Literatur & Bücher

Ausstellungskatalog „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit“

Oktober 8th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Cover des AusstellungskatalogsZentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma/45 years of civil rights work of German Sinti and Roma, Katalog zur Ausstellung, Heidelberg 2017, 92 S.

Der Katalog kann online heruntergeladen oder aber über das Büro des Zentralrats bestellt werden.

Bereits in den 1950er Jahren versuchte eine Gruppe deutscher Sinti, die Haupt­ver­ant­wort­li­chen des Völker­mor­des an Sinti und Roma in Euro­pa vor Gericht zu brin­gen – lei­der erfolg­los. Es gab im Nach­kriegs­deutschland kei­ne ein­zige ge­sell­schaft­li­che oder poli­tische Insti­tu­tion, die Sinti und Roma nach dem Holocaust unter­stützt hätte. Heute, im Jahr 2017, ist der Völkermord an­er­kannt. In Berlin steht das Denkmal für die im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas di­rekt neben Reichstag und Bran­den­bur­ger Tor. Sinti und Roma sind als natio­na­le Minderheit an­er­kannt.

Jeder einzelne Erfolg der Bürgerrechtsarbeit musste ge­gen mas­sive Wider­stände in Politik, Ver­waltung und Gesell­schaft in zum Teil jahr­zehnte­langer Aus­einan­der­setzung durch­ge­setzt wer­den. Ohne die Unter­stützung vieler ein­zel­ner Per­sön­lich­kei­ten, ohne die Unter­stützung von zivil­gesell­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen und ins­beson­dere der Medien wäre der Erfolg der Bür­ger­rechts­arbeit nicht mög­lich ge­wesen.

Unsere Ausstellung ist deshalb all den Sinti und Roma ge­widmet, die sich nach dem Ende des NS-Re­gi­mes in Deutschland und in Europa für die Rechte un­se­rer Minder­heit ein­ge­setzt haben und eben­so all den Freunden und Un­ter­stüt­zern, ohne die unse­re Bür­ger­rechts­arbeit nicht die An­erken­nung ge­fun­den hätte, die heute er­reicht wor­den ist. Diese Aus­stel­lung ist ebenso den jungen Menschen ge­widmet, die diesen Weg, der noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen ist, wei­ter ge­hen wer­den.

(Aus dem Vorwort von Romani Rose)

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„Wenn nicht sogar sehr“

September 22nd, 2017  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

cover idicVor zehn Jahren 2.000 Mal (aus)verkauft. Jetzt online:

Semra Idic: Wenn nicht sogar sehr
Meine Geschichte unserer verhinderten Abschiebung

Vor zehn Jahren kam Semra Idic zu einem Praktikum in die Redak­tion der Düsseldorfer Stra­ßen­zei­tung fiftyfifty. Die jun­ge Romni und ihre Familie soll­ten in ein Elends­dorf nach Südserbien ab­ge­scho­ben wer­den. Dabei haben die 17-jäh­rige Semra und ihre drei Ge­schwis­ter dieses Dorf nie ge­sehen. Sie waren vor­bild­lich in­tegrier­te Kinder vor­bild­li­cher Eltern. fiftyfifty hat zu­sam­men mit einem breiten Bünd­nis die Ab­schie­bung ver­hin­dert sowie die Flücht­lings­hilfe „STAY!“ mit­gegrün­det. Und Semra hat ein Buch geschrie­ben, das schnell ver­griffen war und nun online zu lesen ist.

Günter Grass, der sich mit einer eigenen Stiftung und einem Buch („Ohne Stimme – Reden zu­guns­ten des Volkes des Roma“) zeit­lebens sehr für Roma ein­gesetzt hat, steuer­te das Vor­wort zu Semras Buch bei – eine kleine Sen­sa­tion, die half, den Titel 2.000-mal zu ver­kaufen.

Das komplette Buch inkl. eines ausführlichen Anhanges fin­den Sie hier als PDF.


RomaRespect #4: „Meine 7.000 Nachbarn“

September 5th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #4: Literatur mit Haltung – „Meine 7.000 Nachbarn“

Eva Ruth Wemme (Bild: RomaRespect)Sendung vom 4.2.2016: Eva Ruth Wemme ist Lektorin, preis­ge­krönte Auto­rin und Über­setzerin aus dem Ru­mä­ni­schen. Sie arbei­tet außer­dem seit meh­re­ren Jahren als Sprach- und Kultur­mitt­le­rin in Berlin. In dieser Funk­tion dol­metscht und be­rät sie Migrant/in­nen aus Rumänien, die sehr oft Roma und Rom­nja sind. So ist sie sehr nah an ihren Sor­gen und Nöten dran, be­kommt die gan­ze Band­breite ihrer Dis­kri­mi­nie­rung mit. Sie schrieb ihre Er­leb­nisse in kur­zen Ge­schich­ten auf, die im Buch „Meine 7.000 Nach­barn“ zu­sam­men­gestellt sind. Er­klärt ihr Buch, wer oder wie die Roma und Rom­nja sind? Eva Ruth Wemme sagt dazu in der Ein­lei­tung: „Ich frag­te mich also: Wer sind die Roma? Bis sich kurz darauf heraus­stell­te, dass die Ant­wort auf diese Frage so­wohl un­auf­find­bar als auch so gut wie ir­re­le­vant für das Zu­sam­men­leben ist.“

Ihr hört in der Sendung die Lesung von Eva Ruth Wemme zu ihrem Buch „Meine 7.000 Nachbarn“ (Weblog). Sie liest meh­rere ihrer kur­zen Ge­schich­ten, in denen sie ihre Zu­sam­men­arbeit mit Berli­ner Ro­ma und Rom­nja be­schreibt. Da­nach sind eini­ge Bei­träge aus der Dis­kus­sion zu hören. Die Le­sung fand am 23. Sep­tem­ber 2015 im Fest­spiel­haus Hellerau in Dresden wäh­rend der Herbst­schule gegen Anti­romais­mus statt.

