Europa-Menschenrechtskommissar zu Kosovo
Juli 21st, 2009 | Published in Interview, Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Einige deutsche Bundesländer gehen nun dazu über, aus dem Kosovo geflüchtete Roma in ihr Herkunftsland abzuschieben (dROMa-Blog). Ein schwerer Fehler, sagt Thomas Hammarberg, seit 2006 Menschenrechtskommissar des Europarats (Website), der in den letzten Monaten wiederholt vor der Zwangsrückführung von Kosovo-Roma gewarnt hat. Er sei, erläutert er im Interview mit Norbert Mappes-Niediek (Frankfurter Rundschau), bei seiner Kosovo-Mission im März (dROMa-Blog) zur Überzeugung gelangt, dass die Zeit „für eine Rückkehr, die diesen Namen verdient und nicht bloß Abschiebung ist“, noch keineswegs reif sei:
Ich appelliere an die Regierungen, es nicht zu tun, besonders dann nicht, wenn es um Minderheiten geht. Kosovo hat noch nicht die Kapazität, viele Rückkehrer aufzunehmen. Nach meinem Eindruck handhaben die Regierungen die Frage aber sehr technisch: Kosovo ist jetzt selbstständig, also können wir Rückführungsabkommen schließen. (…) Das (Anm.: das Vorgehen in Niedersachsen und Hessen, wo bereits erste Abschiebungen von Roma durchgeführt wurden) ist eine humanitäre Katastrophe. Ich war in den beiden bekannten Lagern bei Mitrovica, Cesmin Luk und Osterode. Sie liegen auf den Abraumhalden des Bergwerks von Trepca, kein Stück Land im früheren Jugoslawien ist so verseucht. Besonders Kinder haben alarmierende Blutwerte. Die Nato hat ihre Soldaten deshalb von dort abgezogen. Aber die Roma-Kinder leben dort seit zehn Jahren. (…)