Literatur & Bücher
Oktober 8th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma/45 years of civil rights work of German Sinti and Roma, Katalog zur Ausstellung, Heidelberg 2017, 92 S.
Der Katalog kann online heruntergeladen oder aber über das Büro des Zentralrats bestellt werden.
Bereits in den 1950er Jahren versuchte eine Gruppe deutscher Sinti, die Hauptverantwortlichen des Völkermordes an Sinti und Roma in Europa vor Gericht zu bringen – leider erfolglos. Es gab im Nachkriegsdeutschland keine einzige gesellschaftliche oder politische Institution, die Sinti und Roma nach dem Holocaust unterstützt hätte. Heute, im Jahr 2017, ist der Völkermord anerkannt. In Berlin steht das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas direkt neben Reichstag und Brandenburger Tor. Sinti und Roma sind als nationale Minderheit anerkannt.
Jeder einzelne Erfolg der Bürgerrechtsarbeit musste gegen massive Widerstände in Politik, Verwaltung und Gesellschaft in zum Teil jahrzehntelanger Auseinandersetzung durchgesetzt werden. Ohne die Unterstützung vieler einzelner Persönlichkeiten, ohne die Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und insbesondere der Medien wäre der Erfolg der Bürgerrechtsarbeit nicht möglich gewesen.
Unsere Ausstellung ist deshalb all den Sinti und Roma gewidmet, die sich nach dem Ende des NS-Regimes in Deutschland und in Europa für die Rechte unserer Minderheit eingesetzt haben und ebenso all den Freunden und Unterstützern, ohne die unsere Bürgerrechtsarbeit nicht die Anerkennung gefunden hätte, die heute erreicht worden ist. Diese Ausstellung ist ebenso den jungen Menschen gewidmet, die diesen Weg, der noch lange nicht abgeschlossen ist, weiter gehen werden.
(Aus dem Vorwort von Romani Rose)
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September 22nd, 2017 |
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Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte
Vor zehn Jahren 2.000 Mal (aus)verkauft. Jetzt online:
Semra Idic: Wenn nicht sogar sehr
Meine Geschichte unserer verhinderten Abschiebung
Vor zehn Jahren kam Semra Idic zu einem Praktikum in die Redaktion der Düsseldorfer Straßenzeitung fiftyfifty. Die junge Romni und ihre Familie sollten in ein Elendsdorf nach Südserbien abgeschoben werden. Dabei haben die 17-jährige Semra und ihre drei Geschwister dieses Dorf nie gesehen. Sie waren vorbildlich integrierte Kinder vorbildlicher Eltern. fiftyfifty hat zusammen mit einem breiten Bündnis die Abschiebung verhindert sowie die Flüchtlingshilfe „STAY!“ mitgegründet. Und Semra hat ein Buch geschrieben, das schnell vergriffen war und nun online zu lesen ist.
Günter Grass, der sich mit einer eigenen Stiftung und einem Buch („Ohne Stimme – Reden zugunsten des Volkes des Roma“) zeitlebens sehr für Roma eingesetzt hat, steuerte das Vorwort zu Semras Buch bei – eine kleine Sensation, die half, den Titel 2.000-mal zu verkaufen.
Das komplette Buch inkl. eines ausführlichen Anhanges finden Sie hier als PDF.
September 5th, 2017 |
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Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio RomaRespekt #4: Literatur mit Haltung – „Meine 7.000 Nachbarn“
Sendung vom 4.2.2016: Eva Ruth Wemme ist Lektorin, preisgekrönte Autorin und Übersetzerin aus dem Rumänischen. Sie arbeitet außerdem seit mehreren Jahren als Sprach- und Kulturmittlerin in Berlin. In dieser Funktion dolmetscht und berät sie Migrant/innen aus Rumänien, die sehr oft Roma und Romnja sind. So ist sie sehr nah an ihren Sorgen und Nöten dran, bekommt die ganze Bandbreite ihrer Diskriminierung mit. Sie schrieb ihre Erlebnisse in kurzen Geschichten auf, die im Buch „Meine 7.000 Nachbarn“ zusammengestellt sind. Erklärt ihr Buch, wer oder wie die Roma und Romnja sind? Eva Ruth Wemme sagt dazu in der Einleitung: „Ich fragte mich also: Wer sind die Roma? Bis sich kurz darauf herausstellte, dass die Antwort auf diese Frage sowohl unauffindbar als auch so gut wie irrelevant für das Zusammenleben ist.“
Ihr hört in der Sendung die Lesung von Eva Ruth Wemme zu ihrem Buch „Meine 7.000 Nachbarn“ (Weblog). Sie liest mehrere ihrer kurzen Geschichten, in denen sie ihre Zusammenarbeit mit Berliner Roma und Romnja beschreibt. Danach sind einige Beiträge aus der Diskussion zu hören. Die Lesung fand am 23. September 2015 im Festspielhaus Hellerau in Dresden während der Herbstschule gegen Antiromaismus statt.
