Wissenschaft

Radio: Betteln in Tirol – Wege aus der Armut

Januar 9th, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Freirad – Freies Radio Innsbruck https://cba.fro.at/330265 | Erstausstrahlung: 10.12.2016 (Download, 143,07 MB) | Aufnahme: Bendedikt Sauer | Gestaltung: Mira Kugler

Wissenschaftliche Erkentnisse und sozial­po­li­ti­sche Hand­lungs­an­sätze zur Ar­muts­migra­tion nach Tirol

Erstmals liegt in Tirol eine wissenschaftliche Studie (finanziert vom Tiroler Wis­sen­schafts­fonds) vor, die Auf­schlüs­se über die ge­gen­wär­ti­ge Armutsmigration nach Inns­bruck gibt. Dabei wurde die Si­tua­tion von Men­schen aus post­kom­mu­nis­ti­schen Län­dern unter­sucht, die tem­po­rär nach Tirol kom­men und in­for­mel­len Tätig­kei­ten wie Betteln oder dem Ver­kauf von Straßen­zeitun­gen nach­gehen. Der Fo­kus liegt dabei auf sozio­öko­no­mi­schen Heraus­for­de­run­gen in den Her­kunfts­län­dern und Beweg­grün­den zur Migration wie auch auf den Rah­men­bedin­gun­gen für ihren Auf­ent­halt in Tirol.

Unter der Moderation von Benedikt Sauer fand am 16. No­vem­ber 2016 im Haus der Be­geg­nung die Prä­sen­ta­tion der wis­sen­schaft­li­chen Studie statt. Bar­ba­ra Tie­fen­ba­cher und Elisabeth Hussl stell­ten ihre Er­kennt­nis­se erst­mals vor. Im An­schluss gab es eine Po­diums­dis­kus­sion mit Fra­gen aus dem Pub­li­kum zum Thema: Er­fah­run­gen zur so­zia­len In­tegra­tion von bet­teln­den Men­schen in den Bun­des­län­dern. Am Po­dium sa­ßen Barbara Tiefenbacher (Sla­wis­tin), Elisabeth Hussl (Po­li­tik­wis­sen­schaf­te­rin), Ferdinand Koller (Ro­ma­no Centro, Wien) und Alina Kugler (Verein Phurdo Salzburg). Ver­an­sta­ltet wur­de der Abend vom Ins­ti­tut für Zeit­ge­schich­te der Uni­ver­si­tät Innsbruck, dem For­schungs­zentrum Migration und Glo­ba­li­sie­rung, dem For­schungs­schwer­punkt Kul­tu­relle Begeg­nungen – Kul­tu­relle Kon­flikte, der Initiative Minder­heiten Tirol und dem Haus der Be­geg­nung. Die ein­lei­ten­den Wor­te sind von Lisa Gensluckner.

(Text: Bettellobby | CBA)

FRA: 80 % der Roma von Armut bedroht

Dezember 11th, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Neue Studie (EU MIDIS II)Neue Studie der Europäischen Grundrechteagentur (FRA)

European Union Agency for Fundamental Rights: EU-MIDIS II. Se­cond European Union Minorities and Dis­cri­mi­na­tion Survey: Roma – Se­lec­ted fin­dings, Lu­xem­bourg 2016, 52 S. (Download: PDF / 1,13 MB)

Weitverbreitete Deprivation zerstört das Leben von Roma. Fa­mi­lien leben von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen in schockie­ren­den Ver­hält­nis­sen, und Kinder mit nied­ri­gem Bildungs­stand haben kaum Zu­kunfts­aus­sich­ten – zu diesem Schluss kommt ein neuer Be­richt der Agentur der Euro­päi­schen Union für Grund­rechte (FRA). Der Be­richt ana­ly­siert die Lücken bei der In­klu­sion von Roma in der gesam­ten EU, um den Mit­glied­staaten bei der Ver­bes­se­rung ihrer In­tegra­tions­politik Orien­tie­rungs­hilfe zu bieten.

„Unsere offenkundige Unfähigkeit in Europa, die Menschen­rechte unse­rer Roma-Gemein­schaf­ten zu achten, ist in­akzep­ta­bel. Das Aus­maß an Depri­va­tion, Aus­gren­zung und Diskri­mi­nie­rung der größ­ten Minder­heit in Europa stellt recht­lich wie poli­tisch ein schwer­es Ver­sagen in der EU und ihren Mit­glied­staaten dar”, so der Di­rek­tor der FRA, Michael O’Flaherty. „Die Ver­öf­fent­li­chung dieser Er­kenn­tnis­se bietet die Gele­gen­heit, poli­ti­sche Ent­schei­dungs­träger zum Han­deln zu be­we­gen und Ressour­cen ge­zielt zur Be­endi­gung dieser un­halt­baren Situa­tion ein­zu­setzen.“

Der Bericht über die Zweite Er­he­bung der Euro­päi­schen Union zu Min­der­heiten und Dis­kri­mi­nie­rung (EU-MIDIS II): Roma – aus­ge­wähl­te Er­geb­nis­se zeigt:

  • 80 % der befragten Roma sind armutsgefährdet; der EU-Durch­schnitt liegt bei 17 %. 30 % leben in Haus­halten ohne fließen­des Wasser und 46 % h­aben weder Innen­toilette, -dusche noch -bad;
  • 30 % der befragten Roma-Kinder leben in Haushalten, in de­nen je­mand im vori­gen Monat min­des­tens ein­mal hung­rig schla­fen ging; Read the rest of this entry »

„Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege“

November 2nd, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Viele Kämpfe und vielleicht einige SiegeViele Kämpfe und vielleicht einige Siege. Tex­te über Anti­roma­is­mus und his­to­ri­sche Lokal­re­cher­chen zu und von Roma, Rom­nja, Sinti und Sin­tezze in Sachsen, Sachs­en-An­halt und Tsche­chien, hrsg. von Kath­rin Krahl und Antje Meichs­ner, Wei­ter­den­ken / Hein­rich-Böll-Stif­tung Sach­sen: Dres­den 2016, 254 S.

