Geschichte & Gedenken
September 24th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Roma und Sinti darstellen: Fotografische Konstruktionen in Zeitungen und Zeitschriften der Zwischenkriegszeit 1918–1939/40
Forschungsprojekt am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Mai 2025 bis April 2029
→representing-roma-and-sinti.eu
Keine europäische Minderheit stand in den Jahren der Zwischenkriegszeit stärker im Fokus der Fotografie als die Gruppe der Roma und Sinti. In vielen europäischen Ländern veröffentlichten illustrierte Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig fotografische Bildberichte und Reportagen zum Thema. Die fotografischen Repräsentationen pendelten dabei zwischen stereotypen Formen der Idealisierung und – häufiger noch – Strategien der kulturellen, sozialen und rassistischen Ausgrenzung. Parallel dazu entstanden im Zuge der zivilen Emanzipationsbewegungen der Minderheit in einigen Ländern Roma-eigene Zeitschriften, die andere, selbstbewusstere Bilder entwarfen. Diese in der Forschung bislang wenig beachteten Quellen werden vom Fotohistoriker Anton Holzer am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien erstmals systematisch untersucht.
Das vom FWF geförderte Forschungsprojekt eröffnet einen neuen, differenzierten Blick auf die Repräsentationsgeschichte der Roma und Sinti im 20. Jahrhundert. Es beschäftigt sich mit zentralen Fragen der historischen und gegenwärtigen europäischen Kultur: Wie werden kulturelle, soziale und ethnische Grenzziehungen gezogen und wie werden sie visuell dargestellt? Wer bestimmt in Bildern, Texten und medialen Diskursen darüber, wo und wie die Grenzen zwischen dem (behaupteten) „Eigenen“ und dem (vorgestellten) „Fremden“ gezogen werden? Read the rest of this entry »
September 7th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Deutsch-tschechische Konferenz zur Erinnerung an den Völkermord an Sinti und Roma in Prag
Vom 11. bis 13. September 2025 findet in Prag bzw. in der Gedenkstätte in Lety eine deutsch-tschechische Konferenz statt. Anlass ist der 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Titel „Das Erbe der überlebenden Sinti und Roma über Generationen hinweg. Anerkennung, Verantwortung und Herausforderungen 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg“ kommen Nachfahren von Überlebenden, Aktivistinnen und Aktivisten, Historikerinnen und Historiker, Forschende sowie Vertreterinnen und Vertreter öffentlicher Institutionen aus Deutschland und Tschechien zusammen.
Die Konferenz wird von der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg und dem Institut für Zeitgeschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften organisiert. Diskutiert werden Fragen der Erinnerungskultur in beiden Ländern, die ethischen Dimensionen der Forschung zum Völkermord an Roma und Sinti, die transgenerationelle Weitergabe von Traumata sowie die Perspektive der zweiten und dritten Generation. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kritischen Auseinandersetzung mit Dokuvmenten von Täterinnen und Tätern und ihrer Rolle in der historischen Aufarbeitung.
„Am meisten freut mich, dass so viele Nachkommen von Überlebenden aus Tschechien und Deutschland unserer Einladung gefolgt sind. Einige von ihnen tragen entweder direkt zur Organisation der Konferenz bei oder halten Vorträge. Dank ihrer Teilnahme wird dies eine wirklich außergewöhnliche Veranstaltung, bei der die Vertreter aller überlebenden Generationen die für sie wichtigen Themen ansprechen können“, erklärt die Historikerin Renata Berkyová von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften gegenüber dem tschechischen Nachrichtenserver Romea.cz. Sie ist eine der Organisatorinnen der Konferenz.
