Geschichte & Gedenken

Buchenwald: Countdown zur Befreiung

Februar 26th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek

76 Jahre Befreiung von Buchenwald - ein Onlineprojekt in DeutschlandDie Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mit­tel­bau-Dora be­leuch­tet in ih­rem neu­en Onlineprojekt #otd1945 („on this day 1945“) die letz­ten Mo­nate der KZ Buchen­wald und Mit­tel­bau-Dora.

Bis zum 11. April, dem historischen Datum der Be­freiung der bei­den Lager, wird das Online­por­tal ein facet­ten­rei­ches Angebot ent­falten, das von histo­ri­schen Hinter­gründen bis zu aktu­el­len Programm­punkten reicht und auch die virtu­elle Teil­nahme an den zentra­len Feier­lich­keiten zum 76. Jahres­tag im April 2021 ermög­lichen wird. Bis zum 11. April beschreibt der Blog ein­zelne Gescheh­nisse von vor 76 Jahren aus den Kon­zentra­tions­lagern oder ihrem Umfeld. Schlaglicht­artig wird so nach­ge­zeich­net, was 1945 Tag für Tag bis zur Befreiung und darüber hinaus ge­schah. Diese letz­ten Kriegs­monate waren von einer weite­ren Eska­la­tion des Terrors und der von Deutschen aus­gehen­den Gewalt ge­kenn­zeichnet, obwohl die Nieder­la­ge Deutschlands spä­testens Anfang 1945 an allen Fronten ab­zu­lesen war. Viele Häftlinge in den Kon­zentra­tions­lagern hoff­ten seitdem auf ihre baldige Befrei­ung, doch das Morden in den Lagern und auf den Schau­plätzen der Zwangs­arbeit brach nicht ab. Erst die An­kunft der alliierten Trup­pen stopp­te die Verbrechen.

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Der Anschlag von Hanau und seine Folgen

Februar 19th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Say their names: die Opfer von HanauDer rechtsterroristische Mordanschlag am 19. Februar 2020 forderte auch Opfer aus der Minderheit der Sinti und Roma. Für Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov und Vili-Viorel Păun war Hanau mehr als nur eine Stadt vor den Toren der Metro­pole Frankfurt. Hanau war ihre Heimat – ihr Zu­hause, ge­nau­so wie für rund 96.000 ande­re Ha­nauerin­nen und Ha­nauer.

Mercedes lebte dort mit ihrer drei­jährigen Toch­ter und ihrem 17 Jahre alten Sohn. Als sie für sich und die Kinder Pizza holen wollte, wurde sie er­mordet. Mercedes wurde 35 Jahre alt. Der 33-jäh­rige Kaloyan kam vor zwei Jahren aus Bulgarien nach Hanau. Er war Vater eines sieben­jäh­rigen Sohnes und unter­stützte mit seiner Arbeit seine Familie in Bul­garien. In der Bar, in der er ge­legent­lich aushalf, wurde er er­schossen. Vili-Viorel kam im Alter von 16 Jah­ren aus Rumänien nach Deutsch­land, weil seine Mutter schwer er­krankt war und sich in Deutschland be­han­deln lassen wollte. Der junge Mann arbeitete bei einer Kurier­firma. In­zwi­schen gilt es als erwiesen, dass er den Täter auf­halten wollte, nachdem dieser am ersten Tatort um sich schoss. Vili-Viorel ver­folgte ihn daher mit seinem Auto wäh­rend er erfolg­los ver­suchte, die Polizei zu alar­mieren. Am zwei­ten Tatort in Hanau-Kes­sel­stadt wurde er vom Täter mit drei Kugeln ge­troffen, als er starb war er ge­rade ein­mal 22 Jahre alt.

Mercedes, Kaloyan und Vili-Viorel waren Hanauer – und sie waren An­gehö­rige der Minder­heit der Sinti und Roma. Sie waren drei von ins­gesamt neun Todes­opfern, die am 19. Februar 2020 in Hanau einem rechts­terroris­ti­schen Mord­anschlag zum Opfer fielen. Die Trauer um die Toten schmerzt und lässt auch Sinti und Roma in Angst um ihre Sicher­heit zurück.

