Februar 26th, 2021 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek
Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora beleuchtet in ihrem neuen Onlineprojekt #otd1945 („on this day 1945“) die letzten Monate der KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Bis zum 11. April, dem historischen Datum der Befreiung der beiden Lager, wird das Onlineportal ein facettenreiches Angebot entfalten, das von historischen Hintergründen bis zu aktuellen Programmpunkten reicht und auch die virtuelle Teilnahme an den zentralen Feierlichkeiten zum 76. Jahrestag im April 2021 ermöglichen wird. Bis zum 11. April beschreibt der Blog einzelne Geschehnisse von vor 76 Jahren aus den Konzentrationslagern oder ihrem Umfeld. Schlaglichtartig wird so nachgezeichnet, was 1945 Tag für Tag bis zur Befreiung und darüber hinaus geschah. Diese letzten Kriegsmonate waren von einer weiteren Eskalation des Terrors und der von Deutschen ausgehenden Gewalt gekennzeichnet, obwohl die Niederlage Deutschlands spätestens Anfang 1945 an allen Fronten abzulesen war. Viele Häftlinge in den Konzentrationslagern hofften seitdem auf ihre baldige Befreiung, doch das Morden in den Lagern und auf den Schauplätzen der Zwangsarbeit brach nicht ab. Erst die Ankunft der alliierten Truppen stoppte die Verbrechen.
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Februar 19th, 2021 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Der rechtsterroristische Mordanschlag am 19. Februar 2020 forderte auch Opfer aus der Minderheit der Sinti und Roma. Für Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov und Vili-Viorel Păun war Hanau mehr als nur eine Stadt vor den Toren der Metropole Frankfurt. Hanau war ihre Heimat – ihr Zuhause, genauso wie für rund 96.000 andere Hanauerinnen und Hanauer.
Mercedes lebte dort mit ihrer dreijährigen Tochter und ihrem 17 Jahre alten Sohn. Als sie für sich und die Kinder Pizza holen wollte, wurde sie ermordet. Mercedes wurde 35 Jahre alt. Der 33-jährige Kaloyan kam vor zwei Jahren aus Bulgarien nach Hanau. Er war Vater eines siebenjährigen Sohnes und unterstützte mit seiner Arbeit seine Familie in Bulgarien. In der Bar, in der er gelegentlich aushalf, wurde er erschossen. Vili-Viorel kam im Alter von 16 Jahren aus Rumänien nach Deutschland, weil seine Mutter schwer erkrankt war und sich in Deutschland behandeln lassen wollte. Der junge Mann arbeitete bei einer Kurierfirma. Inzwischen gilt es als erwiesen, dass er den Täter aufhalten wollte, nachdem dieser am ersten Tatort um sich schoss. Vili-Viorel verfolgte ihn daher mit seinem Auto während er erfolglos versuchte, die Polizei zu alarmieren. Am zweiten Tatort in Hanau-Kesselstadt wurde er vom Täter mit drei Kugeln getroffen, als er starb war er gerade einmal 22 Jahre alt.
Mercedes, Kaloyan und Vili-Viorel waren Hanauer – und sie waren Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma. Sie waren drei von insgesamt neun Todesopfern, die am 19. Februar 2020 in Hanau einem rechtsterroristischen Mordanschlag zum Opfer fielen. Die Trauer um die Toten schmerzt und lässt auch Sinti und Roma in Angst um ihre Sicherheit zurück.
Der Anschlag war nach dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle und dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke der dritte rechtsterroristische Anschlag mit Todesopfern innerhalb von zwölf Monaten. Er erschütterte die Zivilgesellschaft vor Ort und weit darüber hinaus. Read the rest of this entry »
Februar 3rd, 2021 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
In den 1930ern existierten zwei rumänische Roma-Verbände: Asociaţia Generală a Ţiganilor und Uniunea Generală a Romilor din România.
(Quelle)
Januar 31st, 2021 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Durch die Annexion der Bukowina 1775 gab es auch im Habsburgerreich versklavte Roma. Hier wurde die Sklaverei erstmalig in Europa abgeschafft.
(Quelle)
Januar 31st, 2021 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Virtuelle Gedenkveranstaltung am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust
Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und des 76. Jahrestages der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 luden das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ein, gemeinsam an die 500.000 ermordeten Sinti und Roma Europas und alle anderen Menschen, die der nationalsozialistischen Willkürherrschaft zum Opfer fielen, zu erinnern. Aufgrund der Covid-19-Pandemie fand die Gedenkveranstaltung ausschließlich virtuell statt. Die Veranstaltung kann auch auf der Gedenkseite zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma angesehen werden. Dort finden sich auch weitergehende Informationen zum Holocaust an den Sinti und Roma.
