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„Zigeuner­ein­schlag – bes­ser nichts an­bieten“

April 22nd, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Versehentlich bekannt gewordener interner Vermerk beweist massive rassistische Diskriminierung am WohnungsmarktRassistische Diskriminierung bei Woh­nungs­ver­ga­be in Deutsch­land: Ein in­ter­ner Ver­merk der Woh­nungs­genos­sen­schaft Hameln ruft Em­pö­rung und Kri­tik des Min­der­hei­ten­ra­tes Deutsch­lands hervor

Eine rassistische Bemerkung auf einem Form­blatt für Woh­nungs­su­chende sorgte vor eini­gen Tagen für hef­tige Kritik an der Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft Hameln (WGH) in Niedersachsen. Ein Mit­arbeiter oder eine Mit­arbei­terin der WGH hatte einer 68-Jäh­rigen eine Beschei­ni­gung über eine ver­geb­li­che Be­wer­bung auf eine Zwei­zim­mer­wohnung über­sandt. Neben den per­sön­li­chen Daten stand nicht nur der Satz „Es lie­gen der­zeit keine An­gebote vor“, son­dern auch die Be­mer­kung „1 Pers.; leich­ter Zigeuner­ein­schlag; bes­ser nichts an­bieten“ – offen­bar ein interner Ver­merk, der nicht nach außen drin­gen sollte.

Die Hamelerin war sprachlos und empört. Ihre Mutter und an­dere Familien­mit­glie­der seien in der NS-Herr­schaft als „Zigeuner“ ver­folgt, in Kon­zentra­tions­lager ge­sperrt oder von den Nazis er­mordet wor­den. Die rassis­tische Be­merkung trifft sie damit umso mehr, heißt es im Arti­kel auf stern.de.

Der Fall zieht grö­ßere Kreise. Denn nun haben viele Sinti und Roma das schwarz auf weiß, was viele ver­muten, aber nur selten be­legen können: Auch acht Jahr­zehnte nach der Ver­folgung der Minder­heit durch die National­sozialis­ten wer­den Sinti und Roma in Deutsch­land weiter­hin be­nachtei­ligt.

Es gebe nach wie vor eine Form von alltägli­cher Dis­kriminie­rung, sag­te Herbert Heuß vom Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma in Deutsch­land gegen­über der Nord­west-Zei­tung. Es pas­siere immer wieder, sagt der wis­sen­schaft­li­che Leiter des Zentral­rats: Mal ist es eine junge Frau, die auf einem Computer­monitor in einem süd­west­deutschen Jobcenter einen ent­spre­chen­den Vermerk ge­sehen haben will. Mal ein Bewer­ber, bei dem die pas­senden Jobs trotz Quali­fi­kation immer plötz­lich ver­geben sind. Doch einen so klar doku­men­tier­ten Fall wie in Hameln gebe es nur selten.

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