Geschichte & Gedenken

Forschungsprojekt: „Roma und Sinti darstellen“

September 24th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Foto: Eva Besnyö, Junge mit Cello, 1931 (z. V. g. von Anton Holzer)Roma und Sinti darstellen: Fotografische Konstruktionen in Zeitun­gen und Zeit­schrif­ten der Zwi­schen­kriegs­zeit 1918–1939/40

Forschungsprojekt am Institut für Europäische Ethnologie der Uni­ver­si­tät Wien, Mai 2025 bis April 2029

representing-roma-and-sinti.eu

Keine europäische Minderheit stand in den Jahren der Zwischen­kriegs­zeit stärker im Fokus der Foto­grafie als die Gruppe der Roma und Sinti. In vielen euro­päi­schen Ländern ver­öffent­lichten il­lustrierte Zeitungen und Zeit­schriften regel­mäßig foto­grafische Bild­berichte und Repor­tagen zum Thema. Die foto­grafi­schen Re­prä­senta­tio­nen pendelten dabei zwischen stereo­typen Formen der Ideali­sierung und – häufiger noch – Strate­gien der kultu­rellen, sozialen und rassis­tischen Aus­gren­zung. Parallel dazu ent­standen im Zuge der zivilen Emanzi­pations­bewe­gun­gen der Minder­heit in einigen Ländern Roma-eigene Zeit­schriften, die andere, selbst­bewuss­tere Bilder entwarfen. Diese in der Forschung bislang wenig be­achteten Quellen werden vom Foto­historiker Anton Holzer am Institut für Euro­päi­sche Ethnologie der Uni­ver­sität Wien erst­mals syste­matisch unter­sucht.

Das vom FWF geförderte Forschungsprojekt eröffnet einen neuen, differenzierten Blick auf die Reprä­sen­ta­tions­geschichte der Roma und Sinti im 20. Jahr­hundert. Es be­schäftigt sich mit zentralen Fragen der histo­rischen und gegen­wärtigen euro­päischen Kultur: Wie werden kulturelle, soziale und ethnische Grenz­ziehungen gezogen und wie werden sie visuell dar­gestellt? Wer bestimmt in Bildern, Texten und medialen Diskursen darüber, wo und wie die Grenzen zwischen dem (be­haup­te­ten) „Eigenen“ und dem (vor­gestell­ten) „Fremden“ ge­zogen werden? Read the rest of this entry »

„Das Erbe der überlebenden Sinti und Roma“

September 7th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Veranstaltungsplakat (Bild: Forschungsstelle Antiziganismus)Deutsch-tschechische Konferenz zur Erin­ne­rung an den Völ­ker­mord an Sinti und Roma in Prag

Vom 11. bis 13. September 2025 findet in Prag bzw. in der Gedenkstätte in Lety eine deutsch-tsche­chische Konfe­renz statt. Anlass ist der 80. Jahrestag des Endes des Zwei­ten Weltkriegs. Unter dem Titel „Das Erbe der über­leben­den Sinti und Roma über Gene­ratio­nen hinweg. An­erken­nung, Ver­antwor­tung und Heraus­for­derun­gen 80 Jahre nach dem Zweiten Welt­krieg“ kommen Nach­fahren von Über­leben­den, Aktivis­tinnen und Aktivisten, Histo­rikerin­nen und Historiker, Forschende sowie Ver­treterin­nen und Vertreter öffent­licher Institu­tionen aus Deutschland und Tschechien zu­sammen.

Die Konferenz wird von der Forschungsstelle Antiziganismus der Univer­sität Heidelberg und dem Institut für Zeit­geschichte der Tsche­chi­schen Akademie der Wissen­schaften orga­nisiert. Dis­kutiert werden Fragen der Erin­ne­rungs­kultur in beiden Ländern, die ethischen Dimen­sionen der Forschung zum Völkermord an Roma und Sinti, die trans­generatio­nelle Weiter­gabe von Traumata sowie die Per­spektive der zweiten und dritten Generation. Ein weiterer Schwer­punkt liegt auf der kritischen Aus­einander­setzung mit Dokuvmenten von Täterin­nen und Tätern und ihrer Rolle in der histo­rischen Auf­arbeitung.

„Am meisten freut mich, dass so viele Nachkommen von Überlebenden aus Tschechien und Deutschland unserer Ein­ladung gefolgt sind. Einige von ihnen tragen ent­weder direkt zur Organi­sation der Kon­ferenz bei oder halten Vorträge. Dank ihrer Teil­nahme wird dies eine wirklich außer­gewöhn­liche Ver­anstal­tung, bei der die Vertreter aller über­lebenden Gene­rationen die für sie wichtigen Themen an­sprechen können“, erklärt die Historikerin Renata Berkyová von der Tsche­chi­schen Akademie der Wissen­schaften gegen­über dem tsche­chischen Nach­richten­server Romea.cz. Sie ist eine der Organi­sato­rin­nen der Kon­fe­renz.

