Radio Corax: Roma-Kundgebung in Ungarn

Oktober 12th, 2009  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Roma-Protestzug, Budapest 11.10.2009Radio Corax, 10.10.2009 (7:12 min)
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Radio Corax, 11.10.2009 (1:45 min)
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Mit einer Kundgebung auf dem Budapester Heldenplatz hat der tagelange Protestmarsch ungarischer Roma (hier unsere Meldung) gestern Sonntag seinen Höhepunkt erreicht. Die Veranstalter wollten Staatspräsident László Sólyom eine Petition gegen die Ausgrenzung der Roma überreichen, um ihn aufzufordern, seine „Stimme gegen die Diskriminierung der Roma zu erheben“ und die „führende Rolle im Kampf für die Integration der Roma“ zu übernehmen.

Für das Freie Radio Corax aus Halle hat Gina Böni, Journalistin und Mitarbeiterin von Manush, einer Organisation für die Stärkung und Bildung von Roma in Ungarn, live von der Kundgebung berichtet. Im Gegensatz zur amtlichen Agentur MTI, der zufolge die am Marsch teilnehmenden Aktivisten auf dem Heldenplatz von rund 500 Menschen mit Applaus empfangen worden seien, schätzt Böni in ihrem Live-Bericht die Zahl auf 3.000 bis 4.000.

Böni erzählt im Radiointerview, dass die Roma in den Ortschaften, in denen die Roma-Aktivisten Station machten, aus Angst, „zur Schusszielscheibe“ zu werden, davor zurückgeschreckt seien, sich dem Protestzug anzuschließen. „An manchen Orten wurden sie unfreundlich bis gleichgültig empfangen, und je näher sie Richtung Budapest kamen, (…) umso freundlicher war der Empfang in den Ortschaften. (…) Überall in den Ortschaften kamen ihre Leute, Roma-Leute, dazu, sprachen mit ihnen, aber sie schlossen sich ihnen letzlich nicht an.“ Einen Teil des Weges legte die Roma-Gruppe aus Angst vor Übergriffen unter dem Schutz privater Sicherheitsleute zurück. Wiederholt seien sie verbalen Angriffen ausgesetzt gewesen, die verbotene, aber noch immer aktive Ungarische Garde hingegen sei nicht wie befürchtet in Erscheinung getreten. Aus Angst vor Übergriffen durch Rechtsextremisten sperrte die Polizei den Bereich um den Heldenplatz weiträumig ab.

„Wir sind marschiert, weil es ein Problem gibt. Wir werden unterdrückt, ausgeschlossen und stigmatisiert. Gleiche Rechte und Freiheit sollte Menschen garantiert sein, ohne dass sie dafür auf der Straße demonstrieren müssen“, zitiert die Zeitung Pester Lloyd die Ansprache des Initiators László Kállai.

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