Rassismus & Menschenrechte

Zentralrat: Bürgerrechtspreis für George Soros

Oktober 22nd, 2025  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Europäischer Bügrerechtspreis: George Soros in Deutschland ausgezeichnet (Foto: Stephan Roehl, H.-Böll-Stiftung, CC BY-SA 2.0)Diesjähriger Europäischer Bürger­rechts­preis der Sinti und Roma ehrt mit George Soros ein welt­wei­tes Feind­bild von Natio­nalis­ten und Au­to­kraten

Der Zentralrat und das Dokumentations- und Kultur­zent­rum Deut­scher Sinti und Roma ver­leihen am 23. Okto­ber um 11 Uhr im Berliner Hotel Adlon den von der Manfred-Lau­ten­schlä­ger-Stif­tung ins Leben ge­rufenen und mit 15.000 Euro dotierten Euro­päischen Bürger­rechts­preis der Sinti und Roma an den US-ame­ri­ka­ni­schen Holocaust­über­lebenden, Kosmo­politen und Phil­anthro­pen George Soros. Die Laudatio hält der Anti­ziganis­mus­be­auf­tragte der Bundes­regierung, der parla­men­ta­rische Staats­sekre­tär Michael Brand.

Mit dem Preis werden seit 2008 Persönlichkeiten und Orga­nisatio­nen, die sich in beson­derer Weise um die Men­schen­rechts­situa­tion von Sinti und Roma in Europa vervdient ge­macht haben, aus­ge­zeichnet, unter ihnen die ehe­malige Prä­sidentin des Euro­päischen Parla­mentes Simone Veil (2010), der ehe­ma­lige slowaki­sche Prä­sident Andrej Kiska (2019) sowie die ehe­malige Bundes­kanzlerin Angela Merkel (2021). Der Stifter Manfred Lautenschläger will mit dem Preis Politik und Gesell­schaft auf die Gefahren des an­wachsen­den Anti­ziganis­mus in Europa auf­merk­sam machen und daran er­innern, dass Holocaust auch die Er­mordung von 500.000 Sinti und Roma bedeutet.

Der diesjährige Preisträger wird „für sein jahrzehntelanges Engage­ment für die ge­sell­schaft­liche Gleich­stellung von Sinti und Roma“ aus­ge­zeichnet, erklärt der Zentral­rats­vor­sitzende Romani Rose. Soros und seine Open Society Foun­dations setzen sich seit über 30 Jahren vor allem in Ost- und Südost­europa für die Minder­heit ein. Sie er­mög­lichten 156.000 jungen Roma aus armen Ver­hält­nissen Bildung und Ausbildung. „Damit haben“, so Rose, „Soros und seine Stiftungen zur beruf­lichen Selbst­bestim­mung dieser jungen Menschen, deren Familien oftmals unter apart­heids­ähn­licher Ausgrenzung in EU-Mit­glieds­ländern leben, bei­getragen“. Read the rest of this entry »

Im Gespräch: Georg Sporschill, Jesuitenpater

Oktober 19th, 2025  |  Published in Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Pater Georg Sporschill, SJ (Foto: Elijah, CC BY-SA 4.0)„Sie nennen mich Moschu, Opa!“ – Renata Schmidt­kunz im Gespräch mit dem Je­su­i­ten­pater Georg Sporschill

Sendung anhören (ORF-Player)

Ö1/Im Gespräch, Sendung vom 10.10.2025
Gestaltung: Renata Schmidtkunz

Seit fast 40 Jahren setzt sich Pater Georg Sporschill für Kinder in Rumänien ein. Das Ziel seiner Arbeit ist die Be­frei­ung dieser Kinder aus Armut und ge­sell­schaft­licher Aus­gren­zung. Viele der von ihm unter­stütz­ten Kinder und Fami­lien nenvnen ihn liebe­voll „Moschu“ – also Opa. Heute, mit 79 Jahren, lebt der Jesuiten­pater in einem Roma-Dorf bei Marpod in Siebenbürgen, wo auch das von ihm ge­grün­dete Hilfs­werk Elijah seinen Sitz hat. Gebo­ren am 26. Juli 1946 im vor­arlbergi­schen Feldkirch, studierte Georg Sporschill Theo­logie, Päda­gogik und Psycho­logie. Mit 30 Jahren trat er in den Jesuiten­orden ein und wurde zum Priester geweiht.

Als Kaplan in Wien arbeitete er mit drogensüchtigen, haft­ent­lasse­nen und obdach­losen Jugend­lichen, grün­dete ein Jugend­haus der Caritas. Es folgten der Canisibus, der obdach­lose Menschen mit Suppen ver­sorgt, und das Wiener Innen­stadt­lokal „Inigo“, ein Lang­zeit­arbeits­losen-Projekt. 1991 ent­sandten ihn die Jesuiten nach Bukarest. Aus den ge­plan­ten sechs Monaten wurde eine Lebens­aufgabe.

