Osteuropäische Rom_nija in Graz (2019)
Oktober 11th, 2025 | Published in Frauenrechte, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Christina Bugram (2019): Die Lebenssituation osteuropäischer Rom_nija in Graz: temporäre und zirkuläre Migration als Problemlösungsstrategie
Masterthesis, Karl-Franzens-Universität Graz (Studienrichtung „Interdisziplinäre Geschlechterstudien“), 100 S.
Abstract (Link):
In der Mehrheitsbevölkerung sind zahlreiche antiziganistische Stereotype über Rom_nija verankert, mit denen jahrhundertelange Diskriminierung und Benachteiligung unterstützt wurde und wird. Fundiertes Wissen über ihre tatsächlichen Lebensrealitäten besteht hingegen kaum. Diese Masterarbeit zielt darauf ab, Aufklärungsarbeit zu leisten, und liefert eine genaue Betrachtung temporärer bzw. zirkulärer Migration von Rom_nija aus den neuen EU-Mitgliedstaaten nach Graz, wo diese vorwiegend als Bettler_innen sichtbar sind. Temporäre und zirkuläre Migrationsformen von Rom_nija finden sowohl im Diskurs um Migration als auch über Rom_nija wenig Beachtung. Eine analytische Sichtweise auf die Perspektive von Frauen fehlt oft gänzlich. Qualitative Interviews mit sechs temporären und zirkulären romani Migrantinnen in Graz sowie ein Interview mit einer Mitarbeiterin eines romaspezifischen Projektes ermöglichen einen Einblick in Lebens- und Migrationsbiografien und die Herausforderungen, denen sie als Frau, Migrantin und Romni begegnen. Die befragten Frauen teilen wie die meisten romani Migrant_innen eine wesentliche Gemeinsamkeit: ein Leben in ihrer Herkunftsregion wäre ohne eine Migration kaum bis gar nicht zu bewältigen. Trotz zahlreicher biografischer Parallelen lassen sich aus den Interviews vier verschiedene Migrationsformen ableiten. Neben der Differenzierung zwischen der einmaligen und wiederholten Migration bezieht sich ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal auf das Ziel einer dauerhaften Niederlassung. Dieses Ergebnis bekräftigt, dass Migrationen von Rom_nija von Heterogenität gekennzeichnet sind. Die Chancen dieser Problemlösungsstrategie hängen stark von romaspezifischen Maßnahmen ab, die auf Bildungsförderung, Arbeitsmarktintegration und Antidiskriminierungsarbeit abzielen. Bedürfnisorientierte, partizipative sowie gender- und diversitätssensible Angebote haben das Potential, auf lange Sicht ungünstige Faktoren zu verringern.
Hochschulschrift (Masterthesis); Betreuerin: Johanna Hopfner
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UB Graz: https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/3559459
Siehe auch:
Betteln als Lebensform: Notreisende in Graz, 13.10.2025
„Betteln als Performance“ (2018), 26.2.2019
„Ich nenne es banken“ (2017), 4.3.2019
Betteldebatte: Rassismus in Salzburger Medien, 27.11.2017
„An den Grenzen der Hoffnung“ (2016), 18.8.2017