Geschichte & Gedenken

RomaRespect #6: Gedenken in Lety (2015)

September 9th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio & TV

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #6: Gedenken in Lety u Pisku (Tschechien)

Sendung vom 7.5.2016: Lety u Písku ist ein Ort in der Mitte der Tschechischen Re­publik mit einer riesi­gen industri­el­len Schweine­mast­anlage aus den 70er Jah­ren. Und die steht auf dem Gelände eines ehe­ma­li­gen Kon­zentra­tions­lagers, in dem während der Be­set­zung Tschechiens durch die deut­schen National­sozia­lis­ten ge­zielt Roma und Sinti ge­fan­gen gehal­ten und teils ermordet wur­den. Die jahr­zehnte­lange Existenz der Schweine­mast­anlage emp­fin­den Roma-Ver­tre­ter/innen und Men­schen mit Em­pathie als un­ge­heuer­liche Pietät­losig­keit. Am 16. Mai 2015 trafen sich dort Aktivisten/innen, Roma und Nicht-Roma von den Or­gani­sa­tio­nen Konexe, Free Lety u.a. Sie setzen sich seit 1994 für würde­volle Gedenk­for­men an den Porajmos an die­sem Ort ein.
 In dem Radio-Feature sind O-Töne des alter­na­ti­ven Gedenkens zu hö­ren: Der His­tori­ker Markus Pape erzählt von der Geschichte des KZ Lety und des Ge­denkens, Zeit­zeugen/innen sprechen, eine Gedenk­minute wird ab­ge­hal­ten, es wird ge­sungen, es wird de­monstriert, bis die Polizei laut­stark zu­reift, es wird skan­diert und bis in das Nachbar­dorf Mirovice mar­schiert, um dann auf dem dor­ti­gen Fried­hof der Er­mor­de­ten des KZ zu ge­den­ken. 
Das Kopf­bild dieser Sen­dung zeigt das von Roma und Romnja selbst auf­gestell­te Denkmal für die To­ten des KZ Lety, die in Mirovice auf dem Friedhof be­gra­ben sind.

Update, dROMa-Red.:
Nach jahrelangen leeren Versprechungen scheint es nun mit dem Auf­kauf des Mast­betriebs durch den tsche­chi­schen Staat tat­säch­lich ernst zu werden: KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf, 4.8.2017

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Neue Regelung zu Ghetto-Renten

September 2nd, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

"Zigeunerghetto" (Foto: www.sintiundroma.de)Aussendung des Zentralrats: Neufassung der Richt­linie der deutschen Bundes­regie­rung über eine An­erken­nungs­leis­tung an Ver­folg­te für Arbeit in einem Ghetto, die kei­ne Zwangs­arbeit war

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich ge­mein­sam mit den jüdischen Ver­bän­den in Deutschland und in Polen dafür ein­ge­setzt, dass es für die we­ni­gen noch leben­den Men­schen, die in Ghettos während der NS-Herrs­chaft arbeiten muss­ten, noch eine Entschädigung ge­ben soll.

Das Bundeskabinett hat dazu am 14. Juni 2017 die Neu­fassung der Richt­linie der Bundes­regierung über eine An­erken­nungs­leis­tung an Verfolgte für Arbeit in einem Ghetto, die keine Zwangs­arbeit war (An­erkennungs­richtlinie) be­schlos­sen.

  1. Die Neufassung der Richtlinie begründet im § 1 Ziffer 1 einen An­spruch auf eine ein­mali­ge Leis­tung für Per­so­nen, „die sich zwangs­weise in einem Ghetto auf­gehal­ten haben, das in einem Gebiet des national­sozia­lis­ti­schen Einfluss­be­reichs lag, und wäh­rend dieser Zeit ohne Zwang in einem beschäf­tigungs­ähn­li­chen Ver­hält­nis ge­arbei­tet haben“, wenn sie „für diese Arbeit kei­ne Leis­tung aus den Mit­teln der Stif­tung ‚Erinnerung, Ver­ant­wor­tung und Zukunft‘ er­halten haben oder hät­ten er­hal­ten können“. Die ein­malige Leis­tung be­steht nach § 2 Zif­fer 1 aus einer Kapital­zahlung in Höhe von 2.000 Euro.
  2. Nach § 2 Ziffer 2 besteht zudem die Möglich­keit einen An­trag auf einen einmaligen Rentenersatzzuschlag in Höhe von 1.500 Euro zu stel­len, wenn ein „Ver­folgter, bei dem die Voraus­setzun­gen des § 1 Ab­satz 1 Satz 1 des Ge­setzes zur Zahl­bar­ma­chung von Renten aus Be­schäf­ti­gun­gen in einem Ghetto vor­liegen, nur des­halb keinen An­spruch auf eine Rente aus der ge­setz­li­chen Renten­ver­siche­rung [hat], weil die all­ge­mei­ne Warte­zeit nach § 50 Ab­satz 1 Satz 1 des Sechs­ten Bu­ches Sozial­gesetz­buch nicht er­füllt ist“.

