Rassismus & Menschenrechte
Oktober 22nd, 2025 |
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Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Diesjähriger Europäischer Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma ehrt mit George Soros ein weltweites Feindbild von Nationalisten und Autokraten
Der Zentralrat und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma verleihen am 23. Oktober um 11 Uhr im Berliner Hotel Adlon den von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung ins Leben gerufenen und mit 15.000 Euro dotierten Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma an den US-amerikanischen Holocaustüberlebenden, Kosmopoliten und Philanthropen George Soros. Die Laudatio hält der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, der parlamentarische Staatssekretär Michael Brand.
Mit dem Preis werden seit 2008 Persönlichkeiten und Organisationen, die sich in besonderer Weise um die Menschenrechtssituation von Sinti und Roma in Europa vervdient gemacht haben, ausgezeichnet, unter ihnen die ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlamentes Simone Veil (2010), der ehemalige slowakische Präsident Andrej Kiska (2019) sowie die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (2021). Der Stifter Manfred Lautenschläger will mit dem Preis Politik und Gesellschaft auf die Gefahren des anwachsenden Antiziganismus in Europa aufmerksam machen und daran erinnern, dass Holocaust auch die Ermordung von 500.000 Sinti und Roma bedeutet.
Der diesjährige Preisträger wird „für sein jahrzehntelanges Engagement für die gesellschaftliche Gleichstellung von Sinti und Roma“ ausgezeichnet, erklärt der Zentralratsvorsitzende Romani Rose. Soros und seine Open Society Foundations setzen sich seit über 30 Jahren vor allem in Ost- und Südosteuropa für die Minderheit ein. Sie ermöglichten 156.000 jungen Roma aus armen Verhältnissen Bildung und Ausbildung. „Damit haben“, so Rose, „Soros und seine Stiftungen zur beruflichen Selbstbestimmung dieser jungen Menschen, deren Familien oftmals unter apartheidsähnlicher Ausgrenzung in EU-Mitgliedsländern leben, beigetragen“. Read the rest of this entry »
Oktober 19th, 2025 |
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Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion
„Sie nennen mich Moschu, Opa!“ – Renata Schmidtkunz im Gespräch mit dem Jesuitenpater Georg Sporschill
→Sendung anhören (ORF-Player)
Ö1/Im Gespräch, Sendung vom 10.10.2025
Gestaltung: Renata Schmidtkunz
Seit fast 40 Jahren setzt sich Pater Georg Sporschill für Kinder in Rumänien ein. Das Ziel seiner Arbeit ist die Befreiung dieser Kinder aus Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Viele der von ihm unterstützten Kinder und Familien nenvnen ihn liebevoll „Moschu“ – also Opa. Heute, mit 79 Jahren, lebt der Jesuitenpater in einem Roma-Dorf bei Marpod in Siebenbürgen, wo auch das von ihm gegründete Hilfswerk Elijah seinen Sitz hat. Geboren am 26. Juli 1946 im vorarlbergischen Feldkirch, studierte Georg Sporschill Theologie, Pädagogik und Psychologie. Mit 30 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein und wurde zum Priester geweiht.
Als Kaplan in Wien arbeitete er mit drogensüchtigen, haftentlassenen und obdachlosen Jugendlichen, gründete ein Jugendhaus der Caritas. Es folgten der Canisibus, der obdachlose Menschen mit Suppen versorgt, und das Wiener Innenstadtlokal „Inigo“, ein Langzeitarbeitslosen-Projekt. 1991 entsandten ihn die Jesuiten nach Bukarest. Aus den geplanten sechs Monaten wurde eine Lebensaufgabe.
