Geschichte & Gedenken

Holocaust-Gedenken in Murska Sobota

August 8th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 7.8.2023 | 10:04 min

Murska Sobota le Romengere holocaustiske gon­do­li­nel

O dujto august hi jek brigaschno di le Romenge taj themes­kera histori­jake. Andi rat andar o 2. upro 3. august 1944 o nacis bute­der sar 4000 eseri Romen taj Sintijen ando logeri Auschwitz mur­darde. Ando kesdipe le ber­schestar 1943 valami 23.000 Roma taj Sinti odoj orde ande ule taj min­den­felitike medecinischi eks­peri­mentscha lenca kerde ule.

In Murska Sobota in Slowenien wurde des Roma-Ho­lo­causts ge­dacht. Im Rahmen der Gedenk­feier am 3. August wurde die Doku­men­tation über den Völker­mord „Mri Histo­rija Le­bens­­geschich­ten burgen­ländischer Roma“ vom Vor­sitzen­den des Volks­gruppen­beirats der öster­reichi­schen Roma Emmerich Gärt­ner-Hor­vath (Verein Roma-Service) vor­gestellt. Danach wurde ein Kranz an einer Gedenk­tafel an der ehemaligen Wirt­schaftsschule niedergelegt.

Der 2. August ist einer der schicksalhaftes­ten Termine in der Roma- und Welt­ge­schichte. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 ermor­deten die Nazis mehr als 4.000 Roma und Sinti im Kon­zentra­tions­lager Auschwitz, wohin seit Anfang 1943 rund 23.000 Roma und Sinti gebracht und zum Teil ver­schie­denen medizi­nischen Ex­perimenten unter­zogen wurden. Im heuti­gen Slowenien wur­den Roma von den Nazis und den italienischen Be­satzungs­behörden in Kon­zentra­tions­lager geschickt, wäh­rend die ungarischen Besatzer sie auch zur Zwangsarbeit schickten. Read the rest of this entry »

2. August: Gedenkfeier in Oberwart

August 8th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 7.8.2023 | 15:00 min

Ando 2. august o europitiko Holocaust di le Romenge taj Sintijenge ando naci­jonal­soci­ja­lis­mus pal gondo­linel – valami 4000 eseri andi phendi „Zigeunernacht“ ando gasis­kere khera ando logeri Auschwitz-Bir­kenau mur­darde ule. Ando ar le je­neristar 2023 o 2. august andi Austrija le naci­jo­nal­rotistar ojs nacijonali gon­doli­peskero di aun prin­dschardo ulo.

Am 2. August erinnert der Europäische Holocaust-Ge­denktag für Sinti und Roma, der seit 2015 began­gen wird, an die Ermor­dung von rund 500.000 Roma und Sinti im Natio­nal­sozia­lis­mus – über 4.000 davon wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 in der so­ge­nann­ten „Zigeuner­nacht“ in den Gas­kammern des Kon­zentra­tions­lagers Ausch­witz-Bir­kenau er­mordet. Ende Jänner 2023 wurde der 2. August auch in Österreich vom Na­tional­rat ein­stim­mig als natio­na­ler Gedenk­tag an­erkannt.

Erstmals lud die Roma­pastoral Diözese Eisenstadt in Ko­opera­tion mit dem Verein Hango Roma, Verein Roma-Service und der Roma-Volks­hoch­schule Burgenland am 2. August in den Stadt­garten Oberwart zur Gedenk­feier ein. Musika­lisch umrahmt wurde die Gedenk­feier von der Leon Berger Band. Read the rest of this entry »

Salzburger Mahnmal wird wiederhergestellt

August 7th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken

Noch ist es zerstört .. aber ab Mittwoch wird das Mahnmal der Roma und Sinti wieder die Passant:innen erinnern (© Info-Z/SchratteneckerSchwer beschädigtes Roma-und Sinti-Mahnmal wird am Mittwoch wieder aufgestellt

Schwer beschädigt ist im Februar 2023 das Mahnmal für jene Roma und Sinti worden, die von den National­sozialis­ten im nahen Sammel­lager Maxglan zu­sammen­gepfercht und später ermordet wurden (wir be­rich­te­ten: NS-Mahnmal in Salzburg geschändet). Am Mitt­woch, dem 9. August, wird es vom Hoch­bau­amt der Stadt Salzburg, nach einer um­fassen­den Restau­rierung durch den Künstler Zoltan Pap um 9 Uhr wieder auf­gestellt. Das Mahnmal be­findet sich am Schwar­zgraben­weg an der Glan, genau an jenem Ort an dem hun­derte Roma und Sinti zu Zwangsarbeit ge­trieben und ein­gesperrt wurden.

