Meldestelle Antiziganismus in Berlin eröffnet
Juli 6th, 2022 | Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Die bundesweite Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) startet in Berlin. Die Auftaktveranstaltung fand am 5. Juli im Bildungsforum gegen Antiziganismus statt. Schon am 14. Juni 2022 eröffnete der Sinti-und-Roma-Landesverband Rheinland-Pfalz die regionale Monitoringstelle für Antiziganismus in Landau. Auch in Sachsen wurde bereits bei Romano Sumnal eine regionale Meldestelle installiert.
Auf der Webseite können antiziganistische Vorfälle sicher und vertraulich gemeldet werden! MIA registriert u.a. körperliche Angriffe, Bedrohungen, Sachbeschädigungen, Schmierereien, Beleidigungen, Hasskommentare sowie Propagandamaterial wie Hetzschriften, Plakate oder Aufkleber.
Zu den Aufgaben und Zielen von MIA sagt der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Mehmet Daimagüler: „Eine systematische Erfassung antiziganistischer Vorfälle fehlt bislang und das Dunkelfeld ist hier besonders groß. Mit der neuen bundesweiten Meldestelle ist eine Struktur geschaffen, die uns wichtige Erkenntnisse über die Ausprägung von Antiziganismus liefert. Damit können Bedarfe an rechtliche Begleitung, Beratung und Unterstützung aufgezeigt werden. Aber auch die Präventionsarbeit kann gezielter ansetzen etwa bei Diskriminierung durch Verwaltung und Behörden.“
Und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose: „Im Kampf gegen diesen immer wiederkehrenden Antiziganismus, gegen Rechtsextremismus und gegen nationalistische Spaltungstendenzen, sind es gerade solche Strukturen wie die Meldestelle und Informationsstelle Antiziganismus, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten, unsere Demokratie und unseren Rechtstaat zu verteidigen.“
2020 nahm der Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus die Forderung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma nach der Einrichtung einer solchen Struktur in seinen Maßnahmenkatalog auf. Unter Bundesminister Horst Seehofer wurde die Entscheidung zur Einrichtung von MIA getroffen und seit 2021 vom Innenministerium als unabhängiges zivilgesellschaftliches Projekt gefördert. Damit folgte die Bundesregierung einer der zentralen Empfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, deren Abschlussbericht im Juli 2020 vorgestellt wurde. MIA wird antiziganistische Vorfälle bundesweit einheitlich erfassen, dokumentieren und auswerten.