„Verzeihen bedeutet nicht vergessen“

Juli 25th, 2025  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellungsgegenstand: Stuhl der Großeltern von Franz-Elias Schneck (Foto: Dokumentations- u. Kulturzentrum Deut­scher Sinti u. Roma)„Das vergessene Gedächtnis“ Ein Samm­lungs­pro­jekt in Deutschland

Seit 2023 sammelt und bewahrt das beim Dokumentations- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma in Heidelberg angesiedlete ProjektDas vergesse­ne Ge­dächt­nis„Objekte, die von Geschichte und Kultur von Sinti und Roma in Europa wäh­rend des Holocaust bis heute erzählen“, so die Selbstbeschreibung auf der Website: „Im Projekt sammelt ein Team aus Expertin­nen und Experten am Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Objekte aller Art [...]. Dazu zählen Möbel, Kleidungs­stücke, aber auch Dokumente und Fotos aus der NS-Zeit bis heute. Jedes Objekt wird erst nach sorg­fältigen Gesprächen mit den Objekt­gebern auf­ge­nommen und in einer eigens erstell­ten Datenbank ver­zeichnet. Video­interviews mit Zeitzeugen und ihren Nachfahren, den ,Zweit­zeugen‘, werfen Schlag­lichter auf die Bio­grafien der Men­schen hinter den Dingen. ,Zweitzeugen‘ können etwa Kinder, Enkel oder Urenkel von Über­leben­den des Holocaust sein. Aus dem so ent­stehen­den Material extra­hiert der Video­redak­teur unseres Teams signifi­kante Auszüge, die sich etwa auf die von den Zeitzeugen zur Ver­fügung ge­stellten Gegen­stände beziehen oder von Erfah­rungen erzählen, die wichtige Einblicke in Kultur und Gesellschaft der jewei­ligen Zeit erlauben. Die Interviews werden gleichzeitig in voller Länge für den Aufbau einer muse­alen-ar­chiva­li­schen Sammlung auf­bewahrt. [...] Verlorenes wieder­finden, Ver­schwun­denes als Leerstelle zeigen, Erin­nerun­gen erhalten – darum geht es im Projekt ‚Das vergessene Gedächtnis‘. Die Spuren von Menschen, die gelebt haben und die leben, sollen wieder sichtbar ge­macht, Biografien erzählt werden – von jenen, die etwa als Kind die NS-Zeit überlebten, aber auch von deren Kindern und Enkeln. Gegen­stände und Gespräche ver­mitteln in ihrer Vielfalt Ver­gangenes an­schaulich. Sie zeugen zugleich von der leben­digen Kultur und Geschichte von Sinti und Roma, die nicht im National­sozialismus endete.“

Mit der Koordination von Sammlungaufbau und Aus­stel­lung­gestaltung betraut ist Projekt­leiterin (und dROMa-Gastautorin: [1][2]) Vera Töns­feldt: „Wir wollen die Geschichte der Betrof­fenen er­zählen und sie selbst sprechen lassen. Wir klagen nicht an. Wir er­innern“, erklärt sie im Ge­spräch mit Frédéric Valin für das Am­nesty Jour­nal: „Auch die Men­schen, mit denen wir zu­sammen­arbeiten, sagen uns sehr oft: Wir sind gerade dabei, zu verzeihen. Aber ver­zeihen bedeutet nicht vergessen. Und wir versuchen, ein Archiv der Dinge zu werden, die Träger des Gedächt­nisses sind. [...] Wir machen nicht die ganz klassi­sche ­Museums­arbeit, sondern sammeln Dinge des Alltags und bauen daraus ein Archiv auf. Wir versuchen, auf­zu­bewahren und zu erhalten, was noch da ist. Dabei gehen wir sensibel mit den Dingen um und prä­sen­tieren sie mit dem ge­botenen Respekt.“

Das Gespräch mit Vera Tönsfeldt ist im Herbst 2024 im Menschenrechts­magazin „Am­nesty Jour­nal“ er­schienen. Das ganze Interview finden Sie hier.

(Text: dROMa)

Siehe auch:
„Das vergessene Gedächtnis“, 11.7.2024

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