Read the rest of this entry »

2. August: Erstmals Gedenkfeier in Oberwart

August 2nd, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gedenktag für die ermordeten Roma und Romnja am 2. August: erstmals Gedenkfeier in Oberwart

2. August 2023, Beginn: 18.00 Uhr
Stadtgarten Oberwart

Das Europäische Parlament erklärte im Jahr 2015 den 2. August zum inter­natio­nalen Tag des Geden­kens an den Völker­mord an Roma und Sinti. Ende Jänner 2023 wurde dieser nun auch in Österreich vom National­rat ein­stim­mig als nationa­ler Gedenktag an­erkannt. Der traurige Anlass für diesen Gedenkt­ag ist, dass in der Nacht vom 2. auf 3. August 1944 mehr als 4.000 Roma und Sinti in den Gas­kammern des Ver­nich­tungs­lagers Auschwitz-Bir­kenau ermordet wur­den. Wir geden­ken an diesem Tag der im Holocaust er­mor­deten 500.000 Roma und Sinti.

Manuela Horvath, Leiterin der Romapastoral, Emmerich Gärtner-Horvath, Vor­sitzender des Volks­gruppen­beirates der Roma, und jugend­liche Volks­gruppen­an­gehörige werden neben der Haupt­red­nerin, Rosa Taubmann, Über­leben­de des Lagers Lackenbachs, zu Wort kommen. Landtagspräsidentin Verena Dunst, Ab­ge­ord­neter zum Natio­nal­rat Nikolaus Berlakovich sowie Bürger­meister Georg Rosner sind als Redner*in geladen. Musi­kalisch um­rahmt wird die Gedenk­feier von der Leon Berger Band. Nach dem öku­meni­schen Gebet mit Pfarrerin Sieglinde Pfänder, Pfarrer Richárd Kádas und Pfarrer Matthias Platzer folgt eine Kranz­nieder­legung. An­schlie­ßend laden wir zur Agape.

Eine Veranstaltung der Romapastoral Diözese Eisenstadt in Ko­opera­tion mit dem Verein HANGO ROMA, Verein Roma-Service und der Roma Volks­hoch­schule Burgenland.

Bei Schlechtwetter findet die Veranstaltung im Kontaktzentrum statt (Steinaman­gerer­str. 13).

Read the rest of this entry »

„(K)Ein Platz für Gedenken“ (2021)

Juli 4th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Universität WienMarcus Wagner (2021): „(K)Ein Platz für Gedenken“. Vergessene Orte in den Ort­schaf­ten des Burgen­landes – kriti­sches Hinter­fragen der Er­inne­rungs­kultur an er­mor­de­ten Rom*nja

Diplomarbeit, Universität Wien (Historisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 114 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Die vorliegende Arbeit widmet sich der Gedächtnis- und Gedenk­kultur für die ver­triebe­nen und ermor­deten Rom*nja im Burgen­land. Sie zeigt auf, dass die Ver­folgung und Ermor­dung der Rom*nja im Burgenland wäh­rend der Nazi­herrschaft im kollektiven Gedächtnis der Bur­gen­län­der*in­nen wenig ver­ankert sind. Die verfolgten und er­mordeten Rom*nja werden erst lang­sam ins Opfer­kollektiv des Landes auf­ge­nommen. Ein kurzer Abriss über die Geschichte der Rom*nja im Burgen­land und die Situa­­tion der Volksgruppe in der Zweiten Republik bilden den Rahmen der Arbeit. Wei­ters wird auf­ge­zeigt, wie der öffent­lich-gesell­schaft­li­che Umgang mit der national­sozialis­ti­schen Ver­gangen­heit des Burgen­landes das Leben der Rom*nja im Burgenland nach 1945 be­ein­flusste und er­schwerte. Die jahre­lange Nicht­kon­fron­ta­tion bzw. das Ver­schweigen der Mit­schuld der Bur­gen­län­der*in­nen an den Verbrechen gegen die Rom*nja spiegelt sich in der Erin­nerungs­politik des Burgen­landes wider. Die proble­ma­tische politische Bereitschaft für die Auf­arbeitung dieser Ver­brechen zeigt sich auch in der burgen­ländi­schen Denkmal­landschaft. Bis Ende der 1980er Jahre waren die Rom*nja in der burgen­ländi­schen Denk­mal­land­schaft nicht präsent. Erst mit der An­er­ken­nung der Rom*nja als Volksgruppe kam Be­wegung in die Gedenk­kultur. Auf Initia­tiven von ver­schiede­nen Ro­ma-Vereinen, Privat­personen und kirch­lichen Vertretern ent­standen erste Denkmäler und Er­innerungs­stätten für die ermordeten Rom*nja. Read the rest of this entry »

Holocaust-Autobiografien von Roma (2020)

Juni 29th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Universität WienKatrin Kühnert (2020): Holocaust-Autobiografien von Roma. Dar­stel­lungs­formen der Ver­fol­gung und Ver­nich­tung wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lismus