Musik: „Chaven Romane“ von Lavinia Raducanu

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

„An den Grenzen der Hoffnung“ (2016)

August 18th, 2017  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazJohanna Westermaier (2016): An den Grenzen der Hoffnung. Ethnographie eines Arbeits­markt­in­te­gra­­tions­pro­jek­tes für Roma/Romnija

Masterarbeit (MA), Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Volkskunde und Kultur­anthro­­pologie), 95 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Einleitung (S. 1-3):

Die Masterarbeit beschäftigt sich mit einem Arbeits­markt­integra­tions­pro­jekt für Roma und Romnija in der Steiermark. Das Pro­jekt, das von einer NGO in Ko­ope­ra­tion mit an­de­ren NGOs und Roma-Selbst­vertreter­vereinen über einen Zeit­raum von drei Jahren durch­geführt wird, (…) baut auf drei zentra­len Säulen auf: Arbeits­markt­integra­tion, Empower­ment und Öf­fent­lich­keits- und Bildungs­arbeit. Ziel ist es, über Bera­tung und Betreu­ung, Deutsch- und Qua­li­fi­zie­rungs­kurse sowie durch Ver­mitt­lung, die Chancen der teil­neh­men­den Roma/Rom­nija auf dem ers­ten Arbeitsmarkt in Österreich deut­lich zu er­hö­hen. Mit­hilfe von Empower­ment-Work­shops und der Zusammen­arbeit mit bereits beste­hen­den Ro­ma-Selbst­ver­tre­ter­vereinen soll Dis­kri­mi­nie­rung ent­gegen­gewirkt wer­den. Über Öf­fent­lich­keits- und Netzwerk­arbeit sol­len einer­seits existie­rende Vor­urteile in der Mehr­heits­bevöl­kerung ab­ge­baut und andererseits ein Netz­werk an Unter­stützerIn­nen, auch in Form von po­ten­tiel­len Arbeit­gebern, auf­ge­baut werden.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitete ich das Pro­jekt in Form einer Feld­forschung. (…). Ziel war es, einen kultur­anthro­po­lo­gi­schen Blick auf die Rolle dieses Arbeits­markt­integra­tions­pro­jek­tes vor dem Hinter­grund kultu­rel­ler Trans­for­ma­tions­pro­zesse zu rich­ten, die Innen­sicht der ver­schie­de­nen AkteurIn­nen zu er­hal­ten und mit­hilfe ethno­graphi­scher Metho­den zu er­fas­sen und aus­zu­wer­ten. Dabei galt es, die insti­tu­tio­nel­len, staat­lichen, ideo­lo­gi­schen und kultu­rel­len Struk­turen, in welche das Projekt un­wei­gerlich ein­ge­bunden ist, im Hin­blick auf deren ein­schrän­kende und er­mög­li­chende Funk­tio­nen zu analy­sieren. Um diese Strukturen, die den Mög­lich­kei­ten des Pro­jektes Gren­zen setzen, er­sicht­lich zu ma­chen, stelle ich die Perspek­tive der Mit­arbei­terIn­nen der der Teil­neh­merIn­nen gegen­über. Read the rest of this entry »

„Roma – zum Betteln verdammt“

Juli 1st, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Neuerscheinung bei Edition Tandem: Wolfgang Radläger, Roma - zum Betteln verdammt (Mai 2017)Wolfgang Radlegger: Roma – zum Betteln verdammt. Eine historisch-kritische Auseinandersetzung. Aktualisiert am Beispiel der Stadt Salzburg, Edition Tandem: Salzburg 2017 (gebunden, 320 Seiten, ISBN 978-3-902932-66-2)

Buchpräsentation in Salzburg am 6. 7. 2017, 19 Uhr
Phurdo/Beratungszentrum, Schallmooser Hauptstr. 31

Die Geschichte der Roma und Sinti ist eine der Verfolgung, Aus­gren­zung und Ver­nich­tung. Wolfgang Radlegger wollte es genau wis­sen und ist tief in die Geschichte ab­gestie­gen, um Spu­ren zu sichern. Er hat sich aber nicht al­lein aus den his­to­ri­schen Quellen be­dient, er hat sich selbst auf die Reise zu den im­mer noch „Ver­damm­ten“ dieser Erde ge­macht. Das ist des­halb so wich­tig, weil die Bettler, de­nen wir heute ver­stärkt auf den Straßen der Städte Europas be­geg­nen, zu einem erheb­li­chen Teil der Gruppe der Roma an­ge­hören. Was das für Salzburg be­deutet und wie die Politik damit um­geht, hat Radlegger in einem eige­nen Kapitel exempla­risch ab­ge­han­delt. Das Buch ist ein großes Plä­do­yer für Toleranz.

(Edition Tandem)

Das Orchester der Frauen

Mai 14th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher

Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben (erschienen bei Drava)Jovan Nikolić: Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben, Drava: Klagenfurt 2016, 144 S., 18,80 Euro

Humorvolle Erinnerungsarbeit
Heimat, Trauer und Witz: Jovan Nikolić blickt zurück.

Es ist der Galopp von Düften der Kindheit, der Geruch der Stadt und die Frage, wieso der Vater mit sei­nem Or­ches­ter über­all in Jugoslawien ge­spielt hat, nur nicht in Slo­wenien. Es sind die Gasthäuser und die Kell­ner, die (weißes Hemd, schwar­ze Hose) den Autor an je­man­den den­ken las­sen, der gleich­zei­tig heilt und be­erdigt: oben Arzt, unten Bestat­tung. „Das Wirtshaus als Tempel der euro­päi­schen Zi­vi­li­sa­tion“ avan­ciert zum Lieb­lings­text, wird vom nächs­ten über­trumpft und so weiter bis zum titel­ge­ben­den Kapitel „Das Or­ches­ter der Frauen, die mich ver­las­sen haben“. Das Buch ist in mehr­fa­cher Hin­sicht voll Musik, ernste Töne zum Geheim­dienst in­klu­sive. Jovan Nikolić, in Köln le­ben­der Roma-Schriftsteller aus Serbien, hat ge­sam­melt, was er sonst „bei spo­ra­di­schen Tref­fen am Kneipen­tisch spur­los ver­schwen­det“ hätte. Ge­fun­de­nes Fres­sen, wun­derbar!

