Rassismus & Menschenrechte

Europitiko rot patijarel o ERRC

Januar 23rd, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Verleihung des Raoul-Wallenstein-Preis 2018 in Straßburg (Foto: CoE)Raoul-Wallenberg-patijaripe: Europitiko rot pa­ti­ja­rel o centro le Ro­ma­ne tscha­tschi­pen­ge (ERRC) an­de Bu­da­pest

O centro sa kerel, kaj le lek bareder tschu­li­peske andi Europa feder te dschal, phenel o ge­ne­ral­sekre­tari la than­se­kera orga­ni­saci­jo­na­tar, Thorbjørn Jagland uso prik dipe le pat­jari­pes­taer an­de Straßburg. I or­ga­ni­sa­ci­ja pe but sora­li­peha la flogos­kera grup­nake le Ro­menge an­de be­scharel. Lengere butschaschtscha – but lendar Roma hi – sika­de, hot o kejm­pi­nipe gejng i dis­krimi­na­ci­ja taj rasis­mus bari­kane schaj kerdo ol, phe­nel o Jagland use. Ov le direk­to­riske le cent­ru­mistar Ðorđe Jovanović o 10.000 Euro prik dija. I 1996 kerdi or­gani­sa­cija po­mo­schi­nel but Romenge te le aun sesim ule gejng dis­krimi­naci­ja vaj rasis­tischi moti­virti schtrau­fi­ni­pes­kere kerip­tscha. Read the rest of this entry »

Europarat: Wallenstein-Preis an ERRC

Januar 18th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Verleihung des Raoul-Wallenstein-Preis 2018 in Straßburg (Foto: CoE)Europäisches Zentrum für Rechte der Roma (ERRC) erhält Raoul-Wallen­berg-Preis für Kampf ge­gen Ras­sis­mus und Menschen­rechts­ver­letzun­gen

Das Europäische Zentrum für die Rechte der Roma mit Sitz in Budapest er­hielt gestern den Raoul-Wal­len­berg-Preis des Euro­pa­rates für seinen Kampf gegen Dis­krimi­nie­rung, Anti-Roma-Ras­sis­mus und Ver­letzun­gen der Rechte der Roma. Das Zentrum wen­det in­no­va­tive recht­liche Maß­nahmen und evi­denz­ba­sierte Forschung an und er­arbei­tet ein­schlä­gige Stra­te­gien. Thorbjørn Jagland, Ge­ne­ral­sekre­tär des Europa­rates, er­klärte bei der Ver­lei­hung des mit 10.000 Euro dotier­ten Preises an den Direk­tor des ERRC, Ðorđe Jovanović: „Es ist be­dauer­lich, dass Per­so­nen und Grup­pen auf unse­rem Kon­ti­nent weiter­hin Menschenrechts­ver­letzun­gen und schlech­ter Be­hand­lun­gen aus­ge­setzt sind. Um­so er­freu­li­cher ist es daher, dass Aus­zeich­nun­gen wie diese die Auf­merk­sam­keit auf Prob­le­me lenken, die sonst viel­leicht un­beach­tet ge­blie­ben wären – und jene Per­sonen wür­digen, die außer­gewöhn­li­che An­stren­gun­gen unter­neh­men, um sie zu be­kämpfen. Ich freue mich mit­teilen zu dürfen, dass der Preis in diesem Jahr an eine Or­gani­sa­tion geht, die Hinder­nisse be­sei­tigt, mit denen die Roma, die größ­te euro­päi­sche Minderheit, kon­fron­tiert sind. Eine Organi­sa­tion, deren Energie, Hart­näckig­keit und Glaube an den Rechtsstaat da­für sor­gen, dass die Rechte der Roma an­erkannt wer­den. Eine Orga­ni­sation, de­ren Mut und Ent­schlos­senvheit eine Inspira­tion für junge Roma sind und die ihnen eine Zukunft vol­ler Hoff­nung auf­zeigt.“ Die ge­mein­nützige Orga­ni­sation, deren Leitung und Mit­arbeiter mehr­heit­lich Roma sind, ist un­ermüd­lich und effi­zient in ihrem Kampf gegen Anti-Roma-Ras­sis­mus und Men­schen­rechts­ver­letzun­gen in zahl­reichen Ländern, er­gänz­te der Generalsekretär.