Masterarbeit, Universität Wien (Philologisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 108 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Der Holocaust spielt als geteilte Leidenserfahrung nicht nur für die kollek­tive Gruppen­identität der Roma eine be­deutende Rolle, son­dern ist auch bis heute das dominie­rende Thema ihres Schreibens. Die Literatur dieser größten eth­nischen Minder­heit Europas ist dabei häufig auto­biografisch be­ein­flusst, im deutsch­sprachigen Raum stellt die Autobiografie gar die dominie­rende Äußerungs­form dar. Während Juden und Jüdinnen bereits während des NS-Massen­mordes beginnen, ihre Ver­folgungs­erfah­run­gen auf­zu­zeichnen und somit beim späteren Schreib­beginn der Roma schon etablierte Standards be­stehen, folgt ihr Erzählen diesen nicht durch­gängig, sondern es ent­steht ein eigenes Narrativ, über den NS-Genozid zu berichten. Die vor­liegende Arbeit identi­fiziert mittels qualitativer Text­analyse typolo­gische Analo­gien auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene in fünf Auto­biografien von Holocaust-Über­le­ben­den. Der Textkorpus setzt sich aus Ilona Lackovás A false dawn (1997, Slowa­kei/Tsche­chien), Otto Rosenbergs Das Brennglas (1998, Deutsch­land), Mongo Stojkas Papierene Kinder (2000, Österreich), Edward Dębickis Totenvogel (2004, Polen) und Zoni Weisz’ Der vergessene Holocaust (2016, Niederlande) zu­sammen. Read the rest of this entry »

Visuelle Dimensionen des Antiziganismus (2021)

Juni 22nd, 2023  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Buchcover: Visuelle Dimensionen des AntiziganismusFrank Reuter, Daniela Gress, Radmila Mladenova (Hrsg.): Visuelle Dimensionen des Anti­ziganis­mus. (= Anti­ziga­nis­mus­forschung inter­dis­zipli­när – Schriften­reihe der For­schungs­stelle Anti­ziga­nis­mus, Band 2), Heidel­berg Uni­versity Pub­lishing: Hei­del­berg 2021.

→Zum Download

Visuelle Medien spielen seit der Frühen Neuzeit eine Schlüssel­rolle für die Genese des Anti­ziganis­mus. Der inter­disziplinär an­gelegte Sammelband unter­sucht die zentralen Motive und Seman­tiken von „Zigeuner“-Bil­dern in unter­schied­lichen Re­präsen­tations­formen wie Literatur, bilden­der Kunst, Fotografie, Postkarten, Oper, Theater, Comic, Film oder Com­puter­spielen. Dabei werden ins­beson­dere Ver­bindungs­linien und Wech­sel­bezie­hungen in den Blick ge­nommen. Die Beiträge legen die in­haltlichen, zeitlichen, geo­grafi­schen und medien­spezi­fischen Aus­prä­gungen eines der wirk­mäch­tigs­ten Stereotype in der europäi­schen Kultur­geschichte frei. Bis heute haben anti­ziganis­tische Imaginatio­nen negativen Einfluss auf die Positio­nierung von Sinti und Roma in den euro­päischen Ge­sellschaften.

Read the rest of this entry »

Facts & Figures (469)

Juni 1st, 2023  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Ein archäol. Skelett­fund aus Nor­wich (10./11. Jh.) weist eine nur bei Roma vor­kom­men­de ge­ne­ti­sche Ei­­gen­heit auf − 500 Jah­re vor de­r do­ku­men­tier­ten An­kunft von Ro­ma in Eng­land.

(Quelle)

Gondolipe – Gedenken – Holzschlag

Mai 31st, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 30.5.2023 | 5:53 min

Suboton 27. maj 2023, o gondolipeskero bar le Romemge, save le NS-re­schi­mistar tradim taj mur­dar­de ule, ando teme­tischi Holz­schlag tel utschar­do ulo.

Holzschlag, jek thaneskero falato la gemajn­datatar Unter­kohl­stätten (becirk Erba) hi. Anglo dujto haburi, 600 dschene andi ge­majnde dschivnahi, lendar bu­teder sar 300 Roma sina. Andi NS-cajt bojd o cile lendar ledschim taj mur­darde ule. Trin bare Romen­gere sid­lung­tscha ande Holzschlag anglo haburi delahi. On avrutnon le gavestar upri rik mero vesch sina. O nevo gon­do­li­pes­kero bar ando teme­tischi Holzschlag, akan upro Roma pal te gon­do­no­linel.