(Text: U. Loigge/Kl. Zeitung, 15.4.2017)

Link: Drava Verlag

Siehe auch:
KulturTon: Jovan Nikolić im Gespräch, 22.6.2015
Radio Freirad über Jovan Nikolić, 20.4.2015
Jovan Nikolić in Innsbruck, 30.4.2015

Es brauchte zwei Generationen

April 21st, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Romani Rose - Buchcover (Danube Books)„Es brauchte zwei Generationen für den Kampf um Anerken­nung“ – Romani Rose und sein Ein­satz für Men­schen­rechte der Sinti und Roma

RDL/orgenrad, 7. April 2017, 13.35 min
>>Anhören (mp3)

„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“. Der Unter­titel dieses Buches sei ganz wört­lich ge­meint, so die Auto­rin Behar Heine­mann. Denn Romani Rose, Mit­grün­der und Vor­sitzen­der des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, habe sein Leben ganz in den Dienst des Kampfes um die An­er­ken­nung der Ver­fol­gung dieser Minder­heit im National­sozia­lis­mus und um ihre Rechte ge­stellt. Dabei trat er in die Fuß­stapfen seines Vaters und seines Onkels, die – anders als 13 er­mor­dete Fa­milien­mit­glie­der – den Porajmos über­lebt und sich fort­an für die Bürger­rechte der Sinti und Roma en­gagiert hat­ten. Wäh­rend sie noch jahr­zehnte­lang nach dem Krieg auf taube Ohren stießen, ge­lang es später, die An­er­ken­nung der Sinti und Roma bis auf die Agen­da der Bundes­regie­rung zu brin­gen. Romani Rose ging da­für einen Weg vom Hunger­streik bis zur Ehrung durch Angela Merkel.

Die Autorin, Künsterlin und Fotografin Behar Heinemann, ge­bo­ren im Ko­so­vo und seit den 90er Jah­ren in Deutschland le­bend, ist selbst Romni und kennt Ro­mani Rose seit rund 20 Jah­ren. Das Buch sei eine Hom­mage an ihn, ein Ver­such, ihn als Bürger­recht­ler und als Men­schen zu ver­ste­hen und kri­tisch zu wür­digen.

„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“ wurde am 4. April im Do­ku­men­ta­tions­zentrum deut­scher Sinti und Roma vor­ge­stellt und ist seit dem 5. April im Buch­handel er­hält­lich. Radio Drey­eck­land hat – im Vor­feld des Inter­natio­na­len Roma­tags am 8. April – mit der Au­torin Behar Hei­ne­mann darüber ge­spro­chen. Zuerst fragten wir, was die Familie Rose im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­lit­ten hat.

Behar Heinemann: Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte. Danube Books, Ulm 2017, 224 Seiten

(Text: rdl.de)

„Doppeltes Unrecht“

März 26th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Der BGH stellt sich seiner Geschichte: Broschüre "Doppeltes Unrecht" „Doppeltes Unrecht – ein späte Entschuldigung“

Gemeinsame Publikation des deutschen Bundes­ge­richts­hofs und des Zentral­rats Deut­­scher Sin­ti und Roma

Am 17. Februar 2016 fand das gemeinsame Symposium des Bun­des­gerichts­hofs und des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma zur Auf­arbei­tung der Ent­schä­di­gungs­recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aus den 1950er Jah­ren be­tref­fend die na­tionalsozialistische Ver­fol­gung von Sinti und Roma statt. Die Er­geb­nis­se des Sym­po­si­ums wur­den nun in einer ge­mein­sa­men Publi­ka­tion des Bundesgerichtshof und des Zentral­rats ver­öf­fent­licht. Die Broschüre ent­hält al­le Beiträge der Ver­anstal­tung – ein­schließ­lich der bei­den Vor­träge von Herrn Prof. Dr. Dr. Ingo Müller und Herrn Richter am Bun­des­ge­richts­hof a. D. Dr. Detlev Fischer – so­wie die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Ja­nuar 1956, die den Ge­gen­stand des Sym­po­si­ums bil­de­ten.

Aus dem Vorwort:

„Eine späte Entschuldigung in symbo­li­scher Weise wie auch ganz expli­zit zum Aus­druck zu brin­gen, war der tra­gen­de Ge­dan­ke des Symposiums, das am 17. Februar 2016 in den Räu­men des Bundesgerichtshofs statt­ge­fun­den hat. Die Ent­schul­di­gung gilt den Sinti und Roma, de­nen durch die Ent­schä­di­gungs­recht­sprechung des Bun­des­ge­richts­hofs in den 50er Jahren wei­teres Unrecht wider­fah­ren war. Durch eine Rechtsprechung, die die ras­sis­ti­sche Moti­va­tion der Verfolgung der Sin­ti und Ro­ma durch die National­sozia­lis­ten ne­gier­te, die be­trof­fe­ne Be­völ­ke­rungs­gruppe er­neut pau­schal dis­kri­mi­nier­te und den recht­su­chen­den Opfern Entschädigung ver­sagte. Read the rest of this entry »

Matéo Maximoff – Pisimaschi

Februar 23rd, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Matéo Maximoff (kipo via volksgruppen.orf,.at)Ov jek na khino vake­ra­schi les­kere flo­gos­ke – le Romenge – taj jek ja­ga­lo po­mo­scha­go­schi len­ge­ra kul­tu­ra­tar si­na: o pisi­ma­schi Matéo Ma­xi­moff. Ov dschan­tscha pe ojs ersch­ti pisi­ma­schi te­lal o Roma an­di Fran­ci­ja an­di euro­pi­ti­ki lite­ra­tu­ra­ke­ri sce­na duach te be­scharel.