Gemeinsam mit der katholischen Theologin Ruth Zenkert gründete er in der Folge die „Concordia-So­zial­pro­jekte“, die Kindern in Ru­mä­niven, Bulgarien, Moldau, dem Kosovo und Österreich neue Per­spek­tiv­en geben. Read the rest of this entry »

Betteln als Lebensform: Notreisende in Graz

Oktober 13th, 2025  |  Published in Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazKornelia Vogl (2023): Betteln als Lebensform. Eine Befragung von Not­rei­sen­den in Graz zu ihrem Alltag

Masterthesis, Karl-Fran­zens-Uni­ver­­si­tät Graz (Stu­dien­­rich­tung „Global Studies“), 147 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

Über jene Menschen, die aufgrund von Armut innerhalb Europas migrie­ren und häufig als Bettelnde in österrei­chi­schen Städten an­zu­treffen sind, gibt es unzählige mediale Berichte mit diversen Sicht­weisen auf das sozial­poli­tische Streit­thema. Im Rahmen dieser Arbeit wurde das Thema Armuts­migra­tion aus soziologischer Sicht unte­rsucht, um die Si­tu­ation der Betrof­fenen aus einer wissen­schaft­lichen Per­spektive zu be­trachten. Dabei wurde genauer auf den Alltag der Not­reisenden und ihren Umgang mit einer mög­lichen Stigma­tisierung ein­ge­gangen. Mittels leit­fragen­ge­stütz­ter Interviews mit slowaki­­­schen und rumänischen Staats­an­ge­höri­gen wurde die Lebens­lage der Not­rei­senden unter­sucht und an­hand der qualita­tiven Inhalts­analyse nach Mayring aus­ge­wertet. Die Er­geb­nisse zeigen, dass es den Not­reisenden in den Her­kunfts­ländern an lebens­wich­tigen Grund­lagen fehlt, wes­halb nur die Pendel­migration nach West­europa als Ausweg bleibt. Außer­dem mangelt es den Be­trof­fenen an (Aus-)Bildung, adä­qua­ten Wohn­möglich­keiten oder Zugang zum Arbeitsmarkt, wo­durch ihre Chancen auf eine Ver­besse­rung der Situation ver­mindert werden. Die tem­poräre Pendel­migration er­mög­licht es den Men­schen die Ver­sor­gung ihrer Familie zu gewähr­leisten. Read the rest of this entry »

Osteuropäische Rom_nija in Graz (2019)

Oktober 11th, 2025  |  Published in Frauenrechte, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazChristina Bugram (2019): Die Lebenssituation osteuropäischer Rom_nija in Graz: temporäre und zirkuläre Migration als Problemlösungsstrategie

Masterthesis, Karl-Fran­zens-Uni­ver­­si­tät Graz (Studien­rich­tung „Inter­diszip­li­näre Geschlech­ter­studien“), 100 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

In der Mehrheitsbevölkerung sind zahlreiche antiziganis­tische Stereotype über Rom_nija ver­ankert, mit denen jahr­hun­derte­lange Dis­kriminie­rung und Be­nachtei­ligung unter­stützt wurde und wird. Fun­diertes Wissen über ihre tatsäch­lichen Lebens­realitäten besteht hin­gegen kaum. Diese Masterarbeit zielt darauf ab, Auf­klärungs­arbeit zu leisten, und liefert eine genaue Betrach­tung tem­porärer bzw. zirku­lärer Migration von Rom_nija aus den neuen EU-Mitglied­staaten nach Graz, wo diese vor­wiegend als Bettler_innen sichtbar sind. Tem­poräre und zirku­läre Migra­tions­formen von Rom_nija finden sowohl im Diskurs um Migration als auch über Rom_nija wenig Be­achtung. Eine analy­tische Sicht­weise auf die Per­spektive von Frauen fehlt oft gänzlich. Qualita­tive Interviews mit sechs tem­porären und zirkulären romani Migran­tinnen in Graz sowie ein Interview mit einer Mit­arbeiterin eines roma­spezifischen Projektes er­möglichen einen Einblick in Lebens- und Migra­tions­biografien und die Heraus­forderungen, denen sie als Frau, Migrantin und Romni be­gegnen. Die be­fragten Frauen teilen wie die meisten romani Migrant_innen eine wesent­liche Gemein­sam­keit: ein Leben in ihrer Herkunfts­region wäre ohne eine Migration kaum bis gar nicht zu bewäl­tigen. Trotz zahl­reicher biogra­fischer Parallelen lassen sich aus den Inter­views vier ver­schie­dene Migrations­formen ableiten. Neben der Differen­zierung zwischen der ein­maligen und wieder­holten Migration bezieht sich ein wesent­liches Unter­scheidungs­merkmal auf das Ziel einer dauer­haften Nieder­lassung. Read the rest of this entry »

Ö1 Europa-Journal: Roma in Europa und Spanien

Oktober 8th, 2025  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Ö1 Europa-Journal, 3.10.2025