Enthüllung und Einweihung des neuen Gedenksteins in Geden­ken an die Roma und Rom­nija aus Holz­schlag, die wäh­rend des NS-Ter­ror­re­gimes er­mordet wurden

Holzschlag ist ein Ortsteil der Gemeinde Unterkohlstätten (Bezirk Oberwart). Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in der 600-Ein­woh­ner-Ge­mein­de mehr als 300 Rom­nija und Roma. In der NS-Zeit wurden die meisten depor­tiert und ermordet. In Holz­schlag gab es drei große Roma-Sied­lungen. Sie alle lagen außer­halb des Ortes am Waldrand. Der neue Gedenk­stein in Holzschlag soll nun die Roma erinnern.

(Beitrag: TV Erba)

15. Barankapark-Gedenkfeier

Mai 23rd, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 23.5.2023 | 10:44 min

15. gondolipeskero mulatintschago ando Baranka-Park

O Roma, lengeri historija taj lengeri briga le politischi ent­vik­lungen­dar andi cili Europa pregim ulo bute­der sar le avre flo­gendar. O flo­goskero mur­daripe le Romen­dar taj Sinti­jendar dugi cajt na diklo ulo taj meg adi na prin­dschardo hi, soske o Roma taj Sinti ojs „pobi­serde opfertscha“ be­cajch­nim on. O gondo­lipes­kero mula­tintschago ando Baran­ka-Park ando 20. maj 2023 o 15. var le faraj­nistar Voice of Diversity kerdo ulo. O cil hi, le pradi­peske i Romen­geri taj Sinti­jengeri histori­ja, savi le NS-re­schi­mistar ando bersch 1941 faphaglo ulo pal te gon­dolinel taj gejng o pobis­teripe jek be­schipe te kerel.

Da Sinti und Roma nach 1945 die Anerkennung als Opfer versagt wurde und sie alleine die Er­mordung ihrer Familien be­trauern muss­ten, wurde in Wien die Baran­kapark-Ge­denk­feier vor 15 Jahren ins Leben ge­rufen. Mit der Feier wird einer­seits der Opfer gedacht und an­derer­seits auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie die jüdische und Wiener Kultur ge­feiert.

Die Barankapark-Gedenkfeier wurde am 20. Mai 2023 zum 15. Mal vom Verein Voice of Diversity or­gani­siert und um­gesetzt mit dem Ziel, die Öffentl­lich­keit an die Roma und Sinti, die vom NS-Regime im Jahr 1941 ver­schleppt worden sind, zu erinnern und ein Zeichen gegen das Ver­gessen zu setzen. Lange Zeit war die Hellerwiese, heute Baran­kapark benannt, Lager- und Rastplatz der Sinti- und Roma-Fa­milien, die ihre Teppiche, Stoffe und Pferde bis in das Grazer Becken gehandelt hatten. Dieser histori­sche Ort wurde nach Harri Stojkas Ur-Groß­mutter Baranka benannt. Sie und ca. 200 weitere Familien­mit­glieder, die auf der Heller­wiese gelebt hatten, wurden 1941 vom NS-Regime ver­schleppt.

Read the rest of this entry »

Anschlag auf das Berliner Denk­mal

Mai 20th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Zentralrat verurteilt Anschlag auf Denkmal für die im National­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Eu­ropas

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verurteilt den Anschlag auf das Berliner Denk­mal zur Erin­nerung an die 500.000 von den Nat­ional­sozialis­ten im NS-be­setzten Europa er­mor­deten Sinti und Roma. Der Täter hatte nach An­gaben der Polizei am Mittwochmittag mit einer Eisenstange auf die Infor­mations­tafeln am Denkmal ein­geschlagen und eine Aus­stellungs­tafel be­schädigt. Das Denkmal wird jähr­lich von etwa 100.000 Menschen be­sucht. Der Anschlag wurde am hell­lichten Tag vor den Augen vieler Be­sucher verübt. Diese hat­ten die Polizei alarmiert.

„Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma dankt der Polizei, die den Täter zu­nächst fest­nahm und dessen Perso­nalien sicher­stellte“, sagte Romani Rose, Vor­sitzender des Zentral­rats. „Die Tat erfüllt uns mit Entsetzen und Abscheu. Dieser Angriff zielt auf die Men­schen, die durch die Nazi­barbarei im Holocaust ihr Leben verloren haben. Er zielt auf uns alle, auf jeden Menschen mit Ver­antwor­tungs­bewusst­sein aus der Er­fahrung der Geschichte.“ Hier gehe es nicht nur um Sach­beschädigung, der nach­ge­gangen werden müsse, son­dern das Motiv der Tat müsse bei den Er­mittlungen im Vorder­grund stehen, betonte Romani Rose.