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Sachsen: 19 Verletzte nach Brandanschlag

Januar 10th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

In den späten Abendstunden des 29. Dezember wurde in Plauen (Sachsen) ein Brand­an­schlag auf ein Haus ver­übt, in dem vor­wie­gend Roma-Familien aus der Slowakei und Rumänien wohnen. Augen­zeugen be­rich­ten von rassisti­schen Kom­men­ta­ren und „Sieg-Heil“-Rufen von An­wohnern. Die Feuer­wehr soll beim Ein­satz at­tackiert wor­den sein.

Das Feuer, das im Keller gelegt wurde, zerstörte das fünf­stöckige Wohn­haus, in dem sich 40 Per­so­nen auf­hielten, so stark, dass es in der nächs­ten Zeit nicht be­wohn­bar ist. 19 Be­wohner wur­den bei dem Anschlag ver­letzt, darun­ter auch acht Kinder. Zwei Frauen (29 bzw. 39) und zwei Kinder (2 bzw. 8 Jahre) schweb­ten vorüber­gehend so­gar in Le­bens­gefahr. Dies berich­tet das Online­magazin Belltower.news. Trotz der Schwe­re des Vorfalls „wurde der Fall bisher nicht über­regio­nal be­ach­tet“.

Der mutmaßliche Täter, ein 25-jähriger Deutscher, wurde kurz nach der Tat fest­ge­nom­men. Laut Staats­anwalt­schaft schweigt der Mann bisher zur Tat. Bis Okto­ber 2017 soll er selbst in dem Haus ge­wohnt haben, sei dann aber die Miete schul­dig ge­blie­ben und schließ­lich aus­ge­zogen. Noch unklar ist, ob daher ein Streit mit dem Ver­mieter hinter der Tat ste­hen könnte. „Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes in meh­re­ren Fällen, schwe­rer Brand­stiftung und schwe­rer Körper­verletzung er­mittelt“, heißt es auf Bell­tower.news.

Die Bewohner sind momentan in Notunterkünften unterge­bracht. Sie „wer­den über Spenden, Kleider­kam­mern und die Plauener Tafel mit dem Nö­tigs­ten ver­sorgt. Viele flohen bar­fuß und leicht be­kleidet aus dem bren­nenden Haus. Für die grö­ße­ren Fa­milien wird nun drin­gend Wohnraum gesucht.“

Über die Szenen vor dem brennenden Gebäude schreibt Bellt­ower.news:

Augenzeugen berichten von rassisti­schen Kommen­taren und „Sieg Heil“-Rufen von An­woh­ner_innen. Außer­dem sollen Feuerwehr­leute beim Ein­satz at­tackiert wor­den sein. (…) Alarmierend für die Situa­tion im Stadt­teil ist ein Bericht in der „Freien Presse“ über zwei 18 und 19 Jahre alte Schüler, die auf dem Rück­weg vom Kino an dem bren­nen­den Haus vorbei­kamen und spon­tan Hilfe leis­teten (…). Die Schüler berich­ten u.a., im zwei­ten Stock hät­ten Männer Kinder an den Hand­gelen­ken aus den Fenstern ge­hal­ten. Read the rest of this entry »

„Antiziganismus und Film“

Januar 10th, 2018  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Die "Zigeunerhexe" Ganush, antiziganistischer Tiefpunkt im Kino der letzten Jahre: der US-Horrorfilm "Drag me to hell" von Sam Raimi (Filmstill, Ghost House Pictures/ Universal Pic.)Fachgespräch (21.2.) und Konferenz (22./23.2.) zu „Antiziganismus und Film“ in Berlin

