Rassismus & Menschenrechte
Juni 10th, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Die neue deutsche Bundesregierung will auf die Nachbesetzung der Stelle des Antiziganismus-Beauftragten verzichten. Die Abschaffung dieses erst 2022 geschaffenen Amtes bedeutet einen „Schlag ins Gesicht für die Sinti und Roma“. Im Folgenden geben wir, insbesondere für unsere Leserinnen und Leser in Deutschland, den Text einer Online-Petition wieder:
Petition: Antiziganismus bekämpfen – Beauftragtenstelle für Sinti und Roma wieder besetzen!
Gestartet von Gjulner Sejdi
→Zum Unterzeichnen
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
sehr geehrte Frau Ministerin Prien,
wir sind Sinti und Roma*) – Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Deutschland hat uns unter dem NS-Regime verfolgt, deportiert, ermordet. Über 500.000 Menschen. Der Völkermord an unserer Minderheit ist noch immer nicht vollständig aufgearbeitet. Und auch heute erleben wir täglich Ausgrenzung, Hass, Diskriminierung – Antiziganismus. Und der nimmt zu. Umso unverständlicher ist es für uns, dass die Bundesregierung die Stelle des Beauftragten für die Belange von Sinti und Roma und gegen Antiziganismus einfach gestrichen hat – still und leise, ohne Begründung, ohne neue Perspektive.
Der bisherige Beauftragte Mehmet Daimagüler hat Mut bewiesen, klar gesprochen und gehandelt – im Namen der Bundesregierung. Drei Beispiele zeigen, wie wichtig seine Rolle war: Read the rest of this entry »
Juni 4th, 2025 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Rund 200 Roma und Romnja in Sofia sind nach der Zerstörung ihrer Häuser durch die lokalen Behörden obdachlos geworden. Die Polizei führte die Zwangsräumungen ohne ordnungsgemäßes Verfahren, ohne angemessene Vorankündigung und ohne Prüfung alternativer Lösungen durch. Das Vorgehen der Behörden ist eine direkte Verletzung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 11. April. Dieser hatte die Regierung angewiesen, bis zur Klärung eines Rechtsstreits den Abriss der Häuser einzustellen. Die betroffenen Familien, darunter Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit Behinderungen, sind nun ohne Unterkunft, Wasser und Strom.
→URGENT ACTION: Setz dich ein! (Bis 9. Nov. 2025)
Die Lage der geräumten Rom*nja-Familien des Stadtteils Zaharna Fabrika in Sofia ist nach wie vor katastrophal. Seit dem 15. April hat die Bezirksverwaltung von Ilinden in Sofia Dutzende von Häusern in Zaharna Fabrika abreißen lassen, wodurch fast 200 Rom*nja – darunter Kinder, ältere Menschen und Schwangere – obdachlos wurden. Die meisten Familien sind ohne Unterkunft und haben keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Wasser, Strom, Gesundheitsversorgung und Bildung. Seit dem Abriss haben die Behörden nur wenigen Familien eine alternative Unterkunft zur Verfügung gestellt. Die meisten von ihnen leben unter äußerst prekären Bedingungen, schlafen in Zelten oder sind auf Behelfsunterkünfte angewiesen.
Die Zerstörung der Häuser erfolgte ohne ein angemessenes Verfahren, ohne Vorankündigung und ohne echte Konsultation zur Auslotung von Alternativlösungen. Damit wurde ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 11. April missachtet, das die bulgarischen Behörden angewiesen hatte, die Räumungen so lange auszusetzen, bis alternative Unterkunftsmöglichkeiten vorliegen. Mit der Missachtung dieses Urteils haben die bulgarischen Behörden gegen ihre internationalen und regionalen Menschenrechtsverpflichtungen verstoßen, einschließlich der Gewährleistung des Rechts auf angemessenen Wohnraum. Danach sind Zwangsräumungen nur als letztes Mittel zulässig, und zwar nach einer echten Konsultation, bei der alle Alternativen zu einer Räumung geprüft werden, nach der Bereitstellung einer angemessenen Alternativunterkunft und nach der Umsetzung von Schutzmaßnahmen zum Schutz der Würde und der Rechte der Betroffenen. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Räumungen angesichts des Fehlens von Verfahrensgarantien und der daraus resultierenden Obdachlosigkeit der meisten Betroffenen Zwangsräumungen gleichkommen – einer Praxis, die nach den internationalen und regionalen Menschenrechtsverpflichtungen Bulgariens verboten ist. Read the rest of this entry »
Mai 30th, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Neue deutsche Bundesregierung verzichtet auf Antiziganismus-Beauftragten
Vor drei Jahren schuf die deutsche Bundesregierung das Amt des „Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland“. Die im Mai 2022 neu geschaffene Stelle wurde mit dem Rechtsanwalt und Publizisten Mehmet Daimagüler betraut. Zugeordnet war die Stelle dem Familienministerium. Die Bundesregierung konnte somit auf die Expertise eines Antisemitismus-, eines Antirassismus- und eines Antiziganismusbeauftragten zurückgreifen.
