Sprache: Triumph des Willens
Juli 18th, 2023 | Published in Romani, dROMa (Magazin)
Das Caló – die Sprache der Gitanos
Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen, die bedrängt und verdrängt wurden, hat sich das Romani der Gitanos nicht einfach aufgelöst. Stattdessen hat es in Spanien in neuer Form, als sogenannte Mischsprache, überdauert.
Je nach Umgebungssprache (Spanisch, Katalanisch, Baskisch) entstand so in Spanien ein ganzer Strauß an Sprachen: das spanische Caló, das Caló catalán in Katalonien und das Erromintxela im Baskenland. Von Spanien aus gelangte das Caló auch nach Portugal (Calão), nach Südfrankreich und Lateinamerika, wo es eigene Wege einschlug.
Dieser Vorgang fasziniert die Wissenschaft bis heute; nicht zuletzt, weil er sich in ähnlicher Weise auch in anderen Randgebieten Europas, in Großbritannien oder Skandinavien, vollzog. Der Begriff der Sprachwissenschaft hierfür ist Pararomani. Das sind Sprachen, die zwar ihre alte grammatikalische Struktur aufgegeben, ihren Romani-Wortschatz aber in großen Teilen beibehalten haben: Grammatik und Lexik (Wortschatz) stammen aus unterschiedlichen Sprachen.
Heute ist das einstige Caló meist nur noch in Resten vorhanden und manche Kommentatoren sehen es bald völlig verschwinden. Aber das hieß es bereits vor 200 Jahren, als sich die ersten – von der Romantik inspirierten – Sprachforscher für die geheimnisvolle, vermeintlich sterbende Sprache der Gitanos zu interessieren begannen. Read the rest of this entry »