Rechtsextremismus-Bericht: Antiziganismus
Januar 29th, 2025 | Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
2023 beauftragten Innen- und Justizministerium das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wien mit der Erstellung eines jährlichen Rechtsextremismus-Berichts. Die Ergebnisse des ersten umfangreichen Berichts wurden nun präsentiert (→zum Download). Wir haben nachgeschaut, inwieweit darin auch auf Rassismus gegen Roma und Sinti (Antiziganismus, Antiromaismus, Romafeindlichkeit) Bezug genommen wird. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die betreffenden Passagen:
Auf S. 64/65 verweist der Bericht auf die Internet-Agitation der neonazistischen Gruppe Unwiderstehlich. Diese sei unter anderem von romafeindlicher Hetze durchzogen:
Die sich als Internetprojekt verstehende Neonazi-Gruppe Unwiderstehlich (UW) wurde 2015 als ein konspirativ agierendes Nachfolgeprojekt der 2011 zerschlagenen Alpen-Donau-Gruppe gegründet. In ähnlicher (täglicher) Frequenz wie diese […] kommentiert man auf Facebook (rund 1300 Follower) v. a. aktuelle Ereignisse und Meldungen. Der Agitation […] dient auch ein Blog, der im März 2021 neugestaltet wurde. Der gleichzeitig eröffnete Telegram-Kanal verzeichnet etwas über 600 Abonnent*innen (Stand Ende August 2024). […] Neben Antisemitismus ist die UW-Agitation von Hetze gegen Rom*nja und Sinti*zze durchzogen – von der systematischen Verwendung des Z-Wortes bis hin zur Ablehnung der Erinnerung an die NS-Vernichtungspolitik bzw. den Porajmos. So zeige die Zerstörung der Gedenkstätte in Salzburg-Leopoldskron im August 2022, dass diese Erinnerung „vielen Einheimischen ein Dorn im Auge“ sei und man lieber in „eine Zukunft ohne Schuld und Scham“ schauen wolle.
Auf S. 70 führt der Chronikteil die neuerliche Mahnmalschändung in Salzburg-Leopoldskron 2023 an (wir berichteten):
In Salzburg-Leopoldskron wurde Mitte Feber 2023 neuerlich das Mahnmal zum Gedenken an inhaftierte und ermordete Roma und Sinti beschädigt – die Metallskulptur wurde von ihrem Sockel gerissen.
Auf S. 99 hebt der Bericht die besondere Häufung von romafeindlichem Rassismus im Identitären-nahen Medium Heimatkurier hervor:
Antiziganismus: Hetze gegen Rom*nja und Sinti*zze trat 2023 im Heimatkurier in besonderer Dichte auf (das DÖW berichtete). Dabei verwendet das Medium demonstrativ das „Z-Wort“ und behauptet etwa eine grundlegende „kulturelle Inkompatibilität“ der „Angehörigen des ‚fahrenden Volkes‘“ mit ihren „Gastländer[n]“. Im Juni insinuierte man, dass die „kulturellen Gepflogenheiten der Chabos und Chayas […] verantwortlich für die europaweite Ablehnung gegenüber jener Gruppe“ seien. Gegen Jahresende wurden weitere antiziganistische Stereotype bemüht: „Bekanntermaßen schrecken sogenannte ‚Rotationseuropäer‘ bei ihren kriminellen Aktivitäten selbst vor den skrupellosesten Methoden nicht zurück.“
Auf S. 176 konstatiert der Bericht eine Intensivierung von antiziganistischer Agitation in Teilen der extremen Rechten:
Die Feindbestimmungen des Rechtsextremismus sind in konstantem Wandel begriffen. [...] Manche Feindbilder, die zwischenzeitig in den Hintergrund getreten waren, erleben aktuell eine Renaissance. Ein Beispiel hierfür sind die Freimaurer, die im Zuge der generellen Popularisierung von Verschwörungserzählungen [...] wieder vermehrt zur Zielscheibe entsprechender Narrative wurden. Auch die Agitation gegen Rom*nja und Sinti*zze wurde in Teilen der extremen Rechten zuletzt wieder intensiviert.
(Zusammenstellung: dROMa)