Am Anfang des dreitägigen Programms steht am 11. September 2025 die Premiere zweier Dokumentarfilme. Im Prager Kino „Ponrepo“ werden zwei Filme über die zweite Genera­tion von Holocaust-Über­leben­den gezeigt: die deutsche Pro­duk­tion „Auschwitz verlassen“ (2024, Regie: Margitta Steinbach, 30 Minuten) und der tsche­chische Doku­mentar­film „Když se bolest dědí“ („Wenn Schmerz vererbt wird“, 2025, 40 Minuten, Regie: František Bikár und Renata Berkyová). Die Vor­führung wird be­gleitet von einer Podiums­dis­kussion mit den Filme­macherin­nen und Pro­tago­nisten.

Am 12. September findet die eigentliche Fachkonferenz mit drei internatio­nal besetzten Panels statt. Read the rest of this entry »

NS-Rasseakten: Archiv kooperiert mit Zentralrat

September 2nd, 2025  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Deutschland: Luftbild des Bundesarchivs in Koblenz (Quelle: BArch, B 198 Bild-2016-0922-001 / Weber, Günter (Download Presse+Medien)Zeichen setzen in Zeiten eines wachsen­den Anti­ziga­nis­mus: Deut­sches Bun­des­archiv und Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma schlie­ßen Ko­ope­ra­tions­ver­ein­ba­rung

Das Bundesarchiv und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma haben eine Ko­opera­tions­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen. Am 1. Sep­tember unter­zeich­neten Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rates Deutscher Sinti und Roma, und Michael Hollmann, Präsident des Bundes­archivs, die Ver­ein­barung in Heidelberg. Damit soll in Zeiten eines wach­senden Anti­ziganis­mus in der Gesell­schaft ein Zeichen gesetzt und gleich­zeitig die Aufklärung über die natio­nal­sozia­lis­tische „Rassenforschung“ weiter ver­bessert werden. In Erin­nerung an die im natio­nal­sozialis­tisch be­setzten Europa ermor­deten rund 500.000 Sinti und Roma wurde zuletzt am 2. August der „Euro­päische Tag des Gedenkens an den Genozid an Sinti und Roma“ be­gangen.

Die Unterzeichnung fand 44 Jahre nach der Besetzung des Univer­sitäts­archivs Tübingen statt, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg NS-Akten der „Rassen­hygieni­schen und Bevöl­kerungs­biolo­gi­schen Forschungs­stelle“ (RHF) lagen, die in der NS-Zeit als Planungs­grundlage für den Holocaust an Sinti und Roma dienten und die in der Nach­kriegs­zeit für rassistische Forschungen miss­braucht wurden. Am 1. Sep­tember 1981 hatten 18 Sinti das Uni­versitäts­archiv besetzt, darunter auch Holo­caust­über­lebende und Romani Rose, und die Über­führung der ent­sprechen­den NS-Akten in das Bundesarchiv ge­fordert. Die Unterlagen werden seit­dem im Bestand R 165 im Bundes­archiv verwahrt.

Ein besonders bekanntes Beispiel für rassistische Forschungen in Tübin­gen war Sophie Ehrhardt, die bis 1968 als Anthro­pologin der Univer­sität Tübingen tätig war und un­behelligt die NS-Rasseakten für ihre anti­ziganis­tischen For­schungen über Sinti und Roma nutzte. Erhardt war während der NS-Zeit dem national­sozialis­tischen Rassen­theoreti­ker Robert Ritter unter­stellt. Dieser war Leiter der „Rassen­hygieni­schen For­schungs­stelle“ und bestimmte auf An­weisung von Reichs­führer SS Heinrich Himmler „wissenschaftlich“ die „Rassen­zu­ge­hörig­keit“ von Sinti und Roma, wodurch deren syste­matische Erfassung, die Deportation und Ermordung in Kon­zentra­tions­lagern er­mög­licht wurde.

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Filmarchiv: „Zigeuner in Österreich“ (1954)

August 24th, 2025  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Screenshot, Zwischentitel im Film, 1954 (Filmarchiv Austria)→zum Streaming (Filmarchiv Austria) 19:50 min

Diese 1954 von der Staatlichen Filmstelle produzierte Doku­men­tation mit wissen­schaft­lichem Anspruch zeigt das Leben der Roma und Sinti im Burgenland. Auch nach dem Krieg zählen sie zu den mar­gina­lisier­ten Volks­grup­pen. Por­trätiert wird eine Roma-Siedlung in Mörbisch sowie die fah­renden Sinti, die damals teilweise noch mit Pferde-Fuhr­werken von Ort zu Ort unter­wegs sind. Dass die beiden Volks­grup­pen von den Nazis verfolgt wurden, mit dem Ziel diese aus­zu­löschen, bleibt im Film un­erwähnt.