Das Programm der virtuellen Gedenkveranstaltung:
Begrüßung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Ansprachen:
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin
Carmen Marschall für die Überlebenden
Ursula Krechel, Schriftstellerin
Berndt Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten
Zitate aus den Ansprachen: Read the rest of this entry »
Januar 29th, 2021 |
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Einrichtungen, Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Religion
1913 gründete der Sonntagsschullehrer Benjamin Niederhauser in Neuenburg das „Schweizerische Komitee der Zigeunermission“.
(Quelle/pdf)
Januar 20th, 2021 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Ein um 1966 in der Türkei propagierter Entwurf einer weltweiten Roma-Flagge zeigte Geigen, Trommeln und Gitarren auf pinkem Grund.
(Quelle)
Januar 19th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft
Der deutsche Historiker Wolfgang Wippermann war eine der wichtigsten wissenschaftlichen Stimmen, die den Antiziganismus und den NS-Genozid an den Roma und Sinti – nach Jahrzehnten des Schweigens – ins Bewusstsein der deutschsprachigen Geschichtsforschung brachte. Er verstarb am 3. Jänner in Berlin. Lesen Sie im Folgenden den Nachruf des Friedrich-Meinecke-Instituts.
Am 3. Januar 2021 starb Wolfgang Wippermann, Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut, im Alter von 75 Jahren in Berlin. Wolfgang Wippermann prägte das akademische Leben am Friedrich-Meinecke-Institut über viele Jahrzehnte; er war ein leidenschaftlich Lehrender, ein profilierter Historiker und ein streitbarer Zeitgenosse. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch eine Stellungnahme für Daniel Goldhagen in der Goldhagen-Kontroverse der 1990er Jahre und durch die kritische Auseinandersetzung mit Totalitarismus- und Extremismustheorien bekannt. Mit dem Tod von Wolfgang Wippermann verliert das Friedrich-Meinecke-Institut eine markante Forscherpersönlichkeit und einen engagierten Historiker.
1945 in Wesermünde geboren, studierte Wolfgang Wippermann in Göttingen und Marburg Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft und kam 1973 an die Freie Universität Berlin. Zwei Jahre später wurde er bei Ernst Nolte mit einer Studie zur Ideologisierung des Deutschen Ordens in Geschichtsschreibung und Publizistik promoviert. 1978 folgte die Habilitation, wiederum bei Ernst Nolte, die sich mit der Bonapartismustheorie von Marx und Engels beschäftigte und 1982 in der renommierten Reihe Geschichte und Theorie der Politik im Klett-Cotta Verlag erschien. 1983 wurde Wolfgang Wippermann zunächst außerplanmäßiger Professor am FMI, um ein Jahr später zum C2-Professor auf Zeit ernannt zu werden. Der Ruf auf eine Professur mit dem Schwerpunkt Faschismusforschung wurde 1988 vom zuständigen Berliner Senator nicht erteilt; dieser folgte nicht der Empfehlung des Präsidiums und der Berufungskommission, die Wippermann in ihrer Bestenauslese auf Platz 1 der Liste gesetzt hatten. Auch wenn Wolfgang Wippermann damit eine Strukturprofessur auf Lebenszeit am Friedrich-Meinecke verwehrt blieb, zählte er zu den Professor*innen des Instituts, die eigene Forschungsthemen signifikant weiterentwickelten, den akademischen und politischen Diskurs mitprägten und eine breite Öffentlichkeitswirkung hatten. International wurde ihm die Professorenwürde vielfach angetragen: Von 1987 bis 1992 nahm er mehrere Gastprofessuren in den USA und in China wahr, u.a. an der Duke University, der Indiana University Bloomington, der University of Minnesota sowie der Capital Normal University in Peking.
Wolfgang Wippermann war ein vielseitiger und produktiver Historiker. Bis zu seinem Tode publizierte er annähernd 40 Monographien, einige davon als Co-Autor, fünf Sammelbände und rund 200 Aufsätze, Handbuch- und Lexikonartikel. Neben Veröffentlichungen wie zur Geschichte der Corps und Burschenschaften oder zur Geschichte der Hunde waren und blieben seine lebenslangen wissenschaftlichen Schwerpunktthemen die Auseinandersetzung mit Faschismus, Nationalsozialismus, Totalitarismus, Antisemitismus und Antiziganismus. Read the rest of this entry »
Januar 18th, 2021 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Im 2. Weltkrieg retteten Lokalbehörden auf der Krim viele muslimische Roma, indem sie diese als Tataren ausgaben.
