Ushten Romalen, der baden-württembergische Landesverband für Roma- und Nicht-Roma-Jugendliche, wurde im Juni dieses Jahres in Freiburg gegründet
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. Gleichzeitig zum Jugendverband wurde auch ein Roma-Büro ins Leben gerufen. Arsim Butuci, Mitgründer von Ushten Romalen und Roma-Büro, erzählt im Interview mit Radio Dreyeckland, wie es zu der Gründung kam.
Bernd Neumann: „Aber ich möchte trotzdem, dass das in absehbarer Zeit endgültig auch eingeweiht wird“
Der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) kam im Deutschlandfunk-Interview mit Jürgen König u.a. auf die sich Jahren verzögernde Errichtung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma zu sprechen. Wir geben im Folgenden die dieses Thema betreffenden Passagen wieder; das vollständige Interview lesen Sie bitte hier.
Neumann: Es gibt in der Tat Verzögerungen durch Diskussionen mit Dani Karavan, mit dem Künstler und Berlin, Berlin hat die Bauausführung. Dieses Verhältnis hat sich sehr verschlechtert. Ich will hier auch keine Schuldzuweisung öffentlich vornehmen. Und im Augenblick sind wir dabei, mithilfe des Bauministeriums und der verantwortlichen Leute uns zusätzlich darum zu kümmern und überlegen, ob wir, um die ganze Sache zu entkrampfen, gegebenenfalls – allerdings in Absprache mit Berlin – auch diese bauliche Verantwortung übernehmen.
(…) Das ist schon lange beschlossen. (…) 1994 das erste Mal. Und als ich ins Amt kam – aber da ging es nicht um die Ausführung, da ging es um die Texte. Da ging es um die Bereitschaft aller Gruppierungen von Sinti und Roma und derjenigen, die sich Zigeuner nennen, die Bereitschaft zu haben, da mitzumachen. Da gibt es ja unterschiedliche Gruppen. Und daran sind auch meine Vorgänger alle gescheitert. Und ich habe mir zum Ziel gesetzt, das hinzukriegen. Was diesen Teil betrifft, ist das auch gelungen, es war ein schwieriger Prozess in der letzten Legislaturperiode. Wir haben ja auch die Grundsteinlegung schon vorgenommen, und Voraussetzung für diese war, dass wir uns inhaltlich über den Text einig waren, dass alle Gruppierungen, Sinti und Roma und die Sinti-Allianz und die verschiedenen anderen Gruppen Ja sagen dazu, das haben wir; und ich dachte dann, selbst der nächste Schritt wäre relativ unkompliziert.
Der in Prag lebende Journalist und Menschenrechts-Aktivist Markus Pape vom „Europäischen Zentrum für Romarechte“ (ERRC) war so freundlich, für den deutschen „Antiziganismus-Watchblog“ einige Fragen zur Situation der Roma in Tschechien zu beantworten. Wir bringen im Folgenden das Interview:
Interview zu der Situation der Roma-Minderheit in Tschechien
Antizig-Watchblog: Wie groß ist überhaupt die Roma-Minderheit in Tschechien?
Pape: Es gibt nur Schätzungen, die sich zwischen 150.000 und 250.000 Roma bewegen. Bei Volkszählungen bekennen sich nur wenige tausend Bürger zur „Volksgruppe der Roma“, weil sie entweder Nachteile dadurch befürchten oder aber sich in erster Linie als Tschechen oder Slowaken fühlen.
Antizig-Watchblog: Wie ist ihre gesetzliche Stellung und wie ihre soziale?
Pape: Gesetzlich sind die Roma als ethnische Minderheit anerkannt, etwa zwei Drittel der Roma leben nach Schätzungen in Armut. In den Medien werden Roma zumeist nur in Verbindung mit Kriminalität, Armut oder Konflikten erwähnt. Darum weiß niemand, dass Zehntausende von Roma hier einer ordentlichen Arbeit nachgehen.
Antizig-Watchblog: Wie war die Stellung der Roma in der ČSSR?