Musik: „Chaven Romane“ von Lavinia Raducanu
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)
August 18th, 2017 |
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Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Johanna Westermaier (2016): An den Grenzen der Hoffnung. Ethnographie eines Arbeitsmarktintegrationsprojektes für Roma/Romnija
Masterarbeit (MA), Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie), 95 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Einleitung (S. 1-3):
Die Masterarbeit beschäftigt sich mit einem Arbeitsmarktintegrationsprojekt für Roma und Romnija in der Steiermark. Das Projekt, das von einer NGO in Kooperation mit anderen NGOs und Roma-Selbstvertretervereinen über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt wird, (…) baut auf drei zentralen Säulen auf: Arbeitsmarktintegration, Empowerment und Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Ziel ist es, über Beratung und Betreuung, Deutsch- und Qualifizierungskurse sowie durch Vermittlung, die Chancen der teilnehmenden Roma/Romnija auf dem ersten Arbeitsmarkt in Österreich deutlich zu erhöhen. Mithilfe von Empowerment-Workshops und der Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Roma-Selbstvertretervereinen soll Diskriminierung entgegengewirkt werden. Über Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit sollen einerseits existierende Vorurteile in der Mehrheitsbevölkerung abgebaut und andererseits ein Netzwerk an UnterstützerInnen, auch in Form von potentiellen Arbeitgebern, aufgebaut werden.
Über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitete ich das Projekt in Form einer Feldforschung. (…). Ziel war es, einen kulturanthropologischen Blick auf die Rolle dieses Arbeitsmarktintegrationsprojektes vor dem Hintergrund kultureller Transformationsprozesse zu richten, die Innensicht der verschiedenen AkteurInnen zu erhalten und mithilfe ethnographischer Methoden zu erfassen und auszuwerten. Dabei galt es, die institutionellen, staatlichen, ideologischen und kulturellen Strukturen, in welche das Projekt unweigerlich eingebunden ist, im Hinblick auf deren einschränkende und ermöglichende Funktionen zu analysieren. Um diese Strukturen, die den Möglichkeiten des Projektes Grenzen setzen, ersichtlich zu machen, stelle ich die Perspektive der MitarbeiterInnen der der TeilnehmerInnen gegenüber. Read the rest of this entry »
Juli 1st, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte
Wolfgang Radlegger: Roma – zum Betteln verdammt. Eine historisch-kritische Auseinandersetzung. Aktualisiert am Beispiel der Stadt Salzburg, Edition Tandem: Salzburg 2017 (gebunden, 320 Seiten, ISBN 978-3-902932-66-2)
Buchpräsentation in Salzburg am 6. 7. 2017, 19 Uhr
Phurdo/Beratungszentrum, Schallmooser Hauptstr. 31
Die Geschichte der Roma und Sinti ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung. Wolfgang Radlegger wollte es genau wissen und ist tief in die Geschichte abgestiegen, um Spuren zu sichern. Er hat sich aber nicht allein aus den historischen Quellen bedient, er hat sich selbst auf die Reise zu den immer noch „Verdammten“ dieser Erde gemacht. Das ist deshalb so wichtig, weil die Bettler, denen wir heute verstärkt auf den Straßen der Städte Europas begegnen, zu einem erheblichen Teil der Gruppe der Roma angehören. Was das für Salzburg bedeutet und wie die Politik damit umgeht, hat Radlegger in einem eigenen Kapitel exemplarisch abgehandelt. Das Buch ist ein großes Plädoyer für Toleranz.
(Edition Tandem)
Mai 14th, 2017 |
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Literatur & Bücher
Jovan Nikolić: Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben, Drava: Klagenfurt 2016, 144 S., 18,80 Euro
Humorvolle Erinnerungsarbeit
Heimat, Trauer und Witz: Jovan Nikolić blickt zurück.
Es ist der Galopp von Düften der Kindheit, der Geruch der Stadt und die Frage, wieso der Vater mit seinem Orchester überall in Jugoslawien gespielt hat, nur nicht in Slowenien. Es sind die Gasthäuser und die Kellner, die (weißes Hemd, schwarze Hose) den Autor an jemanden denken lassen, der gleichzeitig heilt und beerdigt: oben Arzt, unten Bestattung. „Das Wirtshaus als Tempel der europäischen Zivilisation“ avanciert zum Lieblingstext, wird vom nächsten übertrumpft und so weiter bis zum titelgebenden Kapitel „Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben“. Das Buch ist in mehrfacher Hinsicht voll Musik, ernste Töne zum Geheimdienst inklusive. Jovan Nikolić, in Köln lebender Roma-Schriftsteller aus Serbien, hat gesammelt, was er sonst „bei sporadischen Treffen am Kneipentisch spurlos verschwendet“ hätte. Gefundenes Fressen, wunderbar!
