50 Jahre Sinti-Siedlung Köln-Roggendorf
Oktober 3rd, 2025 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Gelungene Integration: Eine feste Siedlung für fahrende Menschen
Podcast Zeitzeichen, WDR 5, 30.9.2025, 14:33 Min.
In Rekordzeit hatte die Stadt Köln die Siedlung hochgezogen: Am 30. September 1975 zogen 108 Sinti in die festen Häuser im Kölner Norden ein – ein großer Schritt für sie und ihre Nachbarn.
Deutschland: In diesem „Zeitzeichen“ erzählt Michael Reinartz: warum ausrangierte Reichsbahn-Waggons ein moralisches Problem und zugleich Notbehelf für Kölner Sinti und Roma sind; wie Nachbarn anfangs Angst vor Lärm und Wertverlust haben – und warum sich das Zusammenleben dennoch schnell beruhigt; und was der Einzug in Steinhäuser für Bildung, Arbeit und Nachbarschaft bis heute bedeutet.
Als Kind sieht man Feuer zwischen Waggons auf freiem Feld – für die Jüngsten ein „Spielplatz“, für die Erwachsenen ein Leben ohne Duschen, mit gefrorenen Fenstern im Winter. Die Waggons stammen aus Beständen der alten Reichsbahn, die während der NS-Zeit Sinti und Roma deportiert hatten.
Anfang der 70er ist klar: So kann es nicht bleiben. Daraufhin entsteht der Plan für eine eigene Siedlung für Sinti und Roma. Von Frühjahr bis Spätsommer 1975 im Ortskern gebaut und am 30. September bezugsfertig – mit Stellplätzen für Wohnwagen, aber ohne Tiere. Es ist die erste feste Siedlung für Sinti in Westeuropa. Es gibt Skepsis, Polizeieinsätze wegen nächtlicher Musik – und doch wächst Normalität: Schule, Handwerk, Fußballverein. Heute wohnen noch rund 50 meist Ältere dort; der Mietvertrag läuft bis Ende September 2049 – wie es danach weitergeht, ist offen.
Autor: Michael Reinartz, Redaktion: Frank Zirpins
Interviewpartner der Sendung sind u.a.: Markus Reinhardt, Musiker; Agnes Esser, Mitglied im Roggendorfer Bürgerverein
(Text: WDR Zeitzeichen)