FRA veröffentlicht Roma Survey 2024

Oktober 3rd, 2025  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Roma Survey 2024: neuer Bericht der FRA liegt vorGrundrechteagentur FRA legt neuen Bericht über Roma und Traveller in der EU vor: mehr Erwerbstätige, aber Diskriminierung bleibt bestehen

European Union Agency for Funda­men­tal Rights (FRA): Rights of Roma and Tra­vel­lers in 13 Euro­pe­an Countries. Per­spec­tives from the Roma Sur­vey 2024, Vienna 2025 (2.10.2025)  | →Zum Down­load

Roma und Traveller in der EU sind nun erwerbstätig, und auch ihre Wohn­verhält­nisse haben sich ver­bessert. Jedoch sind Armut, Dis­kriminie­rung und Segre­gation nach wie vor weit ver­breitet. Dies geht aus einer neuen Erhebung der Agentur der Euro­päi­schen Union für Grundrechte (FRA) hervor. Die FRA betont nach­drücklich, dass zwischen den EU-Zielen zur Inklusion der Roma und den gelebten Erfah­rungen der Roma- und Tra­veller-Ge­mein­schaften nach wie vor erheb­liche Lücken bestehen. Es ist un­wahr­schein­lich, dass die EU-Staaten die Ziele bis 2030 errei­chen werden.

Die jüngste Roma-Erhebung bewertet, ob die Roma und Traveller durch die Inklu­sions­maß­nahm­en der EU und ihrer Mit­glied­staaten besseren Zugang zu ihren Grund­rechten haben. Ver­glichen mit Ergeb­nissen aus früheren Erhe­bungen der FRA zeigen sich zwar in einigen Bereichen Fort­schritte, jedoch bestehen nach wie vor große Unter­schiede zwischen den Roma und der All­gemein­bevöl­kerung:

  • Diskriminierung: 31 % der Roma und Traveller werden aufgrund ihrer ethnischen Herkunft dis­kri­mi­niert – ähn­lich wie im Jahr 2016 (26 %).

  • Armut: 70 % der Roma und Traveller leben in Armut. Das sind zwar weniger als 2016 (80 %), jedoch sind Roma- und Traveller-Fa­milien nach wie vor viermal häufiger mit Armut kon­fron­tiert als die All­gemein­bevöl­kerung in der EU. Kinder sind am meisten von Armut und wirt­schaft­licher Not be­troffen.

  • Wohnraum: 47 % der Roma und Traveller leben in feuchten, dunklen Wohnungen oder Unter­künften ohne an­ge­me­ssene Sanitär­ver­sor­gung. Dieser Anteil ist zwar niedri­ger als im Jahr 2016 (61 %), liegt aber weit über dem EU-Durch­schnitt (18 %). Ein Problem ist nach wie vor Über­be­le­gung: 83 % leben in Haus­halten mit zu wenig Räumen.

  • Bildung: 53 % der Roma- und Traveller-Kinder nehmen an frühkindli­cher Bildung teil, mehr als im Jahr 2016 (42 %). Aber es sind immer noch viel weniger als bei Kindern der EU-All­gemein­bevöl­ke­rung (95 %). Nur 32 % schließen die Sekundar­stufe II ab, im Ver­gleich zu 84 % der Schü­lerin­nen und Schüler in der All­gemein­be­völ­ke­rung.

  • Schulische Segregation: Die Segregation in den Schulen ist nach wie vor weit ver­breitet. 46 % der Roma- und Tra­vel­ler-Kinder be­suchen eine Schule, an der alle oder die meisten Schü­lerin­nen und Schüler Roma oder Tra­veller sind.

  • Beschäftigung: 54 % der Roma und Traveller sind erwerbs­tätig – eine Ver­bes­se­rung gegen­über 2016 (43 %) –, doch das Be­schäf­ti­gungs­niveau liegt nach wie vor weit unter dem der All­gemein­be­völ­ke­rung (75 %). Gleich­zeitig fühl­ten sich 36 % der Roma und Traveller bei der Suche nach einem Arbeits­platz dis­kri­mi­niert – mehr als dop­pelt so viele wie 2016 (16 %).

  • Geschlechtsspezifisches Gefälle: Nur 38 % der Frauen in den Roma- und Travel­ler-Ge­mein­schaf­ten sind er­werbs­tätig, bei den Männern sind es 69 %.

  • Meldung: Obwohl sie zunehmend mehr über Gleich­stel­lungs­stel­len Bescheid wissen, melden we­ni­ger als 6 % der Roma und Traveller Fälle von Dis­kri­mi­nie­rung. Das ist deut­lich weni­ger als 2016 (16 %).

  • Gesundheit: Es bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Bezug auf die Gesund­heit. Roma und Tra­veller leben 8 Jahre (Männer) bzw. 7,4 Jahre (Frauen) kürzer als die All­ge­mein­bevöl­ke­rung in den Er­he­bungs­ländern.

Die Ergebnisse zeigen, dass es unwahrscheinlich ist, dass die EU-Staaten die Ziele für 2030 erreichen werden, die im strategischen Rahmen der EU zur Gleich­stellung, Inklusion und Teilhabe der Roma fest­gelegt sind. Wahr­schein­lich werden nur die Ziele für den Zugang zu Beschäf­ti­gung erreicht. Die größten Heraus­forderun­gen für die EU-Staaten bleiben nach wie vor, Anti­ziganis­mus und Dis­kriminie­rung zu be­kämpfen, Armut und Über­bele­gungen beim Wohnraum zu ver­ringern, Bildung zu ver­bessern und die schulische Segre­gation zu be­enden sowie faire Be­schäf­tigungs­mög­lich­keiten für Frauen zu schaffen.

Die Ergebnisse der Erhebung sollen den Staaten helfen, gezieltere Maß­nahmen zu ent­wickeln, z. B. im Rahmen der allge­meinen und beruf­lichen Bildung, um Roma-Jugend­li­chen und -Frauen bessere Berufs­aus­sichten zu ermög­lichen und die schulische Segregation zu be­kämpfen.

FRA-Direktorin Sirpa Rautio:

Dieser Bericht zeigt, dass Antiziganismus Roma und Travellern in der EU weiterhin das Leben kaputt­macht. Ein besserer Zugang zu Wohnraum und Erwerbs­tätigkeit ist die eine Sache, aber ein Leben frei von Dis­krimi­nie­rung und Vor­urteilen eine andere. Gering­fügige Fortschritte können wir nicht hin­nehmen. Wir können nicht hin­nehmen, dass eine weitere Generation in Aus­gren­­zung auf­wächst. Die EU-Staaten müssen viel mehr tun, um Anti­ziganismus und Dis­krimi­nie­rung zu bekämpfen, damit Roma und Traveller ihre Grund­rechte in vollem Umfang wahr­nehmen können.

Der Bericht basiert auf einer Erhebung unter mehr als 10.000 Roma und Travellern aus zehn EU-Ländern (Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Rumänien, Spanien, Tschechien und Ungarn) und drei Kan­dida­ten­ländern (Albanien, Nord­mazedonien und Serbien). Die per­sön­lichen Befragungen vor Ort fanden zwi­schen Juni und Dezem­ber 2024 statt. Die frühe­ren Roma-Er­hebun­gen der FRA fanden 2008, 2011 und 2016 statt, und eine Erhebung unter Roma und Travellern wurde im Jahr 2019 durch­geführt.

(Text: FRA, 2.10.2025)

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