Günther Weiss, der Kripochef von Kehl

Juli 22nd, 2011  |  Published in Allgemeines, Medien & Presse

Günther Weiss (Foto: zigeuner.de)Sinto & Hauptkommissar: Kämpfer gegen das Misstrauen


Der Kripochef von Kehl in Baden-Württemberg vermittelt zwischen der Mehrheitsbevölkerung und den Sinti und Roma – denn er ist selbst ein Sinto. Günther Weiss ist der Sohn eines Auschwitzüberlebenden und seit Jahren ein engagierter Kämpfer für die Anliegen seiner Volksgruppe, unter anderem als Vortragender, Publizist (etwa hier) und im Vorstand des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma. In einem Artikel der Badischen Zeitung, veröffentlich am 15. Juli 2011, stellt David Weyand den Kripochef von Kehl vor. Wir bringen einen Auszug:

(…) 1954 wurde Günther Weiss geboren. Wenn „Zigeuner“, wie sie im Dorf genannt wurden, mit Handkarren durch die Straßen zogen, um Schrott, Lumpen und Papier zu sammeln, schwieg Vater Weiss. Auch Günther nannte sie „Zigeuner“. Was die Tätowierung auf dem Unterarm seines Vaters bedeute, wollte der Sohn eines Tages wissen. Erst mit 14 bekam er die Antwort. „Unter Tränen hat er mir alles erzählt“, sagt Weiss. Unruhig spielt er mit seinem Brillenbügel. Als Weiss seine Wurzeln erfuhr, hatte es für ihn zunächst „null Bedeutung“. Der Mofa-Führerschein und die erste Freundin waren ihm wichtiger. 1971 bestand er die Aufnahmeprüfung bei der Polizei – und kam schnell voran: Er wird Kommissar, 2009 Chef der Kripo Kehl.

Das Verhältnis zwischen den Sinti, den Roma und der deutschen Polizei ist nicht konfliktfrei: „Die jahrhundertelange Verfolgung hat zu einem fast angeborenen Misstrauen gegenüber der Polizei und staatlicher Macht geführt“, schreibt Weiss 2005 in der Zeitschrift des Bundes deutscher Kriminalbeamter. Auch ihm schlug oft Misstrauen seiner eigenen Volksgruppe entgegen, wenn er in Uniform auftauchte. Dabei lässt er auf die Polizei nichts kommen: Die sei im Umgang mit Minderheiten eine „vorbildliche Institution“. Seit Jahren hält er Seminare über Sinti und Roma an der Polizeiakademie in Freiburg und der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen. Dass vor allem Roma-Familien aus Osteuropa von Behörden und auch der Polizei in Einzelfällen diskriminiert werden, registriert er aber immer wieder. Dennoch: „Die Mehrzahl meiner Kollegen hat keine Vorurteile.“ Wenn doch, dann kann der freundliche Mann sehr bissig werden. (…)

Einige Sinti und Roma nehmen es Weiss übel, dass er Polizist geworden ist. Für ihn zähle aber mehr, dass sein Vater immer sehr stolz auf ihn und seinen Beruf war. Und erst vor kurzem habe ihm eine Sinti-Frau geschrieben, wie toll sie es finde, dass ein Sinto so weit gekommen sei. Wie viele Sinti und Roma bei der Polizei arbeiten, weiß er nicht, schätzt aber, dass es nicht mehr als ein Dutzend sind. Außer ihm stehe keiner öffentlich dazu. Dabei würde er gerne Kontakt mit anderen Sinti-Polizisten aufnehmen, um gemeinsam auftreten zu können. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur in einem Auszug wiedergegebenen Artikel in voller Länge in der Badischen Zeitung. Einen älteren Artikel finden Sie hier.

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