Rassismus & Menschenrechte
Februar 18th, 2025 |
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Hochschulschriften, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Klara Novak (2023): Vorurteile und Stereotype gegenüber der ethnischen Minderheit der Roma
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftliche Fakultät), 190 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
In dieser Arbeit werden Vorurteile und Stereotype der Mehrheitsgesellschaften südosteuropäischer Länder gegenüber der Roma-Minderheit in den Mittelpunkt gestellt, wobei der Fokus vor allem auf den Vorurteilen und Stereotypen der kroatischen Mehrheitsgesellschaft liegt. Zu diesem Zweck wurden auf Roma bezogene Artikel analysiert, die in drei kroatischen Onlinezeitschriften veröffentlicht wurden, um zu ermitteln, in welchen Kontexten über Roma berichtet wird. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Leserkommentaren zu den analysierten Beiträgen, die Aufschluss über die Vorurteile und Einstellungen der Leser:innen gegenüber der Roma-Minderheit gaben. Es wurde festgestellt, dass viele Vorurteile und Stereotype gegenüber den Roma nach wie vor stark präsent sind. Read the rest of this entry »
Februar 12th, 2025 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Podcast Social Minds (Deutschland), Folge #1, 16.1.2025, 23:50 min
Antiziganismus durchzieht alle Ebenen unserer Gesellschaft. Dennoch wird kaum eine andere Form der Diskriminierung so wenig beachtet und thematisiert. In dieser Episode betrachtet Social Minds die Schnittstelle von Antiziganismus und Wohnungslosigkeit anhand der Diskriminierung auf dem Kölner Wohnungsmarkt sowie des institutionellen Rassismus der kommunalen Verwaltung Hannovers und zeige auf, welche Bedeutung das Thema für die Soziale Arbeit hat. Dazu hört ihr ein Interview mit Carmen Frühling, einer Mitarbeiterin des Auszugsmanagements, einem Projekt der Stadt Köln, des DRK und des Kölner Flüchtlingsrates.
Social Minds ist ein Podcast von Kim Ewald – ein Projekt im Rahmen des Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule Hannover. Musik und Ton: Jacques Tondar
Quellen zur Folge:
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Februar 11th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 10.2.2025 | 9:24 min
Artschijipe/Ausstellung im Offenen Haus Oberwart (OHO):- Man will uns ans Leben – Bomben gegen Minderheiten 1993–1996
Maschkar o berscha 1993 dschi 1996 uschtidine andi Austrija 25 dschene taj organisaciji bombakere lila. Andi glajchi cajt ande Kärnten taj Burgenland trin bombi eksplodirinde. Schtar dschene mule, schtar dschene sorale dukade taj enja dschene loke dukade ule. O teror gelo le tschulipengere dschenenge taj politisch humanistischi pomoschagoschengere niposke. O lek phareder murdaripe sina Erbate, kaj o Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath taj o Peter Sarközi duach jek bomba murdarde ule. On kamnahi i tablina kaj upre pisim sina „Roma zurück nach Indien“ beig te lel taj i bomba eksplodirintscha.
Jek artschijipe la Initiative Minderheiten andi koperacija le Volkskunde Musejumiha Betschi, le Kärnten Musejumiha taj le Prado Kher Erbaha. O artschijipe andar o 11.2 dschi 23.3.2025 te dikel hi: Keden dschi paruschtun 9:00 dschi 14:00 orenge.