Am Anfang des dreitägigen Programms steht am 11. September 2025 die Premiere zweier Dokumentarfilme. Im Prager Kino „Ponrepo“ werden zwei Filme über die zweite Generation von Holocaust-Überlebenden gezeigt: die deutsche Produktion „Auschwitz verlassen“ (2024, Regie: Margitta Steinbach, 30 Minuten) und der tschechische Dokumentarfilm „Když se bolest dědí“ („Wenn Schmerz vererbt wird“, 2025, 40 Minuten, Regie: František Bikár und Renata Berkyová). Die Vorführung wird begleitet von einer Podiumsdiskussion mit den Filmemacherinnen und Protagonisten.
Am 12. September findet die eigentliche Fachkonferenz mit drei international besetzten Panels statt. Read the rest of this entry »
September 2nd, 2025 |
Published in
Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft
Zeichen setzen in Zeiten eines wachsenden Antiziganismus: Deutsches Bundesarchiv und Zentralrat Deutscher Sinti und Roma schließen Kooperationsvereinbarung
Das Bundesarchiv und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Am 1. September unterzeichneten Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, und Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, die Vereinbarung in Heidelberg. Damit soll in Zeiten eines wachsenden Antiziganismus in der Gesellschaft ein Zeichen gesetzt und gleichzeitig die Aufklärung über die nationalsozialistische „Rassenforschung“ weiter verbessert werden. In Erinnerung an die im nationalsozialistisch besetzten Europa ermordeten rund 500.000 Sinti und Roma wurde zuletzt am 2. August der „Europäische Tag des Gedenkens an den Genozid an Sinti und Roma“ begangen.
Die Unterzeichnung fand 44 Jahre nach der Besetzung des Universitätsarchivs Tübingen statt, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg NS-Akten der „Rassenhygienischen und Bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle“ (RHF) lagen, die in der NS-Zeit als Planungsgrundlage für den Holocaust an Sinti und Roma dienten und die in der Nachkriegszeit für rassistische Forschungen missbraucht wurden. Am 1. September 1981 hatten 18 Sinti das Universitätsarchiv besetzt, darunter auch Holocaustüberlebende und Romani Rose, und die Überführung der entsprechenden NS-Akten in das Bundesarchiv gefordert. Die Unterlagen werden seitdem im Bestand R 165 im Bundesarchiv verwahrt.
Ein besonders bekanntes Beispiel für rassistische Forschungen in Tübingen war Sophie Ehrhardt, die bis 1968 als Anthropologin der Universität Tübingen tätig war und unbehelligt die NS-Rasseakten für ihre antiziganistischen Forschungen über Sinti und Roma nutzte. Erhardt war während der NS-Zeit dem nationalsozialistischen Rassentheoretiker Robert Ritter unterstellt. Dieser war Leiter der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ und bestimmte auf Anweisung von Reichsführer SS Heinrich Himmler „wissenschaftlich“ die „Rassenzugehörigkeit“ von Sinti und Roma, wodurch deren systematische Erfassung, die Deportation und Ermordung in Konzentrationslagern ermöglicht wurde.
Read the rest of this entry »
August 24th, 2025 |
Published in
Film & Theater, Geschichte & Gedenken
→zum Streaming (Filmarchiv Austria) 19:50 min
Diese 1954 von der Staatlichen Filmstelle produzierte Dokumentation mit wissenschaftlichem Anspruch zeigt das Leben der Roma und Sinti im Burgenland. Auch nach dem Krieg zählen sie zu den marginalisierten Volksgruppen. Porträtiert wird eine Roma-Siedlung in Mörbisch sowie die fahrenden Sinti, die damals teilweise noch mit Pferde-Fuhrwerken von Ort zu Ort unterwegs sind. Dass die beiden Volksgruppen von den Nazis verfolgt wurden, mit dem Ziel diese auszulöschen, bleibt im Film unerwähnt.
Aus der Sammlung „Historische Filmdokumente“ des Filmarchiv Austria: Jede Woche werden neu restaurierte historische Filmdokumente aus über 120 Jahren Kultur- und Zeitgeschichte aus der Sammlung des Filmarchiv Austria präsentiert.