Aus der Sammlung „Historische Filmdokumente“ des Filmarchiv Austria: Jede Woche werden neu restau­rierte histo­rische Film­doku­mente aus über 120 Jahren Kultur- und Zeit­geschichte aus der Samm­lung des Filmarchiv Austria prä­sentiert.

Originaltitel: Zigeuner in Österreich (Österreich 1954)

Kamera: Dr. Walter Dostal, Ton­auf­nah­men: Herbert Melichar, Pro­duk­tions­firma: S.H.B.-Film (Bundes­staat­liche Haupt­stelle für Lichtbild und Bildungs­film, Wien), Quelle: 16-mm-Po­si­tiv, Samm­lung Film­archiv Austria, restau­rierte Fassung, © Film­archiv Austria, 2025

(Filmarchiv Austria)

Anmerkung der dROMa-Redaktion:

Joschi, der Bub im Film, verstarb Anfang Juni in Wien. Wir spre­chen seiner Fa­milie unser herz­li­ches Beileid aus!

2. August: Roma-Fahne am Grazer Rathaus

August 8th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken

Rathaus mit Roma-Fahne in Graz (Bild: Tristan Ammerer)„Der 2. August ist interna­tio­na­ler Roma-Ge­no­zid-Ge­denk­tag. Eine halbe Mil­lion Roma und Sinti wurden von den Natio­nal­sozia­lis­ten er­mordet. Als (mei­nes Wissens) ein­zige Stadt Öster­reichs ge­denkt die Stadt Graz mit einer Be­flag­gung am Rathaus. In Wien immer­hin ein paar Be­zirks­ver­tre­tun­gen“, schreibt der Grazer Stadt­poli­ti­ker Tristan Ammerer, unter anderem Sprecher für Er­inne­rungs­politik und Men­schen­rechte der Grünen im Ge­meinde­rat, auf BlueSky.

Dazu postet er die­ses Foto (hier größer), das wir Ihnen nicht vor­ent­hal­ten möch­ten.

Österreichs Parlament gedenkt der Roma-Opfer

August 2nd, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Von links: stellvertretende Vorsitzende des Volksgruppenbeirats Andreas Sarközi, Vorsitzende des Volksgruppenbeirats Emmerich Gärtner-Horvath, Bundesratspräsident Peter Samt (FPÖ), Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner (ÖVP) , Bild: Parlamentsdirektion/ Johannes Zinner, 1.8.2025Der 2. August erinnert an die ermordeten Ro­ma und Sinti im Natio­nal­sozia­lismus. Bun­des­rats­prä­sident Peter Samt und Zwei­ter Na­ti­o­nal­rats­prä­sident Peter Haubner legten im Ge­­denken Kränze nieder.

Rund 500.000 Roma und Sinti wurden Opfer der nationalsozialistischen Gewalt­herrschaft. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden im Kon­zentra­tions­lager Auschwitz-Bir­kenau über 4.000 Ange­hörige der Volks­gruppe ermordet. Seit 2015 gilt der 2. August in Europa als Gedenktag für Roma und Sinti – in Österreich seit ver­gan­genem Jahr.

Kranzniederlegung im Gedenken an hun­dert­tau­sende Opfer

Bundesratspräsident Peter Samt und Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner legten im Namen der Parla­ments­spitze Kränze nieder. Gemein­sam mit dem Vor­sitzenden des Volks­gruppen­beirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath und dessen Stell­vertreter Andreas Sarközi, gedach­ten sie der Opfer.

Es sei ihm wichtig, dass Volksgruppen in Österreich nicht gegeneinander, nicht neben­einander, sondern mit­einander leben und dass die kultu­rellen Wurzeln, die Ver­schie­den­artig­keit und das Gemein­same geschätzt werden, erklärt der Vor­sitzende der Länder­kammer Peter Samt. „Was einst mit Vorurteilen begann, endete in Lagern und Gräbern“, betont Zweiter National­rats­prä­sident Peter Haubner. „Wer heute noch schweigt, wenn Roma und Sinti oder andere Minder­heiten an­ge­feindet werden, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Am Gedenk­tag hören wir hin, erin­nern uns und geloben, nie­mals zu schweigen.“

Im Rahmen der Veranstaltung wurde von dem Schauspieler Serge Falck ein Text aus dem Inter­view­projekt „Mri Historija“ des Vereins Roma-Service vor­ge­tragen. Geschil­dert wird dabei die Lebens­geschichte von Anton Müller, einem Über­lebenden der Kon­zentra­tions­lager Auschwitz und Mauthausen. Read the rest of this entry »

Versicherheitlichung der osmanischen Roma

Juli 29th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Wissenschaft

Yücel Meheroğlu (2024): Der historische Versicher­heit­li­chungs­prozess der Osma­ni­schen-Tür­ki­schen Roma (1908-1951)

Phil. Diss., Technische Uni­ver­­si­tät Berlin (Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften), 642 S.