Zwischen den Jahren 1993 und 1996 erhielten in ganz Österreich insgesamt 25 Personen und Organisationen explosive Post. Im gleichen Zeitraum detonierten in Kärnten und im Burgenland drei Spreng- bzw. Rohrbomben. Die Anschläge hatten vier Tote, vier lebensgefährlich Verletzte und neun Verletzte zur Folge. Der Terror adressierte ausschließlich Minderheitenangehörige und ihre politisch-humanistischen Unterstützer:innen. Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 im burgenländischen Oberwart statt, bei dem vier Roma-Angehörige einer Sprengfalle zum Opfer fielen. Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi starben durch eine Explosion, als sie eine Tafel mit der Inschrift „Roma zurück nach Indien!“ entfernen wollten. Obwohl die Auswahl der Adressat:innen bald auf Urheber aus dem rechten Eck schließen ließ, gestalteten sich die Ermittlungen sehr langwierig und nahmen erst im Herbst 1997 zufällig ein Ende. Read the rest of this entry »
Februar 9th, 2025 |
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Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Michaela Franjo (2023): Die Situation der Roma in Kroatien – Eine Analyse der rechtlichen Schutzmechanismen und der faktischen Lebensumstände
Diplomarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Rechtswissenschaftliche Fakultät), 131 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtlichen Schutzmechanismen und die faktischen Lebensumstände der Roma in Kroatien in den Bereichen Wohnen, Bildung und Arbeit. Vielmehr besteht das Hauptziel darin, die aktuellen Herausforderungen, mit denen Roma in diesen Bereichen konfrontiert sind, zu identifizieren und aufzuzeigen. Im allgemeinen Teil wird deshalb zunächst als theoretischer Einstieg der Begriff „juristische Minderheit“ erläutert und eine Unterscheidung zwischen ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten vorgenommen. Anschließend wird der in dieser Arbeit verwendete Minderheitenbegriff festgelegt und der in Kroatien verwendete Minderheitenbegriff sowie der Begriff „Roma“ erläutert. Im besonderen Teil der Arbeit werden die drei Bereiche – Wohnen, Bildung und Arbeit – untersucht. Es werden die relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen auf internationaler, europäischer und nationaler kroatischer Ebene erläutert und die tatsächliche Lage der Roma aufgezeigt. Read the rest of this entry »
Februar 5th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
Vor dreißig Jahren entschied sich das Schicksal der Roma
In der Nacht zum 5. Februar 1995 brach mit einem Mal der alte, mörderische Hass wieder über die Volksgruppe herein. Vier junge Männer starben in Oberwart durch ein rassistisches Bombenattentat. Die Schicksalsstunde der Roma wurde auch zur Bewährungsprobe für die Republik. Doch Gewaltakte gegen Roma gibt es noch immer – auch in Österreich.
Die vier Roma starben durch eine perfide Sprengfalle, die der Rechtsterrorist Franz Fuchs in der Nähe der Oberwarter Roma-Siedlung platziert hatte. Als sie ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien!“ entfernen wollten, detonierte der Sprengsatz: Karl Horvath (22), Erwin Horvath (18), Peter Sarközi (27) und Josef Simon (40) waren sofort tot. Für ihre Familien brach eine Welt zusammen; für die Volksgruppe war es die schwerste Stunde seit dem Völkermord. Alles, was man sich gerade erst erkämpft hatte, stand plötzlich auf dem Spiel.
Was fast immer geschieht
Und tatsächlich geschah, was nach Gewalttaten gegen Roma fast immer geschieht: Man verdächtigte die Roma selbst. Von einem rechtsextremen Attentat wollten Polizei und Politik zwei Tage lang nichts wissen, stattdessen diffamierte man die Opfer. Sofort war die Rede von einer blutigen „Fehde“ unter Kriminellen. Polizisten durchsuchten die Wohnungen der Roma-Familien nach Sprengstoff und Waffen. Innenminister Löschnak befeuerte Spekulationen, die vier Todesopfer hätten die Explosion womöglich selbst verschuldet – zu einem Zeitpunkt, als den Ermittlern längst klar war, dass sie es mit einem rassistischen Terroranschlag zu tun hatten. Noch Monate später versuchte Jörg Haider, die Tat den Opfern selbst in die Schuhe zu schieben, indem er über kriminelle Machenschaften („Waffengeschäft“, „Autoschieber“, „Rauschgift“) schwadronierte.