>>ARTE F/2016, 27 Min., Jacques Malaterre

Leskere verktscha ande valami deschu­duj tschib­tscha prik be­schar­de ule. I kenva „Die Ursitory“ les­keri erschti sina, savi 1946 ari ali taj te andi nimtsch­ki tschib prik be­schar­di uli. Palo­da o cilo Nevo Testa­mento ando Kal­de­rasch prik be­schar­tscha. 1917 o Matéo Maximoff andi Es­panija le kira­lis­tar Al­fons XIII. up­ro them al, savo ojs ha­bu­ris­kero geg­neri pro vila­go ojs neutra­li ari vrisch­tschan­tscha. Schtar ber­scha les­kero kira­lis­kero raji­pe use roa­si­ni­pes­kero than but dsche­nen­ge hi, save ang­lo kejmpfi­nip­tscha an­di Euro­pa, naschi dschan. Telal o migrantscha ando bersch 1915 te duj terne Roma hi, save ando 17to jeneri 1917 ando afka akardo Romengero than ande Barcelona, pumare erschti tschau uschtiden: le Matéo Maximoff. O Roma pal o telsch­ta­mini­pes­kero vila­go, use min­den­feli­tike grupn keri­nen. Le Matéos­keri daj andar jek fami­lija le fran­citike Manou­chen­dar hi, les­kero dad uso and roasi­me Kalderasch an­dar o Rusto keri­nel, save butvar harku­maschta hi.

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ARTE: Matéo Maximoff, Romancier

Februar 20th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Die Arte-Reihe „Vergissmeinnicht“ widmet sich Men­schen, die – wenn auch manch­mal nur für kur­ze Zeit – zu Mit­ge­stal­tern der euro­päi­schen Ge­schichte wur­den, später aber in Ver­ges­sen­heit gerie­ten. In dieser Fol­ge: Matéo Maximoff.

Arte F/2016, 27 Min., Regie: Jacques Malaterre – Abrufbar nur bis 24.2.2017

Er war ein unermüdlicher Fürsprecher für sein Volk – die Roma – und ein glü­hen­der För­derer ihrer Kultur: der Schrift­stel­ler Ma­téo Maxi­moff. Er konn­te sich als ers­ter Schrift­steller unter den Roma in Frank­reich in der euro­päi­schen Literatur­szene durch­setzen. Sei­ne Werke wur­den in rund ein Dutzend Spra­chen über­setzt. Der Ro­man „Die Ursitory“ war sein ers­ter Roman, der 1946 er­schien und auch ins Deut­sche über­setzt wor­den ist. Später über­setzte er das ge­sam­te Neue Testament ins Kal­de­rasch-Romani. Read the rest of this entry »

„So gewaltig ist nichts wie die Angst“

Januar 28th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Stefan Horvath: So gewaltig ist nichts wie die AngstBuchpräsentation mit Stefan Horvath

Sa., 4. Februar 2017, 19:00 Uhr, im Offenen Haus Oberwart (OHO), Lisztg. 12, Oberwart (Eintritt: freie Spende). Musikalische Untermalung: „David Samer Trio“

Stefan Horvath:
So gewaltig ist nichts wie die Angst
Texte aus zwei Jahrzehnten
ed. lex liszt 12: Oberwart 2017

„Solange die Toten mit mir reden, werde ich immer meine Stimme erheben.“

Stefan Horvath, 2016 ausgezeichnet mit dem Theodor-Kramer-Preis für Schrei­ben im Wider­stand und Exil, legt mit „So gewal­tig ist nichts wie die Angst“ ein sehr per­sön­li­ches Buch vor, in dem er Texte aus zwei Jahr­zehnten zu­sam­men­führt. Themen, die den Autor aus der Oberwarter Roma-Sied­lung seit Beginn seines Schrei­bens un­ent­wegt be­schäf­ti­gen, fin­den in dieser Collage von Tex­ten in erzäh­le­ri­scher und lyri­scher Form Aus­druck: mit fikti­ven Ge­schich­ten ver­leiht der Nach­komme zweier KZ-Über­leben­der den Opfern der Kon­zentra­tions­lager eine Stim­me, an­schau­lich be­schreibt er seine Kind­heit und sein Heran­wach­sen in der Roma-Sied­lung und er stellt Fra­gen nach Ent­wick­lungen und Ver­änderun­gen, die das schreck­li­che Attentat 1995 zur Folge hatte, wie auch nach der gegenwärtigen Situation der Volks­gruppe. Es ist ein Schreiben gegen das Ver­ges­sen, aber auch ein Nicht-Ver­ges­sen-Kön­nen. Die Wun­den sind ver­narbt, doch nicht ver­heilt – aktuel­le Er­eig­nisse bre­chen sie auf und es ent­stehen Texte wie in diesem Buch: berüh­rend und ge­prägt von stil­lem Schmerz.

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Kenvakero tip: O koronasime sapa

Dezember 28th, 2016  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Jószef Holdosi: Die gekrönten SchlangenLe József Holdosis­ke­ro kla­si­ke­ri an­da­ro Ungri­ko ne­vo up­re pasch­lardo

O nevo ardipe le 1978 andi ungriki tschib kerde erschti ver­kistar le József Holdosistar, jek bojd po­bister­do bari­kano verk la Ro­men­gera-lite­ra­tu­ra­tar pa­pal ando pra­dipe anel. Jek nevo lakipe.

Ande Szombathely, mindschart pedar i granica, aja kenva kerdi uli, pisim jeke terne gim­na­sijumiskere mesch­teris­tar, savo dur pro Ro­men­gero-telsch­ta­mi­nipe ta­ga­tintscha. „Die gekrönten Schlangen“ jek pro­ba­li­nipe hi, pe ada­le vurc­li­nen­ge te terdscha­rel, jek – but­var ando mi­to­lo­gischi ar astar­di – refleksi­jona pedar o koji taj i cu­kunft le Romendar. Mint o József Holdosi (1951–2005) use odo­la pi­jonir­tscha jeka Ro­men­gera-inte­li­gen­ci­jatar kerin­lahi, savi angli Her­ku­lesis­keri buti terdscho­lahi, lake­ra iden­ti­te­taha masch­kar o bu­tera taj o tschu­lipe ando schu­scharipe te al. Ando tscho­ripe upre bartschim, phu­kal ov i his­to­ri­ja jeka Romen­gera-fa­mi­li­jatar ande jek sid­lung pasche i ga­ves­keri rik, kaj manu­scha but naso­ra­li­peha dschin, ham te but man­gi­peha, puma­roi bibast tel te tre­sanel.