Die Publikation kann hier kos­ten­los als PDF herun­ter­ge­la­den wer­den.

Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: Der Sammelband „Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege“ ver­sam­melt Auf­sätze von Autor/in­nen aus Ak­ti­vis­mus und Selbst­or­ga­ni­sie­rung, Wis­sen­schaft­ler/in­nen, poli­ti­sche Bild­ner/in­nen, Künst­ler/in­nen, Com­mu­nity-Ar­bei­ter/in­nen und po­li­ti­sche Kämpfer/in­nen. Es ist ein Kom­pen­dium, das aus­ge­hend vom so gut wie nicht be­schrie­be­nen weißen Papier der Ge­schich­te der Roma und Rom­nja und de­ren Ver­fol­gung in Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Tsche­chien (in deut­scher Spra­che) einen Aus­gangs­punkt setzen möch­te. Wir ha­ben uns auf die Suche be­ge­ben und Autor/in­nen ge­win­nen kön­nen, die uns in ihre wis­sen­schaft­li­che Arbeit, ihren Akti­vis­mus oder ihre Lebens­reali­tä­ten Ein­blick geben. Die loka­len Bei­träge haben wir mit Stim­men über­regio­na­ler Autor/in­nen er­wei­tert, um ein brei­te­res Bild von Roma-Ak­ti­vis­mus auf­zu­zeigen.

Inhaltsverzeichnis: Read the rest of this entry »

E-Theses: Gegenöffentlichkeit der Roma (2015)

Oktober 21st, 2016  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Raffaela Gmeiner (2015): Essentialistische Gegen­öf­fent­lich­keit der Roma in Österreich. Min­der­heiten­medien als Stra­te­gie zur Aus­balan­cie­rung anti­ziga­nis­ti­scher Medien­bericht­er­stat­tun­gen sei­tens bür­ger­li­cher Medien

Magisterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozial­wis­sen­schaf­ten), 144 S.

→Download der UB Wien (pdf)

Abstract: (…) Vor allem Volks­grup­pen­an­ge­hö­rige der Roma werden von der „bür­ger­lichen“ Öffent­lich­keit oft aus­ge­schlos­sen und von den Massen­medien meist stereo­typi­siert re­prä­sen­tiert. Um dem anti­ziga­nis­ti­schen Diskurs in den Medien ent­gegen­zu­wirken, muss es zur Etab­lie­rung einer Gegen­öffent­lich­keit der Roma kom­men: Minder­heiten­medien und Gegen­bericht­erstat­tun­gen in Mainstreammedien können zur medialen Aus­balan­cie­rung bei­tra­gen. Die vor­lie­gen­de Arbeit ver­knüpft ak­tuel­le Öffent­lich­keits­theo­rien mit dem Problem des medial ver­brei­te­ten Anti­ziganis­mus und fo­kus­siert auf das Poten­tial alter­na­tiver Medien. (…) Aus kom­muni­ka­tions­wissen­schaft­li­cher Perspek­tive haben Medien wich­ti­ge soziale Funk­tio­nen und sollen zur inter­kultu­rellen me­dia­len Integra­tion bei­tra­gen. Im Falle der Roma wirken Medien jedoch eher des­integra­tiv, es kommt zur Kon­struk­tion proble­ma­ti­scher Fremd­bilder, die aus medien­ethischer Per­spek­tive höchst diskus­sions­bedürf­tig er­schei­nen. Die Arbeit geht der Frage nach, wie anti­ziganis­ti­sche Medien­bericht­er­stat­tung aus­balan­ciert werden kann und welche gegen­öffent­li­chen Strate­gien dabei An­wen­dung fin­den. Dabei wird das Ver­hält­nis zwi­schen Min­der­heiten- und Massen­medien unter­sucht. Die em­piri­sche Studie geht in­duktiv vor und erforscht idio­graphisch am „Fall Maria“, wie Mehr­heits- und Minder­heiten­medien das Er­eig­nis dar­stell­ten. Mittels quali­ta­tiver Inhalts­analy­se wur­den Zeitungs­berichte in einem Zeit­raum von drei Monaten unter­sucht. Im Fall Maria kam es zur Ver­öffent­li­chung fal­scher Informa­tio­nen und zur Konstruk­tion pre­kärer Diskurs­frag­mente. (…) Die große An­zahl nega­tiver Zeitungs­berichte konn­te von den Roma­maga­zi­nen nicht aus­balan­ciert werden. Je­doch kam es in­ner­halb der Main­stream­medien zu gegen­öffent­li­chen Mei­nungs­äuße­run­gen: V.a. nicht­redak­tio­nel­le Bei­träge, wie etwa Kom­men­ta­re, Kolumnen und ein Leserbrief kriti­sier­ten die anti­ziganis­ti­schen Dar­stel­lungs­weisen. (…) Die Stärkung einer es­sentia­lis­ti­schen Gegen­öffent­lich­keit der Roma in Österreich erweist sich in Anbetracht der Studie als dringlich.