Nun soll die Stelle jedoch wieder abgeschafft werden. Daimagüler hatte erst kürzlich seinen Rücktritt aus persönlichen Gründen bekannt gegeben. Wie am Mittwoch publik wurde, will die Bundesregierung die vakante Stelle nicht mehr nachbesetzen. „Eine Abschaffung des Amts wäre ein Schlag ins Gesicht für die Sinti und Roma in Deutschland“, zitiert die „taz“ den bisherigen Amtsinhaber.
Auch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma reagiert brüskiert auf Presseberichte zur Abschaffung des Beauftragten: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesregierung einen solchen Schritt gehen würde, ohne dies mit dem Zentralrat abzusprechen. Und das ist nicht geschehen“, zitiert die Agentur KNA den Vorsitzenden des Zentralrats Romani Rose. Er habe die Bundesregierung in einem Schreiben aufgefordert, die Stelle des Beauftragten beizubehalten und für Klarheit zu sorgen. „Und nach den nun aufgetauchten Berichten über eine vermeintliche Streichung werde ich mich nochmals an die Bundesregierung wenden.“
„Unsichtbarmachung“
Kelly Laubinger, Leiterin der Sinti-Union Schleswig-Holstein, spricht von „Unsichtbarmachung“ und „politischem Skandal“: „Gemeinsam mit der Nicht-Erwähnung der historischen Verantwortung der Sinti und Roma und der Unsichtbarmachung der strukturellen Gewalt an Sinti und Roma im aktuellen Koalitionsvertrag reiht sich dieser politische Skandal in den politischen Offenbarungseid der aktuellen Bundesregierung ein: Sinti und Roma werden bewusst politisch marginalisiert. Read the rest of this entry »
Mai 29th, 2025 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Kommission zur Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz (ECRI): Segregation von Roma-Schülern gehört zu den wichtigsten Herausforderungen
In ihrem Jahresbericht 2024 nennt das Europaratsorgan für die Bekämpfung von Rassismus, die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), vier zentrale politische Herausforderungen für die europäischen Staaten: die Bekämpfung des Einsatzes von rassistischer Profilerstellung durch die Strafverfolgungsbehörden, die Bekämpfung der Segregation von Roma-Kindern in der Schule, die Gewährleistung gleicher Rechte und Würde für Transgender-Personen und Intersexuelle und die Stärkung der nationalen Gleichbehandlungsstellen. Positive politische Entwicklungen werden in dem Bericht ebenfalls hervorgehoben. [...]
In mehreren Mitgliedstaaten des Europarats wurde weiterhin ein hohes Maß an schulischer Segregation von Roma-Kindern beobachtet, was zu einer geringeren Qualität der Bildung führt. ECRI stellt fest, dass die hohe Konzentration von Roma-Kindern in bestimmten Schulen offenbar das Ergebnis der Wohnsegregation ist, aber auch der anhaltenden Praxis der Schulbehörden, Roma-Kinder in getrennten Klassen oder Gebäuden zu unterrichten. Trotz der von vielen Mitgliedstaaten ergriffenen Maßnahmen – einschließlich der Anerkennung der schulischen Segregation als ernsthafte Form der Diskriminierung, ihres ausdrücklichen Verbots und der Unterstützung von Roma-Kindern durch spezielle Schulassistenten – wurden nur langsame Fortschritte bei der Aufhebung der faktischen Segregation erzielt. Read the rest of this entry »
Mai 26th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Laura Soréna Tittel: Politische Theorie des Antiziganismus. Genese und Kritik eines modernen Herrschaftsverhältnisses (=Beiträge zur kritischen Antiziganismusforschung, Bd. 2), transcript Verlag: Bielefeld 2025 [Erscheinungsdatum: 20.12.2024], 258 Seiten.