Ande ada them, pherda bibastaha, pama­ri­tschen­gere figu­renca taj miti­schi fala­tenca, karak­ta­ri­si­ri­nel o Holdosi min­den­fe­li­tike droma andar o tscho­ri­pe: O lek phu­rane­der phral, jek mo­leri, ando fiberi le „Zigeu­ner­chris­tusi­ha“ va­kerel, mo­linel le, hot le Romen andar len­geri bibast, te putri­nel. O dujto, jek mu­schi­kaschi, duach o vila­go roasi­nel, i pobis­teri phuri muschi­ka le Romen­dar te lakel. Taj i triti, i phen, pri bast uso gadsche ando baro foro rodel.

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Buchtipp: Die gekrönten Schlangen

Dezember 27th, 2016  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Magischer Realismus aus Ungarn: József Holdosis Roman "Die gekrönten Schlangen" (Foto:z.V.g. v. Fam. Holdosi)József Holdosis Klassiker aus Ungarn neu aufgelegt

Die Neuausgabe des 1978 auf Ungarisch erschie­ne­nen Roman­debüts von József Holdosi macht ein fast ver­ges­se­nes Schlüs­sel­werk der Roma-Lite­ra­tur wie­der zu­gäng­lich. Eine Wieder­ent­deckung.

In Szombathely, gleich hinter der Grenze, ist dieser Roman ent­standen, ver­fasst von einem jun­gen Gym­na­sial­lehrer, der seine Roma-Her­kunft lange ver­schwie­gen hatte. „Die ge­krön­ten Schlan­gen“ ist der Ver­such, sich diesen Wur­zeln zu stel­len, eine – mit­unter ins Mytho­lo­gi­sche aus­grei­fende – Re­flexion über We­sen und Zu­kunft der Roma. Denn József Holdosi (1951–2005) ge­hörte zu jenen Vor­reitern einer Roma-Intel­li­gen­zija, die vor der Her­ku­les­auf­gabe stand, mit ihrer Iden­tität zwi­schen Mehr­heit und Min­der­heit ins Reine zu kom­men. Selbst in Armut auf­ge­wach­sen er­zählt er die Ge­schichte einer Roma-Fa­milie in einer Sied­lung am Dorf­rand, be­völkert von Men­schen vol­ler Schwä­chen, aber auch vol­ler Ver­langen, ihr Schicksal ab­zu­schüt­teln.

In dieser Welt voller Grausam­keit, mär­chen­hafter Figu­ren und über­natür­li­cher Ele­mente skiz­ziert Holdosi unter­schied­liche Wege aus dem Elend: Der ältes­te Bru­der, ein Maler, spricht im Fieber­wahn mit dem „Zigeu­ner­christus“, fleht ihn an, die Roma aus ihrem Un­glück zu be­frei­en. Der Zwei­te, ein Musiker, streift durch das Land, um die ver­gessene Ur­musik der Roma zu fin­den. Und die Dritte, die Schwes­ter, sucht ihr Heil bei den Gadsche (Nicht-Roma) in der Groß­stadt.

Doch sie alle scheitern. Die Erlösung bleibt aus, die Rück­besin­nung auf die „wahre“ Roma­kultur endet im Nirgend­wo; und auch die Assi­mi­la­tion ent­puppt sich als trüge­ri­scher Irrweg. Read the rest of this entry »

dROMa 48 (2016): „Literatur | Literatura“

Dezember 18th, 2016  |  Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

dROMa 48 (2016) - Cover: Katharina JanoschkaHerbst/Winter | Terno dschend/Dschend 2016

Literatura | Literatura
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Die Zeit ist reif, findet der Publizist Karl-Markus Gauß und for­dert in seinem Plä­doyer auf S. 9 einen spe­ziel­len Buchmesse-Schwer­punkt für Roma. Tat­säch­lich hat die Lite­ra­tur von Roma und Romnja, wie die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Beate Eder-Jordan in ihrem ein­lei­ten­den Ar­ti­kel (S. 3) aus­führt, kaum mehr zu über­blicken­de Aus­maße er­reicht – Lite­ra­tur, so viel­fältig wie die Roma selbst, Lite­ra­tur sämt­li­cher Spar­ten und Gat­tun­gen, auf Romanes oder in einer der vie­len Spra­chen Euro­pas. Auch die For­schung be­ginnt dem Rech­nung zu tra­gen, eine eigene Roma-Lite­ra­tur­wis­sen­schaft ist dabei, sich zu for­mie­ren. Einer Pio­nie­rin der Roma-Li­tera­tur wid­met sich Michael Teichmann: Er nimmt eine eben er­schie­ne­ne DVD zum An­lass, die pol­ni­sche Lyrike­rin Papusza vor­zu­stel­len. Mónica Ibarz hat mit Núria L. de Santiago aus Barcelona über ihr Buch „El ángel de Mahler“, den ers­ten Roman einer Gitana bzw. Romni in Spanien, ge­spro­chen. Und auf S. 19 em­pfiehlt Roman Urbaner „Die ge­krön­ten Schlan­gen“ von József Holdosi, einen neu auf­ge­leg­ten Klas­si­ker der Roma-Literatur aus Ungarn.