Die „lange, peinliche Schrecksekunde des offiziellen Österreichs“ (Armin Thurnher) währte jedoch nicht ewig. Bundeskanzler und Staatsspitze stellten sich schließlich doch noch beherzt an die Seite der Opfer. Das Begräbnis in Oberwart geriet zum Staatsakt; der landesweite Schulterschluss gegen den Terror gelang und ermöglichte eine Welle der Solidarität. Read the rest of this entry »
Januar 29th, 2025 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
2023 beauftragten Innen- und Justizministerium das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wien mit der Erstellung eines jährlichen Rechtsextremismus-Berichts. Die Ergebnisse des ersten umfangreichen Berichts wurden nun präsentiert (→zum Download). Wir haben nachgeschaut, inwieweit darin auch auf Rassismus gegen Roma und Sinti (Antiziganismus, Antiromaismus, Romafeindlichkeit) Bezug genommen wird. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die betreffenden Passagen:
Auf S. 64/65 verweist der Bericht auf die Internet-Agitation der neonazistischen Gruppe Unwiderstehlich. Diese sei unter anderem von romafeindlicher Hetze durchzogen:
Die sich als Internetprojekt verstehende Neonazi-Gruppe Unwiderstehlich (UW) wurde 2015 als ein konspirativ agierendes Nachfolgeprojekt der 2011 zerschlagenen Alpen-Donau-Gruppe gegründet. In ähnlicher (täglicher) Frequenz wie diese […] kommentiert man auf Facebook (rund 1300 Follower) v. a. aktuelle Ereignisse und Meldungen. Der Agitation […] dient auch ein Blog, der im März 2021 neugestaltet wurde. Der gleichzeitig eröffnete Telegram-Kanal verzeichnet etwas über 600 Abonnent*innen (Stand Ende August 2024). […] Neben Antisemitismus ist die UW-Agitation von Hetze gegen Rom*nja und Sinti*zze durchzogen – von der systematischen Verwendung des Z-Wortes bis hin zur Ablehnung der Erinnerung an die NS-Vernichtungspolitik bzw. den Porajmos. So zeige die Zerstörung der Gedenkstätte in Salzburg-Leopoldskron im August 2022, dass diese Erinnerung „vielen Einheimischen ein Dorn im Auge“ sei und man lieber in „eine Zukunft ohne Schuld und Scham“ schauen wolle.
Auf S. 70 führt der Chronikteil die neuerliche Mahnmalschändung in Salzburg-Leopoldskron 2023 an (wir berichteten): Read the rest of this entry »
Januar 10th, 2025 |
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Facts & Figures, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Im Kriminalitätsdiskurs der italienischen Presse wird, wenn von Roma die Rede ist, besonders häufig die Bezeichnung nomadi verwendet.
(Quelle)
Januar 5th, 2025 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
In der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Jänner wurde der Eingangsbereich der „Sinti Union Schleswig-Holstein“ in Neumünster durch eine Explosion schwer beschädigt, die vermutlich durch nicht genehmigte Böller verursacht wurde. Verletzt wurde niemand. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund nicht aus. In einem Aufruf bittet die „Sinti Union Schleswig-Holstein“ eventuelle Zeugen, sich zu melden.
Sinti Union SH, 3.1.2025:
Die Wucht der Explosion zerstörte größtenteils die Fensterscheiben der beiden Eingangstüren sowie die darüber liegenden Glaselemente vollständig. Auch die hölzernen Kreuzverstrebungen in den Fenstern (über den Türen) wurden erheblich beschädigt. Der Briefkasten der „Sinti Union SH“ wurde ebenfalls durch die Explosion zerstört. Die Überdachung über dem Eingang, die mit Paneelen bedeckt war, wurde stark beschädigt. Auch die dort installierte Lampe funktioniert nicht mehr. Eine Jalousie an einer der Türen ist defekt. Die große Fensterscheibe, an der Plakate zum Thema Widerstand im Holocaust angebracht sind und die sich zwischen den beiden Eingangstüren der „Sinti Union SH“ befindet, wurde beschädigt und weist mehrere Risse im Glas auf. In den Innenräumen beider Räumlichkeiten liegen überall Glassplitter, die durch die Explosion entstanden sind.