Das Thema „Antiziganismus und Film“ ist hochaktuell und eine tiefer­ge­hen­de Aus­einan­der­setzung und Debatte dazu steht bis­lang aus. In den letz­ten Mona­ten gab es größere öffent­liche Auf­merk­sam­keit und kritische De­batten zu gleich drei aktuel­len Kino­pro­duk­tio­nen. Zum einen die inhalt­liche Aus­rich­tung des Kinder- und Jugend­films „Nellys Abenteuer“ (hier und hier) wie auch seine Pro­duk­tions­bedin­gun­gen, die auf Ein­ladung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fach­gespräch in Berlin kontro­vers dis­ku­tiert wur­den. Zum an­de­ren der fran­zö­si­sche Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“), der be­reits An­fang des Jahres in Frankreich eine De­batte über Rassismus im Kino aus­löste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kri­ti­siert wird. Auch die Be­setzung einer männ­li­chen Haupt­rolle in der geplan­ten Ver­fil­mung von Mikey Walshs Me­moiren „Gypsy Boy“ mit Benedict Cumberbatch hat in Groß­britannien eine Dis­kus­sion über „White­washing“ im Kino an­ge­facht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus“ in der Film­branche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrott­sammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“ erlang­ten Preise auf den großen Film­fest­spie­len. Auf­wen­dige Kino­pro­duk­tio­nen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sher­lock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“) be­mü­hen anti­ziganis­tische Stereo­type und ver­schie­denste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontro­versen Dis­kus­sio­nen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die ex­pli­zit aus einer Roma­ni-Perspek­tive produziert und er­zählt werden, schaf­fen es hin­ge­gen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

Vorläufiges Programm Read the rest of this entry »

Romafeindliche Straftaten in Deutschland

Januar 5th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Hasskriminalität in Deutschland: Innenministerium nennt erst­mals pro­vi­so­ri­sche Fall­zah­len zu poli­tisch moti­vier­ten Straftaten ge­gen Roma und Sinti

Das Bundesinnenministerium in Berlin zeigte sich in der par­la­men­ta­ri­schen Be­ant­wor­tung einer Klei­nen Anfrage (19/64) der Linken-Bun­des­tags­fraktion zur „Ent­wick­lung des Anti­ziganis­mus in Deutschland ab 2015“ be­sorgt über die Zahl der An­griffe auf Roma und Sinti. Der Anfrage­beant­wor­tung des Minis­te­riums ist zu ent­neh­men, dass von den Ländern im Jahr 2017 (bis zum Stich­tag 17. No­vem­ber) bis­lang 30 poli­tisch moti­vier­te Straftaten ge­gen Roma und Sinti ge­meldet wurd­en. Bei einem Angriff wur­de in Berlin im April 2017 eine Per­son ver­letzt; in einem weite­ren Fall wur­de ein von Roma be­wohntes Haus ge­zielt at­tackiert. Sechs Straf­taten betref­fen roma­feind­li­che Äußerun­gen in sozialen Medien. Angesichts der relativ überschaubaren Fallzahlen ist allerdings noch Skepsis angebracht. Zum Vergleich: Im Antiziganismusbericht von Amaro Foro wurden allein in Berlin 2016 568 anti­ziganis­tische Vorfälle dokumentiert. Das Ministerium weist darauf hin, dass es sich ledig­lich um vor­läu­fige Fall­zahlen hand­le, die sich „bis zum Melde­schluss am 31. Januar 2018 noch ver­ändern können“. Zu­dem wer­den Straftaten in die­sem Bereich in der Statistik der Kriminalpolizei erst seit Jah­res­beginn 2017 ge­son­dert er­fasst, über die voran­ge­gan­ge­nen Jahre lägen keiner­lei Daten vor.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 wurde das Unter­thema „Antiziganistisch“ in den The­men­feld­kata­log des Kriminal­poli­zei­li­chen Melde­diens­tes – Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) zum Ober­thema „Hass­krimi­na­li­tät“ auf­ge­nom­men. Erst seit die­sem Zeit­punkt ist eine trenn­scharfe Ab­bil­dung von Straf­taten mit einer anti­ziganis­ti­schen Moti­vation mög­lich. Für anti­ziga­nis­ti­sche Straf­taten vor diesem Zeit­punkt gilt: Straftaten ge­gen Sinti und Roma sind Teil der Hasskriminalität mit dem Unter­thema „Fremdenfeindlich“, sie kön­nen je­doch kei­nem sepa­ra­ten Unter­thema zu­geord­net und statis­tisch nicht be­zif­fert wer­den. Read the rest of this entry »

