Einrichtungen

„Museum of Personal Stories“ (Kroatien)

Januar 29th, 2024  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Veranstaltungen & Ausstellungen

„Museum of Personal Stories“ (Kroatien)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Das Projekt „Museum of Personal Stories“ („Muzej osobnih priča“) in Osijek sam­melt und prä­sen­tiert die per­sön­li­chen Ge­schich­ten der im Osten Kroatiens le­benden Min­der­heiten. Das Projekt war no­miniert für die So­zial­Marie 2022.

Projektträger: Fantastično dobra institucija – FADE IN

Herausforderung: Während Armut und sozialer Un­gleich­heit zu­nehmen, sieht sich die kroatische Gesell­schaft auch mit wach­sendem Natio­na­lis­mus und Dis­krimi­nie­rung von Migranten und Flücht­lingen kon­fron­tiert. Diese Folgen haben die größten Aus­wirkun­gen auf die am stärksten Aus­ge­grenz­ten in der Gesell­schaft – Minder­heiten und be­nach­tei­ligte Ge­mein­schaften.

Idee: Das „Museum der persönlichen Geschichten“ ist ein Ausstellungs­raum, der die Geschichten der im Osten Kroatiens lebenden Minder­heiten sammelt und auf­bewahrt. Es wurde aus dem Bedürfnis heraus ge­gründet, tief ver­wur­zelte Vorurteile gegen­über Minder­heiten in unseren Gemein­schaften zu be­kämpfen. In der Aus­stellung werden anhand von Foto­grafien, Objekten und Doku­mentar­filmen ver­schiedene Er­zählungen aus der Gemein­schaft prä­sentiert.

Akteur*innen: Unser Schwerpunkt liegt auf ethnischen Min­der­heiten und mar­gina­li­sierten Gemein­schaften. Das Projekt ar­beitet eng mit Ak­teur*in­nen aus der Gemein­schaft zusam­men, die an der Forschung und der Pro­duktion beteiligt sind, und es hilft uns, Kontakte zu knüpfen und Vertrauen auf­zu­bauen. Die Mit­glieder der Gemein­schaft führen auch Akti­vitäten des Museums durch und ver­breiten die Grund­werte und Ziele des Museums.

Wirkung: Persönliche Geschichten ermögli­chen es uns, die Welt um uns herum besser zu ver­stehen. Minder­heiten haben selten die Mög­lichkeit, öffent­lich über sich selbst zu sprechen. Durch das Erzählen von Ge­schichten erhalten sie nicht nur eine Stimme, sondern helfen der Öffent­lichkeit auch, Stereotypen ab­zu­bauen, indem sie über univer­selle Themen sprechen. Read the rest of this entry »

„Inclusive Kindergartens“ (Budapest)

Januar 19th, 2024  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Sozialmarie: Inclusive Kindergartens (Foto: Rosa Parks Alapítvány)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Eines der Siegerprojekte der SozialMarie 2022 ist das unga­rische in­tegra­tive Bil­dungs­pro­gramm „In­clu­sive Kin­der­gar­tens“ („Befogadó óvodák“), das Roma- und Mig­ran­ten­kin­der im 8. Bezirk in Budapest un­ter­stützt und der Segre­ga­tion in den Kinder­gär­ten des Be­zirks ent­ge­gen­wirkt.

Projektträger: Rosa Parks Alapítvány (Rosa Parks Foundation)

Herausforderung: Die Diskriminierung der Roma-Ge­mein­schaft hat in Ungarn seit dem Amts­antritt der der­zeiti­gen Regie­rung im Jahr 2010 zu­ge­nommen. Die Reformen der öffent­lichen Bildungs­gesetz­gebung dieser Regie­rung haben die Mar­gina­lisie­rung und Segre­gation von Roma-Kin­dern in öffent­lichen Schulen weiter ver­stärkt. Wir arbeiten mit öffent­lichen Kinder­gärten zu­sammen, um integra­tive Bildungs­pro­gramme zu ent­wickeln und Roma- und Migran­ten­kinder sowie deren Eltern zu unter­stützen.

Idee: In Zusammenarbeit mit NGOs und der Stadt­verwaltung ent­wickelt „Inclu­sive Kinder­gartens“ („Befogadó óvodák“) nach­haltige Integra­tions­modelle und ein integra­tives Kinder­garten­system im achten Bezirk von Budapest. Das Projekt bietet nicht nur Unter­stützung für margi­nali­sierte Gemein­schaften an, son­dern orga­nisiert und imple­men­tiert auch insti­tu­tio­nelle Diver­sitäts- und Gleich­stellungs­pläne in allen öffent­lichen Kinder­gärten im 8. Bezirk.

Akteur*innen: „Inclusive Kindergartens“ arbeitet mit Kindern, die öffent­liche Kinder­gärten besu­chen, ihren Lehrern und Familien zu­sam­men. Wir ver­anstalten regel­mäßig Foren für Eltern. Die Ro­sa-Parks-Stif­tung ko­ordi­niert das Programm auch mit der Bezirks­ver­waltung. Eine Roma-So­zial­arbei­terin unter­stützt die Kinder und bezieht die Eltern in das Pro­gramm ein.

Wirkung: Die Neueinteilung des 8. Bezirks hat sicher­ge­stellt, dass be­nach­teilig­ter Kinder und Familien, die in diesem Viertel leben und öffent­liche Schulen besuchen, gleich­mäßig ver­treten sind. Ein segre­gierter Kinder­garten wird nach dem nächs­ten Schuljahr ge­schlossen. In allen Kinder­gärten des 8. Bezirks wurden Teams für integra­tive Ent­wicklung ein­ge­richtet. Read the rest of this entry »

„Childhood to Children“ (Slowakei)

Januar 13th, 2024  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung

Nominiert für die Sozialmarie 2023: Childhood to Children (Detstvo Deťom), Slowakei (Foto: Detstvo Deťom)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Das Projekt „Detstvo deťom“ („Childhood to Children“) war 2023 für die SozialMarie no­mi­niert. Das Pro­jekt aus der Slowakei stellt die Früh­betreu­ung be­nach­tei­lig­ter und von Armut be­trof­fe­ner Kinder in den Mittel­punkt. Dabei wird ein beson­deres Augen­merk auf die Be­treu­ung in den Familien ge­legt. Frauen aus der Roma-Ge­meinden werden aus­ge­bildet, sie über­nehmen die För­derung und früh­kind­liche Betreu­ung im häus­li­chen Umfeld.