Der Vorfall hat deutliche Schäden an der Struktur und Sicherheit der Eingangsbereiche hinterlassen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, da sich zum Tatzeitpunkt niemand in den Räumlichkeiten befand. Normalerweise sind wir – vor allem als ehrenamtlich Tätige – auch an Feiertagen wie z. B. in der Weihnachtszeit bis spätabends im Büro, um zu arbeiten. Obwohl niemand vor Ort war, sitzt der Schock tief. Die Feuerwehr hat die Türen und Fenster bereits provisorisch mit braunen Spanplatten gesichert. Eine Anzeige wurde gestellt, und die Kriminalpolizei hat bereits Beweise gesichert und ermittelt nun in diesem Fall. Wenn Sie etwas gehört oder gesehen haben, melden Sie sich bitte bei uns und/oder der Kriminalpolizei.
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Dezember 22nd, 2024 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Ab 1974 war Betteln in Österreich durch Aufhebung des Landstreichergesetzes von 1885 wieder erlaubt. Tirol und Salzburg erließen daraufhin eigene generelle Bettelverbote.
(Quelle/pdf)
Dezember 17th, 2024 |
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Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Romani, dROMa (Magazin)
IM GESPRÄCH | ANDO VAKERIPE
Ekspertkija: Romani-ischkoli nan nisaj putripe
Dajakere tschibtschakere sikajipeha le Romengere-tschavenge andi Slovakija akan bara andar o drom bejg ispidim te on. O ministerijum dikel ada ojs „keripe uso bekejmpfinipe la segregacijonatar“. Ham so ada butschol? Amen usi sikadipeskeri ekspertkija Tina Gažovičová ando foro Bratislava palal phutschlam.
dROMa: Andi Slovakija akan bojd jek ischkola la sikajipeskera tschibtschaha Romani dela. (→Sikadipe: O eksperimento andar Rakúsy) Hi ada jek barikano drom?
Tina Gažovičová: O phutschajipe andi Slovakija igen brigaschno hi. Te le politischi taj interkultureli fatretertschen le Romengere-tschulipestar andi Slovakija mindenfelitike muaniniptscha use aja tema hi. Upri jek rik latscho hi, hot but Romengere-tschaven andi Slovakija Romani ojs dajakeri tschib hi taj hatek ada schaj pomoschinlahi, Romani te andi ischkola te siklol. Ande amaro ischkolakero tschatschipe o tschatschipe le tschuliptschendar ande hi, ande lengeri dajakeri tschib sikade te on, taj amen andi Slovakija jek dugi tradicija ischkolendar le ungrike tschulipeske hi. Ando peripe le Romengere-tschulipestar ada ham schoha prik beschardo na ulo, kaj tschak igen tschule Romani-meschtertscha del taj kaj o mindenfelitike dijalektscha le tel pisime Romanijistar avrijal hi. Vaschoda tschak tschule ischkoli del, ande save Romani ojs foch sikado ol, ham dschijakana nisaj ischkola, Romnijiha ojs sikajipeskeri tschib.
So gejng vakerel?
O argumento gejng ischkoli Romanijiha ojs sikajipeskeri tschib hi, hot on i segregacijona (ischkolakero artschapinipe) taj o socijali artschapinipe le Romengere-tschulipestar meg horeder keren. Ando lejcti deschberschengere i segregacijona le Romengere-tschavendar ando ischkolakero koja andi Slovakija bibastaleder uli. But gava del, ande save agun jek „keverimi“ ischkola delahi, savi Romengere- taj te slovakitike, poavar te ungrike tschibtschakere tschavendar, kher rodim ule. O gendo le slovakitikendar ande odola gava ham tel lel, taj o Roma mindig buteder on, so uso cajchn le „parne naschikeripestar“ vodintscha, kaj adi odola ischkoli tschak buter le Romengere-tschavendar kher rodim on. Read the rest of this entry »
Dezember 17th, 2024 |
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Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Romani, dROMa (Magazin)
IM GESPRÄCH | ANDO VAKERIPE
Expertin: Romani-Schulen sind keine Lösung
Mit muttersprachlichem Unterricht sollen den Roma-Kindern in der Slowakei endlich Steine aus dem Weg geräumt werden. Das Ministerium sieht dies auch als „Beitrag zur Bekämpfung der Segregation“. Aber was bedeutet das? Wir haben bei der Bildungsexpertin Tina Gažovičová in Bratislava nachgefragt.
dROMa: In der Slowakei wird es bald eine Schule mit der Unterrichtssprache Romani geben (→mehr hier). Ist das ein sinnvoller Weg?
