März 21st, 2023 |
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Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 20.3.2023 | 6:41 min
Ceija Stojka: 90to bersch kada upro them ali taj 10to mulipeskero di
Ojs tschaj i Ceija Stojka ande jek familija upre bartschini, savi ojs grastengeri biknaschkija duach i Austrija roasinlahi. Pal i deportacija lakere dadestar 1941 ande Dachau, o avre familijakere dschene, ledschim ule. I Ceija Stojka o logeri Auschwitz, Ravensbrück taj Bergen-Belsen prik dschivtscha, kaj oj putrim uli. Palo haburi i Stojka Betschiste tel pe mukla, kaj oj dschi use lakero mulipe dschivlahi.
O artschijipe (Weinwerk Neusiedl, dschi 16 to april 2023, hetv.–kurke 10:30–19:00 orenge) taj o genipe andar o kenvi, jek patijaripe le lek barikaneder verkistar la barikana kinstlerkijatar Ceija Stojka hi, savi pe dschi use lakero mulipe ando jeneri 2013, gejng o pobisteripe le genocidistar upro Roma taj Sinti taj gejng diskriminacija, and bescharlahi. Andar lakeri erschti kenva „Wir leben im Verborgenen“ – savi 1988 ari ali, genel i Martha Wedral. O mulatintschago la Roma VHS-atar Burgenland andi khetani buti le Weinwerkiha Neusiedl, la muschikaha le Hojda Stojkatar, tschau la Ceija Stojkatar, taj pajtaschtschendar, vodim ol. Ov sajt leskeri tschavengeri cajt, gitara cidel taj usar o 1990te berscha kesdintscha, o tradicijoneli dschila le Lovarajendar te cidel.
Als Kind wuchs Ceija Stojka in einer Familie auf, die als Pferdehändler durch Österreich reiste. Nach der Deportation ihres Vaters nach Dachau 1941 wurde auch der Rest der Familie deportiert. Ceija Stojka überlebte Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen, wo sie befreit wurde. Nach dem Krieg ließ sich Stojka in Wien nieder, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Die Ausstellung (Weinwerk in Neusiedl, bis 16.4.2023, Mo. bis So. 10:30–19:00 Uhr) und die Lesung aus ihren Büchern am vergangenen Freitag ist eine Würdigung des bedeutenden Werkes der beeindruckenden Künstlerin Ceija Stojka, die sich bis zu ihrem Tod im Jänner 2013 gegen das Vergessen des Genozids an den Roma und Sinti und gegen Diskriminierung engagierte. Read the rest of this entry »
März 16th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Rechtsterrorismus in Deutschland – Von der Nachkriegszeit bis heute
SWR2 Wissen. Von Rainer Volk, 18.2.2023
Drei Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 mit neun Opfern (Anm.: drei davon Roma) fragen viele, ob Staat und Gesellschaft Nazi-Terror lange verharmlost haben. Ein Blick in die Geschichte Deutschlands zeigt: ja.
Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/rechtsterrorismus-deutschland
(Beitrag und Text: SWR2)
März 5th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Religion
DW.com: Die rumänisch-orthodoxe Kirche sollte sich für die jahrhundertelange Sklaverei der Roma entschuldigen. Es wäre eine längst überfällige symbolische Geste, glauben Historiker, Soziologen und Vertreter der Roma-Community.
→Zum Beitrag auf DW.com
Zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert waren Roma in mehreren Gebieten des heutigen Rumänien der Sklaverei unterworfen – insbesondere, aber nicht nur durch kirchliche Einrichtungen wie Klöster. Vor wenigen Tagen stand nun die Forderung nach Aufarbeitung und einem Schuldeingeständnis seitens der orthodoxen Kirche auf der Tagesordnung einer großen Roma-Konferenz in Sibiu/Hermannstadt. Sogar von einer möglichen Klage vor einem internationalen Gerichtshof war die Rede. In einem Beitrag für die Deutsche Welle berichtet Sabina Fati von diesem Vorstoß und von ersten Reaktionen. Den Artikel finden Sie hier.