→zum Download der TU Berlin

Abstract (Link):

Im Mittelpunkt der Dissertation steht die politische Konstruk­tion der osmani­schen-tür­kischen Roma als ein Sicher­heits­problem im Zuge des 20. Jahr­hunderts (1908–1951). Die Arbeit baut auf der Hypothese auf, dass eine von Sicher­heits­akteuren ver­folgte Ver­sicher­heitli­chungs­politik inner­halb des osma­nisch-tür­kischen Staats­apparates Roma als eine fragile Gemein­schaft in der heutigen Türkei hervor­gebracht hat, die weitest­gehend in ihren Staats­bürger­rechten be­schnitten ist. Dieser Politik ist die Zu­schrei­bung als „Zigeuner“ in­härent und die sie damit als eine rassiali­sierte Gemein­schaft konsti­tuierte. Anhand des Themen­komple­xes Mobilität, Migration und Staats­bürger­schaft werden die Kon­tinui­täten und Zäsuren dieser Politik zwi­schen dem Osma­nischen Reich und der Türkei unter Heran­ziehung einer Fülle von Quellen­materia­lien analy­siert. Die sich hieraus er­geben­den zentra­len Fragen sind die fol­genden: Wann, wie und von wem wurde der Sicher­heits­diskurs um die Roma generiert? In welchen Dis­kursen und Praktiken schlug sich dieser nieder? Diese histori­sier­baren Pro­zesse und Dynami­ken versucht die Autorin anhand der metho­dolo­gischen Kom­bina­tion von Ver­sicher­heitli­chung (securitization) und Ge­schichts­wissen­schaft zu erfassen. Gleichzeitig ist es ein An­liegen der Dissertation, die Geschichts­losig­keit zu be­enden und Roma als histori­sche Akteure und damit als orga­nischer Teil der modernen os­mani­schen-tür­kischen Geschichte sichtbar zu machen.

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„Verzeihen bedeutet nicht vergessen“

Juli 25th, 2025  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellungsgegenstand: Stuhl der Großeltern von Franz-Elias Schneck (Foto: Dokumentations- u. Kulturzentrum Deut­scher Sinti u. Roma)„Das vergessene Gedächtnis“ Ein Samm­lungs­pro­jekt in Deutschland

Seit 2023 sammelt und bewahrt das beim Dokumentations- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma in Heidelberg angesiedlete ProjektDas vergesse­ne Ge­dächt­nis„Objekte, die von Geschichte und Kultur von Sinti und Roma in Europa wäh­rend des Holocaust bis heute erzählen“, so die Selbstbeschreibung auf der Website: „Im Projekt sammelt ein Team aus Expertin­nen und Experten am Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Objekte aller Art [...]. Dazu zählen Möbel, Kleidungs­stücke, aber auch Dokumente und Fotos aus der NS-Zeit bis heute. Jedes Objekt wird erst nach sorg­fältigen Gesprächen mit den Objekt­gebern auf­ge­nommen und in einer eigens erstell­ten Datenbank ver­zeichnet. Video­interviews mit Zeitzeugen und ihren Nachfahren, den ,Zweit­zeugen‘, werfen Schlag­lichter auf die Bio­grafien der Men­schen hinter den Dingen. ,Zweitzeugen‘ können etwa Kinder, Enkel oder Urenkel von Über­leben­den des Holocaust sein. Aus dem so ent­stehen­den Material extra­hiert der Video­redak­teur unseres Teams signifi­kante Auszüge, die sich etwa auf die von den Zeitzeugen zur Ver­fügung ge­stellten Gegen­stände beziehen oder von Erfah­rungen erzählen, die wichtige Einblicke in Kultur und Gesellschaft der jewei­ligen Zeit erlauben. Die Interviews werden gleichzeitig in voller Länge für den Aufbau einer muse­alen-ar­chiva­li­schen Sammlung auf­bewahrt. [...] Verlorenes wieder­finden, Ver­schwun­denes als Leerstelle zeigen, Erin­nerun­gen erhalten – darum geht es im Projekt ‚Das vergessene Gedächtnis‘. Die Spuren von Menschen, die gelebt haben und die leben, sollen wieder sichtbar ge­macht, Biografien erzählt werden – von jenen, die etwa als Kind die NS-Zeit überlebten, aber auch von deren Kindern und Enkeln. Gegen­stände und Gespräche ver­mitteln in ihrer Vielfalt Ver­gangenes an­schaulich. Sie zeugen zugleich von der leben­digen Kultur und Geschichte von Sinti und Roma, die nicht im National­sozialismus endete.“

Mit der Koordination von Sammlungaufbau und Aus­stel­lung­gestaltung betraut ist Projekt­leiterin (und dROMa-Gastautorin: [1][2]) Vera Töns­feldt: „Wir wollen die Geschichte der Betrof­fenen er­zählen und sie selbst sprechen lassen. Wir klagen nicht an. Wir er­innern“, erklärt sie im Ge­spräch mit Frédéric Valin für das Am­nesty Jour­nal: Read the rest of this entry »

Facts & Figures (562)

Juli 24th, 2025  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Das Osmanische Reich verfolgte bis zum En­de des 17. Jh. eine pro-no­ma­di­sche Po­li­tik, die Grup­pen wie den Roma staat­li­chen Schutz ge­währte.