Nach den Worten von Romani Rose sieht der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma das An­wachsen des zu­nehmen­den Anti­ziganismus als eine Bedrohung gegen die Minderheit. Bundes­innen­ministerin Nancy Faeser hat erst kürz­lich mit dem Bundes­kriminal­amt den Jahres­bericht 2022 zur politisch moti­vierten Kriminalität ver­öffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Zahl der anti­ziganis­tisch motivier­ten Straftaten gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf 145 ge­stiegen ist. Read the rest of this entry »

Roma Resistance Day am Mahnmal

Mai 17th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Roma Resistance DayTag 3: 17. Mai – World Roma Congress
Im Tiergarten, Simsonweg, 10117 Berlin

Am dritten Tag des Kongresses gedenken wir am Mahnmal für die im Nationalsozialismus er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas der Er­mor­de­ten.

15:00 Roma Resistance Day am Mahnmal für die im National­sozialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas: Ge­den­ken, Er­in­ne­rung und Launch der App „Talking Memories“

Djelem Djelem, Laura Natermann (RomaniPhen e.V.)
Ausvicate hi kher baro, Tayo Awosusi-Onutor
Widerstand am 16. Mai, Svetlana Kostić (RomaniPhen e.V.)
Carmen Spitta über die Bürgerrechtlerin und Filmemacherin Melanie Spitta
Gedichte über Samudaripen von Gabi Zekić, Estera Iordan, Estera Stan (RomaniPhen e.V.)
Jana Mechelhof Herezi (Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden Eu­ro­pas)
Samudaripen – der vergessene Genozid (Roma Center e.V./ Roma Anti­dis­cri­mi­na­tion Net­work)
App-Launch, Isidora Randjelović (RomaniPhen e.V.)

Stephan Steiner: Combating the Hydra

Mai 1st, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Combating the Hydra (2023)Stephan Steiner: Combating the Hydra. Violence and Resistance in the Habsburg Empire, 1500–1900 (= Central European Studies, 3), Purdue University Press: West Lafayette 2023.

→zum Download, Open Access (CC-BY-NC)

„Combating the Hydra“ untersucht sowohl die strukturelle als auch die anlass­be­zogene staatliche Gewalt des früh­neu­zeitli­chen Habsburger­reiches. Das Buch schildert und analy­siert Angriffe auf mar­ginali­sierte, „un­an­gepasste“ Men­schen aller Art, Frauen „von schlech­tem Rufs“, „ketze­rische“ Pro­testan­ten und „Zigeuner“. Bislang nicht er­fasste Archiv­quellen ent­hüllen den Einsatz von will­kürlicher In­haftie­rung, Zwangs­arbeit und Depor­tation. Die vor­ge­stellten Fall­studien geben Einblicke in die Ursprünge mo­derner staatlicher Macht aus viel­fältigen Techniken der Be­völke­rungs­kontrolle, sind aber auch eine Unter­suchung des Widerstands gegen Unter­drückung, Ver­folgung und lebens­bedroh­liche Über­griffe. Das Spektrum der Kämpfe gegen die Ent­würdigung ist ein be­rühren­des Zeugnis der Mensch­lich­keit der Ausgestoßenen; es reicht von geistiger und emo­tio­naler Ausdauer bis hin zur Gegen­gewalt. Ein Gespräch mit dem be­deuten­den Historiker Carlo Ginzburg schließt diese Samm­lung mit der Frage nach der Be­deutung des Er­innerns an die Schrecken der Ver­gangen­heit ab.

Combating the Hydra explores structural as well as occasion-specific state violence committed by the early modern Habsburg Empire. The book depicts and analyzes attacks on mar­gina­lized people “mal­adjusted” of all sorts, women “of ill repute,” “heretic” Protes­tants, and “Gypsies.” Pre­viously uncharted archival records reveal the use of arbitrary im­prison­ment, coerced labor, and depor­tation. The case studies presented provide insights into the origins of modern state power from varied techniques of popu­lation control, but are also an inves­tigation of resistance against oppression, per­se­cution, and life-threa­te­ning assaults. Read the rest of this entry »

Marius Weigl: Internierung und Militärdienst

April 22nd, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Cover_Weigl_Internierung-MilitaerdienstMarius Weigl: Internierung und Militärdienst. Die ‚Lö­sung der Zigeu­ner­frage‘ in Öster­reich-Un­garn im Ers­ten Welt­krieg (=Sozial- und wirt­schafts­his­to­ri­sche Stu­dien, Bd. 40), Böhlau: Wien u.a. 2022 (Dez.), 560 S.

→Zum Download (CC-BY-4.0 Int.)