Siehe auch:
Kardinal fordert Schuldbekenntnis der Kirche, 17.2.2023
EKD: „Gemeinsam Antiziganismus bekämpfen“, 4.2.2023
Evangelische Kirche will Schuld aufarbeiten, 29.1.2023
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Februar 25th, 2023 |
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Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Wissenschaft
Auf die Frage nach den Verfolgten des Nationalsozialismus können nur 30,9% der in Deutschland befragten Jugendlichen (16-25 Jahre) Sinti und Roma als Opfergruppe anführen.
Das ergab die soeben veröffentlichte MEMO-Jugendstudie 2023. Ziel der Erhebung ist die empirische Dokumentation der in Deutschland vorherrschenden Erinnerungskultur. Es ist dies die umfangreichste Studie ihrer Art und erweitert die bisherigen fünf MEMO-Erhebungen (2018–2022) um die Fokusgruppe junge Erwachsene. Mehr hier: stiftung-evz.de [Download (pdf): →MEMO-Jugendstudie 2023]

Februar 21st, 2023 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Radmila Mladenova: The ‘White’ Mask and the ‘Gypsy’ Mask in Film (=Antiziganismusforschung interdisziplinär – Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus, Band 3), Heidelberg University Publishing, Heidelberg 2022. [CC BY-SA 4.0]
→Download (pdf)
Die Studie widmet sich einem in der Filmwissenschaft bislang vernachlässigten Thema: dem ‚Zigeuner‘-Phantasma auf der Kinoleinwand. Sie verbindet die Rekonstruktion der Geschichte der ‚Zigeuner‘-Darstellungen im Film seit den Anfängen des Mediums mit einer systematischen filmtheoretischen Verortung ihrer ästhetischen und gesellschaftlichen Funktion. Auf der Grundlage von über 150 Werken aus dem europäischen und US-amerikanischen Kino wird aufgezeigt, dass den ,Zigeuner‘-Spielfilmproduktionen unabhängig von Ort und Zeit ihrer Entstehung das Grundgerüst einer ,ethno-rassischen‘ Maskerade gemeinsam ist. Read the rest of this entry »
Februar 17th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Religion
Deutschland: Romani Rose und Kardinal Reinhard Marx trafen sich in Heidelberg im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: Die historische Verantwortung der katholischen Kirche in Bezug auf Sinti und Roma soll aufgearbeitet werden. Bereits im Jänner hatte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Erklärung veröffentlicht (mehr hier und hier).
Kardinal Marx besuchte auf Einladung von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, am 7. Februar 2023 das Dokumentations-und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Nach einem Gang durch die ständige Ausstellung des Zentrums über den Holocaust an 500.000 ermordeten Sinti und Roma im NS-besetzten Europa waren sich Kardinal Marx und Romani Rose über die Dringlichkeit der Aufarbeitung der Rolle der Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus einig.
Anlass des Besuchs von Kardinal Marx war die Frage einer Würdigung der Intervention von Oskar Wilhelm Rose am 5. April 1943, der unter Lebensgefahr und falschem Namen bei Kardinal Faulhaber in dessen Münchner Residenz vorsprechen und die katholische Kirche um Hilfe bitten wollte.
Am 16. Dezember 1942 hatte der Reichsführer SS Heinrich Himmler mit dem Auschwitz-Erlass angeordnet, alle noch im Deutschen Reich lebenden Sinti und Roma in das Konzentrations-und Vernichtungslager Auschwitz zu deportieren. Kardinal Faulhaber war nicht bereit, Oskar Rose zu empfangen, hielt jedoch dessen Besuch im Erzbischöflichen Palais in seinem jetzt zugänglichen Tagebuch fest: „Bei Sekretär ein Zigeuner, namens Adler, katholisch – Die 14.000 Zigeuner im Reichsgebiet sollen in ein Lager gesammelt und sterilisiert werden, die Kirche soll einschreiten. Will durchaus zu mir. – Nein, kann keine Hilfe in Aussicht stellen.“
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Februar 15th, 2023 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Musik
1896 publizierte Miklós Markó in Budapest ein „Album der Zigeunermusiker“ („Cigányzenészek albuma“), ein Nachschlagewerk mit über 100 Musikerbiografien.