(Quelle)

„Die Bewegung der Anderen“ (2023)

Juli 18th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Wissenschaft

Alexander Rode (2023): Die Bewegung der Anderen. Prekäre Mobili­tät im 19. und 20. Jahr­hun­dert in Sach­sen und Leipzig

Phil. Diss., Uni­ver­­si­tät Leipzig (Fakultät für Geschichte, Kunst- und Ori­ent­wis­sen­schaften), 625 S.

→zum Download der Universität Leipzig

Abstract (Link):

Die Dissertation thematisiert die Mobilität von prekären Gruppen wie Vaga­bund:in­nen, Land­strei­cher:in­nen, Sinti und Roma. Sie geht dabei davon aus, dass die als Ab­weichung von der Norm wahr­ge­nom­mene Mobilität – oft als Wandertrieb stig­mati­siert – nicht aus eigenem Antrieb der Betrof­fenen erfolgte, son­dern durch behörd­liche Repres­sion erzeugt wurde. Polizei­liche Repression, Stadt­verweise, Bettel­verbote oder behörd­liche Willkür erzeug­ten Bewe­gungen, die an­schlie­ßend im Diskurs gegen die betrof­fenen Menschen ge­wendet wurde. Die Mobilität dieser Grup­pen war keine Eigen­schaft, selbst­bestimmte Lebens­weise oder kulturelle Eigenart, son­dern das Ergebnis struk­tureller Un­gleich­heit und Ungleich­be­hand­lung. Die Unter­suchung bedient sich dabei einer raum­theore­ti­schen Vor­gehens­weise und Analytik.

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Gondolipeskero bar le Romenge Grujatar

Juli 8th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 7.7.2025 | 6:47 min

Enthüllung des Roma-Gedenksteines in Grodnau

Ando 31. merc 2006 jek lil use o cile gemajn­dscha ando Burgenland le man­gipestar: „Kaj, mre momeltscha otscha te tschav?“ – Afka te jek Grujate jek than, jek gondo­li­pes­kero bar kerdo ulo, kaj le ledschime taj mur­darde Romenge gon­dolim taj jek momeli otscha tschiti schaj ol. Anglo dujto themesshy;kero haburi valami 200 schel Roma Grujate dschiv­nahi. But lendar andi NS-cajt ledschim taj murdarde ule. Sar ande avre burgen­landiti­tike gemajndscha te Grujate jek gon­doli­pes­kero cajchn le manu­schenge kerdo te ol. „On te na pobis­terde te on – schukar ovlahi, te jek tablina delahi, kaj upre terdschol, kitschi Roma agun adaj dschivnahi, taj so lenca kerdo ulo“, phenel i Gerlinde Körper Grujatar.

Am 31. März 2006 erging ein Brief an alle Gemeinden im Burgen­land mit dem Betreff: „Wohin mit unse­ren Kerzen?“ – Somit wurde jetzt auch hier in Grodnau ein Platz, ein Gedenk­stein ge­schaffen, wo man der ver­schlepp­ten und ermor­deten Roma gedenken und eine Kerze hin­stellen kann. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten knapp 200 Romnja und Roma in Grodnau. Die meisten wurden in der NS-Zeit depor­tiert und ermordet. Wie in anderen burgen­län­di­schen Gemein­den soll auch hier in Grodnau ein Erin­nerungs­zeichen dieser Menschen gedenken. Read the rest of this entry »

„Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«“

Juni 25th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Christian Gerhard Kelch (2020): Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«. Zur Ge­schichte der „Grund­lagen­for­schung“ ge­gen Sinti und Roma in Deutschland unter Be­rück­sich­ti­gung der Genese des Anti­zi­ga­nis­mus­begriffs

Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/FAU (Philo­so­phi­sche Fakultät und Fach­bereich Theo­logie), 671 S.