Originaltitel: Zigeuner in Österreich (Österreich 1954)
Kamera: Dr. Walter Dostal, Tonaufnahmen: Herbert Melichar, Produktionsfirma: S.H.B.-Film (Bundesstaatliche Hauptstelle für Lichtbild und Bildungsfilm, Wien), Quelle: 16-mm-Positiv, Sammlung Filmarchiv Austria, restaurierte Fassung, © Filmarchiv Austria, 2025
(Filmarchiv Austria)
Anmerkung der dROMa-Redaktion:
Joschi, der Bub im Film, verstarb Anfang Juni in Wien. Wir sprechen seiner Familie unser herzliches Beileid aus!
August 8th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken
„Der 2. August ist internationaler Roma-Genozid-Gedenktag. Eine halbe Million Roma und Sinti wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Als (meines Wissens) einzige Stadt Österreichs gedenkt die Stadt Graz mit einer Beflaggung am Rathaus. In Wien immerhin ein paar Bezirksvertretungen“, schreibt der Grazer Stadtpolitiker Tristan Ammerer, unter anderem Sprecher für Erinnerungspolitik und Menschenrechte der Grünen im Gemeinderat, auf BlueSky.
Dazu postet er dieses Foto (hier größer), das wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.
August 2nd, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Politik
Der 2. August erinnert an die ermordeten Roma und Sinti im Nationalsozialismus. Bundesratspräsident Peter Samt und Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner legten im Gedenken Kränze nieder.
Rund 500.000 Roma und Sinti wurden Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau über 4.000 Angehörige der Volksgruppe ermordet. Seit 2015 gilt der 2. August in Europa als Gedenktag für Roma und Sinti – in Österreich seit vergangenem Jahr.
Kranzniederlegung im Gedenken an hunderttausende Opfer
Bundesratspräsident Peter Samt und Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner legten im Namen der Parlamentsspitze Kränze nieder. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath und dessen Stellvertreter Andreas Sarközi, gedachten sie der Opfer.
Es sei ihm wichtig, dass Volksgruppen in Österreich nicht gegeneinander, nicht nebeneinander, sondern miteinander leben und dass die kulturellen Wurzeln, die Verschiedenartigkeit und das Gemeinsame geschätzt werden, erklärt der Vorsitzende der Länderkammer Peter Samt. „Was einst mit Vorurteilen begann, endete in Lagern und Gräbern“, betont Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner. „Wer heute noch schweigt, wenn Roma und Sinti oder andere Minderheiten angefeindet werden, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Am Gedenktag hören wir hin, erinnern uns und geloben, niemals zu schweigen.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde von dem Schauspieler Serge Falck ein Text aus dem Interviewprojekt „Mri Historija“ des Vereins Roma-Service vorgetragen. Geschildert wird dabei die Lebensgeschichte von Anton Müller, einem Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen. Read the rest of this entry »
Juli 29th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Wissenschaft
Yücel Meheroğlu (2024): Der historische Versicherheitlichungsprozess der Osmanischen-Türkischen Roma (1908-1951)
Phil. Diss., Technische Universität Berlin (Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften), 642 S.
→zum Download der TU Berlin
Abstract (Link):
Im Mittelpunkt der Dissertation steht die politische Konstruktion der osmanischen-türkischen Roma als ein Sicherheitsproblem im Zuge des 20. Jahrhunderts (1908–1951). Die Arbeit baut auf der Hypothese auf, dass eine von Sicherheitsakteuren verfolgte Versicherheitlichungspolitik innerhalb des osmanisch-türkischen Staatsapparates Roma als eine fragile Gemeinschaft in der heutigen Türkei hervorgebracht hat, die weitestgehend in ihren Staatsbürgerrechten beschnitten ist. Dieser Politik ist die Zuschreibung als „Zigeuner“ inhärent und die sie damit als eine rassialisierte Gemeinschaft konstituierte. Anhand des Themenkomplexes Mobilität, Migration und Staatsbürgerschaft werden die Kontinuitäten und Zäsuren dieser Politik zwischen dem Osmanischen Reich und der Türkei unter Heranziehung einer Fülle von Quellenmaterialien analysiert. Die sich hieraus ergebenden zentralen Fragen sind die folgenden: Wann, wie und von wem wurde der Sicherheitsdiskurs um die Roma generiert? In welchen Diskursen und Praktiken schlug sich dieser nieder? Diese historisierbaren Prozesse und Dynamiken versucht die Autorin anhand der methodologischen Kombination von Versicherheitlichung (securitization) und Geschichtswissenschaft zu erfassen. Gleichzeitig ist es ein Anliegen der Dissertation, die Geschichtslosigkeit zu beenden und Roma als historische Akteure und damit als organischer Teil der modernen osmanischen-türkischen Geschichte sichtbar zu machen.