Der Anschlag war nach dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle und dem Mord am Kasseler Regie­rungs­prä­si­denten Walter Lübcke der dritte rechts­ter­roris­tische Anschlag mit Todes­opfern innerhalb von zwölf Monaten. Er er­schütterte die Zivil­gesell­schaft vor Ort und weit darüber hinaus. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (345)

Februar 3rd, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

In den 1930ern exis­tier­ten zwei ru­mä­ni­sche Ro­ma-Ver­bän­de: Asociaţia Generală a Ţiganilor und Uniunea Generală a Romilor din România.

(Quelle)

Facts & Figures (344)

Januar 31st, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Durch die Annexion der Bukowina 1775 gab es auch im Habs­bur­ger­reich ver­sklav­te Ro­ma. Hier wur­de die Skla­verei erst­ma­lig in Euro­pa ab­ge­schafft.

(Quelle)

Holocaustgedenktag 2021

Januar 31st, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Virtuelle Gedenkveranstaltung am Internationa­len Tag des Ge­den­kens an die Opfer des Holo­caust

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und des 76. Jahres­tages der Befreiung des NS-Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz-Bir­kenau am 27. Januar 1945 luden das Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma, der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma und die Stiftung Denkmal für die ermor­deten Juden Europas ein, ge­mein­sam an die 500.000 ermor­deten Sinti und Roma Europas und alle an­deren Men­schen, die der national­sozialis­ti­schen Willkür­herr­schaft zum Opfer fielen, zu erin­nern. Auf­grund der Covid-19-Pan­demie fand die Gedenk­veranstal­tung aus­schließ­lich virtuell statt. Die Ver­anstal­tung kann auch auf der Gedenk­seite zum Euro­päi­schen Holo­caust-Ge­denktag für Sinti und Roma an­gesehen werden. Dort finden sich auch weiter­gehende In­for­matio­nen zum Holocaust an den Sinti und Roma.

Das Programm der virtuellen Gedenkveranstaltung:

Begrüßung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die er­mor­de­ten Juden Europas

Ansprachen:
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin
Carmen Marschall für die Überlebenden
Ursula Krechel, Schriftstellerin
Berndt Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und natio­na­le Min­der­heiten

Zitate aus den Ansprachen: Read the rest of this entry »

Facts & Figures (343)

Januar 29th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Religion

1913 gründe­te der Sonn­tags­schul­leh­rer Ben­ja­min Nie­der­hau­ser in Neuen­burg das „Schwei­ze­ri­sche Ko­mi­tee der Zi­geu­ner­mis­sion“.

(Quelle/pdf)

Facts & Figures (341)

Januar 20th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Ein um 1966 in der Türkei pro­pa­gier­ter Ent­wurf ei­ner welt­wei­ten Ro­ma-Flag­ge zeig­te Gei­gen, Trom­meln und Gi­tar­ren auf pin­kem Grund.

(Quelle)

Wolfgang Wippermann (1945–2021)

Januar 19th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Wolfgang Wippermann (Foto. Friedrich-Meinecke-Institut)Der deutsche Historiker Wolfgang Wippermann war eine der wich­tigsten wissen­schaft­li­chen Stim­men, die den Anti­ziganis­mus und den NS-Ge­nozid an den Roma und Sinti – nach Jahr­zehn­ten des Schwei­gens – ins Be­wusst­sein der deutsch­spra­chi­gen Ge­schichts­forschung brach­te. Er ver­starb am 3. Jän­ner in Berlin. Le­sen Sie im Fo­lgen­den den Nachruf des Fried­rich-Mei­necke-Insti­tuts.

Am 3. Januar 2021 starb Wolfgang Wippermann, Professor für Neuere Geschichte am Fried­rich-Mei­necke-Ins­ti­tut, im Alter von 75 Jahren in Berlin. Wolf­gang Wipper­mann prägte das akade­mische Leben am Fried­rich-Mei­necke-Ins­ti­tut über viele Jahr­zehnte; er war ein leiden­schaft­lich Leh­render, ein pro­filierter Histo­riker und ein streit­barer Zeit­ge­nosse. Einer breiten Öffentl­ich­keit wurde er durch eine Stellung­nahme für Daniel Gold­hagen in der Goldha­gen-Kontro­verse der 1990er Jahre und durch die kritische Aus­einan­der­setzung mit Totalitaris­mus- und Extre­mismus­theorien bekannt. Mit dem Tod von Wolfgang Wipper­mann verliert das Fried­rich-Mei­necke-Ins­titut eine markante Forscher­persön­lichkeit und einen en­ga­gierten His­toriker.