Gemeinsam mit der katholischen Theologin Ruth Zenkert gründete er in der Folge die „Concordia-Sozialprojekte“, die Kindern in Rumäniven, Bulgarien, Moldau, dem Kosovo und Österreich neue Perspektiven geben. Read the rest of this entry »
Oktober 13th, 2025 |
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Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Kornelia Vogl (2023): Betteln als Lebensform. Eine Befragung von Notreisenden in Graz zu ihrem Alltag
Masterthesis, Karl-Franzens-Universität Graz (Studienrichtung „Global Studies“), 147 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
Über jene Menschen, die aufgrund von Armut innerhalb Europas migrieren und häufig als Bettelnde in österreichischen Städten anzutreffen sind, gibt es unzählige mediale Berichte mit diversen Sichtweisen auf das sozialpolitische Streitthema. Im Rahmen dieser Arbeit wurde das Thema Armutsmigration aus soziologischer Sicht untersucht, um die Situation der Betroffenen aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten. Dabei wurde genauer auf den Alltag der Notreisenden und ihren Umgang mit einer möglichen Stigmatisierung eingegangen. Mittels leitfragengestützter Interviews mit slowakischen und rumänischen Staatsangehörigen wurde die Lebenslage der Notreisenden untersucht und anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass es den Notreisenden in den Herkunftsländern an lebenswichtigen Grundlagen fehlt, weshalb nur die Pendelmigration nach Westeuropa als Ausweg bleibt. Außerdem mangelt es den Betroffenen an (Aus-)Bildung, adäquaten Wohnmöglichkeiten oder Zugang zum Arbeitsmarkt, wodurch ihre Chancen auf eine Verbesserung der Situation vermindert werden. Die temporäre Pendelmigration ermöglicht es den Menschen die Versorgung ihrer Familie zu gewährleisten. Read the rest of this entry »
Oktober 11th, 2025 |
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Frauenrechte, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Christina Bugram (2019): Die Lebenssituation osteuropäischer Rom_nija in Graz: temporäre und zirkuläre Migration als Problemlösungsstrategie
Masterthesis, Karl-Franzens-Universität Graz (Studienrichtung „Interdisziplinäre Geschlechterstudien“), 100 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
In der Mehrheitsbevölkerung sind zahlreiche antiziganistische Stereotype über Rom_nija verankert, mit denen jahrhundertelange Diskriminierung und Benachteiligung unterstützt wurde und wird. Fundiertes Wissen über ihre tatsächlichen Lebensrealitäten besteht hingegen kaum. Diese Masterarbeit zielt darauf ab, Aufklärungsarbeit zu leisten, und liefert eine genaue Betrachtung temporärer bzw. zirkulärer Migration von Rom_nija aus den neuen EU-Mitgliedstaaten nach Graz, wo diese vorwiegend als Bettler_innen sichtbar sind. Temporäre und zirkuläre Migrationsformen von Rom_nija finden sowohl im Diskurs um Migration als auch über Rom_nija wenig Beachtung. Eine analytische Sichtweise auf die Perspektive von Frauen fehlt oft gänzlich. Qualitative Interviews mit sechs temporären und zirkulären romani Migrantinnen in Graz sowie ein Interview mit einer Mitarbeiterin eines romaspezifischen Projektes ermöglichen einen Einblick in Lebens- und Migrationsbiografien und die Herausforderungen, denen sie als Frau, Migrantin und Romni begegnen. Die befragten Frauen teilen wie die meisten romani Migrant_innen eine wesentliche Gemeinsamkeit: ein Leben in ihrer Herkunftsregion wäre ohne eine Migration kaum bis gar nicht zu bewältigen. Trotz zahlreicher biografischer Parallelen lassen sich aus den Interviews vier verschiedene Migrationsformen ableiten. Neben der Differenzierung zwischen der einmaligen und wiederholten Migration bezieht sich ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal auf das Ziel einer dauerhaften Niederlassung. Read the rest of this entry »
Oktober 8th, 2025 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Ö1 Europa-Journal, 3.10.2025
Roma und Sinti: Der Umgang mit der größten europäischen Minderheit
Mehr als zwei Drittel der in Europa lebenden Roma und Angehörigen verwandter Minderheiten leiden unter Armut. Das zeigt der aktuelle Bericht der EU-Agentur für Grundrechte mit Sitz in Wien (wir berichteten). Viele Roma-Familien leben nach wie vor in völlig desolaten und illegalen Siedlungen am Rande der Gesellschaft. In Frankreich, Italien und Bulgarien wurden in den letzten Jahren Roma-Camps teils mit Gewalt geräumt und die Menschen abgesiedelt – zum Schutz der Anrainer, aber auch zum Schutz der Roma selbst, heißt es in offiziellen Begründungen. Wie kann das Zusammenleben der Minderheit mit der Mehrheitsbevölkerung in Europa funktionieren? Und welche Handhabe hat die Europäische Union wenn es um den Schutz der Roma geht? Dazu ein Interview mit dem Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty.