Read the rest of this entry »
Juli 25th, 2025 |
Published in
Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Das vergessene Gedächtnis“ – Ein Sammlungsprojekt in Deutschland
Seit 2023 sammelt und bewahrt das beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg angesiedlete Projekt „Das vergessene Gedächtnis“ „Objekte, die von Geschichte und Kultur von Sinti und Roma in Europa während des Holocaust bis heute erzählen“, so die Selbstbeschreibung auf der Website: „Im Projekt sammelt ein Team aus Expertinnen und Experten am Dokumentations- und Kulturzentrum Objekte aller Art [...]. Dazu zählen Möbel, Kleidungsstücke, aber auch Dokumente und Fotos aus der NS-Zeit bis heute. Jedes Objekt wird erst nach sorgfältigen Gesprächen mit den Objektgebern aufgenommen und in einer eigens erstellten Datenbank verzeichnet. Videointerviews mit Zeitzeugen und ihren Nachfahren, den ,Zweitzeugen‘, werfen Schlaglichter auf die Biografien der Menschen hinter den Dingen. ,Zweitzeugen‘ können etwa Kinder, Enkel oder Urenkel von Überlebenden des Holocaust sein. Aus dem so entstehenden Material extrahiert der Videoredakteur unseres Teams signifikante Auszüge, die sich etwa auf die von den Zeitzeugen zur Verfügung gestellten Gegenstände beziehen oder von Erfahrungen erzählen, die wichtige Einblicke in Kultur und Gesellschaft der jeweiligen Zeit erlauben. Die Interviews werden gleichzeitig in voller Länge für den Aufbau einer musealen-archivalischen Sammlung aufbewahrt. [...] Verlorenes wiederfinden, Verschwundenes als Leerstelle zeigen, Erinnerungen erhalten – darum geht es im Projekt ‚Das vergessene Gedächtnis‘. Die Spuren von Menschen, die gelebt haben und die leben, sollen wieder sichtbar gemacht, Biografien erzählt werden – von jenen, die etwa als Kind die NS-Zeit überlebten, aber auch von deren Kindern und Enkeln. Gegenstände und Gespräche vermitteln in ihrer Vielfalt Vergangenes anschaulich. Sie zeugen zugleich von der lebendigen Kultur und Geschichte von Sinti und Roma, die nicht im Nationalsozialismus endete.“
Mit der Koordination von Sammlungaufbau und Ausstellunggestaltung betraut ist Projektleiterin (und dROMa-Gastautorin: [1][2]) Vera Tönsfeldt: „Wir wollen die Geschichte der Betroffenen erzählen und sie selbst sprechen lassen. Wir klagen nicht an. Wir erinnern“, erklärt sie im Gespräch mit Frédéric Valin für das Amnesty Journal: Read the rest of this entry »
Juli 24th, 2025 |
Published in
Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Das Osmanische Reich verfolgte bis zum Ende des 17. Jh. eine pro-nomadische Politik, die Gruppen wie den Roma staatlichen Schutz gewährte.
(Quelle)
Juli 18th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Wissenschaft
Alexander Rode (2023): Die Bewegung der Anderen. Prekäre Mobilität im 19. und 20. Jahrhundert in Sachsen und Leipzig
Phil. Diss., Universität Leipzig (Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften), 625 S.