Pape: Dadurch es ein Arbeitspflicht gab, mussten sie beschäftigt werden, zumeist mit schwerer körperlicher Arbeit und mit Arbeiten, die ethnische Tschechen nicht verrichten wollten. Schwere körperliche Arbeit wurde überdurchschnittlich bezahlt und dadurch hatten viele Romafamilien einen relativ guten Lebensstandard. Nach der Wende wurden die meisten Roma entlassen und durch Billigarbeiter aus der Ukraine oder anderen Ländern ersetzt.
Antizig-Watchblog: Gibt es eine Roma-Bürgerrechtsbewegung bzw. – Selbstvertretung? Wie ist sie entstanden und was tut sie?
Pape: Es gibt Fragmente einer Bürgerrechtsbewegung, aber keine politische Selbstvertretung. Am Regierungsamt trifft sich regelmäßig ein Rat für Angelegenheiten der Romakommunität. Seine Mitglieder – zur Hälfte Vertreter von Ministerien, ansonsten Vertreter von NGOs, zum Teil auch Roma – werden von der Regierung ernannt und nicht von Roma selbst gewählt. Zurzeit funktioniert dieser Rat kaum.
Anfang Juni 2011 wurden mehrere Roma-Familien nach der plötzlichen Zwangsräumung ihrer Behelfssiedlung unter der Pančevo-Brücke in Belgrad mit Bussen in den 55 km entfernten Ort Dren bei Obrenovac verbracht, wo ihnen leere Metallcontainer zugewiesen wurden. Die serbische NGO Minority Centre / Regionalni centar za manjine (hier auf Facebook) hat kurz darauf mit den Betroffenen gesprochen und diesen Videobericht veröffentlicht (wir danken Zivica Nikolic und Romano Centro für den Hinweis).
Die ungarische Romni Lívia Járóka ist derzeit die einzige Vertreterin ihrer Volksgruppe unter den insgesamt 736 EU-Parlamentariern. „Tatsächlich sind die Roma“, sagt die Europapolitikerin mit Blick auf die geschätzten 10 bis 12 Millionen Roma in der EU, „50-mal schwächer vertreten als Luxemburg, das mit weniger als einer halben Million Einwohnern sechs Abgeordnete stellt.“
Mit der vom ungarischen Ratsvorsitz forcierten Roma-Strategie seien nun die Staaten, aber auch die Roma selbst am Zug, sagt die EU-Abgeordnete im Standard-Interview. Sie plädiert für eine „gesamteuropäische Krisenkarte“, um die „unterentwickelten Kleinregionen, die vorwiegend von Roma bewohnt werden“, exakter identifizieren und das „Schlüsselkonzept“ der „territorialen Zielgerichtetheit“ besser umsetzen zu können.
Lívia Járóka (36) ist Sozialanthropologin und seit 2004 Mitglied des Europa-Parlaments, wo sie derzeit als Berichterstatterin über die EU-Strategie zur Integration der Roma fungiert. Ihr Bericht, in dem die Regierungen eine einheitliche europäische Strategie für die Roma-Integration fordern, wurde vor kurzem vom Europäischen Parlament mit 86-prozentiger Zustimmung angenommen. Zuletzt war die Roma-Politikerin der rechtsnationalen ungarischen Regierungspartei Fidesz wegen ihrer Zurückhaltung im Fall der unter den Augen der Polizei wochenlang bedrohten Roma von Gyöngyöspata (mehr etwa hier oder hier) kritisiert worden. Ein Hilferuf der Roma aus der Ortschaft sei versehentlich in ihrem Spam-Ordnerverloren gegangen.
Interview mit der ungarischen Roma-Diplomatin Erika Horváth
Erika Horváth ist ungarische Diplomatin. Für die Zeit der ungarischen Ratspräsidentschaft arbeitet sie in Berlin und organisierte unter anderem eine Veranstaltung zum Internationalen Tag der Roma und Sinti. Bildungsprogramme sind für die Integration von Roma zentral, sagt Erika Horváth im EurActiv.de-Interview. Die ungarische „Roma-Diplomatin“ schildert ihren Weg ins Außenministerium und erklärt, was sich von den USA lernen lässt. Das von Sabrina Schadwinkel, Ewald König und Alexander Wragge geführte Interview wurde uns dankenswerterweise von „EurActiv.de“ zur Veröffentlichung überlassen.