Roma-Frauen in Spanien: Die Emanzipation der „Gitanas“
Auch in Spanien hat die Minderheit der Roma mit Vorurteilen zu kämpfen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, sind die „Gitanos“, wie sie in Spanien genannt werden, besser in die Gesellschaft eingebunden. Die spanische Regierung hat sich jahrelang aktiv um die Integration gekümmert. Die Gitanos prägen die spanische Kultur bis heute maßgeblich – sie sind auch Erfinder des Flamenco-Tanzes. Die Frauen – die „Gitanas“ – waren innerhalb der Volksgruppe bisher jedoch besonders benachteiligt, Aktivistinnen wollen das nun ändern. Josef Manola mit einer Reportage aus Madrid.
Moderation: Miriam Beller
(Sendung und Text: Ö1/ORF)
Oktober 3rd, 2025 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Grundrechteagentur FRA legt neuen Bericht über Roma und Traveller in der EU vor: mehr Erwerbstätige, aber Diskriminierung bleibt bestehen
European Union Agency for Fundamental Rights (FRA): Rights of Roma and Travellers in 13 European Countries. Perspectives from the Roma Survey 2024, Vienna 2025 (2.10.2025) | →Zum Download
Roma und Traveller in der EU sind nun erwerbstätig, und auch ihre Wohnverhältnisse haben sich verbessert. Jedoch sind Armut, Diskriminierung und Segregation nach wie vor weit verbreitet. Dies geht aus einer neuen Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor. Die FRA betont nachdrücklich, dass zwischen den EU-Zielen zur Inklusion der Roma und den gelebten Erfahrungen der Roma- und Traveller-Gemeinschaften nach wie vor erhebliche Lücken bestehen. Es ist unwahrscheinlich, dass die EU-Staaten die Ziele bis 2030 erreichen werden.
Die jüngste Roma-Erhebung bewertet, ob die Roma und Traveller durch die Inklusionsmaßnahmen der EU und ihrer Mitgliedstaaten besseren Zugang zu ihren Grundrechten haben. Verglichen mit Ergebnissen aus früheren Erhebungen der FRA zeigen sich zwar in einigen Bereichen Fortschritte, jedoch bestehen nach wie vor große Unterschiede zwischen den Roma und der Allgemeinbevölkerung: Read the rest of this entry »
Oktober 2nd, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Über 160 Jahre lang wurden die sterblichen Überreste von drei Roma aus Rumänien in einer Sammlung der Universität Leipzig entmenschlicht und als „Forschungsmaterial“ missbraucht. Damit wurden sie Teil einer Geschichte von Entwürdigung und rassistischen Forschungen, die Roma und Sinti bis heute überschattet. Nun ist die Zeit gekommen, ihnen endlich Würde und Ruhe zurückzugeben. Am 1. Oktober 2025 wurden die Gebeine auf dem Südfriedhof Leipzig beigesetzt – in unmittelbarer Nähe zu einer Sinti-Grabstätte, deren Angehörige Opfer der NS-Verfolgung wurden. So entsteht ein gemeinsamer Erinnerungsort, der an die historische Verfolgung erinnert und zugleich den drei Verstorbenen ihre Würde zurückgibt.
Für die Umsetzung führte die Leipziger Roma-Organisation „Romano Sumnal“ eine Spendenaktion durch: für die Beisetzung, den Gedenkstein, die künstlerische Gestaltung und die Gedenkfeier. „Jede Spende hilft, ein über 160 Jahre währendes Unrecht zu beenden und in Leipzig einen Ort der Würde und Gerechtigkeit zu schaffen.“ Mehr hier.