Das Wiener Innenministerium der Republik Österreich ging 1918 davon aus, dass die ‚Zigeunerfrage‘ im Zuge des Ersten Welt­kriegs gelöst worden sei. Die Krimi­na­lisie­rung von Armut und die An­nahme, dass Mittel­lose eine Ge­fährdung für die öffent­liche Ordnung und Sicherheit dar­stellen würden, nahmen im Ersten Weltkrieg eine neue Di­men­sion an, als über eine Mil­lion Flücht­linge aus den Kriegs­­gebieten in den Westen Österreich-Un­garns kamen oder von den Militär­behörden eva­kuiert wurden. In­folge der Inter­nie­rung von Flücht­lingen sowie von ‚politisch ver­däch­tigen‘ Zivilisten und Zivi­listin­nen wurde das ‚Zigeuner­lager‘ in Hainburg an der Donau er­richtet.

In 1918 according to the interior ministry in Vienna of the Republic of Austria there was no ‘Gypsy mischief’ any­more. The crimi­na­lization of poverty and the assump­tion about des­titute persons would en­danger the public order and security climaxed a new dimen­sion in World War One, when more than one million re­fugees from the war zones arrived in the wes­tern regions of Austria-Hun­gary or were eva­cuated by the military forces. Fol­lowing the intern­ment camps for refugees and ‘political sus­picious’ civilians, a ‘Gypsies camp’ was built in Hainburg an der Donau.

(Text: Verlagsinfo)

Siehe auch:
E-Theses: „Für die öffentliche Sicherheit“ (2012)

30 Jahre Volksgruppenarbeit der Roma

April 20th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 17.4.2023 | 13:46 min

Gärtner-Horvath: 30 berscha flogoskeri grupnen­geri buti le Ro­men­dar an­di Aust­rija

O anglebeschto le flogoskere grupnengere bajrotistar le Romen­dar, Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath, ande pe bescha­rel la kultu­rake taj la tschib­tschake le Romen­dar. I austri­tiki politik phenel ov, but ker­tsscha taj andi Europa jek kipo sikal, sar schaj dschal. O aun­prindscha­ripe la flogos­kera grupnatar ando bersch 1993 jek bari­kano poli­tischi signal sina. Ham kekaj, meg but problem­tscha del sar i dis­krimi­nacija le kheta­ni­pestar, savi la flogos­keri grupnake le Romen­dar prik dim ol.

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath, setzt sich vor allem für die Bewah­rung der Kultur und Sprache der Roma ein. Die öster­rei­chi­sche Roma-Politik wertet er als bei­spiel­haft in Europa, deren An­erken­nung als Volks­gruppe als wichtiges poli­tisches Signal. Den­noch, so stellte er mit Sorge fest, gibt es noch immer in unserer Gesell­schaft Men­schen, die große Vorurteile gegen­über der Volks­gruppe der Roma haben. Gärt­ner-Hor­vath ging auf die Ge­schichte der An­er­ken­nung ein und thema­ti­sierte vor allem auch die dama­ligen Proble­me im Bereich der Bildung und auf dem Arbeits­markt. Read the rest of this entry »

dROMa 69: „Spanien | Espanija“

April 18th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, dROMa (Magazin)

dROMa 69 Themenheft „Spanien“ | Temakeri heftlina „Espanija“

Download (PDF) | Inhalt

Die Gitanos (oder Calé) in Spanien sind die größte Roma-Gruppe West­europas. Ihr kultu­reller Einfluss – vom Flamenco bis zur Um­gangs­sprache – ist all­gegen­wärtig. In diesem Heft werfen wir einige, vor allem ge­schicht­li­che Schlag­lichter auf diese Volks­gruppe. Einige aktu­elle Themen haben wir uns für eine zu­künf­tige Aus­gabe auf­gespart. Zualler­erst stellen wir Ihnen das „pueblo gitano“ in aller Kürze vor – Wissens­wertes über einige be­rühmte Per­sönlich­keiten aus der Minder­heit finden Sie übers Heft ver­teilt. Christoph Pleininger geht in seinem Beitrag der Frage nach, wie es den Gitanos wäh­rend der Franco-Dik­tatur erging. Dazu hat er sich auch mit dem Gita­no-Zeit­histori­ker Rafael Buhigas Jiménez unter­halten. Dem Avant­garde-Künst­ler und Anti­faschis­ten Helios Gómez, der, nach Jahren im Kerker, 1956 ver­starb, widmet sich ein Beitrag des Kunst­histo­ri­kers Da­ni­el Díaz. Roman Urbaner hat re­cher­chiert, wie es um die wenig be­kannte alte Sprache der Gitanos, das Caló, be­stellt ist (kurz: gar nicht gut, aber auch nicht völlig hoff­nungs­los). Und auf der Heft­rückseite prä­sen­tieren wir Ihnen noch Noelia Cortés, eine junge litera­rische Stimme aus der Gita­no-Com­munity.