EurActiv.de: József Czukor, Ungarns Botschafter in Berlin, nennt Sie die erste Roma-Diplomatin Ungarns. Sind Sie damit einverstanden?
HORVÁTH: Das stimmt nicht so ganz. Es gibt mehrere Roma im ungarischen Staatsdienst, auch im Außenministerium.
EurActiv.de: Aber sind Sie persönlich mit dieser Formulierung glücklich?
HORVÁTH: Ja, ich bin stolz darauf, dass ich Romni bin. Und wenn der Botschafter mich so nennt, bin ich natürlich stolz. Aber ich möchte nicht nur betonen, dass ich Romni bin, sondern auch, dass ich eine Frau bin, die arbeiten und die gleichen Chancen haben will. Ich bin stolz auf meine Herkunft und darauf, dass ich so viel erreichen konnte. Meine Familie gehört zur Mittelschicht – sie ist weder reich noch arm. Viele Roma leben in Ungarn allerdings unter sehr schlechten Bedingungen. Read the rest of this entry »
Als Ergänzung zu ihrer Aussendung hat die BettelLobbyWien einige Kurzinterviews mit bettelnden Menschen aus Rumänien, der Slowakei und Bulgarien veröffentlicht – mit Betroffenen, die in der öffentlichen Debatte über angebliche Bettlerbanden und kriminelle Strukturen so gut wie nie zu Wort kommen:
Interview 1
Der 73-jährige Nikolai L. sitzt auf dem Gehsteig. Sein linkes Bein ist amputiert, das Gesicht von Falten zerfurcht. In seinem Mund sieht man kaum Zähne. Nikolai L. ist ein Rom aus Pitesti. Die ehemals florierende Industriemetropole in Südrumänien ist Sitz der Dacia-Werke, die 1999 gänzlich an Renault verkauft wurden und Anfang 2009 von drastischen Personalkürzungen und Streiks betroffen waren. Dieses Interview wurde im Sommer 2010 geführt:
„Die Art, wie man diese Deportationen
vornimmt, ist perfide!“
Interview mit Tilman Zülch, GfbV
Tilman Zülch ist Gründer und seit etwa vierzig Jahren Vorsitzender der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV, Göttingen). Im Kontext der Anti-Roma-Politik der französischen Regierung spricht er im Interview mit Philipp Hertzog für eine Sendung von „Radio Darmstadt“ über die Situation der Sinti und Roma allgemein sowie insbesondere in Deutschland und Frankreich. (Freie-Radios.net; Wiedergabe gem. CC-Lizenz)
„O koja, sar aja deportacija kerdi ol, bibastali hi!“ – Vakeripe le Tilman Zülchiha, GfbV
O Tilman Zülch o keraschi taj sajt valami schtarvardesch berscha o angle beschto la „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV, Göttingen) hi. Ando kontekst la Anti-Roma-politikatar la francitika regirungatar vakerel ov ando vakeripe le Philipp Hertzogiha jeka sendungake le „Radijostar Darmstadt“ pedar i situacija le Sintijendar taj Romendar ando cilo ham te pedar odola, save andi Germanija taj Francija dschin.