(Text: Romano Sumnal)
September 30th, 2025 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bundesrat beschließt: Deutschlands nationale Minderheiten sollen Verfassungsrang erhalten
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt die vom Bundesrat auf Initiative der Länder Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen am Freitag, dem 26. September, verabschiedete Entschließung, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, die nationalen Minderheiten der deutschen Sinti und Roma, Dänen, Friesen und Sorben durch die Aufnahme in das Grundgesetz zu schützen.
In einer Zeit des Umbruchs in Europa, in der nationalistische und rechte Parteien mit Hetze wie Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus Minderheiten wieder zu Sündenböcken machen, wäre dies ein Zeichen der historischen Verantwortung. Eine wehrhafte Demokratie muss sich diesen menschenfeindlichen Bestrebungen entschlossen entgegenstellen. Eine solche Initiative gegenüber den nationalen Minderheiten wäre ein sichtbares Zeichen der Bundesrepublik Deutschland, die Erfahrungen aus der deutschen Geschichte als Verpflichtung unseres demokratischen Rechtsstaates zu verstehen. Bereits mehrere Länder wie Schleswig-Holstein und Brandenburg haben diesen Schutz in ihre Landesverfassungen aufgenommen.
Es wäre ein klares Bekenntnis zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates und zu den Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Read the rest of this entry »
September 24th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Roma und Sinti darstellen: Fotografische Konstruktionen in Zeitungen und Zeitschriften der Zwischenkriegszeit 1918–1939/40
Forschungsprojekt am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Mai 2025 bis April 2029
→representing-roma-and-sinti.eu
Keine europäische Minderheit stand in den Jahren der Zwischenkriegszeit stärker im Fokus der Fotografie als die Gruppe der Roma und Sinti. In vielen europäischen Ländern veröffentlichten illustrierte Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig fotografische Bildberichte und Reportagen zum Thema. Die fotografischen Repräsentationen pendelten dabei zwischen stereotypen Formen der Idealisierung und – häufiger noch – Strategien der kulturellen, sozialen und rassistischen Ausgrenzung. Parallel dazu entstanden im Zuge der zivilen Emanzipationsbewegungen der Minderheit in einigen Ländern Roma-eigene Zeitschriften, die andere, selbstbewusstere Bilder entwarfen. Diese in der Forschung bislang wenig beachteten Quellen werden vom Fotohistoriker Anton Holzer am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien erstmals systematisch untersucht.
Das vom FWF geförderte Forschungsprojekt eröffnet einen neuen, differenzierten Blick auf die Repräsentationsgeschichte der Roma und Sinti im 20. Jahrhundert. Es beschäftigt sich mit zentralen Fragen der historischen und gegenwärtigen europäischen Kultur: Wie werden kulturelle, soziale und ethnische Grenzziehungen gezogen und wie werden sie visuell dargestellt? Wer bestimmt in Bildern, Texten und medialen Diskursen darüber, wo und wie die Grenzen zwischen dem (behaupteten) „Eigenen“ und dem (vorgestellten) „Fremden“ gezogen werden? Read the rest of this entry »
September 17th, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
„Fatales Signal an die Betroffenen“: Thüringen verzichtet auf neuen Antiziganismus-Beauftragten – Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) verurteilt diese Entscheidung aufs Schärfste
Mit großem Entsetzen und tiefem Bedauern nimmt die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA e.V.) die Entscheidung der Thüringer Landesregierung zur Kenntnis, die Stelle des/der Antiziganismus-Beauftragten nicht neu zu besetzen. Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal – an die Sinti und Roma in Thüringen und darüber hinaus. Die Bekämpfung von Antiziganismus ist keine abstrakte Verwaltungsaufgabe, die beliebig in ressortübergreifende Strukturen ausgelagert werden kann. Die Einrichtung eines/einer Beauftragten war ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und des politischen Willens, antiziganistisch motivierte, systematische Diskriminierung wirksam zu bekämpfen. „Wer glaubt, Antiziganismus ließe sich ohne klare Zuständigkeiten und politische Verantwortung bekämpfen, verkennt die Tiefe und Tragweite des Problems“, warnt Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V. „Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal an die Betroffenen.“
Antiziganismus ist tief in der Gesellschaft verankert. Seine Bekämpfung erfordert entschlossenes politisches Handeln, verbindliche Maßnahmen und klar benannte Zuständigkeiten – keine vagen Absichtserklärungen. Während MIA im vergangenen Jahr bundesweit fast 1.700 antiziganistische Vorfälle dokumentierte – ein besorgniserregender Anstieg um 400 im Vergleich zu 2023 – entzieht sich Thüringen dieser Verantwortung. Hinzu kommt die historische Verpflichtung Deutschlands gegenüber der Minderheit der Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus systematisch verfolgt und ermordet wurde. Dass die Landesregierung nun einen institutionellen Rückschritt vollzieht, zeugt von historischem Unverständnis und politischer Verantwortungslosigkeit.