Projektträger: Občianske združenie Detstvo deťom (Civic As­socia­tion Child­hood to Children), Košice

Herausforderung: Das Projekt „Childhood to Children“ („Detstvo deťom“) unter­sucht alle mög­lichen Optionen für eine qua­litativ hoch­wertige Früh­betreu­ung für so viele Kinder wie möglich. Es kon­zentriert sich auf die Kinder, die auf­grund ihres Lern­umfelds und ver­erbter Armut am stärks­ten von Ent­wick­lungs­proble­men be­droht sind.

Idee: Mit dem Projekt soll eine Verlagerung der früh­kindli­chen Be­treu­ungs­aktivi­täten in das häusliche Umfeld initiiert werden. Außer­dem bezieht „Child­hood to Children“ erfah­rene Frauen aktiv in die Arbeit mit Familien in Armut ein. Diese Mütter werden direkt aus der Ge­meinde rekrutiert, verfügen über Kom­petenzen im Bereich der Früh­förderung durch die Teil­nahme an Fort­bildungen, die im Rahmen des Projekts an­ge­boten werden, und sind so in der Lage, die er­worbenen Kennt­nisse und Fähig­keiten an junge Mütter weiter­zu­geben.

Akteur*innen: Die Zielgruppen sind: Kinder (bis zum Vorschul­alter), die in Spiel­aktivi­täten und Vorschul­vor­berei­tung ein­bezogen werden; jüngere Schulkinder, die durch kreative Akti­vitäten und Lesen auf die Schule vor­bereitet werden; heran­wachsende Mädchen und junge Mütter, die in ver­ant­wortungs­vollem Umgang mit Mutter­schaft geschult werden; er­fahrene Mütter, die das Projekt vor Ort unter­stützen; Familien in Ge­nera­tionen­armut, für die das Projekt sen­si­bi­lisie­ren will.

Wirkung: Die Hauptwirkung des Projekts besteht darin, die positiven Ver­änderun­gen der frühk­indlichen Betreuung in den Familien zu ver­stärken. Darüber hinaus soll es die Ent­wick­lungs­fort­schritte der Kinder, die schulischen Leis­tungen, das Selbst­wert­gefühl der Frauen, die elterliche Kom­petenz, die Zeit, die den Kindern ge­widmet wird, sowie das Selbst­vertrauen und den Stolz auf die Leis­tungen der Kinder ver­bessern. Read the rest of this entry »

„Invisible Study Hall“ (Ungarn)

Januar 4th, 2024  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

SozialMarie 2023: Invisible Study Hall (Ungarn) (Foto: via SozialMarie)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Für die SozialMarie 2023 nominiert war auch das Pro­jekt In­visible Study Hall (Láthatatlan Tanoda) aus Budapest, das außer­schu­li­sche Bildungs­an­ge­bote für mar­gina­li­sier­ten Roma-Kinder im Alter von 5 bis 18 Jah­ren zur Ver­fü­gung stellt.

Projektträger: Rosa Parks Alapítvány (Rosa Parks Foun­dation)

Herausforderung: In Ungarn wächst die Bildungs­kluft zwischen Regel­schul­kindern und margi­na­li­sier­ten Kindern (vor allem Roma), die das der­zeitige Schulsystem und die sozialen Unter­stützungs­systeme nicht auf­fangen können. Roma-Kinder sind nicht nur mit den Nachteilen der Armut kon­fron­tiert, sondern auch mit rassisti­schen Vor­urteilen, die zu schuli­scher Segregation führen.

Idee: Das Projekt „Invisible Study Hall“ bietet marginali­sierten Roma-Kin­dern im Alter von 5 bis 18 Jahren außer­schulische Bildungs­an­ge­bote. Der Schwer­punkt liegt auf der Ent­wicklung indivi­dueller Fähig­keiten, Mentoring, Grup­pen­akti­vitä­ten zur Ent­wicklung sozialer Fähig­keiten und Freizeit­akti­vitäten. Es wird ein ganz­heit­licher Ansatz verfolgt, der zahl­reiche Frei­willige ein­bezieht, Partner­schaften mit Eltern ent­wickelt und Familien in Krisen­situa­tio­nen hilft.

Akteur*innen: Zwei Vollzeit- und zwei Teilzeit-So­zial­ar­bei­ter*in­nen ko­ordi­nieren die Projekt­akti­vitäten, halten den Kontakt zu den Eltern und unter­stützen das Wohl­er­gehen der Familien. Diese Mit­arbei­ter*in­nen leiten auch 41 Frei­willige (aus allen Lebens­berei­chen). Das Projekt umfasst derzeit 78 Kinder sowie Mit­arbeiter, Freiwillige und Eltern, die alle eine Gemein­schaft bilden und part­ner­schaft­lich zu­sammen­arbeiten.

Wirkung: Die Kinder, die vor neun Jahren im Kindergarten in das Programm auf­ge­nommen wurden, haben ihre Ausbildung bis zur weiter­füh­ren­den Schule fort­gesetzt. Das Projekt hat in ähn­licher Weise bei Wohnungs- und Ein­kommens­krisen geholfen und unter­stützt jedes Jahr die Einschulung von 5 bis 8 Kindern in nicht segre­gier­ten Schulen. Read the rest of this entry »

Volksgruppenhaus: Bauarbeiten angelaufen

Januar 2nd, 2024  |  Published in Einrichtungen, Politik

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gemeinsam mit VertreterInnen aller burgenländischen Volksgruppenorganisationen, der Stadtgemeinde Oberwart und der Landesimmobilien Burgenland (LIB) vor dem früheren Städtischen Internat, dem zukünftigen „Haus der Volksgruppen“ (Foto: Bgld. Landesmedienservice)Oberwart: Beim Projekt „Haus der Volkgruppen Burgen­land“ wurde Ende 2023 mit den ersten Bau­maß­nah­men be­gon­nen. Landes­haupt­mann Dosko­zil: „Wir lie­gen mit dem Bau dieses Jahr­hun­dert­pro­jekts voll im Zeit­plan.“