(Text: U. Loigge/Kl. Zeitung, 15.4.2017)
Link: Drava Verlag
Siehe auch:
KulturTon: Jovan Nikolić im Gespräch, 22.6.2015
Radio Freirad über Jovan Nikolić, 20.4.2015
Jovan Nikolić in Innsbruck, 30.4.2015
April 21st, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
„Es brauchte zwei Generationen für den Kampf um Anerkennung“ – Romani Rose und sein Einsatz für Menschenrechte der Sinti und Roma
RDL/orgenrad, 7. April 2017, 13.35 min
>>Anhören (mp3)
„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“. Der Untertitel dieses Buches sei ganz wörtlich gemeint, so die Autorin Behar Heinemann. Denn Romani Rose, Mitgründer und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, habe sein Leben ganz in den Dienst des Kampfes um die Anerkennung der Verfolgung dieser Minderheit im Nationalsozialismus und um ihre Rechte gestellt. Dabei trat er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Onkels, die – anders als 13 ermordete Familienmitglieder – den Porajmos überlebt und sich fortan für die Bürgerrechte der Sinti und Roma engagiert hatten. Während sie noch jahrzehntelang nach dem Krieg auf taube Ohren stießen, gelang es später, die Anerkennung der Sinti und Roma bis auf die Agenda der Bundesregierung zu bringen. Romani Rose ging dafür einen Weg vom Hungerstreik bis zur Ehrung durch Angela Merkel.
Die Autorin, Künsterlin und Fotografin Behar Heinemann, geboren im Kosovo und seit den 90er Jahren in Deutschland lebend, ist selbst Romni und kennt Romani Rose seit rund 20 Jahren. Das Buch sei eine Hommage an ihn, ein Versuch, ihn als Bürgerrechtler und als Menschen zu verstehen und kritisch zu würdigen.
„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“ wurde am 4. April im Dokumentationszentrum deutscher Sinti und Roma vorgestellt und ist seit dem 5. April im Buchhandel erhältlich. Radio Dreyeckland hat – im Vorfeld des Internationalen Romatags am 8. April – mit der Autorin Behar Heinemann darüber gesprochen. Zuerst fragten wir, was die Familie Rose im Nationalsozialismus erlitten hat.
Behar Heinemann: Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte. Danube Books, Ulm 2017, 224 Seiten
(Text: rdl.de)
März 26th, 2017 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
„Doppeltes Unrecht – ein späte Entschuldigung“
Gemeinsame Publikation des deutschen Bundesgerichtshofs und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
Am 17. Februar 2016 fand das gemeinsame Symposium des Bundesgerichtshofs und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zur Aufarbeitung der Entschädigungsrechtsprechung des Bundesgerichtshofs aus den 1950er Jahren betreffend die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti und Roma statt. Die Ergebnisse des Symposiums wurden nun in einer gemeinsamen Publikation des Bundesgerichtshof und des Zentralrats veröffentlicht. Die Broschüre enthält alle Beiträge der Veranstaltung – einschließlich der beiden Vorträge von Herrn Prof. Dr. Dr. Ingo Müller und Herrn Richter am Bundesgerichtshof a. D. Dr. Detlev Fischer – sowie die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Januar 1956, die den Gegenstand des Symposiums bildeten.
Aus dem Vorwort:
„Eine späte Entschuldigung in symbolischer Weise wie auch ganz explizit zum Ausdruck zu bringen, war der tragende Gedanke des Symposiums, das am 17. Februar 2016 in den Räumen des Bundesgerichtshofs stattgefunden hat. Die Entschuldigung gilt den Sinti und Roma, denen durch die Entschädigungsrechtsprechung des Bundesgerichtshofs in den 50er Jahren weiteres Unrecht widerfahren war. Durch eine Rechtsprechung, die die rassistische Motivation der Verfolgung der Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten negierte, die betroffene Bevölkerungsgruppe erneut pauschal diskriminierte und den rechtsuchenden Opfern Entschädigung versagte. Read the rest of this entry »
Februar 23rd, 2017 |
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Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
Ov jek na khino vakeraschi leskere flogoske – le Romenge – taj jek jagalo pomoschagoschi lengera kulturatar sina: o pisimaschi Matéo Maximoff. Ov dschantscha pe ojs erschti pisimaschi telal o Roma andi Francija andi europitiki literaturakeri scena duach te bescharel.