O Gitanojertscha (vaj Calé) andi Espanija i lek bareder Romen­ge­ri-grupn andi vest Europa hi. Lakero kultu­reli and­foji­nipe – usar o Flamenco dschi usi sako diveses­keri tschib – vidschik hi. Ande aja heft­lina poar, butvar his­tori­jakere ududa upre aja flo­gos­keri grupn, tschidas. Poar aktujeli te­matscha, jeke avre ardi­peske upre amenge liker­tscham. Ersch­tivar, o „pueblo gitano“ ande jek har­nipe angle tumen­ge terdscha­ras – dscha­nipe pedar poar prin­dschar­de dschene andar o tschu­lipe, laken tumen ande aja heftli­na. O Christoph Pleininger leskere pisi­nipeha le phutscha­ji­peske papal dschal, sar le Gita­noje­renge masch­kar i Franco-dik­tatura gelo. Va­schoda, ov te le Gita­noj­engere-caj­ta­kere his­tori­keriha Rafael Buhigas Jiménez va­kertscha. Read the rest of this entry »

Vernetzen, Erinnern, Bezeichnen

April 8th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio Stimme zum Internationalen Tag der Roma (8.4.2021)
Die Sendung der Initiative Minderheiten

Am 8. April ist Internationaler Tag der Roma. Aus diesem Anlass spricht Radio Stim­me zum einen mit Atanas Stoyanov von Phiren Amenca über Anti­rassis­mus-Ar­beit und die europa­weite Unter­stützung von Roma-Ju­gend­li­chen und zum anderen mit dem His­toriker Gerhard Baumgartner über die im Natio­nal­sozialis­mus zer­störten Roma­sied­lungen im Burgenland. Außer­dem räumt Radio Stimme auf mit dem faulsten aller Ar­gumente („das wird man ja wohl noch sagen dürfen) und seziert die gewalt­volle Dimen­sion von Fremd­bezeich­nun­gen und dis­krimi­nie­ren­der Sprache. Und es gibt sogar noch mehr zu hören, näm­lich eine breite Palette unter­schied­lichs­ter Musik von Rom*nja!

Gestaltung: Julia Schönherr, Mahsima Kalweit, Petra Permesser, Veza Govorcin

(Text und Beitrag: Radio Stimme, 2021)

Trauer um Michael Racz (1932–2023)

März 29th, 2023  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken

Trauer um Michael Racs (Foto: Amari Historija, hrsg. von Roma-Service, 2016)Der Oberwarter Altbürgermeister Michael Racz, geb. 1932 in Groß­peters­dorf, ist im 91. Le­bens­jahr ver­storben.

Wir bringen im Gedenken einen Auszug aus dem Begleit­text zu einem Inter­view von 2010, er­schienen 2016 in unse­rem Zeit­zeugen­band „Amari Historija. Bur­gen­länder er­zählen. Eine Zeit­zeugen­doku­men­ta­tion von Roma-Service“:

Michael Racz wurde 1932 in Großpetersdorf im südburgenländi­schen Bezirk Oberwart ge­boren. Er wuchs inner­halb der Familie aus­schließ­lich ungarisch­sprachig auf und erwarb sich bis zum Eintritt in die Schule zwar alltags-, aber nicht unter­richts­taug­liche Deutsch­kennt­nisse. Schwierig ge­staltete sich der Schul­einstieg auch deshalb, weil seine eltern kurz zuvor auf­grund der politischen Umstände ge­zwungen gewesen waren, von Großpetersdorf ins be­nach­barte Rechnitz zu über­siedeln. Michael Raczs Vater, ein selbstän­diger Schuhmacher, machte aus seiner Über­zeugung kein Hehl und trat offen gegen die Ver­folgung der jüdischen Be­völkerung durch das auf­kommende Naziregime ein. Nachdem er bei der NS-„Volks­abstim­mung“ im April 1938 gegen den „Anschluss“ votiert hatte, wurde er ver­haftet und für einige Tage ein­gesperrt. ein Schock für den gerade sechs­jährigen Michael, der nicht nur seinen Vater gefährdet sah, sondern auch seine ver­traute Um­gebung verlor: „Für mich war es dann sehr schwer. Ich bin krank gewor­den. Wahr­scheinlich war das auch psycho­somatisch. [...] Ich hatte es deshalb schwer, weil ich nicht gut Deutsch konnte.“

Die Erfahrung, einer Minderheit anzugehören, prägten Michael Raczs Kindheit ebenso sehr wie das Ein­treten seiner Eltern für ihre humanis­tische Ge­sinnung: „Mein Vater war eher [...] links­gerichtet, und er hat seine Ablehnung des Regimes aus seiner politi­schen Über­zeugung heraus genährt, wäh­rend meine Mutter [...] aus ihrer christlichen Über­zeugung heraus ge­handelt hat und die natio­nal­sozialis­tische Ideologie ab­gelehnt hat.“ Dem­ent­spre­chend von Toleranz geprägt waren auch die Kontakte der Familie zu Roma. Es herrsch­te Michael Racz zu­folge ein Gefühl des „Helfen­müssens“ an­gesichts der immer drücken­der ge­wordenen Ver­hältnisse Ende der 1930er Jahre.