(Quelle)
Februar 11th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken
Wie ORF.at berichtet, wurde das Holocaust-Mahnmal in Salzburg-Leopoldskron von Unbekannten geschändet. Die Skulptur wurde vom steinernen Sockel gestoßen und stark beschädigt. Die polizeilichen Ermittlungen laufen. Es ist dies nicht die erste Schändung des Mahnmals: Bereits im Februar 2020 war die Skulptur Ziel eines Angriffs.
Das Denkmal erinnert an die im Stadtteil Leopoldskron-Moos im „Zigeunerlager Maxglan“ vom NS-Regime internierten Roma und Sinti. Das Sammellager diente als Ausgangspunkt für die Deportationen in die Vernichtungslager.
Das Denkmal wurde 2009 von der „Radiofabrik – das Freie Radio in Salzburg“ im Rahmen eines EU-Projekts zur Aufarbeitung des NS-Anhaltelagers für Roma und Sinti auf einem Grundstück der Stadt Salzburg in der Nähe der Kendlersiedlung errichtet. Das Mahnmal wurde als „Hörmahnmal“ konzipiert, die Metallskulptur wurde vom Salzburger Künstler Zoltan Pap gestaltet. In Kooperation mit erinnern.at haben auch mehrere Schulen und der Verein Ketani an der Erinnerungsarbeit mitgewirkt.
(Text: dROMa)
Februar 11th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
ORF Burgenland: Neue Serie über verschwundene Roma-Siedlungen im TV-Volksgruppenmagazin „Romano Dikipe“ – „Auf den Spuren verschwundener Roma-Siedlungen“ ab 12. Februar 2023 in ORF 2/B
Der ORF Burgenland startet am Sonntag, dem 12. Februar 2023, eine neue Serie im Rahmen der TV-Volksgruppensendung „Romano Dikipe“. „Auf den Spuren verschwundener Roma-Siedlungen“ lautet der Titel der Reihe, in der der Frage nachgegangen wird, wie die Situation der Roma heute im Burgenland aussieht. In jeder Sendung wird eine andere Ortschaft besucht, um mit burgenländischen Roma und Romnja über ihr Leben, aber auch über die Vergangenheit zu sprechen. Die Reportagen sind in Burgenlandromani, der Sprache der Roma im Burgenland, gestaltet und durchgehend mit deutschen Untertiteln versehen. Grundlage der neuen Serie ist die umfassende historische Arbeit der beiden burgenländischen Historiker Herbert Brettl und Gerhard Baumgartner. Letzterer ist auch Studiogast in „Burgenland heute“ am Samstag, dem 11. Februar 2023, 19.00 Uhr ORF 2/B.
ORF-Landesdirektor Werner Herics: „Vor 1938 gab es im Burgenland etwa 120 Roma-Siedlungen mit insgesamt 8.000 bis 9.000 EinwohnerInnen. Der Großteil von ihnen wurde während des Nationalsozialismus deportiert und ermordet. Mit den Menschen verschwanden auch die Roma-Siedlungen. Mit der Spurensuche nach diesen verschwundenen Roma-Siedlungen im Burgenland leistet die Roma-Redaktion des ORF Burgenland einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit.“
Dorottya Kelemen, Leiterin der Volksgruppenredaktion: „Eine große Roma-Siedlung gab es in Stegersbach im südlichen Burgenland. In der ersten Folge der neuen Serie nimmt ORF-Redakteur Adi Gussak die Zuschauerinnen und Zuschauer auf einen Rundgang durch Schtega mit, wie Stegersbach auf Burgenlandromani heißt.“
Die Sendung „Romano Dikipe“ wird sechsmal im Jahr jeweils am zweiten Sonntag in den Monaten Februar, April, Juni, August, Oktober und Dezember um 13.05 in ORF 2/B ausgestrahlt. Read the rest of this entry »
Februar 9th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Andreas Pavlic und Eva Schörkhuber (Hg.): Vagabondage. Historische und zeitgenössische Facetten des Vagabundierens in Wien, Sonderzahl: Wien 2022.