>>ARTE F/2016, 27 Min., Jacques Malaterre
Leskere verktscha ande valami deschuduj tschibtscha prik bescharde ule. I kenva „Die Ursitory“ leskeri erschti sina, savi 1946 ari ali taj te andi nimtschki tschib prik beschardi uli. Paloda o cilo Nevo Testamento ando Kalderasch prik beschartscha. 1917 o Matéo Maximoff andi Espanija le kiralistar Alfons XIII. upro them al, savo ojs haburiskero gegneri pro vilago ojs neutrali ari vrischtschantscha. Schtar berscha leskero kiraliskero rajipe use roasinipeskero than but dschenenge hi, save anglo kejmpfiniptscha andi Europa, naschi dschan. Telal o migrantscha ando bersch 1915 te duj terne Roma hi, save ando 17to jeneri 1917 ando afka akardo Romengero than ande Barcelona, pumare erschti tschau uschtiden: le Matéo Maximoff. O Roma pal o telschtaminipeskero vilago, use mindenfelitike grupn kerinen. Le Matéoskeri daj andar jek familija le francitike Manouchendar hi, leskero dad uso and roasime Kalderasch andar o Rusto kerinel, save butvar harkumaschta hi.
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Februar 20th, 2017 |
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Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
Die Arte-Reihe „Vergissmeinnicht“ widmet sich Menschen, die – wenn auch manchmal nur für kurze Zeit – zu Mitgestaltern der europäischen Geschichte wurden, später aber in Vergessenheit gerieten. In dieser Folge: Matéo Maximoff.
Arte F/2016, 27 Min., Regie: Jacques Malaterre – Abrufbar nur bis 24.2.2017
Er war ein unermüdlicher Fürsprecher für sein Volk – die Roma – und ein glühender Förderer ihrer Kultur: der Schriftsteller Matéo Maximoff. Er konnte sich als erster Schriftsteller unter den Roma in Frankreich in der europäischen Literaturszene durchsetzen. Seine Werke wurden in rund ein Dutzend Sprachen übersetzt. Der Roman „Die Ursitory“ war sein erster Roman, der 1946 erschien und auch ins Deutsche übersetzt worden ist. Später übersetzte er das gesamte Neue Testament ins Kalderasch-Romani. Read the rest of this entry »
Januar 28th, 2017 |
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Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen
Buchpräsentation mit Stefan Horvath
Sa., 4. Februar 2017, 19:00 Uhr, im Offenen Haus Oberwart (OHO), Lisztg. 12, Oberwart (Eintritt: freie Spende). Musikalische Untermalung: „David Samer Trio“
Stefan Horvath:
So gewaltig ist nichts wie die Angst
Texte aus zwei Jahrzehnten
ed. lex liszt 12: Oberwart 2017
„Solange die Toten mit mir reden, werde ich immer meine Stimme erheben.“
Stefan Horvath, 2016 ausgezeichnet mit dem Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil, legt mit „So gewaltig ist nichts wie die Angst“ ein sehr persönliches Buch vor, in dem er Texte aus zwei Jahrzehnten zusammenführt. Themen, die den Autor aus der Oberwarter Roma-Siedlung seit Beginn seines Schreibens unentwegt beschäftigen, finden in dieser Collage von Texten in erzählerischer und lyrischer Form Ausdruck: mit fiktiven Geschichten verleiht der Nachkomme zweier KZ-Überlebender den Opfern der Konzentrationslager eine Stimme, anschaulich beschreibt er seine Kindheit und sein Heranwachsen in der Roma-Siedlung und er stellt Fragen nach Entwicklungen und Veränderungen, die das schreckliche Attentat 1995 zur Folge hatte, wie auch nach der gegenwärtigen Situation der Volksgruppe. Es ist ein Schreiben gegen das Vergessen, aber auch ein Nicht-Vergessen-Können. Die Wunden sind vernarbt, doch nicht verheilt – aktuelle Ereignisse brechen sie auf und es entstehen Texte wie in diesem Buch: berührend und geprägt von stillem Schmerz.
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Dezember 28th, 2016 |
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Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
Le József Holdosiskero klasikeri andaro Ungriko nevo upre paschlardo
O nevo ardipe le 1978 andi ungriki tschib kerde erschti verkistar le József Holdosistar, jek bojd pobisterdo barikano verk la Romengera-literaturatar papal ando pradipe anel. Jek nevo lakipe.
Ande Szombathely, mindschart pedar i granica, aja kenva kerdi uli, pisim jeke terne gimnasijumiskere meschteristar, savo dur pro Romengero-telschtaminipe tagatintscha. „Die gekrönten Schlangen“ jek probalinipe hi, pe adale vurclinenge te terdscharel, jek – butvar ando mitologischi ar astardi – refleksijona pedar o koji taj i cukunft le Romendar. Mint o József Holdosi (1951–2005) use odola pijonirtscha jeka Romengera-inteligencijatar kerinlahi, savi angli Herkulesiskeri buti terdscholahi, lakera identitetaha maschkar o butera taj o tschulipe ando schuscharipe te al. Ando tschoripe upre bartschim, phukal ov i historija jeka Romengera-familijatar ande jek sidlung pasche i gaveskeri rik, kaj manuscha but nasoralipeha dschin, ham te but mangipeha, pumaroi bibast tel te tresanel.