Aktuell finden im Gebäude umfassende Entkernungs­arbeiten statt, und die für den Neu- und Umbau not­wendigen statischen Unter­suchungen und Bau­substanz­prüfun­gen werden vor­ge­nommen. Nach diesen Arbeiten, die im März 2024 ab­geschlos­sen sein sollen, kann mit dem Neubau begon­nen werden. „Ich bin sehr zu­ver­sichtlich, dass das Volks­gruppen­haus 2025 fertig­gestellt sein wird“, so Landes­haupt­mann Hans Peter Doskozil. Und weiter: „Für das Burgenland und seine Volks­gruppen ist dies ein Jahr­hundert­projekt, das nach der Finali­sierung einzig­artig sein wird. Wir schaffen mit dem neuen Gebäude nicht nur ein sicht­bares Zeichen der Wert­schätzung, es wird ein Raum des Mit­einanders ent­stehen, der öffent­lich zu­gängig ist. Damit wird ein neues Kapitel in der Volks­gruppen­politik auf­ge­schlagen.“ Bei den Planungen wurde Wert auf den Erhalt von be­stehen­der Bau­substanz, auf nachhaltige Bauweise, die Ver­wendung von nach­wachsen­den Baustoffen wie Holz, wie auch geringe Boden­ver­siegelung gelegt. Zur Energie­ge­winnung werden auf allen Dach­flächen Photo­vol­taik-An­lagen mon­tiert.

Die Landesimmobilien Burgenland GmbH (LIB) hat das ehemalige Städtische Internat in der Schul­gasse 31 von der Stadt Oberwart er­worben. Ins­gesamt sollen mehr als 20 Millionen Euro in Sanierung und Umbau inves­tiert werden. Das Land finan­ziert das Projekt über die LIB vor und stellt als Anschub­finan­zie­rung zwei Millio­nen Euro der Jubiläums­gabe zu „100 Jahre Burgenland“ zur Ver­fügung. Außerdem wird das Land Burgen­land nach Fertig­stel­lung mit Zu­schüssen zu den Mieten und Personal für die Ad­ministra­tion unter­stützen. Read the rest of this entry »

„Ein er­inne­rungs­poli­ti­scher Skandal“

Dezember 20th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Politik

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Aussendung von Daniel Strauß zum be­droh­ten Sin­­ti-und-Ro­ma-Denk­mal in Berlin

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Lan­des­verband Baden-Württemberg (VDSR-BW) möch­te auf die be­sorgnis­erre­gen­den Ent­wicklun­gen rund um das geplante Bau­vorhaben der S 21 in Berlin, wel­ches das Denkmal für die im Natio­nal­sozia­lis­mus ver­­folgten und er­mordeten Sinti und Roma bedroht, hin­weisen. Dieses Denkmal hat eine im­mense Bedeu­tung für die deutschen und euro­päi­schen Sinti und Ro­ma. Eine Ent­scheidung über ein Bau­vorhaben von solcher Trag­weite kann nur in enger Ab­stim­mung mit den wich­tigen Ver­tretun­gen der Sinti und Roma ge­troffen werden. Daher appel­liert der VDSR-BW an die Not­wendig­keit einer er­neuten Konsul­tation und Ein­bindung der deut­schen und euro­päischen Sinti und Roma.

Pressemitteilung vom 19.12.2023

Stellungnahme des Vorsitzenden des VDSR-BW und Ko-Vor­sitzen­den der Bundes­ver­eini­gung der Sinti und Roma (BVSR) zur aktuel­len Situa­tion um das Denk­mal in Berlin

Seit 2020 bekannt wurde, dass die Deutsche Bahn – Nachfolgerin der Orga­nisa­tion, deren Züge unsere An­gehörigen in den Tod depor­tierten – und der Senat von Berlin Pläne für ein Bau­vor­haben (S 21) verfolgen, das das unweit des Reichs­tags­ge­bäu­des gele­gene Denkmal für die im Natio­nal­sozia­lis­mus verfolgten und er­mordeten Sinti und Roma Europas, für das wir jahr­zehnte­lang ge­kämpft haben, be­schä­digen könnte, setzen wir uns gemein­sam mit etwa 50 Orga­ni­satio­nen der Sinti und Roma aus Deutschland und Europa gegen die Zer­störung eines wür­digen Gedenkens ein. In zahl­reichen Ge­sprä­chen der ver­gan­genen Jahre, zuletzt am 28. Sep­tember 2023, sicher­ten der Senat von Berlin und nament­lich die Verkehrs­sena­torin eine Ein­beziehung aller grö­ßeren Organi­sa­tionen der Sinti und Roma zu, um einen für alle Betrof­fenen gang­baren Weg zu finden. Dieses Ver­sprechen wurde nun gebrochen.

Die ohne weitere Aussprache oder auch nur Information er­folgte, am 16. Dezem­ber 2023 be­kannt ge­wordene An­kündi­gung aus dem Haus der Berliner Verkehrs­sena­torin, den Bau der S 21 trotz aller Ab­sprachen ohne einen Prozess der Ein­bin­dung aller Be­trof­fenen voran­zu­treiben, ist ein er­schüt­tern­des Zeugnis eines bislang un­geahnten man­geln­den Bewusst­seins für die Ver­brechen des National­sozialis­­mus in unserem Lande – und das un­mittel­bar sowohl nach der Bundes­tags­debatte über die zweite Schuld der Bundes­republik an­gesichts der ver­weigerten An­erken­nung, des fort­dauern­den Antiziganismus und der an­halten­den Dis­krimi­nie­rung von Sinti und Roma am 14. Dezem­ber 2023 als auch nach der Gedenk­stunde im Bundesrat am 15. Dezem­ber 2023, mit der an den Himm­ler-Er­lass vom 16. Dezem­ber 1942 erinnert wurde, der zur Depor­tation aller deut­schen Sinti und Roma in Zügen der Reichsbahn nach Ausch­witz-Bir­kenau führte und den Völkermord voll­endete. Diese man­gelnde histo­rische Sensibilität ist ein er­inne­rungs­poli­ti­scher Skandal.

