ESF-Projekt: Roma unter Generalverdacht
Oktober 19th, 2020 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Stigmatisierung von Roma: Ein offener Brief hinterfragt ESF-Projekt zur Fortbildung für Polizei in Bulgarien
Die „Citizens for Democracy and Rule of Law Coalition“ haben einen offenen Brief an die Kommission der Europäischen Union geschrieben. Bulgarien hat Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für ein vierjähriges Projekt erhalten, durch das 480 Polizeibeamt/innen geschult wurden. Das Schulungsprogramm nennt sich: „Früherkennung von Anzeichen einer Radikalisierung mit Schwerpunkt Roma-Community (Psychologische und ethno-konfessionelle Aspekte der Radikalisierungsprozesse unter den Roma-Communities)“. Die Fortbildung wurde beim Institut für Psychologie des Innenministerium mit einem Budget von umgerechnet etwas 1,7 Millionen Euro durchgeführt.
Der ESF soll „zur Bekämpfung von Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung beitragen … Der ESF sollte keine Maßnahmen unterstützen, die zur Segregation oder zur sozialen Ausgrenzung beitragen“. Der offene Brief fordert die EU-Kommission auf, zu untersuchen, ob die bulgarischen Behörden gegen diese Grundsätze verstoßen haben, als sie Gelder des ESF für Aktivitäten verwendet haben, die auf die Identifizierung und Verhinderung einer angeblichen „Radikalisierung“ einer ganzen ethnischen Community, der Roma, abzielen.
Was mit „Radikalisierung“ genau gemeint ist, bleibt unklar. Die Verfasser/innen des offenen Briefes fordern die EU-Kommission daher auf, das herauszufinden. Auch nennt die Projektbeschreibung keine Gründe für die Annahme, dass die Roma-Community in Bulgarien für eine Radikalisierung anfällig sei. Read the rest of this entry »