Ande ada them, pherda bibastaha, pamaritschengere figurenca taj mitischi falatenca, karaktarisirinel o Holdosi mindenfelitike droma andar o tschoripe: O lek phuraneder phral, jek moleri, ando fiberi le „Zigeunerchristusiha“ vakerel, molinel le, hot le Romen andar lengeri bibast, te putrinel. O dujto, jek muschikaschi, duach o vilago roasinel, i pobisteri phuri muschika le Romendar te lakel. Taj i triti, i phen, pri bast uso gadsche ando baro foro rodel.
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Dezember 27th, 2016 |
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Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
József Holdosis Klassiker aus Ungarn neu aufgelegt
Die Neuausgabe des 1978 auf Ungarisch erschienenen Romandebüts von József Holdosi macht ein fast vergessenes Schlüsselwerk der Roma-Literatur wieder zugänglich. Eine Wiederentdeckung.
In Szombathely, gleich hinter der Grenze, ist dieser Roman entstanden, verfasst von einem jungen Gymnasiallehrer, der seine Roma-Herkunft lange verschwiegen hatte. „Die gekrönten Schlangen“ ist der Versuch, sich diesen Wurzeln zu stellen, eine – mitunter ins Mythologische ausgreifende – Reflexion über Wesen und Zukunft der Roma. Denn József Holdosi (1951–2005) gehörte zu jenen Vorreitern einer Roma-Intelligenzija, die vor der Herkulesaufgabe stand, mit ihrer Identität zwischen Mehrheit und Minderheit ins Reine zu kommen. Selbst in Armut aufgewachsen erzählt er die Geschichte einer Roma-Familie in einer Siedlung am Dorfrand, bevölkert von Menschen voller Schwächen, aber auch voller Verlangen, ihr Schicksal abzuschütteln.
In dieser Welt voller Grausamkeit, märchenhafter Figuren und übernatürlicher Elemente skizziert Holdosi unterschiedliche Wege aus dem Elend: Der älteste Bruder, ein Maler, spricht im Fieberwahn mit dem „Zigeunerchristus“, fleht ihn an, die Roma aus ihrem Unglück zu befreien. Der Zweite, ein Musiker, streift durch das Land, um die vergessene Urmusik der Roma zu finden. Und die Dritte, die Schwester, sucht ihr Heil bei den Gadsche (Nicht-Roma) in der Großstadt.
Doch sie alle scheitern. Die Erlösung bleibt aus, die Rückbesinnung auf die „wahre“ Romakultur endet im Nirgendwo; und auch die Assimilation entpuppt sich als trügerischer Irrweg. Read the rest of this entry »
Dezember 18th, 2016 |
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Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
Herbst/Winter | Terno dschend/Dschend 2016
Literatura | Literatura
>>Inhaltsverzeichnis | >>Download (PDF)
Die Zeit ist reif, findet der Publizist Karl-Markus Gauß und fordert in seinem Plädoyer auf S. 9 einen speziellen Buchmesse-Schwerpunkt für Roma. Tatsächlich hat die Literatur von Roma und Romnja, wie die Literaturwissenschaftlerin Beate Eder-Jordan in ihrem einleitenden Artikel (S. 3) ausführt, kaum mehr zu überblickende Ausmaße erreicht – Literatur, so vielfältig wie die Roma selbst, Literatur sämtlicher Sparten und Gattungen, auf Romanes oder in einer der vielen Sprachen Europas. Auch die Forschung beginnt dem Rechnung zu tragen, eine eigene Roma-Literaturwissenschaft ist dabei, sich zu formieren. Einer Pionierin der Roma-Literatur widmet sich Michael Teichmann: Er nimmt eine eben erschienene DVD zum Anlass, die polnische Lyrikerin Papusza vorzustellen. Mónica Ibarz hat mit Núria L. de Santiago aus Barcelona über ihr Buch „El ángel de Mahler“, den ersten Roman einer Gitana bzw. Romni in Spanien, gesprochen. Und auf S. 19 empfiehlt Roman Urbaner „Die gekrönten Schlangen“ von József Holdosi, einen neu aufgelegten Klassiker der Roma-Literatur aus Ungarn.