→zum Download der Universität Leipzig
Abstract (Link):
Die Dissertation thematisiert die Mobilität von prekären Gruppen wie Vagabund:innen, Landstreicher:innen, Sinti und Roma. Sie geht dabei davon aus, dass die als Abweichung von der Norm wahrgenommene Mobilität – oft als Wandertrieb stigmatisiert – nicht aus eigenem Antrieb der Betroffenen erfolgte, sondern durch behördliche Repression erzeugt wurde. Polizeiliche Repression, Stadtverweise, Bettelverbote oder behördliche Willkür erzeugten Bewegungen, die anschließend im Diskurs gegen die betroffenen Menschen gewendet wurde. Die Mobilität dieser Gruppen war keine Eigenschaft, selbstbestimmte Lebensweise oder kulturelle Eigenart, sondern das Ergebnis struktureller Ungleichheit und Ungleichbehandlung. Die Untersuchung bedient sich dabei einer raumtheoretischen Vorgehensweise und Analytik.
Read the rest of this entry »
Juli 8th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 7.7.2025 | 6:47 min
Enthüllung des Roma-Gedenksteines in Grodnau
Ando 31. merc 2006 jek lil use o cile gemajndscha ando Burgenland le mangipestar: „Kaj, mre momeltscha otscha te tschav?“ – Afka te jek Grujate jek than, jek gondolipeskero bar kerdo ulo, kaj le ledschime taj murdarde Romenge gondolim taj jek momeli otscha tschiti schaj ol. Anglo dujto themesshy;kero haburi valami 200 schel Roma Grujate dschivnahi. But lendar andi NS-cajt ledschim taj murdarde ule. Sar ande avre burgenlandititike gemajndscha te Grujate jek gondolipeskero cajchn le manuschenge kerdo te ol. „On te na pobisterde te on – schukar ovlahi, te jek tablina delahi, kaj upre terdschol, kitschi Roma agun adaj dschivnahi, taj so lenca kerdo ulo“, phenel i Gerlinde Körper Grujatar.
Am 31. März 2006 erging ein Brief an alle Gemeinden im Burgenland mit dem Betreff: „Wohin mit unseren Kerzen?“ – Somit wurde jetzt auch hier in Grodnau ein Platz, ein Gedenkstein geschaffen, wo man der verschleppten und ermordeten Roma gedenken und eine Kerze hinstellen kann. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten knapp 200 Romnja und Roma in Grodnau. Die meisten wurden in der NS-Zeit deportiert und ermordet. Wie in anderen burgenländischen Gemeinden soll auch hier in Grodnau ein Erinnerungszeichen dieser Menschen gedenken. Read the rest of this entry »
Juni 25th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Christian Gerhard Kelch (2020): Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«. Zur Geschichte der „Grundlagenforschung“ gegen Sinti und Roma in Deutschland unter Berücksichtigung der Genese des Antiziganismusbegriffs
Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/FAU (Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie), 671 S.