Roma und Sinti: Der Umgang mit der größten europäischen Minderheit

Mehr als zwei Drittel der in Europa lebenden Roma und Angehörigen ver­wandter Minder­heiten leiden unter Armut. Das zeigt der aktu­elle Bericht der EU-Agentur für Grund­rechte mit Sitz in Wien (wir be­rich­teten). Viele Roma-Fa­milien leben nach wie vor in völlig deso­laten und ille­galen Sied­lungen am Rande der Gesell­schaft. In Frankreich, Italien und Bulgarien wurden in den letzten Jahren Roma-Camps teils mit Gewalt ge­räumt und die Men­schen ab­ge­siedelt – zum Schutz der An­rainer, aber auch zum Schutz der Roma selbst, heißt es in offiziellen Be­gründun­gen. Wie kann das Zu­sammen­leben der Minderheit mit der Mehr­heits­bevöl­kerung in Europa funk­tionie­ren? Und welche Hand­habe hat die Euro­päische Union wenn es um den Schutz der Roma geht? Dazu ein Interview mit dem Men­schen­rechts­kom­mis­sar des Europa­rats, Michael O’Flaherty.

Roma-Frauen in Spanien: Die Emanzipation der „Gitanas“

Auch in Spanien hat die Minderheit der Roma mit Vorurteilen zu kämpfen. Im Gegen­satz zu anderen euro­päischen Ländern, sind die „Gitanos“, wie sie in Spanien genannt werden, besser in die Gesell­schaft ein­ge­bunden. Die spanische Regie­rung hat sich jahre­lang aktiv um die Integra­tion ge­kümmert. Die Gitanos prägen die spanische Kultur bis heute maß­geblich – sie sind auch Erfinder des Flamenco-Tanzes. Die Frauen – die „Gitanas“ – waren inner­halb der Volks­gruppe bisher jedoch beson­ders be­nach­teiligt, Akti­vis­tin­nen wollen das nun ändern. Josef Manola mit einer Repor­tage aus Madrid.

Moderation: Miriam Beller

(Sendung und Text: Ö1/ORF)

FRA veröffentlicht Roma Survey 2024

Oktober 3rd, 2025  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Roma Survey 2024: neuer Bericht der FRA liegt vorGrundrechteagentur FRA legt neuen Bericht über Roma und Traveller in der EU vor: mehr Erwerbstätige, aber Diskriminierung bleibt bestehen

European Union Agency for Funda­men­tal Rights (FRA): Rights of Roma and Tra­vel­lers in 13 Euro­pe­an Countries. Per­spec­tives from the Roma Sur­vey 2024, Vienna 2025 (2.10.2025)  | →Zum Down­load

Roma und Traveller in der EU sind nun erwerbstätig, und auch ihre Wohn­verhält­nisse haben sich ver­bessert. Jedoch sind Armut, Dis­kriminie­rung und Segre­gation nach wie vor weit ver­breitet. Dies geht aus einer neuen Erhebung der Agentur der Euro­päi­schen Union für Grundrechte (FRA) hervor. Die FRA betont nach­drücklich, dass zwischen den EU-Zielen zur Inklusion der Roma und den gelebten Erfah­rungen der Roma- und Tra­veller-Ge­mein­schaften nach wie vor erheb­liche Lücken bestehen. Es ist un­wahr­schein­lich, dass die EU-Staaten die Ziele bis 2030 errei­chen werden.

Die jüngste Roma-Erhebung bewertet, ob die Roma und Traveller durch die Inklu­sions­maß­nahm­en der EU und ihrer Mit­glied­staaten besseren Zugang zu ihren Grund­rechten haben. Ver­glichen mit Ergeb­nissen aus früheren Erhe­bungen der FRA zeigen sich zwar in einigen Bereichen Fort­schritte, jedoch bestehen nach wie vor große Unter­schiede zwischen den Roma und der All­gemein­bevöl­kerung: Read the rest of this entry »

Roma-Gebeine in Leipzig wür­dig bei­gesetzt

Oktober 2nd, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Leipziger Südfriedhof (Foto: Joachim Köhler/Wikimedia Commons/CC BY-SA 4.0)Über 160 Jahre lang wurden die sterbli­chen Überreste von drei Roma aus Rumänien in einer Samm­lung der Uni­ver­sität Leipzig ent­mensch­licht und als „For­schungs­material“ miss­braucht. Damit wurden sie Teil einer Ge­schichte von Ent­würdi­gung und rassis­tischen Forschun­gen, die Roma und Sinti bis heute über­schattet. Nun ist die Zeit ge­kommen, ihnen endlich Würde und Ruhe zurück­zu­geben. Am 1. Oktober 2025 wurden die Gebeine auf dem Süd­friedhof Leipzig bei­gesetzt – in un­mittel­barer Nähe zu einer Sinti-Grabstätte, deren An­ge­hörige Opfer der NS-Ver­folgung wurden. So entsteht ein gemein­samer Erin­ne­rungs­ort, der an die historische Ver­folgung erinnert und zu­gleich den drei Ver­storbenen ihre Würde zurück­gibt.

Für die Umsetzung führte die Leipziger Roma-Or­gani­sation „Romano Sumnal“ eine Spenden­aktion durch: für die Bei­setzung, den Gedenk­stein, die künst­lerische Gestaltung und die Gedenk­feier. „Jede Spende hilft, ein über 160 Jahre wäh­rendes Unrecht zu be­enden und in Leipzig einen Ort der Würde und Ge­rechtig­keit zu schaffen.“ Mehr hier.

