Neue Querelen um Gedenkstätte in Berlin

Juli 21st, 2011  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik  |  1 Comment

Baustelle des Mahnmals in Berlin im Frühjahr 2011 (Foto: Backstein)Wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe (29/2011, S. 16) berichtet, steht die jahrelange Skandalgeschichte des geplanten Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma vor einer neuen Wende: Der Berliner Senat könnte nun – mitten im Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus – die Zuständigkeit für den Bau abgeben. Derzeit werden Gespräche über eine mögliche Übernahme des Bauprojekts durch den Bund geführt. Die Senatsbauverwaltung der Hauptstadt hat sich bereits zu einer solchen Lösung bereit erklärt. Fachleute befürchten jedoch weitere Verzögerungen und zusätzliche Kosten. Sogar der teilweise Abriss des halbfertigen Mahnmals, das aus einem künstlichen See mit versenkbarer Stele besteht, wurde diskutiert.

Der mit der Mahnmalsgestaltung beauftragte Künstler Dani Karavan sieht laut Angaben seines Anwalts nach langen Auseinandersetzungen mit den zuständigen Beamten keine Möglichkeit mehr, die Zusammenarbeit mit der „absolut unfähigen Verwaltung“ fortzuführen. Die Ausführung der Gedenkstätte entspreche in vielen Punkten nicht seinen Vorgaben; vielmehr würden die Berliner Behörden das Vorhaben „wie den Bau einer Brücke und nicht wie den eines Kunstwerks“ behandeln. Schon im Dezember 2010 hatte der renommierte israelische Künstler mit dem Rückzug vom Projekt gedroht. Die in unmittelbarer Nähe des Reichstags geplante Gedenkstätte hätte eigentlich bereits im Oktober 2010 eingeweiht werden sollen.

Schon zuvor hatte sich der Baubeginn des Denkmals wiederholt verzögert. Bereits Anfang der 90er Jahre hatte die deutsche Bundesregierung einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung einer eigenen Gedenkstätte gefasst, doch erst nach jahrelangen Streitigkeiten über Wortwahl und Inhalt der Inschriften (mehr dazu in dROMa 20/2008/PDF) erfolgte am 19. Dezember 2008 der symbolische Baubeginn. Die Fertigstellung war ursprünglich für 2009 vorgesehen, aber immer wieder verschoben worden.

Einige Bilder der Baustelle (Stand Frühjahr 2011) finden Sie hier.

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Arte: Das zerrissene Herz says:

    September 11th, 2011 at 10:06 (#)

    [...] 2011 sollte das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma (mehr hier, hier, hier und hier) im Berliner Tiergarten eingeweiht werden. Der Künstler Dani Karavan, der in Paris [...]