Die Berichterstattungen der Mainstreamzeitungen zum Fall Maria waren von stereo­typen Bildern und anti­ziga­nis­ti­schen Mut­maßun­gen ge­prägt. Der mediale Diskurs über den Fall Maria setz­te sich aus meh­re­ren proble­ma­ti­schen Diskurs­frag­men­ten zu­sam­men: Genetik, Rassi­fi­zie­rung, Kindes­ent­füh­rung, Kinder­han­del, Sozial­betrug, Klein­krimi­na­li­tät, Betteln, Armut, aber auch Selbst­re­fle­xion der Me­dien. Es kam zur Ver­brei­tung fal­scher und schlecht re­cher­chier­ter In­for­ma­tion sowie zu pre­kä­ren Dar­stel­lungs­weisen der Volks­grup­pen­an­ge­hö­ri­gen. Die weni­gen Roma­zeit­schrif­ten hat­ten auf­grund ihrer gerin­gen An­zahl und der lan­gen Publi­ka­tions­perio­den kaum eine Chance, dem mas­sen­medial ver­brei­te­ten Anti­ziganis­mus ent­gegen­zu­wir­ken. Nur zwei Roma­zeit­schriften (Romano Centro und dROMa) setz­ten sich mit dem Fall Maria auseinan­der, wo­hin­ge­gen die Mehr­heits­zei­tungen ins­ge­samt 67 Bericht­er­stat­tun­gen dazu ver­öf­fent­lich­ten. Read the rest of this entry »

20 Jahre Roma Rights Journal

Oktober 13th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

ERRC (Foto errc.org)Genau vor zwanzig Jahren veröffentlichte das European Roma Rights Centre (ERRC) die allererste Ausgabe seines „Roma Rights Journal“, eines Magazins, das sich – über lan­ge Zeit als eines von nur sehr we­ni­gen aka­demi­schen Pub­li­ka­tions­medien – mit der Min­der­heit der Roma be­fass­te. Im Rückblick auf die Anfän­ge ihres Mediums lässt die in Budapest an­säs­sige inter­natio­na­le Men­schen­rechts-NGO heute durchaus Opti­mis­mus er­ken­nen: „Es ist er­mu­ti­gend zu sehen, wie weit wir in den letz­ten zwan­zig Jahren ge­kom­men sind.“ So man­cher Miss­stand, der das Leben der Roma-Gemein­schaft vor zwanzig Jahren ge­prägt hat­te, hät­te heute, 54 Aus­ga­ben spä­ter (sie­ben davon waren Dop­pel­nummern), einiges an Bri­sanz ver­loren:

In 1996, the state of Roma rights in Europe was very dif­fe­rent to the situa­tion we see today. Looking back at the issues that are men­tioned in this first edition, it is encouraging to note that many of these atro­ci­ties are no lon­ger a constant pre­sence in the lives of Roma in Europe. No matter how dis­heartening the fight for Roma Rights can be, it is em­bol­dening to see how far we have come in the last twen­ty years. Read the rest of this entry »

„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012)

Oktober 9th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Martina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Le­bens­ge­schich­ten bur­gen­län­di­scher Roma

Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Phi­lo­sophie und Bil­dungs­wis­sen­schaft), 127 S.

→Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugen­dokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein „Roma-Service“, aus an­er­ken­nungs­theo­re­tisch fun­dier­ter Per­spek­tive be­trach­tet. Dabei bil­det das An­er­ken­nungs­mo­dell des deut­schen Sozial­philo­sophen Axel Hon­neth das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Un­ter­suchung. Honneth dif­fe­ren­ziert zwi­schen drei An­erken­nungs­mus­tern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Miss­ach­tungs­for­men – Miss­handlung, Ent­rechtung, Ent­würdigung – ent­ge­gen­stellt. Diese Unter­schei­dung trifft er auf­grund ihrer je­wei­li­gen Be­deu­tung für For­men des Selbst­be­zugs – Selbst­vertrauen, Selbst­achtung und Selbst­schätzung. Mit Hilfe einer qua­li­ta­ti­ven Inhalts­analyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Be­deu­tung von Anerkennungs- bzw. Miss­ach­tungs­­er­fah­­run­­gen für Handl­ungs­freiheit und Selbst­wert der 15 er­zäh­len­den Burgenland-Roma be­trach­tet.

„Mri Histo­rija“ ist nicht nur als Bei­trag zur öster­rei­chi­schen Erin­nerungs­kultur zu se­hen, son­dern gleich­zeitig als kri­tische Thema­ti­sie­rung von sozialen Aus­schließungs­pro­zes­sen, die eine selbst­bestimm­te Lebens­praxis be­hin­dern und sich nega­tiv auf den Selbst­wert der Indi­vi­duen aus­wirken kön­nen. In „Mri Historija“ wer­den je­doch Ent­wick­lun­gen sicht­bar, die auf ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Burgenland-Roma ver­weisen. (M. Schedl, S. 120)

Read the rest of this entry »

Studie über Bettler in Vorarlberg vorgestellt

Juli 23rd, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Romano Centro: Stellungnahme gegen Romafeindlichkeit in Vorarlberg (Bild: vol.at)In Vorarlberg wurden am Donnerstag die Ergeb­nisse einer empi­ri­schen Unter­suchung über die sich im Land befind­li­chen Bettler und Not­reisen­den prä­sen­tiert. Er­stellt wurde die von der Landes­regie­rung in Auf­trag ge­ge­be­ne Studie von Erika Geser-Engleitner von der FH Vor­arl­berg; die Be­fra­gun­gen haben zwei Mit­arbeiter, die selbst der Roma-Minder­heit an­ge­hö­ren, durch­geführt.

