nach Schätzun­gen des Europa­rats in Europa. In Schul­büchern kom­men sie trotz­dem kaum vor. Die Geschichts-, Politik- und Sozial­kun­de­bücher in 21 euro­päi­schen Ländern er­wäh­nen Roma nur rund 800 Mal. Demo­graphi­sche Daten und ihre Ver­folgung zu Zeiten des National­sozia­lis­mus stünden dann im Vor­der­grund. Als Einzel­personen mit Namen und indivi­duel­lem Lebens­verlauf ler­nen Schü­ler/in­nen sie hin­gegen kaum ken­nen, sagte Riem Spielhaus im Inter­view mit Isabel.

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„Das bereitet den Boden für Antiziganismus“

September 30th, 2019  |  Published in Interview, Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

junge WeltDiskriminierung ja, Volksverhetzung nein: Münch­ner Ur­teil zu NPD-Pla­kat sorgt für Em­pörung. Ge­spräch mit Herbert Heuß

Interview: Kristian Stemmler
Aus: junge Welt, Ausgabe vom 21.09.2019, S. 8

Am 19. September wies das Münchner Verwaltungsgericht eine Klage des Zentral­rats Deut­scher Sin­ti und Ro­ma ge­gen die Stadt Ingolstadt ab. Worum ging es dabei?
Seit Jahren plakatiert die NPD bei Bundes- wie bei Landtags­wahlen den Spruch »Geld für die Oma statt für Sinti und Roma«. Da­hin­ter steht die Aus­gren­zung von Sinti und Roma, de­nen nicht zu­ste­hen soll, was anderen Deutschen zu­steht. Im­mer wie­der wur­den wir vom Zentralrat kon­tak­tiert, weil in den Städten und Ge­mein­den diese Plakate aus­hin­gen – mit der Folge, dass Schul­kinder von ihren Klas­sen­kame­ra­den damit kon­fron­tiert wur­den. Diese Form von all­täg­li­cher Dis­krimi­nie­rung ist in keiner Weise ak­zep­tabel, ver­stößt gegen gel­ten­des Recht und be­rei­tet den Boden für gewalt­berei­ten Anti­ziga­nis­mus. Das Münchner Gericht urteilte nun aber, dass der Tat­bestand der Volks­ver­hetzung nicht ge­geben sei.

Ein Gutachten der Würzburger Völkerrechtlerin Stefanie Schmahl im Auf­trag des Bun­des­justiz­ministe­ri­ums hatte schon 2015 er­geben, dass der­artige »fremden­feind­liche Wahl­plakate« die öf­fent­liche Sicher­heit und Ord­nung ge­fähr­den und ab­ge­hängt wer­den müssen. Wie ar­gu­men­tierte die Juristin?
Ihr entscheidendes Argument ist, dass die Gerichte nur auf Volksverhet­zung ab­he­ben, aber alle ande­ren rechtlichen Gründe voll­stän­dig igno­rie­ren. Es gibt eine Reihe inter­natio­naler Ab­kom­men, die in Deutschland im Rang eines Bundes­gesetzes ste­hen. Ein Bei­spiel ist das »Inter­natio­nale Über­ein­kommen zur Be­seiti­gung jeder Form von Rassen­dis­krimi­nie­rung« der Ver­einten Nationen, auf das man sich für ein Vor­gehen gegen rassis­tische Wahl­werbung be­rufen kann. Diese men­schen­recht­lichen Über­ein­kom­men wurden von den Gerichten, auch jetzt wieder vom Münch­ner Ver­waltungs­gericht, aber nicht heran­ge­zogen – obwohl sich der Zentralrat be­reits in seiner Klage­schrift aus­drück­lich und um­fang­reich auf das Gutachten be­zogen hatte. Read the rest of this entry »

Sinti in der Frühen Neuzeit

September 23rd, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Ausstellung in Heidelberg (Foto: Dokumentationszentrum)Radio Corax | Sendung vom 11.9.2019
12:44 min | 18 MB | →Anhören (mp3)

„Sinti in der Frühen Neuzeit – Akzeptanz, Dissens und Kooperation“, so heißt eine Ausstellung, die die sechs­hun­dert­jäh­rige Prä­senz der Sinti in Deutschland be­leuch­tet. Lange Zeit wur­den selbst in der Fach­literatur vor allem Stereo­type über diese Periode tra­diert, nicht aber ein Wissen über die viel­fäl­ti­gen Lebens­reali­tä­ten der Sinti. Genau davon zu er­zählen macht sich die Sonder­aus­stel­lung in Heidelberg zur Auf­gabe. Eine Füh­rung durch die Aus­stel­lung mit Jan Kreutz und André Raatzsch, die am Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum der deut­schen Sinti und Roma tä­tig sind.

Sonderausstellung: Sinti in der Frühen Neuzeit
9. Juli 2019 bis 18. November 2019
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Bremeneckgasse 2, 69117 Heidelberg (mehr hier)

(Text: www.freie-radios.net)

Radio Blau: Die Lage von Sinti und Roma

Juni 30th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Podiumsgespräch in Leipzig (Foto: Erich-Zeigner-Haus)Die gesellschaftspolitische Lage von Sinti und Roma in Deutschland und Europa

Erich-Zeigner-Haus, Leipzig
RadioBlau, Sendung vom 24.6.2019
→Anhören mp3 (1:09:42 h, 140 MB)

Wir hören einen Mitschnitt des Gesprächs zur gesell­schafts­poli­ti­schen Lage von Sinti und Roma in Deutsch­land und Eu­ro­pa vom 12. Ju­ni 2019. Ge­sprächs­part­nerin­nen sind Anja Reuss (vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Petra Čagalj Sejdi (vom Verein Romano Sumnal e.V.); Mo­de­ra­tion: Gloria Pfister (Erich-Zeig­ner-Haus e.V.).

Das Gespräch hat Einblicke in aktuelle gesellschafts­poli­ti­sche The­men von Sinti und Roma ge­währt. Dabei wur­den EU-Richt­linien und Maß­nah­men, die die Minder­heit be­tref­fen, als auch Aus­wir­kun­gen des Anti­ziganis­mus und daraus re­sul­tie­rende Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen dis­ku­tiert. Darüber hinaus wur­de die Frage ge­stellt, wie anti­ziga­nis­ti­sche Struk­tu­ren auf politi­scher und gesell­schaft­li­cher Ebene be­kämpft wer­den kön­nen.

Sinti und Roma wurden in Deutschland 1996 als Minder­heit an­erkannt. Die deut­sche Gesell­schaft setzte sich über Jahr­zehnte nicht mit den Ver­brechen der National­sozia­lis­ten an Sinti und Roma aus­einan­der. Erst mit der ver­stärk­ten Bürger­rechts­arbeit von Sinti und Roma in der Bundes­republik seit den 1970er Jah­ren wurde die feh­lende Auf­arbei­tung der NS-Ver­bre­chen an Sinti und Roma Thema.

„Antiziganismus“ ist weder in Deutschland noch in Euro­pa ein Phä­no­men am „rechten Rand“, son­dern zieht sich durch alle ge­sell­schaft­li­chen Schich­ten und ist eine Form von Rassis­mus, die eine breite Ak­zep­tanz in der Bevöl­ke­rung er­fährt. Read the rest of this entry »