Tina Gažovičová: Die Frage ist in der Slowakei sehr umstritten. Auch die politischen und intellektuellen Vertreter der Roma-Minderheit in der Slowakei haben unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Einerseits stimmt es, dass viele Roma-Kinder in der Slowakei Romani als Muttersprache haben und es daher für sie hilfreich sein könnte, Romani auch in der Schule zu lernen. Unser Schulgesetz beinhaltet das Recht der Minderheiten, in ihrer Muttersprache unterrichtet zu werden, und wir haben in der Slowakei eine lange Tradition von Schulen für die ungarische Minderheit. Im Falle der Roma-Minderheit wurde dies jedoch nie umgesetzt, da es nur sehr wenige Romani-Lehrer gibt und außerdem die verschiedenen Dialekte vom kodifizierten Romani abweichen. Daher gibt es nur wenige Schulen, in denen Romani als Fach unterrichtet wird, aber bisher keine mit Romani als Unterrichtssprache.
Was spricht inhaltlich dagegen?
Das Argument gegen Schulen mit Romani als Unterrichtssprache ist, dass sie Segregation (Anm.: schulische Absonderung) und sozialen Ausschluss der Roma-Minderheit weiter vertiefen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Segregation von Roma-Kindern im Schulwesen in der Slowakei verschärft. Es gibt viele Dörfer, in denen es früher eine „gemischte“ Schule gab, die sowohl von Roma- als auch von slowakischen, manchmal auch ungarischsprachigen Kindern besucht wurde. Die Zahl der Slowaken in diesen Dörfern nimmt jedoch ab, während die Roma-Bevölkerung zunimmt, was zum Phänomen der „weißen Flucht“ geführt hat, so dass diese Schulen heute nur noch von Roma-Kindern besucht werden. Read the rest of this entry »
Dezember 14th, 2024 |
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Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
30 Jahre Attentat von Oberwart | 30 berscha atentato Erbatar
Themenheft „Gewalt“ | Temakeri heftlina „Bibastalo tradipe“
Gewalt gegen Roma: eine unvollständige Chronik 2005 bis 2020 | Bibastalo tradipe gejng Roma: jek na kisetimi historija 2005 dschi 2020
→Download (PDF) | Inhalt
In wenigen Wochen begeht Österreich den 30. Jahrestag des größten rassistischen Verbrechens seiner Nachkriegsgeschichte. Vier junge Roma aus Oberwart wurden 1995 grausam aus dem Leben gerissen. Über diese Schicksalstage, in denen für die Volksgruppe alles auf dem Spiel stand, berichtet Roman Urbaner in einem Einführungstext. Vieles hat sich seither zum Guten gewendet, Österreich hat sich seiner Volksgruppe angenommen. Das Burgenland hat – durchaus vorbildhaft in Europa – gezeigt, wie es klappen kann. Doch die Gewalt gegen Roma bleibt virulent – sogar in Österreich, wie eine Reihe von Vorfällen beweist. Diese sind freilich nur eine winzige Fußnote zu dem, was weltweit geschieht und von dem man in den Medien nur selten erfährt. Aus Hunderten dokumentierten Vorfällen haben wir daher eine Chronik der Gewalt aus den Jahren 2005 bis 2020 zusammengestellt. Es ist eine beängstigende Liste von Hassverbrechen – von Tschechien bis Chile, von Polen bis Bulgarien. Fast immer folgt die Eskalation denselben Mustern: Da ist der Hass gegen die Minderheit, der Konflikte ethnisch kanalisiert und Roma zu Sündenböcken macht. Da ist die rassistische Entgrenzung der Gewalt, die sich gegen das Kollektiv richtet. Da sind auswärtige Gruppierungen, die die lokale Spannungen anheizen, und das Versagen des Staates, der die Täter allzu oft gewähren lässt und stattdessen gegen die Opfer vorgeht.