→Download von OPEN.FAU (pdf)
Abstract (Auszug, S. 668 ff.):
Vorliegende Kritik der Tsiganologie setzt sich aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive mit dem Phänomen Antiziganismus in der deutschsprachigen Wissenschaft auseinander. Im Zentrum steht der deutsche Mediziner Dr. Hermann Arnold (1912-2005), der nach dem Völkermord an den Sinti und Roma (Porajmos) durch die Nationalsozialisten als maßgebliche wissenschaftliche Instanz bezüglich der Deutung der Lebensweise und der Geschichte der als »Zigeuner« bezeichneten Sinti, Roma und auch Jenischen galt. Die Studie ist als Historische Diskursanalyse angelegt und fragt nach Kontinuitäten und Brüchen des „Wissensdiskurses“ über diejenigen Menschen, die als »Zigeuner« stigmatisiert wurden und werden. Gleichzeitig wird in Form einer begriffsgeschichtlichen Klammer der historischen Genese und gegenwärtigen Rezeption des Antiziganismusbegriffs, mit dem die spezifische Form des Ressentiments gegen Sinti und Roma und andere Gruppen in Deutschland seit den 1980er Jahren benannt wird und der nach wie vor umstritten ist, nachgegangen. Im Zentrum stehen dabei die Fragen: 1.) nach dem spezifischen Zigeunerbild Hermann Arnolds, 2.) Arnolds Wirken als „Zigeunerexperte“ in der bundesdeutschen Ministerialbürokratie, 3.) nach dem Wandel des Diskurses über vermeintliche »Zigeuner« im Verlauf der 1970er Jahre, 4.) nach Kontinuitäten zu Arnold in deutschen Tsiganologie der 1980er und 2000er Jahre und 5.) nach der Rezeption des Antiziganismusbegriffs in Deutschland. […] Read the rest of this entry »
Juni 13th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft
Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma:
Das Zwangslager Ravensburg-Ummenwinkel
Podcast „Geschichte nach der Schule“ (Nr. 26), 11.1.2024, 54:53 min.
Dieter Grupp wendet sich in dieser Folge einem über lange Zeit marginalisierten Thema der NS-Geschichte zu: der Opfergruppe der Sinti und Roma. Weit über das Ende der NS-Diktatur hinaus wurden sie nicht als solche anerkannt und mussten für diese Anerkennung einen mühsamen und langen Weg gehen.
Um das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven anzugehen, sind heute zu Gast: Dr. Armin Koch, Fachberater Geschichte am ZSL (Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung) und Referendarsausbilder am Seminar Weingarten, und Philipp Reinhardt, sein ehemaliger Schüler und als Sinto Ko-Autor eines Unterrichtskonzepts zum Zwangslager Ummenwinkel. Darin wird die Geschichte der Sinti im Ravensburg (Oberschwaben) der 1930er und 1940er Jahre in einen größeren Kontext eingeordnet.
Im Podcast wird an vielen komplizierten Bereichen der Geschichtsforschung und -didaktik gerührt: Wie soll man solch ein monströses Thema im Unterricht angemessen behandeln? Was muss unbedingt beachtet werden, was sollte man vermeiden? Welche Perspektiven und welche Sprachregelungen sind zu beachten? Und natürlich – wie kann man heute antiziganistischen Haltungen begegnen? Read the rest of this entry »
Mai 26th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Laura Soréna Tittel: Politische Theorie des Antiziganismus. Genese und Kritik eines modernen Herrschaftsverhältnisses (=Beiträge zur kritischen Antiziganismusforschung, Bd. 2), transcript Verlag: Bielefeld 2025 [Erscheinungsdatum: 20.12.2024], 258 Seiten.
→Open Access: Download (pdf)
Antiziganismus ist bis heute weit verbreitet und betrifft Sinti*ze und Rom*nja als Angehörige der größten Minderheit Europas in besonderem Maße. Dennoch wird das Thema in Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen verdrängt. Im Anschluss an die kritische Gesellschaftstheorie verbindet Laura Soréna Tittel Überlegungen zur Funktion der »Zigeuner«-Figur in der politischen Theorie von Kant, Marx und Adorno mit umfangreichem Quellenmaterial, das von frühneuzeitlichen Gesetzestexten bis zu polizeilich eingesetzten Bildern reicht. Sie zeigt die Genese des modernen Antiziganismus in der Aufklärung, im Kapitalismus und in der Staatenbildung auf und ermöglicht so kritische Perspektiven auf ein gesellschaftliches Herrschaftsverhältnis.
(Text: transcript Verlag)
Mai 24th, 2025 |
Published in
Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
In Rumänien erinnert ein einziges öffentliches Gedenkzeichen – eine Gedenktafel im Kloster Tismana – an die jahrhundertelange Versklavung der Roma.