Die Resultate in Kurzform: Die Zahl der im Bundesland gleich­zeitig betteln­den Men­schen be­läuft sich auf täg­lich min­des­tens 80 Personen. Zum Kreis der zu den Be­fra­gungs­zeit­punk­ten (Febru­ar/März 2016 und Mai 2016) er­fass­ten not­reisen­den Fami­lien zählen ins­ge­samt 200 Per­so­nen, unter ihnen auch viele Kinder und Jugend­liche. „Ca. die Hälfte aller an­wesen­den Not­reisen­den betteln zur gleichen Zeit, wäh­rend die ande­re Hälfte etwas an­de­res tut“, fasst die Aus­sen­dung des Landes Vorarlberg die Ergeb­nis­se zusam­men. Zum Betteln, dem rund die Hälfte nach­geht, komme dem­nach der Geld­erwerb durch „Zeitungs­verkauf, Gelegen­heits­arbeit und ganz ver­ein­zelt mittels Straßenkunst“. Die Ein­künfte durch Betteln betra­gen laut Erhe­bung „pro Tag und Person zwi­schen zehn und 30 Euro“. Read the rest of this entry »

PEW-Studie: Roma unbeliebter als Moslems

Juli 15th, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

 Negative Einstellung gegenüber Roma, Muslimen und Juden (Quelle: PEW Research, 2016)

Aus: Pew Research Center, 11. Juli, 2016, “Europeans Fear Wave of Refugees Will Mean More Terrorism, Fewer Jobs” (zum Download/PDF)

Deutschlands ent­hemm­te Mit­te (Studie 2016)

Juni 22nd, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Die enthemmte MitteDie politische Einstellung der deutschen Be­völ­ke­rung ist po­la­ri­siert. Wäh­rend eine deut­liche Mehr­heit der Ge­sell­schaft rechts­extre­mes Den­ken und auch Ge­walt zum Teil strikt ab­lehnt und Ver­trau­en in de­mo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen hat, sind Men­schen mit rechts­ex­tre­mer Ein­stel­lung im­mer mehr be­reit, Gewalt an­zu­wen­den. Dies ist eines der zentra­len Er­geb­nis­se der Studie „Die ent­hemm­te Mit­te“, die das Kom­pe­tenz­zentrum für Rechts­ex­tre­mis­mus- und De­mo­kra­tie­for­schung der Uni­ver­si­tät Leipzig in Ko­ope­ra­tion mit der Hein­rich Böll-, der Ot­to Brenner- und der Rosa Luxem­burg-Stiftung durch­ge­führt ha­ben.

„Es gibt zwar keine Zunahme rechts­extre­mer Ein­stel­lun­gen, aber im Ver­gleich zur Studie vor zwei Jahren be­für­wor­ten Grup­pen, die rechts­extrem ein­ge­stellt sind, stär­ker Gewalt als Mit­tel der In­ter­es­sens­durch­set­zung.“ Als Er­folg der Zivil­ge­sell­schaft kön­ne man es da­ge­gen an­se­hen, dass in demo­kra­ti­schen Mi­lieus Gewalt deut­lich stär­ker ab­ge­lehnt wird als 2014. „Bei­des steht in Deutschland ne­ben­einan­der: Wir ha­ben Men­schen, die sich aktiv um Flücht­linge be­mü­hen, und es gibt Me­nschen, die Flücht­linge ak­tiv ab­leh­nen“, sagt der Studien­leiter. Damit habe eine deut­li­che Pola­ri­sie­rung und Radika­li­sie­rung statt­ge­funden.

Die Radikalisierung zeigt sich auch bei der Ein­stel­lung zu be­stimm­ten ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen. „Die Ab­leh­nung von Muslimen, Sinti und Roma, Asyl­su­chen­den und Homo­sexuel­len hat noch ein­mal deut­lich zu­ge­nom­men.“

Read the rest of this entry »

Polen: Roma und Araber am unbeliebtesten

April 24th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Kundgebung polnischer Nationalisten (Foto: news.pn)Sympathiebarometer: Zwei von drei Polen lehnen Roma ab. Seit dem Vor­jahr ha­ben sich die Daten wei­ter ver­schlech­tert.