→Open Access: Download (pdf)
Antiziganismus ist bis heute weit verbreitet und betrifft Sinti*ze und Rom*nja als Angehörige der größten Minderheit Europas in besonderem Maße. Dennoch wird das Thema in Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen verdrängt. Im Anschluss an die kritische Gesellschaftstheorie verbindet Laura Soréna Tittel Überlegungen zur Funktion der »Zigeuner«-Figur in der politischen Theorie von Kant, Marx und Adorno mit umfangreichem Quellenmaterial, das von frühneuzeitlichen Gesetzestexten bis zu polizeilich eingesetzten Bildern reicht. Sie zeigt die Genese des modernen Antiziganismus in der Aufklärung, im Kapitalismus und in der Staatenbildung auf und ermöglicht so kritische Perspektiven auf ein gesellschaftliches Herrschaftsverhältnis.
(Text: transcript Verlag)
Mai 14th, 2025 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antiziganismus in der Schule – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und Bildungsministerkonferenz einig: unverzichtbarer Teil der Lehrpläne!
Die Bildungsministerkonferenz und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma haben im März 2025 erstmals gemeinsame Empfehlungen zur Prävention und gezielten Bekämpfung von Antiziganismus in Schulen beschlossen und vorgestellt.
„Schulen müssen antiziganismuskritische und antiziganismusfreie Lernräume sein und dadurch auch Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen gewähren“, heißt es in den Empfehlungen. Kinder und Jugendliche sollten ein Bewusstsein entwickeln und dafür eintreten, Sinti und Roma in der Gesellschaft vor Diskriminierung zu schützen.
Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Ministerin Simone Oldenburg, betont: „Die Bekämpfung von Antiziganismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die im Elternhaus beginnt und sich in unseren Schulen fortsetzt. Wir müssen feststellen: Antiziganismus kommt in allen Lebensbereichen vor. Leider begegnet uns in Schulen gesellschaftlich tradierter Antiziganismus bis heute in unterschiedlichsten Formen. Unsere Schulen sollen hingegen Orte der Vielfalt und des Respekts sein, in denen jede und jeder Einzelne frei von Vorurteilen lernen und sich entwickeln kann. Read the rest of this entry »
April 21st, 2025 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
In einem Bericht verurteilen Amnesty International Slowakei und ERRC die „weit verbreitete und zunehmende rassistische Spaltung im Bildungswesen“ und fordern die slowakische Regierung auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Segregation in ihren Schulen zu beenden.
Der Bericht mit dem Titel „Separate and Unequal: School Segregation Persists for Roma in Slovakia“ analysiert die gesetzgeberischen und politischen Reaktionen auf die Verweisung der Slowakei an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) im April 2023. Die Ergebnisse zeigen, dass beschlossene Maßnahmen nicht ausreichen, um die tief verankerten Praktiken der Segregation von Rom*nja wirksam zu bekämpfen. Gesetzesreformen – darunter Änderungen am Schulgesetz – mangelt es an Klarheit und Durchsetzbarkeit, um verfestigte Ungleichheiten zu beseitigen.
Zehn Jahre nach dem Beginn des EU-Verfahrens zeigt der neue Bericht, dass das slowakische Bildungssystem Rom*nja weiterhin den Zugang zu integrativer, hochwertiger Bildung verweigert. Ursache dafür sind unzureichende Kontrollen, strukturelle und infrastrukturelle Ungleichheiten sowie diskriminierende Praktiken. Amnesty International und das ERRC fordern die Europäische Kommission auf, die Umsetzung der Gleichbehandlungsrichttlinie durch die Slowakei weiterhin genau zu überwachen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen.