(Text: Romano Sumnal)

Deutsche Minderheiten sollen ins Grundgesetz

September 30th, 2025  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Schutz der nationalen Minderheiten soll ins Grundgesetz (Foto: Michel Balzer/Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)Bundesrat beschließt: Deutschlands nationale Min­der­hei­ten sol­len Ver­fas­sungs­rang erhalten

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt die vom Bundesrat auf Initiative der Länder Schles­wig-Holstein, Bran­den­burg und Sachsen am Freitag, dem 26. Sep­tember, ver­ab­schie­dete Ent­schließung, in der die Bundes­regierung auf­ge­fordert wird, die na­tio­na­len Min­der­heiten der deutschen Sinti und Roma, Dänen, Friesen und Sorben durch die Aufnahme in das Grundgesetz zu schützen.

In einer Zeit des Umbruchs in Europa, in der nationalistische und rechte Parteien mit Hetze wie Anti­semitis­mus, Antiziganismus und Rassismus Min­der­heiten wieder zu Sünden­böcken machen, wäre dies ein Zeichen der histo­rischen Ver­ant­wortung. Eine wehrhafte Demo­kratie muss sich diesen men­schen­feind­lichen Bestre­bungen ent­schlossen ent­gegen­stellen. Eine solche Initiative gegen­über den nationalen Minder­heiten wäre ein sicht­bares Zeichen der Bundes­republik Deutschland, die Erfah­rungen aus der deutschen Geschichte als Ver­pflich­tung unseres demo­kra­tischen Rechts­staates zu verstehen. Bereits mehrere Länder wie Schles­wig-Holstein und Bran­denburg haben diesen Schutz in ihre Lan­des­­ver­fas­sun­­gen auf­ge­nommen.

Es wäre ein klares Bekenntnis zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Min­der­heiten des Europa­rates und zu den Ver­pflichtun­gen aus der Euro­päischen Charta der Regional- oder Minder­heiten­sprachen. Read the rest of this entry »

Forschungsprojekt: „Roma und Sinti darstellen“

September 24th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Foto: Eva Besnyö, Junge mit Cello, 1931 (z. V. g. von Anton Holzer)Roma und Sinti darstellen: Fotografische Konstruktionen in Zeitun­gen und Zeit­schrif­ten der Zwi­schen­kriegs­zeit 1918–1939/40

Forschungsprojekt am Institut für Europäische Ethnologie der Uni­ver­si­tät Wien, Mai 2025 bis April 2029

representing-roma-and-sinti.eu

Keine europäische Minderheit stand in den Jahren der Zwischen­kriegs­zeit stärker im Fokus der Foto­grafie als die Gruppe der Roma und Sinti. In vielen euro­päi­schen Ländern ver­öffent­lichten il­lustrierte Zeitungen und Zeit­schriften regel­mäßig foto­grafische Bild­berichte und Repor­tagen zum Thema. Die foto­grafi­schen Re­prä­senta­tio­nen pendelten dabei zwischen stereo­typen Formen der Ideali­sierung und – häufiger noch – Strate­gien der kultu­rellen, sozialen und rassis­tischen Aus­gren­zung. Parallel dazu ent­standen im Zuge der zivilen Emanzi­pations­bewe­gun­gen der Minder­heit in einigen Ländern Roma-eigene Zeit­schriften, die andere, selbst­bewuss­tere Bilder entwarfen. Diese in der Forschung bislang wenig be­achteten Quellen werden vom Foto­historiker Anton Holzer am Institut für Euro­päi­sche Ethnologie der Uni­ver­sität Wien erst­mals syste­matisch unter­sucht.

Das vom FWF geförderte Forschungsprojekt eröffnet einen neuen, differenzierten Blick auf die Reprä­sen­ta­tions­geschichte der Roma und Sinti im 20. Jahr­hundert. Es be­schäftigt sich mit zentralen Fragen der histo­rischen und gegen­wärtigen euro­päischen Kultur: Wie werden kulturelle, soziale und ethnische Grenz­ziehungen gezogen und wie werden sie visuell dar­gestellt? Wer bestimmt in Bildern, Texten und medialen Diskursen darüber, wo und wie die Grenzen zwischen dem (be­haup­te­ten) „Eigenen“ und dem (vor­gestell­ten) „Fremden“ ge­zogen werden? Read the rest of this entry »

Thüringen streicht Antiziganismus-Beauftragten

September 17th, 2025  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Stellungnahme der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA)„Fatales Signal an die Betroffenen“: Thüringen verzichtet auf neuen Antiziganismus-Be­auf­trag­ten – Die Melde- und In­for­­ma­tions­stel­le Anti­zi­ga­nis­mus (MIA) verurteilt diese Ent­schei­dung aufs Schärfste