Eine aktuelle Umfrage des staat­lich finan­zier­ten Mei­nungs­for­schungs­instituts CBOS (Public Opinion Research Center) frag­te nach den Sym­pathie­wer­ten von 27 Nationen und eth­ni­schen Grup­pen (Report 53/2016, noch nicht online). Auf die größte Sym­pathie der Polen sto­ßen dem­nach die benach­bar­ten Tschechen (50%), knapp ge­folgt von Italienern (49%) und Slowaken (48%). Am an­de­ren Ende der Skala: Araber und Roma. Zwei Drit­tel (67%) der be­frag­ten Per­so­nen drück­ten ihre Ab­leh­nung gegen­über diesen beiden Grup­pen aus. Eben­falls be­son­ders un­be­liebt: Russen (50%), Rumänen (47%), Türken (45%) und Juden (37%). CBOS unterstreicht, dass sich die Ein­stel­lung gegen­über einer Reihe von Nationen und Ethnien seit Jahres­beginn 2015 ver­schlech­tert habe – was laut Studien­auto­ren ver­mut­lich auf das durch Flüchtlings­krise und Terror­an­schlä­ge ver­än­derte Meinungs­klima zurück­zu­führen sei.

Bezüglich der Reihung ergab die im Vorjahr durch­ge­führ­te Er­he­bung jedoch ein durchaus ähn­li­ches Bild: Auf dem aller­letzten Platz der 32 ab­gefrag­ten Natio­nen und Eth­nien fand sich – weit ab­geschla­gen – die Minder­heit der Roma. Noch vor einem Jahr bekun­de­ten aller­dings mit 58% deut­lich weni­ger Polen, der Volks­gruppe gegen­über negativ ein­gestellt zu sein. Dieser ableh­nen­den Mehr­heit stan­den nur 18% gegen­über, die an­gaben, für Roma Sym­pathie zu em­pfin­den. Die dama­lige Umfrage ergab für Roma einen Durch­schnitts­wert von -0,93 (auf einer Skala von -3 bis +3). Auf dem vor­letzten Platz landeten die Russen (-0,60); nach Arabern wurde damals noch nicht ge­fragt. Read the rest of this entry »

Nachkriegsjustiz: Symposium in Karlsruhe

Februar 24th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

März 2015: Romani Rose führte die Präsidentin Bettina Limperg durch die ständige Ausstellung zum Holocaust an den Sinti und Roma (Foto: sintiundroma.deAnlässlich des 60. Jahrestags der „Zigeuner-Urteile“ ver­anstal­te­ten der Bun­des­gerichts­hof und der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma im Nach­gang zum Besuch von BGH-Prä­si­den­tin Bettina Limperg im Zentral­rat und Do­ku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma ein ge­mein­sames Sym­po­sium.

Presseaussendung des Zentralrats, 16.2.2016: Am 17. Februar 2016 fand im Foyer des Bun­des­gerichts­hofs in Karls­ruhe ein gemein­sames Sym­po­sium des Bun­des­gerichts­hofs und des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma statt. Thema war das Grund­satz­urteil zur Ab­leh­nung der Entschädigung von NS-ver­folg­ten Sinti und Roma vom 7. Januar 1956, in dem der BGH fest­stellte, dass die „Zigeuner“ von den National­sozia­li­sten zu Recht als „artfremd“ be­handelt wor­den seien. So führte er unter Zugrunde­legung von NS-Kom­men­taren z.B. aus, dass „Zigeunern wie primitiven Urmenschen ein un­ge­hemmter Okku­pa­tions­trieb eigen“ sei.

Diese Rechtsprechung prägte über viele Jahre das ge­samte Ent­schä­di­gungs­recht für die Über­lebenden der Sinti und Roma und wurde zur Nieder­schlagung von Straf­ver­fah­ren ge­gen die Orga­ni­sa­toren des Holocausts he­ran­gezo­gen. 1963 er­kannte zwar der BGH in Ab­än­de­rung des Unrechts­urteils von 1956 den Ent­schä­di­gungs­anspruch an, dis­tan­zierte sich aber nicht von der rassis­ti­schen Charak­te­ri­sierung der Min­derheit.

Nach knapp 60 Jahren distanzierte sich BGH-Präsiden­tin Bettina Limperg im Rah­men ihres Be­suchs des Zentral­rats und Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrums Deutscher Sinti und Roma im März 2015 von diesem diskri­mi­nie­ren­den Urteil. Read the rest of this entry »

Antiziganismus: Vortrag von Gernot Haupt

Februar 15th, 2016  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Radio FROAntiziganismus: der gesell­schaft­lich tole­rier­te Ras­sis­mus – Warum die Dis­kri­mi­nie­rung von Roma noch immer so weit ver­brei­tet ist?


Kultur und Bildung spezial | Radio FRO 105,0
Erstausstrahlung: 2.10.2015 | Redakteurin: Martina Winkler

DDr. Gernot Haupt MAS (Foto: aau.at)Der Vortragende Gernot Haupt ist Vor­sitzen­der des Instituts für Sozialarbeit an der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Klagenfurt. Er er­läu­tert, wa­rum die Diskri­mi­nie­rung von Roma im­mer noch so weit ver­brei­tet ist. Ob es sich um die Be­kämp­fung von „or­ga­ni­sier­ten Bettler­banden“ in Linz han­delt, ob es um die staat­lich or­ga­ni­sier­te Depor­ta­tion von armen rumä­ni­schen EU-Bür­gern aus Frank­reich geht, immer wird von der Domi­nanz­gesell­schaft un­aus­gespro­chen davon aus­ge­gan­gen, dies seien gerecht­fer­tig­te Maß­nah­men, um das, was man heute poli­tisch kor­rekt nicht mehr „Zigeuner­problem“ nen­nen dürfe, zu lö­sen. Woher kommt dieser ver­steckte, manch­mal auch of­fene Rassis­mus gegen Roma? Diese und wei­te­re Fra­gen werden im Vor­trag be­leuch­tet.