I cajt ali, phenel o publicisto Karl-Markus Gauß taj ande pro va­ke­ri­pe upri rik 9 jek schpe­ci­jeli phari­pes­kero gendo le Romen­ge upro ken­va­kero foro man­gel. Tscha­tschi­kan nan i litera­tura le Ro­men­dar/Ro­mnjen­dar, sar le i litera­tu­ra­keri visen­schoft­ler­kija Beate Eder-Jordan ande la­kero pi­si­nipe (rik 3) phe­nel, bu­ter prik te dikel, mint oj imar asaj bulhi uli – min­den­feli­ti­ki lite­ra­tura afka sar o Roma, lite­ra­tura andar o cile thana taj kate­go­riji, ande Romanes vaj ande jek le but euro­pi­tike tschip­tschen­dar. Te o for­schi­nipe kes­di­nel ada­leske latschi­pe te anel, jek ajgeni Romen­geri-lite­ra­tura­keri visen­schoft use hi, pe te for­miri­nel. Jeka pijonir­ki­jake la Romen­gera-lite­ra­turatar vid­minel pe o Michael Teichmann: Ov jek DVD, savi na dur ari ali ojs koja peske lel, la pol­ni­tika liriker­kija Papusza angle te terdscha­rel. Read the rest of this entry »

PEN-Literaturpreis an Samuel Mago

November 16th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Literatur & Bücher

Samuel Mago bei der Preisvergabe in der Wiener Messehalle (Foto: WSNA/dROMa)Der „Roma-Literaturpreis des Österreichischen PEN – im Gedenken an Ceija Stojka“ wurde dieses Jahr an den noch jun­gen, erst zwan­zig­jäh­ri­gen Samuel Mago ver­lie­hen. Sein Talent ist ein Ver­spre­chen für die Zukunft: Er ist auf dem besten Wege, ein be­deu­ten­der Schrift­stel­ler, ein Roma-Schrift­stel­ler zu wer­den.

Begründung der Preisvergabe:

Samuel Mago, 1996 in Budapest geboren, in Wien aufge­wach­sen, drei­spra­chig (Ungarisch, Deutsch, Romanes), bil­dungs­hung­rig und für seine Volks­gruppe sowie überhaupt für alles Menschen­recht­liche höchst enga­giert, hat noch mit keinem großen, aus­gereif­ten und vom Leser rezi­pier­ten, reprä­sen­ta­ti­ven Gesamt­werk auf­zu­warten, aber er hat litera­ri­sche Spuren ge­legt und hinter­lassen, die zu ihm ge­führt haben und zu ihm führen kön­nen. Das war für mich 2015 der „exil-jugend-lite­ra­tur­preis“ für seine Kurz­ge­schich­te „Zeuge der Freiheit“, die mich auf­hor­chen ließ.

In einem von mir erbetenen und mir dann übermittel­ten Manuskript mit Kurz­geschichten bin ich dann den Weg zu ihm weiter ge­gangen, habe mich in seine Litera­tur hinein­be­ge­ben und mich darin ver­tieft. Und da bin ich auf et­was Seltenes und Selt­sames ge­stoßen. Das waren nicht ge­wohnte und ge­wöhn­li­che Erzählungen mit ge­wohn­ten Er­eig­nis­sen und Men­schen, denen ich da be­geg­net bin, son­dern es handelt sich stets um Außer­gewöhn­li­ches, dem man da be­gegnet. Nicht das Ge­wohnte, das Banale des All­tags oder des Lebens über­haupt wird zum Vor­schein gebracht und lite­ra­risch auf­berei­tet, son­dern es han­delt sich gerade um das Nicht-Augen­schein­li­che, um das nicht auf den ersten Blick Er­sicht­li­che und offen­sicht­lich Begreif­bare, das da ab­läuft, ge­schil­dert wird und uns be­gegnet.

Immer und immer wieder geht es um das anscheinend Neben­sächliche, in dem das Haupt­säch­li­che so neben­bei zum Vor­schein kommt, sich selbst zum Vor­schein bringt, sich ent­birgt; im Gewöhn­li­chen, im Gewohn­ten, im Alltäg­li­chen, im Bana­len. Das Beson­dere und somit Wesent­li­che liegt nicht so sehr im sicht­baren und leicht ver­folg­baren Ab­lauf der Ereig­nis­se, der Dinge und Men­schen, son­dern dieses Beson­dere ereig­net sich im Ver­bor­ge­nen, liegt so­zu­sa­gen sub­kutan, „unter der Haut“. So könn­te auch der Titel des ersten Prosa­bandes mit sol­chen Geschich­ten sein, an dem Samuel Mago ar­beitet und der in der Edition Exil bei Christa Stippinger heraus­kom­men wird. Read the rest of this entry »

Katarina Taikon: Aktivistin und Autorin

November 7th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Roma-Aktivistin und Kinderbuchautorin Katarina Taikon (Foto: KIBUM)Ausstellung bei der Kinder- und Jugendbuchmesse (KIBUM) in Oldenburg: „Katarina Taikon – schwedische Romaaktivistin und Kinderbuchautorin“

6.11. bis 15.11.2016 (9.30–12.30 Uhr und 15.00–18.00 Uhr), Katharinenstr. 1, Oldenburg

Katarina Taikon – faszinierende schwedische Roma­akti­vis­tin, Kin­der- und Jugend­buch­auto­rin und Schau­spie­le­rin, (1932–1995) – ist in Schweden ähn­lich be­kannt wie Astrid Lindgren. Tai­kon ist ins­beson­dere po­pu­lär durch ihre auto­bio­gra­phisch ge­präg­ten Kinder­bücher um das Roma-Mäd­chen Katitzi als Pro­ta­go­nis­tin. Die drei­zehn Bände wur­den in et­li­che Spra­chen über­setzt.

Eine schwedische Fernsehserie for­cier­te Katitzis Beliebt­heit, ne­ben Comics, Bilder­büchern und Schall­platten. Tai­kon stellte „Katitz­i“ in den schwe­di­schen Schu­len vor und kämpf­te für einen ande­ren Um­gang der schwe­di­schen Gesell­schaft mit den Roma. Sie woll­te hier­für mit dem Medium „Kinder­literatur“ bei Kin­dern und Jugend­li­chen an­setzen. Selbst hat­te Taikon als Romni nie eine Schule be­su­chen dür­fen und erst mit 26 Jah­ren das Lesen er­lernt. Aktu­ell läuft der Film „Taikon“ über das Le­ben von Katarina Taikon im schwe­di­schen Fern­sehen und Kino und sorg­te für Dis­kus­sio­nen im Euro­päi­schen Par­la­ment. Tai­kons Bücher wer­den mit zahl­reichen päda­go­gi­schen Hand­rei­chun­gen für den Unter­richt wie­der neu auf­gelegt.