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Roma-Service in der Krone

Dezember 17th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

30 Jahre Anerkennung: Artikel in der Krone, 16.12.2023 (Screenshot)Volksgruppe der Roma: Es braucht mehr als die An­er­ken­nung am Papier

Vor 30 Jahren wurde die Volksgruppe der Roma an­er­kannt. Gegen Dis­krimi­nie­rung kämpft man heute nach wie vor, aber das Selbst­be­wusst­sein ist ge­wachsen.

→zum Artikel in der Krone

Zum Jubiläum erschien in der Kronen-Zeitung ein Artikel von Carina Fenz, der auf die letzten 30 Jahre der Volks­gruppe zurück­blickt – und dabei auch den Verein Roma-Service vor­stellt (dessen zwei­spra­chiges Magazin dROMa die Autorin sicht­lich genau ge­lesen hat).

„Meine Volks­gruppe darf keine Nach­teile haben, wenn sie zu ihrer Identität steht“, zitiert der Ar­tikel den Vor­sitzen­den des Roma-Volks­grup­pen­beirats Emmerich Gärt­ner-Hor­vath vom Verein Roma-Ser­vice. „Mit Aus­gren­zung und Dis­kri­minie­rung hat man aber nach wie vor zu kämpfen“, kons­ta­tiert auch der Artikel. Die rassis­tischen Leser­postings unter dem Kro­ne-Text liefern dazu auch gleich das pas­sende An­schau­ungs­ma­terial.

Volksgruppen: Was ist was? | So hi so?

Dezember 16th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Politik, Recht & Gericht, dROMa (Magazin)

Glossar zum Volksgruppengesetz in Österreich (Foto: Tumisu/Pixabay)30 Jahre Anerkennung / 30 berscha aun­prindscharipe

GLOSSAR / ERKLERINIPE

Volksgruppengesetz
Das Volksgruppengesetz von 1976 garantiert den autoch­thonen (ein­ge­ses­senen) Minder­heiten Schutz und beson­dere Rechte. Unter „Volks­gruppen“ ver­steht die Rechts­ordnung „die in Teilen des Bundes­gebietes wohn­haften und be­heima­teten Gruppen öster­rei­chi­scher Staats­bürger mit nicht­deutscher Mutter­sprache und eige­nem Volkstum“. Neben den Roma sind dies die Kroaten, Ungarn, Slowenen, Tschechen und Slowaken.
Flogoskero grupnengero tschatschipe
O flogoskero grupnengero tschatschipe andar 1976 le autoch­toni (tel beschte) tschu­lip­tschenge, arakipe taj barika­ne tschatschip­tscha, del. Telal „flogos­kere grupn“ hajol o tscha­tschipe, „grupn, save ande falati le bun­dakere tha­nestar atschon taj khere hi taj save austri­tike schto­tiskere polgar­tscha na nimtschka dajakera tschib­tschaha taj ajgeni tradi­cijaha hi“. Pasche o Roma, hi odola o horvacke, ungrike, slove­nitike, tsche­chitike taj slovakitike.


Volksgruppenbeirat
Für jede Volksgruppe ist laut Gesetz beim Bundeskanzleramt ein Gremium „zur Beratung der Bundes­regierung und der Bundes­minister“ ein­zu­richten. Diese Volks­gruppen­beiräte ver­treten die Inter­essen der gesam­ten Volksgruppe, etwa bei der Verteilung von Förder­geldern. Sie haben ein An­hörungs­recht und können Vorschläge vor­bringen. Dem acht­köpfigen Beirat der Roma, der auf vier Jahre ernannt wird, steht seit 2016 Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath vor.
Flogoskero grupnengero bajrot
Sakona flogoskera grupnake palo tschatschipe ando bunda­kero kanc­leris­kero birov­tschago, jek gremijum „uso bero­tinipe la bun­dakera regi­runga­tar taj le bunda­kere minis­te­rendar“ te kerel hi. O flogos­kere grup­nengere bajrotscha, o gondi la cila flogos­kera grupnatar fatre­tinen, afka sar uso ulajipe le pomo­scha­gos­kere lojendar. Read the rest of this entry »

Magna Carta aller Menschen

Dezember 10th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, dROMa (Magazin)

Jubiläum: 75 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

ELEANOR ROOSEVELT: Die Vorsitzende der UN-Kommission mit der Menschenrechts-Deklaration von 1948 (Bild: FDR Presidential Library, CC BY 2.0)Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Ver­ein­ten Natio­nen in Paris die All­ge­meine Er­klä­rung der Men­schen­rechte – eine der raren Stern­stunden der Mensch­heit

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Mit diesem kraft­vollen Auftakt beginnt das Doku­ment, das 1948 – auf den Trüm­mern von Krieg und Faschismus – eine große Mensch­heits­utopie formu­lierte: Die zivili­sa­to­rische Stärke des Rechts sollte ein für alle Mal das Recht des Stärkeren er­setzen. 75 Jahre später sind die 30 Artikel der UN-Men­schen­rechts­erklärung aber weiter­hin oft nicht viel mehr als schöne Worte. Selbst in etab­lierten Demo­kratien werden sie heute wieder dreist in Frage ge­stellt. Der Konsens von 1948 bröckelt.

Damals hatte sich die Staatengemeinschaft auf diesen globa­len Men­schen­rechts­kodex ver­stän­digt. Bis zuletzt hatte die 18-köpfi­ge UN-Kom­mission unter dem Vorsitz Eleanor Roosevelts, der resolu­ten Gattin des frü­heren US-Prä­si­denten, um jeden Passus ge­feilscht. Doch unter den Vor­zeichen des herauf­däm­mern­den Kalten Krieges gelang, was noch nie ge­lungen war: eine von Regie­rungen auf allen Kon­tinenten gemein­sam ge­tragene Dekla­ration der Rechte, die allen Menschen zu­stehen – un­abhän­gig von Herkunft, Rasse, Ge­schlecht oder Religion. Ein­fach weil sie Men­schen sind.

