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Frankreich: Kein Grab für Roma-Kind

Januar 7th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Frankreich: Friedhof in ChamplanFrankreich: Bürgermeister soll Roma-Mädchen die Bestattung auf dem Gemeinde­fried­hof ver­wei­gert haben

Christian Leclerc, Bürgermeister der französi­schen Gemein­de Champlan süd­west­lich von Paris, soll einer Roma-Fa­milie die Bestat­tung ihrer klei­nen Toch­ter ver­weigert haben. Auf dem Fried­hof der Gemeinde sei für das zu Weih­nachten im Alter von zwei­einhalb Monaten an plötz­lichem Kindstod ver­stor­bene Mäd­chen kein Platz. Der Fried­hof sei zu klein, „Vor­rang haben die­jenigen, die hier Steuern be­zahlen“, zitiert „Le Parisien“ den partei­losen rechts­gerich­teten Bürger­meister. Zuvor hatte Leclerc seine Ent­schei­dung nicht begrün­det – weder gegen­über den Eltern noch auf Nach­fragen des Bestatters. Jetzt, nach­dem der Fall landes­weit einen Sturm der Entrüs­tung aus­gelöst hat, soll jedoch alles nur ein Miss­ver­ständ­nis gewe­sen sein. „Zu keinem Zeit­punkt habe ich mich dieser Bestattung wider­setzt, die ganze Sache wurde auf­ge­bauscht“, erklärte Leclerc gegenüber der Nach­rich­ten­agentur AFP. Die bis­herigen Erklä­rungen seien „falsch inter­pre­tiert“ worden. Am Sonntag­abend sagte der Bürger­meister, er wün­sche sich „inständig“, dass das Mäd­chen in Champlan beer­digt werde, „der Stadt, in der die Familie lebt“.

Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Wissous, Richard Trinquier (UMP), hatte der Roma-Familie, die er auch schon als Arzt betreut hatte, jedoch bereits ein Grab in seiner Gemeinde zur Verfügung gestellt. Es sei unmenschlich, einer Mutter, die gerade ihr Kind verloren hat, noch weiteren Schmerz zuzufügen. Das Mädchen wurde am Montag in Wissous bestattet.

Die Roma-Familie lebt seit gut einem Jahr in der 2700-Einwohner-Gemeinde. Sie lebt in einer Behelfs­siedlung am Orts­ausgang, die zwei Söhne besuchen in Champlan die Schule. Premier­minister Manuel Valls kriti­sierte den Vorfall und bezeich­nete das Vor­gehen der Gemeinde als „eine Beleidigung für Frankreich“. Die Staats­anwalt­schaft hat ein Ermittlungs­verfahren eröffnet.

(dROMa / Quellen: Le Parisien [2], FR, BBC, Zeit [2])