I cajt ali, phenel o publicisto Karl-Markus Gauß taj ande pro vakeripe upri rik 9 jek schpecijeli pharipeskero gendo le Romenge upro kenvakero foro mangel. Tschatschikan nan i literatura le Romendar/Romnjendar, sar le i literaturakeri visenschoftlerkija Beate Eder-Jordan ande lakero pisinipe (rik 3) phenel, buter prik te dikel, mint oj imar asaj bulhi uli – mindenfelitiki literatura afka sar o Roma, literatura andar o cile thana taj kategoriji, ande Romanes vaj ande jek le but europitike tschiptschendar. Te o forschinipe kesdinel adaleske latschipe te anel, jek ajgeni Romengeri-literaturakeri visenschoft use hi, pe te formirinel. Jeka pijonirkijake la Romengera-literaturatar vidminel pe o Michael Teichmann: Ov jek DVD, savi na dur ari ali ojs koja peske lel, la polnitika lirikerkija Papusza angle te terdscharel. Read the rest of this entry »
November 16th, 2016 |
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Ehrungen & Nachrufe, Literatur & Bücher
Der „Roma-Literaturpreis des Österreichischen PEN – im Gedenken an Ceija Stojka“ wurde dieses Jahr an den noch jungen, erst zwanzigjährigen Samuel Mago verliehen. Sein Talent ist ein Versprechen für die Zukunft: Er ist auf dem besten Wege, ein bedeutender Schriftsteller, ein Roma-Schriftsteller zu werden.
Begründung der Preisvergabe:
Samuel Mago, 1996 in Budapest geboren, in Wien aufgewachsen, dreisprachig (Ungarisch, Deutsch, Romanes), bildungshungrig und für seine Volksgruppe sowie überhaupt für alles Menschenrechtliche höchst engagiert, hat noch mit keinem großen, ausgereiften und vom Leser rezipierten, repräsentativen Gesamtwerk aufzuwarten, aber er hat literarische Spuren gelegt und hinterlassen, die zu ihm geführt haben und zu ihm führen können. Das war für mich 2015 der „exil-jugend-literaturpreis“ für seine Kurzgeschichte „Zeuge der Freiheit“, die mich aufhorchen ließ.
In einem von mir erbetenen und mir dann übermittelten Manuskript mit Kurzgeschichten bin ich dann den Weg zu ihm weiter gegangen, habe mich in seine Literatur hineinbegeben und mich darin vertieft. Und da bin ich auf etwas Seltenes und Seltsames gestoßen. Das waren nicht gewohnte und gewöhnliche Erzählungen mit gewohnten Ereignissen und Menschen, denen ich da begegnet bin, sondern es handelt sich stets um Außergewöhnliches, dem man da begegnet. Nicht das Gewohnte, das Banale des Alltags oder des Lebens überhaupt wird zum Vorschein gebracht und literarisch aufbereitet, sondern es handelt sich gerade um das Nicht-Augenscheinliche, um das nicht auf den ersten Blick Ersichtliche und offensichtlich Begreifbare, das da abläuft, geschildert wird und uns begegnet.
Immer und immer wieder geht es um das anscheinend Nebensächliche, in dem das Hauptsächliche so nebenbei zum Vorschein kommt, sich selbst zum Vorschein bringt, sich entbirgt; im Gewöhnlichen, im Gewohnten, im Alltäglichen, im Banalen. Das Besondere und somit Wesentliche liegt nicht so sehr im sichtbaren und leicht verfolgbaren Ablauf der Ereignisse, der Dinge und Menschen, sondern dieses Besondere ereignet sich im Verborgenen, liegt sozusagen subkutan, „unter der Haut“. So könnte auch der Titel des ersten Prosabandes mit solchen Geschichten sein, an dem Samuel Mago arbeitet und der in der Edition Exil bei Christa Stippinger herauskommen wird. Read the rest of this entry »
November 7th, 2016 |
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Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ausstellung bei der Kinder- und Jugendbuchmesse (KIBUM) in Oldenburg: „Katarina Taikon – schwedische Romaaktivistin und Kinderbuchautorin“
6.11. bis 15.11.2016 (9.30–12.30 Uhr und 15.00–18.00 Uhr), Katharinenstr. 1, Oldenburg
Katarina Taikon – faszinierende schwedische Romaaktivistin, Kinder- und Jugendbuchautorin und Schauspielerin, (1932–1995) – ist in Schweden ähnlich bekannt wie Astrid Lindgren. Taikon ist insbesondere populär durch ihre autobiographisch geprägten Kinderbücher um das Roma-Mädchen Katitzi als Protagonistin. Die dreizehn Bände wurden in etliche Sprachen übersetzt.