MIA e.V. fordert die Thüringer Landesregierung mit Nachdruck auf, diese Entscheidung zu revidieren und die Stelle des/der Antiziganismus-Beauftragten unverzüglich neu zu besetzen. Read the rest of this entry »
September 12th, 2025 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Einladung: Roma-Sensibilisierungsworkshop zur Geschichte, Kultur und Herausforderungen
Dienstag, 7. Oktober 2025, von 9.00 bis 12.00 Uhr in den Räumlichkeiten des Vereins Roma-Service in Oberwart (Evangelische Kirchengasse 3). Die Teilnahme ist kostenlos!
Im Rahmen unseres Roma-Arbeitsmarktprojekts „O DROM andi Cukunft – Der Weg in die Zukunft“ möchten wir Sie herzlich einladen zu einem von uns angebotenen Roma-Sensibilisierungsworkshop am 7. Oktober 2025. In diesem Workshop bieten wir Einblicke in die Geschichte, Kultur und Lebensrealitäten der Roma und Sinti. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, das Verständnis für die Vielfalt der Volksgruppe der Roma zu fördern und die Teilnehmer*innen für die Herausforderungen, mit denen die Roma und Sinti konfrontiert sind, zu sensibilisieren. Der Workshop umfasst:
- Einführung in die Geschichte und aktuelle Lebensrealitäten von Roma und Sinti
- Diskriminierung und Romafeindlichkeit: Ursachen, Ausdrucksformen, Gegenstrategien
- Gute Praxis: Projekte zur Förderung von Bildung, Integration und Teilhabe
- Offener Austausch und Diskussion
Der Workshop richtet sich an interessierte Personen aus der Mehrheitsgesellschaft sowie Vertreter*innen aus den Behörden, Ämtern, Schulen, Einrichtungen und Institutionen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und Ihre Impulse zu diesem wichtigen Thema.
Anmeldung:
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September 9th, 2025 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Ein Film von Ludovica Fales, Italien 2023, 83 min (Website)
Die jungen Romnja Lala, Samanta und Zaga kämpfen in Italien um Anerkennung — ein Land, das sie trotz ihrer Geburt dort nicht als Staatsbürgerinnen anerkennt. Lala, junge Mutter und Teenagerin, navigiert zwischen familiären Traditionen und der urbanen Realität. Im Film verschmilzt diese Figur mit Samanta, der Laiendarstellerin, die sie spielt, und mit Zaga, der realen Inspirationsquelle der Geschichte. In einem Wechselspiel von Realität und Fiktion entsteht ein Manifest, das die Stimmen vieler vereint und die Kämpfe und Hoffnungen einer Generation mit verweigerten Rechten widerspiegelt.