Der Freundeskreis für Sinti und Roma in Oldenburg e.V. nimmt die Idee der schwe­di­schen Medien und Kul­tur­ein­rich­tun­gen auf, über die Iden­ti­fi­ka­tions­figur Kata­rina Taikon die Dar­stel­lung der Roma po­si­tiv zu be­nen­nen: mit einer Aus­stel­lung nach dem Vor­bild der Tensta Konsthall (Stockholm) so­wie ein einem Rah­men­programm. Read the rest of this entry »

„Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege“

November 2nd, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Viele Kämpfe und vielleicht einige SiegeViele Kämpfe und vielleicht einige Siege. Tex­te über Anti­roma­is­mus und his­to­ri­sche Lokal­re­cher­chen zu und von Roma, Rom­nja, Sinti und Sin­tezze in Sachsen, Sachs­en-An­halt und Tsche­chien, hrsg. von Kath­rin Krahl und Antje Meichs­ner, Wei­ter­den­ken / Hein­rich-Böll-Stif­tung Sach­sen: Dres­den 2016, 254 S.

Die Publikation kann hier kos­ten­los als PDF herun­ter­ge­la­den wer­den.

Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: Der Sammelband „Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege“ ver­sam­melt Auf­sätze von Autor/in­nen aus Ak­ti­vis­mus und Selbst­or­ga­ni­sie­rung, Wis­sen­schaft­ler/in­nen, poli­ti­sche Bild­ner/in­nen, Künst­ler/in­nen, Com­mu­nity-Ar­bei­ter/in­nen und po­li­ti­sche Kämpfer/in­nen. Es ist ein Kom­pen­dium, das aus­ge­hend vom so gut wie nicht be­schrie­be­nen weißen Papier der Ge­schich­te der Roma und Rom­nja und de­ren Ver­fol­gung in Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Tsche­chien (in deut­scher Spra­che) einen Aus­gangs­punkt setzen möch­te. Wir ha­ben uns auf die Suche be­ge­ben und Autor/in­nen ge­win­nen kön­nen, die uns in ihre wis­sen­schaft­li­che Arbeit, ihren Akti­vis­mus oder ihre Lebens­reali­tä­ten Ein­blick geben. Die loka­len Bei­träge haben wir mit Stim­men über­regio­na­ler Autor/in­nen er­wei­tert, um ein brei­te­res Bild von Roma-Ak­ti­vis­mus auf­zu­zeigen.

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E-Theses: Gegenöffentlichkeit der Roma (2015)

Oktober 21st, 2016  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Raffaela Gmeiner (2015): Essentialistische Gegen­öf­fent­lich­keit der Roma in Österreich. Min­der­heiten­medien als Stra­te­gie zur Aus­balan­cie­rung anti­ziga­nis­ti­scher Medien­bericht­er­stat­tun­gen sei­tens bür­ger­li­cher Medien

Magisterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozial­wis­sen­schaf­ten), 144 S.

→Download der UB Wien (pdf)

Abstract: (…) Vor allem Volks­grup­pen­an­ge­hö­rige der Roma werden von der „bür­ger­lichen“ Öffent­lich­keit oft aus­ge­schlos­sen und von den Massen­medien meist stereo­typi­siert re­prä­sen­tiert. Um dem anti­ziga­nis­ti­schen Diskurs in den Medien ent­gegen­zu­wirken, muss es zur Etab­lie­rung einer Gegen­öffent­lich­keit der Roma kom­men: Minder­heiten­medien und Gegen­bericht­erstat­tun­gen in Mainstreammedien können zur medialen Aus­balan­cie­rung bei­tra­gen. Die vor­lie­gen­de Arbeit ver­knüpft ak­tuel­le Öffent­lich­keits­theo­rien mit dem Problem des medial ver­brei­te­ten Anti­ziganis­mus und fo­kus­siert auf das Poten­tial alter­na­tiver Medien. (…) Aus kom­muni­ka­tions­wissen­schaft­li­cher Perspek­tive haben Medien wich­ti­ge soziale Funk­tio­nen und sollen zur inter­kultu­rellen me­dia­len Integra­tion bei­tra­gen. Im Falle der Roma wirken Medien jedoch eher des­integra­tiv, es kommt zur Kon­struk­tion proble­ma­ti­scher Fremd­bilder, die aus medien­ethischer Per­spek­tive höchst diskus­sions­bedürf­tig er­schei­nen. Die Arbeit geht der Frage nach, wie anti­ziganis­ti­sche Medien­bericht­er­stat­tung aus­balan­ciert werden kann und welche gegen­öffent­li­chen Strate­gien dabei An­wen­dung fin­den. Dabei wird das Ver­hält­nis zwi­schen Min­der­heiten- und Massen­medien unter­sucht. Die em­piri­sche Studie geht in­duktiv vor und erforscht idio­graphisch am „Fall Maria“, wie Mehr­heits- und Minder­heiten­medien das Er­eig­nis dar­stell­ten. Mittels quali­ta­tiver Inhalts­analy­se wur­den Zeitungs­berichte in einem Zeit­raum von drei Monaten unter­sucht. Im Fall Maria kam es zur Ver­öffent­li­chung fal­scher Informa­tio­nen und zur Konstruk­tion pre­kärer Diskurs­frag­mente. (…) Die große An­zahl nega­tiver Zeitungs­berichte konn­te von den Roma­maga­zi­nen nicht aus­balan­ciert werden. Je­doch kam es in­ner­halb der Main­stream­medien zu gegen­öffent­li­chen Mei­nungs­äuße­run­gen: V.a. nicht­redak­tio­nel­le Bei­träge, wie etwa Kom­men­ta­re, Kolumnen und ein Leserbrief kriti­sier­ten die anti­ziganis­ti­schen Dar­stel­lungs­weisen. (…) Die Stärkung einer es­sentia­lis­ti­schen Gegen­öffent­lich­keit der Roma in Österreich erweist sich in Anbetracht der Studie als dringlich.

