Staat kapituliert vor Neonazis

April 22nd, 2011  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte  |  3 Comments

Wehrsportübung von Véderő, 2009Am Rande eines Bürgerkrieges: Roma in Ungarn werden „evakuiert“


Pester Lloyd, 22.4.2011:
Weil die Staatsmacht in Ungarn nicht in der Lage oder Willens ist, die Einwohner vor Übergriffen
rechtsextremistischer Paramilitärs zu schützen, hat das Rote Kreuz Frauen und Kinder aus der Gefahrenzone evakuiert. Die Regierung spricht von „Osterurlaub“. Der Staat bleibt so untätig wie zuvor, versucht lediglich die „Kontrahenten“ zu trennen. Inzwischen organisieren sich auch die Roma.

Damit es in der seit Wochen von Neofaschisten besetzten 2800-Einwohner-Gemeinde Gyöngyöspata, ca. 80 Kilometer von Budapest, über Ostern nicht zu Zusammenstößen zwischen der seit Anfang März dort marschierenden „Bürgerwehr“ und den ca. 400 Roma des Ortes kommt, hat man 276 Einwohner der Stadt, Frauen, Alte, Kinder, mit Hilfe des Roten Kreuzes in das Ferienlager Csillerberc in Budapest verfrachtet. Am Osterwochenende will eine rechtsextremistische Gruppe „Vederö“ („Verteidigungsmacht“) ein Trainingslager für „Selbstverteidigung“ just in diesem Ort abhalten, in dem wochenlang gezielt gegen die größte ethnische Minderheit gehetzt wird. Eine Begründung, warum angesichts einer Bedrohungslage, die zur „Umsiedlung“ von Bewohnern führt, nicht das Trainingslager verboten wurde, gab es bisher aus dem Innenministerium nicht. (…)

Die Einwohner gingen „auf eigenen Wunsch“ heißt hingegen die offizielle Darstellung, bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag ging man sogar noch weiter. Die ungarische Regierung und das Rote Kreuz haben dort gemeinsam eine „Evakuierung“” dementiert. Es handelt sich nämlich „um einen Osterurlaub“, nicht um eine „aus plötzlicher Notwendigkeit vollzogene Aussiedlung“, sagte der Sprecher von Premier Orbán, Péter Szíjjártó. Auch der Direktor des ungarischen Roten Kreuzes erklärte, „das Ferienlager“ sei bereits zuvor geplant gewesen. Dem widersprechen jedoch die Betroffenen gegenüber der offiziösen Nachrichtenagentur MTI vehement. Sie hätten erst am Abend zuvor erfahren, dass sie am nächsten Tag abreisen sollen. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur in einigen Auszügen wiedergegebenen Artikel des Pester Lloyd in voller Länge hier.

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Blogothek: Gyöngyöspata & Pusztaranger says:

    April 23rd, 2011 at 09:22 (#)

    [...] Trainingslager in der Gemeinde. Das Rote Kreuz brachte daraufhin einen Großteil der Roma des Ortes in Sicherheit. Laut offizieller Darstellung habe es sich jedoch nicht um eine Evakuierung gehandelt, sondern um [...]

  2. Von Ungarn und Österreich « Wut im Bauch… says:

    April 28th, 2011 at 18:07 (#)

    [...] Bei Nachrichten über Ungarn wird meist von der neuen Verfassung und der Medienzensur geschrieben. Weniger oft wird über die Behandlung der Roma in diesem Land berichtet. Am Rande eines Bürgerkrieges: Roma in Ungarn werden ,,evakuiert“. Weil die Staatsmacht in Ungarn nicht in der Lage oder Willens ist, die Einwohner vor Übergriffen rechtsextremistischer Paramilitärs zu schützen, hat das Rote Kreuz Frauen und Kinder aus der Gefahrenzone evakuiert. Die Regierung spricht von ,,Osterurlaub“. Der Staat bleibt so untätig wie zuvor, versucht lediglich die ,,Kontrahenten“ zu trennen. Inzwischen organisieren sich auch die Roma. [Quelle: d|rom|a: Staat kapituliert vor Neonazis] [...]

  3. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | „Wir müssen die Apathie überwinden“ says:

    Juni 18th, 2011 at 16:27 (#)

    [...] der unter den Augen der Polizei wochenlang bedrohten Roma von Gyöngyöspata (mehr etwa hier oder hier) kritisiert worden. Ein Hilferuf der Roma aus der Ortschaft sei versehentlich in ihrem Spam-Ordner [...]