Ande poar kurke i Austrija upro 30 berschengero di le lek bareder rasistischi faphageripestar leskera cajtatar palo haburi gondolinel. Schtar terne Roma Erbatar, 1995 murdarde ule. Pedar adala terdschijiptschengere divesa, ande save la flogoskera grupnake sa upro khelipe terdscholahi, phukal o Roman Urbaner ande leskero andvodinipeskero tekst. But sajt oja cajt ando latschipe pe irintscha, i Austrija leskera flogoskera grupnake aun pe lija. O Burgenland – hatek jek idol andi Europa – sikatscha, sar schaj dschal. Ham o bibastalo tradipe gejng o Roma atschol – muguli andi Austrija, sar jek redo angleperiptschendar sikal. Hatek ada tschak jek tikno koja use oda hi, so upro cilo them pasirinel taj savestar ando mediji tschak tschulo te schunel hi. Andar but schel dokumentirime angleperiptscha vaschoda jek khetan kedipe le bibastale tradipestar andar o berscha 2005 dschi 2020 ktehan terdschartscham. Read the rest of this entry »
Dezember 13th, 2024 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Unter dem Vorsitz des Antiziganismusbeauftragten Dr. Mehmet Daimagüler fand die konstituierende Sitzung der Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antiziganismus statt. Ziel ist eine verbesserte, institutionalisierte Zusammenarbeit für die Teilhabe von Sinti und Roma.
Am 7. Oktober fand unter Vorsitz des Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus, Dr. Mehmet Daimagüler, die konstituierende Sitzung der „Ständigen Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma“ (BLK) statt. Die Kommission will eine wirksamere, besser abgestimmte Politik erreichen, die Sinti und Roma schützt und Hürden zur gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abbaut.
Teilhabe von Sinti und Roma fördern
Sinti und Roma an Bildung teilhaben zu lassen, ihre Kultur zu fördern, Präventionsmaßnahmen in Polizei und Justiz zu ergreifen und geflüchtete Roma zu integrieren, sind zentrale Bereiche, um Antiziganismus zu bekämpfen und gleichberechtigte Teilhabechancen für Sinti und Roma in Deutschland zu schaffen. Diese liegen in der Zuständigkeit der Länder. Deshalb müssen Bund und Länder dauerhaft zusammenarbeiten und sich über Maßnahmen und Strategien gegen Antiziganismus austauschen.
Die Einrichtung des Gremiums geht auf eine zentrale Forderung aus dem Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus von 2021 und auf eine Forderung des Bundestags im Beschluss 20/9779 vom 14. Dezember 2023 zurück. Umgesetzt wurde diese Forderung auf Grundlage des Beschlusses des Bundeskanzlers und der Regierungschefinnen und -chefs der Länder zur BLK-Einrichtung am 20 Juni 2024.
Die Aufgaben der Bund-Länder-Kommission sind: Read the rest of this entry »
Dezember 12th, 2024 |
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Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Romani, dROMa (Magazin)
I Slovakija lakeri erschti Romani-ischkola uschtidel
Ando juni ando sikadipeskero ministerijum ande Bratislava, o droma kerde ule: Andi ostslovakitiki gemajnde Rakúsy bojd i erschti ischkola le thanestar dela, ande savi o tschave – pasche i slovakitiki tschib – te ande lengeri dajakeri tschib Romani sikade on.