1945 in Wesermünde geboren, studierte Wolfgang Wipper­mann in Göttingen und Marburg Ge­schichte, Germanistik und Politik­wissenschaft und kam 1973 an die Freie Univer­sität Berlin. Zwei Jahre später wurde er bei Ernst Nolte mit einer Studie zur Ideolo­gi­sierung des Deutschen Ordens in Geschichts­schrei­bung und Publizistik pro­moviert. 1978 folgte die Habilitation, wie­derum bei Ernst Nolte, die sich mit der Bona­partis­mus­theorie von Marx und Engels be­schäftigte und 1982 in der renom­mierten Reihe Geschichte und Theorie der Politik im Klett-Cotta Verlag erschien. 1983 wurde Wolfgang Wipper­mann zu­nächst außer­plan­mäßiger Professor am FMI, um ein Jahr später zum C2-Pro­fessor auf Zeit ernannt zu werden. Der Ruf auf eine Professur mit dem Schwer­punkt Faschismus­forschung wurde 1988 vom zustän­digen Berliner Senator nicht erteilt; dieser folgte nicht der Empfeh­lung des Präsidiums und der Be­rufungs­kommis­sion, die Wippermann in ihrer Besten­aus­lese auf Platz 1 der Liste ge­setzt hatten. Auch wenn Wolfgang Wipper­mann damit eine Struktur­professur auf Lebens­zeit am Fried­rich-Mei­necke ver­wehrt blieb, zählte er zu den Professor*innen des Instituts, die eigene Forschungs­themen signifikant weiter­ent­wickelten, den akade­mischen und politischen Diskurs mit­prägten und eine breite Öffent­lich­keits­wirkung hatten. Inter­national wurde ihm die Profes­soren­würde vielfach an­getragen: Von 1987 bis 1992 nahm er mehrere Gast­professuren in den USA und in China wahr, u.a. an der Duke University, der Indiana Univer­sity Bloomington, der Univer­sity of Minnesota sowie der Capital Normal Univer­sity in Peking.

Wolfgang Wippermann war ein vielseitiger und produktiver Historiker. Bis zu seinem Tode publizierte er annähernd 40 Mono­graphien, einige davon als Co-Autor, fünf Sammel­bände und rund 200 Aufsätze, Handbuch- und Lexikon­artikel. Neben Ver­öffent­lichun­gen wie zur Geschichte der Corps und Burschen­schaften oder zur Geschichte der Hunde waren und blieben seine lebens­langen wissen­schaftli­chen Schwer­punkt­themen die Auseinan­der­setzung mit Faschismus, National­sozialismus, Totalitaris­mus, Antisemitismus und Antiziganismus. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (340)

Januar 18th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Im 2. Weltkrieg retteten Lo­kal­be­hör­den auf der Krim vie­le mus­li­mi­sche Ro­ma, in­dem sie die­se als Ta­ta­ren aus­ga­ben.

(Quelle)

Zeitzeugenvortrag (2000) von Herbert Ricky Adler

Januar 6th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Dreyeckland„Innerlich verbrenne ich, weil die ganze Er­in­ne­rung zu­rück­kommt“

→Anhören (mp3)
Radio Dreyeckland, 1.1.2021 (31:36 min)
Sendereihe: Verfolgung und Widerstand im Natio­nal­sozialis­mus – His­to­ri­sche Stim­men von Zeit­zeug*innen

Der Sinto Herbert Ricky Adler wurde 1928 in Dortmund geboren. Die Familie lebte in Frankfurt am Main und wurde 1941 aus bürger­lichen Wohn­ver­hält­nissen in ein Wohn­wagen­lager ver­schleppt. 1943 depor­tieren die Nazis sie ins so genannte „Zigeuner­lager“ in Auschwitz-Bir­kenau, wo fast alle Ver­wandten Herbert Ricky Adlers er­mordet wurden. Nach der Befreiung kehrte er nach Hessen zurück, erhielt aber erst 1954 eine Zuzugs­geneh­mi­gung für Frankfurt. Er enga­gierte sich als Zeitzeuge für das Fritz-Bau­er-Insti­tut und den Zentra­lrat Deutscher Sinti und Roma. Herbert Ricky Adler starb 2004 (mehr hier).

