Lösung in Berlin: Denkmal wird untertunnelt

Dezember 3rd, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht gute Grund­lage für wei­te­re Pla­nung der S 21 in Berlin

In der aktuellen Großen Runde am 25. November 2020, zu der Bau­sena­to­rin Regine Günther Ver­tre­ter des Deut­schen Bundes­tages, des Berliner Senats, der Bahn und des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma ein­geladen hatte, stellte die Bahn eine neu be­rech­ne­te Variante für die Trassen­führung der ge­plan­ten S 21 vor.

„Der Schutz und die Bewahrung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermor­de­ten Sinti und Roma Europas hatte für den Zentra­lrat stets oberste Priorität. Dieser Ort ist ein Ort des Ge­denkens für die An­ge­hörigen unse­rer Minder­heit, aber er ist gleich­zeitig auch ein Ort, an dem die Bundes­re­publik Deutschland ihre Ver­antwor­tung für die Völker­mord­ver­brechen der Nazis, für den Holo­caust an den Sinti und Roma aus­drückt. Deshalb ist die neue Va­riante, die das Denkmal weitest­gehend un­berührt lässt, eine gute Grund­lage für die weite­ren Ge­sprä­che“, so Romani Rose in einem ers­ten Resümee. Der Zentralrat dankt ausdrücklich den vielen Men­schen und Institu­tio­nen, die sich öffent­lich und gegen­über Politik und Bahn für den Schutz des Denkmals ein­gesetzt haben. „Dies zeigt uns, dass das Denkmal als wich­tiger Teil unserer ge­mein­samen deutschen Geschichte wahr­ge­nom­men wird. Wir sind fester Teil unserer Gesell­schaft. Wir müssen des­halb ebenso Ver­ant­wortung in unserer Gesell­schaft über­nehmen. Berlin braucht die S21 und ich bin sehr froh, dass die Deutsche Bahn mit der jetzt vor­ge­legten Variante 12h eine Perspek­tive aufgezeigt hat, die glei­cher­maßen den maxi­malen Schutz des Denkmals mit einer reali­sier­baren Trassen­führung ver­bindet“, so Rose weiter.

Die neue Variante sieht vor, dass mit der gleichen Technik, mit der zuvor die Spree zwischen Haupt­bahnhof und Reichstag unter­quert wird, auch das Ge­lände des Denkmals für die im Natio­nal­sozialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas mit einem Tunnel unter­quert wird. Dabei wird die Erde ein­gefroren, der Tunnel selbst wird ohne Schild­vortrieb in klas­sischer Berg­manns­technik voran­getrieben. Die Ober­fläche des Denk­mals­ge­län­des wird so voll­stän­dig geschützt. Eine offene Baugrube wird es nur vor und hinter dem Denkmalsgelände geben. Einzig der Ver­sorgungs­tunnel, der unter das Schwarze Becken führt, muss zu einem Teil neu gebaut werden. Diese Bau­arbeiten wür­den nur ca. vier Monate dauern. Damit wird der Forderung des Zentral­rates, das Denkmal dürfe nicht ver­schoben und müsse am be­stehende Ort maxi­mal geschützt werden, soweit wie über­haupt mög­lich, ent­sprochen.

Für die Bahn stellt die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor eine erheb­liche Heraus­forde­rung dar, denn es müs­sen – den tech­nischen und politischen Vor­gaben ent­spre­chend – ins­ge­samt zwölf „Zwangs­punkte“ be­rücksich­tigt wer­den: neben dem Reichstags­gebäude und dem Jüdischen Mahnmal als Zwangs­punkt IX auch das Denkmal für die im National­sozialismus er­mordeten Sinti und Roma Europas. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird an der Um­setzung der ge­plan­ten Trassenführung weiter­hin die Detail­planung begleiten und für den Schutz des Denk­mals Sorge tragen.

(Text: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)

Siehe dazu auch:
Romani Rose über das Berliner Denkmal, 18.7.2020
„… und es mit meinem Körper schützen“, 8.7.2020
Zentralrat führt Gespräche über Mahnmal, 2.7.2020
„Unser Denkmal ist unantastbar!“, 26.6.2020
Denkmal: Zentralrat widerspricht Bahn, 15.6.2020
Kundgebung: Schützt das Denkmal, 13.6.2020

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