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Fünf Jahre Denkmal in Berlin

August 28th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)

»Every Day is Romaday!«
Konferenz zur Teilhabe von Roma und Sinti in Deutsch­land (Berlin, 22. No­vem­ber 2017)

Im Herbst 2017 jährt sich die Einweihung des Denkmals für die im National­sozia­lis­mus er­mor­­de­­ten Sinti und Roma Europas zum fünf­ten Mal. Die deutsche Bun­des­­kanz­lerin unter­­strich da­mals in ihrer Rede: »Sinti und Roma müs­sen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Des­halb ist es eine deutsche und eine euro­­päi­­sche Auf­gabe, sie dabei zu unter­­stützen, wo auch immer und inner­­halb wel­cher Staats­gren­zen auch immer sie leben.«

Antiziganistische Vorurteile sind in der deutschen Gesell­schaft nach wie vor tief ver­ankert: Zuletzt zeigte 2016 die Studie »Die ent­hemmte Mitte« der Uni­ver­si­tät Leipzig, dass 57,8% der Be­frag­ten ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen wür­den. Knapp 50% wol­len Sinti und Roma aus den Innen­städten ver­bannen. Zur Über­windung dieser Dis­krimi­nie­rung wurde das Bündnis für Soli­darität mit den Sinti und Roma Europas ge­grün­det, das mit der Unter­stützung des deut­schen Bun­des­pro­gramms »Demokratie leben!« des Bun­desministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Mitt­woch, den 22. No­vem­ber 2017, in Berlin eine Konferenz ver­an­staltet, um die in Deutschland bis­her um­ge­setz­ten Anti­dis­krimi­nie­rungs­maß­nahmen auf­zu­zeigen.

Unter dem Titel »Every Day is Romaday! Dialog mit Politik, Be­hör­den und Bildungs­ein­rich­tun­gen in Deutsch­land« wer­den Arbeits­ergeb­nisse prä­sen­tiert und Hand­lungs­empfeh­lun­gen für wei­ter­hin not­wen­dige Ver­än­de­run­gen ent­wickelt. Landes­fachtage und Schul­work­shops fin­den hierzu bereits ab Juli in den Bundes­ländern statt. Die Akteure und Akteu­rin­nen in den Kom­mu­nen und Vereinen wol­len eine Ab­schluss­er­klä­rung mit kon­kre­ten Forde­run­gen zur Bekämp­fung des Antiziganismus ent­wickeln und an die neue Bun­des­regie­rung über­geben.

Erwartet werden 300 Gäste aus dem gesamten Bundes­gebiet. Ta­gungs­orte sind von 12.30 bis 20.00 Uhr die Parochial­kirche und das Palais Podewil in Berlin-Mitte.

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Lichtenhagen: Die Roma, ein blinder Fleck

August 27th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

"Lichtenhagen im Gedächtnis"Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finan­zier­tes Archiv- und Ver­mitt­lungs­projekt zu den ras­sis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen vor dem „Sonnen­blumen­haus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neu­es Deutschland) sprach mit ihm über die Schwie­rig­keiten, die Gewalt­aus­brüche des Som­mers 1992 zu re­konstru­ie­ren. Wir bringen im Fol­gen­den einen Aus­zug; das un­ge­kürzte Inter­view fin­den Sie hier.