(Quelle)
Mai 20th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 19.5.2025 | 8:01 min
Ein Zeitzeugen-Filmprojekt für den Unterricht: zum Film und zur didaktischen Aufbereitung
Jek cajtceugniskero projekto le sikadipeske: jek film uso didaktischi uprebutschalinipe – 2025 i Republik Austrija o 80 berschengero ar le dujti themeskere haburistar gondolinel, o pheripe le NS-reschimistar taj o uprebauninipe le demokratischi strukturendar. 22 burgenlanditike dschene andar o cile thaneskere falati le Burgenlandistar, sar le flogoskere grupnendar le horvackendar taj ungrikendar o keriptscha andar o bersch 1945 ando Burgenland upre sikade te on. Ande persenlichi palgondoliptscha o agune terne pumare terdschiviptscha phukan. Sar o Südostwallbau, haburiskere dschene save astarde ule, ungrike dschidovtscha mujsinipeskere butjaschtscha, murdaripeskere phiriptscha, haburiskere terdschiviptscha, ande lipe la Roten armejatar, befrejer – besecinipe, virtschoftlichi strukturtscha taj politischi papal upre bauninipe. Didaktischi ciliskero bescharipe: Duach o digitali cajtceugn interviews siklon o ischkolaschtscha o kveliskero vert adale interviewjendar te pe urtajlinel. On jerinen ande dikipe, save pedar o faktengero dschanipe ari dschan. Afka aktivi, kritischi refleksivi siklipe ando historijakero sikadipe pomoschipe dim ol taj i historija ande but mindenfelitiko proceso upre lim te ol.
2025 gedenkt die Republik Österreich der 80-jährigen Wiederkehr des Endes des Zweiten Weltkrieges, dem Sturz des NS-Regimes und dem Wiederaufbau von demokratischen Strukturen. Mittels einer thematisch sortierten Collage – ohne Text in Overvoice – von kurzen Statements von 22 Burgenländer:innen aus allen Landesteilen und den Volksgruppen der Kroat:innen und Ungar:innen sollen die Ereignisse des Jahres 1945 im Burgenland aufgezeigt werden. In persönlichen Erinnerungen schildern die damals Jugendlichen ihre individuellen Erfahrungen in den Themenbereichen: Südostwallbau, Kriegsgefangene, ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter, Todesmärsche, Kriegserlebnisse, Einmarsch der Roten Armee, Befreier – Besatzer, wirtschaftliche Strukturen und politischer Wiederaufbau. Read the rest of this entry »
Mai 9th, 2025 |
Published in
Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken
Informationsbroschüre zur Bund-Länder-Vereinbarung betreffend den Erhalt der Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma
Das ehrende Gedenken an die während des Holocaust ermordeten und verfolgten Sinti und Roma ist ein zentraler Bestandteil der kulturellen Identität unserer Minderheit. Mit der Bund-Länder-Vereinbarung vom 5. Dezember 2018 betreffend den Erhalt der Gräber der unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Sinti und Roma (BLV) haben Bund und Länder gemeinsam beschlossen, dieses Gedenken zu würdigen und den dauerhaften sowie würdevollen Erhalt dieser Grabstätten zu gewährleisten. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Initiator dieser Vereinbarung, möchte mit der vorliegenden Informationsbroschüre zur BLV sowohl der Minderheit als auch der Öffentlichkeit mehr Klarheit und Transparenz in Bezug auf die Umsetzung der Vereinbarung bieten. Die Broschüre richtet sich zudem an Friedhofsverwaltungen sowie an alle, die Verantwortung für den Erhalt dieser Grabstätten tragen. Sie bietet einen umfassenden Einblick in die Thematik, beantwortet zentrale Fragen und plädiert für einen sensiblen und respektvollen Umgang – insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung dieser Gräber für die Angehörigen der Verstorbenen.