Die Resolution fand in der Generalversammlung in Paris – ohne Gegen­stimmen und mit nur einigen Ent­haltungen – eine über­wälti­gende Mehrheit. „Wir stehen heute an der Schwelle zu einem großen Ereignis“, so Eleanor Roosevelt in ihrer An­sprache. „Diese Erklärung kann die inter­natio­nale Magna Carta aller Men­schen werden.“

Strahlkraft
In der Tat hatte die Kommission nach zweijähriger Debatte Bahnbrechendes durch­gesetzt. Read the rest of this entry »

Magna Carta le cile manuschendar

Dezember 9th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, dROMa (Magazin)

Jubilejum: 75 berscha genereli erkler­ini­pe le ma­nu­schen­gere tscha­tschip­tschen­­dar

ELEANOR ROOSEVELT: I anglebeschaschkija la UN-komisijonatar la deklaracijonaha le manuschengere tschatschiptschendar andar 1948 (kipo: FDR Presidential Library, CC BY 2.0)Ando 10to decemberi 1948 o Khetane Nacijon­tscha ande Paris o ge­ne­reli erk­le­ri­nipe le ma­nu­schen­gere tscha­tschip­tschen­dar ar dine – jek le tschule oren­dar le ma­nu­schi­pestar

„O cile manuscha naphandle taj glajchi ando pativ taj ando tscha­tschip­tscha hi.“ Adale so­rale ala­ven­ca kes­dinel o doku­mento, savo 1948 – upro pha­gerde koji le habu­ristar taj faschis­musistar – jek bari manu­schen­geri utopija for­muli­rintscha: I civili­sato­rischi sor le tscha­tschi­pestar mindig o tscha­tschipe le sora­lede­ristar te irinel. 75 berscha paloda, o 30 falati le UN-ma­nu­schen­gere tscha­tschi­peskere erk­leri­ni­pestar, ham tschak buter, schukar alava hi. Muguli ande latsche demo­kra­ciji, adi papal ando phu­tscha­jipe ter­dscharde le on. O khetano hango andar o bersch 1948 tschurel.

Ande oja cajt, o schtotschengero khetanipe oda globali manuschen­gero tscha­tschi­pes­kero kodeks, ari dija. Dschi­jakana, i 18-sche­ros­keri UN-ko­mi­si­jona telal i angle­be­schasch­kija Eleanor Roosevelt, i sorali dschuvli le agune US-pre­siden­tostar, vasch sako koja kejmpfin­lahi. Ham telal o anglunte cajchn le upre ale schudre haburistar schofim ulo, so dschi­jakana meg na dija: jek, le regi­run­gendar upro cile kon­ti­nentscha khetan ledschimi dekla­racijona le tscha­tschip­tschen­dar, save le cile manu­schenge use terdschon – tel diklo le telsch­ta­mini­pestar, la etnijatar, obste mursch vaj dschuvli vaj la reli­gijonatar. Hatek, kaj on ma­nuscha hi.

I resolucijona ando talalinipe ande Paris jek igen baro usephenipe uschti­dija – tschak poar pal like­ri­penca. „Amen adi angli granica use jek baro terdschi­jipe terdscho­jas“, afka i Eleanor Roosevelt ande lakero vakeripe. „Ada erkle­rinipe schaj i inter­nacijo­nali Magna Carta le cile manu­schendar ol.“

Gistakeri sor
Tschatschikan, i komisijona pal duj berschengeri debata, jek barika­no koja prik schaj be­schartscha. Use jek, pro­kla­mirin­tscha o papruschi o pativ le manu­schenstar ojs lek utscheder tscha­­tschi­peskero koja. Read the rest of this entry »

SozialMarie 2023: „Career Path“ (Ungarn)

Dezember 8th, 2023  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung

Sozialmarie 2023: Career Path (Foto: Van Helyed via SozialMarie)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Eines der Siegerprojekte der SozialMarie 2023 ist das unga­rische Bildungs- und In­tegra­tions­projekt „Ca­reer Path as Opposed to an In­escap­able Life Path“ („Karriere­weg im Gegen­satz zu un­aus­weich­li­chem Lebens­weg“), das Roma-Kin­dern aus aus­ge­grenz­ten Ge­mein­schaf­ten zu einem Schul­ab­schluss und einem Beruf ver­hilft.

Projektträger: Van Helyed Alapítvány (You Belong Foundation)

Herausforderung: Die wachsende Zahl nicht aus­gebil­deter Men­schen ist ein globales Problem, das den Klimaschutz, das Wirt­schafts­wachs­tum und Aspekte eines menschen­würdigen Lebens ge­fährdet. In Ungarn gibt es 1200 Slums, in denen vor allem Roma-Kinder in Segre­gation leben und eine minder­wertige Bildung er­halten. Bis 2050 wird die Zahl der ab­hän­gigen An­gehö­rigen pro 100 Per­sonen im erwerbs­fähigen Alter auf 60 ansteigen.

Idee: Das Projekt „Karriereweg im Gegensatz zu un­aus­weich­lichem Lebensweg“ hat ein proto­typisches System geschaffen, das einen Ausweg aus dem Elend garantiert. Es ermöglicht einen gleich­berech­tigten Zugang zu Bildung, Wissen und Wohlstand während des gesam­ten Lebens­weges. Die Stiftung „You Belong“ bietet einen Weg zu einem Beruf und einem Ab­schluss.

Akteur*innen: Die Hauptakteure sind benach­tei­ligte Roma-Kinder, die mit ihren Familien und Ge­mein­schaften in einem ge­schlos­senen System auf­wachsen. Das Projekt umfasst außer­dem 120 Personen, die in den „You Belong“-Ein­rich­tungen von Ózd/Bu­dapest intensiv betreut werden, sowie 1.000 Teil­nehmer und ihre Familien aus segre­gierten Gemein­schaften.

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„Community Roma Doula Service“ (Ungarn)

Dezember 5th, 2023  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Frauenrechte

Sozialmarie 2023: Community Roma Doula Service in Un­garn (Foto: Vale­ria Cher­chi)SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jekte be­fas­sen sich mit Roma. Wir stel­len Ihnen eini­ge dieser Ini­tia­tiven vor:

Einer der Hauptpreise der SozialMarie 2023 ging an das Projekt Community Roma Doula Service (Közös­ségi dú­laszol­gá­lat Al­sózsol­cán), welches be­nach­tei­ligte Frauen, die auf­grund ihrer sozialen und wirt­schaft­li­chen Situa­tion an­fäl­liger für geburts­hilf­liche Gewalt sind, unter­stützt. Das Projekt zielt darauf ab, dies zu be­kämpfen, indem es einen ge­mein­schaft­li­chen Doula­dienst in Alsózsolca (Nord­ost­ungarn) be­treibt und die Selbst­or­ga­ni­sa­tion von Ro­ma-Frauen unter­stützt.