Eine schwedische Fernsehserie forcierte Katitzis Beliebtheit, neben Comics, Bilderbüchern und Schallplatten. Taikon stellte „Katitzi“ in den schwedischen Schulen vor und kämpfte für einen anderen Umgang der schwedischen Gesellschaft mit den Roma. Sie wollte hierfür mit dem Medium „Kinderliteratur“ bei Kindern und Jugendlichen ansetzen. Selbst hatte Taikon als Romni nie eine Schule besuchen dürfen und erst mit 26 Jahren das Lesen erlernt. Aktuell läuft der Film „Taikon“ über das Leben von Katarina Taikon im schwedischen Fernsehen und Kino und sorgte für Diskussionen im Europäischen Parlament. Taikons Bücher werden mit zahlreichen pädagogischen Handreichungen für den Unterricht wieder neu aufgelegt.
Der Freundeskreis für Sinti und Roma in Oldenburg e.V. nimmt die Idee der schwedischen Medien und Kultureinrichtungen auf, über die Identifikationsfigur Katarina Taikon die Darstellung der Roma positiv zu benennen: mit einer Ausstellung nach dem Vorbild der Tensta Konsthall (Stockholm) sowie ein einem Rahmenprogramm. Read the rest of this entry »
November 2nd, 2016 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege. Texte über Antiromaismus und historische Lokalrecherchen zu und von Roma, Romnja, Sinti und Sintezze in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Tschechien, hrsg. von Kathrin Krahl und Antje Meichsner, Weiterdenken / Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: Dresden 2016, 254 S.
Die Publikation kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden.
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: Der Sammelband „Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege“ versammelt Aufsätze von Autor/innen aus Aktivismus und Selbstorganisierung, Wissenschaftler/innen, politische Bildner/innen, Künstler/innen, Community-Arbeiter/innen und politische Kämpfer/innen. Es ist ein Kompendium, das ausgehend vom so gut wie nicht beschriebenen weißen Papier der Geschichte der Roma und Romnja und deren Verfolgung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Tschechien (in deutscher Sprache) einen Ausgangspunkt setzen möchte. Wir haben uns auf die Suche begeben und Autor/innen gewinnen können, die uns in ihre wissenschaftliche Arbeit, ihren Aktivismus oder ihre Lebensrealitäten Einblick geben. Die lokalen Beiträge haben wir mit Stimmen überregionaler Autor/innen erweitert, um ein breiteres Bild von Roma-Aktivismus aufzuzeigen.
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Oktober 21st, 2016 |
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Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Raffaela Gmeiner (2015): Essentialistische Gegenöffentlichkeit der Roma in Österreich. Minderheitenmedien als Strategie zur Ausbalancierung antiziganistischer Medienberichterstattungen seitens bürgerlicher Medien
Magisterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozialwissenschaften), 144 S.
→Download der UB Wien (pdf)
Abstract: (…) Vor allem Volksgruppenangehörige der Roma werden von der „bürgerlichen“ Öffentlichkeit oft ausgeschlossen und von den Massenmedien meist stereotypisiert repräsentiert. Um dem antiziganistischen Diskurs in den Medien entgegenzuwirken, muss es zur Etablierung einer Gegenöffentlichkeit der Roma kommen: Minderheitenmedien und Gegenberichterstattungen in Mainstreammedien können zur medialen Ausbalancierung beitragen. Die vorliegende Arbeit verknüpft aktuelle Öffentlichkeitstheorien mit dem Problem des medial verbreiteten Antiziganismus und fokussiert auf das Potential alternativer Medien. (…) Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive haben Medien wichtige soziale Funktionen und sollen zur interkulturellen medialen Integration beitragen. Im Falle der Roma wirken Medien jedoch eher desintegrativ, es kommt zur Konstruktion problematischer Fremdbilder, die aus medienethischer Perspektive höchst diskussionsbedürftig erscheinen. Die Arbeit geht der Frage nach, wie antiziganistische Medienberichterstattung ausbalanciert werden kann und welche gegenöffentlichen Strategien dabei Anwendung finden. Dabei wird das Verhältnis zwischen Minderheiten- und Massenmedien untersucht. Die empirische Studie geht induktiv vor und erforscht idiographisch am „Fall Maria“, wie Mehrheits- und Minderheitenmedien das Ereignis darstellten. Mittels qualitativer Inhaltsanalyse wurden Zeitungsberichte in einem Zeitraum von drei Monaten untersucht. Im Fall Maria kam es zur Veröffentlichung falscher Informationen und zur Konstruktion prekärer Diskursfragmente. (…) Die große Anzahl negativer Zeitungsberichte konnte von den Romamagazinen nicht ausbalanciert werden. Jedoch kam es innerhalb der Mainstreammedien zu gegenöffentlichen Meinungsäußerungen: V.a. nichtredaktionelle Beiträge, wie etwa Kommentare, Kolumnen und ein Leserbrief kritisierten die antiziganistischen Darstellungsweisen. (…) Die Stärkung einer essentialistischen Gegenöffentlichkeit der Roma in Österreich erweist sich in Anbetracht der Studie als dringlich.
