„Das Erbe der überlebenden Sinti und Roma“

September 7th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Veranstaltungsplakat (Bild: Forschungsstelle Antiziganismus)Deutsch-tschechische Konferenz zur Erin­ne­rung an den Völ­ker­mord an Sinti und Roma in Prag

Vom 11. bis 13. September 2025 findet in Prag bzw. in der Gedenkstätte in Lety eine deutsch-tsche­chische Konfe­renz statt. Anlass ist der 80. Jahrestag des Endes des Zwei­ten Weltkriegs. Unter dem Titel „Das Erbe der über­leben­den Sinti und Roma über Gene­ratio­nen hinweg. An­erken­nung, Ver­antwor­tung und Heraus­for­derun­gen 80 Jahre nach dem Zweiten Welt­krieg“ kommen Nach­fahren von Über­leben­den, Aktivis­tinnen und Aktivisten, Histo­rikerin­nen und Historiker, Forschende sowie Ver­treterin­nen und Vertreter öffent­licher Institu­tionen aus Deutschland und Tschechien zu­sammen.

Die Konferenz wird von der Forschungsstelle Antiziganismus der Univer­sität Heidelberg und dem Institut für Zeit­geschichte der Tsche­chi­schen Akademie der Wissen­schaften orga­nisiert. Dis­kutiert werden Fragen der Erin­ne­rungs­kultur in beiden Ländern, die ethischen Dimen­sionen der Forschung zum Völkermord an Roma und Sinti, die trans­generatio­nelle Weiter­gabe von Traumata sowie die Per­spektive der zweiten und dritten Generation. Ein weiterer Schwer­punkt liegt auf der kritischen Aus­einander­setzung mit Dokuvmenten von Täterin­nen und Tätern und ihrer Rolle in der histo­rischen Auf­arbeitung.

„Am meisten freut mich, dass so viele Nachkommen von Überlebenden aus Tschechien und Deutschland unserer Ein­ladung gefolgt sind. Einige von ihnen tragen ent­weder direkt zur Organi­sation der Kon­ferenz bei oder halten Vorträge. Dank ihrer Teil­nahme wird dies eine wirklich außer­gewöhn­liche Ver­anstal­tung, bei der die Vertreter aller über­lebenden Gene­rationen die für sie wichtigen Themen an­sprechen können“, erklärt die Historikerin Renata Berkyová von der Tsche­chi­schen Akademie der Wissen­schaften gegen­über dem tsche­chischen Nach­richten­server Romea.cz. Sie ist eine der Organi­sato­rin­nen der Kon­fe­renz.

Am Anfang des dreitägigen Programms steht am 11. September 2025 die Premiere zweier Dokumentarfilme. Im Prager Kino „Ponrepo“ werden zwei Filme über die zweite Genera­tion von Holocaust-Über­leben­den gezeigt: die deutsche Pro­duk­tion „Auschwitz verlassen“ (2024, Regie: Margitta Steinbach, 30 Minuten) und der tsche­chische Doku­mentar­film „Když se bolest dědí“ („Wenn Schmerz vererbt wird“, 2025, 40 Minuten, Regie: František Bikár und Renata Berkyová). Die Vor­führung wird be­gleitet von einer Podiums­dis­kussion mit den Filme­macherin­nen und Pro­tago­nisten.

Am 12. September findet die eigentliche Fachkonferenz mit drei internatio­nal besetzten Panels statt. Die Ver­anstal­tung in der Straka-Akademie, dem Sitz der tsche­chischen Regierung, soll bei Bedarf auch als begle­itender Online-Stream verfolgt werden können. Interes­sierte erhalten dann nach vorheriger Registrie­rung den Zugangs­link.

Die Tagung schließt am 13. September mit einem Gedenkakt bei der Gedenk­stätte in Lety u Písku, die am Ort des NS-Zwangslagers an die Opfer des Holocausts an den Roma und Sinti in Böhmen er­innert. Im Rahmen des Besuchs finden eine Kranz­nieder­legung sowie eine Führung über das Gelände der Ge­denk­stätte statt.

Partner der Veranstaltung sind das Programm für Romani Studies der Karls-Uni­versi­tät Prag, der Ausschuss für die Ent­schädi­gung der Roma-Holocaust-Opfer in der Tsche­chischen Republik (Výbor pro odškodnění romského holocaustu v České republice) und Menda Yek (Amcha Deutschland). Gefördert wird die Ver­anstal­tung weiters von der Bader-Stif­tung, dem Deutsch-Tsche­chi­schen Zukunfts­fonds, der Stadt Prag und der Stiftung Erinnerung, Ver­ant­wortung und Zukunft (EVZ). Die Schirm­herrschaft über­nehmen Lucie Fuková, die Roma-Be­auftragte der tsche­chi­schen Regie­rung, und Michael Brand, der neue Anti­ziganis­mus-Be­auf­tragte der deut­schen Bundes­regierung.

(Text: dROMa)

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