Schleswig-Holstein: Sinti-Union angegriffen

Januar 5th, 2025  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: die mit Sperrholz abgedeckte zerstörte Tür nach dem Angriff auf die Geschäftsstelle der Sinti-Union Schleswig-Holstein. Daneben die auf den Holocaust verweisenden Plakate. (Foto: Sinti-Union SH)In der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Jänner wurde der Ein­gangs­bereich der „Sinti Union Schles­wig-Hol­stein“ in Neu­münster durch eine Explosion schwer be­schä­digt, die ver­mut­lich durch nicht ge­neh­mig­te Böller ver­ur­sacht wurde. Ver­letzt wurde nie­mand. Die Polizei schließt einen po­li­ti­schen Hin­ter­grund nicht aus. In einem Auf­ruf bittet die „Sinti Union Schles­wig-Hol­stein“ even­tu­el­le Zeugen, sich zu melden.

Sinti Union SH, 3.1.2025:
Die Wucht der Explosion zerstörte größtenteils die Fenster­scheiben der beiden Eingangs­türen sowie die darüber lie­genden Glas­elemente voll­ständig. Auch die hölzernen Kreuz­ver­strebun­gen in den Fenstern (über den Türen) wurden erheb­lich be­schädigt. Der Brief­kasten der „Sinti Union SH“ wurde eben­falls durch die Explosion zerstört. Die Über­dachung über dem Eingang, die mit Paneelen bedeckt war, wurde stark be­schädigt. Auch die dort instal­lierte Lampe funk­tioniert nicht mehr. Eine Jalousie an einer der Türen ist defekt. Die große Fenster­scheibe, an der Plakate zum Thema Wider­stand im Holocaust an­ge­bracht sind und die sich zwischen den beiden Eingangs­türen der „Sinti Union SH“ befindet, wurde be­schädigt und weist meh­rere Risse im Glas auf. In den Innen­räumen beider Räum­lich­keiten liegen überall Glassplitter, die durch die Explosion ent­standen sind.

Der Vorfall hat deutliche Schäden an der Struktur und Sicherheit der Eingangs­bereiche hinter­lassen. Glück­licher­weise wurde nie­mand verletzt, da sich zum Tat­zeit­punkt niemand in den Räum­lich­keiten befand. Normaler­weise sind wir – vor allem als ehren­amtlich Tätige – auch an Feiertagen wie z. B. in der Weih­nachts­zeit bis spät­abends im Büro, um zu arbeiten. Obwohl nie­mand vor Ort war, sitzt der Schock tief. Die Feuerwehr hat die Türen und Fenster bereits provisorisch mit braunen Span­platten ge­sichert. Eine Anzeige wurde gestellt, und die Kriminal­polizei hat bereits Beweise ge­sichert und er­mittelt nun in diesem Fall. Wenn Sie etwas gehört oder gesehen haben, melden Sie sich bitte bei uns und/oder der Kriminal­polizei.

Sinti Union SH, 4.1.2025:
Die Versicherung des Vermieters übernimmt die Kosten für die ent­stande­nen Schäden. Gestern [Freitag] war eine Firma vor Ort, die u. a. provi­sorisch Plexiglas an den Fenstern an­ge­bracht hat. Bis die neuen Fenster ein­gebaut werden können, wird es ver­mut­lich noch einige Wochen oder sogar Monate dauern. Wir arbeiten ak­tuell ein Sicher­heits­konzept aus und wollen die Sicher­heits­vor­kehrun­gen vor Ort erhöhen. Bis dahin arbei­ten wir von zu­hause aus.

Anm. der dROMa-Redaktion:
Der Angriff weckt Erinnerungen an einen früheren Vorfall in Schleswig-Holstein. Bereits im Sep­tem­ber 2014 über­fielen meh­rere dunkel ge­kleidete Männer die Landes­ge­schäfts­stelle des Verbands der Sinti und Roma in Kiel-Elm­schen­hagen und verwüsteten mehrere Arbeits­plätze, Computer und Kopier­geräte. Damals beeilte sich die Polizei, einen rassis­tischen oder politi­schen Hinter­grund öffent­lich aus­zu­schließen – noch bevor sie überhaupt mit den formellen Zeugenbefragungen begonnnen hatte (wie etwa dieser Mel­dung des NDR zu ent­nehmen ist).


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