→Download von OPEN.FAU (pdf)

Abstract (Auszug, S. 668 ff.):

Vorliegende Kritik der Tsiganologie setzt sich aus wissen­schafts­ge­schicht­li­cher Per­spektive mit dem Phänomen Anti­ziganis­mus in der deutsch­sprachigen Wissenschaft aus­einan­der. Im Zentrum steht der deutsche Mediziner Dr. Hermann Arnold (1912-2005), der nach dem Völkermord an den Sinti und Roma (Porajmos) durch die National­sozia­lis­ten als maß­gebliche wissen­schaft­liche Instanz bezüglich der Deutung der Lebens­weise und der Geschichte der als »Zigeuner« be­zeich­neten Sinti, Roma und auch Jenischen galt. Die Studie ist als Histo­rische Diskurs­analyse angelegt und fragt nach Konti­nui­täten und Brüchen des „Wissens­diskurses“ über die­jenigen Menschen, die als »Zigeuner« stig­matisiert wurden und werden. Gleich­zeitig wird in Form einer begriffs­geschicht­li­chen Klammer der histori­schen Genese und gegen­wärtigen Rezeption des Anti­ziga­nismus­begriffs, mit dem die spezi­fische Form des Ressen­timents gegen Sinti und Roma und andere Gruppen in Deutschland seit den 1980er Jahren benannt wird und der nach wie vor um­stritten ist, nach­ge­gangen. Im Zentrum stehen dabei die Fragen: 1.) nach dem spezi­fischen Zigeuner­bild Hermann Arnolds, 2.) Arnolds Wirken als „Zigeuner­experte“ in der bundes­deutschen Minis­terial­bürokratie, 3.) nach dem Wandel des Diskurses über ver­meint­liche »Zigeuner« im Verlauf der 1970er Jahre, 4.) nach Kon­tinui­täten zu Arnold in deut­schen Tsiganologie der 1980er und 2000er Jahre und 5.) nach der Rezeption des Anti­ziganismus­begriffs in Deutsch­land. […] Read the rest of this entry »

Zwangslager Ravensburg-Ummenwinkel

Juni 13th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft

Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma:
Das Zwangslager Ravensburg-Ummenwinkel

Podcast „Geschichte nach der Schule“  (Nr. 26), 11.1.2024, 54:53 min.

Dieter Grupp wendet sich in dieser Folge einem über lange Zeit mar­gina­li­sierten Thema der NS-Geschichte zu: der Opfer­gruppe der Sinti und Roma. Weit über das Ende der NS-Dik­tatur hinaus wurden sie nicht als solche an­erkannt und mussten für diese An­er­kennung einen müh­samen und langen Weg gehen.

Um das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven anzugehen, sind heute zu Gast: Dr. Armin Koch, Fach­berater Geschichte am ZSL (Zentrum für Schulqualität und Lehrer­bildung) und Re­feren­dars­aus­bilder am Seminar Weingarten, und Philipp Reinhardt, sein ehe­maliger Schüler und als Sinto Ko-Autor eines Unterrichts­konzepts zum Zwangs­lager Ummenwinkel. Darin wird die Geschichte der Sinti im Ravensburg (Oberschwaben) der 1930er und 1940er Jahre in einen größeren Kontext ein­ge­ordnet.

Im Podcast wird an vielen komplizierten Bereichen der Geschichts­forschung und -di­dak­tik gerührt: Wie soll man solch ein monströ­ses Thema im Unterricht an­ge­messen be­handeln? Was muss un­bedingt beachtet werden, was sollte man vermeiden? Welche Per­spektiven und welche Sprach­regelungen sind zu beachten? Und natürlich – wie kann man heute anti­ziganis­tischen Haltungen be­gegnen? Read the rest of this entry »

Politische Theorie des Antiziganismus

Mai 26th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Tittel CoverLaura Soréna Tittel: Politische Theorie des Anti­ziganismus. Genese und Kritik eines modernen Herr­schafts­ver­hält­nisses (=Beiträge zur kritischen Anti­ziganis­mus­forschung, Bd. 2), transcript Verlag: Bielefeld 2025 [Erschei­nungs­datum: 20.12.2024], 258 Seiten.

→Open Access: Download (pdf)

Antiziganismus ist bis heute weit verbreitet und betrifft Sinti*ze und Rom*nja als An­ge­hörige der größten Minder­heit Europas in beson­derem Maße. Dennoch wird das Thema in Wissen­schaft und Gesell­schaft gleicher­maßen verdrängt. Im Anschluss an die kritische Gesellschafts­theorie ver­bindet Laura Soréna Tittel Über­legungen zur Funktion der »Zigeuner«-Figur in der politi­schen Theorie von Kant, Marx und Adorno mit um­fang­reichem Quellen­material, das von früh­neu­zeitlichen Gesetzes­texten bis zu polizeilich ein­ge­setzten Bildern reicht. Sie zeigt die Genese des modernen Anti­ziganis­mus in der Aufklärung, im Kapitalismus und in der Staatenbildung auf und ermög­licht so kritische Perspek­tiven auf ein gesell­schaft­liches Herrschaftsverhältnis.

(Text: transcript Verlag)

Facts & Figures (556)

Mai 24th, 2025  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

In Ru­mä­ni­en er­in­nert ein einziges öffent­li­ches Ge­­denk­­zei­chen – eine Ge­denk­tafel im Kloster Tismana – an die jahr­hun­der­te­lan­ge Ver­skla­vung der Roma.

