ARTE: Matéo Maximoff, Romancier

Februar 20th, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Radio & TV

Die Arte-Reihe „Vergissmeinnicht“ widmet sich Men­schen, die – wenn auch manch­mal nur für kur­ze Zeit – zu Mit­ge­stal­tern der euro­päi­schen Ge­schichte wur­den, später aber in Ver­ges­sen­heit gerie­ten. In dieser Fol­ge: Matéo Maximoff.

Arte F/2016, 27 Min., Regie: Jacques Malaterre – Abrufbar nur bis 24.2.2017

Er war ein unermüdlicher Fürsprecher für sein Volk – die Roma – und ein glü­hen­der För­derer ihrer Kultur: der Schrift­stel­ler Ma­téo Maxi­moff. Er konn­te sich als ers­ter Schrift­steller unter den Roma in Frank­reich in der euro­päi­schen Literatur­szene durch­setzen. Sei­ne Werke wur­den in rund ein Dutzend Spra­chen über­setzt. Der Ro­man „Die Ursitory“ war sein ers­ter Roman, der 1946 er­schien und auch ins Deut­sche über­setzt wor­den ist. Später über­setzte er das ge­sam­te Neue Testament ins Kal­de­rasch-Romani. 1917 kommt Matéo Ma­xi­moff im Spanien Kö­nig Alfons XIII. zur Welt, der als ve­hemen­ter Kriegs­gegner sein Land für neutral er­klärt hat. Vier Jah­re lang ist sein König­reich Zu­fluchts­ort für viele, die vor den Kämpfen in Eu­ro­pa flie­hen. Unter den Migran­ten ist 1915 ein junges Roma-Paar, das am 17. Januar 1917 im so­ge­nann­ten Zigeuner­viertel (Anm. d. dROMa-Red.: eig­ent­lich han­delt es sich um das Barrio Chi­no) von Barcelona sein ers­tes Kind be­kommt: Matéo Maximoff. Die Ro­ma ge­hören je nach Her­kunfts­land ver­schie­de­nen Ge­mein­schaf­ten an. Matéos Mutter kommt aus einer Fa­milie der fran­zö­sisch­stäm­mi­gen Manouches, wäh­rend der Vater zu den aus Russland ein­ge­wan­der­ten Kalderasch ge­hört, die über­wiegend Kessel­bauer sind. In dieser vom Metall­handwerk kom­for­ta­bel le­ben­den Fa­milie macht Matéo seine ers­ten Schritte. Doch nach dem Ers­ten Weltkrieg wer­den die gesetz­li­chen Be­stim­mun­gen für Roma schär­fer. Von 1920 an werden sie in ganz Europa re­gistriert, über­wacht und als Nomaden klas­si­fi­ziert. Diese neuen Ge­setze stig­ma­ti­sie­ren sie, be­hin­dern ihre Hand­werks­aus­übung und schrän­ken ihre Be­we­gungs­frei­heit ein. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wird Matéo Maximoff in ein Lager in Lannemezan in­ter­niert, da ihm die Flucht vor den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten nach Spanien nicht ge­lingt. Er über­lebt und be­schließt nach dem Krieg zu schrei­ben, um den Völker­mord zu schil­dern, der an den Roma wäh­rend des Krie­ges ver­übt worden war. Bis zu seinem Lebens­ende bleibt er Romancier und wird für seine Ver­diens­te im Pariser Kultur­minis­te­rium mit dem Ordre des Arts et des Lettres be­dacht. Den­noch ge­riet er in Ver­gessen­heit und wird 1999 auf einem klei­nen Fried­hof in Romainville bei­ge­setzt wie ein Na­men­loser.

(Text: Programminfo Arte)

Hinweis: Die aktuelle Ausgabe unse­res zwei­spra­chi­gen Ma­ga­zins dROMa wid­met sich dem The­ma „Roma-Literatur“. Das Heft fin­den Sie hier.

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