Mit großem Entsetzen und tiefem Bedauern nimmt die Melde- und Infor­ma­tions­stelle Anti­ziganis­mus (MIA e.V.) die Ent­scheidung der Thüringer Landes­regie­rung zur Kennt­nis, die Stelle des/der Anti­ziganis­mus-Be­auf­trag­ten nicht neu zu besetzen. Diese Ent­schei­dung sendet ein fatales Signal – an die Sinti und Roma in Thürin­gen und darüber hinaus. Die Be­kämpfung von Anti­ziganis­mus ist keine abstrakte Ver­waltungs­aufgabe, die beliebig in ressort­über­grei­fende Struk­turen aus­ge­lagert werden kann. Die Einrich­tung eines/einer Be­auf­tragten war ein wichtiges Zeichen der An­erken­nung und des politi­schen Willens, anti­ziganis­tisch motivierte, syste­matische Dis­kriminie­rung wirksam zu be­kämpfen. „Wer glaubt, Anti­ziganis­mus ließe sich ohne klare Zu­ständig­keiten und politische Ver­ant­wortung bekämpfen, verkennt die Tiefe und Trag­weite des Problems“, warnt Dr. Guillermo Ruiz, Ge­schäfts­führer von MIA e.V. „Diese Entschei­dung sendet ein fatales Signal an die Betrof­fenen.“

Antiziganismus ist tief in der Gesellschaft verankert. Seine Bekämpfung erfordert ent­schlos­senes politisches Handeln, ver­bindliche Maß­nahmen und klar benannte Zu­ständig­keiten – keine vagen Absichts­erklärun­gen. Während MIA im ver­gangenen Jahr bundes­weit fast 1.700 anti­ziganis­tische Vorfälle doku­mentierte – ein be­sorgnis­erre­gender Anstieg um 400 im Vergleich zu 2023 – entzieht sich Thüringen dieser Ver­antwortung. Hinzu kommt die historische Ver­pflichtung Deutschlands gegen­über der Minderheit der Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus syste­matisch verfolgt und ermordet wurde. Dass die Landes­regierung nun einen institu­tio­nellen Rückschritt voll­zieht, zeugt von histo­rischem Un­ver­ständnis und politischer Ver­ant­wortungs­losigkeit.

MIA e.V. fordert die Thüringer Landesregierung mit Nachdruck auf, diese Ent­scheidung zu revidieren und die Stelle des/der Anti­ziganis­mus-Be­auf­tragten un­ver­züglich neu zu besetzen. Read the rest of this entry »

Roma-Sensibilisierungsworkshop in Oberwart

September 12th, 2025  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Flyer zum Roma-Workshop (Verein Hang Roma)Einladung: Roma-Sensibilisierungsworkshop zur Geschichte, Kultur und Heraus­for­de­run­gen

Dienstag, 7. Oktober 2025, von 9.00 bis 12.00 Uhr in den Räum­lich­kei­ten des Vereins Roma-Service in Ober­wart (Evan­ge­li­sche Kir­chen­gasse 3). Die Teil­nahme ist kos­ten­los!

Im Rahmen unseres Roma-Arbeitsmarkt­pro­jekts „O DROM andi Cukunft – Der Weg in die Zu­kunft“ möch­ten wir Sie herz­lich ein­laden zu einem von uns an­ge­bote­nen Roma-Sen­sibi­li­sie­rungs­workshop am 7. Oktober 2025. In diesem Workshop bieten wir Ein­blicke in die Ge­schichte, Kultur und Lebens­rea­litä­ten der Roma und Sinti. Ziel ist es, Vor­urteile ab­zu­bauen, das Ver­ständnis für die Vielfalt der Volks­gruppe der Roma zu fördern und die Teil­neh­mer*in­nen für die Heraus­for­derun­gen, mit denen die Roma und Sinti kon­fron­tiert sind, zu sen­sibili­sieren. Der Workshop umfasst:

  • Einführung in die Geschichte und aktuelle Lebens­reali­tä­ten von Roma und Sinti
  • Diskriminierung und Romafeindlichkeit: Ursa­chen, Aus­drucks­for­men, Ge­gen­stra­te­gien
  • Gute Praxis: Projekte zur Förderung von Bildung, Integration und Teil­habe
  • Offener Austausch und Diskussion

Der Workshop richtet sich an interessierte Personen aus der Mehr­heits­gesell­schaft sowie Ver­treter*in­nen aus den Behörden, Ämtern, Schulen, Einr­ichtun­gen und Institu­tio­nen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und Ihre Impulse zu diesem wich­tigen Thema.

Anmeldung:
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Lala (Trailer)

September 9th, 2025  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Ein Film von Ludovica Fales, Italien 2023, 83 min (Website)

Die jungen Romnja Lala, Samanta und Zaga kämpfen in Italien um An­er­ken­nung — ein Land, das sie trotz ihrer Geburt dort nicht als Staats­bür­gerin­nen an­erkennt. Lala, junge Mutter und Teenagerin, navigiert zwischen familiären Traditionen und der urbanen Realität. Im Film ver­schmilzt diese Figur mit Samanta, der Laien­dar­stellerin, die sie spielt, und mit Zaga, der realen Inspi­rations­quelle der Geschichte. In einem Wechsel­spiel von Realität und Fiktion entsteht ein Manifest, das die Stimmen vieler vereint und die Kämpfe und Hoffnun­gen einer Generation mit ver­weigerten Rechten wider­spiegelt.

