Neuer Podcast: Romatopia
Januar 14th, 2021 | Published in Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV
Romatopia – Roma talk about their Utopia for Europe
Romatopia ist ein neuer Podcast, in dem Roma und Sinti aus zwölf Ländern in zwölf Episoden über ihr Leben und ihre Utopie für Europa sprechen. Künstler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen im Gespräch mit den Gastgeber*innen Wiliam Bila und Isabel Raabe.
Sinti und Roma sind die größte Minderheit Europas und bilden, verteilt auf alle europäischen Länder, eine transnationale Gemeinschaft, deren Kultur eng mit der europäischen Kulturgeschichte verwoben ist. Ihre kulturellen Errungenschaften und ihre Resilienz sind in den Mehrheitsgesellschaften Europas oft unbekannt.
Die Idee für den Podcast „Romatopia – Roma talk about their Utopia for Europe“ entstand während der Corona-Pandemie, die derzeit die europäische Einheit und Solidarität herausfordert. In Krisenzeiten sucht die Gesellschaft schnell nach einem Schuldigen und oft sind dies die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft. Und so trifft die Pandemie, wieder einmal, Roma und Sinti hart. Dabei können die Mehrheitsgesellschaften gerade in Sachen Solidarität und Wertekonsens bei gleichzeitiger Vielfalt und Diversität einiges lernen. Roma und Sinti können in dieser Hinsicht als Avantgarde und Vorbilder angesehen werden.
Romatopia präsentiert Roma und Sinti als Vorbilder für die „Idee Europa“, nicht als Problem. Die Hörer*innen erfahren über Zusammenhalt, über soziale Durchlässigkeit, über kulturellen Reichtum und über transnationale Einheit trotz nationaler Besonderheiten. Sie hören inspirierende Ideen und Zukunftsszenarien für Europa. Es kommen starke Persönlichkeiten zu Wort, deren Lebens- und Erfolgsgeschichten Gegenerzählungen zu den beständigen antiziganistischen Zuschreibungen darstellen. Der Podcast vermittelt Wissen, Geschichten und Erfahrungen von Roma-Gemeinschaften aus ganz Europa. Geschichten über lokale Besonderheiten, persönliche Erfahrungen und traditionelles Wissen formen eine transnationale Erzählung, die einen anderen Blick auf das Europa von morgen aus der Perspektive der größten Minderheit Europas zeigt.
Der in Paris lebende Aktivist William Bila, selbst Rom, und die Berliner Kuratorin Isabel Raabe sprechen in diesem Podcast mit Roma und Sinti aus zwölf Ländern. Vor deren beruflichen und nationalen Hintergrund präsentieren die Gäste ihre Lebensrealitäten und ihre Utopien. Unter anderem erzählt der Künstler und Kurator Daniel Baker (UK) über Roma als europäische Avantgarde und über die Ausstellung „FutuRoma“, die er für den Roma-Pavillon auf der Biennale Venedig 2019 kuratiert hat. Die Soziologin und Feministin Ethel Brooks (USA) spricht von den starken Frauen in ihrer Familie, vom Holocaust an den Sinti und Roma und dem innovativen Potential der Roma-Communities. Die Künstlerin Selma Selman (Bosnien-Herzegowina) erklärt, wie sie mit ihrer Kunst Widerstand leistet und von Miguel Angel Vargas (Spanien) lernen die Hörer*innen, wie bereits im 18. Jahrhundert der „Gitanismo“ eine Mode wurde und wie der von den Gitanos (spanische Roma) geprägte Flamenco zur spanischen Nationalkultur wird.
Der Podcast ist als persönliches Gesprächsformat mit einer Länge von ein bis eineinhalb Stunden konzipiert. Die Gespräche werden überwiegend auf Englisch, vereinzelt auf Deutsch geführt. Das Gespräch entwickelt sich entlang biographischer Stationen und privater und beruflicher Wegmarken und lässt Raum für überraschende Anekdoten einerseits, fundierte (Selbst-)Reflexion andererseits. Dabei werden durch die beiden Hosts immer die Perspektiven von Angehörigem der Mehrheitsgesellschaft einerseits und der Minderheit der Roma und Sinti andererseits wechselseitig aufeinander bezogen. Begleitet wird diese Suche nach dem utopischen Potenzial durch (Gedanken-)Spiele und kleine überraschende Aufgaben, die den Gast immer wieder aus der Reserve locken.
Der Podcast ist zu hören auf: →romatopia-podcast.podigee.io
Oder auf Apple Podcast, Spotify und Deezer.
Die 12 Folgen der ersten Staffel:
1. Daniel Baker, Künstler, Kurator, Kunstwissenschaftler (UK) – veröffentlicht
2. Ethel Brooks, Soziologin, Gender Studies (USA) – veröffentlicht
3. Zeljko Jovanovic, Open Society Foundation (Serbien/Deutschland) – veröffentlicht
4. Kefaet and Selamet Prizreni, Hip-Hop Musiker (Kosovo/Deutschland) – veröffentlicht
5. Selma Selman, Künstlerin (Bosnien Herzegowina)
6. Miguel Angel Vargas, Kunsthistoriker, Schauspieler (Spanien)
7. Nicoleta Bitu, Aktivistin (Rumänien)
8. Timea Junghaus, Kunsthistorikerin, Direktorin des European Roma Institute for Arts and Cultures (Ungarn/Deutschland)
9. Sandra and Simonida Selimovic, Schauspielerinnen (Österreich)
10. Lindy Larsson, Schauspieler und Sänger (Schweden)
11. Saimir Mile, Aktivist, Linguist (Albanien/Frankreich)
12. Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Deutschland)
(Text: Isabel Raabe)