Projektträger: EMMA Közhasznú Egyesület (EMMA Association)

Herausforderung: Roma-Frauen mit einem benachteiligten Hintergrund sind an­fälliger für geburts­hilfliche Gewalt; ihre repro­duk­tiven Rechte können in Er­mange­lung an­ge­mes­sener Infor­matio­nen und Schulun­gen kumu­lativ verletzt werden. Viele schwangere Frauen bitten darum, können aber in ihrem Umfeld nie­man­den finden, der sie in den Kreißsaal be­gleitet; diese Frauen werden also allein gelassen.

Idee: Im Rahmen des Projekts Community Roma Doula Service in Alsózsolca (Nordost­ungarn) über­nehmen ein­heimi­sche Roma-Frau­en eine unter­stüt­zende Rolle und be­gleiten ihre Kolle­ginnen im Kranken­haus. In einer beson­ders ver­letzlichen Phase des Lebens einer Frau setzen sich die Doulas dafür ein, dass die körper­lichen und emotio­nalen Bedürf­nisse der Frauen erfüllt werden, und arbeiten daran, ihre Dis­krimi­nierung zu ver­hindern.

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„Vor­bild­liche Projekte ans Licht bringen“

Dezember 4th, 2023  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

SozialMarie 2023SozialMarie 2023: Ausgezeichnete Roma-Projekte

SozialMarie: Soziale Innovation entwirft Lösungen für dringende gesell­schaft­liche Heraus­for­derungen. Sie schafft Raum für neue Denk­ansätze, gibt inno­vative Ant­worten und weist neue Wege. Damit reagiert sie ent­weder auf neue soziale Frage­stel­lungen oder löst ein be­kanntes Problem durch eine neue Heran­gehens­weise. Dieses Handeln kann von der betrof­fe­nen sozialen Gruppe selbst ausgehen, es muss in jedem Fall von den Betrof­fenen mit­getragen und mit­gestaltet werden. Auf diese Weise schafft soziale Inno­vation nach­haltige, beispiel­ge­bende Lösun­gen, die für andere zur Inspi­ration werden.

SozialMarie ist ein Preis für soziale Inno­vation, der jedes Jahr an 15 heraus­ragende Projekte ver­geben wird. Mit der ersten Ver­leihung im Jahr 2005 war sie der erste Preis für soziale Inno­vation in Europa. Neben einer finan­ziellen An­er­ken­nung in Höhe von 55.000 € bietet SozialMarie vor allem eine öffent­liche Plattform für sozial inno­vative Pro­jekte in Mittel­ost­europa. Von Anfang an inter­na­tio­nal, hat sich die Sozial­Marie in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Kroatien und Slowenien einen guten Ruf er­worben. Die im Jahr 2000 von Wanda Moser-Heindl und Friedrich Moser ge­grün­dete „Unruhe Privat­stiftung“ be­treibt den Preis.

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Gedenkstätte Lety kurz vor Eröffnung

November 19th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken

Visualisierung der künftigen Gedenkstätte in Lety (Foto: Atelier Terra Florida via Radio.cz)Tschechien: Völkermord-Gedenkstätte in Lety soll im Febru­ar er­öff­net werden

Radio.cz: Die Gedenkstätte für den Völkermord an den Sinti und Roma in Böhmen steht kurz vor ihrer Fertig­stellung. Am Montag ver­kün­deten Ver­treter des Museums der Roma-Kultur, das die Gedenk­stätte in Lety ver­walten wird, das offi­zielle Er­öff­nungs­datum: 3. Februar 2024.

Politiker und weitere Engagierte haben damit begonnen, vor Ort Jungbäume zu setzen. Sie sollen Teil der Gedenk­stätte werden, ins­gesamt sind knapp 14.000 Bäume vor­gesehen. „Der neu an­ge­legte Wald soll die verlo­rene Roma-Com­mu­nity dar­stellen und sie sym­bolisch er­setzen“, sagte die Leiterin des Museums der Ro­ma-Kul­tur, Jana Horváthová. Die meisten der Jung­bäume sind übri­gens eine Schenkung der Herr­schaft Orlík von Jan Schwarzenberg und seinem ver­stor­be­nen Vater, dem Ex-Au­ßen­minister Karel Schwarzenberg. Die Anlage entsteht am Ort des früheren Konzentrationslagers im südböhmischen Lety. Dort wurden den Historikern zufolge von August 1942 bis Mai 1943 ins­gesamt 1.308 Sinti und Roma inhaf­tiert. 327 von ihnen starben in Lety, mehr als 500 der Inter­nier­ten wurden nach Auschwitz deportiert. „Es ist un­glaub­lich wichtig, daran zu erinnern, was hier pas­siert ist. Die Opfer, derer wir heute geden­ken, werden häufig ver­gessen. Dieses Kapitel un­serer Geschichte liegt ge­wisser­maßen unter einem Schatten“, so die Vor­sitzende des Ab­ge­ord­neten­hauses, Markéta Pekarová Adamová (Top 09), am Montag.

Der Weg zur Gedenkstätte war schwierig. Ab den 1970er Jahren stand an dem Ort eine Schweine­mast. Obwohl sich Roma-Ver­bände und Men­schen­rechts­organi­sa­tio­nen sehr bald nach der politischen Wende von 1989 für einen Abriss der Farm ein­gesetzt hatten, kaufte der tsche­chische Staat erst 2018 das Gelände auf und leitete die Ent­stehung der Gedenk­stätte in die Wege. Read the rest of this entry »

Roundtable: Wie Selbstorganisationen stärken?