(Quelle)

1945 – Ar taj kesdipe | Ende und Anfang

Mai 20th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 19.5.2025 | 8:01 min

Ein Zeitzeugen-Filmprojekt für den Unter­richt: zum Film und zur didak­ti­schen Auf­be­reitung

Jek cajtceugniskero projekto le sikadipeske: jek film uso didak­tischi upre­butscha­linipe – 2025 i Republik Austrija o 80 berschengero ar le dujti themes­kere habu­ristar gondo­linel, o pheripe le NS-re­schi­mistar taj o upre­bauni­nipe le demo­kra­tischi struk­turendar. 22 burgen­landi­tike dschene andar o cile thanes­kere falati le Burgen­landistar, sar le flogos­kere grupnendar le hor­vacken­dar taj ungri­kendar o kerip­tscha andar o bersch 1945 ando Burgenland upre sikade te on. Ande persen­lichi palgon­doliptscha o agune terne pumare terdschi­vip­tscha phukan. Sar o Südostwall­bau, habu­riskere dschene save astarde ule, ungrike dschi­dovtscha mujsini­peskere butjasch­tscha, murda­ripeskere phirip­tscha, haburiskere terdschi­viptscha, ande lipe la Roten armejatar, befrejer – bese­cinipe, virt­schoft­lichi struk­turtscha taj politischi papal upre bauni­nipe. Didakti­schi ciliskero bescha­ripe: Duach o digitali cajt­ceugn interviews siklon o isch­kolasch­tscha o kveliskero vert adale inter­view­jendar te pe urtajlinel. On jerinen ande dikipe, save pedar o fakten­gero dschanipe ari dschan. Afka aktivi, kritischi reflek­sivi siklipe ando histori­jakero sikadipe pomo­schipe dim ol taj i historija ande but minden­felitiko proceso upre lim te ol.

2025 gedenkt die Republik Österreich der 80-jährigen Wiederkehr des Endes des Zweiten Weltkrieges, dem Sturz des NS-Regimes und dem Wieder­aufbau von demo­kra­tischen Struktu­ren. Mittels einer thema­tisch sortier­ten Collage – ohne Text in Overvoice – von kurzen State­ments von 22 Burgen­länder:in­nen aus allen Landes­teilen und den Volks­gruppen der Kroat:in­nen und Ungar:in­nen sollen die Ereignisse des Jahres 1945 im Burgenland auf­gezeigt werden. In persön­lichen Erin­nerungen schildern die damals Jugend­lichen ihre indivi­duellen Erfahrun­gen in den Themen­berei­chen: Südostwallbau, Kriegs­gefangene, unga­risch-jü­dische Zwangs­arbeiter, Todes­märsche, Kriegs­erlebnisse, Ein­marsch der Roten Armee, Befreier – Besatzer, wirtschaft­liche Strukturen und politischer Wieder­aufbau. Read the rest of this entry »

Deutschland: Broschüre zum Erhalt der Gräber

Mai 9th, 2025  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken

Informationsbroschüre des Zentralrats: "Bund-Länder-Vereinbarung betreffend den Erhalt der Gräber der unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft verfolgten Sinti und Roma"Informationsbroschüre zur Bund-Länder-Ver­ein­ba­rung be­tref­fend den Er­halt der Gräber von NS-ver­folg­ten Sinti und Roma

Das ehrende Gedenken an die während des Holocaust ermor­deten und ver­folgten Sinti und Roma ist ein zentra­ler Be­stand­teil der kultu­rellen Identität unse­rer Minder­heit. Mit der Bund-Län­der-Ver­ein­ba­rung vom 5. Dezem­ber 2018 betref­fend den Erhalt der Gräber der unter der national­sozialis­ti­schen Gewalt­herrschaft ver­folgten Sinti und Roma (BLV) haben Bund und Länder gemein­sam beschlos­sen, dieses Gedenken zu würdigen und den dauer­haften sowie würde­vollen Erhalt dieser Grabstätten zu gewähr­leisten. Der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma, Initiator dieser Ver­einbarung, möchte mit der vor­liegenden Infor­mations­broschüre zur BLV sowohl der Minder­heit als auch der Öffent­lichkeit mehr Klarheit und Transparenz in Bezug auf die Umsetzung der Ver­ein­barung bieten. Die Broschüre richtet sich zudem an Friedhofs­ver­waltun­gen sowie an alle, die Ver­antwor­tung für den Erhalt dieser Grab­stätten tragen. Sie bietet einen um­fassenden Einblick in die Thematik, be­antwortet zentrale Fragen und plädiert für einen sensiblen und respekt­vollen Umgang – ins­beson­dere im Hinblick auf die Bedeutung dieser Gräber für die An­gehöri­gen der Ver­storbenen.