Sein Vortrag fand 2000 auf Einladung von Radio Dreyeckland statt. Er ist 2002 in dem Buch „Wenn wir weg sind, ist alles nur noch Geschichte. Die Erin­nerung von Über­lebenden“ (mehr hier) in Auszügen nach­zu­lesen und auf der bei­liegen­den CD nach­zuhören. Erhält­lich ist der Band über RDL.

(Text und Sendung: rdl.de)

Digitales Gedenken: 78 Jahre „Auschwitz-Erlass“

Dezember 19th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Völ­ker­mordes an den Sinti und Roma in der Ge­denk­stätte Sach­sen­hausen

Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Euro­pa nach Auschwitz-Bir­kenau an. An­läss­lich des 78. Jah­res­tages von Himm­lers „Auschwitz-Er­lass“ er­innert der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma ge­meinsam mit der Gedenk­stätte Sachsen­hausen an die Opfer des na­tio­nal­sozialis­ti­schen Völker­mordes an den Sinti und Roma. Da das Gedenken auf­grund der Maß­nahmen zur Corona-Prä­vention nicht vor Ort statt­finden kann, wurden eine Kranz­nieder­legung in der Gedenk­stätte Sachsenhausen so­wie An­spra­chen von Romani Rose (Vor­sitzen­der des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma), Dietmar Woidke (Minister­prä­sident des Landes Brandenburg) und Axel Drecoll (Di­rek­tor der Stiftung Branden­burgische Gedenk­stätten) im Vor­feld digital auf­ge­zeichnet. Am Mitt­woch, 16. Dezem­ber 2020, um 12.00 Uhr wurden die Beiträge auf der Internet­präsenz des Zentral­rats und der Gedenk­stätte Sachsen­hausen und auf den So­cial-Me­dia- und YouTube-Ka­nälen bei­der Ins­ti­tu­tionen ver­öffentlicht.

(Text: Zentralrat)

Lösung in Berlin: Denkmal wird untertunnelt

Dezember 3rd, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht gute Grund­lage für wei­te­re Pla­nung der S 21 in Berlin

In der aktuellen Großen Runde am 25. November 2020, zu der Bau­sena­to­rin Regine Günther Ver­tre­ter des Deut­schen Bundes­tages, des Berliner Senats, der Bahn und des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma ein­geladen hatte, stellte die Bahn eine neu be­rech­ne­te Variante für die Trassen­führung der ge­plan­ten S 21 vor.

„Der Schutz und die Bewahrung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermor­de­ten Sinti und Roma Europas hatte für den Zentra­lrat stets oberste Priorität. Dieser Ort ist ein Ort des Ge­denkens für die An­ge­hörigen unse­rer Minder­heit, aber er ist gleich­zeitig auch ein Ort, an dem die Bundes­re­publik Deutschland ihre Ver­antwor­tung für die Völker­mord­ver­brechen der Nazis, für den Holo­caust an den Sinti und Roma aus­drückt. Deshalb ist die neue Va­riante, die das Denkmal weitest­gehend un­berührt lässt, eine gute Grund­lage für die weite­ren Ge­sprä­che“, so Romani Rose in einem ers­ten Resümee. Der Zentralrat dankt ausdrücklich den vielen Men­schen und Institu­tio­nen, die sich öffent­lich und gegen­über Politik und Bahn für den Schutz des Denkmals ein­gesetzt haben. „Dies zeigt uns, dass das Denkmal als wich­tiger Teil unserer ge­mein­samen deutschen Geschichte wahr­ge­nom­men wird. Wir sind fester Teil unserer Gesell­schaft. Wir müssen des­halb ebenso Ver­ant­wortung in unserer Gesell­schaft über­nehmen. Berlin braucht die S21 und ich bin sehr froh, dass die Deutsche Bahn mit der jetzt vor­ge­legten Variante 12h eine Perspek­tive aufgezeigt hat, die glei­cher­maßen den maxi­malen Schutz des Denkmals mit einer reali­sier­baren Trassen­führung ver­bindet“, so Rose weiter.