→Informationsbeschüre (PDF)
(Text: Zentralrat)
Mai 6th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Politik
Offener Brief: Romani Rose kritisiert Auslassung der Sinti und Roma in Gedenkrede
Zentralrat deutscher Sinti und Roma: In einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz hat Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats, seine tiefe Empörung darüber zum Ausvdruck gebracht, dass in der Gedenkansprache zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konvzentrationslagers Neuengamme (mehr hier) zwar der sechs Millionen jüdischen Opfer der Shoah gedacht wurde, die 500.000 ermordeten Sinti und Roma jedoch unerwähnt blieben. Der Brief im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,
ich möchte Ihnen meine Empörung und Fassungslosigkeit zum Ausdruck bringen, dass Sie, Herr Bundeskanzler, zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Neuengamme in Ihrer Ansprache zu Recht an die „sechs Millionen Frauen, Männer und Kinder jüdischen Glaubens“ erinnerten und gedachten, „die der Shoah zum Opfer fielen“, das Leid und die Ermordung der 500.000 Sinti und Roma, die im NS-besetzten Europa ermordet wurden, aber ignorierten. Es gibt in Deutschland keine Familie unserer Minderheit, die nicht von diesem schrecklichen Verbrechen betroffen war. Orte wie Auschwitz, Majdanek, Treblinka, Bergen-Belsen oder Neuengamme sind für unsere Minderheit zu den größten Friedhöfen geworden. Bundeskanzler Helmut Schmidt hat 1982 dieses Verbrechen an unserer Minderheit völkerrechtlich anerkannt.
Ich schäme mich vor den Nachkommen der Opfer des Holocausts unserer Minderheit und den wenigen Überlebenden, dass ich es trotz einer fast fünfzigjährigen politischen Arbeit in diesem Land nicht erreicht habe, dass auch dieser Völkermord an unserer Minderheit zum Bestandteil des nationalen Erinnerns und des Gedenkens wurde.
Read the rest of this entry »
April 23rd, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV
Arolsen Archives: Videopodcast „Verbrechen Vergessen“, 17.2.2025 (41.09 min)
Als die Sintezza Rosa Mettbach 20 Jahre alt ist, deportieren die Nationalsozialisten sie in das Konzentrationslager Auschwitz. Rosa überlebt als einzige ihrer großen Familie, die Nazis ermorden ihre sieben Geschwister und ihre Mutter. Nach dem Krieg versucht Rosa, Entschädigung für ihr erlittenes Leid zu beantragen, doch ihr Antrag wird abgelehnt. Ausgerechnet von genau den Nazis, die vor 1945 an der Deportation der Sinti und Roma beteiligt waren. In dieser Folge „Verbrechen Vergessen“ sprechen Susi und Lilith über Rosa Mettbach, die ihr Leben lang für die Anerkennung und Entschädigung des Leids, welches Sinti und Roma durch die NS-Verfolgung erlitten, kämpfte. Dafür hat Lilith mit einem Menschen gesprochen, der Rosa besonders gut kannte – mit ihrem Enkel Johann Mettbach. Wir bedanken uns an dieser Stelle von Herzen, dass er Rosas Geschichte mit uns teilt!
Bei „Verbrechen Vergessen – Was nach 1945 geschah“ sprechen wir über wahre Verbrechen, die zwar größtenteils nach dem Krieg stattfanden, aber unmittelbar mit den Verbrechen der Nazis zusammenhängen. Read the rest of this entry »
April 9th, 2025 |
Published in
Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus: Interview mit Shimano Petermann
Arolsen Archives: Podcast „Keine Geschichte“ vom 3.2.2025 (12.57 min)
Wusstest du, dass die Nationalsozialisten schätzungsweise 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma verfolgten und ermordeten? Shimano erzählt in dieser Folge „Keine Geschichte“ von seinem Opa, der als Kind das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. Doch auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs hörte die Diskriminierung gegen Sinti und Roma in Deutschland nicht auf. Antiziganismus gehört für viele Betroffene zum Alltag. Timm Giesbers und Shimano Petermann sprechen über Vorurteile gegen Sinti und Roma heute und über die Geschichte des Box-Profis Johann Trollmann, einen Sinto, den die Nazis im KZ töteten. Read the rest of this entry »