(Text: Festival This Human World, Wien 2024)
August 26th, 2025 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Liuben, Spielfilm von Venci Kostov, 109 min, BG/ESP 2023
Drehbuch und Regie: Venci Kostov. Mit Bojidar Iankov Asenov und Dimitar Nikolov; Kamera: Fran García Vera; Schnitt: Marta Velasco; Musik: Sergio de la Puente; Produzenten: Antonio Hens; Miguel Torrente
In einem konservativen bulgarischen Bergdorf, in dem viele Vorurteile herrschen, entsteht eine intensive Sommerromanze zwischen zwei jungen Männern aus ganz unterschiedlichen Welten. Victor lebt eigentlich ein glückliches Leben in Madrid mit seinem Partner José. Zur Beerdigung seines Großvaters kehrt er allerdings in sein bulgarisches Heimatdorf zurück und beschließt, den Sommer dort zu verbringen. Während er sich mit seinem Vater und der dörflichen Lebensweise seiner Heimat nach und nach wieder anfreundet, findet er plötzlich eine unerwartete Liebe in Liuben, einem 18-jährigen Roma-Jungen. Trotz ihrer Unterschiede und den vielen Konflikten um sie herum finden Victor und Liuben Zuflucht und Geborgenheit miteinander. Doch hat diese Liebe eine Zukunft? LIUBEN ist der erste offizielle LGBTQ+-Film aus Bulgarien.
(PR-Text: Pro-Fun Media)
August 14th, 2025 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten in Deutschland schätzt der Verfassungsschutz auf 15.300 Personen.
(Quelle/pdf)
August 12th, 2025 |
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Film & Theater, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Aktujeli kenvi pedar Romengere-kipi ando mediji
So o avre dschene patschan, pedar o Roma te dschanel, tschak tschulo upre ajgeni kontaktoskere terdschijiptscha pal dschal, hatek tschak famitlim hi – hamischno dschanipe andar o mediji, pherde negativi kipenca, save ojs tschatschiptscha ar dim on. O ande televisa taj ande komiktscha use ledschime Romengere-sikajiptscha akan duj kenvi andar i Germanija aun pumenge dikle.
Falato 1: Tatort taj Talkshows
Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale Inszenierungen von Sinti und Roma im Tatort und in politischen Talkshows (= Edition DISS, Bd. 46), falog Unrast: Münster 2021, 164 riktscha.
Sar adala medijali sikajiptscha le Romendar ande prindscharde formatscha la nimtschka televisatar naschen, jek sani kenva la „edicijonatar DISS“ aun peske dikel. I Katharina Peters, adaj mindenfelitike Polit-Talkshowenca taj ofto „Tatort“-serijenca donde pe bescharel: usar „Armer Nanosh“ (1989) taj „Kleine Diebe“ (2000) pedar o Betschi-krimi „Die schlafende Schöne“ (2005), „Brandmal“ (2008) „Mein Revier“ (2012) taj „Angezählt“ (2013) dschi otscha use „Mia san jetz da, woʼs weh tut“ (2016) taj „Klingelingeling“ (2016).
Taj oj mindig uso glajchi koja perel: O butvar sterejotipischi sikajipe rasistischi aun fitime kipi anel, save jek kontrasto le „ajgeni kojastar“ taj le „durutne kojastar“ soraljaren. Adaj te o tschule latsche probalintschage, ando krimiskero phukajipe te rasismus te tematisirinel, hatek nischta naschtig keren. Read the rest of this entry »
August 11th, 2025 |
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Film & Theater, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Aktuelle Bücher über Roma-Bilder in den Medien
Was die Mehrheitsgesellschaft über Roma zu wissen glaubt, basiert nur selten auf eigenen Kontakterfahrungen, sondern ist in der Regel vermittelt – vermeintliches Wissen aus den Medien, voller negativer Bilder, die als Wahrheiten ausgegeben werden. Die in TV und Comics kolportierten Roma-Darstellungen behandeln nun zwei Publikationen aus Deutschland.
Teil 1: Tatort und Talkshows
Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale Inszenierungen von Sinti und Roma im Tatort und in politischen Talkshows (= Edition DISS, Bd. 46), Unrast Verlag: Münster 2021, 164 Seiten.