„Unsere Untersuchung zeigt klar, dass es sich hier nicht um zufällige Ungleichheiten handelt. Was wir Jahr für Jahr beobachten, ist der schleichende Versuch, ein Zwei-Klassen-Bildungssystem zu legitimieren – eines für Kinder mit uneingeschränktem Zugang zum Recht auf Bildung, und eines für jene, denen von Anfang an segregierte und minderwertige Schulbildung zugemutet wird“, so Rado Sloboda, Direktor von Amnesty International Slowakei. Read the rest of this entry »
April 16th, 2025 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Welttag der Sinti und Roma: Gespräch mit Radoslav Ganev
Bayern 2/Aktuelle Interviews, Sendung vom 8.4.2025 (8:12 min)
Zum internationalen Tag der Sinti und Roma: Verena Fiebiger spricht mit dem Politikwissentschaftler Radoslav Ganev, Gründer des Vereins RomAnity e.V. (Website), über Antiziganismus und Diskriminierung.
(Text und Sendung: Bayern 2/BR/Mediathek)
Siehe auch:
Podcast: Im Gespräch mit Radoslav Ganev, 25.3.2023
Sinti und Roma in München und Oberbayern, 15.9.2022
„Ich habe meine Herkunft verschwiegen“, 21.5.2021
Positive Bilder schaffen: RomAnity.de, 5.8.2020
April 9th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus: Interview mit Shimano Petermann
Arolsen Archives: Podcast „Keine Geschichte“ vom 3.2.2025 (12.57 min)
Wusstest du, dass die Nationalsozialisten schätzungsweise 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma verfolgten und ermordeten? Shimano erzählt in dieser Folge „Keine Geschichte“ von seinem Opa, der als Kind das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. Doch auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs hörte die Diskriminierung gegen Sinti und Roma in Deutschland nicht auf. Antiziganismus gehört für viele Betroffene zum Alltag. Timm Giesbers und Shimano Petermann sprechen über Vorurteile gegen Sinti und Roma heute und über die Geschichte des Box-Profis Johann Trollmann, einen Sinto, den die Nazis im KZ töteten. Read the rest of this entry »
April 5th, 2025 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Ende 2014 verhinderte der Bürgermeister von Champlan in Frankreich die Bestattung eines Roma-Babys. Die Nachbargemeinde Wissous stellte daraufhin ihren Friedhof zur Verfügung.
(Quelle)
April 3rd, 2025 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
2010 verweigerte ein Dorf bei Škocjan in Slowenien einer Romni die Bestattung. Als sie daraufhin im Nachbarort beerdigt werden sollte, versuchte ein Mob dies zu verhindern.
(Quelle)
April 2nd, 2025 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Vom 1. bis zum 30. April veranstaltet der Europarat den Monat Opre Roma!, um den Beitrag der Geschichte, Sprache und Kultur der Roma zum gemeinsamen Erbe und zur kulturellen Vielfalt Europas zu würdigen.
Der Aufruf „Opre Roma!“, der so viel wie „Steht auf, Roma!“ bedeutet, wurde 1971 auf dem 1. Internationalen Roma-Kongress vielfach aufgegriffen. Diese Losung trägt auch heute noch in den Roma-Gemeinschaften zu Einheit und Widerstandsfähigkeit bei.
Den ganzen April über werden mehr als 30 Mitgliedsstaaten auf nationaler Ebene Sensibilisierungsveranstaltungen organisieren, um die Geschichte, Sprache und kulturelle Identität der Roma hervorzuheben. Viele dieser Veranstaltungen werden auch die Förderung und den Schutz der Rechte der Roma-Gemeinschaften zum Gegenstand haben. Ein Beispiel ist das Treffen des „Dialogs des Europarates mit der Zivilgesellschaft der Roma und Fahrenden“ (2. und 3. April), das die wichtige Rolle der Zivilgesellschaft betonen wird, insbesondere in einer Zeit, in der viele zivilgesellschaftliche Organisationen Schwierigkeiten haben, ihr Fortbestehen zu sichern.
Vom 5. bis zum 11. April findet im Europarat das diesjährige Seminar „Roma Youth Together“ statt, bei dem 35 Teilnehmende aus 21 Ländern zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen. Das Seminar soll junge Roma befähigen, als Akteure des Wandels und Katalysatoren in ihren Gemeinschaften zu agieren.