Flucht in die Freiheit (Teil 3)

Januar 4th, 2018  |  Published in Interview, Radijo Erba, Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Beitrag von Adolf Gussak

Naschigejipe ando naphandlo them (falato 3)

Im dritten und letzten Teil unserer Reportage (Teil 1 und Teil 2) haben wir Frau Dagmar Frühwirth-Sulzer und Herrn Rainer Klien im In­terview. Bei­de sind im Bereich Flücht­lings­hilfe und Men­schen­rechte tätig. Sie er­zäh­len von ihren Auf­gaben und per­sön­li­chen Er­leb­nis­sen mit Migran­ten und Migran­tinnen.

Ando triti taj lejcti falato amara repor­tascha­tar (falato 1 taj falato 2) la Dagmar Früh­wirth-Sul­ze­raha taj le Rainer Klieniha va­ker­do ol. So dum ando naschi­geji­pes­kero pomo­schago taj ando manu­schen­gere tscha­tschip­tscha butscha­linen. On pedar pumari buti taj peder pu­mare terdschi­jip­tscha le migran­tenca taj mig­rant­ki­jenca, phukan.

(Jek keripe le Adolf Gussakistar)

EU-Gremium tagt zu Romafeindlichkeit

Dezember 18th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

EU High Level Group (Foto: Antiziganismus auf der Tagesordnung der EU High Level Group zur Be­kämpfung von Rassis­mus, Frem­den­feind­lich­keit und an­deren For­men von Into­le­ranz

Die EU High Level Group zur Bekämpfung von Rassis­mus, Fremden­feind­lich­keit und an­deren Formen von Intoleranz, bei der Ver­tre­ter/innen der EU-Mit­glied­staaten und Ver­tre­ter/innen der Zivil­gesell­schaft zu­sammen­kom­men, legte bei ihrem 4. Tref­fen am 5. De­zem­ber 2017 be­son­deres Augen­merk auf das Phä­no­men Anti­ziga­nis­mus.

Vera Jourova, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleich­stel­lungs­fragen, brachte in ihrer Eröff­nungs­rede ihre tiefe Be­sorg­nis über die weit­verbrei­tete sozia­le Akzep­tanz von Antiziganismus zum Aus­druck. Als ak­tuel­les Beispiel nannte sie einen Fall von Hass­reden und Mord­dro­hun­gen gegen einen tsche­chi­schen Roma-Sänger, Gypsy.cz, der vom na­tio­na­len Gericht mit nur 4 Euro Strafe ge­ahndet wurde. Gerichts­urteile wie diese sen­den eine fatale Bot­schaft in die Gesell­schaft, wenn es darum geht, Anti­zigani­smus zu bekämpfen.