(Quelle)
Januar 6th, 2021 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV
„Innerlich verbrenne ich, weil die ganze Erinnerung zurückkommt“
→Anhören (mp3)
Radio Dreyeckland, 1.1.2021 (31:36 min)
Sendereihe: Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus – Historische Stimmen von Zeitzeug*innen
Der Sinto Herbert Ricky Adler wurde 1928 in Dortmund geboren. Die Familie lebte in Frankfurt am Main und wurde 1941 aus bürgerlichen Wohnverhältnissen in ein Wohnwagenlager verschleppt. 1943 deportieren die Nazis sie ins so genannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau, wo fast alle Verwandten Herbert Ricky Adlers ermordet wurden. Nach der Befreiung kehrte er nach Hessen zurück, erhielt aber erst 1954 eine Zuzugsgenehmigung für Frankfurt. Er engagierte sich als Zeitzeuge für das Fritz-Bauer-Institut und den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Herbert Ricky Adler starb 2004 (mehr hier).
Sein Vortrag fand 2000 auf Einladung von Radio Dreyeckland statt. Er ist 2002 in dem Buch „Wenn wir weg sind, ist alles nur noch Geschichte. Die Erinnerung von Überlebenden“ (mehr hier) in Auszügen nachzulesen und auf der beiliegenden CD nachzuhören. Erhältlich ist der Band über RDL.
(Text und Sendung: rdl.de)
Dezember 19th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken
Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in der Gedenkstätte Sachsenhausen
Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Europa nach Auschwitz-Birkenau an. Anlässlich des 78. Jahrestages von Himmlers „Auschwitz-Erlass“ erinnert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gemeinsam mit der Gedenkstätte Sachsenhausen an die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma. Da das Gedenken aufgrund der Maßnahmen zur Corona-Prävention nicht vor Ort stattfinden kann, wurden eine Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Sachsenhausen sowie Ansprachen von Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma), Dietmar Woidke (Ministerpräsident des Landes Brandenburg) und Axel Drecoll (Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) im Vorfeld digital aufgezeichnet. Am Mittwoch, 16. Dezember 2020, um 12.00 Uhr wurden die Beiträge auf der Internetpräsenz des Zentralrats und der Gedenkstätte Sachsenhausen und auf den Social-Media- und YouTube-Kanälen beider Institutionen veröffentlicht.
(Text: Zentralrat)
Dezember 3rd, 2020 |
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Geschichte & Gedenken
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht gute Grundlage für weitere Planung der S 21 in Berlin
In der aktuellen Großen Runde am 25. November 2020, zu der Bausenatorin Regine Günther Vertreter des Deutschen Bundestages, des Berliner Senats, der Bahn und des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma eingeladen hatte, stellte die Bahn eine neu berechnete Variante für die Trassenführung der geplanten S 21 vor.
„Der Schutz und die Bewahrung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas hatte für den Zentralrat stets oberste Priorität. Dieser Ort ist ein Ort des Gedenkens für die Angehörigen unserer Minderheit, aber er ist gleichzeitig auch ein Ort, an dem die Bundesrepublik Deutschland ihre Verantwortung für die Völkermordverbrechen der Nazis, für den Holocaust an den Sinti und Roma ausdrückt. Deshalb ist die neue Variante, die das Denkmal weitestgehend unberührt lässt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche“, so Romani Rose in einem ersten Resümee. Der Zentralrat dankt ausdrücklich den vielen Menschen und Institutionen, die sich öffentlich und gegenüber Politik und Bahn für den Schutz des Denkmals eingesetzt haben. „Dies zeigt uns, dass das Denkmal als wichtiger Teil unserer gemeinsamen deutschen Geschichte wahrgenommen wird. Wir sind fester Teil unserer Gesellschaft. Wir müssen deshalb ebenso Verantwortung in unserer Gesellschaft übernehmen. Berlin braucht die S21 und ich bin sehr froh, dass die Deutsche Bahn mit der jetzt vorgelegten Variante 12h eine Perspektive aufgezeigt hat, die gleichermaßen den maximalen Schutz des Denkmals mit einer realisierbaren Trassenführung verbindet“, so Rose weiter.
Die neue Variante sieht vor, dass mit der gleichen Technik, mit der zuvor die Spree zwischen Hauptbahnhof und Reichstag unterquert wird, auch das Gelände des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas mit einem Tunnel unterquert wird. Read the rest of this entry »
November 27th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen
Literarischer Abend mit Rosa Gitta Martl: In der Lesung ihres Buches „Bleib stark“ berichtet die österreichische Sintezza und Menschenrechtsaktivistin über die Zeit des Nationalsozialismus, die Vernichtung von Menschen der Minderheit durch die Nazis, aber auch positive Schritte eines mutigen Lebens als Mitglied der Minderheit in neuen Zeiten.