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März 31st, 2025 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Volksverhetzungsurteil in Deutschland aufgehoben – Zentralrat ist „fassungslos“
Eine prominente deutsche Bloggerin, laut Focus „eine der wichtigsten Figuren der neurechten Szene“, hatte 2022 die Minderheit der Roma und Sinti auf Twitter pauschal verunglimpft. Mitte 2024 wurde sie dafür wegen Volksverhetzung verurteilt. Nun hat das Berufungsgericht das Urteil allerdings wieder aufgehoben – zum Entsetzen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Wir geben im Folgenden die Aussendung des Zentralrats wieder:
Die Bloggerin und Influencerin aus der rechtspopulistischen Szene, Anabel Schunke, wurde im August 2024 vom Amtsgericht Goslar wegen Volksverhetzung verurteilt. Im April 2022 hatte sie ihren rund 200.000 Followern auf der Plattform X geschrieben:
Ein großer Teil der Sinti und Roma in Deutschland und anderen Ländern schließt sich selbst aus der zivilisierten Gesellschaft aus, indem sie den Sozialstaat und damit den Steuerzahler betrügen, der Schulpflicht für ihre Kinder nicht nachkommen, nur unter sich bleiben, klauen, Müll einfach auf die Straße werfen und als Mietnomaden von Wohnung zu Wohnung ziehen.
Das Amtsgericht Goslar hatte sie aufgrund dieser Veröffentlichung auf der Plattform X wegen Volksverhetzung verurteilt. Das Landgericht Braunschweig hat dieses Urteil am 17.3.2025 aufgehoben. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist fassungslos über die Entscheidung des Vorsitzenden Richters, der dieses Urteil in der Berufung vom 17.3.2025 kassiert hat.
Die ekelhafte Hetze von Frau Schunke erinnert an den Beginn der Machtergreifung der Nazis, wo Sinti und Roma genauso wie Juden, trotz ihrer jahrhundertelangen deutschen Geschichte ihrer Staatsbürgerschaft beraubt und als „Zigeuner“ genauso wie Juden kriminalisiert und ausgegrenzt wurden. Read the rest of this entry »
März 25th, 2025 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Stellungnahme der deutschen Melde- und Informationsstelle Antiziganismus zu Markus Lanz:
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) (MIA) verurteilt die antiziganistische Rhetorik des Moderators Markus Lanz in der gleichnamigen Sendung vom 25. Februar 2025, die live im ZDF ausgestrahlt wurde. Die Meldestelle kritisiert auch, dass seitens des TV-Senders keinerlei Kommentar dazu geliefert wurde.
Was vorgefallen ist
In der ZDF-Polit-Talkshow „Markus Lanz“ vom 25. Februar wurde u. a. darüber gesprochen, wie es der AfD bei der letzten Bundestagswahl gelungen ist, so viel Zustimmung zu erhalten, insbesondere in Gelsenkirchen die meisten Zweitstimmen zu bekommen. Moderator Lanz fand schnell eine Antwort: Sinti und Roma seien dafür verantwortlich. Er sprach darüber, wie viele Probleme diese Bevölkerungsgruppe vor Ort verursachen würde. Sie seien kriminell, würden die Schule abbrechen, viele von ihnen seien arbeitslos.
Wieso es höchstproblematisch ist
Lanz reproduziert jahrhundertealte antiziganistische Vorurteile sowie Täter-Opfer-Umkehr vom Feinsten, indem er die in Gelsenkirchen lebenden Sinti und Roma sowohl für die sozialen Probleme in der Stadt als auch für die hohen Zustimmungswerte der AfD verantwortlich macht. Sogar die Senkung der Lebenserwartung in Gelsenkirchen wird in diesem Zusammenhang angesprochen.
Sündenbockfunktion
Sinti und Roma werden als Sündenböcke für soziale Unzufriedenheit und gesellschaftliche Krisen herangezogen. Dieser Mechanismus ist nicht neu, doch die derzeit verbreitete Diskursverschiebung, Migration für die meisten Probleme verantwortlich zu machen, verstärkt diese negative Einstellung. In diesem Zusammenhang präsentiert Herr Lanz alarmierende „Daten“ aus Gelsenkirchen zu Sozialbetrugsfällen, Arbeitslosenquoten, Schulabbrüchen und Absentismus bei Sinti und Roma. Diese von Antiziganismus geprägten Aussagen sollen laut ihm die schwierige wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage vor Ort erklären. Zudem werden die Erfolge der AfD als eine selbstverständliche Folge des angeblichen Fehlverhaltens der Minderheit dargestellt. Diese Argumentation ist grundlegend falsch, irreführend und überheblich. Read the rest of this entry »
März 23rd, 2025 |
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Musik, Rassismus & Menschenrechte
„Keine Geschichte, die man heute so erzählen will“
Das Lied vom Rand der Welt oder Der „Zigeunerbaron“ – ein neuer Blick auf ein umstrittenes Werk: Mit einem Libretto von Roland Schimmelpfennig und einer Rekomposition von der Musicbanda Franui (Markus Kraler/ Andreas Schett) entsteht eine Neufassung von Johann Strauss‘ Der Zigeunerbaron mit prominenter Besetzung, unter anderem mit Tobias Moretti.
