Seminar „Geschichtspolitik & Antiziganismus“
Januar 18th, 2010 | Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Am 12.12.2009 fand im Studienzentrum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme unter dem Titel „Geschichtspolitik und Antiziganismus“ ein Tagesseminar zum Umgang mit dem NS-Völkermord an Sinti und Roma statt. Das geschichtswissenschaftliche Internet-Fachforum H-Soz-u-Kult hat nun einen Tagungsbericht von Astrid Homann und Julia Brandt veröffentlicht, den wir im Folgenden mit dankenswerter Erlaubnis der Autorinnen wiedergeben:
Tagungsbericht zum Seminar „Geschichtspolitik und Antiziganismus“
In einem Tagesseminar wurden antiziganistische Stereotype und Praxen in der deutschen Gedenkkultur und Geschichtspolitik sowie Kontinuitäten in der Verfolgungsgeschichte von Sinti und Roma kritisch hinterfragt. Dem ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme als Tagungsort kam dabei eine doppelte Bedeutung zu: als historischem Ort der Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma, und zugleich als Austragungsort erinnerungspolitischer Auseinandersetzungen um die Anerkennung als Opfergruppe.
In einem einführenden Vortrag benannte Kathrin Herold die Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft und die Formung eines bürgerlichen Subjekts als Hintergrund für die Entstehung des Antiziganismus, der mit einem spezifischen „Stereotypenpaket“ einherging. So werde ein dialektisches Verhältnis von „Arbeit und Fleiß“ und „Faulheit und Natur“ konstruiert und letzteres von der Gesellschaft externalisiert. Das bereits existente Bild des umherziehenden, nicht-sesshaften und unproduktiven „Zigeuners“ wurde im Nationalsozialismus durch die Biologisierung als Krankheitsüberträger/Erreger, vor dem der Volkskörper geschützt werden müsse, weiter radikalisiert bis hin zur systematischen Vernichtung, die vier Stufen beinhaltete: Read the rest of this entry »