Sie malt mit Worten. Sie verdichtet die Fülle des Lebens auf wenigen Seiten. Sie bringt mit einer Gedichtzeile, einem Bild die Vergessenen wieder zum Leben. Sie erzählt in epischer Länge von den Grausamkeiten und den glücklichen Momenten, von Mördern und Helfern, von der Familie und ihren Feinden, von der Freude und der Trauer. Sie schreibt so existenziell und autobiographisch, dass man ihre innersten Gedanken und Gefühle zu spüren glaubt. Ihre Erzählkunst gibt zugleich Generationen von Sinti eine Stimme, die Österreich lieben und seit Jahrhunderten dort leben. Ihre Sprache ist so intim und zart und doch von gewaltiger Energie. Und sie liest so wunderbar, geprägt vom Tonfall ihrer Linzer Heimat, aus ihrem Werk, mit einer Intensität und Ruhe, die keine Zuhörerin und keinen Zuhörer nicht ergriffen sein lassen. Nicht für eine Sekunde lässt die Aufmerksamkeit des Publikums nach.
Die Covid-19-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Lesung von Gitta Martl am 4. November in das „virtuelle Kulturhaus“ RomnoKher verlegt werden musste. Das doppelte Format – Livestream auf dem Youtube-Kanal, Videokonferenz für angemeldete Teilnehmer mit der Möglichkeit, am Ende ins Gespräch mit der Autorin zu kommen – hat sich dabei bewährt. Read the rest of this entry »
Oktober 31st, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
In seinem Buch „NICHT SYSTEMKONFORM. Menschen und Schicksale 1938–1945“ (mehr hier) arbeitet der Hobbyhistoriker und Golser Fritz Radlspäck die Geschichte seiner burgenländischen Heimatgemeinde Gols während des Nationalsozialismus auf und erinnert an die Opfergruppen.
Schon früh wurde das Interesse von Fritz Radlspäck am Nationalsozialismus geweckt: Die Spurensuche begann mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Familien- und Ortsgeschichte. Gerade in seiner Heimatgemeinde gab es viele Opfer: Juden, Roma, Euthanasie-Opfer, Widerstandskämpfer, politisch Verfolgte und Deserteure. Die jahrelangen Recherchen und das Sammeln von Quellen mündeten letztlich in einem Buch.
Elf Romafamilien wurden deportiert
Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten lebten elf Roma-Familien in Gols. Sie alle wurden deportiert und in verschiedene Konzentrationslager verschleppt – keine von ihnen kehrte nach dem Krieg nach Gols zurück.
Ein Schicksal ist dem Autor besonders in Erinnerung geblieben: Die Geschichte des Golser Roms Michael Stojka, die stellvertretend für so viele in jener Zeit steht. „Kurz nachdem ein Konzentrationslager geräumt werden musste, weil die Alliierten bereits im Anrücken waren, sind sie noch einmal mit einem Zug deportiert worden. Es hat den Anschein, dass dieser Herr Stojka dann auch ein Opfer wurde, vom sogenannten Massaker von Gardelegen (Anm.: in Sachsen-Anhalt, mehr hier). Da wurden (u.a.) Roma in eine Scheune gesperrt und bei lebendigem Leib von der SA, der Hitlerjugend und der Schutzstaffel verbrannt. Also das ist etwas, das mich ganz extrem mitgenommen hat“, so Radlspäck.
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Oktober 24th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
„Einfach weg!“: Verschwundene Roma-Siedlungen im Burgenland. Eine Veranstaltung des Vereins GEDENKDIENST im Rahmen der Reihe „Geh Denken!“ im Republikanischen Club in Wien. Buchpräsentation und Vortrag von Gerhard Baumgartner, Historiker und wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW); Moderation: Sarah Knoll (Verein GEDENKDIENST).