„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bür­gerin­nen und Bürgern, die damals ge­sam­melt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natür­lich zu­nächst oft Medien­dokumente, schwer­punkt­mäßig aus den loka­len Zeitungen. Die Flugblätter, die da­mals von den Rechten in Um­lauf ge­bracht wur­den und die von der Gegen­seite. Wir haben alle Unter­lagen aus dem da­mali­gen Alter­na­ti­ven Jugend­zentrum über­nom­men, darun­ter ist eine zeit­ge­nös­si­sche Chrono­lo­gie der Er­eig­nisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betrof­fe­nen re­konstru­ie­ren zu helfen. Dazu gibt es bereits An­sätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Hein­rich-Böll-Stif­tung eine Reihe von Zeitzeugen­interviews auf­ge­zeich­net, mit da­mali­gen Bewohnern des Heims für viet­name­si­sche Vertrags­arbeiter (…) und mit Gegen­aktivisten. Wäh­rend viele viet­name­sische Zeit­zeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereig­nissen ge­grün­deten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwie­rig, Stim­men der dama­ligen Roma-Flücht­linge zu fin­den, gegen die sich die rassis­tische Mobil­ma­chung zuerst ge­rich­tet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wur­den nach dem ent­spre­chen­den Ab­kom­men vom Sep­tem­ber 1992 zurück­gebracht. Ihre indi­vi­duel­len Blick­winkel sind bisher tat­säch­lich ein blinder Fleck. Immer­hin spielen Roma als Gruppe inzwi­schen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Diens­tag­abend [nahm] mit Romani Rose vom Zentral­rat der Sinti und Roma erst­mals ein Ver­tre­ter der Roma an einer Gedenk­ver­ans­tal­tung [teil].

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25 Jahre Rostock-Lichtenhagen

August 25th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutschland im August 1992: Pogrom in Rostock-Lichtenhagen (Foto: Vor 25 Jahren tobte in Rostock-Lichtenhagen ein rassis­ti­scher Mob. Über Tage hin­weg griffen im August 1992 hun­derte An­wohner und Neonazis eine Asyl­ein­richtung und ein Aus­länder­wohn­heim an­, meh­rere Gebäude gin­gen in Flam­men auf. Begonnen hat all dies mit einer rassis­ti­schen Kam­pagne gegen Roma-Flücht­linge aus Ru­mä­nien. Bei der Gedenk­feier in Rostock sprach auch Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma. Wir do­ku­men­tie­ren im Fol­gen­den seine Rede.

Bei den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen han­delte es sich um die mas­sivsten fremden­feindlich moti­vier­ten Über­griffe der deut­schen Nach­kriegs­ge­schichte. Wir wis­sen heute, 25 Jahre danach, dass das Pogrom eben kein ,,aus dem Ruder ge­lau­fe­ner Protest“ war, wie damals be­haup­tet wurde. Son­dern hier sollte ein von Nazis lange vor­berei­te­tes, mör­de­ri­sches Signal gegen Flücht­linge und Aus­länder ge­ge­ben werden.

Das Pogrom von Lichtenhagen fiel in eine Zeit kurz nach der Auf­lö­sung der DDR, in der in Rostock sehr viele Men­schen arbeits­los waren. Viele Ein­wohner hatten jede Zukunfts­perspek­tive ver­loren. Gleich­zeitig kamen 1992 hundert­tau­sende Flücht­lin­ge nach Deutschland, um hier Asyl zu be­an­tra­gen. Die Zentrale Auf­nahme­stelle für Flücht­linge in Rostock-Lich­ten­hagen war wie viele an­dere in dieser Phase völ­lig über­fordert.

Im August 1992 griffen dann hunderte Gewalttäter zuerst die Ge­bäu­de der Zentralen Auf­nahme­stelle, das so­ge­nann­te Sonnen­blumen­haus, und dann den da­neben ste­hende Wohn­block viet­na­me­si­scher Fa­mi­lien mit Steinen und Molotow-Cock­tails an. Die Gewalt zog sich über meh­rere Tage hin­weg, be­gleitet von Fern­sehen und Medien, wäh­rend die Polizei taten­los zu­schaute.

Tausende Anwohner und Schaulustigen bejubelten die ge­walt­sa­men Angriffe der Nazis. Mehr als 100 Men­schen ent­gingen nur knapp dem Tod in den Flammen. Die Fernseh­bilder mit den bren­nen­den Wohn­gebäu­den sind in unser kol­lek­ti­ves Gedächt­nis ein­ge­gan­gen. Dabei gerät leicht in Ver­ges­sen­heit, dass der Es­ka­la­tion ein zu­neh­mend aggres­si­ver Rassismus in den Me­dien und in der Politik voraus­ging.

