Archive for Januar 27th, 2010

Marianne Rosenberg erinnert an NS-Verfolgung

Januar 27th, 2010  |  Published in Geschichte & Gedenken, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Marianne RosenbergAm 27. Jänner 1945 befreite die Rote Armee die letzten Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Seit 1996 ist der 27. Jänner daher in der Bundesrepublik Deutschland offizieller „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen erklärte diesen Tag schließlich 2005 zum International Holocaust Remembrance Day. In der Christuskirche in Bochum erinnern ab 20 Uhr die bekannte Sängerin Marianne Rosenberg (Website) und ihre Schwester Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, auf sehr persönliche Weise unter dem Titel „Lieder und Lesung“ an diesen historischen Tag. Musikalisch begleitet wird der Abend zudem von Ferenc Snétberger, der den in der NS-Zeit ermordeten Roma und Sinti ein eigenes Concerto für Gitarre und Orchester gewidmet hat. Die Veranstaltung in Bochum ist Bestandteil des Programms zum Kulturhauptstadtjahr im Ruhrgebiet. Ad-hoc-news bringt dazu eine längere Ankündigung:

(…) Die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten an den Sinti und Roma betrafen auch ihre Familie: Marianne Rosenbergs Vater Otto überlebte das Konzentrationslager Auschwitz, viele ihrer Verwandten starben. Am Internationalen Holocaust-Gedenktag am Mittwoch wird die 54-jährige Sängerin gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Petra bei einer Veranstaltung in der Bochumer Christuskirche an die Geschichte ihrer Familie und damit auch an das Leid von anderen Sinti und Roma erinnern. So wollen die beiden Lieder und biografische Texte der von den deutschen Sinti abstammenden Familie Rosenberg vortragen. (…)

Die Geschwister Rosenberg folgen damit einer Einladung des evangelischen Pfarrers Thomas Wessel. (…) Marianne Rosenberg habe bisher kaum über ihre Familiengeschichte gesprochen, erzählt Pfarrer Wessel: „Nun aber fanden sie und ihre Schwester Petra, dass es Zeit war, an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Ein Grund liege auch darin, dass viele der Sinti und Roma, die den Nationalsozialismus direkt miterlebt hatten, bereits verstorben sind. „Nun hält die nachkommende Generation die Erinnerung wach“, sagt er.  (…)

Rose: Kath. Kirche diskriminiert Sinti & Roma

Januar 27th, 2010  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Romani Rose bei einer Gedenkfeier im Sächsischen Landtag 2008 (Foto: Matthias Hiekel)Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, erhebt im Interview mit der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA) Vorwürfe gegen die katholische Kirche: Bis heute sehe die Kirchenführung seine Minderheit nicht als normalen Teil der Kirche an. Vor allem kritisierte Rose die Weigerung der Kirche, trotz wiederholter Proteste seines Verbandes vom traditionell verwendeten Begriff der „Zigeunerseelsorge“ (siehe hier) abzugehen. „domradio.de“, der Sender des Erzbistums Köln, gibt die Aussagen Roses wieder:

(…) Auch innerhalb der Kirche stoßen wir zu oft auf rassistische Ausgrenzung und Vorurteile. Die Sinti und Roma fühlen sich als Katholiken, als normaler Teil der Kirche – das erkennt die Kirchenführung aber nicht an. Die Probleme zeigen sich schon im Begriff „Zigeunerseelsorge“, den die Deutsche Bischofskonferenz trotz jahrelanger Proteste weiter verwendet. Wir sind keine Nomaden, sondern in der Gesellschaft verzahnt und nehmen an ihrer Entwicklung teil. Die jüngsten Gespräche mit hohen Kirchenvertretern und Signale aus dem Vatikan machen mir aber Hoffnung, dass endlich etwas passiert. (…) „Zigeuner“ ist eine von Vorurteilen überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den allermeisten Angehörigen unserer Minderheit als diskriminierend empfunden wird. So haben wir Sinti und Roma uns nie genannt. Auch im internationalen Sprachgebrauch – sei es bei der EU, bei der OSZE oder dem Europarat – wird der Begriff nicht verwandt. Wer sich die Vernichtung und Verfolgung von Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten bewusst macht, die uns nach ihrer Rassenlehre als „Zigeuner“ bezeichneten, der benutzt diesen Begriff nicht mehr.

Dabei kritisiert Rose – aus Anlass des Holocaust-Gedenktags – auch die Rolle der katholischen Kirche während der NS-Zeit. Die Kirche habe zu wenig gegen die Verfolgung und Deportationen von Sinti und Roma unternommen:  Read the rest of this entry »