Bis zu ihrer Zerstörung durch das NS-Regime bestanden auf dem Gebiet des Burgenlandes etwa 120 Siedlungen von Roma und Romnja. Ihre historischen Wurzeln reichten in zahlreichen Fällen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Nur einige wenige dieser Siedlungen sind heute noch existent. Im 2020 bei New Academic Press erschienenen Buch von Gerhard Baumgartner und Herbert Brettl wurden zahlreiche historische Bilddokumente und archivarische Quellen zusammengetragen, um die Gründung und Existenz dieser Siedlungen, das Schicksal ihrer BewohnerInnen, die Verfolgung und Zerstörung zwischen 1938 und 1945 sowie die Situation in der Nachkriegszeit zu dokumentieren. Read the rest of this entry »
Oktober 20th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
„Geh Denken!“ in Wien: Roma/Romnja und Sinti/Sintize – Geschichte und Gegenwart
Die Nationale Roma-Kontaktstelle macht in einer Aussendung auf eine Veranstaltungsreihe des Vereins Gedenkdienst aufmerksam. Im aktuellen Semester 2020/21 beschäftigt sich die Reihe Geh Denken! – in Kooperation mit dem Mauthausen-Komitee Österreich – mit historischen und gegenwärtigen Formen von Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti/Sintize und Roma/Romnja. In der Programmankündigung heißt es:
Roma/Romnja und Sinti/Sintize leben seit Jahrhunderten in Europa, doch mindestens genauso lange sind sie Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Auch in Österreich sind Ressentiments gegen diese Bevölkerungsgruppe in Teilen der Gesellschaft weit verbreitet. Eine kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen Vorurteilen und dessen Folgen kommt häufig zu kurz. In diesem Semester beschäftigt sich die Veranstaltungsreihe Geh Denken! deshalb mit historischen und aktuellen Formen von Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti/Sintize und Roma/Romnja. Read the rest of this entry »
Oktober 15th, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
1942 wurden 352 Roma/Sinti im SS-Sammellager Dossin in Mechelen in Belgien interniert. Von dort gingen die Deportationen nach Auschwitz ab.
(Quelle)
Oktober 12th, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Ab Ende des 17. Jh. deportierte Portugal Roma nach Brasilien, um das von Indigenen bewohnte Hinterland im Nordosten zu kolonialisieren.
(Quelle/pdf)
September 30th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Skulpturenfund in Berlin-Dahlem: Die Marmorbüste des NS-Bildhauers Arno Breker zeigt einen jungen Sinto bzw. Rom, dem Beker in den 1920er Jahren in Paris begegnet war. Die unvollendete Arbeit stammt aus dem Jahr 1940 – dem Jahr, in dem die ersten Massendeportationen von Roma und Sinti ins besetzte Polen anliefen.
Zu sehen bis 15. 1. 2021 im Kunsthaus Dahlem
Im August 2020 wurden bei Bauarbeiten im Garten des Kunsthaus Dahlem zwei Marmorskulpturen gefunden. Ein Werk konnte durch die Mitarbeiterinnen des Kunsthaus Dahlem unmittelbar nach Auffindung als Arno Brekers verschollene Skulptur „Romanichel“ von 1940 identifiziert werden. Das Werk ist leicht beschädigt – der Schaden bestand vermutlich bereits zum Zeitpunkt der Vergrabung. Die Zuordnung des zweiten Werks sowie die Erforschung der Fundumstände sind in Bearbeitung.
Nach der Funderfassung wurden beide Objekte zur Präsentation in den Ausstellungsbereich des Kunsthaus Dahlem gebracht, wo sie ab sofort bis zum 15. Januar 2021 zu sehen sind (mit Unterbrechung durch einen Ausstellungsumbau vom 19. bis 30. Oktober 2020).
„Romanichel“ (1940)
Bei dieser Skulptur handelt es sich um einen überlebensgroßen Porträt-Kopf aus weißem Marmor, wobei lediglich die Gesichts- und vordere Halspartie aus dem Steinblock herausgearbeitet wurden. Anhand historischer Fotografien konnte das Objekt zweifelsfrei als die bekannte Plastik „Romanichel“ (1940) von Arno Breker identifiziert werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach entstand das Werk in Brekers Atelier am Käuzchensteig. Es gilt als eines der wichtigsten Beispiele von Brekers Porträttorsi.
Bei dem Dargestellten handelt es sich um einen jungen Sinto oder Rom, dessen Name nicht überliefert ist. Breker begegnete ihm in den 1920er Jahren in Paris und porträtierte ihn mehrfach, eine erste Fassung entstand Ende der 1920er Jahre. Über seine Begegnung mit dem jungen Mann, der sich im Freundeskreis um Jean Cocteau bewegte, schrieb Breker: »Sein Kopf faszinierte mich sofort, noch am gleichen Tag begannen die Sitzungen. Read the rest of this entry »
September 23rd, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Ein Erlass des faschist. Italien von 1928 brandmarkte Roma als Staatsgefahr, da sie kommunist. Schriften ins Land schmuggeln könnten.
(Quelle)