Januar 6th, 2019 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Angst vor der Abrissbirne“ (ZDF)
D 2019, 31 Min., auf Arte verfügbar bis 2.4.2019
ARTE: Im mittelalterlichen Stadtzentrum von Perpignan, Südfrankreich, leben seit über 100 Jahren französische Sinti (Anm. d. Red.: tatsächlich handelt es sich um katalanischsprachige Gitanos, die bereits seit dem 18. Jh. hier ansässig sind, siehe unten). Diese innerstädtische Gemeinde ist in Westeuropa einzigartig. Doch ein Bauvorhaben der Stadtverwaltung droht, die Sinti von dort zu verdrängen.
Nur wenige Schritte von der Fußgängerzone Perpignans mit ihren hübschen Boutiquen und schicken Restaurants entfernt, beginnt eine andere Welt. Im Stadtteil Saint-Jacques leben die Sinti nach ihren eigenen Regeln und Traditionen. Die Stadtverwaltung will dem nun ein Ende setzen. Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung haben die Behörden damit begonnen, ein massives Sanierungsprogramm durchzuführen. Der Bürgermeister spricht von einer einmaligen Chance für das Viertel und seine Einwohner. Doch die Sinti befürchten, dass sie vertrieben werden sollen. Über 50 alte Häuser wurden bereits abgerissen. Ihre Einwohner mussten Saint-Jacques größtenteils verlassen. Alain „Nounours“ Gimenez ist in dem Stadtteil aufgewachsen. Zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter hat er die Abrissbagger im Sommer vorerst aus dem Viertel vertrieben. Seitdem liegen die Arbeiten brach, die Sanierung wurde zu einem nationalem Politikum. Nounours und seine Mitstreiter haben sich Denkmalschützer und Architekten als Verbündete gesucht und den Kampf gegen die Umvbaupläne aufgenommen. Können sie ihr Viertel vor dem Abriss bewahren?
*) Anm. der dROMa-Red.: Die katalanischen Gitanos von Perpignan kamen bereits gegen Ende des 18. Jh. aus Spanien nach Frankreich und sprechen bis heute einen altertümlichen katalanischen Dialekt (u.a. mit Caló- bzw. Romani-Elementen). Read the rest of this entry »
Januar 3rd, 2019 |
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Facts & Figures
Bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs wurden in der Sowjetunion, u.a. in der Ukraine, Weißrussland und im Nordkaukasus, über 50 Roma-Kolchosen gegründet.
(Quelle)
Januar 2nd, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Vor einem Jahr brannte ein Roma-Wohnhaus in Plauen (Deutschland). Passanten behinderten die Rettungsmaßnahmen und riefen: „Lasst sie brennen!“ Nun wurden zwei Neonazis verurteilt: Ein 20-Jähriger muss zur Strafe einen kurzen Aufsatz schreiben, sein Vater kommt mit einer Spende davon. Dabei befanden sich im brennenden Haus über 40 Personen, mehrere wurden teils lebensgefährlich verletzt, unter ihnen auch Kinder. Bei nichtdeutschen Tätern zeigt der Strafrichter hingegen weniger Milde. Die „Bild“-Zeitung feiert ihn sogar als „neuen Knallhart-Richter“.
In der Kleinstadt Plauen in Sachsen brannten vor rund einem Jahr hintereinander zwei Häuser desselben Eigentümers, in denen Roma aus Osteuropa wohnen: Am 29. Dezember 2017 in der Trockentalstraße und am 5. Februar 2018 in der Dürerstraße. Beim ersten Brand wurden über 40 Menschen evakuiert, rund 20 von ihnen wurden – zum Teil lebensbedrohlich – verletzt, unter ihnen auch acht Kinder. Beim zweiten Brand kamen zwei deutsche Nichtroma ums Leben, vier weitere Bewohner, darunter Roma, wurden verletzt. In beiden Fällen handelte es sich um Brandstiftung. Vom zweiten Brand betroffen waren u.a. auch Roma, die nach dem Brand in der Trockentalstraße in der Dürerstraße untergekommen waren.
„Lasst sie brennen“
Beim großen Brand in der Trockentalstraße riefen Neonazis Hassparolen, beschimpften die Polizisten und behinderten die Feuerwehr bzw. die Rettungskräfte. „Lasst sie brennen“, „endlich brennen die Molukken“, „Scheißkanaken“ und „anzünden muss man die“ sollen die Männer laut Zeugenaussagen gebrüllt haben.
Die Situation am Tatort bzw. die Behinderung ihres Einsatzes am 29. Dezember 2017 schilderten die Polizisten beim Prozess wie folgt: »„Das war einer der größten Einsätze, die wir hatten“, sagt ein Beamter. Er fuhr mit seinem Kollegen Streife, als aus der Haustür Rauch quoll. Sie sahen Männer, die Kleinkinder an den Handgelenken aus dem Fenster hielten. Im Treppenhaus war es so heiß, dass die Plastikmülltonnen schmolzen. Der Polizist, 49: „Die beiden haben uns unglaublich behindert. Wir hatten zu wenige Leute vor Ort und alle Hände voll zu tun (…).“ Das permanente Stören habe fast dazu geführt, dass der Einsatz außer Kontrolle gerät.«
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