Read the rest of this entry »

Gondolipe neve te gondolinel

März 27th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 26.3.2023 | 8:48 min

Gedenken neu denken – Erinnern an den Holocaust heute

Gondolipe neve te gondolinel: Paltgondolipe upro holocaust adi! RE.F.U.G.I.U.S. ando bersch dujeseri taj pantsch le palgondoli­peske taj upre butscha­lin­peske le holo­caustistar kerdo ulo. Sako bersch le schel taj oftavar desch dschi duj schel dschi­dov­tschenge, save adaj Ro­hancate mur­darde taj valakaj ande handle ule, gondolim ol. O gondo­li­pes­kero than na tschak o paschipe le Kreuz­stad­liskere dschi­dov­tschenge andar o ungriko te gon­dolinel, ov te terdschol la cila regijo­nale gondo­li­pes­kera kulturatar. O lejcti cajtakere ceugn meren, i histo­rischi botschoft na buter le cilen resel o anti­semitis­mus taj o rasismus utscheder ol. Schoha buter, asaj historija na tromal buter te al, kaj oda ham tena ol iste buteder aja bibas­tali his­torija upre butscha­lim ol.

RE.F.U.G.I.U.S. hat in seiner jahrelangen Tätigkeit viele neue Ansätze in der Er­inne­rungs­arbeit aus­pro­bieren und etablie­ren können. Doch gibt es immer wieder neue Heraus­for­de­run­gen. Die letzten Zeit­zeug:in­nen sterben, die histo­rische Botschaft erreicht längst nicht mehr die ge­samte Gesell­schaft und ihre Mahnung reicht nicht aus, um zu ver­hindern, dass Anti­semitismus, Rassismus und Frem­den­feind­lich­keit ver­mehrt und offener zu Tage treten. Über Jahr­zehnte etablier­te sich eine Gedenk­kultur, die aus Kranz­nieder­legungen, Ver­anstal­tun­gen mit Zeit­zeug:in­nen, Gedenk­reden und Gedenk­feiern in ehemaligen NS-Kon­zentra­tions­lagern be­stand. Doch welche Wirkung geht von ritualisier­ten Gedenk­tagen heute noch aus? Read the rest of this entry »

Diagonale: Wankostättn (Regie: Karin Berger)

März 22nd, 2023  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

"Wankostättn" (Filmstill: Karin Berger/Navigator-Film)Dokumentarfilm von Karin Berger
Österreich 2023, 37 min

Einige während der Dreharbeiten zum Film Ceija Stojka (1999) ent­stan­dene Auf­nahmen zeigen Karl Stojka, der be­wegend vom Leben der Rom*nja im natio­nal­sozialis­ti­schen Wien und in der Wanko­stättn-Sied­lung berichtet. In einer Gegen­wart, in der die letzten Zeit­zeug*in­nen sterben, stemmt sich Karin Berger gegen das dro­hende Schweigen und zeigt eine es­senziel­le Funk­tion des Kinos auf.

Es ist bedenklich, dass die Jahrzehnte, in denen wir von Zeitzeug*innen über die Verbrechen des National­sozialismus lernen konnten, weder zu einer völligen Auf­arbeitung führten noch rassisti­sches Gedanken­gut aus unserem Alltag ver­drängten. Nun nämlich sterben die letzten Zeit­zeug*innen, weshalb gerade dem Kino eine essen­zielle Rolle zufällt. Karin Berger, die sich in ihrem Schaffen viel­fältig in das weit­gehend ver­schwie­gene Schicksal der Sinti*z­ze und Rom*nja wäh­rend der Zeit des National­sozialis­mus ein­ge­arbeitet hat, leistet mit Wankostättn einen weite­ren wichtigen Beitrag, der dem dro­henden Schweigen mit aller Kraft ent­gegen­tritt. Das Film­dokument besteht aus Aufnahmen, die sie 1997 im Rahmen ihres Drehs zu Ceija Stojka (1999) mit Karl Stojka, dem Bruder ihrer dama­ligen Pro­ta­gonis­tin, in Wien drehte. Spa­zierend re­konstru­iert Stojka die Lovara-Sied­lung Wankostättn und erzählt mit­reißend aus einem Leben, von dem man ohne seine Worte nie er­fahren hätte. (ph)

Diagonale 2023, Kurzdokumentarfilm/Programm 3:
Do., 23.3., 10:30 Uhr, Schubertkino 2 [Tickets]
Sa., 25.3.
17:30 Uhr, KIZ Royal 2 [Keine Karten verfügbar]

(Text: Katalog, Diagonale 2023)