Flüchtlingsrat Niedersachsen, 14.07.2010:Eva Weber von der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration e.V. war im Juni 2010 im Kosovo und hat dort abgeschobene Roma-Flüchtlinge getroffen. Wir dokumentieren hier vorab ein Interview mit zwei jungen Männern, die nach ihrer Abschiebung aus Deutschland nun bei Djakovica (Gjakova) leben. Leonard (22) und Astrit (27) müssen sich dort heute von den paar Cent ernähren, die sie beim Müllsammeln durch den Metall-Verkauf verdienen, oder von Gelegenheitsarbeiten einmal pro Woche auf dem Basar oder auf dem Friedhof. Sie fühlen sich bis heute als Deutsche, das ist ihre Heimatsprache, die sie auch miteinander sprechen, so schnell und slangmäßig wie deutsche Kids (in der Nähe von Albanern müssen sie damit vorsichtig sein), und träumen nur davon, wieder in ihre Heimat zurückzukehren …
Pester Lloyd: „Vaterlandslose Gesellen“ − Interview mit dem Antiziganismus-Forscher Markus End
Vorurteile und Hass gegen Roma bleiben besonders auch in Ungarn an der Tagesordnung. In einer Umfrage durch die EU aus dem Jahr 2008 halten 90% der ungarischen Roma ihre Diskriminierung in Ungarn für weit verbreitet und im europäischen Vergleich für am ausgeprägtesten. Die Roma-feindlichen Einstellungen sind jedoch kein ungarisches, sondern ein europäisches Problem, denn sie gehören zur gesamteuropäischen Geschichte und Gegenwart. Doch in Ungarn sind Stereotype und Chauvinismus besonders deutlich, sozusagen lehrbuchhaft, erkennbar. Einen einfachen Ausweg daraus gibt es nicht.
Um dieses so weitläufige Phänomen angemessen zu beschreiben, spricht die soziologische Forschung von „Antiziganismus“. Markus End, der sich derzeit als Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin) mit dem Thema beschäftigt und den Sammelband „Antiziganistische Zustände“ (dROMa-Blog) mitherausgegeben hat, erläutert im Gespräch mit Frederic Heine vom Pester Lloyd aktuelle Gründe und historische Hintergründe des Hasses auf Roma und wie sich die Mehrheitsgesellschaft „ihre Zigeuner“ selbst gebastelt hat. Er sieht die Wurzeln des Antiziganismus in den Grundstrukturen der europäischen Tradition selbst begründet: Nationalismus und Arbeitsethos. Weshalb sich das Problem hartnäckiger hält, als einem lieb sein kann …
Zum Internationalen Tag der Migranten am letzten Freitag brachte das Domradio Köln ein Interview mit Kai Diekelmann, dem Leiter der Flüchtlings- und Auslandshilfe des Caritasverbands der Erzdiözese Köln. Berlin dürfe die 14.000 Kosovo-Flüchtlinge in Deutschland nicht wieder zurückschicken, so Kai Diekelmann im domradio-Interview. Was das Rückführungsabkommen zwischen dem Kosovo und der Bundesrepublik völlig außer Acht lässe, sei „dass von den 14.000 Flüchtlingen, die jetzt zurück sollen cirka 10.000 zur unterdrückten Minderheit der Roma gehören. Und denen ging es im Kosovo schon immer ziemlich schlecht.“
(…) Jetzt ins Kosovo zurück sollen die Menschen, die in den 1990er Jahren vor dem Bürgerkrieg zwischen Serben und Albanern im Kosovo geflohen sind. Bundesweit sind das 14.000 Menschen, die hier kein Asyl bekommen haben (…). In dem Moment, in dem sich die Lage im Herkunftsland wieder verbessert hat und eine Rückkehr zumutbar ist, müssen sie zurück. Man wird allerdings kritisch fragen müssen, ob tatsächlich von Zumutbarkeit gesprochen werden kann, weil die Menschen teilweise seit 12 Jahren hier sind und längst hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Die Caritas sagt Nein, nach spätestens fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland dürfte der Staat die Menschen nicht mehr zur Ausreise zwingen. Allen Experten ist klar, dass sich die kosovarische Regierung um diese Menschen nicht kümmern wird.
Radio Corax, 10.10.2009 (7:12 min) Anhören bzw. Download (10130 kB)
Radio Corax, 11.10.2009 (1:45 min) Anhören bzw. Download (2469 kB)
Mit einer Kundgebung auf dem Budapester Heldenplatz hat der tagelange Protestmarsch ungarischer Roma (hier unsere Meldung) gestern Sonntag seinen Höhepunkt erreicht. Die Veranstalter wollten Staatspräsident László Sólyom eine Petition gegen die Ausgrenzung der Roma überreichen, um ihn aufzufordern, seine „Stimme gegen die Diskriminierung der Roma zu erheben“ und die „führende Rolle im Kampf für die Integration der Roma“ zu übernehmen.