MdEP Soraya Post (S&D Fraktion) betonte die Notwendig­keit, die Haupt­ursache für Dis­krimi­nie­rung und Hass gegen Roma – den Anti­ziganismus – zu be­seitigen, und rief alle Regie­rungen und Pflich­ten­trä­ger/innen dazu auf, Ver­ant­wor­tung für ihre Bür­ger/innen zu über­nehmen. Post warnte: „Europa steht erneut am Scheide­weg. Extre­mis­tische Parteien geraten immer häu­figer in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung, aus­länder­feind­li­che Stim­men werden immer lauter und bis­weilen von Regie­rungs­mit­gliedern toleriert.“

Jamen Gabriela Hrabanova, Direktorin des ERGO-Netzwerks, stellte in ihrem Beitrag das Referenz­papier Antiziganismus vor und wies darauf hin, dass es wich­tig sei, sich bei der Be­kämpfung von An­ti­ziga­nis­mus auf die Mehr­heits­gesell­schaft zu kon­zentrie­ren: „Es muss un­bedingt an­erkannt werden, dass Anti­ziganis­mus keine Min­der­heiten­ange­le­gen­heit ist.“ Read the rest of this entry »

3. Antiziganismusbericht präsentiert

Dezember 14th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismusbericht 2017 Romano Centro (Hg.):
Antiziganismus in Österreich
Falldokumentation 2015–2017
Informationen für Betroffene und ZeugInnen
Wien, Dez. 2017, 32 S.

➔Download (pdf)

Der Verein Romano Centro präsentierte heute den drit­ten Bericht zu Anti­ziga­nis­mus in Österreich. Er ent­hält 55 anti­ziga­nis­ti­sche Vor­fälle aus den Berei­chen Medien, Politik, Zu­gang zu Gütern und Dienst­leis­tun­gen, Polizei, öffent­li­cher Raum, Arbeits­welt und Bildung. Sie rei­chen von Belei­di­gun­gen bis zu gewalt­täti­gen Über­griffen.

„Antiziganismus ist ein weit verbreitetes Problem. In den letzten Jahren sehen wir europa­weit ein Zu­neh­men rassis­ti­scher Rhetorik von Politi­kern, die damit ihre Popu­la­rität beim Wahl­volk er­hö­hen und gleich­zei­tig Anti­ziga­nis­mus ver­brei­ten und legi­ti­mie­ren“, sagt Mirjam Karoly von Romano Centro, und er­läu­tert weiter: „Wir be­grüßen, dass die Republik Öster­reich die Be­kämpfung von An­ti­ziga­nis­mus als Schwer­punkt in die Roma-Stra­tegie auf­ge­nom­men hat und wol­len mit dem vor­liegen­den Bericht die Öffent­lich­keit sensi­bi­li­sie­ren und den Betrof­fe­nen Mög­lich­kei­ten auf­zei­gen, sich gegen Ras­sis­mus zu wehren.“

Antiziganistische Diskurse in Medien und Politik

Die Berichterstattung über Roma hat in den letzten beiden Jahren ab­ge­nom­men, da­durch gibt es auch weni­ger Berichte, die Vor­urteile ver­breiten. „Dies dürfte vor allem auf die Fokus­sie­rung der Bericht­erstat­tung auf Flücht­linge zurück­zu­füh­ren sein“, er­läu­tert Ferdinand Koller, Re­dak­teur des Berichts. „Trotz­dem kommt es vor allem in den Boulevard­medien häufig zu anti­ziga­nis­ti­schen Dar­stel­lun­gen beim Thema Betteln: Armuts­betrof­fene Fa­mi­lien werden pau­schal als ‚orga­ni­sierte Banden‘ be­zeich­net und in die Nähe der Krimi­na­lität gerückt. Poli­ti­kerIn­nen auf Landes- und Gemeinde­ebene ver­wenden die­selben anti­ziganis­ti­schen Bilder um Ver­trei­bungs­maß­nahmen und unter­las­sene Unter­stüt­zung zu legi­ti­mie­ren“, er­klärt Koller.