Uraufführung am 25. März 2025 im Wiener MuseumsQuartier (Halle E), Infos und Tickets unter:
→www.johannstrauss2025.at
Strauss’ 1885 uraufgeführte Erfolgsoperette „Der Zigeunerbaron“ ist eines seiner musikalisch ambitioniertesten, zugleich aber sein heute inhaltlich kontroversiellstes Werk. Das so brisante Stück erfährt anlässlich des Jubiläumsjahres seines Komponisten eine musikalische wie literarische Überschreibung, die die darin enthaltenen Spannungsverhältnisse sichtbar macht und in einen heutigen Kontext stellt. Die Bearbeitung ist also kein Bruch mit Strauss, sondern eine Weiterführung seiner Ideen. In der Neufassung von Roland Schimmelpfennig, einem der meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker, wird die Geschichte rund um Besitz, Liebe, Krieg, gesellschaftliche Verhältnisse wie auch Selbstermächtigung gleichzeitig märchenhaft und desparat umgedeutet. Das für seinen unverwechselbaren Klang bekannte Tiroler Kammerensemble Musicbanda Franui wird den beliebten Melodien von Strauss eine neue Dimension verleihen. [Johann Strauss 2025]
Roland Schimmelpfennig:
Die berühmte Originaloperette von Johann Strauss ist musikalisch ebenso reizvoll wie inhaltlich problematisch, angefangen beim Titel und einer verklärenden, historisierten Scheinfolklore in Bezug auf gleich mehrere Volksgruppen bis hin zur Kriegsverherrlichung. [Quelle: Rathauskorrespondenz]
Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, sie steht für sich, und mit ihr ihre Sprache, dem müssen wir uns stellen. Aber alte Verletzungen, alter Rassismus, alter Imperialismus, alte Ausgrenzungen, alte sprachliche Gewalt bleiben trotzdem Verletzungen, Rassismus, Gewalt, und ich sehe keinen Sinn darin, diese in einer Musiktheateraufführung zu wiederholen, auch nicht zum, sagen wir mal, Lerneffekt. Ignaz Schnitzers Libretto ist – auch bei größter, wohlwollender Anstrengung – in seiner alten Form keine Geschichte, die man heute so erzählen will. Bei der Originalversion des ,Zigeunervbaron‘ kann einem an verschiedenen Stellen unwohl werden, nicht nur wegen der klischeehaften Fake-Folklore. Read the rest of this entry »
März 13th, 2025 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Unter dem Radar – Antiziganismus, der „salonfähige“ Rassismus (Teil 1 & 2)
Grenzfrei – der Podcast des Münchner Flüchtlingsrats
Doppelfolge vom 17./18.9.2024
„Antiziganismus? Nie gehört!“ Dennoch gibt es ihn – bis heute. Diese leider noch immer salonfähige Form des Rassismus beruht auf einem Konstrukt aus Klischees und Zuschreibungen, das sich über Jahrhunderte herausgebildet und verfestigt hat. Es führt zu Diskriminierung und Ausgrenzung von Sinti* und Rom:nja sowie entsprechend gelesener Personen. Die Minderheit ist mit Ablehnung und Vorurteilen konfrontiert – oder mit einem erstaunlichen Maß an Unwissen. Mit dieser Doppelfolge möchten wir einige Informationslücken schließen und die eine oder andere Tür aufstoßen.