Die Berichterstattungen der Mainstreamzeitungen zum Fall Maria waren von stereo­typen Bildern und anti­ziga­nis­ti­schen Mut­maßun­gen ge­prägt. Der mediale Diskurs über den Fall Maria setz­te sich aus meh­re­ren proble­ma­ti­schen Diskurs­frag­men­ten zu­sam­men: Genetik, Rassi­fi­zie­rung, Kindes­ent­füh­rung, Kinder­han­del, Sozial­betrug, Klein­krimi­na­li­tät, Betteln, Armut, aber auch Selbst­re­fle­xion der Me­dien. Es kam zur Ver­brei­tung fal­scher und schlecht re­cher­chier­ter In­for­ma­tion sowie zu pre­kä­ren Dar­stel­lungs­weisen der Volks­grup­pen­an­ge­hö­ri­gen. Die weni­gen Roma­zeit­schrif­ten hat­ten auf­grund ihrer gerin­gen An­zahl und der lan­gen Publi­ka­tions­perio­den kaum eine Chance, dem mas­sen­medial ver­brei­te­ten Anti­ziganis­mus ent­gegen­zu­wir­ken. Nur zwei Roma­zeit­schriften (Romano Centro und dROMa) setz­ten sich mit dem Fall Maria auseinan­der, wo­hin­ge­gen die Mehr­heits­zei­tungen ins­ge­samt 67 Bericht­er­stat­tun­gen dazu ver­öf­fent­lich­ten. Read the rest of this entry »

Wien bekommt Ilija-Jovanović-Park

Oktober 19th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Wien: Ilija-Jovanovic-Platz (Foto: wien.gv.at)

Wiener Park wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović benannt – Feier zur Benennung am 22. Oktober 2016, 14 Uhr

Der Park am Wildgansplatz wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović be­nannt. Ilija Jova­no­vić war einer der Grün­der des Vereins Romano Centro, der sei­nen Sitz direkt am Park hat und sich seit 25 Jah­ren für Roma ein­setzt. Ro­ma­no Centro hat die Be­nen­nung an­ge­regt, um seinen lang­jähri­gen Obmann zu ehren und um die Leis­tun­gen von Roma und Romnja in der Öf­fent­lich­keit sicht­bar zu ma­chen. Bezirk und Stadt haben die Be­nen­nung be­für­wor­tet und am Sams­tag, 22. Okto­ber 2016 ist es end­lich so­weit: Die Namens-Tafel wird feier­lich ent­hüllt.

Ilija Jovanović (1950-2010)

Ilija Jovanović, wurde 1950 in einer Romasiedlung in Rumska (Serbien) ge­bo­ren. Trotz der schwie­ri­gen Lebens­bedin­gun­gen ge­lang es dem Vater, Ilija schon früh für Literatur zu be­geis­tern. 1970 kam Ilija Jova­no­vić nach Österreich, er fass­te in Wien Fuß und be­gann neben seiner Arbeit im AKH zu schrei­ben, zu­nächst in Serbisch, spä­ter in Deutsch und in seiner Mutter­spra­che Romanes. Er en­ga­gier­te sich in meh­reren zivil­gesell­schaft­li­chen Or­gani­sa­tio­nen, vor allem im Romano Centro, das er 1991 ge­mein­sam mit ande­ren be­grün­dete und des­sen Obmann er viele Jahre war. Die Lern­hilfe für Roma, die der Verein seit über 20 Jahren durch­führt und die Hun­der­ten von Kindern zu schu­li­schem Erfolg ver­holfen hat, geht auf seine Ini­tia­tive zu­rück.

Ilija Jovanović hat seine Gedichte in drei eigenen Lyrik­bänden und zahl­rei­chen Antho­logien ver­öffent­licht. Er er­hielt meh­rere Aus­zeich­nun­gen, u.a. den Theodor-Körner-Preis 1999 und den Exil-Lyrik-Preis 2010. Im Jahr 2008 wurde ihm das Bundes-Ehren­zeichen für Ver­dienste um den inter­kultu­rel­len Dialog ver­liehen. Eine beson­dere Aus­zeich­nung für ihn war, dass die Litera­tur­nobel­preis­trä­gerin Elfriede Jelinek das Nach­wort zu sei­nem letz­ten Buch ver­fasst hat. Read the rest of this entry »

„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012)

Oktober 9th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Martina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Le­bens­ge­schich­ten bur­gen­län­di­scher Roma

Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Phi­lo­sophie und Bil­dungs­wis­sen­schaft), 127 S.

→Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugen­dokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein „Roma-Service“, aus an­er­ken­nungs­theo­re­tisch fun­dier­ter Per­spek­tive be­trach­tet. Dabei bil­det das An­er­ken­nungs­mo­dell des deut­schen Sozial­philo­sophen Axel Hon­neth das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Un­ter­suchung. Honneth dif­fe­ren­ziert zwi­schen drei An­erken­nungs­mus­tern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Miss­ach­tungs­for­men – Miss­handlung, Ent­rechtung, Ent­würdigung – ent­ge­gen­stellt. Diese Unter­schei­dung trifft er auf­grund ihrer je­wei­li­gen Be­deu­tung für For­men des Selbst­be­zugs – Selbst­vertrauen, Selbst­achtung und Selbst­schätzung. Mit Hilfe einer qua­li­ta­ti­ven Inhalts­analyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Be­deu­tung von Anerkennungs- bzw. Miss­ach­tungs­­er­fah­­run­­gen für Handl­ungs­freiheit und Selbst­wert der 15 er­zäh­len­den Burgenland-Roma be­trach­tet.

„Mri Histo­rija“ ist nicht nur als Bei­trag zur öster­rei­chi­schen Erin­nerungs­kultur zu se­hen, son­dern gleich­zeitig als kri­tische Thema­ti­sie­rung von sozialen Aus­schließungs­pro­zes­sen, die eine selbst­bestimm­te Lebens­praxis be­hin­dern und sich nega­tiv auf den Selbst­wert der Indi­vi­duen aus­wirken kön­nen. In „Mri Historija“ wer­den je­doch Ent­wick­lun­gen sicht­bar, die auf ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Burgenland-Roma ver­weisen. (M. Schedl, S. 120)

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