Für das Freie Radio Corax aus Halle hat Gina Böni, Journalistin und Mitarbeiterin von Manush, einer Organisation für die Stärkung und Bildung von Roma in Ungarn, live von der Kundgebung berichtet. Im Gegensatz zur amtlichen Agentur MTI, der zufolge die am Marsch teilnehmenden Aktivisten auf dem Heldenplatz von rund 500 Menschen mit Applaus empfangen worden seien, schätzt Böni in ihrem Live-Bericht die Zahl auf 3.000 bis 4.000.
Böni erzählt im Radiointerview, dass die Roma in den Ortschaften, in denen die Roma-Aktivisten Station machten, aus Angst, „zur Schusszielscheibe“ zu werden, davor zurückgeschreckt seien, sich dem Protestzug anzuschließen. Read the rest of this entry »
Einige deutsche Bundesländer gehen nun dazu über, aus dem Kosovo geflüchtete Roma in ihr Herkunftsland abzuschieben (dROMa-Blog). Ein schwerer Fehler, sagt Thomas Hammarberg, seit 2006 Menschenrechtskommissar des Europarats (Website), der in den letzten Monaten wiederholt vor der Zwangsrückführung von Kosovo-Roma gewarnt hat. Er sei, erläutert er im Interview mit Norbert Mappes-Niediek (Frankfurter Rundschau), bei seiner Kosovo-Mission im März (dROMa-Blog) zur Überzeugung gelangt, dass die Zeit „für eine Rückkehr, die diesen Namen verdient und nicht bloß Abschiebung ist“, noch keineswegs reif sei:
Ich appelliere an die Regierungen, es nicht zu tun, besonders dann nicht, wenn es um Minderheiten geht. Kosovo hat noch nicht die Kapazität, viele Rückkehrer aufzunehmen. Nach meinem Eindruck handhaben die Regierungen die Frage aber sehr technisch: Kosovo ist jetzt selbstständig, also können wir Rückführungsabkommen schließen. (…) Das (Anm.: das Vorgehen in Niedersachsen und Hessen, wo bereits erste Abschiebungen von Roma durchgeführt wurden) ist eine humanitäre Katastrophe. Ich war in den beiden bekannten Lagern bei Mitrovica, Cesmin Luk und Osterode. Sie liegen auf den Abraumhalden des Bergwerks von Trepca, kein Stück Land im früheren Jugoslawien ist so verseucht. Besonders Kinder haben alarmierende Blutwerte. Die Nato hat ihre Soldaten deshalb von dort abgezogen. Aber die Roma-Kinder leben dort seit zehn Jahren. (…)
Die Theater- und Filmemacherin Tina Leisch und Roma-Schauspielerin Sandra Selimović gehen an Orte, die viele nicht mit Theater in Verbindung bringen würden. Doch gerade da fängt für die Aktivistinnen politisch engagiertes Theater erst an.
In einem Interview mit dem Wiener Stadtmagazin wieninternational.at sprachen sie mit der Redakteurin Sandra Schäfer über die Probleme einer einseitigen Geschichtsschreibung, vorhandene Klischees und warum die Volksgruppe der Roma im Theater mit Puppen spielt.
Ihr zweisprachiges Roma-Theaterstück „Schneid dir den Ärmel ab und lauf davon – Čin či baj taj naš“ hat am 14. Mai im Wiener Hermann-Fischer-Hof Premiere: Auf der Suche nach der Geschichte der Roma in Österreich zieht eine Wandertheatertruppe durch die Jahrhunderte. Auf der Bühne präsentieren sie die märchenhaftesten Versionen ihrer Erlebnisse, doch nach dem Applaus im Wirtshaussaal schlägt die Wirklichkeit zu. Unter Leitung von Nestroypreisträgerin Tina Leisch haben die DarstellerInnen, – unter ihnen Stars des Romatheaters wie Sandra Selimović und Radiša Barbul – eine bösartige und groteske Revue erarbeitet. Die Musik stammt von der charismatischen Balkan-Jazz-Sängerin Matilda Leko.
Im Folgenden bringen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Auszüge aus dem ursprünglich zweiteiligen Interview. Read the rest of this entry »