Kundgebung: Schützt das Denkmal
Juni 13th, 2020 | Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen | 1 Comment
Schützt das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma
Treffpunkt: Sa., den 13. Juni 2020 um 15 Uhr, Scheidemannstraße vor dem Reichstagsgebäude
Schlusskundgebung: Deutsche Bahn AG Konzernzentrale, Potsdamer Platz
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Unser zentraler Gedenkort, Grabmal der Unbegrabenen – das Mahnmal/Denkmal für die ermordeten Sinti und Sinteze und Roma und Romnja Europas im Zentrum Berlins ist bedroht. Bedroht ausgerechnet von jenen, die besonders in Verantwortung für die jetzige Gesellschaft und zukünftige Generationen handeln müssten: dem Deutschen Bundestag und der Deutschen Bahn! Nach deren gemeinsamen Plänen soll unser Mahnmal für ein Bauvorhaben – für eine S-Bahn – temporär entfernt oder teilweise gesperrt werden. Die Deutsche Bahn nennt dieses Bauvorhaben „eines der wichtigsten Zukunftsprojekte“ für Berlin.[1]
Nach fast drei Dekaden Kampf der Bürger/innenrechtsbewegung von Sinti und Sinteze und Roma und Romnja und ihrer Verbündeten und nach mehr als zwei Jahrzehnten Planung und Bau wurde 2012 das vom jüdischen Künstler Dani Karavan entworfene Mahnmal/Denkmal der Sinti und Sinteze und Roma und Romnja in Berlin-Tiergarten gegenüber des Reichstagsgebäudes eingeweiht. Erst seit 2012 haben wir Sinti und Sinteze und Roma und Romnja einen Ort des Gedenkens und der Erinnerung an all jene, die nicht zurückgekommen sind, die den deutschen Faschisten und ihren Verbündeten zum Opfer gefallen sind. Erst seit acht Jahren gibt es mit dem Mahnmal/Denkmal ein sichtbares Eingeständnis von Schuld, Verantwortung und der Mahnung.
Deutsche Politik und Gesellschaft hat beschämend lange gebraucht, um den rassistischen Genozid an den Sinti und Sinteze und Roma und Romnja Europas anzuerkennen. Diese Genugtuung kam für viele der Überlebenden zu spät. Sie lebten auch nach 1945 Jahrzehnte ohne symbolische Anerkennung und finanzielle Entschädigung für ihr erlittenes Leid und in permanenter Angst vor erneuter Verfolgung und einer Wiederholung der erlebten Geschichte.
Auch die Deutsche Bahn AG brauchte viele Jahrzehnte, um sich ihrer Geschichte zu stellen und anzuerkennen: ohne die Vorläuferorganisationen der Deutschen Bahn wäre die Verschleppung von Sinti und Sinteze und Roma und Romnja in die Vernichtungslager nicht möglich gewesen. Die Erinnerung daran und die Mahnung sei für die Deutsche Bahn AG wachzuhalten, sie sei für Erinnerung und gegen das Vergessen.[2] Wie können wir nun diese Bekenntnisse heute für glaubhaft halten?
Dieses Mahnmal/Denkmal dient nicht nur den Sinti und Sinteze und Roma und Romnja, nicht nur den Überlebenden des Völkermordes, ihren Angehörigen und Nachkommen als Ort des stillen Gedenkens und der Erinnerung. Das Mahnmal/Denkmal ist Ort des Lernens und des Gedenkens für die gesamte Weltgesellschaft geworden und es ist ein wichtiges Symbol Deutschlands, eine Botschaft für die Welt, das Leid der Opfer anzuerkennen, die eigene Geschichte ernst zu nehmen und in politischer Verantwortung eines „Nie wieder!“ zu handeln.
Erschütternd ist, dass wiederum erst die Opfer selbst darauf aufmerksam machen müssen, dass ihre Würde verletzt wird! Sinti und Sinteze und Roma und Romnja mussten nach 1945 selbst für dieses Mahnmal kämpfen, das jetzt in Gefahr ist!
Erschütternd ist, dass der Deutsche Bundestag und die Deutsche Bahn offensichtlich keinerlei Idee von der kollektiven Bedeutung und gesellschaftlichen Symbolik des Ortes haben und sogar einen temporären Totalabbau des Mahnmals in Erwägung zogen!
Skandalös ist, dass die Opfer der Nationalsozialisten und ihre Verbände und Organisationen nicht von Anfang an in die Planungen einbezogen wurden und dass bis jetzt keine öffentliche Transparenz zu diesem ungeheuerlichen Vorhaben hergestellt ist!
Dieses Mahnmal ist ein Zeichen der kollektiven Erinnerung, es ist ein Zeichen der Gerechtigkeit und es gibt uns ein Stück der Würde zurück, die uns und unseren Familien in den Konzentrationslagern genommen worden ist. Kommt zur Demonstration für unsere Würde und die Forderung nach Respekt für unsere Geschichte der Verfolgung, der Ermordung und des Kampfes für unsere Rechte!
Das Mahnmal in seiner jetzigen Gestaltung bleibt! Wir fordern eine Lösung, die unseren Gedenkort unberührt lässt! Wir rufen das Land Berlin als Bauherrin dazu auf, das Bauvorhaben in dieser Form zu stoppen! Statt einem Abbau fordern wir den Ausbau des Gedenkortes mit einer Informationsstelle und Begleitprogramm! Wir fordern die Transparenz dieser Vorgänge und den Einbezug unserer Zivilgesellschaft!
Opre Rom*nja und Sinte*ze!
RomaniPhen
Save space e.V.
Roma Center e.V.
Rroma-Info-Centrum e.V.
Terno Drom e. V. – Romajugend NRW
Roma Antidiscrimination Network RAN
Bundes Roma Verband
Romano Svato
Queer Roma Initiative
[2] vgl. https://www.deutschebahn.com/de/konzern/geschichte/themen/mahnmal-1187914
(Text: Roma Antidiscrimination Network)
Siehe auch:
Neuerlicher Angriff auf Berliner Mahnmal, 15.7.2019
Fünf Jahre Denkmal in Berlin, 28.8.2017
Räumung des besetzten Holocaust-Denkmals, 24.5.2016
Berlin: Roma besetzten Holocaust-Mahnmal, 24.5.2016
Arte: Das zerrissene Herz, 10.9.2011
Zur Zukunft des Mahnmals in Berlin, 23.8.2011
Neue Querelen um Gedenkstätte in Berlin, 21.7.2011
Romatag in Berlin: Gedenken am Bauzaun, 12.4.2011
Verzögerung bei Mahnmal für Sinti & Roma, 4.6.2010
Juni 15th, 2020 at 10:33 (#)
[...] auch: Kundgebung: Schützt das Denkmal, 13.6.2020 Neuerlicher Angriff auf Berliner Mahnmal, 15.7.2019 Fünf Jahre Denkmal in Berlin, [...]