→Informationsbeschüre (PDF)

(Text: Zentralrat)

„Ausblenden des Leids“: Kritik an Gedenkrede

Mai 6th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Olaf Scholz in 2025Offener Brief: Romani Rose kritisiert Auslassung der Sinti und Roma in Gedenkrede

Zentralrat deutscher Sinti und Roma: In einem offenen Brief an Bundes­kanzler Olaf Scholz hat Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rats, seine tiefe Em­pörung darüber zum Ausvdruck ge­bracht, dass in der Gedenk­an­sprache zum 80. Jahres­tag der Befrei­ung des Konvzentrations­lagers Neuen­gamme (mehr hier) zwar der sechs Millio­nen jüdischen Opfer der Shoah gedacht wurde, die 500.000 ermor­deten Sinti und Roma jedoch un­er­wähnt blieben. Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,

ich möchte Ihnen meine Empörung und Fassungs­losig­keit zum Aus­druck brin­gen, dass Sie, Herr Bundes­kanzler, zum 80. Jahres­tag der Befreiung des Kon­zentra­tions­lagers Neuen­gamme in Ihrer An­sprache zu Recht an die „sechs Millio­nen Frauen, Männer und Kinder jüdischen Glaubens“ er­innerten und ge­dachten, „die der Shoah zum Opfer fielen“, das Leid und die Ermor­dung der 500.000 Sinti und Roma, die im NS-be­setz­ten Europa ermor­det wurden, aber igno­rierten. Es gibt in Deutschland keine Familie unserer Minder­heit, die nicht von diesem schreck­lichen Ver­brechen betrof­fen war. Orte wie Auschwitz, Majdanek, Treblinka, Bergen-Belsen oder Neuen­gamme sind für unsere Minder­heit zu den größ­ten Fried­höfen ge­worden. Bundes­kanzler Helmut Schmidt hat 1982 dieses Ver­brechen an unserer Minder­heit völker­recht­lich an­erkannt.

Ich schäme mich vor den Nachkommen der Opfer des Holocausts unserer Minder­heit und den wenigen Über­leben­den, dass ich es trotz einer fast fünfzig­jäh­rigen politi­schen Arbeit in diesem Land nicht erreicht habe, dass auch dieser Völkermord an unse­rer Minder­heit zum Bestand­teil des natio­nalen Erinnerns und des Gedenkens wurde.

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Rosa Mettbach, die Kämpferin

April 23rd, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Arolsen Archives: Videopodcast „Verbrechen Vergessen“, 17.2.2025 (41.09 min)

Als die Sintezza Rosa Mettbach 20 Jahre alt ist, deportieren die Natio­nal­sozia­listen sie in das Kon­zentra­tions­lager Auschwitz. Rosa überlebt als einzige ihrer großen Familie, die Nazis er­morden ihre sieben Geschwister und ihre Mutter. Nach dem Krieg versucht Rosa, Ent­schädi­gung für ihr er­littenes Leid zu beantragen, doch ihr Antrag wird abgelehnt. Aus­ge­rechnet von genau den Nazis, die vor 1945 an der Depor­tation der Sinti und Roma beteiligt waren. In dieser Folge „Ver­brechen Ver­gessen“ sprechen Susi und Lilith über Rosa Mettbach, die ihr Leben lang für die An­erkennung und Ent­schädigung des Leids, welches Sinti und Roma durch die NS-Ver­folgung erlitten, kämpfte. Dafür hat Lilith mit einem Men­schen ge­sprochen, der Rosa beson­ders gut kannte – mit ihrem Enkel Johann Mettbach. Wir be­danken uns an dieser Stelle von Herzen, dass er Rosas Geschichte mit uns teilt!

Bei „Ver­brechen Vergessen – Was nach 1945 geschah“ sprechen wir über wahre Verbrechen, die zwar größten­teils nach dem Krieg statt­fanden, aber un­mittelbar mit den Verbrechen der Nazis zu­sam­men­hängen. Read the rest of this entry »

Videopodcast: Als Sinto ausgegrenzt

April 9th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus: Interview mit Shimano Petermann
Arolsen Archives: Podcast „Keine Geschichte“ vom 3.2.2025 (12.57 min)

Wusstest du, dass die Nationalsozialisten schätzungs­weise 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma ver­folgten und ermor­deten? Shimano er­zählt in dieser Folge „Keine Geschichte“ von seinem Opa, der als Kind das Kon­zentra­tions­lager Auschwitz überlebte. Doch auch nach Ende des Zweiten Welt­kriegs hörte die Dis­krimi­nierung gegen Sinti und Roma in Deutschland nicht auf. Anti­ziganismus gehört für viele Betrof­fene zum Alltag. Timm Giesbers und Shimano Petermann spre­chen über Vorurteile gegen Sinti und Roma heute und über die Geschichte des Box-Profis Johann Trollmann, einen Sinto, den die Nazis im KZ töteten. Read the rest of this entry »