Die neue Variante sieht vor, dass mit der gleichen Technik, mit der zuvor die Spree zwischen Haupt­bahnhof und Reichstag unter­quert wird, auch das Ge­lände des Denkmals für die im Natio­nal­sozialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas mit einem Tunnel unter­quert wird. Read the rest of this entry »

Bleib stark – Gitta Martl zu Gast im RomnoKher

November 27th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Literarischer Abend mit Rosa Gitta Martl: In der Lesung ih­res Buches „Bleib stark“ be­rich­tet die ös­ter­rei­chi­sche Sintezza und Men­schen­rechts­ak­ti­vis­tin über die Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, die Ver­nich­tung von Men­schen der Min­der­heit durch die Nazis, aber auch po­si­ti­ve Schrit­te eines mu­ti­gen Lebens als Mit­glied der Min­der­heit in neu­en Zeiten.

Sie malt mit Worten. Sie verdichtet die Fülle des Lebens auf weni­gen Seiten. Sie bringt mit einer Gedicht­zeile, einem Bild die Ver­gessenen wieder zum Leben. Sie erzählt in epi­scher Länge von den Grau­sam­keiten und den glück­li­chen Momen­ten, von Mördern und Helfern, von der Familie und ihren Feinden, von der Freude und der Trauer. Sie schreibt so exis­ten­ziell und auto­bio­graphisch, dass man ihre in­nersten Ge­danken und Gefühle zu spüren glaubt. Ihre Erzähl­kunst gibt zu­gleich Genera­tionen von Sinti eine Stimme, die Österreich lieben und seit Jahr­hun­der­ten dort leben. Ihre Sprache ist so intim und zart und doch von gewal­tiger Energie. Und sie liest so wunder­bar, geprägt vom Tonfall ihrer Linzer Heimat, aus ihrem Werk, mit einer Inten­sität und Ruhe, die keine Zu­hörerin und keinen Zu­hörer nicht er­griffen sein lassen. Nicht für eine Se­kunde lässt die Auf­merk­sam­keit des Publikums nach.

Die Covid-19-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Lesung von Gitta Martl am 4. Novem­ber in das „virtuelle Kultur­haus“ RomnoKher ver­legt wer­den musste. Das dop­pelte Format – Livestream auf dem Youtube-Ka­nal, Video­kon­ferenz für an­gemel­dete Teil­nehmer mit der Mög­lich­keit, am Ende ins Gespräch mit der Autorin zu kom­men – hat sich dabei be­währt. Read the rest of this entry »

Buch über NS-Geschichte von Gols

Oktober 31st, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Roma aus Gols (Foto: ORF)In seinem Buch „NICHT SYSTEMKONFORM. Men­schen und Schicksale 1938–1945“ (mehr hier) ar­beitet der Hobby­historiker und Golser Fritz Radlspäck die Ge­schichte seiner bur­gen­ländi­schen Heimat­gemeinde Gols wäh­rend des Na­tional­sozialis­mus auf und er­in­nert an die Opfer­gruppen.

Schon früh wurde das Interesse von Fritz Radlspäck am National­sozialismus ge­weckt: Die Spuren­suche be­gann mit der Aus­einan­derset­zung mit der eige­nen Familien- und Orts­geschichte. Ge­rade in seiner Heimat­gemeinde gab es viele Opfer: Juden, Roma, Eutha­na­sie-Opfer, Wider­stands­kämpfer, poli­tisch Verfolgte und Deserteure. Die jah­re­lan­gen Recherchen und das Sam­meln von Quellen mün­deten letz­tlich in einem Buch.

Elf Romafamilien wurden deportiert

Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten leb­ten elf Roma-Fa­milien in Gols. Sie alle wur­den deportiert und in ver­schie­dene Kon­zentra­tions­lager ver­schleppt – keine von ih­nen kehrte nach dem Krieg nach Gols zu­rück.