Die bereits Tage vorher angekündigte Gewalt rich­te­te sich zuerst ge­gen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien, die tage- und wo­chen­lang vor der Zentra­len Auf­nahme­stelle unter men­schen­un­wür­di­gen Be­din­gun­gen und ohne jede Ver­sorgung im Freien kam­pieren muss­ten. Durch die be­usst herbei­geführten un­hygie­ni­schen Zu­stände sollte den Flücht­lingen die Würde und damit das Mensch­sein ab­gespro­chen werden. Aus dieser un­halt­baren Situa­tion ent­wickelte sich die aggres­sive Stim­mung vor Ort fast zwangs­läufig. Die Ostsee-Zeitung berichtete vier Tage vor dem Gewalt­exzess über direkte Drohungen gegen Roma. In einem anony­men Anruf an die Zeitung hieß es (Zitat) ,,Die Roma werden auf­ge­klatscht“. Read the rest of this entry »

„Broken Silence“ (2013)

August 23rd, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Teil 2: https://vimeo.com/63692450

Dokumentarfilm von Bob Entrop und Orhan Galjus, 85 Min.

Der Radioreporter Orhan Galjus, geboren im Kosovo, reist durch Deutsch­land, Polen und das Kosovo. Er will wis­sen, warum die Sinti und Roma so lange über den Holocaust ge­schwie­gen haben. Orhan spricht mit deut­schen Sinti, die Auschwitz über­lebt haben, und reist zu wenig be­kannten pol­ni­schen Gedenk­stätten. Mit dem Fort­gang der Ge­schichte ent­faltet sich das innere Drama des Prota­gonis­ten: Er be­fürch­tet, dass künf­tige Ge­ne­ra­tio­nen von ihren Wurzeln ent­frem­det werden. Was müs­sen sie tun, um Gehör zu finden? Warum ver­leug­nen viele ihre Herkunft? Sieht ins­be­son­dere die junge Generation die Paral­le­len zwi­schen der histo­ri­schen Ver­folgung und Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung in der Gegen­wart?

KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf

August 4th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio & TV

Schweinefarm auf dem KZ-Gelände von Lety(Foto: Romeo.cz)Ehemaliges Roma-KZ Lety in Tschechien: Grünes Licht für Auf­kauf des Mast­be­triebs auf KZ-Areal

>>Anhören: MP3

Der Fall ist inzwischen zum „Evergreen“ des politischen Diskurses in Tschechien ge­wor­den: In Lety bei Písek steht eine Schweine­mast. Genau an diesem Ort be­fand sich während der NS-Be­satzung je­doch ein KZ für Roma. Der Staat könnte den Betrieb nun tat­säch­lich bald auf­kaufen, denn der Eigner der Farm hat am Mon­tag grünes Licht für den Ver­kauf ge­geben.

Um diese Entscheidung wurde lange gerungen: Die Aktio­nä­re des Agrar­kon­zerns AGPI haben auf ihrer Voll­ver­samm­lung am Mon­tag dem Verkauf der Schweine­farm in Lety zu­gestimmt. Der Preis wurde nicht ge­nannt. Das Unter­nehmen ließ zudem eine Studie über die Kosten für einen mög­li­chen Neu­bau der Farm an an­de­rer Stelle aus­ar­bei­ten. Jan Čech ist Vize­vor­sitzender des Vor­stands der Agrar­firma: „Wir haben den Ver­tre­tern des Staats unsere Vor­stel­lun­gen mit­ge­teilt. Ich glaube, dass sie dabei sind, das An­gebot nur noch zu prä­zi­sie­ren und den Kauf dann ab­zu­schließen.“

Der für die Angelegenheit zuständige Kulturminister Daniel Herman (Christ­demokra­ten) er­klärte, er sehe kein Problem mehr auf der Sei­te der Eig­ner des Mast­betriebs. Daniel Herman: „Sie haben offen die Bereit­schaft dazu ge­zeigt, das ganze Gelände dem Staat zu ver­kaufen. Die Regie­rung ver­fügt über alle er­for­der­li­chen Unter­lagen und wird Ende August oder An­fang Septem­ber eine Ent­schei­dung treffen. Nach der Zu­stim­mung der Aktio­nä­re steht einem Kauf­ver­trag nichts mehr im Wege.“