(Text: Festival This Human World, Wien 2024)

„Liuben“ (Trailer)

August 26th, 2025  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Liuben, Spielfilm von Venci Kostov, 109 min, BG/ESP 2023
Drehbuch und Regie: Venci Kostov. Mit Bojidar Iankov Asenov und Dimitar Nikolov; Kamera: Fran García Vera; Schnitt: Marta Velasco; Musik: Sergio de la Puente; Pro­du­zen­ten: Antonio Hens; Miguel Torrente

In einem konservativen bulgarischen Bergdorf, in dem viele Vor­urteile herr­schen, ent­steht eine inten­sive Sommer­romanze zwi­schen zwei jungen Männern aus ganz unter­schied­lichen Welten. Victor lebt eigent­lich ein glück­liches Leben in Madrid mit seinem Partner José. Zur Beerdi­gung seines Groß­vaters kehrt er aller­dings in sein bulga­risches Heima­tdorf zurück und be­schließt, den Sommer dort zu ver­bringen. Während er sich mit seinem Vater und der dörflichen Lebens­weise seiner Heimat nach und nach wieder an­freundet, findet er plötz­lich eine un­erwar­tete Liebe in Liuben, einem 18-jährigen Roma-Jungen. Trotz ihrer Unter­schiede und den vielen Kon­flikten um sie herum finden Victor und Liuben Zuflucht und Geborgen­heit mit­einan­der. Doch hat diese Liebe eine Zukunft? LIUBEN ist der erste offi­zielle LGBTQ+-Film aus Bulgarien.

(PR-Text: Pro-Fun Media)

Facts & Figures (564)

August 14th, 2025  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Die Zahl der gewaltorientier­ten Rechts­extre­mis­ten in Deutschland schätzt der Ver­fas­sungs­schutz auf 15.300 Per­so­nen.

(Quelle/pdf)

Frischno dschumintschago: Tatort taj Talkshows

August 12th, 2025  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Roma ando dikipe – Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale Inszenierungen von Sinti und Roma im Tatort und in politischen Talkshows (= Edition DISS, 46), falog Unrast: Münster 2021, 164 riktscha.Aktujeli kenvi pedar Romengere-kipi ando mediji


So o avre dschene patschan, pedar o Roma te dscha­­nel, tschak tschu­lo upre aj­ge­ni kon­tak­tos­ke­re ter­dschi­jip­tscha pal dschal, hatek tschak fa­mit­lim hi – ha­misch­no dscha­nipe andar o me­diji, pherde ne­ga­tivi kipen­ca, save ojs tscha­tschip­tscha ar dim on. O ande tele­visa taj ande komik­tscha use ledschi­me Romen­ge­re-si­kajip­tscha akan duj kenvi andar i Ger­­mani­ja aun pu­men­ge dikle.

Falato 1: Tatort taj Talkshows

Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale In­­sze­­nie­­run­­gen von Sinti und Roma im Tatort und in poli­ti­­schen Talk­­shows (= Edi­tion DISS, Bd. 46), falog Unrast: Münster 2021, 164 rik­tscha.

Sar adala medijali sikajiptscha le Romendar ande prin­dscharde for­matscha la nimtsch­ka televisatar naschen, jek sani kenva la „edicijo­natar DISS“ aun peske dikel. I Katharina Peters, adaj minden­feli­tike Polit-Talk­showen­ca taj ofto „Tatort“-se­rijen­ca donde pe bescharel: usar „Armer Nanosh“ (1989) taj „Kleine Diebe“ (2000) pedar o Betschi-krimi „Die schlafende Schöne“ (2005), „Brandmal“ (2008) „Mein Revier“ (2012) taj „Angezählt“ (2013) dschi otscha use „Mia san jetz da, woʼs weh tut“ (2016) taj „Klinge­lingeling“ (2016).

Taj oj mindig uso glajchi koja perel: O butvar sterejoti­pischi sikajipe rasis­tischi aun fitime kipi anel, save jek kon­trasto le „ajgeni kojastar“ taj le „durutne kojastar“ soral­jaren. Adaj te o tschule latsche proba­lin­tschage, ando krimis­kero phukajipe te rasismus te tema­tisirinel, hatek nischta naschtig keren. Read the rest of this entry »

Druckfrisch (1): Tatort und Talkshows

August 11th, 2025  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Roma im Visier - Buchcover von: Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale Inszenierungen von Sinti und Roma im Tatort und in politischen Talkshows (= Edition DISS, Band 46), Unrast Verlag: Münster 2021, 164 Seiten.Aktuelle Bücher über Roma-Bilder in den Medien


Was die Mehrheitsgesellschaft über Roma zu wissen glaubt, basiert nur selten auf eigenen Kontakt­er­fah­run­gen, son­dern ist in der Regel ver­mit­telt – ver­meint­li­ches Wissen aus den Medien, voller ne­ga­ti­ver Bilder, die als Wahr­heiten aus­ge­ge­ben wer­den. Die in TV und Comics kol­por­tier­ten Roma-Dar­stel­lun­gen be­han­deln nun zwei Pub­li­ka­tio­nen aus Deut­schland.