[Inhaltsverzeichnis (PDF)]
Va · ga · bon · da · ge: Der – laut Duden – spezifisch österreichische Ausdruck benennt die Lebensform einer Gruppe sozial bestimmter Figuren, oder kurz: Landstreicherei, Herumtreiberei. Im vorliegenden Band fokussiert der Begriff vor allem die künstlerischen und politischen Aspekte jener Bewegungen, die sich in den 1920er Jahren mit großem Selbstbewusstsein formierten und sogar »Vagabundenkongresse« abhielten. Ein solcher war, nach einer ersten Veranstaltung in Stuttgart 1929, für das Jahr 1930 auch in Wien geplant, wurde allerdings nicht realisiert. Wien, als eines der Gravitationszentren der Landstreichenden, bildet den Ausgangspunkt und den Schauplatz einer eingehenden Untersuchung von Vagabund*innenbewegungen. Dabei werden historische und kulturwissenschaftliche Perspektiven mit zeitgenössischen Analysen, Stellungnahmen und Berichten verschränkt: Auf diese Weise werden Brüche und Kontinuitäten hinsichtlich sozialer Mechanismen, künstlerischer Ausdrucksformen und politischer Organisationsformen ausgelotet und zur Sprache gebracht. Der Band stellt dabei sowohl einen Grundlagenbeitrag als auch eine zur weiteren Forschung anregende Anthologie dar.
Wie facettenreich und vielschichtig jene Bevölkerungsgruppen sind, die als Vagabund*innen, als ›Nicht-Sesshafte‹ und/oder Wandernde tituliert werden bzw. sich selbst als solche bezeichnen, zeigt sich in den historischen und kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen ebenso wie in dem Kaleidoskop zeitgenössischer Initiativen, Bewegungen, Forschungs- und Kunstprojekten, die sich mit Systemen sozialer Beziehungen befassen, die außerhalb einer etablierten gesellschaftlichen Ordnung angesiedelt werden.
Mit Beiträgen von: Averklub Collective, Lisa Bolyos, Ljubomir Bratić, Natalie Deewan, Enesi M., Georg Fingerlos, Peter Haumer, Anna Leder, Alexander Machatschke, Elena Messner, Andreas Pavlic, Maren Rahmann, Georg Rosenitsch, Eva Schörkhuber und Christa Stippinger.
(Text: Verlagsinfo Sonderzahl)
Februar 6th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 6.2.2023 | 7:59 min
Wir gedenken | Amen gondolinas: 28. Jahrestag des Roma-Attentats
Vasch o 28to berscheskero di le bombakere atentatistar ando 4to feberi 1995, kaj schtar flogoskere grupnengere dschene le Romendar murdarde ule, i Romengeri pastoral, kurke, ando 5to feberi 2023, 14.30 orenge, Erbate uso gondolipeskero than „Am Anger“, uso sako berschengero gondolipe akartscha. Ando 4to feberi 1995, jek le lek bibastaleder rasistischi faphageripestar andi dujti republika kerdo ulo: Schtar dschene le Romendar, o Peter Sarközi, o Josef Simon, o Karl taj o Erwin Horvath, Erbate duach jek bibastali bomba murdarde ule. I bomba sina jek tablina le upre pisinipeha „Roma zurück nach Indien“. Uso probalintschago oja tablina bejg te lel, i bomba eksplodirintscha. Ada atentato jek falato la rasistischi taj gejng o flogo motivirimi faphageripeskera serijatar le atenteteristar Franz Fuchs sina. Le cile dschenendar, save uso gondolipeskero mulatintschago ale, molim ulo, jek groboskeri momeli peha te lel. O momeltscha akor palo kisetinipe le gondolipeskere mulatintschagostar, khetan uso gondolipeskero than, tel terdscharde ule.