Le prikbescharipeske o ministerijum jek koperacijona la gemajndejaha, la universitetaha Prešov taj le „khetanipeha le ischkolendar, save i Roma-tschib sikan“, kertscha. O anglutne butja akan valami jek bersch te dauerinen. „Ada barikano hi, jek than le sikadipeske le tschavenge andar etnischi tschuliptscha ande lengeri dajakeri tschib te schofinel, inklusivi o Romengere-tschave“, phenel o sikadipeskero ministeri Tomáš Drucker. „Vaschoda phentscham, hot le keripeske jeka pilotiskera ischkolatar le Romengere-tschavenge ando gav Rakúsy pomoschinas. Amen pilotiskere koji ande ada than ar te probalinel kamaha, save o dajakero tschibtschakero sikadipe te le Romengere-tschavenge bulharen taj feder keren.“ Rakúsyske vaschoda o schtatus jeka „nacijonalitetengeri-ischkola“ aun rodim ulo.
Akan andi Slovakija tschak poar ischkoli del, kaj Romani – trin ori ando kurko – ojs ischkolakero foch sikado lo (taj ada, kekaj palo „Atlas le Romengere-Khetaniptschendar“ andi Slovakija 450.000 Roma dschin, savendar 60 procenti khere Romani vakeren). Efta ischkoli hi le, sa privati ischkoli, bojd o cile ando ost le thanestar. Afka Romani ande schtar ischkoli (ande Kružlová, Stropkov, Kremnica taj Košice), ando Zefyrin-Jiménez-Malla-gimnasijum (ande Kremnica) taj ande duj butjakere sikadipeskere ischkoli (ande Košice taj Kežmarok) ojs sikajipeskero foch tel pisim hi – ham na ojs sikajipeskeri tschib sar akan akor ande Rakúsy. I ischkola tschatschikan jek nevipe hi: i erschti ischkola andi Slovakija, kaj Romani te uso famitlinipe avre siklojipeskere koji lim ol.
Ulado gav
Rakúsy jek tikni gemajnde uso kesdipe la Tatratar hi, o becirkiskero scheroskero foro tschak poar kilometertscha pasche hi. 3.300 dschene hi le gav, 70 procenti upri flogoskeri grupn le Romendar peren, savendar but ande jek tel paschlimi sidlung eknaj avral o gav, dschin. I Romengeri-sidlung andar Rakúsy, jek le lek barederendar andi Slovakija hi. Read the rest of this entry »
Dezember 11th, 2024 |
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Facts & Figures, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Die Fünf-Jahres-Kindersterblichkeit bei Roma in Bosnien-Herzegowina liegt bei 27 pro 1000 Lebendgeburten. (Zum Vergleich Österreich: 3,6.)
(Quelle)
Dezember 8th, 2024 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
„Die Aliens von Lunik 9“ – Roma-Ghettos in der Slowakei
Ein Film von Chris Haderer, →Video-Homepage
Angeregt durch das Buch „Die Hundeesser von Svinia“ von Karl-Markus Gauß besuchten der Fotograf Luca Faccio und der Journalist Chris Haderer im März 2005 den Osten der Slowakei. Die Aufnahmen zu diesem Film entstanden im Rahmen einer Recherche in den Roma-Ghettos von Svinia und Lunik 9.
Mitwirkende: Luca Faccio, Robert Packan, Daniela Hudiova, Aufnahme und Gestaltung: Chris Haderer. Aufgenommen im April 2005 in Kosice und Svinia (SK), fertiggestellt im August 2011 in Wien.
(Film und Text: Chris Haderer)
Dezember 7th, 2024 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
in Frankreich führten Fake News über Roma, die Kinder in einem Lieferwagen entführen, um ihre Organe zu verkaufen, 2019 zu einer Gewaltwelle gegen Roma.
(Quelle)
November 30th, 2024 |
Published in
Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Im Juni 2009 fand die Polizei in Belfast mehrere Rohrbomben, die für rassistische Angriffe auf rumänische Roma vorgesehen waren.
(Quelle)
November 29th, 2024 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will die Geschichte von Protestantismus und Antiziganismus untersuchen. Dazu hat sie ein Sonderstipendium zur wissenschaftlichen Erforschung ausgeschrieben.