(Text: cba.fro.at)

Forschinipe usi muschika

Januar 25th, 2016  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
4.1.2016 | (on demand)

ursula_hemetek_und_ruza_nikolic-lakatosI Ursula Hemetek muschikakeri visen­schoft upro instituto la muschika­kera visen­schofta­tar upri univer­siteta Betschi schtu­die­rintscha, kaj oj 1987 promo­virintscha. Ando glajchi bersch, le Walter Deutschistar ojs projektos­keri butscha­schi­kija upro instituto le flogos­kere muschi­ka­kere for­schi­nipeske akardi li uli. 2001 lakeri habi­lita­ci­jona andi etno muschi­ka­keri logija upri uni­ver­si­teta Betschi usi muschika le etni­schi taj religi­jona­kere tschu­li­pen­dar andi Austrija uschti­dija.

La Hemetekakero centrali forschinipeskero than i muschika le tschuli­pen­dar hi. Oj igen sora­le le terdscho­ji­peske la fochis­kera riktscha­tar ando inter­na­cijo­nali etno muschi­ka­kero diskurs, ande pe beschar­tscha. I Ursula He­me­tek usi muschi­ka le tschu­lipen­dar andi Austrija forschi­nen, butvar i mu­schika le Romendar, le bur­gen­landi­tike horvacken­dar taj le bosni­ti­ken­dar ande Betschi. Ada dikipe te ande pri sikli­pes­keri buti ande bescha­rel. Oj o tschu­lipen­gero phari­pes­kero gendo upro insti­tuto le flogos­kere muschi­kakere forschi­ni­pestar taj la etno muschi­kakera logi­jatar kertscha taj upre bu­teder austri­tike uni­ver­si­tetscha use lakeri tema, sikal. Read the rest of this entry »

Forschung zur Musik von Minderheiten

Januar 25th, 2016  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
4.1.2016 | (on demand)

Ursula Hemetek, 2014 (Foto: Stocicev/Wikipedia, CC BY-SA 3.0)Ursula Hemetek studierte vergleichende Musikwissenschaft am Institut für Musik­wissen­schaft an der Universität Wien, wo sie 1987 pro­mo­vierte. Im selben Jahr wurde sie von Walter Deutsch als Projekt­mit­arbei­terin ans Institut für Volks­musik­for­schung ge­holt. 2001 er­folg­te ihre Habi­li­ta­tion in Ethno­musiko­logie an der Uni­ver­si­tät Wien zur Musik der ethni­schen und religiö­sen Minder­heiten in Österreich.

Hemeteks zentrales Forschungsgebiet ist die Musik von Minder­heiten. Sie ist maß­geb­lich an der Etablie­rung der Fach­rich­tung im inter­natio­na­len ethno­musiko­lo­gi­schen Diskurs betei­ligt. Ursula He­me­tek forscht zur Musik von Min­der­heiten in Österreich, ins­be­son­dere der Roma, der burgen­län­di­schen Kroaten und der Bosnier in Wien. Diesen Fokus setzt sie auch in ihrer Lehr­tätig­keit. Sie schuf den Min­der­heiten­schwer­punkt am Institut für Volks­musik­for­schung und Ethno­musi­ko­logie und unter­rich­tet an meh­re­ren öster­rei­chi­schen Uni­ver­si­tä­ten zu ihrem Thema. Seit 2011 ist Ursula Hemetek Leiterin des Instituts für Volks­musik­for­schung und Ethno­musi­ko­lo­gie an der Uni­ver­si­tät für Musik und dar­stel­lende Kunst Wien. Sie gibt uns Ein­blicke in die Schwer­punkte ihrer For­schungs­tätig­keit. Mehr darü­ber in der Sen­dung „Roma sam“ auf Radio Bur­gen­land.

(volksgruppen.orf.at)

„Zigeuner“-Bilder in Kinder- und Jugendmedien

Januar 14th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Buchcover von "Mond Mond Mond"„Denn sie rauben sehr geschwind jedes böse Gassenkind …“

Tagung der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (GEW) und der Universität Bielefeld in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma sowie der Gesellschaft für Anti­zi­ganis­mus­forschung.

3. und 4. März 2016 im Dokuz Sinti und Roma (Berlin)
Aufbau Haus, Prinzenstr. 84 (Aufgang 2, 3. OG), 10969 Berlin

Von Arpad bis Zigeunerfrieda: „Zigeuner“-Figuren und „Zigeuner“-Bilder bevölkern die Kinder- und Jugendliteratur seit ihren Anfängen und sind in all ihren Gattungen vertreten. Zum festen Personal gehören sie in Märchen, ebenso sind sie in kinderliterarischen Klassikern beheimatet: Man denke an Ottilie Wildermuths Das braune Lenchen (1872), Alex Weddings Ede und Unku (1931) oder Kurt Helds Die rote Zora (1941). Auch nach 1945 existieren „Zigeuner“-Kinder in vielen Werken. Sei es in Ursula Wölfels Mond, Mond, Mond (1962) oder in unterhaltungsliterarischen Romanen wie Enid Blytons Fünf Freunde-Reihe. „Zigeuner“-Bilder findet man auch in illustrierten Büchern und Comics, in aktuellen kinder- und jugendliterarischen Romanen, wie denen von Kevin Brooks, oder in autobiographischen Texten von Zeitzeugen, die Anja Tuckermann aufgezeichnet hat. – Die Tagung „Denn sie rau­ben sehr geschwind jedes böses Gassen­kind“ greift mit ihrem Titel ein Zitat aus „Die Zigeuner­frieda“ von Georg Dennler (1910) aus die­sem Text­fun­dus auf.

