Holocaustgedenktag 2021

Januar 31st, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Virtuelle Gedenkveranstaltung am Internationa­len Tag des Ge­den­kens an die Opfer des Holo­caust

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und des 76. Jahres­tages der Befreiung des NS-Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz-Bir­kenau am 27. Januar 1945 luden das Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma, der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma und die Stiftung Denkmal für die ermor­deten Juden Europas ein, ge­mein­sam an die 500.000 ermor­deten Sinti und Roma Europas und alle an­deren Men­schen, die der national­sozialis­ti­schen Willkür­herr­schaft zum Opfer fielen, zu erin­nern. Auf­grund der Covid-19-Pan­demie fand die Gedenk­veranstal­tung aus­schließ­lich virtuell statt. Die Ver­anstal­tung kann auch auf der Gedenk­seite zum Euro­päi­schen Holo­caust-Ge­denktag für Sinti und Roma an­gesehen werden. Dort finden sich auch weiter­gehende In­for­matio­nen zum Holocaust an den Sinti und Roma.

Das Programm der virtuellen Gedenkveranstaltung:

Begrüßung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die er­mor­de­ten Juden Europas

Ansprachen:
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin
Carmen Marschall für die Überlebenden
Ursula Krechel, Schriftstellerin
Berndt Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und natio­na­le Min­der­heiten

Zitate aus den Ansprachen:

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:
„Wir gedenken an diesem Tag aller Menschen, die der national­sozialis­tischen Willkür­herrschaft zum Opfer fielen. Alle Opfer verbindet das erlittene Unrecht und es ist unsere Ver­pflichtung, ihr gemein­sames Ver­mächtnis auch in Zukunft zu bewah­ren. […] Die heutige politische Situation in Europa und der Welt zeigt allerdings, dass diese Verant­wor­tung von der europäi­schen Gemein­schaft nicht voll­umfäng­lich angenom­men wird. […] In Europa ist es die Charta der Grund­rechte der Europäi­schen Union, die in Artikel 1 fest­schreibt: ‚Die Würde des Men­schen ist un­antastbar.‘ […] Den­noch müssen in den Slums in Mittel- und Südost­europa, inmitten der Länder der Europä­ischen Union, Roma in unwürdi­gen Ver­hältnis­sen leben, müssen ein System der Apartheid in den Bereichen der Bildung, des Wohnens, in der Gesund­heits­versor­gung und auf dem Arbeits­markt erdulden, wäh­rend die Regie­rungen diese Situation tatenlos hin­nehmen. […] Diese Situa­tion ist skanda­lös, sie ist nicht hin­nehmbar und auch nicht mit der Grund­rechte­charta der Europäi­schen Union ver­einbar.“

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin:
„Es hat beschämend lange gedauert bis die deutsche Mehrheits­gesell­schaft die monströ­sen Ver­brechen Deutschlands an den Sinti und Roma als Völker­mord anerkannt hat. Und es hat ebenso lange, un­erträglich lange, gedauert bis das Denkmal für die im National­sozialis­mus ermor­deten Sinti und Roma Europas ent­worfen, gebaut und 2012 dann endlich ein­geweiht wurde. Es ist wich­tig diesen Ort der Erinnerung zu haben.“

Carmen Marschall für die Überlebenden:
„Mein Vater konnte nie darüber sprechen, wie er das Vernichtungs­lager überlebt hat. Seine Erlebnis­se waren zu traumatisch. Er hat immer nur darüber berichtet, wie er gegen Kriegs­ende von der SS auf einen Todesmarsch ge­trieben und schließ­lich von amerika­nischen Soldaten befreit wurde. […] Fast allen inhaftier­ten Sinti und Roma wurde in der Bundes­republik jede Ent­schädigung für das ihnen zu­gefügte Unrecht verweigert. Viele Jahr­zehnte lang wurde der Holocaust an unserer Minder­heit ignoriert.“

Ursula Krechel, Schriftstellerin:
„Wir verbeugen uns vor diesen Menschen, deren Stimmen nicht ge­hört worden sind, die stumm ge­macht worden sind, am Rande standen, zurück­gedrängt in die Anony­mität, als wären 600.000 Tote und die Schatten, die sie auf die nach­folgende Genera­tion werfen nicht genug.“

Berndt Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussied­ler­fragen und natio­na­le Min­der­heiten:
„Eine aktive und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist nur dann mög­lich, wenn ein Umgang frei von Vor­urteilen garantiert ist. Auch die Medien stehen in diesem Zusam­men­hang in einer beson­deren Ver­antwortung, Vor­urteilen und Gewalt durch ihre Bericht­erstat­tung und ihre Beiträge keinen Raum zu bieten. Um mit vorhandenen Vorurteilen und Stereotypen zu brechen ist es mir als Be­auftrag­ter der Bundes­regierung für Nationa­le Minder­heiten ein ganz beson­ders wichti­ges Anliegen, dass die Minderheit An­erken­nung für ihre über 600-jäh­rige Geschichte und Kultur in Deutsch­land und Europa erfährt.“

Romani Rose sprach außerdem bei der offiziellen Gedenkveranstal­tung des Europarates zu­sam­men mit füh­renden Ver­tre­terin­nen und Ver­tretern des Europa­rates sowie Opfer­ver­tretern: →www.coe.int

(Text und Video: Zentralrat)

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