Seit einigen Jahren engagiert sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im bundesweiten „Netzwerk Sinti Roma Kirchen“, einem Zusammenschluss aus kirchlichen und religiösen Gemeinschaften und bundesweiten und regionalen Strukturen von Sinti und Roma. Mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat die EKD eine enge Zusammenarbeit vereinbart; diese wurde im vergangenen Jahr anlässlich des 40. Jahrestags der Gründung des Zentralrates mit einer Erklärung und einem gemeinsamen Gottesdienst im Berliner Dom bekräftigt.
Darin heißt es: „Gemeinsam mit Angehörigen der Minderheit von Sinti und Roma wollen wir der Diskriminierung im Alltag von Kirche und Gesellschaft und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit insgesamt entgegenwirken. Dazu bedarf es der Auseinandersetzung mit der bis in die Gegenwart reichenden Schuldgeschichte der Kirchen und der unbedingten kritischen Überprüfung von theologischen und kirchlichen Denkmustern und Prägungen.“
Vor diesem Hintergrund hat die EKD jetzt ein Sonderstipendium ausgeschrieben, das der wissenschaftlichen Untersuchung der Geschichte von Antiziganismus und Protestantismus dienen soll. Das Projekt ist in der Kirchengeschichte angesiedelt und zielt auf die Beleuchtung bisher unterschätzter Aspekte kirchlicher und diakonischer Praxis, z. B. Seelsorge, Jugendhilfe, Gemeindealltag, aber auch Kollaborationen der Kirchen in der NS-Zeit, Umgang mit der Minderheit in der Nachkriegszeit sowohl in West- wie Ostdeutschland.
„Wir erhoffen uns von einer solchen Forschungsarbeit, die nur ein Anfang sein kann, dass wir uns unserer eigenen blinden Flecken in der Geschichte und Gegenwart unserer Kirchen bewusster werden. Read the rest of this entry »
November 24th, 2024 |
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Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Romani, dROMa (Magazin)
Die Slowakei bekommt ihre erste Romani-Schule
Im Juni wurden im Bildungsministerium in Bratislava die Weichen gestellt: In der ostslowakischen Gemeinde Rakúsy wird es bald die erste Schule des Landes geben, in der die Kinder – neben Slowakisch – auch in ihrer Muttersprache Romani unterrichtet werden.
Für die Umsetzung unterzeichnete das Ministerium eine Kooperationsvereinbarung mit der Gemeinde, der Universität Prešov und dem „Verband der Schulen, die die Roma-Sprache unterrichten“. Die Vorbereitungen sollen nun etwa ein Jahr dauern. „Ich halte es für außerordentlich wichtig, einen Raum für die Bildung von Kindern aus ethnischen Minderheiten in ihrer Muttersprache zu schaffen, einschließlich der Roma-Kinder“, erklärt Bildungsminister Tomáš Drucker. „Deshalb haben wir beschlossen, die Einrichtung einer Pilotschule für Roma-Kinder im Dorf Rakúsy zu unterstützen. Wir wollen Pilotmaßnahmen in diesem Bereich ausprobieren, die darauf abzielen, muttersprachliche Bildung auch für Roma-Kinder auszuweiten und zu verbessern.“ Für Rakúsy habe man daher den Status einer „Nationalitäten-Schule“ beantragt.
Derzeit existieren in der Slowakei nur eine Handvoll Schulen, an denen Romani – im Umfang von drei Wochenstunden – als Schulfach angeboten wird (und das, obwohl laut dem „Atlas der Roma-Gemeinschaften“ in der Slowakei 450.000 Roma leben, von denen 60 Prozent zu Hause Romani sprechen). Sieben Schulen sind es, allesamt Privatschulen, fast alle im Osten des Landes. So ist Romani an vier Grundschulen (in Kružlová, Stropkov, Kremnica und Košice), am Zefyrin-Jiménez-Malla-Gymnasium (in Kremnica) und an zwei berufsbildenden Schulen (in Košice und Kežmarok) als Unterrichtsfach verankert – nicht jedoch als Unterrichtssprache wie künftig in Rakúsy. Die Schule ist tatsächlich ein Novum: die erste Schule der Slowakei, in der Romani auch regulär zur Vermittlung anderer Lehrinhalte verwendet wird. Read the rest of this entry »