Im Bereich der Literatur- und Gesellschafts­wissen­schaften er­schien in den ver­gan­ge­nen Jahren eine Reihe wichtiger Ver­öf­fent­li­chun­gen, die der Ge­schichte dieser Konstruk­tio­nen und Stereo­typen­bil­dung, den Aus­wüch­sen der Vor­urteile und anti­zi­ga­nis­ti­schen Ten­den­zen nach­gingen. Read the rest of this entry »

Schonung für die Mörder?

Dezember 20th, 2015  |  Published in Dokumente & Berichte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Mahnmal in BerlinNS-Völkermord an den Sinti und Roma blieb weit­ge­hend unge­sühnt – Doku­men­ta­tion über Ver­fahren der Justiz gegen die Täter ver­öf­fent­licht

Der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma veröf­fent­­licht eine Doku­men­ta­tion mit dem Titel Schonung für die Mörder? – Die justi­zielle Behand­lung der NS-Völker­mord­ver­bre­chen und ihre Bedeu­tung für die Gesell­schaft und die Rechts­kultur in Deutsch­land. Der Zentralrat will mit diesem Projekt über die jahr­zehnte­langen Initia­tiven des Ver­bandes und seiner Gründer für eine rechts­staat­liche Ver­folgung der Täter und Orga­ni­sa­toren des NS-Völkermordes in­for­mie­ren und das Ver­sagen der Justiz­be­hör­den bei den Ermitt­lungs­ver­fah­ren doku­men­tieren. „Hier sehen wir uns nicht nur in der Ver­ant­wor­tung gegen­über den Opfern und den Über­leben­den des Holocaust, son­dern auch in der Pflicht zur Be­wah­rung des Rechts­staats“, erklärte heute der Vor­sitzen­de des Zentral­rats, Romani Rose, in Hei­del­berg.

Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern hatten die Überlebenden schon sehr früh in Eingaben an die Justiz kritisiert, dass die ihnen bekannten Mörder unbehelligt in Freiheit waren und frühere Funktionen in den Behörden wieder ausübten. Die Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma, Vinzenz und Oskar Rose, schrieben im Jahre 1948 an die Justiz in München: „Sie werden verstehen, dass wir ein großes Interesse daran haben, diese Leute unschädlich zu wissen, denn sie waren ja die Triebfeder, aufgrund derer viele ungezählte Menschen den Tod fanden, darunter aus unserer Familie allein dreizehn.“ Die Täter wurden bis zu ihrem Lebensende nicht strafrechtlich belangt.

Anlass für die vorgelegte Bestandsaufnahme, zu der noch ein zweiter Band folgen wird, sind vor allem die ab dem vergangenen Jahr neu zur Anklage gebrachten Strafverfahren gegen mehrere in Deutschland noch lebende Angehörige der SS-Wachmannschaft von Auschwitz – meist im Alter von über 90 Jahren – und die öffentliche Diskussion dazu. Read the rest of this entry »

Vorurteilsstudie in Tschechien

Dezember 17th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Vorteile gegenüber Minderheiten in TschechienUmfrage zeigt starke Vorurteile gegen­über Minder­hei­ten: Bild von Roma am nega­tivsten

Eine Umfrage, die im Auftrag des Soziologi­schen Insti­tuts der Akademie der Wis­sen­schaf­ten der Tsche­chi­schen Re­publik durch­geführt wurde, ergab, dass die über­wie­gende Mehr­heit der Tsche­chen starke Vor­urteile gegen­über eth­ni­schen und reli­giö­sen Min­der­heiten hegt. Für die Studie (eine Zusam­men­fas­sung auf Tsche­chisch finden Sie hier) hat die Agen­tur Focus Anfang De­zem­ber 1.051 Per­so­nen über 18 Jahre befragt. Die stärkste Ab­leh­nung trifft dem­nach die Minder­heit der Roma: 85 Pro­zent der befrag­ten Tschechen stimm­ten der Aus­sage zu, Roma seien faul. Mehr als vier Fünf­tel halten Roma für krimi­nell. Eine be­son­ders nega­tive Ein­stellung zeig­ten die Befrag­ten auch gegen­über Men­schen mus­limi­schen Glau­bens. Muslime werden als gewalt­tätig ein­ge­schätzt. 43 Pro­zent der Befrag­ten reih­ten Mus­lime am Ende einer Nega­tiv-Skala von 1 bis 5 ein, wei­tere 25 Pro­zent bewer­te­ten sie mit dem Wert 4. Die Befra­gung unter­suchte darü­ber hinaus auch die Ein­stel­lun­gen gegen­über Syrern, Ukrainern, Russen, Vietna­me­sen und Slowaken. Dabei er­hiel­ten die Slowaken als ein­zige Nationa­li­tät in allen Teil­bereichen eine posi­tive Bewer­tung. Nur im Punkt „Fleiß“ er­ziel­ten die Vietnamesen hö­here Werte.