Die Berichterstattungen der Mainstreamzeitungen zum Fall Maria waren von stereotypen Bildern und antiziganistischen Mutmaßungen geprägt. Der mediale Diskurs über den Fall Maria setzte sich aus mehreren problematischen Diskursfragmenten zusammen: Genetik, Rassifizierung, Kindesentführung, Kinderhandel, Sozialbetrug, Kleinkriminalität, Betteln, Armut, aber auch Selbstreflexion der Medien. Es kam zur Verbreitung falscher und schlecht recherchierter Information sowie zu prekären Darstellungsweisen der Volksgruppenangehörigen. Die wenigen Romazeitschriften hatten aufgrund ihrer geringen Anzahl und der langen Publikationsperioden kaum eine Chance, dem massenmedial verbreiteten Antiziganismus entgegenzuwirken. Nur zwei Romazeitschriften (Romano Centro und dROMa) setzten sich mit dem Fall Maria auseinander, wohingegen die Mehrheitszeitungen insgesamt 67 Berichterstattungen dazu veröffentlichten. Read the rest of this entry »
Oktober 19th, 2016 |
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Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Wiener Park wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović benannt – Feier zur Benennung am 22. Oktober 2016, 14 Uhr
Der Park am Wildgansplatz wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović benannt. Ilija Jovanović war einer der Gründer des Vereins Romano Centro, der seinen Sitz direkt am Park hat und sich seit 25 Jahren für Roma einsetzt. Romano Centro hat die Benennung angeregt, um seinen langjährigen Obmann zu ehren und um die Leistungen von Roma und Romnja in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Bezirk und Stadt haben die Benennung befürwortet und am Samstag, 22. Oktober 2016 ist es endlich soweit: Die Namens-Tafel wird feierlich enthüllt.
Ilija Jovanović (1950-2010)
Ilija Jovanović, wurde 1950 in einer Romasiedlung in Rumska (Serbien) geboren. Trotz der schwierigen Lebensbedingungen gelang es dem Vater, Ilija schon früh für Literatur zu begeistern. 1970 kam Ilija Jovanović nach Österreich, er fasste in Wien Fuß und begann neben seiner Arbeit im AKH zu schreiben, zunächst in Serbisch, später in Deutsch und in seiner Muttersprache Romanes. Er engagierte sich in mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen, vor allem im Romano Centro, das er 1991 gemeinsam mit anderen begründete und dessen Obmann er viele Jahre war. Die Lernhilfe für Roma, die der Verein seit über 20 Jahren durchführt und die Hunderten von Kindern zu schulischem Erfolg verholfen hat, geht auf seine Initiative zurück.
Ilija Jovanović hat seine Gedichte in drei eigenen Lyrikbänden und zahlreichen Anthologien veröffentlicht. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, u.a. den Theodor-Körner-Preis 1999 und den Exil-Lyrik-Preis 2010. Im Jahr 2008 wurde ihm das Bundes-Ehrenzeichen für Verdienste um den interkulturellen Dialog verliehen. Eine besondere Auszeichnung für ihn war, dass die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek das Nachwort zu seinem letzten Buch verfasst hat. Read the rest of this entry »
Oktober 9th, 2016 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Martina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Lebensgeschichten burgenländischer Roma
Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft), 127 S.
→Download der UB Wien (pdf)
Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugendokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein „Roma-Service“, aus anerkennungstheoretisch fundierter Perspektive betrachtet. Dabei bildet das Anerkennungsmodell des deutschen Sozialphilosophen Axel Honneth das theoretische Fundament der Untersuchung. Honneth differenziert zwischen drei Anerkennungsmustern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Missachtungsformen – Misshandlung, Entrechtung, Entwürdigung – entgegenstellt. Diese Unterscheidung trifft er aufgrund ihrer jeweiligen Bedeutung für Formen des Selbstbezugs – Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstschätzung. Mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Bedeutung von Anerkennungs- bzw. Missachtungserfahrungen für Handlungsfreiheit und Selbstwert der 15 erzählenden Burgenland-Roma betrachtet.
„Mri Historija“ ist nicht nur als Beitrag zur österreichischen Erinnerungskultur zu sehen, sondern gleichzeitig als kritische Thematisierung von sozialen Ausschließungsprozessen, die eine selbstbestimmte Lebenspraxis behindern und sich negativ auf den Selbstwert der Individuen auswirken können. In „Mri Historija“ werden jedoch Entwicklungen sichtbar, die auf ein wachsendes Selbstbewusstsein der Burgenland-Roma verweisen. (M. Schedl, S. 120)
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