Ein Schicksal ist dem Autor besonders in Erinnerung geblie­ben: Die Ge­schichte des Golser Roms Michael Stojka, die stell­ver­tre­tend für so viele in jener Zeit steht. „Kurz nach­dem ein Kon­zentra­tions­lager ge­räumt wer­den musste, weil die Alliierten be­reits im An­rücken waren, sind sie noch einmal mit einem Zug de­portiert worden. Es hat den An­schein, dass dieser Herr Stojka dann auch ein Opfer wurde, vom so­ge­nann­ten Mas­sa­ker von Gardelegen (Anm.: in Sach­sen-An­halt, mehr hier). Da wur­den (u.a.) Roma in eine Scheune ge­sperrt und bei lebendi­gem Leib von der SA, der Hitler­jugend und der Schutzstaffel ver­brannt. Also das ist etwas, das mich ganz extrem mit­ge­nom­men hat“, so Radlspäck.

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Verschwundene Roma-Siedlungen im Burgenland

Oktober 24th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

„Einfach weg!“: Verschwundene Roma-Siedlungen im Burgenland. Eine Veranstaltung des Vereins GEDENKDIENST im Rahmen der Reihe „Geh Denken!“ im Republikanischen Club in Wien. Buchpräsentation und Vortrag von Gerhard Baumgartner, Historiker und wis­sen­schaft­li­cher Leiter des Doku­men­tations­archivs des öster­rei­chi­schen Widerstands (DÖW); Moderation: Sarah Knoll (Verein GEDENKDIENST).

Bis zu ihrer Zerstörung durch das NS-Regime bestan­den auf dem Gebiet des Burgen­lan­des etwa 120 Siedlungen von Roma und Romnja. Ihre histo­ri­schen Wurzeln reich­ten in zahl­rei­chen Fällen bis ins 18. Jahr­hundert zurück. Nur einige wenige dieser Sied­lun­gen sind heute noch existent. Im 2020 bei New Academic Press er­schie­ne­nen Buch von Gerhard Baumgartner und Herbert Brettl wurden zahl­reiche histo­rische Bild­doku­mente und archivari­sche Quellen zu­sam­men­getra­gen, um die Gründung und Existenz dieser Siedlungen, das Schick­sal ihrer Be­woh­nerIn­nen, die Ver­folgung und Zer­störung zwi­schen 1938 und 1945 sowie die Situa­tion in der Nachkriegszeit zu do­ku­men­tie­ren. Read the rest of this entry »

Veranstaltungsreihe „Geh Denken!“

Oktober 20th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Gedenkdienst„Geh Denken!“ in Wien: Roma/Romnja und Sinti/Sin­ti­ze – Ge­schich­te und Ge­gen­wart

Die Nationale Roma-Kontaktstelle macht in einer Aus­sen­dung auf eine Ver­an­stal­tungs­reihe des Vereins Gedenk­dienst auf­merk­sam. Im aktuel­len Semes­ter 2020/21 be­schäf­tigt sich die Reihe Geh Denken! – in Ko­operation mit dem Mauthausen-Ko­mi­tee Österreich – mit his­tori­schen und gegen­wärtigen Formen von Aus­grenzung und Ver­folgung von Sinti/Sin­tize und Ro­ma/Romnja. In der Pro­gramm­an­kün­digung heißt es:

Roma/Romnja und Sinti/Sintize leben seit Jahr­hun­der­ten in Europa, doch min­destens ge­nauso lange sind sie Dis­kri­minie­rung und Verfolgung aus­ge­setzt. Auch in Öster­reich sind Ressen­timents gegen diese Be­völkerungs­gruppe in Teilen der Gesell­schaft weit ver­brei­tet. Eine kritische Aus­einander­setzung mit den vor­handenen Vor­urteilen und des­sen Folgen kommt häufig zu kurz. In diesem Semes­ter be­schäftigt sich die Ver­anstaltungsreihe Geh Denken! deshalb mit histori­schen und aktuel­len Formen von Aus­gren­zung und Ver­folgung von Sinti/Sin­tize und Ro­ma/Romnja. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (320)

Oktober 15th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

1942 wurden 352 Ro­ma/Sin­ti im SS-Sam­mel­la­ger Dos­sin in Me­che­len in Belgien in­ter­niert. Von dort gin­gen die De­por­ta­tio­nen nach Auschwitz ab.