Jede zweite Firma will keine Roma

Bei einer Umfrage, welche die ČSOB Bank für die Tages­zeitung Právo im Juli durch­führte, gaben 48 Prozent der Unter­neh­men an, dass sie keine Roma ein­stel­len wür­den: Read the rest of this entry »

Birgit Fuchs: Bettelverbote in Österreich

Dezember 7th, 2015  |  Published in Dokumente & Berichte, Hochschulschriften, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Betteln, ein Menschenrecht (Foto: G. Kraftschik / CC-BY)Birgit Fuchs: Bettelverbote in Österreich, Eine Betrachtung von geschichtlichen, juristischen und sozialen Aspekten am Beispiel von Oberösterreich, Bachelorarbeit, FH Oberösterreich, Linz 2015.

Die Linzerin Birgit Fuchs, Studentin an der FH Oberösterreich, Fakultät für Gesund­heit und Soziales Linz, hat ihre Bachelor­arbeit zum Thema der Bettel­verbote ver­fasst. Ihre Arbeit ist in vol­ler Länge auf der Web­site der Bettellobby OÖ ver­füg­bar (hier geht es zum Download). Das Fazit der Arbeit ist eindeutig: Das Bettelverbot löst keine Probleme. Im Abstract der Arbeit heißt es:

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Bettel­verboten in Österreich aus­einander. Der erste Teil der Arbeit beschäf­tigt sich mit Begriff­lich­keiten, Statis­ti­ken und dem geschicht­li­chen und ju­ris­ti­schen Aspekt der Bet­telei. Dabei stehen die Ent­wick­lung im Laufe der Ge­schichte so­wie die heu­tige gesetz­liche Situa­tion im Vorder­grund. Nach der theo­re­ti­schen Aus­einan­der­set­zung folgt der em­pi­ri­sche Teil mit der Aus­wer­tung der In­ter­views mit den Ex­pertIn­nen aus dem sozia­len Be­reich und des Ord­nungs­diens­tes Linz. Das Augen­merk liegt dabei auf der Bedeu­tung der Bettel­verbote für die Be­trof­fe­nen, die sozia­le Arbeit und die Kontroll­organe. Von Re­le­vanz sind auch die Sinn­haftig­keit des Ver­botes und die Alter­na­tiv­vor­schläge der Be­frag­ten. Im An­schluss kommt es zur Inter­pre­ta­tion und Gegen­über­stel­lung der Ergeb­nisse der Inter­views und der be­handel­ten Fach­litera­tur. Das Ergeb­nis zeigt, dass das Bettel­verbot keine Lösung für die Bettel­proble­matik ist.

Fred-Sinowatz-Visenschoftakere patijaripe

November 27th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Manuela HorvathAndo bersch 2015 le ar le haburistar (1945), le schotiskere arkeri­peske (1955), le EU-akere use geji­pes­ke (1995) taj le Romen­gere aten­ta­tiske (1995) gon­dolim ol. O kultu­ra­kero referat la burgen­lan­di­tika thanes­kera regirun­ga­tar del va­schoda 2015 o Fred-Sinowatz-Visen­schofta­kere pati­jaripe trin bari­kane projek­tenge, save pumen adale temen­ca donde beschar­de. O erschtivar o dipe le Fred-Sino­watz-Visen­schof­ta­kere pati­ja­ripes­tar duje­seri taj deschu­pantsch ando kher la flogos­kera kultu­ra­tar kerdo ulo, kaj o kultur­tscha khetan bartschon, sar o kul­tu­ra­kero thanes­kero rot Helmut Bieler phenel.

I Manuela Horvath Erbatar le patjari­pes­kere dipe­ha duj eseri taj deschu­pantsch le keri­peske jeka kenva­tar pedar o bom­ba­kero murda­ripe ando bersch enjavar desch taj pantsch gejng i flo­gos­keri grupn le Romen­dar, upre baunim upre lakeri artschi­ji­pes­keri buti ando artschi­jipe „Roma­ne thana – thana le Sinti­jen­dar taj Romen­dar“, patjar­di uli.

Read the rest of this entry »

Fred-Sinowatz–Wissenschaftspreis 2015

November 19th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Manuela HorvathRomni Manuela Horvath aus Oberwart ausgezeichnet

Im Jahr 2015 wird des Kriegsendes (1945), des Staats­ver­trags (1955), des EU-Bei­tritts (1995) und des Roma-Atten­tats (1995) ge­dacht. Das Kultur­referat der Bur­gen­län­di­schen Lan­des­re­gie­rung ver­gibt daher den Fred-Sinowatz-Wissen­schafts­preis 2015 für drei heraus­ra­gende Pro­jekte aus dem Bereich der poli­ti­schen Bildung, die sich mit Aspek­ten des Gedenk­jahres aus­einan­der­setzten. Zum ers­ten Mal findet die Ver­gabe des Fred Sinowatz-Wissen­schafts­preises 2015 im Haus der Volks­kultur statt, in dem die Kul­tu­ren zusam­men­wachsen, wie der Kultur­landes­rat Helmut Bieler es for­mu­lierte.

Manuela Horvath aus Oberwart wurde mit dem Würdi­gungs­preis 2015 für die Erstel­lung einer Bro­schüre über den Bomben­anschlag 1995 gegen die Volks­gruppe der Roma, auf­bauend auf ihrem Aus­stel­lungs­beitrag in der Aus­stel­lung „Romane Thana – Orte der Sinti und Roma“, aus­ge­zeichnet.

Read the rest of this entry »