Wie diese medialen Inszenierungen von Roma in populären Formaten des deutschen Fernsehens funktionieren, untersucht ein schmaler Band der „Edition DISS“. Katharina Peters knüpft sich darin diverse Polit-Talkshows und acht „Tatort“-Folgen vor: von „Armer Nanosh“ (1989) und „Kleine Diebe“ (2000) über den Wien-Krimi „Die schlafende Schöne“ (2005), „Brandmal“ (2008) „Mein Revier“ (2012) und „Angezählt“ (2013) bis zu „Mia san jetz da, woʼs weh tut“ (2016) und „Klingelingeling“ (2016).
Und sie gelangt zum immer gleichen Fazit: Die vorwiegend stereotype Inszenierung transportiert rassistisch aufgeladene Bilder, die einen Gegensatz von „Eigenem“ und „Fremdem“ etablieren. Dagegen bleiben auch die wenigen vorsichtigen Versuche, innerhalb der Krimierzählung auch Rassismus zu thematisieren, letzten Endes machtlos.
Fiktionale und nicht-fiktionale Formate, „Tatort“ und Talkshows, spielen einander wechselseitig in die Hände, um ihre Roma-Bilder zu konstruieren. „Die fiktional produzierten Ressentiments [werden] im realen politischen Diskurs aufgegriffen und vice versa.“ (S. 12) Mit Bezug auf reale Ereignisse und tagespolitische Debatten skizziert Peters, wie sich so auch der Fokus der Roma-Darstellungen verschiebt: Read the rest of this entry »
August 3rd, 2025 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Katholische Aktion Österreich warnt vor Attacken auf die Menschenwürde: Aufruf zur christlichen Solidarität zum Roma- und Sinti-Gedenktag am 2. August
Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) warnt vor subtilen und offenen Attacken auf die Menschenwürde aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit und ruft zu christlicher Solidarität auf. Die Volksgruppen der Roma und Sinti wurden erst im Jahr 1988 offiziell als Opfergruppe der nationalsozialistischen Herrschaft anerkannt. Seit 2015 wird auf europäischer Ebene am 2. August an die Holocaust-Opfer dieser ethnischen Minderheiten gedacht. Im Jänner 2023 beschloss der österreichische Nationalrat, auch in Österreich jeweils am 2. August offiziell der unter dem NS-Regime verfolgten und ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze zu gedenken.
„Die systematische Vernichtung von ethnischen Minderheiten kam nicht plötzlich über Nacht. Jahrzehntelange systematische Diskriminierung und Herabwürdigung, die Betroffene in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld spürten, waren Vorläufer des grausamen Vernichtungsprogramms der Nazis“, erinnert Katharina Renner, Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich und mahnt: „Derartige Attacken auf die Menschenwürde, egal in welcher Form und seien sie noch so subtil, dürfen nie wieder stattfinden.“
Dass es in unserer Gesellschaft noch immer Attacken auf Minderheiten und Volksgruppen gibt, zeigen auch die Grabschändungen der letzten Ruhestätte von Roma und Sinti, Romnja und Sintizze des letzten Sommers und heurigen Frühjahrs auf mehreren Wiener Friedhöfen. Und es gibt spürbare Diskriminierung von Angehörigen dieser Volksgruppen am Arbeitsplatz, in der Schule und durch Medienberichte, wie der Verein Romano Centro in seinen Berichten aufzeigt. Oft trauen Betroffene sich nicht, Vorfälle und Übergriffe zu melden, aus Angst, ihre Lage würde sich dadurch noch weiter verschlechtern. Read the rest of this entry »
Juni 25th, 2025 |
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Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Christian Gerhard Kelch (2020): Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«. Zur Geschichte der „Grundlagenforschung“ gegen Sinti und Roma in Deutschland unter Berücksichtigung der Genese des Antiziganismusbegriffs
Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/FAU (Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie), 671 S.