Gesprächspartnerinnen:
Dr. Andra Draghiciu – Historikerin und Mitarbeiterin beim Landesverband Sinti und Roma Rheinland-Pfalz, stammt aus Rumänien
Larisa Leitz – Romni und Mitarbeiterin beim Landesverband Sinti und Roma Rheinland-Pfalz, stammt aus Rumänien
Esther Reinhardt-Bendel – Sintezza und Aktivistin, Mitgründerin von Sinti-Roma-Pride
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Februar 28th, 2025 |
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Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Sinti und Roma in der Schule – Diskriminierung überwinden
SWR Kultur/Das Wissen, 17.1.2025
Von Anja Schrum und Ernst-Ludwig von Aster
Rund 63 Prozent aller Sinti und Roma in Deutschland berichten laut einer Studie von Diskriminierungserfahrungen im Bildungsbereich – Vorurteile und Unwissen führen zum sogenannten Antiziganismus. Deshalb gehen viele Kinder und Jugendliche weniger gern zur Schule oder brechen sogar ab. Dagegen hilft nur: mehr Wissen. Das kann eine dezidierte Unterrichtseinheit sein, wie sie die „Hildegard Lagrenne Stiftung“ für fünfte und sechste Klassen entwickelt hat. Oder das Hamburger Modell: Seit 15 Jahren gibt es dort die „Bildungsberater“, die selbst aus der Minderheit stammen. Sie fungieren als Brückenbauer zwischen Schule, Kindern und Eltern.
(Text und Sendung: SWR Kultur)
Februar 27th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Zum fünften Jahrestag des Anschlags zeigt das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg bis 13. März die Ausstellung „Wir sind Hanau“. Der Eintritt ist frei.
Es dauerte zwölf Minuten, dann waren neun Leben ausgelöscht. Am 19. Februar 2020 hat der Attentäter von Hanau die jungen Menschen aus rassistischen Motiven ermordet: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst.
Die Präsentation im Dokumentationszentrum in Heidelberg regt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Themen wie Diskriminierung, Rechtsextremismus und strukturellem Rassismus an und erinnert an die Ermordeten rechtsextremer Attentate der vergangenen 30 Jahre in Deutschland. Konzipiert von »Migrantifa« Stuttgart, wurde sie gemeinsam mit Migration Hub Heidelberg sowie dem Bündnis Erinnern.Verändern speziell für Heidelberg weiterentwickelt. Darin wird offenkundig, dass der rechtsextreme und rassistische Anschlag in Hanau alle Menschen in Deutschland betrifft. Denn gerade danach ist das Ausmaß rechtsextremen Terrors und der mangelhaften gesellschaftlichen Aufarbeitung besonders deutlich geworden. Während Politiker*innen und Behörden von Hanau als »Einzelfall« sprechen, entgegnen die migrantischen jungen Menschen Deutschlands, dass dies nicht die Realität widerspiegelt.
Neben Texten und Gedichten zu den Anschlägen in Hanau werden in der Ausstellung auch Werke von BIPoC-Kunstschaffenden aus Heidelberg gezeigt. Zudem setzt sie sich unter anderem kritisch mit dem Begriff »Einzelfall«, dem anwachsenden Rechtsextremismus sowie dem Thema Rassismus in Sicherheitsbehörden auseinander. Read the rest of this entry »
Februar 22nd, 2025 |
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Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Vor fünf Jahren, am 19. Februar 2020, ermordete ein Attentäter in Hanau in Deutschland neun Menschen aus rassistischem Hass. Drei der Opfer, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov und Vili-Viorel Păun, waren Roma.
Der Mörder kam aus der Nachbarschaft: Er erschoss neun junge Menschen aus rassistischen Motiven. Überlebende und Angehörige berichten, wie sie die Tatnacht und die Monate danach erlebt haben und wie sie sich gegen die Logik des Täters wehren, der sie zu Fremden in ihrer eigenen Heimat machen wollte. Seit jener Februarnacht kämpfen sie um das Andenken der Opfer und um die Aufklärung des Geschehenen. Und sie stellen viele drängende Fragen zur Tatnacht und zum Täter, die ihnen bislang niemand beantworten wollte.
(Film und Text: HR/ARD Mediathek)
Februar 19th, 2025 |
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Facts & Figures, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Wenn italienische Zeitungen von nomadi (für Roma) sprechen, erfolgt dies überwiegend (83%) im negativen Kontext. Nur 17% entfallen auf neutrale/positive Themen.
(Quelle)