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„Hinterland“: Schwerpunkt Antiziganismus

März 25th, 2010  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Hinterland Magazin, Ausgabe 13: Antiziganismus„Hinterland“, das Vierteljahresmagazin des Bayerischen Flüchtlingsrats, hat soeben ein neues Heft zum Schwerpunktthema Antiziganismus vorgestellt; sämtliche Artikel gibt es auch im PDF-Format. Wir geben im Folgenden das Editorial der Hinterland-Redaktion wieder (die Inhaltsübersicht finden Sie im Anschluss):

300 Seiten hätten es locker werden können. Wenn die Flüchtlingsräte gemeinsam Artikel sammeln, fehlt es der Redaktion an Auswahl nicht. Zumal das Thema Antiziganismus unerschöpflich ist. Die Verfolgung und Vernichtung von Sinti und Roma, über Jahrhunderte hinweg, die antiziganistischen Kontinuitäten, bis ins Heute hinein, und die aktuellen Abschiebungen in den Kosovo könnten ganze Bibliotheken füllen – und machen wütend. Leider mussten wir, die Hinterland-Redaktion, die diesmal mit der Federführung für das gemeinsame Heft der Flüchtlingsräte betraut war, das Material auf 86 Seiten zusammendampfen.

Viele lesenswerte Artikel fanden im Heft leider keinen Platz. Einige Meinungen sind aus Überzeugung nicht vertreten, wenn es sich auch um Meinungen handelt, die innerhalb der Debatten virulent sind. Unser Anliegen, nicht nur dem Rassismus, sondern auch dem Positivrassismus entgegenzutreten, führt sich beispielsweise auch auf dem Felde des Antiziganismus fort. Beiträge, die auf eine positive Umwidmung antiziganistischer Vorurteile abzielen, sind deshalb nicht in diesem Heft. Eine weitere problematische Argumentation ist uns aufgefallen: Sinti und Roma hätten, so ist oft zu lesen, viel mehr zu leiden als diese oder jene Opfergruppe. Das mag schon richtig sein. Dennoch halten wir das Ins-Verhältnis-Setzen von Opfergruppen und die Aufteilung in mehr oder weniger Benachteiligte für keinen guten Gedanken. Ein Konkurrenzverhältnis der Ressentiments schadet in Summe.

Wichtig war uns auch, nicht nur ÜBER Sinti und Roma zu berichten, sondern ebenso Sinti und Roma Öffentlichkeit zu verschaffen. Das ist uns weit weniger gelungen, als wir uns das gewünscht haben, aber dennoch konnten einige Sinti und Roma als AutorInnen und GesprächspartnerInnen gewonnen werden. Dies wäre nicht möglich gewesen, ohne die gute Zusammenarbeit der Flüchtlingsräte Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern. Wir wünschen den LeserInnen, im Namen aller Flüchtlingsräte, viel Kurzweil mit diesem Heft.  (Editorial der Hinterland-Redaktion)

HINTERLAND: INHALTSÜBERSICHT ZU HEFT NR. 13:   Read the rest of this entry »