(Quelle)

Facts & Figures (319)

Oktober 12th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Ab Ende des 17. Jh. de­por­tier­te Portugal Ro­ma nach Brasilien, um das von In­di­ge­nen be­wohn­te Hin­ter­land im Nord­os­ten zu ko­lo­nia­li­sie­ren.

(Quelle/pdf)

„Romanichel“: Skulpturenfund in Dahlem

September 30th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Arno Breker: »ROMANICHEL«, 1940, Marmor, 90 x 68 x 60 cm  (Foto: Gunter Lepkowski; © VG Bild-Kunst, Bonn 2020/Pressebild des Kunsthauses Dahlem)) Skulpturenfund in Berlin-Dahlem: Die Mar­mor­büs­te des NS-Bild­hauers Arno Breker zeigt einen jun­gen Sinto bzw. Rom, dem Be­ker in den 1920er Jah­ren in Paris be­geg­net war. Die un­voll­en­de­te Ar­beit stammt aus dem Jahr 1940 – dem Jahr, in dem die ersten Mas­sen­de­por­ta­tio­nen von Roma und Sinti ins be­set­zte Polen an­lie­fen.

Zu sehen bis 15. 1. 2021 im Kunsthaus Dahlem

Im August 2020 wurden bei Bauarbeiten im Garten des Kunst­haus Dahlem zwei Marmor­skulp­tu­ren ge­funden. Ein Werk konnte durch die Mit­arbei­terin­nen des Kunsthaus Dahlem un­mittel­bar nach Auf­findung als Arno Brekers ver­schollene Skulp­tur „Romanichel“ von 1940 iden­ti­fi­ziert wer­den. Das Werk ist leicht beschädigt – der Schaden be­stand ver­mutlich be­reits zum Zeit­punkt der Ver­grabung. Die Zu­ord­nung des zwei­ten Werks sowie die Er­forschung der Fund­umstände sind in Be­arbeitung.

Nach der Funderfassung wurden beide Objekte zur Präsentation in den Aus­stellungs­bereich des Kunst­haus Dahlem ge­bracht, wo sie ab sofort bis zum 15. Ja­nuar 2021 zu sehen sind (mit Unter­bre­chung durch einen Aus­stel­lungs­umbau vom 19. bis 30. Ok­to­ber 2020).

„Romanichel“ (1940)

Bei dieser Skulptur handelt es sich um einen überlebens­großen Porträt-Kopf aus weißem Marmor, wo­bei le­diglich die Gesichts- und vor­dere Hals­partie aus dem Stein­block heraus­gearbeitet wurden. An­hand histo­rischer Foto­gra­fien konnte das Objekt zweifels­frei als die be­kannte Plastik „Romanichel“ (1940) von Arno Breker iden­tifiziert wer­den. Aller Wahr­schein­lich­keit nach ent­stand das Werk in Brekers Atelier am Käuz­chen­steig. Es gilt als eines der wich­tigsten Bei­spiele von Bre­kers Porträt­torsi.

Bei dem Dargestellten handelt es sich um einen jungen Sinto oder Rom, dessen Name nicht über­liefert ist. Breker be­geg­nete ihm in den 1920er Jahren in Paris und por­trä­tierte ihn mehr­fach, eine erste Fas­sung ent­stand Ende der 1920er Jahre. Über seine Be­gegnung mit dem jungen Mann, der sich im Freundes­kreis um Jean Cocteau be­wegte, schrieb Breker: »Sein Kopf fas­zinierte mich sofort, noch am gleichen Tag be­gannen die Sitzun­gen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (315)

September 23rd, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Ein Er­lass des faschist. Ita­li­en von 1928 brand­mark­te Ro­ma als Staats­ge­fahr, da sie kom­mu­nist. Schrif­ten ins Land schmug­geln könn­ten.

(Quelle)