Rassismus-Beschwerde gegen „Spiegel TV“
April 17th, 2021 | Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutschland: Zentralrat legt Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) gegen „Spiegel TV“-Reportage ein
Wegen der erneuten massiven und pauschalen Kriminalisierung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der auf RTL im Rahmen der Drittsendezeit am 29. März 2021 ausgestrahlten „Spiegel TV“-Reportage „Perfide Abzocke mit Terrassenreinigung: Einmal saubermachen für 5.000 Euro“ legt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) ein.
„Der Beitrag stärkt damit massive Vorurteile gegenüber der gesamten Minderheit, die – wie die Anschläge zuletzt in Hanau zeigten, bei denen auch Roma Opfer wurden – zu Gewalt und selbst zu Mordanschlägen führen. Sendungen wie diese schüren Hass gegen unsere Minderheit, die sich in unzähligen gewaltvollen dehumanisierenden Hasskommentaren im Internet entladen und zu Angriffen auf Sinti und Roma im realen Leben führen. Dies dokumentieren insbesondere die Kommentarspalten unter dem ,Spiegel TV’-Beitrag in den sozialen Medien“, kritisiert Romani Rose.
Die „Spiegel“-Reportage missachtet grob die journalistischen Grundsätze und insbesondere die Vorgaben des Niedersächsischen Mediengesetzes (NMedienG). Nach Auffassung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verstößt dieser Beitrag ebenso gegen die eindeutigen Vorgaben des Medienstaatsvertrages, vor allem §19 zur Sorgfaltspflicht journalistisch-redaktionell gestalteter Angebote und gegen die Programmgrundsätze in §51, nach denen Programme sowohl die Würde des Menschen zu achten haben als auch auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken sollen, sowie gegen § 14 Abs. 1, 2 NMedienG und § 10 Abs. 1 RStV i.V.m.
Mit den verwendeten Begriffen wie „Roma-Clan“ wird gezielt der gesamten Minderheit Kriminalität allein aufgrund der Abstammung unterstellt. In der jetzt kritisierten Sendung zeigt „Spiegel TV“ Menschen mit wiederholter Namensnennung und missachtet damit die Grenzen einer sachorientierten Berichterstattung. Read the rest of this entry »