Über den Preis wollte der Kulturminister nicht spre­chen. Er wolle die In­teres­sen des Handels­part­ners nicht ver­letzen, des­sen Ent­gegen­kom­men er schätze, sag­te Herman: „Sämtliche Einzel­heiten wer­den nach der Unter­zeichnung des Kauf­vertrags ver­öf­fent­licht. Ich kann jedoch bestä­ti­gen, dass es sich nicht um derart hohe Geld­sum­men han­delt, wie manche schon spe­ku­liert haben.“

Roma-Aktivisten haben zuvor kritisiert, dass über einen Kauf­preis von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Kro­nen für die Schweinemast in Lety spe­ku­liert wur­de. Sie erin­ner­ten daran, dass der vor­heri­ge Eig­ner den Betrieb für nur 3,5 Mil­lio­nen Kro­nen (130.000 Euro) vom Bezirks­amt ge­kauft hatte. Read the rest of this entry »

Dikh He Na Bister! Schau und vergiss nicht!

Juli 30th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dikh he na bister!2. August – Gedenktag an den Völkermord an Roma und Sinti

18:00 – 20:00 Uhr, Ceija-Stojka-Platz
Lerchenfelder Straße 103-109, 1070 Wien

Wien (OTS) – Schau und vergiss nicht! – unter diesem Motto wird am Mitt­woch, 2. August auf dem Wiener Ceija-Stojka-Platz einer hal­ben Mil­lion Men­schen ge­dacht, die vom Nazi-Regime als „Zigeuner“ ver­folgt und er­mordet wurden.

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau er­mor­det. Erst 2015, also 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Welt­kriegs wurde der Genozid an einer hal­ben Mil­lion Roma und Sinti vom Euro­päi­schen Par­la­ment an­erkannt. In der Resolu­tion vom April 2015 wurde dazu auf­ge­rufen der Dis­krimi­nie­rung von Roma ein Ende zu setzen. Das Euro­päi­sche Par­lament for­dert dazu auf, der Opfer des Völkermordes am 2. Au­gust – dem inter­na­tio­na­len Roma Genocide Memorial Day – zu ge­denken. Das EU-Parlament sei „sehr be­sorgt um den stei­gen­den Antiziganismus, der sich in Anti-Roma-Rhe­torik sowie in Über­griffen und Attacken gegen Roma in Europa ma­ni­fes­tiert. Anti­ziganis­mus ist un­ver­einbar mit den Normen und Werten der Euro­päischen Union und sollte in allen Mit­glieds­staaten be­kämpft werden“. Maß­gebend für die An­erkennung waren die Be­mühungen der Roma Genocide Remembrance Initiative und zahl­loser Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen in ganz Europa. Vor allem ju­gend­liche Ak­ti­vis­tinnen und Akti­vis­ten er­ho­ben dafür ihre Stimmen.

In Österreich ermordeten die Nationalsozialisten 90 % der Roma und Sinti. Bis heute ist das Trauma bei den Über­lebenden und den Nach­fahren der Opfer vor­han­den und wirk­sam. Ein Genozid, der lange ver­schwie­gen und ver­ges­sen wurde und heute ak­tuel­ler ist denn je.

Romano Centro organisiert in Kooperation mit der Roma Genocide Remembrance Initiative, Zentrum Exil und rom­blog.at die dritte Gedenk­ver­anstal­tung zum 2. August in Österreich. Eine Ge­denk­ver­ans­tal­tung, bei der Zeitzeugen und An­ge­hö­rige von Opfern zu Wort kom­men. Read the rest of this entry »

„Großstadt-Zigeuner“ (1932)

Juli 28th, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Großstadt-Zigeuner, Stummfilm, D 1932
Regie/Kamera/Schnitt: László Moholy-Nagy (1895-1946)

„Als László Moholy-Nagy 1932 seinen knapp zwölf­minü­ti­gen Experi­mental­film in Berlin drehte, bestä­tig­te er zwar das ver­brei­tete Bild der Sinti und Roma, die sich als Wahr­sagerin­nen, Musiker und Bären­vor­führende be­tätig­ten; doch zeigte er sie gleich­zeitig als fröhliche und selbst­bewusste Gemein­schaft. Moholy-Nagy konnte nicht ahnen, dass Sinti und Roma schon weni­ge Jahre spä­ter eben­so wie die europäi­schen Juden im Faden­kreuz der NS-Ver­nich­tungs­politik stehen sollten.“ (Goethe-Institut)