Anlässlich des 28. Jahrestages des Rohrbombenattentats am 4. Februar 1995, bei dem vier Volksgruppenangehörige der Roma ermordet wurden, ludt die Romapastoral am Sonntag, 5. Februar 2023 um 14.30 Uhr in Oberwart bei der Gedenkstätte „Am Anger“ zum jährlichen Gedenken. Am 4. Februar 1995 wurde eines der schlimmsten rassistischen Verbrechen in der Zweiten Republik begangen: Vier Angehörige der Roma, Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath, wurden in Oberwart durch eine Rohrbombe getötet. Die Bombe war als Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ getarnt. Bei dem Versuch dieses Schild zu entfernen, explodierte die Sprengfalle. Read the rest of this entry »
Februar 4th, 2023 |
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Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Zusammenarbeit mit Sinti und Roma:
Anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma wollen wir als Evangelische Kirche in Deutschland die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) annehmen, um auch auf diese Weise unserer Zusammengehörigkeit Ausdruck zu verleihen.
In der zentralen Passage der Definition heißt es: „Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerungen und Handlungen sowie institutionellen Politiken und Praktiken der Marginalisierung, Ausgrenzung, physischen Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sind, die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als ‚Zigeuner‘ wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeintlich Fremder behandelt werden und ihnen eine Reihe negativer Stereotypen und verzerrter Darstellungen zugeordnet wird, die eine bestimmte Form des Rassismus darstellen.“
Gemeinsam mit Angehörigen der Minderheit von Sinti und Roma wollen wir der Diskriminierung im Alltag von Kirche und Gesellschaft und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit insgesamt entgegenwirken. Dazu bedarf es der Auseinandersetzung mit der bis in die Gegenwart reichenden Schuldgeschichte der Kirchen und der unbedingten kritischen Überprüfung von theologischen und kirchlichen Denkmustern und Prägungen. Read the rest of this entry »
Februar 1st, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Nationalrat einstimmig für nationalen Gedenktag für Roma und Sinti. Parlamentsfraktionen setzen Initiative mit Vier-Parteien-Entschließungsantrag
Wien (PK) – Fraktionsübergreifend setzte gestern der Nationalrat mit einem in der Sitzung eingebrachten Antrag von ÖVP, SPÖ, Grünen und NEOS in der Abstimmung einhellig eine Initiative zur Einführung eines nationalen Gedenktags für Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze. Wie im ursprünglichen Entschließungsantrag der Koalitionsparteien (wir berichteten) wird vorgeschlagen, jeweils am 2. August der unter dem NS-Regime verfolgten und ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze zu gedenken. An diesem Tag werde bereits auf europäischer Ebene an die Holocaust-Opfer dieser ethnischen Minderheit gedacht. Einstimmig wurde auch eine weitere Entschließung gefasst, und zwar für eine Evaluierung des Vollzugs der Minderheitenschulgesetze.
Vier-Parteien-Initiative für nationalen Gedenktag
Die Einführung des Gedenktages am 2. August begrüßten alle Redner:innen einhellig. Nikolaus Berlakovich (ÖVP) sagte, der Völkermord an den Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze in der Vergangenheit sei nie richtig aufgearbeitet worden. Man habe in diesem Zusammenhang sogar von einem „vergessenen Holocaust“ gesprochen. Die Kernaufgabe der Gedenkkultur sei aber, genau diese Fälle zu dokumentieren und sich ihrer zu erinnern, damit so etwas nie wieder passiere. Zugleich gehe es darum, auf die nach wie vor bestehenden Diskriminierungen hinzuweisen, um die aktuelle Situation der Betroffenen zu verbessern, so Berlakovich. Read the rest of this entry »
Januar 29th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Deutschland: EKD-Rat veröffentlicht Erklärung zur Zusammenarbeit mit Sinti und Roma. Ratsvorsitzende Annette Kurschus: Wir müssen uns mit dieser Schuldgeschichte der Kirchen auseinandersetzen.
Anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Erklärung zur Bekämpfung von Antiziganismus und zur Zusammenarbeit mit Sinti und Roma veröffentlicht. „Gemeinsam mit Angehörigen der Minderheit von Sinti und Roma wollen wir der Diskriminierung im Alltag von Kirche und Gesellschaft und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit insgesamt entgegenwirken“, so die EKD-Ratsvorsitzende, Präses Annette Kurschus. In diesem Zusammenhang nimmt der Rat der EKD auch die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA) an.
Die Abwertung und Ausgrenzung von Angehörigen der Sinti und Roma habe eine Geschichte, die sehr lange zurückreicht, so Kurschus. „Die Evangelische Kirche hat an vielen Stellen in der Geschichte Schuld auf sich geladen. Sie war daran beteiligt, Menschen zu verraten und der Verfolgung und Vernichtung auszuliefern.“ Zudem seien auch in der Kirche antiziganistische Stereotypen unreflektiert weitergetragen und Menschen dadurch erneut und fortwährend in ihrer Würde verletzt worden: „Es ist wichtig, dass wir uns mit dieser bis in die Gegenwart reichenden Schuldgeschichte der Kirchen auseinandersetzen.“
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma betrachtet es als „historisch“, dass die Evangelische Kirche in Deutschland anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages diese Erklärung zur Ächtung von Antiziganismus abgibt: „Die Evangelische Kirche bekennt sich darin erstmalig in dieser offiziellen Form vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte zu ihrer Verantwortung auch für unsere Minderheit. Read the rest of this entry »
Januar 24th, 2023 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Politik
Verfassungsausschuss: Einstimmige Entschließung zur Einführung eines nationalen Gedenktags für Roma und Sinti (2. August). Abgeordnete auch für Evaluierung des Vollzugs der Minderheitenschulgesetze
Einstimmig hat sich der Verfassungsausschuss für einen Entschließungsantrag der Koalitionsparteien ausgesprochen, der darauf abzielt, einen nationalen Gedenktag für Roma und Sinti einzuführen. Konkret wird vorgeschlagen, jeweils am 2. August der unter dem NS-Regime verfolgten und ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze zu gedenken. An diesem Tag werde bereits auf europäischer Ebene an die Holocaust-Opfer dieser ethnischen Minderheit gedacht.
Auch einen weiteren Entschließungsantrag der Koalitionsparteien, nämlich eine Evaluierung des Vollzugs der Minderheitenschulgesetze und die Vorlage eines entsprechenden Berichts an den Nationalrat, befürworteten die Abgeordneten einstimmig. Ebenso einhellig zur Kenntnis genommen wurden die Berichte über die Volksgruppenförderung des Bundeskanzleramts für die Jahre 2018, 2019 und 2020. Ein Antrag der NEOS, die einen besseren Schutz der autochthonen Volksgruppen fordern, wurde mit den Stimmen von ÖVP und Grünen vertagt.
Entschließung zur Einführung eines nationalen Gedenktags für Roma und Sinti
In der Begründung des Entschließungsantrags zur Einführung eines nationalen Gedenktags für Roma und Sinti (2723/A(E)) weisen ÖVP und Grüne darauf hin, dass die Anerkennung und Verurteilung des Genozids für die Roma von großer symbolischer Bedeutung sei. Zudem sehen sie einen solchen Schritt als wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung und zur Bekämpfung aller Formen von Diskriminierung, Roma-Feindlichkeit und Antiziganismus. Read the rest of this entry »
Januar 23rd, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie
Sie malte um ihr Leben: Ihre künstlerische Begabung hat Dina Gottliebová-Babbitt in Auschwitz vor dem Tod in der Gaskammer gerettet. Mordarzt Josef Mengele ließ sie im Vernichtungslager Bilder von Roma und Sinti anfertigen. Vor 100 Jahren wurde Dina Gottliebová in Brno/Brünn geboren.
