„(K)Ein Platz für Gedenken“ (2021)
Juli 4th, 2023 | Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Marcus Wagner (2021): „(K)Ein Platz für Gedenken“. Vergessene Orte in den Ortschaften des Burgenlandes – kritisches Hinterfragen der Erinnerungskultur an ermordeten Rom*nja
Diplomarbeit, Universität Wien (Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät), 114 S.
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Abstract: Die vorliegende Arbeit widmet sich der Gedächtnis- und Gedenkkultur für die vertriebenen und ermordeten Rom*nja im Burgenland. Sie zeigt auf, dass die Verfolgung und Ermordung der Rom*nja im Burgenland während der Naziherrschaft im kollektiven Gedächtnis der Burgenländer*innen wenig verankert sind. Die verfolgten und ermordeten Rom*nja werden erst langsam ins Opferkollektiv des Landes aufgenommen. Ein kurzer Abriss über die Geschichte der Rom*nja im Burgenland und die Situation der Volksgruppe in der Zweiten Republik bilden den Rahmen der Arbeit. Weiters wird aufgezeigt, wie der öffentlich-gesellschaftliche Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Burgenlandes das Leben der Rom*nja im Burgenland nach 1945 beeinflusste und erschwerte. Die jahrelange Nichtkonfrontation bzw. das Verschweigen der Mitschuld der Burgenländer*innen an den Verbrechen gegen die Rom*nja spiegelt sich in der Erinnerungspolitik des Burgenlandes wider. Die problematische politische Bereitschaft für die Aufarbeitung dieser Verbrechen zeigt sich auch in der burgenländischen Denkmallandschaft. Bis Ende der 1980er Jahre waren die Rom*nja in der burgenländischen Denkmallandschaft nicht präsent. Erst mit der Anerkennung der Rom*nja als Volksgruppe kam Bewegung in die Gedenkkultur. Auf Initiativen von verschiedenen Roma-Vereinen, Privatpersonen und kirchlichen Vertretern entstanden erste Denkmäler und Erinnerungsstätten für die ermordeten Rom*nja. Erinnerungslücken werden langsam geschlossen, aber die Bereitschaft der Gemeinden und ihrer Bevölkerung zur Errichtung von Gedenkstätten ist nicht immer vorhanden. Allerdings wären gerade diese Gedenkstätten für die Sensibilisierung der Burgenländer*innen auf dieses Thema bedeutend. Die Initiativen von Roma-Vereinen und -Organisationen, aber auch von den vielen einzelnen Privatpersonen, von der Kirche und vieleicht auch von der Politik werden daher auch in Zukunft wesentlich sein.
Schlagwörter: Rom*nja / Gedenkstätten / Erinnerungskultur / Holocaust / Romasiedlungen im Burgenland / Erinnerungspolitik im Burgenland / kollektives Gedächtnis / Aufarbeitung der NS-Verbrechen / Roma Volksgruppe
Hochschulschrift (Diplomarbeit); Betreuer: Bertrand Michael Buchmann
u:theses ist das Hochschulschriften-Repositorium der Universität Wien.
UB Wien: utheses.univie.ac.at/detail/58894