November 14th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Romano Svato: Roundtable im Parlament in Wien, November 2023Roundtable im Parlament: Wie kann der Staat die Selbst­or­ga­ni­sa­tio­nen der Ro­ma und Sin­ti in Ös­ter­reich stär­ken? Struk­tu­ren und Nar­ra­ti­ve der Zu­kunft

Eine Veranstaltung von Romano Svato

→zum Video auf Youtube (Beginn: Min. 12:00)

Aus der Ankündigung von Romano Svato:
Die Bürger­rechts­bewe­gung der Rom*nja und Sin­ti*zze in Österreich be­findet sich im Um­bruch. Der­zeit gibt es Fort­schritte wie den Be­schluss zu einem Gedenk­ort in Erin­nerung an die Opfer der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­folgung. Gleich­zeitig arbeiten die meisten Selbst­organi­satio­nen unter prekä­ren Bedin­gungen und ohne jegliche nach­haltige Per­spek­tive. Die Kultur und Sprache der Roma als histo­rischer Teil europ­äi­scher Kultur bleibt das Stiefkind aller politi­schen Be­mühun­gen. Zudem existie­ren keine eigenen Orte des Aus­tausches – schon gar keine „Save Spaces“ für die Com­mu­nitys. Eine um­fas­sende An­erken­nung der Roma und Sinti bedingt jedoch immer einen vor­han­denen politi­schen Willen. Im Dialog zwischen Politik, Bürger­rechts­be­weg­ung und Künst­ler*in­nen werden Ent­wick­lun­gen und Mög­lich­keiten dis­kutiert.

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Roma im Kosovo: Ein Hotel als Hoffnungsort

Oktober 2nd, 2023  |  Published in Einrichtungen, Radio, Podcast & TV

Deutschlandfunk Kultur: Die Reportage, 1.10.2023
Von Ernst-Ludwig Aster

Vor zehn Jahren eröffnete ein Schweizer Ex-Diplomat ein Hotel im Kosovo. Seine Vision: Roma, Serben und Albaner leben und ar­beiten fried­lich unter einem Dach. Kann das funk­tio­nieren in einem nach wie vor zer­ris­senen Land?

→Hotel Gračanica, Pristina

(Text und Sendung: deutschlandfunkkultur.de)

7. Jenischer Kulturtag in Innsbruck

September 30th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Veranstaltungen & Ausstellungen

Banner_Siebter-JK-1024x39730. Sept. 2023, ab 14:00 Uhr
Kul­tur­back­stu­be, die Bäckerei, Dreiheiligenstr. 21a, Innsbruck

→Zum Programm

Früher zogen Jenische in kleinen Fa­milienverbän­den durch das Land, um den Sess­haf­ten ihre Arbeits­kraft und hand­werk­li­chen Fähig­keiten an­zu­bie­ten. Als Men­schen mit eige­nen Lebens­wei­sen, einer eige­nen Sprache und eigen­stän­di­gen kultu­rellen Tra­ditio­nen waren sie eine sozio­kul­tu­relle Min­der­heit, die schon früh als „Karrner“ oder „Laninger“ dis­krimi­niert wurden und zur Sess­haftig­keit ge­zwun­gen wer­den sollten. Im National­sozialis­mus wur­den Jenische als so­ge­nannte Asoziale verfolgt und er­mor­det. Doch auch nach 1945 bis in die jüngste Ver­gangen­heit nahm die Unter­drückung und Gewalt kein Ende, etwa durch will­kürliche Ge­fängnis­strafen oder Kinds­weg­nahmen durch die Jugend­wohlfahrt, bei der die ihren Familien ent­ris­senen Kinder in an­erkannten Ins­titutio­nen syste­ma­tisch gequält, ge­schlagen und er­niedrigt wurden. Ein dunkles Kapitel der Ge­schichte der Jenischen, das bis Mitte der 1980er anhielt und bis heute weiter­wirkt.

Die Jenischen Kulturtage wenden sich gegen das Vergessen und treten ein für die Sicht­bar­ma­chung der jenis­chen Gegen­wart und Ver­gangenheit sowie des Beitrags der Jenischen zur Tiroler Ge­schichte. Jen­seits von herab­würdi­gender Stereo­typisierung und der Roman­ti­sierung der fahrenden Lebens­weise soll bei den Jenis­chen Kultur­tagen ein realis­tische­res Bild der teils ver­ges­senen und ver­schwie­genen, teils noch le­ben­digen Tra­ditionen, Kultur und Lebens­formen ge­zeichnet werden. In Ge­sprächen und Er­zählun­gen über damals und heute, über Doku­mente und Bilder, in Form von Musik und Handwerk. Read the rest of this entry »

EMRO – Sor le Romenge taj Romnjenge

September 24th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
4.9.2023 |
(on demand)

EMRO Steiermark (Foto: Mario Czory)Sar o bundakero ministerijum la but­ja­ke taj la virt­schof­take ando lejcti bersch o phen­do ar dija, o Roma taj o Sinti meg baj­der upro but­ja­kero foro, po­mo­scha­go te usch­tiden. Ando ke­ripe jeke ardi­pestar uso pomo­schago odola cilis­kera grup­natar, andi cili Austri­ja bu­te­der pro­jek­ti kervde ule. Af­ka te an­do Schtacko.

„EMRO – Empowerment für Roma und Romnia“ (→fol­der) butschol o butjakero foros­kero pro­jek­to la Cari­tasa­tar Schtac­ko. Phari­pes­kere punk­tscha hi o entvik­li­nipe taj prik­be­scharipe le kojendar uso kvalifi­ci­rinipe Romen­dar taj Sinti­jendar. O schero le pro­jek­tostar o Michael Teichmann hi.

Le Teichmanniske, savo imar te uso erschti butjakero foroskero projekto la Cari­tastar Schtacko use sina, i khe­tani­pes­keri buti o mogo le jerini­pestar hi. O klutscho paschlol, afka o pro­jektos­kero schero, andi bari­kani khetani buti le kolegki­jenca taj kole­genca andar i Romen­ge­ri-grupn. Afka o klijent­kiji taj kli­jentscha le Romnjen­dar Tina Friedreich taj Csilla Höfler, pomo­schago uschtiden. Ham te phendo ol, hot i kon­tinuji­teta bari­kani hi. Ada duach o ardipe „Romen­geri sor le but­jakere fo­roske 2022–2030“ dim hi.