„In seinem Film ,Großstadtzigeuner‘ aus dem Jahr 1932 porträ­tiert der ungarische Künstler, Medien­theo­re­ti­ker und Filme­macher László Moholy-Nagy die Mit­glie­der einer Roma-Ge­mein­schaft in Berlin. Er zeigt Männer beim Karten­spiel, Mädchen, die einander die Haare käm­men, strei­tende Frauen, eksta­ti­sche Musiker, aus­gelassen tan­zende Zuhörer. Im­mer näher lässt der Filmemacher seine Kamera an diese Men­schen heran­gleiten, mehr und mehr bleibt sie dabei an Details hän­gen: an Händen, Füßen oder Ge­sich­tern. Sie greift den Rhyth­mus der Be­we­gun­gen auf, wird so zum Teil des Ge­sche­hens. Aus den selt­sams­ten Blick­winkeln hat Moho­ly-Nagy seine Pro­ta­gonis­ten ge­filmt, oft von unten oder von schräg oben. Mal be­wegen sie sich aus der Un­schärfe in die Schärfe, mal aus dem Licht in den Schat­ten und um­ge­kehrt. Read the rest of this entry »

Forschungsstelle Antiziganismus in Heidelberg

Juli 25th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität HeidelbergForschungsstelle Antiziganismus an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg nimmt Ar­beit auf: Wis­sen­schaft­ler unter­suchen Aus­gren­zung von Sinti und Roma in Ge­schichte und Ge­gen­wart

Pressemitteilung, 24.7.2017: Eine Forschungsstelle, die sich dem Thema der Aus­gren­zung, Dis­kri­mi­nie­rung und Verfolgung von Sinti und Roma in historischer Per­spek­tive wid­men wird, hat an der Uni­ver­si­tät Heidel­berg ihre Arbeit auf­ge­nom­men. Die feier­liche Er­öff­nung fin­det am 28. Juli 2017 statt. Die Ein­rich­tung die­ser For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus geht auf einen Staats­vertrag zurück, den der Landes­ver­band Baden-Württem­berg im Ver­band Deut­scher Sinti und Roma und das Land Ba­den-Württemberg im No­vem­ber 2013 ge­schlos­sen haben.

An der Eröffnungsveranstaltung, zu der der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, ein­ge­la­den hat, wer­den die ba­den-württem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­minis­te­rin Theresia Bauer, der Vor­sitzende des Landes­ver­bandes, Daniel Strauß, und der Vor­sitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, teil­nehmen.

„Mit der Förderung der Forschungsstelle Antiziganismus setzen wir ein Zei­chen – gegen das Schweigen, für die Auf­klärung. Damit wird das Land auch seiner histo­ri­schen Ver­pflich­tung den Sinti und Roma gegen­über ge­recht“, be­tont Minis­te­rin Bauer. Die neue Ein­rich­tung wird aus Mitteln des ba­den-württem­bergi­schen Wissen­schafts­minis­te­riums finan­ziert. Die For­schungs­stelle be­schäf­tigt sich mit grund­legen­den Fragen zu Ur­sa­chen, Formen und Folgen des Anti­ziganis­mus in den euro­päi­schen Gesell­schaf­ten vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

„Ausgehend von der bis heute anhaltenden Stigmati­sie­rung von Sinti und Roma gilt es, Stereotype, Vor­urteile und die daraus resul­tie­ren­den Mecha­nis­men der Ausgrenzung his­to­risch fun­diert unter dem Dach der noch jungen Anti­zi­ga­nis­mus­forschung zu un­ter­suchen. Dies ist eine Auf­gabe von großer wissen­schaft­licher, gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Dring­lich­keit“, betont der Heidel­berger Zeit­histo­ri­ker Prof. Dr. Edgar Wolfrum, der das Kon­zept für die For­schungs­stelle mit Mit­arbei­terin­nen des Arbeits­bereichs Min­der­heiten­ge­schich­te und Bürger­rechte in Europa er­ar­bei­tet hat. Read the rest of this entry »