→Download von OPEN.FAU (pdf)
Abstract (Auszug, S. 668 ff.):
Vorliegende Kritik der Tsiganologie setzt sich aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive mit dem Phänomen Antiziganismus in der deutschsprachigen Wissenschaft auseinander. Im Zentrum steht der deutsche Mediziner Dr. Hermann Arnold (1912-2005), der nach dem Völkermord an den Sinti und Roma (Porajmos) durch die Nationalsozialisten als maßgebliche wissenschaftliche Instanz bezüglich der Deutung der Lebensweise und der Geschichte der als »Zigeuner« bezeichneten Sinti, Roma und auch Jenischen galt. Die Studie ist als Historische Diskursanalyse angelegt und fragt nach Kontinuitäten und Brüchen des „Wissensdiskurses“ über diejenigen Menschen, die als »Zigeuner« stigmatisiert wurden und werden. Gleichzeitig wird in Form einer begriffsgeschichtlichen Klammer der historischen Genese und gegenwärtigen Rezeption des Antiziganismusbegriffs, mit dem die spezifische Form des Ressentiments gegen Sinti und Roma und andere Gruppen in Deutschland seit den 1980er Jahren benannt wird und der nach wie vor umstritten ist, nachgegangen. Im Zentrum stehen dabei die Fragen: 1.) nach dem spezifischen Zigeunerbild Hermann Arnolds, 2.) Arnolds Wirken als „Zigeunerexperte“ in der bundesdeutschen Ministerialbürokratie, 3.) nach dem Wandel des Diskurses über vermeintliche »Zigeuner« im Verlauf der 1970er Jahre, 4.) nach Kontinuitäten zu Arnold in deutschen Tsiganologie der 1980er und 2000er Jahre und 5.) nach der Rezeption des Antiziganismusbegriffs in Deutschland. […] Read the rest of this entry »
Juni 21st, 2025 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Nach Protesten: Das Amt des deutschen Antiziganismus-Beauftragten wird nun doch neu besetzt. Michael Brand (CDU) folgt dem bisherigen Beauftragten Mehmet Daimagüler nach.
Die erst kürzlich bekannt gewordene Entscheidung, diese erst im Mai 2022 neu geschaffene Stelle nach dem Rücktritt von Mehmet Daimagüler nicht fortzuführen, hatte energische Reaktionen aus den Organisationen und Verbänden der Sinti und Roma zur Folge. Kelly Laubinger von der Sinti-Union Schleswig-Holstein etwa sprach von „Unsichtbarmachung“ und „politischem Skandal“, Petra Rosenberg vom Landesverband Berlin-Brandenburg von einem „fatalen Signal“. Und Romani Rose vom Zentralverband Deutscher Sinti und Roma zeigte sich von den Plänen der Bundesregierung irritiert und versprach, bei der Bundesregierung zu intervenieren.
Auch in einer spontan gestarteten Petition an Kanzler Merz und Familienministerin Prien (wir berichteten) forderten Roma-Aktivisten die Beibehaltung der Stelle: „Besetzen Sie die Stelle des Beauftragten neu! Es war ein wichtiges Zeichen, dass sie geschaffen wurde. Es ist ein verheerendes Zeichen, dass sie nun einfach entfällt – obwohl Antiziganismus weiterhin Alltag ist. Obwohl wir endlich mehr Sichtbarkeit brauchen. Obwohl wir ein Teil dieser Gesellschaft sind. Diese Entscheidung muss rückgängig gemacht werden. Ein Beauftragter für die Belange von Sinti und Roma ist kein verzichtbarer Luxus – sondern eine Notwendigkeit.”
Nun hat das Bundeskabinett Michael Brand (MdB, CDU) zum Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland berufen. Die Ernennung erfolgte am 18. Juni auf Vorschlag von Bundesministerin Karin Prien für die Dauer der 21. Wahlperiode. Michael Brand ist derzeit Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Zur Person des neuen Antiziganismusbeauftragten informiert die Website des Ministeriums: „Michael Brand ist studierter Politikwissenschaftler und seit vielen Jahren im Bereich Menschenrechte aktiv, unter anderem als Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses im Deutschen Bundestag sowie als Sprecher für Menschenrechte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Read the rest of this entry »
Juni 12th, 2025 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Im deutschen „Verfassungsschutzbericht 2024“ kommt der Themenbereich „Antiziganismus“ kein einziges Mal vor.
(Quelle/pdf)