O dikipe use EMRO upro entviklinipe taj prikbescharipe le kojendar uso kvali­fi­ci­rinipe paschlol. Afka pasche o but­ja­kero- taj sika­di­pes­kero beroti­nipe te kurstscha la nimtschka tschib­tschake, alfa­betisi­rini­pes­kere kurtschta taj avre kvali­ficiri­ni­peskere kurstscha del. Read the rest of this entry »

Oberwart: Förderung für Roma-Lernbetreuung

September 23rd, 2023  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung

Burgenland: Lernbetreuung in Oberwart, 2023Förderung von Femmes d’Europe für die Au­ßer­schu­li­sche Lern­be­treu­ung von Ro­ma-Ser­vice in Ober­wart

BKFTV: Der Verein Roma-Service hat eine Förderung in Höhe von 4.000 Euro von der Ver­eini­gung Femmes d’Europe er­halten, die ihren Sitz in Belgien und Luxemburg hat. Diese finan­zielle Unter­stützung wird dem Projekt „Außer­schu­lische Lern­betreu­ung“ zugute­kom­men, das vom Verein Roma-Ser­vice in Oberwart an­geboten wird. Über­reicht wurde die Förde­rung von Landtags­prä­si­dentin Verena Dunst, Brigitte Haus (Ver­trete­rin der Femmes d’Europe) und Rainer Winter (Leiter des Burgen­län­di­schen Ver­bindungs­büros in Brüssel) an Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath (Ge­schäfts­führer des Vereins Roma-Ser­vice).

Der Verein Association Femmes d’Europe – FdE – ist eine gemein­nützige Orga­nisa­tion, die weltweit Pro­jekte fördert, ins­beson­dere solche, die Frauen und Kindern zugute­kommen. Die finan­ziel­len Mittel werden durch ver­schiedene Ver­anstal­tungen von ehren­amt­lichen Vereins­mit­gliedern ge­sammelt. Der Vor­schlag zur För­derung der Ro­ma-Lern­be­treu­ung mit einer zeit­ge­mäßen IT-Aus­stat­tung wurde vom Ver­bin­dungs­büro und dem Verein Roma-Ser­vice gemein­sam ein­gereicht.

Lernbetreuung vor Ort

Die Außerschulische Lernbetreuung des Vereins Roma-Service in Oberwart bietet Kindern nach Schul­­ende Unter­stützung in schuli­schen An­gelegen­heiten. Die Lern­betreu­erin­nen fun­gieren als Brücken zwischen Eltern, Päda­gogen und Kindern. Der Verein stellt Mahl­zeiten für die Kinder bereit und fördert sie in ver­schie­denen schuli­schen As­pekten, darunter Unter­stützung bei Haus­auf­gaben, Förderung bestimm­ter Fächer und Hilfe bei Lern­schwierig­keiten. Dies be­inhaltet auch Pro­be-Tests, Übungs­schul­arbeiten, Lern­ziel­kontrol­len und Freizeit­pädagogik. Em­me­rich Gärtner-Hor­vath:

Das Projekt bietet Unterstützung für Schülerinnen und Schüler der Primar­stufe sowie der Sekundar­stufen 1 und 2. Die Schülerin­nen und Schüler kommen ent­weder selbst­ständig nach Schulende oder werden von weiter ent­fernten Schulen mit einem Projektbus ab­geholt. Während der Lern­betreuung er­­halten die Kinder Mahlzeiten und werden an­schlie­ßend individuell bei ihren Aufgaben unter­stützt. Es werden spe­zielle Übungen durch­geführt, um auf Prüfungen vor­zu­bereiten und das Selbst­bewusst­sein der Kinder durch positive Lern­erfolge zu stärken. Die Betreu­erinnen halten engen Kontakt zu den Lehrerin­nen und Lehrern sowie den Eltern, um indi­viduelle Förder­maß­nahmen zu ent­wickeln. In der Lernbetreuung sind eine Vollzeitkraft und eine Halbzeit­­kraft fest an­gestellt, zu­sätzlich gibt es zwei ehren­amtliche Mit­ar­beiterin­nen. Derzeit werden 23 Kinder betreut. Aufgrund der Digita­lisierung im Unter­richt werden immer mehr com­puter­unter­stützte Lern­ein­heiten durch­geführt. Read the rest of this entry »

Jahresbericht zu Antiziganismus in Deutschland

September 21st, 2023  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Jahresbericht 2022Die deutsche bundesweite Melde- und Infor­ma­tions­stelle Anti­ziga­nis­mus (MIA) ver­öffent­licht ihren ersten Jahres­be­richt (für das Jahr 2022) zu anti­ziga­nis­ti­schen Vor­fäl­len in Deutschland

→Download: Jahresbericht (pdf)

Für das Jahr 2022 haben MIA und ihre regiona­len Melde­stellen bundes­weit ins­gesamt 621 anti­ziganis­tische Vorfälle erfasst. Die für das Jahr 2022 er­fassten Vorfälle zeigen, dass Anti­ziganis­mus für Betrof­fene all­täglich ist. Jeder vierte Vorfall (158 Fälle) lässt sich dem Alltag zu­ord­nen. Auch im Wohn­kon­text (121 Fälle) sowie im Umgang mit Be­hörden (119 Fälle) sind zahl­reiche Vor­fälle er­fasst worden.

Bei den Vorfällen stechen besonders zwei Aspekte ins Auge: Mehr als die Hälfte der Vor­fälle fiel auf die Vorfall­art der Dis­krimi­nie­rung. Etwa die Hälfte der Fälle anti­ziga­nis­tischer Dis­krimi­nierung fand auf insti­tu­tio­neller Ebene statt. Beson­ders gra­vie­rende Vorfälle fanden sich im Kontext von Polizei, Jugend­amt, Job­center sowie von kom­munalen Ver­waltun­gen, die für die Unter­bringung von Ge­flüchteten zu­ständig sind. Dass so viele der Vorfälle im Kontext von staat­lichen Behörden statt­finden, zeigt die immense Lücke des All­ge­meinen Gleich­be­hand­lungs­ge­setzes (AGG) auf, welches sich aktuell auf den Bereich des privaten Rechts be­schränkt. MIA fordert eine Reform des All­gemeinen Gleich­be­hand­lungs­ge­setzes, so dass Dis­krimi­nierung durch staat­li­che Behörden ge­ahndet werden kann.

Die zweite auffällige Entwicklung ist der Antiziganismus gegenüber geflüch­teten Roma aus der Ukraine. Die Be­nach­teili­gung von ukrai­nischen Roma durch­zieht ver­schiedene Lebens­bereiche von der Einreise über die Unter­bringung bis hin zum Bildungs­bereich. Read the rest of this entry »