Teil 1: Tatort und Talkshows

Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale In­sze­nie­run­gen von Sinti und Roma im Tatort und in poli­ti­schen Talk­shows (= Edi­tion DISS, Bd. 46), Unrast Verlag: Münster 2021, 164 Seiten.

Wie diese medialen Inszenierungen von Roma in populären Formaten des deut­schen Fern­sehens funktio­nieren, unter­sucht ein schmaler Band der „Edition DISS“. Katharina Peters knüpft sich darin diverse Polit-Talk­shows und acht „Tatort“-Fol­gen vor: von „Armer Nanosh“ (1989) und „Kleine Diebe“ (2000) über den Wien-Krimi „Die schlafende Schöne“ (2005), „Brandmal“ (2008) „Mein Revier“ (2012) und „Angezählt“ (2013) bis zu „Mia san jetz da, woʼs weh tut“ (2016) und „Klinge­linge­ling“ (2016).

Und sie gelangt zum immer gleichen Fazit: Die vorwiegend stereotype Inszenie­rung trans­portiert rassistisch auf­gela­dene Bilder, die einen Gegen­satz von „Eigenem“ und „Frem­dem“ etablie­ren. Dagegen bleiben auch die wenigen vor­sichtigen Versuche, in­ner­halb der Krimi­erzählung auch Rassismus zu thema­ti­sieren, letzten Endes machtlos.

Fiktionale und nicht-fiktionale Formate, „Tatort“ und Talkshows, spielen einander wechsel­seitig in die Hände, um ihre Roma-Bilder zu konstru­ieren. „Die fiktional pro­duzier­ten Ressen­timents [werden] im realen politischen Diskurs auf­ge­griffen und vice versa.“ (S. 12) Mit Bezug auf reale Ereig­nisse und tages­politische Debatten skiz­ziert Peters, wie sich so auch der Fokus der Roma-Dar­stellun­gen verschiebt: Read the rest of this entry »

„Antiziganismus ist zutiefst unchristlich“

August 3rd, 2025  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Katholische Aktion Österreich warnt vor At­tacken auf die Men­schen­würde: Aufruf zur christ­lichen Soli­da­rität zum Roma- und Sinti-Ge­denk­tag am 2. August

Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) warnt vor subtilen und offenen Attacken auf die Men­schen­würde auf­grund von ethnischer Zu­ge­hörig­keit und ruft zu christ­licher Solidarität auf. Die Volks­gruppen der Roma und Sinti wurden erst im Jahr 1988 offiziell als Opfer­gruppe der natio­nal­sozialis­ti­schen Herrschaft an­er­kannt. Seit 2015 wird auf euro­päi­scher Ebene am 2. August an die Holocaust-Opfer dieser eth­nischen Minder­heiten gedacht. Im Jänner 2023 be­schloss der österrei­chische National­rat, auch in Österreich jeweils am 2. August offiziell der unter dem NS-Regime ver­folgten und er­mor­deten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze zu gedenken.

„Die systematische Vernichtung von ethnischen Minderhei­ten kam nicht plötz­lich über Nacht. Jahr­zehnte­lange syste­matische Dis­kriminie­rung und Herab­würdigung, die Betrof­fene in ihrem un­mittel­baren Lebens­umfeld spürten, waren Vorläufer des grau­samen Ver­nich­tungs­pro­gramms der Nazis“, erinnert Katharina Renner, Vize­prä­siden­tin der Katholi­schen Aktion Österreich und mahnt: „Der­artige Attacken auf die Men­schen­würde, egal in welcher Form und seien sie noch so subtil, dürfen nie wieder statt­finden.“

Dass es in unserer Gesellschaft noch immer Attacken auf Minder­heiten und Volks­gruppen gibt, zeigen auch die Grab­schändun­gen der letzten Ruhestätte von Roma und Sinti, Romnja und Sintizze des letzten Sommers und heurigen Frühjahrs auf meh­reren Wiener Friedhöfen. Und es gibt spürbare Dis­krimi­nierung von An­ge­hörigen dieser Volks­gruppen am Arbeits­platz, in der Schule und durch Medien­berichte, wie der Verein Romano Centro in seinen Berichten aufzeigt. Oft trauen Betroffene sich nicht, Vorfälle und Über­griffe zu melden, aus Angst, ihre Lage würde sich dadurch noch weiter ver­schlech­tern. Read the rest of this entry »

„Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«“

Juni 25th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Christian Gerhard Kelch (2020): Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«. Zur Ge­schichte der „Grund­lagen­for­schung“ ge­gen Sinti und Roma in Deutschland unter Be­rück­sich­ti­gung der Genese des Anti­zi­ga­nis­mus­begriffs

Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/FAU (Philo­so­phi­sche Fakultät und Fach­bereich Theo­logie), 671 S.