Radio Prag Int.: Die tschechisch-amerikanische Grafikerin wurde am 21. Januar 1923 in Brno/Brünn geboren. Während der deutschen Besatzung schloss man Dina Gottliebová wegen ihrer jüdischen Herkunft von der Kunsthochschule aus. Anfang 1942 wurden sie und ihre Mutter zunächst ins Konzentrationslager Terezín/Theresienstadt deportiert und von dort knapp zwei Jahre später ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Doch ihr künstlerisches Talent rettete Dina Gottliebová vor dem Tod. [...] Der berüchtigte SS-Arzt Josef Mengele wurde auf eine Zeichnung aufmerksam und ließ nach der Künstlerin suchen. Er machte die 21-jährige Gottliebová zur Porträtistin der Opfer seiner Experimente. Denn Mengele fand, dass auf den Fotografien von gefangenen Sinti und Roma deren Hautfarbe nicht genügend stark zutage trete. Und so musste Dina Gottliebová als Häftling 61016 farbige Aquarellzeichnungen der dem Tod geweihten Menschen anfertigen.
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Januar 9th, 2023 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
1911 verweigerten die Hafenbehörden in Argentinien 322 Personen die Einreise; 149 (46%) von ihnen mit dem Vermerk: „Gitanos“ („Zigeuner“).
(Quelle)
Dezember 23rd, 2022 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in der Gedenkstätte Sachsenhausen
Vor 80 Jahren, am 16. Dezember 1942, unterzeichnete Heinrich Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“, der die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Europa in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau anordnete. Darunter waren auch 10.000 deutsche Sinti und Roma aus dem damaligen Reichsgebiet. Insgesamt wurden im besetzten Europa mehrere Hunderttausend Sinti und Roma in Konzentrationslagern oder durch Einsatzgruppen der SS ermordet. Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren mehr als 1.000 Sinti und Roma inhaftiert.
Anlässlich des 80. Jahrestages der Unterzeichnung des sogenannten Auschwitz-Erlasses durch Heinrich Himmler gedachten in der Gedenkstätte Sachsenhausen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, der brandenburgische Kultur- und Wissenschaftsstaatssekretär Tobias Dünow und Stiftungsdirektor Axel Drecoll der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma, dem mehrere Hunderttausend Angehörige der Minderheit aus ganz Europa zum Opfer fielen.
An der Veranstaltung nahmen rund 80 Personen teil, unter ihnen Alma Klasing, Dieter Flack und Albert Wolf, die den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma überlebt haben, sowie Vorstände der Landes- und Mitgliedsverbände des Zentralrats. Staatsministerin Claudia Roth, Romani Rose, Staatssekretär Tobias Dünow, Landtagsvizepräsidentin Barbara Richstein sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft legten am zentralen Gedenkort „Station Z“ Kränze nieder.
In ihrer Ansprache sagte Kulturstaatsministerin Claudia Roth: „Wir brauchen mehr Miteinander, mehr kulturelle und politische Bildung und mehr Sichtbarkeit des so großen kulturellen Reichtums von Sinti und Roma. Vor allem aber brauchen wir Anerkennung und Gleichberechtigung. Read the rest of this entry »
Dezember 21st, 2022 |
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Geschichte & Gedenken
Radio.cz: Abriss von Schweinemast in Lety auf Gelände von ehemaligem Roma-KZ abgeschlossen
Im südböhmischen Lety wurde am Dienstag der Abriss der ehemaligen Schweinemast abgeschlossen, die sich auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers für Roma befunden hat. Derzeit würden Teile der Anlage sichergestellt werden, die Teil der zukünftigen Ausstellung werden sollen, sagte die Sprecherin des Museums der Roma-Kultur der Presseagentur ČTK. Mit dem Abriss der Ställe war im Juli dieses Jahres begonnen worden. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich am Standort der Schweinemast ein Konzentrationslager, in dem Roma interniert wurden. Das Gelände wurde 2018 vom tschechischen Staat aufgekauft. Die geplante Gedenkstätte soll in der zweiten Jahreshälfte 2023 oder zu Beginn des Jahres 2024 eröffnet werden.
(Text: Radio.cz, 20.12.2022)
Aus unserem Archiv:
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November 28th, 2022 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Bei einer Konferenz am 7.2.1940 in Berlin forderte Reichsärzteführer Conti für die „Unfruchtbarmachung der Zigeuner bezw. Zigeunermischlinge“.
(Quelle)