„Zigeuner“-Bilder in Kinder- und Jugendmedien

Januar 14th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Buchcover von "Mond Mond Mond"„Denn sie rauben sehr geschwind jedes böse Gassenkind …“

Tagung der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (GEW) und der Universität Bielefeld in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma sowie der Gesellschaft für Anti­zi­ganis­mus­forschung.

3. und 4. März 2016 im Dokuz Sinti und Roma (Berlin)
Aufbau Haus, Prinzenstr. 84 (Aufgang 2, 3. OG), 10969 Berlin

Von Arpad bis Zigeunerfrieda: „Zigeuner“-Figuren und „Zigeuner“-Bilder bevölkern die Kinder- und Jugendliteratur seit ihren Anfängen und sind in all ihren Gattungen vertreten. Zum festen Personal gehören sie in Märchen, ebenso sind sie in kinderliterarischen Klassikern beheimatet: Man denke an Ottilie Wildermuths Das braune Lenchen (1872), Alex Weddings Ede und Unku (1931) oder Kurt Helds Die rote Zora (1941). Auch nach 1945 existieren „Zigeuner“-Kinder in vielen Werken. Sei es in Ursula Wölfels Mond, Mond, Mond (1962) oder in unterhaltungsliterarischen Romanen wie Enid Blytons Fünf Freunde-Reihe. „Zigeuner“-Bilder findet man auch in illustrierten Büchern und Comics, in aktuellen kinder- und jugendliterarischen Romanen, wie denen von Kevin Brooks, oder in autobiographischen Texten von Zeitzeugen, die Anja Tuckermann aufgezeichnet hat. – Die Tagung „Denn sie rau­ben sehr geschwind jedes böses Gassen­kind“ greift mit ihrem Titel ein Zitat aus „Die Zigeuner­frieda“ von Georg Dennler (1910) aus die­sem Text­fun­dus auf.

Im Bereich der Literatur- und Gesellschafts­wissen­schaften er­schien in den ver­gan­ge­nen Jahren eine Reihe wichtiger Ver­öf­fent­li­chun­gen, die der Ge­schichte dieser Konstruk­tio­nen und Stereo­typen­bil­dung, den Aus­wüch­sen der Vor­urteile und anti­zi­ga­nis­ti­schen Ten­den­zen nach­gingen. Eine fun­dierte wissen­schaft­liche Bestands­auf­nahme und Berück­sich­ti­gung der his­to­ri­schen Kinder- und Jugend­literatur liegt nur in begrenz­tem Um­fang vor, ebenso eine dif­fe­ren­zierte Dar­stel­lung der Sinti und Roma. Zudem steht eine Ausei­nan­der­setzung mit aktuel­leren Ent­wick­lun­gen auf dem Buch­markt aus. Ver­geb­lich sucht man in den vor­lie­gen­den literatur­wissen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen auch nach von Sinti und Roma geschrie­be­nen Texten.

Die Vorträge der ersten und bislang einzigen Tagung zum Thema Zigeu­ner“bilder in der Kinder- und Jugend­literatur, welche im Jahr 1999 im Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum deutscher Sinti und Roma statt­fand, wurden im Heidel­berger Verlag Wunderhorn ver­öffent­licht (2000). Die Arbeits­gemein­schaft Jugend Medien (AJuM) der GEW gab 2012 eine Bro­schüre mit Rezen­sionen aktuel­ler Titel heraus; in­zwi­schen wurden 450 Titel dieses Text­korpus erfasst. Ute Wolters lieferte eine erste Syste­matik in dem Lexikon­beitrag zu der The­ma­tik (www.kinderundjugendmedien.de). Da­mit liegen wich­tige Vor­arbei­ten zur Erfor­schung der „Zigeu­ner“-Bil­der in der Kin­der- und Ju­gend­lite­ra­tur vor.

Die Tagung „Denn sie rauben sehr geschwind jedes bö­ses Gas­sen­kind“ schließt an diese ersten Unter­su­chun­gen an und führt in inter­dis­zipli­nä­rer und kultur­wis­sen­schaft­li­cher Perspek­tive die Fra­ge­stel­lun­gen weiter. 14 Beiträ­ge aus Litera­tur­wissen­schaft und -didak­tik, Ge­schichts- und Kultur­wis­sen­schaft, Inter­kultu­ra­li­täts- und Anti­ziganis­mus­for­schung widmen sich „Zigeu­ner“-Bil­dern in Kinder­lite­ra­tur und ihren Medien.

Sowohl in historischer Perspek­tive als auch unter Bezug­nahme auf aktuel­le Ten­den­zen der Frage­stel­lung richtet sich der Blick auf Wissens­bestän­de in bil­dungs­po­li­ti­scher und didaktischer Perspek­tive. Zu­dem wird der Frage nach­ge­gan­gen, wie die päda­go­gi­sche Arbeit in Schule und Unterricht neben der sach­kun­di­gen Ver­mitt­lung von Wissen über die Ge­schich­te und Gegen­wart der Minder­heit der Sinti und Roma vor allem hin­sicht­lich der De­konstruk­tion anti­ziga­nis­ti­scher Stereo­type konstruk­tiv beför­dert wer­den kann.

Eine Übersicht über das Gesamtprogramm und die Beiträ­gerIn­nen ent­hält der Tagungsflyer (pdf).

Ab Januar sind die Kurzdarstellungen der Beiträge einge­stellt unter: www.uni-bielefeld.de

Um Anmeldung wird bis zum 31.1.2016 gebeten.

(Aussendung: www.sintiundroma.de)

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