→Download von OPEN.FAU (pdf)

Abstract (Auszug, S. 668 ff.):

Vorliegende Kritik der Tsiganologie setzt sich aus wissen­schafts­ge­schicht­li­cher Per­spektive mit dem Phänomen Anti­ziganis­mus in der deutsch­sprachigen Wissenschaft aus­einan­der. Im Zentrum steht der deutsche Mediziner Dr. Hermann Arnold (1912-2005), der nach dem Völkermord an den Sinti und Roma (Porajmos) durch die National­sozia­lis­ten als maß­gebliche wissen­schaft­liche Instanz bezüglich der Deutung der Lebens­weise und der Geschichte der als »Zigeuner« be­zeich­neten Sinti, Roma und auch Jenischen galt. Die Studie ist als Histo­rische Diskurs­analyse angelegt und fragt nach Konti­nui­täten und Brüchen des „Wissens­diskurses“ über die­jenigen Menschen, die als »Zigeuner« stig­matisiert wurden und werden. Gleich­zeitig wird in Form einer begriffs­geschicht­li­chen Klammer der histori­schen Genese und gegen­wärtigen Rezeption des Anti­ziga­nismus­begriffs, mit dem die spezi­fische Form des Ressen­timents gegen Sinti und Roma und andere Gruppen in Deutschland seit den 1980er Jahren benannt wird und der nach wie vor um­stritten ist, nach­ge­gangen. Im Zentrum stehen dabei die Fragen: 1.) nach dem spezi­fischen Zigeuner­bild Hermann Arnolds, 2.) Arnolds Wirken als „Zigeuner­experte“ in der bundes­deutschen Minis­terial­bürokratie, 3.) nach dem Wandel des Diskurses über ver­meint­liche »Zigeuner« im Verlauf der 1970er Jahre, 4.) nach Kon­tinui­täten zu Arnold in deut­schen Tsiganologie der 1980er und 2000er Jahre und 5.) nach der Rezeption des Anti­ziganismus­begriffs in Deutsch­land. […] Read the rest of this entry »

Neuer deutscher Antiziganismus-Beauftragter

Juni 21st, 2025  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Der neue Beauftragte: Parl. Staatssekretaer Michael Brand (Pressefoto: Dominik Butzmann/photothek, im Auftrag des BMFSFJNach Protesten: Das Amt des deutschen Anti­ziga­nis­mus-Be­auf­trag­ten wird nun doch neu be­setzt. Michael Brand (CDU) folgt dem bis­heri­gen Be­auf­trag­ten Mehmet Daima­güler nach.

Die erst kürzlich bekannt gewordene Entscheidung, diese erst im Mai 2022 neu geschaf­fene Stelle nach dem Rück­tritt von Mehmet Daimagüler nicht fort­zu­führen, hatte ener­gische Re­aktio­nen aus den Organi­satio­nen und Verbänden der Sinti und Roma zur Folge. Kelly Laubinger von der Sinti-Union Schles­wig-Hol­stein etwa sprach von „Un­sicht­bar­machung“ und „politi­schem Skandal“, Petra Rosenberg vom Lan­des­verband Berlin-Bran­den­burg von einem „fatalen Signal“. Und Romani Rose vom Zentral­ver­band Deutscher Sinti und Roma zeigte sich von den Plänen der Bundes­regie­rung irritiert und ver­sprach, bei der Bundes­regie­rung zu inter­ve­nieren.

Auch in einer spontan gestarteten Petition an Kanzler Merz und Familien­minis­terin Prien (wir be­rich­teten) forderten Roma-Ak­tivis­ten die Bei­behal­tung der Stelle: „Besetzen Sie die Stelle des Be­auftrag­ten neu! Es war ein wich­tiges Zeichen, dass sie ge­schaffen wurde. Es ist ein ver­heeren­des Zeichen, dass sie nun einfach entfällt – obwohl Anti­ziganis­mus weiter­hin Alltag ist. Obwohl wir endlich mehr Sicht­bar­keit brauchen. Obwohl wir ein Teil dieser Gesell­schaft sind. Diese Ent­scheidung muss rück­gängig gemacht werden. Ein Beauftragter für die Belange von Sinti und Roma ist kein ver­zicht­barer Luxus – sondern eine Not­wendig­keit.”

Nun hat das Bundeskabinett Michael Brand (MdB, CDU) zum Beauf­tragten der Bun­des­regierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland be­rufen. Die Ernen­nung erfolgte am 18. Juni auf Vorschlag von Bundes­minis­terin Karin Prien für die Dauer der 21. Wahl­periode. Michael Brand ist derzeit Par­lamen­tari­scher Staats­sekretär im Bundes­minis­terium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).

Zur Person des neuen Antiziganismusbeauftragten informiert die Website des Minis­teriums: „Michael Brand ist studierter Politik­wissen­schaftler und seit vielen Jahren im Bereich Men­schen­rechte aktiv, unter anderem als Vor­sitzender des Men­schen­rechts­aus­schusses im Deutschen Bundestag sowie als Sprecher für Menschen­rechte der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­tion. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (559)

Juni 12th, 2025  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Im deutschen „Ver­fas­sungs­schutz­bericht 2024“ kommt der The­men­­bereich „Anti­zi­ga­nis­mus“ kein einziges Mal vor.

(Quelle/pdf)