Januar 15th, 2010 |
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Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Zwei tschechischen Roma-Frauen wurden vergangene Woche durch das Obergericht in Prag 200.000 bzw. 150.000 Kronen an Schmerzensgeld für an ihnen vorgenommene illegale Sterilisierungen zugesprochen. Bei den Frauen war ohne ihr Einverständnis ein solcher – nicht umkehrbarer – medizinischer Eingriff durchgeführt worden. Wie David Záhumenský, Leiter der Liga für Menschenrechte, die die beiden Patientinnen vertrat, gegenüber der Roma-Organisation Romea.cz bekannt gab, war den Frauen zuvor in den Urteilen der Erstinstanz nur ein Bruchteil der nun festgelegten Summe zuerkannt worden.
Laut Darstellung der Liga sei in beiden Fällen zu vermuten, dass die verantwortlichen Mediziner im Interesse der Patientinnen zu handeln glaubten; allerdings hätten die Ärzte die Roma-Frauen weder über die Art des Eingriffs noch über mögliche Alternativen informiert, sondern selbst autoritär über ihre Köpfe hinweg entschieden. Von ähnlichen zwangsweisen Eingriffen sollen mehrere Dutzend Patientinnen betroffen sein − fast durchwegs handle es sich dabei um Roma-Frauen. Verlässliche Daten liegen der Öffentlichkeit jedoch nicht vor. Im November 2009 hatte die tschechische Regierung unter Ministerpräsident Jan Fischer ihr Bedauern über die bekannt gewordenen Fälle illegaler Sterilisierungen ausgedrückt. Der Menschenrechts- und Minderheiten-Minister Michael Kocáb erklärte, dass Maßnahmen ergriffen würden, um weitere Fälle zu verhindern.
Januar 15th, 2010 |
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Film & Theater
„Opera Nomadi“: ein Theaterprojekt von Nedjo Osman in Köln
Theater TKO Köln: Seit einigen Jahren bemüht sich die EU um die Verbesserung der Lebenssituation der Roma und Sinti und paradoxerweise ist mit Einbruch der Wirtschaftskrise und der Osterweiterung genau das Gegenteil der Fall. In vielen Ländern Europas ist die soziale Ausgrenzung unmenschlicher denn je, brutale Gewalt gegen Roma und Sinti ist alltäglich geworden – heimtückische Morde werden verschleiert und „geduldet“, von gelegentlichen Protesten abgesehen. 120.000 Roma und Sinti leben allein in Deutschland, davon sind die meisten deutsche Staatsbürger.
Der Schauspieler, Journalist und Autor Nedjo Osman, selbst ein aus Mazedonien stammender Rom, erarbeitet mit Schauspielern und Laien ein szenisches Kaleidoskop dieser Skandale, basierend auf dokumentierten Fällen im Europa vor unserer Haustüre, aber auch mit authentischen Geschichten der Roma und Sinti in unserer Nachbarschaft, ihrer Armut und ihrer Resignation, ihren Wünsche und Hoffnungen. Der Titel „Opera Nomadi“ knüpft an die italienischen Ghettos der Roma und Sinti an, ist aber zugleich eine szenischen Verschmelzung von Text, Musik und Tanz jenseits der Klischees. Es geht um die Tragödie einer Minderheit und eine Konfrontation mit ihren Gefühlen als „Nomadi“.
Regie, Choreografie, Raum-Konzept: Nedjo Osman
Dramaturgie: Nedjo Osman, Christel Jorges
Kostüme: Joanna Rybacka
Organisation, Projektleitung: Nada Kokotović
Es spielen: Grit Bardowick, Marina Jung, Heike Trinker, Perian Wirges, Selim Dursun, Mike Reichenbach, Ahmet Tahi, George Velikov
Vorstellungen am 16., 23. und 24. Januar und am 27., 28. Februar sowie im März 2010 jeweils um 20.00 Uhr
Kunsthaus Rhenania, Rheinauhafen, Bayenstr. 28, Köln
Kartenreservierung unter: Tel./Fax: 0221 / 2 40 61 72 oder info@tko-theater.de