In Linz wurden im Februar und März 2016 Brandanschläge auf die Zelte von mehr als 50 obdach­losen Per­so­nen, darun­ter auch viele Kinder, ver­übt. Read the rest of this entry »

„Viele versuchen, ihre Herkunft zu verschleiern“

Dezember 13th, 2017  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Tatjana Logwinjuk von Terne Roma (Foto: VolynNews.com)Ukrainische Roma werden von Behörden und Medien diskri­mi­niert – als Folge schot­ten sich Ge­mein­schaf­ten im­mer stär­ker ab. Frank Brendel (jW) sprach mit Tatjana Logwinjuk, der Lei­te­rin der Orga­ni­sa­tion »Terne Roma« (Junge Roma) in Lutsk, Ukraine.

Auch in der Ukraine gibt es eine Schulpflicht, die für alle gilt. Trotz­dem gibt es unter Roma in dem Land etli­che Analpha­be­ten. Wie kann es dazu kom­men?

Als die Ukraine unabhängig wurde, stieg der Anteil der Analpha­beten rapide. Bei den 30-jäh­rigen Roma liegt er bei rund 60 Pro­zent. Die Kinder gehen zur Schule, sitzen aber auf den hin­ters­ten Bänken und lernen kaum etwas. Die Lehrer ma­chen meis­tens die Eltern dafür ver­ant­wort­lich. Aber wie sollen die ihren Kindern hel­fen, die Schule zu bewäl­ti­gen, wenn sie selbst nicht lesen und schrei­ben können?
Als meine Tochter eingeschult werden sollte, wollte keine Leh­re­rin sie in der Klasse ha­ben, bis meine ukrai­ni­schen Bekann­ten dafür bürg­ten, dass man dieses Kind neh­men könne. Aber was soll einer machen, der keine sol­chen Be­kann­ten hat? Und wenn ein Kind aus ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen stammt und nicht so sauber ist wie an­dere, dann heißt es häufig, es soll lie­ber zu Hause bleiben.

Wie steuern Sie dagegen?

Vor ein paar Jahren gründeten wir eine Versuchsklasse spe­ziell für Roma-Kinder. Das ging nach hin­ten los: Andere Kinder spra­chen von der »Affen­klasse«. Das Min­der­wertig­keits­gefühl der Roma-Kin­der wurde noch ver­stärkt. Dann haben wir Klassen als Vor­berei­tung für den Schul­eintritt ge­grün­det. Aber auf der all­gemein­bilden­den Schule kapseln sich die Kinder weiter­hin ein. Uns fehlt ein Programm zur Aus­bil­dung von demo­kra­tisch gesinn­ten Lehr­kräften, die sich von Stereo­typen über Roma frei machen.

Werden Roma auch in anderen Bereichen schlech­ter be­han­delt?

Wir werden ständig damit konfrontiert. Da gibt es zum Bei­spiel in den Kranken­häu­sern separate Kranken­zimmer. Nur weni­ge wehren sich da­ge­gen, aus Angst, nicht auf­ge­nom­men zu werden. Read the rest of this entry »

Respect Words: Hassrede in den Medien

Dezember 9th, 2017  |  Published in Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

RespectWordAus der Reihe „Respect Words“: Wie umgehen mit Hassrede in den Medien? – Antiziganismus als Phä­no­men der Mehr­heits­ge­sell­schaft

Radio Dreyeckland, 5.5.2017
➔Anhören (mp3): 58:40 min

Beim Seminar „Wie umgehen mit Hassrede in den Medien?“ spricht Markus End über Anti­ziga­nis­mus in den deutschen Medien. Er analy­siert dafür einen Bei­trag des Rund­funks Berlin-Bran­den­burg im Magazin Klartext vom 27. April 2016. Vor dem Hinter­grund anti­ziga­nis­ti­scher Kon­tinui­tä­ten seit dem Völker­mord im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­läu­tert Markus End die stereo­typen und dis­krimi­nie­ren­den Berichte über (ver­meint­li­che) Sinti und Roma, wie sie all­täg­lich in den Medien auf­tauchen.

Weitere Informationen zum Projekt Respect Words, das sich mit Hate Speech in den Medien be­schäf­tigt, un­ter www.respectwords.org

(Text: www.rdl.de)